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"Morgan Rice hat es wieder geschafft! Mit starken Charakteren hat uns die Autorin in eine magische Welt entführt. WÜRDE ist gefüllt mit Intrigen, Verrat, unerwarteten Freundschaften und allen guten Zutaten, die jede Seite zum Genuss werden lassen. Vollgepackt mit purer Action zieht dieses Buch Leser schnell in seinen Bann." – Books and Movie Reviews, Roberto Mattos Von der Bestsellerautorin von DER RING DER ZAUBEREI (ein kostenloser Download mit mehr als 1.000 5-Sterne-Bewertungen), Morgan Rice, erscheint eine neue fesselnde Fantasy-Reihe. In MUT, dem epischen Finale von Der Weg des Stahls, macht Royce eine dramatische Verwandlung durch, nachdem er in den magischen Spiegel geblickt hat. Hat er die ultimative Weisheit erfahren? Verfällt er dem Wahnsinn? Der Spiegel offenbart viele Geheimnisse, und nun ist Royce auf dem Weg zu dem Versteck seines Vaters. Wird er ihn zum ersten Mal treffen? Die tragische Liebesgeschichte um Genevieve und Royce erreicht ihren Höhepunkt und liefert eine überraschende Wende, die ihre beiden Leben für immer verändern wird. Und zwischen all dem wartet auch noch die epische Schlacht gegen die Streitmächte des Königs, die das Schicksal des Landes – und der Herrschaft – für immer bestimmen wird. DER WEG DES STAHLS liefert eine epische Geschichte von Freunden und Liebenden, von Rittern und Ehre, von Verrat, Schicksal und Liebe. Eine Geschichte über Heldenmut, die uns in eine fantastische Welt eintauchen lässt, in die wir uns einfach nur verlieben können und die für jedes Alter und alle Geschlechter geeignet ist. Besucht www.morganricebooks.com für Neuigkeiten zu weiteren Veröffentlichungen von Morgans künftigen Fantasy-Reihen.
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Seitenzahl: 359
Veröffentlichungsjahr: 2021
MUT
Morgan Rice
Morgan Rice ist #1 Bestseller-Autor und USA Today-Bestsellerautor der epischen Fantasy-Serie RING DER ZAUBEREI, die siebzehn Bücher umfasst; der Bestseller-Serie WEG DER VAMPIRE, bestehend aus zwölf Büchern; der Bestseller-Serie TRILOGIE DES ÜBERLEBENS, einem postapokalyptischen Thriller mit drei Büchern; der epischen Fantasy-Serie VON KÖNIGEN UND ZAUBERERN, bestehend aus sechs Büchern; der epischen Fantasy-Serie FÜR RUHM UND KRONE, bestehend aus acht Büchern; der epischen Fantasy-Serie EIN THRON FÜR SCHWESTERN, bestehend aus acht Büchern; der neuen Science-Fiction-Serie CHRONIK DER INVASION mit vier Büchern; der Fantasy-Serie OLIVER BLUE UND DIE SCHULE FÜR SEHER, bestehend aus vier Büchern; der Fantasy-Serie DER WEG DES STAHLS, bestehend aus vier Büchern; und der neuen Fantasy-Serie DAS ZEITALTER DER MAGIER. Morgans Bücher sind in Audio- und Printausgaben erhältlich, und Übersetzungen sind in über 25 Sprachen erhältlich.
Morgan freut sich, von Ihnen zu hören. Besuchen Sie also www.morganricebooks.com
BÜCHER VON MORGAN RICE
DAS ZEITALTER DER MAGIER
REICH DER DRACHEN (BUCH #1)
THRON DER DRACHEN (BUCH #2)
VON DRACHEN GEBOREN (BUCH #3)
RING DER DRACHEN (BUCH #4)
KRONE DER DRACHEN (BUCH #5)
ABENDDÄMMERUNG DER DRACHEN (BUCH #6)
SCHILD DER DRACHEN (BUCH #7)
DER TRAUM DER DRACHEN (Buch #8)
OLIVER BLUE UND DIE SCHULE FÜR SEHER
DIE ZAUBERFABRIK (BUCH #1)
DIE KUGEL VON KANDRA (BUCH #2)
DIE OBSIDIANE (BUCH #3)
DAS FEUERZEPTER (BUCH #4)
DIE INVASIONSCHRONIKEN
ÜBERMITTLUNG (BUCH #1)
ANKUNFT (BUCH #2)
DER WEG DES STAHLS
WÜRDE (BUCH #1)
TAPFERKEIT (BUCH #2)
SCHICKSAL (BUCH #3)
MUT (BUCH #4)
EIN THRON FÜR SCHWESTERN
EIN THRON FÜR SCHWESTERN (BUCH #1)
EIN GERICHT FÜR DIEBE (BUCH #2)
EIN LIED FÜR WAISEN (BUCH #3)
EIN KLAGELIED FÜR DIE PRINZESSIN (BUCH #4)
EIN JUWEL FÜR KÖNIGE (BUCH #5)
EIN KUSS FÜR KÖNIGINNEN (BUCH #6)
EINE KRONE FÜR MÖRDER (BUCH #7)
EIN HÄNDEDRUCK FÜR THRONERBEN (BUCH #8)
FÜR RUHM UND KRONE
SKLAVIN, KRIEGERIN, KÖNIGIN (BUCH #1)
SCHURKIN, GEFANGENE, PRINZESSIN (BUCH #2)
RITTER, THRONERBE, PRINZ (BUCH #3)
REBELL, SCHACHFIGUR, KÖNIG (BUCH #4)
SOLDAT, BRUDER, ZAUBERER (BUCH #5)
HELD, VERRÄTER, TOCHTER (BUCH #6)
HERRSCHER, RIVALE, VERBANNTE (BUCH #7)
SIEGER, BESIEGTER, SOHN (BUCH #8)
VON KÖNIGEN UND ZAUBERERN
DER AUFSTAND DER DRACHEN (BUCH #1)
DER AUFSTAND DER TAPFEREN (BUCH #2)
DAS GEWICHT DER EHRE (BUCH #3)
DIE SCHMIEDE DES MUTS (BUCH #4)
EIN REICH DER SCHATTEN (BUCH #5)
DIE NACHT DER VERWEGENEN (BUCH #6)
VON KÖNIGEN UND ZAUBERERN: EINE KURZGESCHICHTE
DER RING DER ZAUBEREI
QUESTE DER HELDEN (BUCH #1)
MARSCH DER KÖNIGE (BUCH #2)
FESTMAHL DER DRACHEN (BUCH #3)
KAMPF DER EHRE (BAND #4)
SCHWUR DES RUHMS (BAND #5)
ANGRIFF DER TAPFERKEIT (BAND #6)
RITUS DER SCHWERTER (BAND #7)
GEWÄHR DER WAFFEN (BAND #8)
HIMMEL DER ZAUBER (BAND #9)
MEER DER SCHILDE (BAND #10)
REGENTSCHAFT DES STAHLS (BAND #11)
LAND DES FEUERS (BAND #12)
DIE HERRSCHAFT DER KÖNIGINNEN (BAND #13)
DER EID DER BRÜDER (BAND #14)
DER TRAUM DER STERBLICHEN (BAND #15)
DAS TOURNIER DER RITTER (BAND #16)
DAS GESCHENK DER SCHLACHT (BAND #17)
DIE TRILOGIE DES ÜBERLEBENS
ARENA EINS: DIE SKLAVENTREIBER (BAND #1)
ARENA ZWEI (BAND #2)
DER WEG DER VAMPIRE
GEWANDELT (BAND #1)
VERGÖTTERT (BAND #2)
VERRATEN (BAND #3)
BESTIMMT (BAND #4)
BEGEHRT (BAND #5)
VERMÄHLT (BAND #6)
GELOBT (BAND #7)
GEFUNDEN (BAND #8)
ERWECKT (BAND #9)
ERSEHNT (BAND #10)
Ausgewähltes Kritikerlob für Morgan Rice
"Wenn Sie glaubten, dass es nach dem Ende der Serie RING DER ZAUBEREI keinen Grund mehr zum Leben gäbe, haben Sie sich geirrt. Mit DER AUFSTAND DER DRACHEN hat Morgan Rice eine weitere brillante Serie entwickelt, die uns in eine Fantasy-Welt von Trollen und Drachen, von Tapferkeit, Ehre, Mut, Magie und Schicksal entführt. Morgan hat es wieder geschafft, starke Figuren zu kreieren, mit denen wir auf jeder Seite mitfiebern. Eine Bereicherung für die Bibliothek aller Leser, die eine gut geschriebene Fantasystory lieben.“
– Books and Movie Reviews, Roberto Mattos
"Eine actiongeladene Fantasystory, die Fans von Morgan Rices früheren Romanen und Fans von Werken wie DIE ERAGON-TETRALOGIE von Christopher Paolini begeistern wird. Fans von Fiktion für junge Erwachsene werden diese neueste Arbeit von Rice verschlingen und um mehr bitten.“
– The Wanderer, A Literary Journal (zu Der Aufstand der Drachen)
„Eine temperamentvolle Fantasy-Erzählung, die Elemente von Geheimnis und Intrige in ihre Handlung einbindet. Bei Queste der Helden geht es darum, den Mut zu finden, seiner Bestimmung zu folgen, die zu Wachstum, Reife und Brillanz führt. Wer kraftvolle Fantasy-Abenteuer sucht, wird von den Protagonisten und Aktionen dieser Erzählung mit packenden Begegnungen belohnt. Thors Entwicklung von einem verträumten Kind zu einem jungen Erwachsenen mit unmöglichen Überlebenschancen findet vor diesem mitreißenden Hintergrund statt. Der Beginn einer epischen Serie für junge Erwachsene.“
– Midwest Book Review (D. Donovan, eBook-Rezensent)
“Der Ring der Zauberei hat alle Zutaten für einen umgehenden Erfolg: Komplotte, Gegenkomplotte, Geheimnisse, tapfere Ritter und junge, erblühende Beziehungen voller gebrochener Herzen, Täuschung und Verrat. Es wird Ihnen stundenlange Unterhaltung verschaffen und alle Altersgruppen begeistern. Eine Bereicherung für die Bibliothek aller Fantasy-Leser.“
– Books and Movie Reviews, Roberto Mattos
„In diesem actiongeladenen ersten Buch der epischen Fantasy-Reihe Ring der Zauberei
Wussten Sie, dass ich mehrere Serien geschrieben hat? Wenn Sie noch nicht alle kennen, klicken Sie einfach auf einen der Titel und holen Sie sich den Serienauftakt!
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Copyright © 2019 by Morgan Rice. Alle Rechte vorbehalten. Außer mit Genehmigung unter dem U.S. Copyright Act von 1976 darf kein Teil dieser Veröffentlichung vervielfältigt, weitergegeben oder in jedweder Form durch jegliche Mittel übertragen oder in einer Datenbank oder einem Speichersystem gespeichert werden, ohne ausdrückliche Genehmigung des Autors. Dieses eBook ist rein für Ihre persönliche Unterhaltung lizenziert. Dieses eBook darf nicht weiterverkauft oder an andere Leser weitergegeben werden. Wenn Sie dieses Buch gerne mit anderen Personen teilen möchten, erwerben Sie bitte eine weitere Kopie für jeden weiteren Leser. Wenn Sie dieses eBook lesen ohne eine eigene Kopie erworben zu haben, geben Sie es bitte zurück und erwerben Sie eine eigene Kopie. Vielen Dank, dass Sie die harte Arbeit des Autors respektieren. Dieses Buch beruht auf Fiktion. Namen, Charaktere, Unternehmen, Organisationen, Orte, Ereignisse und Gegebenheiten sind entweder vom Autor ausgedacht oder fiktional verwendet. Jede Ähnlichkeit zu real existierenden Personen, lebend oder verstorben, ist absolut zufällig. Coverbild Copyright Amir Bajrich
INHALTSVERZEICHNIS
KAPITEL EINS
KAPITEL ZWEI
KAPITEL DREI
KAPITEL VIER
KAPITEL FÜNF
KAPITEL SECHS
KAPITEL SIEBEN
KAPITEL ACHT
KAPITEL NEUN
KAPITEL ZEHN
KAPITEL ELF
KAPITEL ZWÖLF
KAPITEL DREIZEHN
KAPITEL VIERZEHN
KAPITEL FÜNFZEHN
KAPITEL SECHZEHN
KAPITEL SIEBZEHN
KAPITEL ACHTZEHN
KAPITEL NEUNZEHN
KAPITEL ZWANZIG
KAPITEL EINUNDZWANZIG
KAPITEL ZWEIUNDZWANZIG
KAPITEL DREIUNDZWANZIG
KAPITEL VIERUNDZWANZIG
KAPITEL FÜNFUNDZWANZIG
KAPITEL SECHSUNDZWANZIG
KAPITEL SIEBENUNDZWANZIG
KAPITEL ACHTUNDZWANZIG
KAPITEL NEUNUNDZWANZIG
KAPITEL DREISSIG
KAPITEL EINUNDDREISSIG
Royce sah in den Spiegel der Weisheit und in den ersten Augenblicken war alles, was er darin erkennen konnte, das Spiegelbild der Welt um ihn herum. Er sah die erste der Sieben Inseln einstürzen, die Wellen um das Boot rollen – konnte Mark, Neave, Mathilde, Ember, den Falken, und Gwylim, den wolfsähnlichen Bhargir, ausmachen.
In Momenten wie diesen konnte er nicht nachvollziehen, warum Dust geschrien hatte, als er hineingeblickt hatte. Warum sein Vater Royce davor gewarnt hatte, hineinzusehen. Oder warum dieser Akt Barihash in seiner Grotte unter dem Vulkan in den Wahnsinn getrieben hatte. Es schien nur ein üblicher Spiegel zu sein.
„Royce, ist das eine gute Idee?“, wollte Mark weiter hinten auf dem Boot wissen. Sein Freund klang besorgt, und Royce konnte die Gründe dafür verstehen. Sie hatten alle so viel durchgemacht, und die äußerst echten Gefahren der Sieben Inseln überstanden. Mark hatte mindestens eine neue Narbe von der Erfahrung, und Asche von der Insel saß in seinem dunklen Haar.
Neave und Mathilde saßen in der Mitte des Boots, kontrollierten das Segel zwischen sich. Royce konnte sie im Spiegel sehen. Das Picti-Mädchen mit dunklen Haaren und mit Blaufarbstoff tätowiert, Mathildes rotes Haar matt vom Blut der vielen Kämpfe, die sie erlebt hatten. Royce meinte, im Spiegel einen Funken von etwas zu erkennen. Die beiden irgendwo in einer Hütte …
Royce sah weiter hin, entschlossen, alles zu sehen, was der Spiegel ihm zeigen würde. Gwylim gab brüllend eine Warnung von sich, doch Royce blendete den Bhargir aus. Er musste es wissen … Musste sehen, was mit seinem Vater geschehen war.
In dem Moment, in dem der Spiegel sich mit ihm verband, fühlte es sich an, als würde die ganze Welt in einen geschärften Fokus rücken. Das Glas verbreiterte sich, sodass es Royces gesamtes Blickfeld einnahm. Als er in die Welt im Spiegel blickte, realisierte er, dass er jeden Grashalm an fernen Ufern erspähen, jede Bewegung der Wellen nachvollziehen konnte, die drohten, das Boot in diese und die andere Richtung zu schwenken. Er begab sich, ohne wirklich darüber nachzudenken, zur Pinne, um eine kleine Kurskorrektur vorzunehmen, die sie an einer Stelle vorbeiführte, wo Felsen unter den Wellen lauerten.
„Warum hast du das getan?“, wollte Mark wissen.
Royce öffnete seinen Mund, um sich zu erklären. Aber als er das tat, spürte er, wie sein Griff um den Spiegel wich. Die Muster darin waren zu komplex, um an ihnen festzuhalten und sie gleichzeitig zu erklären. Sein Fokus konnte zu einfach geschwächt werden, wenn er es zu erklären versuchte. Royce schloss seinen Mund und war fest entschlossen, weiter hinzusehen.
Jetzt verstand Royce, wie der Spiegel der Weisheit einen verrückt machen konnte. Möglichkeiten rollten durch seinen Kopf, wie Steine, die vom wütenden Vulkan stürzten, den sie mit jedem Augenblick weiter und weiter hinter sich ließen. Sogar diese Steine bargen Möglichkeiten. Royce sah, wie jeder Windstoß oder ein Beben der Erde sie in eine andere Richtung senden könnten.
„Und das sind bloß Steine!“, rief Royce aus, während er weiter in den Spiegel starrte. Er barg eine Klarheit und einen Fokus, die Royce noch nie erlebt hatte – die ihn aber gleichzeitig zu überwältigen drohte, wenn er nicht vorsichtig war. Darin war so viel von allem zu sehen, dass es beinahe unmöglich war, sich auf nur etwas davon zu konzentrieren. Und Royce musste seine Aufmerksamkeit immer wieder zurück darauf richten, was er sehen wollte.
Das Vorbeifliegen von Vögeln lenkte ihn einen Moment lang ab, dann das Spiel des Sonnenlichts auf den Wellen. Alles barg so viele Geheimnisse, und nur schon diese Einsicht, ließ Royces Hirn sich anfühlen, als würde es gleich platzen. Er sah alle Möglichkeiten, und diese nur auf jene zu reduzieren, die wirklich wichtig waren, war, als würde man einen bestimmten Baum in einem Wald voller Verzweigungen suchen.
„Zeig mir die Schlacht, die auf uns zukommt“, verlangte Royce vom Spiegel. „Zeig mir, was ich tun muss. Zeig mir meinen Vater.“
Dann sah er hinein, und einen Moment lang drohte der Schrecken, ihn zu übermannen. Drohte, ihn verzweifelt aufschreien zu lassen, wie es Dust getan hatte. Dann sah er all die Gründe, warum Dust ihm nachgegangen war. Er sah den Tod, der in den Schlachten folgen, wie der Krieg niemals enden würde. Royce sah, wie die Schlacht gegen König Carris das gesamte Königreich in einen blutigen Bürgerkrieg ziehen würde, und die unzähligen, unzähligen Tode, die folgen würden.
Er sah die Möglichkeit auf einen Sieg, und Versuche, um das Königreich zu einem besseren Ort zu machen. Aber Royce entgingen auch die vielen Möglichkeiten nicht, wie alles fürchterlich schiefgehen könnte. Er sah die bestechlichen Höflinge, einen Sohn mit Genevieve, der heranwachsen würde und …
„Nein“, sagte Royce kopfschüttelnd und zwang sich, genauer hinzusehen. Er musste sich daran ermahnen, dass der Spiegel so funktionierte: Er zeigte einem nicht einen einzigen Weg – er veranschaulichte nur die Folgen gewisser Taten. Er konnte dunkle Möglichkeiten sehen, Möglichkeiten voller Tod … Aber er sah auch Möglichkeiten, wie die Welt so viel mehr sein könnte. Er war weniger ein Seher, der in Eingeweiden nach Antworten suchte. Eher ein Navigator, der in hunderten Karten einen Weg zu wählen versuchte.
„Wir sollten ihn von diesem Ding wegziehen“, sagte Mathilde. Ihre Stimme klang fern, obwohl Royce sie so klar hörte, wie jedes andere Flüstern und jedes noch so leise Geräusch in diesem Moment.
„Nein“, erwiderte Royce, hielt seine Hand hoch. Im Spiegel konnte er sehen, dass das genügen würde, um sie aufzuhalten. Derart unmittelbare Momente waren einfach vorauszusehen, und sie bargen nur wenige Entscheidungsmöglichkeiten. „Nein, ich muss es verstehen.“
„Lasst ihn“, meinte Neave. „Er hat den Stein singen lassen und die Brücke zum Turm überquert. Wenn jemand die alte Magie dazu bewegen kann, sich seinem Willen zu beugen, dann Royce.“
Royce lachte beinahe, als er das hörte, tat es aber nicht. Denn er konnte sehen, dass seine Freunde glauben würden, dass er verrückt war, wenn er es täte. Hier ging es nicht darum, den Spiegel dazu zu bringen, sich seinem Willen zu fügen. Das war der Fehler, den die meisten Leute machten. Er beugte sich nicht jemandes Willen, sondern verschaffte Klarheit – zeigte Möglichkeiten. Barihash hatte ihn als etwas Böses erscheinen lassen. Dust war erschrocken vor ihm zurückgeschreckt. Aber Royce sah genauso viele schöne Möglichkeiten.
„Vielleicht ist es das“, sinnierte Royce beinahe flüsternd. „Es ist ein Spiegel … Vielleicht wirft er nur zurück, was man ihm entgegenhält?“
„Royce“, sagte Mark. Royce sah nicht zu seinem Freund hoch, denn in diesem Moment war zu viel zu sehen. „Royce, wir werden nach Hause segeln. Gib mir ein Zeichen, dass du mich hören kannst.“
Natürlich konnte Royce ihn hören – warum auch nicht? Royce nickte, hielt dann aber inne. Denn selbst diese kleine Bewegung schien die Möglichkeiten zu verzerren. Und Royce musste sie alle sehen, wenn er einen Weg herausfinden wollte, welchen Weg sie einschlagen sollten.
„Was, wenn die Dinge so weitergehen wie bisher?“, fragte Royce den Spiegel, versuchte die vagen Gedanken, die er hatte, in eine Frage zu fassen – versuchte, sich zu konzentrieren.
Er sah die Antwort darauf im Glas. Er sah hunderte, tausende Leute sterben. Er sah eine Unmenge an Blut und einen scheinbar niemals endenden Krieg.
Er suchte nach einem Weg, um diesen Krieg zu gewinnen, starrte wieder und wieder ins Glas – obwohl jeder Versuch noch schlimmer zu enden schien als der letzte. Er sah sich selbst, seine Freunde, und die Menschen, die zu seiner Unterstützung eingetroffen waren, auf hunderte verschiedene Arten sterben – und mehr. So viele der Möglichkeiten schienen in Tod und Verderben zu führen.
Seine Gefühle für Genevieve schienen Teil des Problems zu sein. Die Liebe, die er verspürte, und die Dinge, die er bereit war, für sie zu tun, schienen Royce nur davon abzubringen, das Richtige zu tun. Die Wege, die ihn zu ihr führten, schienen auch zum größten Schmerz zu führen. Trotzdem konnte Royce sich nicht von ihnen abwenden.
„Ich muss einen Weg finden, der die Leute leben lässt“, drängte er. Er war entschlossen, obwohl er spüren konnte, dass sein Bewusstsein langsam zu verblassen schien.
Es waren nur noch so wenige gute Wege übrig. Sie schienen wie eine magere Sammlung von silbernen Strängen, die sich durch eine Welt zogen, die ansonsten in Dunkelheit versank. Das Problem war einfach: Leute wie Altfor und seine Familie, oder der König, Carris, würden alles dafür tun, an der Macht zu bleiben. Was für eine Hoffnung gab es, sie dazu zu bringen, diesen Griff, ohne einen Krieg, den alle mit ihnen in den Abgrund stürzte, zu lösen?
Der Faden dafür war so dünn, dass Royce kaum glauben konnte, dass er wirklich existierte. Er konnte jedoch die Elemente sehen, aus denen er geschaffen war. Die Entscheidungen, die eine nach der anderen zusammenfanden. Es waren so viele, dass es beinahe ein Wunder gewesen wäre, wenn sie alle zueinanderfinden würden. Doch er konnte sehen, wo alles begann.
Er musste seinen Vater finden.
„Aber wo?“, murmelte Royce. Er konnte sich vorstellen, dass seine Freunde ihn anstarrten und sich dachten, dass er völlig verrückt geworden war. Er hatte einen kurzen Blick auf sie erhascht. Hatte gesehen, wie sie mit misstrauischen Blicken über das Bootsdeck sahen. Was ging ihnen durch den Kopf? Was heckten sie aus?
Royce riss sich rechtzeitig zusammen. Hatte Barihash so angefangen? War die simple Tatsache, so viel sehen zu können, genug, um jemanden in den Wahnsinn zu treiben? Royce zwang sich, sich zu konzentrieren, richtete seine Aufmerksamkeit auf seinen Vater, und versuchte, herauszufinden, wohin er gegangen war, als er die Insel verlassen hatte.
Es bedurfte all seiner Kraft, das zu bewerkstelligen. Der Spiegel schien von diesem einen Gedanken in eine Möglichkeit und zur nächsten zu führen. Royce watete durch sie hindurch wie ein Mann durch einen Schneesturm, versuchte, aufmerksam zu bleiben.
Klarheit überkam ihn, und er begriff, dass er bereits wusste, wo sein Vater hingegangen war. In den Sachen seines Vaters hatten Pergamentrollen gelegen, die in Stücke gerissen worden waren, und die Royce nur wenige Sekunden gesehen hatte. Es hatten Worte darauf gestanden, und jetzt wusste Royce, was sie zu bedeuten hatten. Wo sie bedeuteten. Royce konnte in diesem Moment alles sehen. Alles, was er tun musste. Er sah vom Spiegel hoch. Zu seinem Erstaunen war es dunkel geworden. Die Sterne funkelten am Himmelszelt, das Mondlicht breitete sich über das Wasser aus, und die Sieben Inseln waren nichts weiter als ein winziger Punkt am Horizont.
„Geht’s dir gut?“, fragte Mark besorgt.
Beinahe unmittelbar schienen all die erstaunlichen Details, die Royce im Spiegel gesehen hatte, zu verblassen. Das komplexe Netz aus Möglichkeiten und Entscheidungen war zu weitläufig, um sich an alle Bestandteile zu erinnern.
„Ich weiß, wohin wir gehen müssen“, sagte Royce. Er griff nach der Pinne, bewegte sie und schlug einen neuen Kurs ein. Es war ihm so klar wie der Mond in jener Nacht, dass das die richtige Richtung war, und dass sein Vater voraus lag.
„Was machst du da?“, wollte Mathilde wissen.
Royce fand nicht die richtigen Worte, um sich zu erklären. Oder besser: Er fand sie, aber er versuchte nicht einmal, die Worte zu formen. Denn, es nur schon zu versuchen, ließ das erlangte Wissen sich dünn wie eine Seifenblase anfühlen, die drohte, zu platzen und Chaos zu stiften. Er wollte es seinen Freunden sagen, aber es ihnen zu sagen, würde die Dinge grundlegend verändern.
„Wir müssen da lang“, sagte er. „Mein Vater … Ich weiß, wo er ist.“
„Bist du dir sicher?“, wollte Mark wissen. „Zuvor haben wir geglaubt, dass er auf den Sieben Inseln sei.“
„Ich … “ Royce konnte es nicht erklären. Er konnte einfach nicht. „Vertraust du mir, Mark?“
„Selbstverständlich“, erwiderte Mark. Die anderen um ihn herum nickten einen nach dem anderen.
„Dann müssen wir da lang“, sagte Royce. „Bitte.“
Einen Moment lang dachte er, dass sie widersprechen könnten. Dass sie das Boot wieder zurück in Richtung Königreich ausrichten oder ihm sagen würden, dass er vom Spiegel geblendet worden sei. Aber einer nach dem anderen setzte sich wieder an seinen Platz, wartete, während das Boot seine Fahrt fortsetzte.
Sie würden Royces Vater finden. Und dieses Mal wusste Royce, wo.
Dust wanderte auf der Insel herum, während das Chaos um ihn wütete. Er konnte kaum nachvollziehen, was vor sich ging. Feuer entfachte sich um seine Füße, doch er reagierte nicht. Stattdessen stolperte er weiter. Steine rollten an ihm vorbei, die ganze Insel explodierte in einer Entropie, an die Dust nie geglaubt hätte, bevor er in den Spiegel geblickt hatte.
„Ich lag falsch“, murmelte er zu sich selbst, während er weiterlief. „So falsch.“
Einst hatte er an eine Welt geglaubt, in der Priester alles wussten, und das Schicksal auf seinem einen festgesetzten Kurs behielten. Damals war er so sicher gewesen, dass er einen Weg finden konnte, um das Schicksal zu ändern. Er hatte den Schrecken kommen sehen, und den Tod, der vonnöten war, um zu verhindern, dass das Schicksal seinen Lauf nahm.
Jetzt schien Dust nicht mehr zu wissen, was er glauben sollte.
Er stolperte weiter, während Felsbrocken an ihm vorbeirollten. Dust versuchte gar nicht erst, ihnen auszuweichen, aber sie verfehlten ihn sowieso. Ein merkwürdiges Wissen ließ seine Füße in die richtige Richtung laufen.
„Wie?“, fragte er. „Wie könnte irgendjemand die unermessliche Weite davon begreifen?“
Jetzt verstand er, wieso man munkelte, dass der Spiegel Leute in den Wahnsinn trieb. Obwohl … Niemand hatte ihm das gesagt, oder? Das war nur etwas Weiteres, das er gesehen hatte. Er hatte alles gesehen. Und alles war viel zu viel für nur eine Seele. Er hatte alles gesehen, was er zuvor im Priesterrauch gesehen hatte, und eine Million andere Dinge.
Lava brach in der Nähe von Dust aus, und er drehte sich beinahe ausdruckslos um. Seine Augen bemerkten es kaum. Dafür war kein Platz, wo er doch all die Dinge sehen konnte, die sein könnten und gewesen waren, und jene, niemals eintreffen würden. Allesamt zu so einem dichten Knäuel verflochten, dass es unmöglich war, sie zu entwirren.
„Ich habe so viel getan“, sagte er und kletterte blind über eine Erhöhung aus Vulkanglas, spürte nicht einmal, wo der Stein in seine Hände schnitt. „Ich dachte … “
Er konnte genau das sehen, was er gedacht hatte. Zuerst hatte er gedacht, dass die Priester recht hatten, und hatte getan, was sie ihm befohlen hatten. Er hatte getan, was die Zeichen anzudeuten schienen, obwohl das bedeutet hatte, Leute zu töten, die nicht seine Feinde gewesen waren … Die niemals eine Bedrohung für ihn gewesen wären. Sogar nachdem er die Spielchen der Priester durchschaut hatte, hatte er Entscheidungen getroffen, die Leuten wehtun würden. Er hatte Unglück in einen Ring gegeben, um Chaos zu stiften. Er hatte Royce gejagt …
„Ich verdiene es, zu sterben“, sagte Dust. „Ich verdiene es.“
Er taumelte weiter, versuchte sich auszudenken, was der beste Weg wäre. Versuchte herauszufinden, was er tun sollte. Er wanderte über ein Feld voller glasähnlicher Scherben, kümmerte sich nicht darum, ob sie ihm in seine Beine schneiden würden. Aus seinem Augenwinkel heraus sah er jemanden auf ihn zu rennen.
Dust drehte sich, ohne darüber nachzudenken, um und wich einem Speerstoß, der auf sein Herz abzielte, aus. Eine Echsenkreatur fauchte ihn an, zog seinen Speer zurück, um erneut zuzustechen. Dust trat nahe an die Kreatur heran und schlug ihr mit steifen Fingern in den Hals. Sie stolperte nach Atem ringend zurück, und jetzt ging Dust auf das Ding los, stach mit einem Messer in sein Herz. Er war der Kreatur jetzt so nahe, dass er die Wärme ihres Blutes auf sich spüren konnte. Es schien das Einzige zu sein, was er im Moment wahrzunehmen wusste.
Als das Biest umstürzte, verfluchte sich Dust dafür, dass er sich gewehrt hatte. Er hätte still da stehen und sich von der Kreatur umbringen lassen können – wie er es für seine Taten verdient hätte.
„Du kannst es noch immer tun“, sagte Dust sich selbst. Er sah auf das Messer in seinen Händen. Das Glitzern des Metalls in der Sonne war beinahe hypnotisierend, trotz des dunklen Bluts, von dem es jetzt überzogen war. Es wäre ein Einfaches gewesen, die Klinge an seinem Hals entlang oder über die Stellen zu ziehen, wo das Blut nahe an der Hautoberfläche floss. Angehende Angarthime, die mit ihm in Ausbildung gewesen waren, hatten es zuvor getan. Als die auferlegten Mühen der Priester sie in den Wahnsinn getrieben hatten.
Wenn nicht durch das Messer, so gab es hunderte anderer Wege, um zu sterben. Er hätte sich den Echsenkreaturen zu Füßen legen oder sich von einer Klippe stürzen können. Er hätte sich einem herunterfallenden Felsbrocken in den Weg stellen oder in ein brennendes Feld laufen können. Er hätte sogar einfach hier sitzen bleiben können. Auf einer Insel wie dieser war es schwieriger, zu überleben als zu sterben, und doch schaffte es Dust irgendwie.
Er ging voran, und während er weiterlief, versuchte er, den Sinn hinter allem, was er gesehen hatte, zu verstehen. Aber es gab keinen Sinn aus irgendetwas zu machen. Er hatte immer geglaubt, dass das Schicksal eine gerade verlaufende Linie wäre, die er sich aussuchen konnte. Aber stattdessen bestand es aus Entscheidungen, die sich zu einem Gitter aus Möglichkeiten spannten. So weitläufig, dass niemand mehr sagen konnte, ob dieses oder jenes so oder anders passieren würde.
Er hatte alles gesehen, was er zuvor gesehen hatte. Royces Helligkeit, die Dunkelheit und das darauffolgende Blut. Aber Dust hatte auch Wege gesehen, wie es nicht passieren würde, und alles Licht, das folgen könnte. Er hatte seine Freiheit erkannt, aber jene aller anderer Wesen in der Welt vergessen.
Er hatte vergessen, was Hoffnung war.
„Hoffnung?“, fragte Dust in die Leere. „Welche Hoffnung gibt es hier auf einer Insel, die im Ozean versinkt? Was für eine Hoffnung darauf gibt es, ungeschehen zu machen, was ich getan habe?“
Er kannte die Antwort darauf bereits. Er hatte einen Moment gesehen, der so viel mächtiger gewesen war als jene, die er im Priesterrauch erkannt hatte. Sicherer. Entscheidender. Er hatte eine Schlacht gesehen. Und eine Person in glänzender Rüstung, die ein kristallenes Schwert mit beinahe unmöglicher Handfertigkeit schwang. Er hatte gesehen, wie diese Person niedergestochen worden war, und er hatte erkannt, dass dieser Moment jener war, der zählte.
Dust sah sich um und realisierte, dass er es irgendwie zur Küste der Insel geschafft hatte. Ein Boot stand am Ufer. Es gehörte nicht ihm, aber es war leicht und es hatte Ruder, und er konnte es einfach ins Wasser schieben, während die Insel hinter ihm zusammenstürzte.
Er wippte im Boot, sah zum Himmel hoch und versuchte zu entscheiden, was er als Nächstes tun sollte. Doch in Wahrheit wusste Dust bereits, was er tun musste. Er setzte sich auf, starrte über das Wasser, blickte zur Insel, die er auf seinem Weg hierhin passiert hatte, und überlegte, was vonnöten wäre, um die Welt zu retten.
Er begann zu rudern.
Während er ruderte, dachte er über das zentrale Problem nach, das sich ihnen als Nächstes stellen würde: Einem Feind, der so gut beschützt war, dass es unmöglich schien, ihn zu besiegen. Dass, es nur schon zu versuchen, ihn töten würde.
Aber das war Dust egal. Er sehnte sich nach dieser Zerstörung. Er würde sie mit offenen Armen empfangen.
„Nein“, sagte er zu sich selbst. „Nicht, bevor ich getan habe, was ich tun muss.“
Er würde einen Weg finden, um es zu tun. Er war ein Angarthim, mit der nötigen Ausbildung, die dieser Titel erforderte. Vielleicht war er der Einzige, der dazu in der Lage war. Er könnte sich heimlich auf die Insel schleichen und …
„Das wird nicht funktionieren“, sagte Dust. Ein Blick in die Wolken über der Insel, zu der er ruderte, sagte ihm genau das. Die Zeichen waren erfüllt von Tod und der Aussicht darauf. Er konnte sich reinschleichen, aber er würde scheitern und er würde sterben. Er musste einen anderen Weg finden.
Dust ließ das Boot jetzt treiben, wusste, dass die Strömungen ihn von dieser Stelle an zur Insel führen würden, die zu erreichen er versuchte. Er griff nach einem der Ruder und seinem schärfsten Messer, begann zu schnitzen. Er konnte ein Neues fertigen, wenn er das hier überlebte.
Er spitzte das Holz mit steten Bewegungen an, schabte Röllchen vom Griff des Ruders ab, bis das Ende spitz wurde. Dust verfeinerte diese Spitze stetig, während die Strömung ihn auf die Insel zutrug, verwandelte es in etwas, das beinahe so scharf war wie das Stahl, das er auf sich trug. Er fertigte einen Wurfspeer, der leicht, ausgeglichen und tödlich war.
Er griff nach einem Beutel an seinem Gurt, vermischte den Inhalt mit Meerwasser und tauchte seinen improvisierten Speer in die Mischung. Das Holz zischte, als es mit dem Trank in Verbindung kam, den er gebraut hatte. Er warf den Beutel ins Wasser, zumal sein Inhalt jetzt zu gefährlich zu berühren war – jetzt, wo das Pulver befeuchtet worden war.
Das Ufer kam stetig näher, und Dust konnte bereits spüren, wie er von der Insel angezogen wurde. Der berauschende süße Geruch, den sich in jede seiner Poren abzusetzen schien und ihn dazu brachte, näherkommen zu wollen.
Sie trat aus dem Wald auf der Insel. Die wunderschönste Frau, die Dust je gesehen hatte. Obwohl ein Teil von ihm im nächsten Moment die Fassade auch schon durchschaute. Er sah eine Frau, die alles war, was er jemals gewollt hatte, und doch bemerkte er die Krallen.
Er warf seinen Speer. Dieser segelte durch die Luft. Die Frau wand sich schnell wie eine Schlange, sodass sein Speer sie nur sachte streifte. Die Spitze drang ihn die Haut ein und Dust konnte nur hoffen, dass das Gift daran wirken würde.
Doch die Kreatur ging nicht zu Boden. Stattdessen intensivierte sich dieser Geruch um Dust, und er wusste, dass er sich nach vorne werfen und ins Wasser tauchen, sein Boot ans Ufer ziehen musste.
Dort wartete sie auf ihn, und jetzt bemerkte er, dass sie einfach nur war. Sie war unmöglich, weil es Dust schmerzte, ihre Schönheit nur schon zu betrachten. Er hätte, ohne zu zögern, alles für sie getan. Alles.
„Ich bin Lethe“, sagte sie mit zuckersüßer Stimme. „Wie lautet dein Name?“
„Dust“, erwiderte er.
„Und liebst du mich, Dust?“
„Ich liebe dich“, stimmte er zu.
Lethe kam mit offenen Armen auf ihn zu. Ihre Schönheit war allumfassend, perfekt, absolut.
„Hast du wirklich geglaubt, dass dein kleiner Speer mich töten würde?“, fragte sie. Ihr Mund war zu einem Lächeln verzogen, das wunderschön war und zugleich zu viele Zähne zeigte.
„Nein“, gab Dust zu.
„Nein?“ Das schien Lethe zu überraschen.
„Das Gift daran tötet nicht. Ich hatte nichts bei mir, womit ich töten konnte. Aber ich verfüge über Dinge, die dich schwächen können.“
„Mich schwächen?“ Jetzt konnte Dust die Angst in ihrer Stimme hören.
„Ich liebe dich, aber ich bin ein Angarthim, und wir können töten, was wir lieben, wenn es das Schicksal erfordert.“
Dust stach mit einem Messer zu, zog die Klinge an ihrem Hals entlang. Lethe blieb nicht einmal die Zeit, um zu schreien, bevor sie zu Boden ging. Dust hatte ihren Tod so schmerzlos wie möglich gemacht. Denn … Was mehr konnte er tun für jemanden, den er so sehr liebte?
Er kniete da und weinte seinen Kummer von der Seele. Er weinte zum einen darum, was er an Lethe verloren hatte, und auch, weil er noch ein kleines Weilchen länger der Mörder sein musste, zu dem man ihn gemacht hatte.
Es schien eine Ewigkeit zu vergehen, bis Dust sich stark genug fühlte, um sich wieder aufzurichten und sich auf der Insel zu bewegen. Der Ort fühlte sich jetzt anders an. So tot wie die Kreatur, die sie hatte erblühen lassen. Leblos und still, während Dust suchte.
Er fand, wonach er suchte – nur ein Stück weit entfernt von einem hüttenartigen Zuhause. Ausrangiert und in einem Haufen zusammengeschmissen, als wären sie unwichtig. Dann wiederum, dachte Dust, waren sie im Vergleich zu Lethes Liebe nicht wichtig gewesen. Dust nahm das kristallene Schwert an sich, zog es nur lange genug aus der Scheide, um zu bewundern, wie die Klinge im Mondlicht glänzte, bevor er es wieder versorgte. Er legte sie in die Rüstung, griff nach beidem und machte sich zurück zu seinem Boot.
Er brauchte eine weitere Stunde, um ein Ersatzruder zu fertigen. Dann noch eine, um Früchte und frisches Trinkwasser aus dem Wald zu beschaffen. Dust verstaute alles in seinem Boot und schob dieses ins Wasser.
Er begann auf das Festland zuzurudern, wusste, dass das Schicksal wartete. Auf ihn. Und auf Royce. Auf alle.
Genevieve musste feststellen, dass das Leben am Hofe des Königs äußerst anders als das Leben im Palast von Altfors’ Vater war. Zum einen sahen die Leute sie an, als wäre sie eine Adelige, anstatt sie mitleidig oder verachtend anzustarren – was sie zuvor als gestohlene Bauernfrau gebrandmarkt hatte. Zum anderen war da dieses konstante beunruhigende Gefühl, welches vom Wissen herrührte, dass jeder Fehltritt zu ihrem Tod führen könnte.
„Werden Lord Bers Männer vor dem finalen Vorstoß gegen den Feind hier eintreffen?“, wollte König Carris von einem Berater wissen. Er stand von seinem Thron auf und ging im Audienzraum, wo er Pläne diskutierte, auf und ab.
„Wir haben noch keine Neuigkeiten von ihm erhalten, mein König“, erwiderte der Mann.
„Was bedeutet, dass er nicht vorhat, hier zu sein“, fauchte König Carris zurück. „Er wartet darauf, zu sehen, wer gewinnen wird. Stehen unsere Chancen so schlecht?“
„Nein, mein König“, meinte der Mann. „Soll ich ihm weitere Nachrichten schicken?“
„Nur eine“, entgegnete König Carris. „Sag ihm, dass ich ihn und seine Familie und alle, die auf seiner Seite stehen, töten werde, wenn er seine Männer nicht rechtzeitig bei meiner Armee hat. Hier geht es um eine Schlacht gegen Leute, die mir mein Königreich wegnehmen könnten. Wenn er in dieser Schlacht nicht auf meiner Seite steht, dann ist er mein Feind.“
„Sofort“, sagte der Mann.
Noch mehr Berater und Boten kamen an. Jeder von ihnen hatte eine Neuigkeit über den sich zusammenbrauenden Konflikt. Ein Lord trat nach vorne und ging auf sein Knie.
„Mein König“, sprach er. „Ich bin Sir Verris von Yall. Ich habe dreihundert Mann mit mir gebracht, um Eurer Armee zu dienen.“
„Ihr habt meinen Dank, Sir Verris“, sagte der König. „Ihr werdet belohnt werden. Ihr werdet bei der Streitkraft dabei sein, die aus dem Norden einzieht.“
Genevieve stand im hinteren Bereich der Menge, versuchte sich die Namen und Anzahl Soldaten zu merken, während Männer vortraten und dem König ihre Treue schworen. Sie hätte es sich aufgeschrieben, um sicher zu sein, dass sie alle Informationen hatte, aber jemand hätte es gesehen.
Altfor hätte es gesehen. Er stand an der Front des Raumes, wo er für alle Anwesenden zu sehen war – so nahe beim König wie nur möglich. Doch sein Blick schien Genevieve stets zu folgen. Als wollte er sie herausfordern, einen Fehler in diesem gefährlichen Spiel zu begehen, das sie spielte.
„Jani wird bald zurück sein“, sagte sich Genevieve. „Ich werde mir bis dahin alles einprägen.“
Sie musste darauf hoffen, dass die Spionin, die für ihre Schwester arbeitete, zurück zu Sheila gelangt war. Mit den Informationen, die Genevieve gesandt hatte, würde Royce vielleicht in der Lage sein, die Sache zu gewinnen, ohne all die Toten, die die kommende Schlacht zu fordern drohte. Genevieve hatte bereits Informationen bezüglich des Angriffs über den Seeweg aus dem Norden weitergegeben. Jetzt hoffte sie, etwas herauszufinden, das ihnen dabei helfen würde, vollumfänglich zu gewinnen.
„Erzählt mir mehr über unsere Flottille“, sagte König Carris.
Ein Mann, der teuer aussehende Seemannskleidung trug, trat nach vorne. Schmuck zierte ihn. Es sah aus, als hätte er sie von zig verschiedenen Orten zusammengestohlen.
„Wir sind bereit und warten darauf, Eure Kräfte zu unterstützen, mein König. Sobald wir bezahlt werden.“
„Das Geld verlässt meine Schatzkammer in diesem Moment“, versprach König Carris.
Genevieve fragte sich, ob es einen Weg gab, diese Übermittlung zu sabotieren. Wenn sie diese Information an Sheila übermitteln konnte, könnte vielleicht dafür gesorgt werden, dass das Geld gestohlen würde … Oder, dass die Bezahlung zumindest verspätet vorgenommen würde. Sie wollte gerade eine Ausrede erfinden, um sich aus dem Saal zu entfernen. Doch dann hielt sie inne, als sie spürte, wie sich etwas Kaltes in ihr ausbreitete.
Es war nicht die Art Kälte, die etwas mit der physischen Welt zu tun hatte. Nein, Genevieve hatte das Gefühl, als würde ein leises Flüstern durch ihre Seele wandern, und sie drehte sich instinktiv zur Tür um. Alle anderen im Saal taten es ihr gleich, bewegten sich als Masse, um sich den eintretenden Personen zuzuwenden.
Sie waren zu zwölft. Grauhäutig. Kahlköpfig. Mehrere von ihnen hatten Bärte. Goldene Ketten zierten ihre Schädel, wenn sie nicht mit mystischen Symbolen tätowiert waren. Sie trugen dunkelgraue Roben. Einige von ihnen hatten ihre Kapuzen über den Kopf gezogen. Und die meisten sahen sich mich stechenden Augen im Raum um. Ihr Anführer war alt genug, dass er sich an einem Stab abstützen musste, lehnte sich mit jedem Schritt darauf. Seine Augen starrten einen Moment in Genevieves, und sie erschauderte ungewollt.
„Wer seid ihr?“, wollte König Carris wissen. „Und was habt ihr hier an meinem Hof zu suchen?“
„Wir sind die Angarthim-Priester“, sagte ihr Anführer. „Wir sehen alles, was sein muss, und wir senden Angarthime, um sicherzustellen, dass alles geschieht, wie es geschehen soll. Ich bin Justinius, der Hohepriester.“
„Das sagt mir immer noch nicht, warum ihr hier seid“, sagte König Carris. „Oder warum ich euch nicht hinrichten lassen sollte.“
„Wir sind hier, weil wir dasselbe Ziel wie Ihr verfolgen, König Carris“, erwiderte Justinius. „Es darf nicht sein, dass der Junge, Royce, jemals König wird.“
„Ihr seid hierhingesegelt, um mir das zu sagen?“, wollte der König wissen, und einen Moment lang dachte Genevieve, dass er mit all seiner Wut reagieren würde, die sie zuvor bezeugt hatte, als er eigenhändig Gefangene getötet hatte.
„Wir haben in die Zukunft geblickt und die Zerstörung unseres Ordens gesehen, falls Royce die Macht ergreift“, sprach Justinius. Wenn er Angst vor König Carris hatte, so zeigte er das nicht. „Wir haben einen unserer Angarthime gesandt, um ihn zu töten. Aber irgendwie hat er sich gegen uns verschworen.“
„Also seid ihr Enttäuschungen?“, fragte König Carris.
Die Luft kräuselte sich, und in diesem Augenblick schien es Genevieve, als ob etwas neben ihr stehen würde. Etwas mit Klauen und Zähnen und großem Hunger. Es bedurfte Genevieves ganzer Willenskraft, um nicht zu schreien. Viele der Anwesenden waren nicht so mutig. Mehrere zogen ihre Schwerter und ein Mann fiel zu Boden, hielt sich seine Brust.
So plötzlich, wie es gekommen war, so schnell verblasste das Gefühl der Kreaturen. Die Angarthim-Priester standen regungslos und mit tödlichen Blicken da.
„Wir sind besitzen Kräfte“, sagte Justinius. „Wenn die Zeit kommt, werden wir diese Kräfte zu Eurer Gunst einsetzen.“
Er lief zum König hinüber, stellte sich ungefragt neben ihn, während die anderen sich in der ersten Adelsreihe aufstellten. Niemand wandte etwas dagegen ein.
Genevieve dachte, dass dies das Ende der Audienz bilden würde. Dann aber bemerkte sie, dass König Carris sich mit großer Mühe sammelte.
„Was noch?“, wollte er wissen. „Was gibt es sonst noch für Neuigkeiten? Was für Neuigkeiten gibt es über meine Feinde?“ Ein Bote trat sichtlich schlotternd nach vorne. „Wir haben Neuigkeiten von Royce, mein König“, sagte er. „Er reist durch die Dörfer und rekrutiert das Fußvolk. Sie nennen ihn einen uralten König, der wiedergekehrt ist.“
„Dann sind sie Narren“, erwiderte Lord Carris. „Und was versucht Royce in diesen Dörfern zu rekrutieren? Gesindel?“
Die Adeligen lachten, aber nicht alle von ihnen. Einige von ihnen verstanden offensichtlich, dass viel Mann zu haben wichtig sein würde. Und Genevieve, wusste, wie hart die Leute kämpfen würden, um ihre Heimat zu verteidigen.
„Trotzdem. Das zu wissen, wird sich als nützlich erweisen“, meinte König Carris. „Das wird mir die Entscheidung erleichtern, welche Dörfer voller Verräter sind, und zerstört werden müssen … und welche für ihre Treue belohnt werden.“ Er sah sich um. „Habt keinen Zweifel daran … Das hier ist nicht irgendeine Schlacht gegen einen unrechtmäßigen König, sondern eine Schlacht um die Bewahrung unserer Art des Lebens. Vor Jahren haben wir gekämpft, um König Philip und seine Gepflogenheiten zu stürzen. Wir haben gegen eine Welt gekämpft, in der jemand König werden konnte, weil es irgendein magisches Gebot so vorschrieb. Und nicht aufgrund der Eignung, die jemand von Geburt an durch einen wahren Adeligen erlangt. Will einer von euch dahin zurück? Wollt ihr das?“
Während die Adeligen ihre Antworten zubrüllten, dämmerte Genevieve allmählich, wie König Carris es geschafft hatte, an die Macht zu kommen. Er hatte das nötige Charisma, um Leute zu berühren, und die Unbarmherzigkeit, jene zu töten, die gegen ihn waren. Es war eine gefährliche Kombination.
„Jetzt geht und erfüllt, was euch aufgetragen“, sagte König Carris. „Und –“
„Mein König“, sagte Altfor. „Da ist noch eine Sache.“
„Was für eine Sache, Duke Altfor?“, fragte der König. Genevieve sah wie ihrem Ehemann angesichts der Erwähnung seines Titels beinahe die Brust vor Stolz platzte. Sie fragte sich, ob er die Ungeduld in der Stimme des Königs bemerkt hatte.
„Ein Geschenk ist für Euch eingetroffen, mein König“, sagte Altfor. „Von Lord Aversham. Ich habe ihn am Tor getroffen.“
„Was für ein Geschenk?“
Altfor deutete auf die Tür. Als sie sich öffnete, schlug Genevieve das Herz bis zum Hals. Das hier war nicht irgendeine Gruppe von Priestern. Es war nicht die tödliche Angst, die die Angarthime versprüht hatten. Das hier war schlimmer.
Moira stand da. Zusammen mit einem Adeligen und einer Gruppe Ritter. Sie trieben eine Person vor sich her, die gefesselt und brutal zusammengeschlagen worden war. Genevieve erkannte Garet augenblicklich. Er stolperte, und einer der Ritter trat ihn, sodass er der Länge nach hinfiel. Der Mann an der Spitze der Prozession verbeugte sich höflich.
„Eure Majestät.“
„Lord Aversham. Was habt Ihr mir gebracht?“
„Ich bringe Euch, was Lady Moira mir gebracht hat“, erwiderte Lord Aversham.
Genevieves Finger zuckten, als er Moira nach vorne winkte. Ein Teil von ihr wollte nach vorne stürzen und ihre einstmalige Freundin für alles, was sie getan hatte, erwürgen. Das … Das hier war schlimmer als alles andere zusammen.
„Das hier ist Royces Bruder“, sagte Altfor. „Oder jedenfalls einer der Jungen, mit denen er aufgezogen worden ist. Er hat versucht, Lords auf Royces Seite zu ziehen. Nur Moiras schnelles Denken hat ihn zu Lord Aversham gebracht, der Euch treu ergeben ist.“
„Genauso wie du, Altfor“, sagte König Carris. „Ihr habt meinen Dank. Und Ihr auch, Lady Moira. Und jetzt. Wachen … Nehmt diesen Jungen fest und legt ihn in Ketten. Ich will alles erfahren, was er weiß.“
„Dir werde ich gar nichts sagen“, sagte Garet.
„Oh, das wirst du“, versprach König Carris. „Sobald die heißen Eisen auf Haut treffen, reden die Leute schnell genug.“
Die Wachen traten hervor, packten Garet. Sie schleiften ihn davon, während er sich wehrte. Genevieve musste mit gebrochenem Herzen dabei zusehen. Was noch schlimmer war, war Altfor zu Moira gehen und ohne Scham einen Arm um sie legen zu sehen. Als ob Genevieve gar nicht da wäre. Altfor sah in Genevieves Richtung und lächelte boshaft, wusste ganz genau, was seine Taten für einen Einfluss auf sie haben würden.
Genevieve rang darum, keine Reaktion zu zeigen – obwohl ihr Blut brodelte. Sie verließ den Saal im gleichen Schritttempo wie die anderen Adeligen. Sie stellte sicher, dass sie nicht rannte, nicht an die frischte Luft außerhalb des Schlosses eilte.
Doch als sie draußen ankam, atmete sie tief ein, versuchte angesichts allem, was eben passiert war, nicht zu schreien. Die Schreckgestalten, die die Priester heraufbeschworen hatten, war schlimm genug gewesen, aber Garet so dort stehen zu sehen, war weitaus schlimmer gewesen.
Jetzt wusste Genevieve, warum sie hier war. Warum sie am Hof des Königs geblieben war, obwohl sie mit ihrer Schwester nach Fallsport hätte fliehen können. Sie hatte gehofft, dass sie etwas tun konnte. Und jetzt sah sie etwas, das alle Informationen, die sie hätte sammeln können, überstieg.
