Verlag: Books on Demand Kategorie: Gesellschafts- und Liebesromane Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2018

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E-Book-Beschreibung Muss ich schon wieder in den Urlaub? - Stella Stern

Wieso denn schon wieder in den Urlaub? Muss das sein? Und dann noch Saint-Tropez...Abenteuer oder Luxusurlaub...? "Wie sieht es denn hier aus...?" Der muntere Reisebericht von Stella Stern beschreibt die Reise an die Cotê Azur auf humorvolle Weise.

Meinungen über das E-Book Muss ich schon wieder in den Urlaub? - Stella Stern

E-Book-Leseprobe Muss ich schon wieder in den Urlaub? - Stella Stern

Die besten Reisen, das steht fest, sind die oft, die man unterlässt.

Eugen Roth

Inhalt

Die Vorgeschichte

So fing es an

Ein Dreivierteljahr später

Auf nach Salzburg!

Zwischenstation Wolfgangsee

Meran, ein weiteres Etappenziel

Angekommen in „Meisters Irma“

Weiter geht es über Sanremo

Nun aber auf nach Saint-Tropez!

„Moorea“ und die Altstadt

„Club 55“

„The Strand“

Die Rückfahrt

Ein kurzes Wort zum Schluss

Die Vorgeschichte

Die anderen tun es doch auch … So oder so ähnlich heißt es bei Loriot.

In einem Sketch versucht der Chef, gespielt von Vicco von Bülow, seine Sekretärin Renate ziemlich umständlich und ohne Erfolg zu küssen. Nach dem nicht erfolgten Kuss, der in einem Gerangel, zuerst auf einem Sessel, dann auf dem Teppich unter dem Sessel endet, erhebt sich Bülow etwas sperrig vom Boden, schiebt seine Brille zurück auf die Nase, richtet das Haupthaar und trifft anschließend nachdenklich verwundert, nachdem er sein Jackett glatt gestrichen hat, die oben genannte Aussage: „Die anderen tun es doch auch … Renate!“ Das mag in meinem Fall, es handelt sich bei mir um eine Urlaubsreise (das Küssen fällt mir nicht so schwer), oder eigentlich um Urlaubsreisen im Allgemeinen, etwas verwirrend klingen, und doch bin ich auf der Suche nach den viel beschriebenen Entzückungen, besonderen Erlebnissen und Glücksmomenten, wie sie der Rest der Welt im Urlaub zu erleben scheint und die mir einfach verborgen bleiben. Ich bin Johanne, genannt Jojo, ich erlebe Urlaube als stinklangweiliges künstliches Zeittotschlagen.

Gähnende Langeweile ersetzt sich dann am Urlaubsort eigentlich direkt, spätestens aber nach zwei Tagen und drei Nächten, durch latente nervöse Unruhe. Kaum bin ich am Reiseziel angekommen und habe mich einmal umgeschaut, so bilde ich mir ein, doch alles gesehen zu haben, und will dann auch direkt wieder nach Hause. Leichte bis mittelschwere Sinnkrisen lösen sich mit diffuser Nervosität ab. Alles dreht sich in meinem Kopf … Wer hat diesen seltsamen und eigentlich doch völlig überflüssigen Zeitvertreib erfunden? Wo die Zeit sich doch eigentlich ganz von selbst vertreibt und bei mir oft sehr knapp ist. Und warum braucht der Mensch einen Zeitvertreib? Sind Männer bei dieser Art des Lebens und Erlebens im Vorteil? Seit wann gibt es den Urlaub eigentlich? Hatten die Neandertaler oder der Homo erectus auch schon eine Art von Zeitvertreib? Oder seit wann gibt es den Begriff Urlaub? Was ist es, was den Urlaub für mich so unattraktiv anstrengend, gar stressig macht? Ist Urlaub Selbstzweck? Oder ist er auch zu etwas gut? Hat die Urlaubsabneigung mit meiner provinziellen, kleinbürgerlichen Erziehung zu tun? Oder besteht etwa die Möglichkeit, dass ich einfach nicht der Urlaubstyp bin, weil mein Leben ganz wunderbar ist und eigentlich so schön ist wie Urlaub? Auf der Suche nach einer oder vielleicht auch mehreren Antworten rolle ich die Geschichte jetzt mal vom Anfang auf. Ich will wissen, was dahintersteckt, wenn die anderen sich ein ganzes Jahr auf ihre Reise freuen, ihre weiße Haut, völlig albern, mal von hinten, mal von vorn, an überfüllten Stränden in der Sonne braten und die wertvolle Zeit einfach so zerrinnen lassen oder, besser gesagt, totschlagen oder totliegen. Ich hingegen freue mich nach Ankunft am Urlaubsort sofort wieder auf die Heimreise und beginne, wie ein kleines Kind, an den Fingern die verbleibenden Tage und Nächte nachzuzählen und fiebere der Abreise entgegen.

Fakt ist, die anderen tun es doch auch und sind scheinbar ziemlich begeistert davon, mindestens einmal, besser zwei- oder gar dreimal im Jahr in den Urlaub zu fahren, und berichten stets euphorisch von spannenden Eindrücken und intensiven Erlebnissen und von Sehnsuchtsorten, an denen man unbedingt gewesen sein muss. Da möchte ich auch „mit von der Partie sein“, mich nicht als Außenseiter, gar Spielverderber fühlen und werde so, in einer leichten Bierlaune von guten Freunden – ich nenne sie Ingeborg, sie nennt sich Bo, er nennt sie Brummhase, und ihrem Mann Frederik, er nennt sich Fred, sie nennt ihn Schneemüller – überredet, nachdem sie zum x-ten Mal über ihre unglaublich hinreißenden, sensationellen Urlaubserfahrungen berichteten, im nächsten Sommer nach Saint-Tropez zu reisen, um sie dort in ihren Ferien zu besuchen und entsprechend mit ihnen unseren Urlaub zu verbringen. Bei meinem Mann, er heißt Tillmann, genannt Till, biegen sich die anfänglich noch leicht hängenden Mundwinkel bis zu den großen Ohren hinauf und strahlend weiße Zähne blitzen zwischen seinen vollen Lippen hervor. Tillmann ist begeistert. Seine Urlaubsvorfreude könnte er, auch wenn er wollte, nicht verbergen – warum sollte er auch? Till gehört zu den Menschen, die leidenschaftlich gern in den Urlaub fahren. Die beiden anderen, Bo und Frederik, sind ebenfalls, wenn auch im ersten Moment noch etwas zurückhaltend, da vermutlich überrascht, erfreut und dann, nach ein paar Minuten der Besinnung, direkt begeistert.

Brummhase und Schneemüller reisen abwechselnd im Frühjahr zehn Tage nach Marrakesch, im Sommer drei Wochen nach Saint-Tropez. Das tun sie seit ungefähr 30 Jahren regelmäßig. Bei jedem unserer Treffen, alle acht bis zehn Wochen, mehr hält man von der überbordenden Dynamik der beiden nicht aus, erfahren wir, in den meisten, Fällen von unserer Seite eher ungewollt, von diesen Urlauben.

Dank ausführlicher und überschwänglicher Reiseberichterstattungen sind wir immer bestens im Bilde: an welchem Strand oder welchem angesagten Etablissement man welche Stars und Promis trifft; was man wie und in welchem Restaurant zu essen hat; zu welcher Musik wo, wie und auf welchen Tischen getanzt wird; wer wen ab wann mit Champagner bespritzt und welcher Häkelbikini an welchem Platz zu welcher Zeit zu tragen ist. Wann man einen Kaftan benötigt, dieser dann an- und wann lieber wieder auszuziehen ist. Dass die anderen Urlauber oft leider nicht mehr wissen, wie sich in diesen wichtigen Refugien zu benehmen sei, und vieles früher doch echt besser, einfach hochwertiger gewesen sei, manches inzwischen leider zu einem reinen Touristen-Gemache verkommen ist (selbst ist man dabei natürlich niemals der Touri, sondern immer sind es die anderen), man die Strände wie Lokalitäten aber unbedingt gesehen haben müsse, denn das wirklich wichtige Leben finde noch immer dort statt … Das klingt jetzt vermutlich ein wenig reduziert, und das ist es sicher auch, aber es sind die Geschichten, die in meinen Ohren durch die häufig unerwünschte Dauerbeschallung, in der Regel von Ingeborg ausgeführt, ankommen.

Bo setzt sich bei jedem unserer Treffen direkt an meine Seite und textet mich zu. Ich bin halt ein wehrloses Beschallungsopfer, nie würde ich mich trauen, sie auszubremsen. Meine gute Erziehung steht mir dabei im Weg.

Und bei allen Reiseberichterstattungen, die sich in den meisten Fällen ziemlich unsinnig, überflüssig und abgehoben, manchmal auch ungeheuer trivial anhören, ist es gleichermaßen unglaublich wie auch faszinierend für mich.

Denn durch Bos Erzählungen entsteht ein kunterbunter Abenteuerfilm von Reichen, Schönen und Wichtigen (untermalt von dem einen oder anderen Artikel in den einschlägigen Zeitschriften) in meinem Kopf. Und so möchte ich das Schicki-Getue auch mal ausprobieren, live erleben, schließlich mit dazugehören, dabei sein, mitreden können, die blöden anderen einfach mal als Touri belächeln. Nun wehre ich mich nicht mehr länger gegen eine solche Reise.

Irgendwohin müsste ich ja, wegen Tillmanns Lust am Unterwegssein, sowieso fahren, also was spricht dann gegen Saint-Tropez? Das erreicht man immerhin mit dem Auto und muss sich nicht auch noch in ein enges Flugzeug quetschen und dicht an dicht, meist mit unvermeidbarem Körperkontakt neben völlig fremden Menschen sitzen … Für mich, mit der Mentalität eines Fluchttiers, mit dem Bedarf an ausreichend Bewegungsraum, ist eine Flugreise fast so etwas wie eine Strafe, mindestens aber ein mittelschwerer Albtraum. Vor geschätzten 30 Jahren, das muss ich jetzt berichten, war ich bereits dort in Saint-Tropez gewesen. Man könnte fast sagen versehentlich, da ich in völliger Ahnungslosigkeit, ganz keck und unter vorgetäuschter Reiseerfahrung, diesen Ort als mein favorisiertes Ziel angab … Damals dort erstmalig angekommen, fand ich es mittelmäßig schlimm bis ziemlich schrecklich und hätte mich am liebsten sofort und stante pede zurück in die vertraute Heimat, nämlich Niedersachsens südwestlichen Vorharz, gebeamt.

Was viele Menschen gar nicht zu wissen scheinen, ich damals auch nicht: Die Südfranzosen neigen dazu, sich gerade in den Sommermonaten mit sehr wenig Textil zu umhüllen. Für ein Kind aus dem Harzer Raum eine echte Herausforderung. Und bei meinem ersten Aufenthalt empfand ich sie mit ihren Häkelbikinis als unanständig nackt. Ihr Selbstverständnis und die Leichtigkeit des Seins bereitete mir mit meiner spießigen Erziehung einiges Unbehagen. Und doch war diese Form des leichten, offenen Lebens, was auf Plätzen im Freien, in Bistros und am Hafen stattfand, auch irgendwie interessant und aufregend, stellte es doch den kompletten Gegenentwurf zu meiner jungen, unbefleckten Welterfahrung dar. Also will ich es nach Jahren der durch Jugendlichkeit und Unerfahrenheit geprägten Eindrücke noch einmal möglichst unvoreingenommen ausprobieren, in diese Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit des Lebens einzutauchen und mich dann anschließend hoffentlich in einem beglückend inspirierenden Urlaubsflow wiederfinden. Im besten Fall diesen Flow sogar genießen. Das würde im Zusammenleben mit meinem Mann vieles vereinfachen. Da muss ich doch vielleicht auch mal über meinen eigenen Schatten springen, sonst werde ich möglicherweise schrullig und einsam. Die beiden Beinahfreunde, Bo und Fred, so kapriziös und oberflächlich sie auch sein mögen, überraschen mich stets von Neuem, denn die 60-Jahre-Marke haben sie bereits seit einiger Zeit überschritten und sind in ihrer Art so was von jung geblieben, das ist wirklich toll. Hat es mit ihrer angeblich ungewollten Kinderlosigkeit zu tun, sind sie dadurch einfach selbst mehr Kind und unkompliziert, gar unkritisch geblieben?

Oder liegt es an der lebensbejahenden Art, die keine Party auslässt und teilweise durchaus etwas schlicht-naiv daherkommt?

Sorgenfalten haben bei den beiden auf keinen Fall eine Chance. Der Spaß, den sie zu haben scheinen, und das seit vielen Jahren, macht mich zusätzlich neugierig auf ihre Reiseziele; so erkläre ich mich, in bereits erwähnter Laune, die von einem niedrigprozentigen alkoholischen Getränk etwas Unterstützung erhielt, zu einem Urlaubsbesuch in Saint-Tropez bereit. Der Reisetermin lag zu dem Zeitpunkt noch deutlich über 200 Tage in der Zukunft, da fiel mir die leichtfertige Zusage für den Besuch noch weniger schwer. Ein solches Versprechen geht bei fröhlicher Laune in geselliger Runde quasi wie von selbst über die Lippen.

So fing es an

Nun aber noch einmal zurück zum wirklichen Anfang … Mein Mann, also Till, und ich, Jojo, waren als Studenten in den frühen 1990er Jahren, damals beide Anfang bis knapp Mitte 20, bereits einmal in Saint-Tropez gewesen. Mit dem von Tillmanns Onkel Jens, genannt Jensing, geliehenen und in den 1990er Jahren immer noch angesagten freakigen Althippie-VW-Bus Bulli in Babyblau mit cremefarbenem Dach sollte die Reise beginnen.

Mit von der Partie Pascha und Bobby, ein Königspudel und ein Bobtail, zwei recht große Hundemädchen mit spaßigen Jungennamen. Die beiden in die Jahre gekommenen zotteligen Vierbeiner hatte uns Jensing im Gegenzug zum Bulli-Verleih aufs Auge gedrückt. Wir sollten die beiden betreuen, während er auf einer 14-tägigen Dienstreise in den USA unterwegs war und dadurch ja auch seinen Bus nicht benötigte.

Dass sich dadurch unsere und seine Reisetermine kreuzten und wir nun die beiden Hunde als Mitreisende verstauen mussten, übersah Jensing ganz einfach wie vermutlich auch bewusst. Ein verplanter Altfreak eben, wie ich damals dachte.

Wir packten also, teils jugendlich naiv, teils voller Tatendrang, Pascha und Bobby in den Bus und nahmen sie ganz selbstverständlich mit auf die mehr als 1000 Kilometer lange