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Flexibilität, Eigeninitiative und hohes Engagement – das ist das, was Unternehmen sich heute von ihren Mitarbeitenden wünschen. Doch das einfach nur einzufordern, hilft nicht weiter. Denn Menschen entscheiden selbst, wie viel von ihren Potenzialen sie ihrem Arbeitgeber schenken. Erfahren Sie, was Menschen wirklich ermuntert, sich mit ihrer ganzen Intelligenz, ihren Fähigkeiten und ihrem Wissen ins Unternehmen einzubringen – und wie Führungskräfte diese Bedingungen schaffen können. Mit eigener Website zum Buch: mutig-führen.de
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Seitenzahl: 117
Veröffentlichungsjahr: 2026
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ISBN 978-3-7910-6708-7
Bestell-Nr. 10313-0002
ePub:
ISBN 978-3-7910-6709-4
Bestell-Nr. 10313-0101
ePDF:
ISBN 978-3-7910-6710-0
Bestell-Nr. 10313-0151
Ulla Domke/J. Martin Granica/Michael Hüter
Mutig führen
2. aktualisierte Auflage, Januar 2026
© 2026 Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft · Steuern · Recht GmbH
Breitscheidstr. 10, 70174 Stuttgart
www.schaeffer-poeschel.de | [email protected]
Bildnachweis (Cover): © Michael Hüter
Produktmanagement: Dr. Frank Baumgärtner
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Als 2019 die erste Auflage dieses Buchs erschien, empfanden viele unsere Welt schon als herausfordernder und turbulenter als in den vorangegangenen Jahrzehnten. Damals ahnten wir noch nicht, um wie viel größer die Veränderungsdynamik in kürzester Zeit noch werden sollte. Wir erleben heute jeden Tag, was es heißt, in einer komplexen Welt zu leben.
Komplexität ist, vereinfacht gesagt, das Maß für die Menge der Überraschungen, mit denen man rechnen muss.
Das alles wirkt in die Unternehmen hinein. Der Organisationsforscher Rudi Wimmer bringt die Auswirkungen so auf den Punkt: »Alles in allem haben Organisationen in der Zwischenzeit ihre Eigenkomplexität in einer Weise erhöht, die ihre tradierten Steuerungs- und Koordinationsmechanismen restlos überfordern.« (Wimmer 2016, 123)
Es ist also mehr denn je klar: Bewährte Konzepte reichen nicht mehr aus. Wir brauchen andere Formen von Führung und Zusammenarbeit, die den Herausforderungen unserer heutigen Zeit besser gerecht werden. Rufe nach dem »Great Man«, der die Zügel in die Hand nimmt und alles wieder in Ordnung bringt, verkennen die aktuelle Lage vollkommen. Das Gegenteil ist der Fall.
In einer komplexen Welt lassen sich die Dinge nur durch die Organisation kollektiver Intelligenz sinnvoll gestalten. »Kluge« Unternehmen sind solche, die erkennen, dass Führung eine gemeinschaftliche Aufgabe ist – und nicht »eine Eigenschaft von Personen, im Sinne der Fähigkeit, den Rest der Organisation nach ihren Vorstellungen zu formen« (Wimmer 2016, 125).
Komplexität lässt sich nicht kontrollieren, wohl aber gestalten – wenn wir der Klugheit der Einzelnen vertrauen und ihnen Raum geben, im Sinne des Ganzen zu handeln. Wie das gehen kann, darum geht es in diesem Buch. Es spiegelt die Erfahrungen aus unserer praktischen Arbeit der letzten 12 Jahre wider. »Mutig führen« bietet ein stabiles Gerüst an hilfreichen Strukturen und unterstützenden Denkweisen, die Selbstverantwortung und zielgerichtete Kooperation fördern und ermöglichen.
Wir freuen uns sehr, wenn wir Ihnen hierzu Anleitung und Inspiration geben können, und wünschen Ihnen gutes Gelingen bei der Umsetzung!
Ulla Domke und Martin Granica
Erfolgreich mit Veränderungen umzugehen, war immer schon eine zentrale Aufgabe für Unternehmen. Doch heute machen viele Unternehmen die Erfahrung, dass sie mit den bisherigen Optimierungsstrategien an Grenzen stoßen. Denn nicht nur die Veränderungsgeschwindigkeit hat vor dem Hintergrund von Digitalisierung und Globalisierung massiv zugenommen – die Welt scheint auch deutlich unberechenbarer geworden zu sein. VUCAVUCA nennt man dieses Phänomen. Es steht für volatility (UnbeständigkeitUnbeständigkeit), uncertainty (UnsicherheitUnsicherheit), complexity (KomplexitätKomplexität) und ambiguity (MehrdeutigkeitMehrdeutigkeit). Das Sich-Bewegen in dieser Welt fühlt sich zunehmend wie eine Wildwasserfahrt an, auf der sich sowohl die Unternehmensleitungen als auch die Mitarbeitenden immer mehr bei dem Versuch verausgaben, adäquat auf die Anforderungswellen zu reagieren, von denen sie mitgerissen werden.
Und als ob das nicht schon genug der Herausforderung wäre, kommt noch eine weitere hinzu: Die Ansprüche der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer an ihre Arbeit sind deutlich gestiegen. Vor allem jüngere Menschen haben immer weniger Lust, ihre Lebenszeit damit zu vergeuden, Dinge zu tun, die ihnen keinen Spaß machen und in denen sie wenig Sinn sehen. Sie möchten sich mit ihren Interessen und ihrer Person einbringen sowie aktiv (mit-)gestalten: Arbeit soll heute auch ein Ort der persönlichen Entfaltung und Weiterentwicklung sein. Ein Ort, an dem GELEBT wird. Und da Fachkräfte in vielen Bereichen händeringend gesucht werden, können zumindest gut ausgebildete Leute ihren Arbeitgeber kritisch auswählen.
Was braucht es nun, um mit diesem Komplex an Herausforderungen umzugehen? Mit weiteren Optimierungen des Bestehenden kommen wir nicht mehr weiter.
Es braucht zuallererst und insbesondere MUT.
DEN MUT, DIE BEDINGUNGEN FÜR DIE ZUSAMMENARBEIT IN UNTERNEHMEN VÖLLIG NEU ZU GESTALTEN.
Die VUCA-Welt verlangt eine Neugestaltung der Bedingungen der innerbetrieblichen Zusammenarbeit ausgehend von der Frage:
Was brauchen Menschen, damit sie bereit sind, dem Unternehmen ihre Intelligenz, ihr Wissen, ihre Fähigkeiten, ihre Kreativität und ihre Begeisterung zur Verfügung zu stellen?
Das ist doch wohl selbstverständlich, dass sie das tun, meinen Sie?
Nein, das ist es ganz und gar nicht. Der Managementdenker Gary Hamel bringt es auf den Punkt: Das, was Sie per Arbeitsvertrag einfordern können, ist allenfalls gewissenhaftes und professionelles Arbeiten. Alles, was darüber hinausgeht, sind »Geschenke«, die sich ein Unternehmen verdienen muss. Darum ist es heute notwendig, eine lange vertraute Sichtweise auf den Kopf zu stellen:
»Statt uns zu fragen, wie wir die Mitarbeiter dazu bringen, der Organisation besser zu dienen, müssen wir uns fragen, wie wir Organisationen aufbauen, die die außerordentlichen Geschenke verdienen, die die Mitarbeiter in die Arbeit einbringen könnten.« (Hamel 2013, 158)
Genau darum geht es in diesem Buch: Unternehmen zu Orten zu machen, an denen Menschen Lust haben, sich mit ihrem ganzen Potenzial einzubringen – und zwar in eine Gemeinschaft, die nach gemeinsamen Werten und an gemeinsamen Zielen arbeitet.
Die wunderbare Nachricht für alle Unternehmensleitungen dabei ist: Indem Sie die Bedingungen hierfür schaffen, schaffen Sie gleichzeitig die Bedingungen für eine neue Dimension von Schnelligkeit, Flexibilität und Kreativität in Ihrem Unternehmen. Der Schlüssel hierfür ist das Verteilen von Verantwortung. Das klingt einfach, ist aber hoch voraussetzungsreich. Es geht um ein radikales Umdenken, vor allem im Hinblick auf die Rolle der Führung. Denn sie hat genau diese Räume zu schaffen, in denen selbstverantwortliches und selbstorganisiertes (Team-)Handeln entstehen kann.
Und damit sind wir wieder bei unserem Schlüsselwort: MUT.
Das vorliegende Buch gibt Ihnen Bausteine und Prinzipien an die Hand, nach denen Sie Ihr Unternehmen so umbauen und gestalten können, dass es den Herausforderungen unserer Zeit (besser) gewachsen ist. Aber auch wenn die Bausteine und Prinzipien die gleichen sind, wird jedes einzelne Unternehmen seine eigene Art (er-)finden müssen, sie in seine aktuelle Realität zu übersetzen und einzubinden.
Beim Betreten dieses Neulandes geht es für die Führungskräfte darüber hinaus noch darum, quasi »auf offener Bühne« einen RollenwechselRollenwechsel zu vollziehen: Denn als Führungskraft werden sie in ihrer klassischen »Leitungsfunktion« überflüssig. Führung an sich wird damit jedoch alles andere als überflüssig: Als Rahmengestalterin und Moderatorin bekommt sie eine neue Aufgabe und Bedeutung.
Der Mut, sich auf diesen tiefgreifenden Umstrukturierungs- und Umlernprozess einzulassen, wird sich auszahlen:
Indem Sie Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hervorragende Bedingungen für das Übernehmen von Verantwortung bieten, werden Sie die Attraktivität Ihres Unternehmens deutlich steigern und die »Geschenke« erhalten, die es Ihnen ermöglichen, lebendig und gelassen mit den Herausforderungen der Gegenwart – und aller Voraussicht nach auch mit denen der Zukunft – umzugehen.
SIE WERDEN VORBEREITET SEIN AUF EINEN KLUGEN UMGANG MIT DEN ÜBERRASCHUNGEN DER VUCA-WELT!
Schon wieder Kommunikation! Dass gute Kommunikation ein wichtiger Faktor erfolgreicher Unternehmen ist, wurde schon zigfach dargelegt und niedergeschrieben. Warum muss auch dieses Buch mit diesem Allerweltsthema beginnen? Weil es nun einmal die absolute Basis ist, wie wir gleich zeigen werden.
Denn wie KommunikationKommunikation gestaltet wird, bestimmt die Klugheit und Qualität eines Unternehmens grundlegend.
Daher sollten Unternehmen, die sich auf den Weg machen wollen, eine Umgebung zu schaffen, in der Menschen für das »Geschenk« echter Verantwortungsübernahme bereit sind Verantwortungsübernahme, als Erstes ihre Kommunikationskultur unter die Lupe nehmen, sie kritisch überprüfen und entsprechend verändern. Denn sie ist der Humus, auf dem alles Weitere gedeihen kann – oder, wenn sie dysfunktional ist, der Hemmschuh, der alle weiteren Aspekte, die wir in den Teilen 2 und 3 darstellen werden, ins Leere laufen lässt.
Klar: Die IntelligenzIntelligenz steckt in den Köpfen der Menschen, die in diesem Unternehmen arbeiten. ODER?
NEIN!
Das, was in den Gehirnen der Menschen eines Unternehmens steckt, ist nicht automatisch Teil des Unternehmens!
Was in den Köpfen der Menschen steckt, muss erst aus raus aus den Köpfen und im Unternehmen wirken. Das geschieht durch Kommunikation.
Gedankenexperiment:
Nehmen Sie Ihr Unternehmen und stellen Sie sich für einen Moment vor, dass dort keine Kommunikation stattfindet: keine Gespräche, keine Telefonate, keine E-Mails – kein Austausch zwischen den Personen.
Was bleibt übrig?
Ein »totes« UnternehmenUnternehmen, totes – ein unverbundenes Ensemble aus Architektur, Computern, Maschinen, Schreibtischen und isolierten Menschen.
Das heißt, Unternehmen »leben« erst durch KommunikationKommunikation.
Man kann auch sagen:
UNTERNEHMEN BESTEHEN AUS KOMMUNIKATION.
Ein typischer Fehler:
Ein Unternehmen will ein Kompetenzdefizit beheben und stellt zu diesem Zweck ausgewiesene Experten auf diesem Gebiet ein und meint, damit sei das Problem im Wesentlichen gelöst.
Der entscheidende Teil der Problemlösung liegt jedoch ganz woanders:
Nämlich darin, die geeigneten BEDINGUNGEN dafür zu schaffen, dass neues Wissen in die Kommunikation des Unternehmens gelangen kann und dort seine entsprechende Wirkung entfaltet.
Die Intelligenz eines Unternehmens steckt also in dem, was ZWISCHEN den Menschen passiert.
Sie steckt in der Kommunikation.
Ob ein Unternehmen durch Klugheit geprägt ist oder nicht, hängt wesentlich davon ab, wie klug es seine Kommunikation gestaltet.
Um Aussagen darüber treffen zu können, was kluge KommunikationKommunikation, vollendeteist, sollten wir uns erst einmal anschauen, was eigentlich genau passiert, wenn wir kommunizieren:
Zunächst einmal ist es wichtig, sich klarzumachen, dass zur Kommunikation immer (mindestens) zwei Personen gehören, die sich aufeinander beziehen – Kommunikation ist immer ein HIN und HER zwischen Personen:
So funktioniert Kommunikation im Detail
➊ A sendet eine Mitteilung
➋ B bezieht diese Mitteilung auf sich
➌ B zeigt eine Reaktion auf die Mitteilung von A (*)
(* Bliebe Schritt ➌ aus, handelte es sich maximal um INFORMATION.)
In Organisationen gibt es auch die gar nicht so seltene Variante, dass nur Schritt ➊ stattfindet: Es wird etwas mitgeteilt – und niemand nimmt diese MitteilungKommunikationsgruft auf.
Damit ist nicht nur die E-Mail gemeint, die niemand liest, sondern zum Beispiel auch die Wortmeldung im Meeting, auf die niemand eingeht.
Das Entscheidende ist, dass in diesem Fall für die Organisation NICHTS PASSIERT – auch wenn die gerade in den Raum gestellte Mitteilung möglicherweise ein brillanter Vorschlag war.
Für die Organisation ist NUR das relevant, was IN DIE KOMMUNIKATION kommt – oder anders gesagt: was in irgendeiner Weise aufgenommen und fortgesetzt wird.
KommunikationKommunikation, gelingende findet also statt, sobald die Schritte ➊ bis ➌ erfolgen.
Um besser bewerten zu können, wann Kommunikation klug ist, ist es sinnvoll, noch einen Schritt ➍ einzuführen:
In diesem Schritt ➍ erkennt der ursprüngliche Mitteilungssender, dass seine Nachricht angekommen ist UND DASS IN IRGENDEINER WEISE DARAUF REAGIERT WURDE.
Dieser vierte Schritt macht für die Qualität von Kommunikation in Organisationen in vielen Fällen den entscheidenden Unterschied.
Denn nur, wenn die Kommunikation abgeschlossen (vollendet) wird, ist sie für den Mitteilenden befriedigend und motiviert zu weiteren Mitteilungen.
In Unternehmen passiert es jedoch häufig, dass Mitarbeiter Ideen äußern – oder sogar explizit dazu eingeladen werden –, doch ob die Idee dann auch aufgenommen oder in irgendeiner Weise verarbeitet wurde, erfährt niemand.
Ein typisches Negativ-Beispiel:
