Mut hat viele Gesichter - Ina Brodersen - E-Book

Mut hat viele Gesichter E-Book

Ina Brodersen

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Beschreibung

Du spürst, dass eine Veränderung in Deinem Leben ansteht, auch wenn Du es noch nicht konkret greifen kannst? In diesem Mut-Mach-Buch beschreibt Ina Brodersen auf lebendige und praxisnahe Weise wie es Dir gelingt, Antworten im Innen statt im Außen zu finden, Vertrauen in die persönliche innere Führung zu haben, mutig zu entscheiden und zu handeln. Was ist Mut? Eine simple Frage, auf die es ganz unterschiedliche Antworten gibt - denn Mut hat viele Gesichter! Was für den einen mutig ist, ist für einen anderen selbstverständlich. Und welche Rolle spielen Persönlichkeit und Alter bei dieser Frage? Mut und Intuition - ziemlich beste Freunde. Und wie es bei Freunden oft ist - sie sind sehr unterschiedlich, doch sie ergänzen sich perfekt. Und wenn sie gemeinsam auftreten, dann sind sie unschlagbar. Sie sind der Goldstaub, der Dir Deinen Weg streut und auf dem alles möglich ist. Mut: Drei Buchstaben, die Dein Leben verändern und die Seele lächeln lassen.

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Seitenzahl: 184

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Für alle, die sich auf den Weg machen. Es ist Zeit – Du bist bereit!

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Einleitung: Mut und Ich

Wie alles begann

Mut und Intuition: Ziemlich beste Freunde

Was ist Mut?

Was ist Intuition?

Mut und Persönlichkeit

Die vier Seiten der „Himmelsrichtungen der Seele“

Verhalten unter Druck und was dann am besten hilft

Mutig über den Schatten springen

Mut und Leben: Biographiearbeit

Alle Jahre wieder

Biographie und Schicksal

Mut mit 42-49 Jahren

Mut mit 49-56 Jahren

Mutausbruch: Leben und Veränderung

Was suche ich? Wonach sehne ich mich?

Wie finde ich meinen Weg

Lebensgeschichten, die Mut machen

Mut-Vision: Was wäre, wenn…

Zu guter Letzt

Literaturverzeichnis

Über Springboard Edition

Vorwort

„Du solltest ein Buch schreiben“ – wie oft hat mein Mann mich darauf angesprochen. Irgendwas daran hat mich auch immer angesprochen, aber dann kamen jedes Mal Zweifel auf oder das Leben kam dazwischen bzw. besser gesagt: Ich habe mir nicht die innere Erlaubnis gegeben, mich auf diese Weise zu zeigen. Ich hatte nicht den Mut. Immer wieder habe ich gedacht: „Worüber soll ich schreiben?“ Jetzt, nach vielen Jahren der freiberuflichen Tätigkeit als Coach und Mediatorin, als Mutter und Frau, die mehrfach im Leben viel hinter sich gelassen und neu begonnen hat, bin ich bereit und ich weiß, worüber ich schreiben will, wozu ich etwas beitragen kann: zum Thema Mut!

Die Erfahrung aus vielen Jahren Beratung im Bereich der persönlichen Entwicklung mit dem Schwerpunkt Biographiearbeit zeigen mir immer wieder, dass Mut etwas ganz Zentrales in unserem Leben ist und Mut viele Gesichter hat. Je nach Persönlichkeit und Thema. Je nach Zeit, Alter und Kontext.

Und Mut hat einen besten Freund: die Intuition. Gemeinsam sind sie unschlagbar. Darum geht es in diesem Buch. Es ist ein Mut-Mach-Buch. Mut, auf die eigene Intuition zu hören, ihr zu glauben und ihr als Orientierung zu vertrauen. Mut, den nächsten Schritt zu gehen auf dem ganz eigenen Weg, sich lebendig und selbstbestimmt zu fühlen.

Es ist ein sehr persönliches Buch geworden und ich möchte dir mit vielen Beispielen aus meinem eigenen Leben zeigen, dass es sich lohnt, sich auf den Weg zu machen und

auf deine innere Stimme zu hören

das zu tun, wo es dich hinzieht, auch wenn andere das nicht verstehen oder im Außen alles scheinbar perfekt ist

dich aus für dich nicht mehr passenden Strukturen zu lösen

Antworten innen statt außen zu finden

Sicherheit im Unsicheren zu finden

Vertrauen in deine innere Führung zu haben!

Etwas erkannt zu haben, heißt jedoch noch nicht, dass mich etwas berührt. Und wenn mich etwas nicht berührt, dann ändere ich mich nicht. Aber wenn mein eigenes Handeln im (oft krassen) Widerspruch zu meinem Selbstverständnis steht, dann kann ich es irgendwann nicht mehr ignorieren – dann berührt es mich und ich fühle, dass ich mich unwürdig mir selbst gegenüber verhalte – und beginne, mich anders mir selbst und anderen gegenüber zu verhalten.

Diese Erkenntnis, dass ich mich häufig in meinem Leben unwürdig mir selbst gegenüber verhalten habe, traf mich ziemlich unvermittelt bei einem Spaziergang an einem Wintertag am Strand und hatte einen bitteren Geschmack.

Ich blieb damals stehen und hörte mich laut zu mir sagen: Es reicht! Ich will mir nicht mehr selbst im Weg stehen. Ich will anders leben! Als das in mich sackte, wurde mir bewusst, dass ich ab diesem Moment nicht mehr nicht würdevoll leben kann.

Das möchte ich über dieses Buch weitergeben. Ich möchte Mut machen, sich an der eigenen Intuition zu orientieren und das Leben würdevoll in die Hand zu nehmen.

Es soll ein lebendiges, aus dem Leben gegriffenes Buch sein, sehr praxisnah und auf unsere alltäglichen Situationen und Herausforderungen bezogen – in einem essayistischen Stil. Das Buch ist aus Begegnungen entstanden und es soll Begegnung ermöglichen – Begegnung mit sich selbst, um daran zu wachsen und sich zu entfalten.

Inspiriert wurde ich beim Schreiben dieses Buches einerseits von unterschiedlichen Menschen aus meinem direkten Umfeld. Andererseits beziehe ich mich in den einzelnen Abschnitten auf verschiedene Autoren und deren Bücher, die ich im Literaturverzeichnis am Ende dieses Buches aufführe.

„Das Geheimnis des Glücks ist Freiheit, und das Geheimnis der Freiheit ist Mut.“ Perikles

Einleitung: Mut und Ich

Wie alles begann

August 2016 – wir sind im Urlaub auf Korfu. Seit fünf Jahren bin ich beruflich selbstständig und reise sehr viel. Das ist nichts Neues für mich, ich kenne es nur zu gut aus meiner Zeit bei SAP. Jede Woche andere Länder, Kunden, Termine.

Lange hat mir das sehr gut gefallen, ich bin viel herumgekommen, habe die unterschiedlichsten Menschen und Länder kennengelernt. Doch dann sitze ich auf Korfu im Urlaub und die Erkenntnis trifft mich unerwartet (was ehrlicherweise nicht ganz stimmt, sie schlummerte schon länger in mir, ich habe nur nicht auf sie gehört; aber dazu später mehr): Ich will nicht mehr jede Woche woanders sein, mich auf fremde Räume und Gegebenheiten für meine Arbeit einstellen müssen, immer wieder Koffer packen, in anonymen Hotelzimmern übernachten, vor üppigen und doch unpersönlichen Frühstücksbuffets stehen!

Sondern ich will einen Ort schaffen, an den die Menschen mehr zu mir kommen. Einen Ort der Begegnung, der weit über mich hinaus geht, der für viele Menschen da ist und genutzt werden kann. Der einen Raum für Entfaltung und Entwicklung bietet. Einen Ort im hohen Norden, zurück am Meer.

Zum Zeitpunkt dieser Erkenntnis bin ich 49 Jahre – am Übergang eines Jahrsiebtes, einem biografisch interessanten Zeitpunkt.

Als ich meinem Mann Andreas davon erzähle, sagt er: „Worauf warten wir dann noch?“. 1995 waren wir nach Süddeutschland gezogen, der Arbeit wegen. Eigentlich wollten wir gar nicht so lange dort bleiben, aber wie das Leben so ist, hatte es etwas anderes vor. Unsere beiden Töchter wurden in Speyer geboren, beruflich hatten wir uns immer mehr etabliert, Freundschaften wuchsen und es entstand ein neues Zuhause. So blieben wir über 20 Jahre. Wir sprachen zwar in regelmäßigen Abständen immer mal wieder davon, gen Norden zu gehen, doch über viele Jahre konnte ich es mir nicht wirklich vorstellen – zu viel Ungewissheit und lieb oder auch bequem gewordene Gewohnheit hielten mich davon ab.

Doch jetzt war es anders. Diese Erkenntnis auf Korfu war der Startschuss für eine weitere große Wendung in meinem Leben. Zwar kam schnell die Frage auf nach Huhn oder Ei: was brauchen wir zuerst, ein Haus oder eine Arbeit im Norden? Aber dieses Mal hielten wir uns mit der Frage nicht lange auf, sondern beschlossen, dass das, was sich zuerst ergibt, von uns aufgegriffen wird.

Woher nahm ich diesen Mut und warum hatte ich ihn nicht schon früher? Die Antwort darauf ist dieses Buch. Wann bringen wir den Mut für Veränderung auf, was leitet uns und wie schaffen wir den ersten Schritt? Wann wissen wir einfach, was richtig ist und lassen uns von nichts und niemandem aufhalten, sondern gehen den Weg, der unser Weg ist?

Mut, Intuition und Sinn sind die treibenden Kräfte. Warum das so ist und wie dieses Trio einem hilft, den ganz persönlichen Weg zu gehen, möchte ich anhand meines eigenen Lebens und anhand vieler anderer Beispiele aufzeigen.

Zurück in Deutschland, begannen wir mit der Suche nach einem Haus im Norden – Nordsee, Ostsee, auf dem Land oder doch in die Stadt…? Schließlich wurde es Eckernförde und der Umzug folgte im August 2017, rechtzeitig zum Schulbeginn nach den Sommerferien für unsere jüngere Tochter Helena, die dort in die 11. Klasse einstieg.

Doch wie sah es mit der Arbeit aus? Dieser Aspekt stellte für meinen Mann und mich jeweils eine unterschiedliche Herausforderung dar und es zeigte sich, wie schon öfter in meinem Leben, dass es ganz gut ist, vorher nicht so genau zu wissen, was einen später erwartet. Mein Mann war damals 50 Jahre alt, hatte eine interessante Arbeitsstelle mit viel Freiheit und viel Wertschätzung. Von dieser Position aus im eher ländlichen Schleswig-Holstein eine Stelle zu finden, die ihm entspricht und auch noch in der Nähe ist, war kein Selbstläufer. Durch laufende Projekte und neue Aufgaben sind es dann letztlich 3,5 Jahre geworden, die Andreas zwischen Heidelberg und Eckernförde gependelt ist. Er kennt alle Vor- und Nachteile des Reisens mit der Deutschen Bahn und hat den Spagat gemeistert, regelmäßig von einer Welt in die andere zu gehen, aus beiden Welten das Beste zu machen und sich doch am Ende weder hier noch dort ganz beheimatet zu fühlen. Zum Glück habe ich nicht gewusst, dass es so lange dauern würde, bis der Wechsel komplett vollzogen wurde. Doch auch das ist Teil von Mut, manche Schritte zu gehen, ohne zu wissen, was auf einen wartet, und daran zu glauben, dass es alles einen Sinn hat und ich jede Situation in die Hand nehmen und meistern kann.

Wie sah es bei mir beruflich aus? An der Entscheidung, in den Norden zu gehen, um mich dort beruflich neu aufzustellen, mit eigenen Räumen und damit auch mit einem anderen Konzept, habe ich keine Sekunde daran gezweifelt, dass es richtig ist. Warum war das so?

Es gab schon andere Zeiten in meinem beruflichen Dasein, da fühlte sich ein Wechsel eher wie ein ‚weg von‘ statt wie ‚hin zu‘ an. Doch jetzt war es ein deutliches Sehnen nach diesem Ort, von dem ich noch nicht wirklich wusste, wo er genau ist und wie sich alles gestaltet, aber dieser Ort zog mich an – weil ich es zuließ. Weil ich endlich auf meine innere Stimme hörte, die mir schon lange sagte, was ich nicht mehr will und wonach ich mich sehnte. Ich hatte diese Stimme lange immer wieder beiseitegeschoben. Heute weiß ich, dass es auch die Angst vor dem eigenen Licht war. Die Angst für das, was ich leben will einzustehen, die Verantwortung dafür zu übernehmen und es umzusetzen – egal was andere über mich denken.

So bin ich im August 2017 im Norden angekommen. Den ersten Monat hatte ich mir komplett freigehalten, um für Helena und den Hausumbau da zu sein. In diesen Wochen saß ich öfter allein am Borbyer Ufer, einem Teil des Hafens in Eckernförde mit traumhaftem Blick über die Eckernförder Bucht. Es gibt dort ein kleines Café, die „NaturKostbar“, mit der ich bis heute viel verbinde. Sie wird betrieben von Frauen, die in dem gleichen Jahr, in dem ich in den Norden zog, das Café eröffnet hatten und ich mich von deren Mut und Gründergeist sehr angesprochen fühlte. In diesem Café direkt am Wasser saß ich gern und ertappte mich bei einem Cappuccino dabei, wie ich dachte: „Was hast du da eigentlich gemacht? Wie sollen dich Kunden und Klienten finden? Du kennst hier genau niemanden und weißt doch, dass es gerade in deinem Bereich so wesentlich ist, dass Menschen dich persönlich kennen, du weiterempfohlen wirst und Vertrauensaufbau so wichtig ist. Was hast du da bloß gemacht? Du hattest dir alles so gut im Süden aufgebaut, hattest große Firmen als Kunden, die sicheren Umsatz gewährleisteten, wurdest regelmäßig weiterempfohlen. Und das hast du aufgegeben und stehst hier in einer wunderschönen Umgebung mitten im Anfang“.

Zum Glück gab es solche Momente des Zweifelns und der Angst nicht oft, aber es gab sie. Der Weg aus den Situationen wieder heraus war der Weg hindurch. Ich habe mir nicht verboten, solche Gedanken und Gefühle zu haben, sondern sie als das genommen, was sie sind: Gedanken und Gefühle. Das Hindurchgehen hat mir geholfen, mich daran zu erinnern, weswegen ich diesen Schritt gewagt habe, was mich angetrieben hat. So tauchte dann auch der Satz auf: „Du hättest es nicht gemacht, wenn es nicht für dich richtig gewesen wäre. Und wenn es richtig war, gibt es auch einen Weg, der dich weiterführt. Also geh ihn“. Das, was ich in solchen Momenten erlebt habe, war gelebte Salutogenese. Ein Ansatz, auf den ich später zurückkomme.

Diese Sätze haben mir Mut gemacht, an mich und meinen Weg zu glauben. Ich habe mir wieder vertraut, weil ich mich an das Gefühl erinnern konnte, das ich auf Korfu hatte. Diese Art der Sicherheit hatte ich, weil ich in diesem Moment auf meine Intuition gehört habe, ihr vertraut und mich an ihr orientiert habe. Es war ein Gefühl der inneren Gewissheit. Und wenn ich mir und meiner inneren Orientierung vertraue, fühle ich mich verbunden und gehalten – und habe den Mut, den nächsten Schritt im Außen zu gehen.

Mit der Erkenntnis, dass es einen Weg geben muss, hat sich mein Blick wieder geweitet und ganz im Sine des Resonanzgesetzes kamen im Außen auf einmal Gelegenheiten auf mich zu, die ich beherzt ergriffen habe, ohne lange nachzudenken und mit dem Willen, mich anzustrengen und mich für mich einzusetzen. Über einen kleinen, schon veralteten Aushang bei meinem Lieblingsitaliener in Eckernförde fand ich Räume für mich. Sie entsprachen genau dem, was ich mir (damals noch unbewusst) gewünscht hatte. Ich stand in den Räumen mit dem potenziellen Vermieter und musste mich entscheiden. „Das ist verrückt“ dachte ein Teil in mir. „Du mietest Räume, ohne auch nur einen einzigen Auftrag zu haben“. Eine andere Stimme in mir sagte: „Ohne Räume können keine Klienten kommen, du kannst nicht gefunden werden. Und außerdem: wenn du nicht daran glaubst, dass du die Räume füllen kannst und wirst, kannst du es gleich alles sein lassen. Also los! Du hast gut verdient im Süden und dir ein finanzielles Polster angelegt. Jetzt ist die Zeit, es zu nutzen und als Starthilfe zu nehmen“. So bezog ich im Dezember 2017 meine eigenen Räume im Zentrum von Eckernförde. Diese Räume waren die Basis für meine weiteren Schritte und sie haben mir Mut gemacht und mich angestupst, nach außen zu gehen, mich bekannt zu machen.

Mehrfach musste ich und bin ich über meinen eigenen Schatten gesprungen, habe auch Umwege in Kauf genommen. Einer dieser Umwege war, Seminar- und Bildungsstätten anzuschreiben, um dort als Seminarleiterin aufzutreten. Was im ersten Moment wie ein Schritt von mir weg schien, wurde doch ein Schritt zu mir hin. Ich habe viele Menschen kennengelernt, wurde allmählich bekannter und habe auch so manche Erfahrung gemacht, die mir klar aufgezeigt hat, was mir nicht entspricht und ich nicht mehr will.

Es war eine rundum gute Zeit in meinen Räumen in der „Alten Bauschule“ in Eckernförde – und doch war es noch nicht der Ort, den ich als Bild vor mir sah. Das Bild war im Hintergrund weiter da und irgendetwas in mir hat immer darauf vertraut, dass dieses Bild Realität wird.

Im Frühjahr 2019 fiel uns dieser Ort dann förmlich vor die Füße – zu einem Zeitpunkt, an dem ich mich in meinen Räumen in Eckernförde eingerichtet hatte, mich dort rundum wohlfühlte und eigentlich noch gar nicht wieder weg wollte.

Das Haus war so groß, wie ich es im inneren Bild gesehen hatte, doch es in Realität so groß zu sehen, hat mich zuerst erschrocken – ist es nicht doch zu groß? Mitten auf dem Land – werden Menschen überhaupt dorthin kommen? Können wir es finanziell stemmen? Alles berechtigte Fragen – doch innerhalb der ersten fünf Minuten, in denen wir das Haus und den Garten anschauten, wusste ich innerlich: Genau das ist es!

Mit den Jahren hatte ich verstanden, dass das Schicksal mir Möglichkeiten bietet – zugreifen muss ich schon selbst und im entscheidenden Augenblick auch den nötigen Mut haben, den Schritt ins Ungewisse zu wagen. Es war wieder ein entscheidender Moment, der mich auf meine Intuition hören und ich mich von ihr leiten ließ. In diesem Moment waren gedankliche Zweifel zwar weiter da, aber es war alles handhabbar, es lag in meiner Hand.

Der Mut wurde belohnt und der Traum in Form von „Norby Garden“ (www.norby-garden.de) Realität. Ein Traum, der immer weiter Form annimmt, sich ausweitet, neue Facetten bekommt. Heute, mit 56 Jahren habe ich mit diesem Traum einen Stand erreicht, der eine Basis ist für viele weitere Projekte, Ideen, Begegnungen und ich bin selbst gespannt, was noch kommen mag.

Warum erwähne ich die beiden Jahre 49 und 56? Teil meiner methodischen Begleitung von Klienten ist die Biographiearbeit, die einen sehr praxisnahen und hilfreichen Blick aus der Vogelperspektive auf das eigene Leben ermöglicht. Es geht dabei zwar auch um den Blick in die eigene Vergangenheit, jedoch immer mit dem Fokus darauf, welcher Bezug zur Gegenwart besteht und wie durch diese Erkenntnisse Lebensthemen gelöst und Haltungen positiv verändert werden können. Diesem Ansatz ist der Abschnitt „Mut und Leben: Biographiearbeit“ gewidmet, in dem ich insbesondere auf die Lebensabschnitte 42-49 Jahre und 49-56 Jahre eingehe.

Mut und Intuition: Ziemlich beste Freunde

Jeder kennt den Spruch „Auf einem Bein lässt sich schlecht stehen“. Das gilt auch für den Mut, wenn wir ihn bildlich als eines von zwei Beinen im Leben betrachten. Mit Mut können wir fast grenzenlose Sprünge schaffen, doch solche Sprünge gelingen besser mit zwei Beinen. Das zweite Bein ist die Intuition. Mit ihr schaffen wir es, uns vom Boden abzustoßen und mit dem Mut springen wir nach vorn – ein perfektes Paar.

Was ist Mut?

Ja, was ist Mut? Eine einfache, kurze Frage, auf die es sehr viele unterschiedliche Antworten gibt. Ich möchte den Begriff aus verschiedenen Sichten beleuchten und beginne mit dem Ansatz der Positiven Psychologie.

Die Positive Psychologie widmet sich der Frage „Was macht das Leben lebenswert?“ und arbeitet unter anderem mit dem Modell der Charakterstärken, 2004 entwickelt von den amerikanischen Psychologen Peterson und Seligman. In dem Modell werden 24 sogenannte Charakterstärken beschrieben, die sich wiederum 6 Tugenden (Oberbegriffen) zuordnen lassen. Die Tugenden mit den dazugehörigen Charakterstärken sind:

Weisheit und Wissen

Kreativität

Urteilsvermögen

Neugier

Lerneifer

Menschlichkeit

Bindungsfähigkeit

Güte

Geselligkeit

Gerechtigkeit

Verantwortungsgefühl

Fairness

Führung

Mäßigung

Vergebungsbereitschaft

Demut

Vorsicht

Selbstkontrolle

Transzendenz

Wertschätzung

Dankbarkeit

Optimismus

Humor

Spiritualität

Mut

Tapferkeit

Durchhaltevermögen

Integrität

Begeisterung

Charakterstärken zeigen Wege auf, wie diese Tugenden jeweils konkret in die Tat umgesetzt werden können. Sie sind die Grundlage unseres persönlichen Wohlbefindens. Wenn wir die Charakterstärken, zu denen wir uns besonders hingezogen fühlen, einsetzen, erleben wir uns authentisch, lebendig und wirksam. Sie helfen uns beim „Aufblühen“.

Wie oben beschrieben, ist eine dieser Tugenden „Mut“. Sie beschreibt in der Positiven Psychologie die emotionalen Stärken, die mit der Ausübung von Willensleistung dabei helfen, innere und äußere Barrieren zu überwinden und damit ein Ziel zu erreichen.

Die dazugehörigen Charakterstärken können folgendermaßen beschrieben werden:

Tapferkeit

Tapferkeit beinhaltet eine gewisse Leidensfähigkeit. Tapfere Menschen setzen sich unabhängig von möglichen Gefahren für das ein, was ihnen wichtig ist. Sie stellen sich Widerständen und nehmen Herausforderungen an.

Gefahr: Im übertriebenen Maße kann diese Stärke zu Übermut und Waghalsigkeit führen.

Durchhaltevermögen

Menschen mit einem starken Durchhaltevermögen verfolgen beharrlich ihre Ziele und halten auch in Phasen durch, in denen andere schon lange aufgegeben haben. Sie halten bis zum Ende einer Aufgabe durch und tun alles Nötige dafür, dass das Angestrebte auch erreicht wird.

Gefahr: Sie investieren möglicherweise viel Kraft und Zeit in Dinge, die mittlerweile nebensächlich geworden sind.

Integrität

Menschen, denen die eigene Integrität sehr wichtig ist, leben ausgeprägt nach ihren persönlichen Werten sowie Überzeugungen und handeln entsprechend. Sie können sich gut abgrenzen und werden als authentisch, ehrlich und glaubwürdig wahrgenommen.

Gefahr: Menschen mit einem hohen Maß an Integrität können mit ihrer Ehrlichkeit andere verletzen.

Begeisterung

Menschen mit einer großen Begeisterungsfähigkeit engagieren sich voller Elan für (neue) Dinge. Sie gehen Aufgaben mit Spaß an der Sache und Enthusiasmus an und können sich über fast alles freuen. Sie stecken auch gern ihr Umfeld mit ihrer Begeisterung an.

Gefahr: In zu ausgeprägtem Maße kann diese Stärke zu Erschöpfung und Verausgabung führen.

Wenn ich mir die Stärken, die der Tugend Mut zugeordnet sind, ansehe und sie in meine eigene Sprache übersetze, besteht Mut aus folgenden Elementen, die als Leitfaden zum Abgleich der aktuellen persönlichen Situation dienen können:

Mut-Bausteine

Sinn - Etwas/jemand ist mir wichtig, für das oder den es sich einzusetzen lohnt

Ehrlichkeit - Ich bin ehrlich mir selbst und anderen gegenüber

Intuition - Ich höre auf meine Intuition, glaube ihr und orientiere mich an ihr

Wille - Ich bringe den Willen auf, den ersten Schritt zu machen

Ausdauer – Auch bei Rückschlägen und Widerständen bleibe ich an mir oder an der Sache dran.

Was ist für mich Mut und hat Mut eine Farbe?

„Mut beginnt mit dem Sich-Zeigen und dem Zulassen, Gesehen zu werden.“ Brené Brown

In der Vorbereitung auf dieses Buch habe ich die unterschiedlichsten Menschen in meinem Umfeld gefragt, was für sie Mut ist und welche Farbe Mut für sie hat. Ich persönlich habe folgende Worte:

„Mut ist, den ersten Schritt ins Unbekannte zu wagen und darauf zu vertrauen, dass ich auf festen Boden stoße.“

Die Farbe, und damit spreche ich die Gefühlsebene an, ist für mich: Ein tiefes, sattes Blau.

Hier die Antworten der Menschen, die ich befragt habe:

1.

„Mut ist etwas, was uns Flügel verleiht und uns ermöglicht, weit über unsere Grenzen zu gehen und für uns Unmögliches möglich macht. Etwas, das uns zu unserem persönlichen Superhelden macht.“

Farbe: Gold.

2.

„Ich stehe vor einer Entscheidung/Handlung, die ich nicht einschätzen kann. Ich weiß aber auch, dass es um sehr wichtige Dinge geht, die bisher in dieser Form von mir nicht gemacht/entschieden wurden. Dabei vertraue ich mir und meinen Fähigkeiten, genau das zu tun, was ich allein für richtig halte. Ich werde aktiv und handele. Situation und Konsequenz völlig unklar, ich vertraue mir, dass ich es schaffe“

Farbe: Erdton.

3.

„Mut bedeutet, eine Situation, die ich unbequem, nicht passend oder sogar mit Angst verbinde, zu ändern. Also etwas Unbekanntes und mir Fremdes tun.“

Farbe: Blau.

4.

„Ich brauche ihn, wenn ich etwas überwinden muss. Wenn ich meine Komfortzone verlassen muss, wenn ich etwas Neues angehen muss. Die gewohnten ausgetretenen Pfade verlassen, der Sprung ins kalte Wasser.

Es gehört auch eine Portion Vertrauen dazu. Vertrauen, dass das, wofür ich mich überwinde, gelingen wird. Mut ist eine persönliche Ressource.“

Farbe: Sattes dunkles Tannengrün.

5.

„Mut ist für mich

aus der Komfortzone wagen

sich Ängsten stellen

Motto: Was würdest du tun, wenn du wüsstest, dass du nicht scheitern kannst?

Mut hilft mir dabei, meine Hoffnungen und Träume zu realisieren

Farbe: Grün, weil Grün für mich Hoffnung und das Erreichen meiner Ziele symbolisiert.“

6.

„Mut ist für mich, bewusst sicheres Terrain zu verlassen und mit mir ins Risiko, in Bereiche der Unsicherheit und Angst zu gehen.“

Farbe: Leuchtendes Orange.

7.