Nachhaltigkeit lernen - Armin Neises - E-Book

Nachhaltigkeit lernen E-Book

Armin Neises

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Beschreibung

Unsere Welt ist in einem kritischen Zustand. Unternehmen und alle darin Mitwirkenden müssen sich dringend ihrer ökologischen und sozialen Verantwortung bewusst werden. Wir müssen Maßnahmen ergreifen, um weitere negative Auswirkungen durch wirtschaftliche Aktivitäten zu minimieren. Dieses Buch unterstützt Sie bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitsinitiativen in Ihrem Unternehmen. Es verknüpft die Konzepte der Nachhaltigkeit mit denen des Organisationalen Lernens und zeigt, wie durch kontinuierliche Lernprozesse und Anpassungen an Veränderungen Nachhaltigkeit erfolgreich in Unternehmen implementiert werden kann. Tipps für den Umgang mit Widerständen und komplexen Problemstellungen sowie zahlreiche Impulse für eine erfolgreiche und schnelle Umsetzung runden das Buch ab. Inhalte: - Das Konzept der Nachhaltigkeit verstehen - Organisationales Lernen: Wie Systeme und die darin wirkenden Menschen lernen - Ansätze zum Kompetenzerwerb für die Nachhaltigkeit - Nachhaltigkeitsmanagement durch Transparenz - Nachhaltigkeit kostengünstig oder -neutral umsetzen - Wie sich eine gelebte förderliche Organisationskultur für mehr Nachhaltigkeit zeigt - Verantwortung für die Zukunft übernehmen Die digitale und kostenfreie Ergänzung zu Ihrem Buch auf myBook+: - E-Book direkt online lesen im Browser - Persönliche Fachbibliothek mit Ihren Büchern Jetzt nutzen auf mybookplus.de.

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Seitenzahl: 284

Veröffentlichungsjahr: 2023

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[7]Inhaltsverzeichnis

Hinweis zum UrheberrechtImpressumVorwort1 Einführung1.1 Warum dieses Buch?1.2 Worum es in diesem Buch gehtTeil I – Grundlagen und Hintergründe2 Nachhaltigkeit – nur ein modisches Konzept?2.1 Organisationales Lernen als Voraussetzung für nachhaltiges Handeln2.2 Mögliche Probleme bei der Ausrichtung auf Nachhaltigkeit in Unternehmen3 Das Konzept der Nachhaltigkeit verstehen3.1 Ein Blick in die Geschichte der Nachhaltigkeit 3.2 Der Anfang der sozialen Verantwortung3.3 Das »Limits to Growth«-Modell von 19723.4 Die nachhaltige Entwicklung3.5 Die Triple Bottom Line 3.6 Das Pariser Klimaschutzabkommen3.7 Erkenntnisse aus dem »Klimabuch« von Greta Thunberg3.8 Die Klimakipppunkte 3.9 Das Greenhouse Gas Protocol 3.10 Gamechanger für Unternehmen in der Europäischen Union3.11 Internationale Ansätze zur Unterstützung von Unternehmen3.12 Kreislaufwirtschaft3.13 Fazit4 Organizational Learning – Wie lernen Systeme und die darin wirkenden Menschen?4.1 Wie funktioniert Lernen?4.2 Definition des Lernens4.3 Wie sieht ein Lernprozess in Unternehmen aus?4.4 Faktoren, die Organisationales Lernen fördern4.5 Systemische Organisationsentwicklung4.6 FazitTeil II – Praktische Umsetzung in Unternehmen5 Aus der Praxis 1: Kompetenzerwerb im Unternehmen5.1 Der Dunning-Kruger-Effekt im organisationalen Kontext5.2 Unbewusste Inkompetenz 5.3 Bewusste Inkompetenz 5.4 Bewusste Kompetenz5.5 Unbewusste Kompetenz5.6 Praktische Anwendungsfälle in Unternehmen5.7 Fazit6 Aus der Praxis 2: Disruptive Transformation vs. kontinuierliche Verbesserung6.1 Exploitative vs. explorative learning6.2 Kontinuierliche Verbesserung für nachhaltiges Wirtschaften6.3 Nachhaltige disruptive Transformation6.4 Fazit7 Aus der Praxis 3: Investition in neues Wissen7.1 Neue Aufgaben für HR 7.2 Möglichkeiten des Kompetenzerwerbs7.3 Maßnahmen und Trainings im Bereich Nachhaltigkeit konzipieren7.4 Finanzielle Kalkulation von Maßnahmen zum Kompetenzaufbau für die Nachhaltigkeit 7.5 Neue Aufgaben für das Recruiting 7.6 Fazit8 Aus der Praxis 4: Nachhaltigkeitsauswirkungen sichtbar machen8.1 Vom Bewusstwerden bis zu nachweislichen Resultaten8.2 Nachhaltigkeitsmanagement durch Transparenz8.3 Nachhaltigkeitsindikatoren einführen, aktualisieren und nutzen8.4 Fazit9 Aus der Praxis 5: Top-down- versus Bottom-up-Initiativen9.1 Top-down-Maßnahmen9.2 Bottom-up-Maßnahmen9.3 Berührungspunkte der beiden Ansätze9.4 Fazit10 Aus der Praxis 6: Nachhaltigkeit muss nicht teuer sein10.1 Nachhaltigkeit kostenneutral oder kostengünstig umsetzen10.2 Langfristige Kosten fehlender Nachhaltigkeitsorientierung10.3 Nutzen von Investitionen in Nachhaltigkeit ermitteln und nachweisen10.4 Fazit11 Aus der Praxis 7: Förderliche Organisationskultur für Nachhaltigkeit 11.1 Aspekte der förderlichen Organisationskultur 11.2 Erfolgsfaktoren bei der Einführung einer für Nachhaltigkeit förderlichen Organisationskultur 11.3 Umgang mit Widerständen11.4 Wie zeigt sich eine gelebte förderliche Organisationskultur für mehr Nachhaltigkeit? 11.5 Fazit12 Aus der Praxis 8: Ziele ohne Lösungswege12.1 Agile, dynamische Zielvereinbarungen12.2 Ressourcensteuerung 12.3 Die Bedeutung von Kompetenzen für die Motivation12.4 Lösungen12.5 FazitTeil III – Learnings13 Verantwortung für die Zukunft übernehmen13.1 Die Intention des Buches auf einen Blick13.2 AusblickLiteraturverzeichnisStichwortverzeichnisDigitale Extras
[1]

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Dafür vielen Dank!

Haufe Lexware GmbH & Co KG

[6]Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de/ abrufbar.

Print:

ISBN 978-3-648-16879-0

Bestell-Nr. 10891-0001

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ISBN 978-3-648-16880-6

Bestell-Nr. 10891-0100

ePDF:

ISBN 978-3-648-16881-3

Bestell-Nr. 10891-0150

Armin Neises, Laurin Neises

Nachhaltigkeit lernen

1. Auflage 2023

© 2023 Haufe-Lexware GmbH & Co. KG, Freiburg

www.haufe.de

[email protected]

Bildnachweis (Cover): © iStock.com/lovelyday12

Produktmanagement: Jürgen Fischer

Lektorat: Barbara Buchter, extratour, Freiburg

Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, insbesondere die der Vervielfältigung, des auszugsweisen Nachdrucks, der Übersetzung und der Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen, vorbehalten. Alle Angaben/ Daten nach bestem Wissen, jedoch ohne Gewähr für Vollständigkeit und Richtigkeit.

Sofern diese Publikation ein ergänzendes Online-Angebot beinhaltet, stehen die Inhalte für 12 Monate nach Einstellen bzw. Abverkauf des Buches, mindestens aber für zwei Jahre nach Erscheinen des Buches, online zur Verfügung. Ein Anspruch auf Nutzung darüber hinaus besteht nicht.

Sollte dieses Buch bzw. das Online-Angebot Links auf Webseiten Dritter enthalten, so übernehmen wir für deren Inhalte und die Verfügbarkeit keine Haftung. Wir machen uns diese Inhalte nicht zu eigen und verweisen lediglich auf deren Stand zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung.

[11]Vorwort

Das Thema Nachhaltigkeit wurde in den letzten Jahren durch den politischen Diskurs, u. a. ausgelöst durch offensichtliche Wetterextreme sowie nachweislich weltweite soziale Ungerechtigkeit, in das Bewusstsein von Gesellschaft, Organisationen und Unternehmen gerückt. Es steht heute außer Frage, dass die Forderung nach nachhaltigem Denken und Handeln keine unverbindliche Option mehr ist, sondern eine Notwendigkeit für die Zukunft unserer Gesellschaft und Umwelt.

Es ist höchste Zeit, dass wir uns nicht nur mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen, sondern in die Umsetzung konkreter Maßnahmen zur Reduzierung negativer Auswirkungen auf Klima, Umwelt und Gesellschaft kommen. Die Welt befindet sich in einem kritischen Zustand und es ist unsere Verantwortung, jetzt zu handeln. Unternehmen und alle darin Mitwirkenden sollten sich bewusst werden, dass sie einen erheblichen Einfluss auf die Nachhaltigkeit haben und dass es dringend erforderlich ist, Maßnahmen zu ergreifen, um die negativen Auswirkungen zu minimieren.

Verantwortlich handelnde Führungskräfte und Fachleute sehen sich somit vor die Frage gestellt, wie Nachhaltigkeit in Unternehmen verankert und umgesetzt werden kann. Und: Wie können die Wirkung des Unternehmens und aller darin Mitwirkenden auf die Umwelt und Gesellschaft bewusst wahrgenommen und die positiven Auswirkungen verstärkt sowie die negativen Auswirkungen reduziert werden?

Fest steht: Durch die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten können Unternehmen nicht nur positiv auf Gesellschaft und Umwelt einwirken, sondern auch wirtschaftliche Vorteile erzielen und ihre Reputation positiv beeinflussen, indem sie sich als nachhaltige Organisation im Markt positionieren. Nachhaltigkeit kann somit als Chance für Unternehmen angesehen werden, sich zu verbessern und eine positive Zukunft für alle zu schaffen – daher sollte sie nicht als Pflichtprogramm angesehen werden, sondern als überlebensnotwendige Passion!

Schon aus dieser kurzen Überlegung wird deutlich, dass die Transformation hin zu mehr Nachhaltigkeit in Unternehmen kein einmaliges Projekt ist, sondern ein fortwährender Prozess, der von Menschen gestaltet und gelebt wird – denn dadurch erst entsteht Realität.

Mit dem Ansatz des Organisationalen Lernens kann ein erfolgversprechender Ver-änderungsprozess angegangen werden. Auch wenn sich der Begriff so anhört, als ob ganze Organisationen lernen, sind es doch die darin wirkenden Menschen, die lernen und sich mit ihrem Wissen im Unternehmen engagieren. Den Zusammenhang zwi[12]schen Nachhaltigkeit einerseits und Organisationalem Lernen andererseits herzustellen und für die Praxis verfügbar zu machen, ist das Ziel dieses Buches.

Damit ausgestattet, können die Akteure in den Unternehmen auf allen Ebenen die eigenen Nachhaltigkeitsauswirkungen ihrer Entscheidungen und Handlungen besser verstehen und sollen in die Lage versetzt werden, förderliche Faktoren für die Nachhaltigkeit deutlich zu verstärken sowie schwächende Faktoren schnell und wirksam zu reduzieren.

Werden Sie Teil des Wandels und erfahren Sie, wie Nachhaltigkeit in Ihrem Unternehmen umgesetzt werden kann. Lassen Sie sich von diesem Buch inspirieren und starten Sie Ihre Reise zu einem nachhaltigeren Unternehmen.

Viel Spaß auf Ihrer Entdeckungsreise!

[13]1Einführung

Nachhaltigkeit ist eine komplexe, womöglich die komplexeste Herausforderung unserer Zeit mit enormen Auswirkungen auf die Lebensfähigkeit aller nachfolgenden Generationen. Das Agieren auf einer solch hohen Komplexitätsstufe erfordert ständiges Lernen und Anpassen. Da sich die Welt und die Geschäftsumgebungen ständig verändern, ist es wichtig, dass Unternehmen in der Lage sind, ihr Verständnis von und ihre Praxis in Bezug auf Nachhaltigkeit entsprechend kontinuierlich anzupassen und zu aktualisieren.

Aufgabe ist es, sicherzustellen, dass Nachhaltigkeit in allen Aspekten des Unternehmenslebens eingebettet ist, auch wenn die Umsetzung von Nachhaltigkeitsmaßnahmen möglicherweise Investitionen erfordert, die die Gewinne kurzfristig beeinträchtigen können. Langfristig aber werden Unternehmen, die auf Nachhaltigkeit setzen, wettbewerbsfähiger sein und von den Vorteilen profitieren.

Diese Umsetzung von Nachhaltigkeitsmaßnahmen erfordert ein Umdenken und eine Veränderung der Unternehmenskultur. Jeder und jede spielt dabei eine wichtige Rolle und es ist entscheidend, ein gemeinsames Verständnis zu entwickeln sowie ein reichhaltiges Engagement für Nachhaltigkeit zu fördern.

1.1Warum dieses Buch?

Nachhaltigkeit ist nicht nur eine Angelegenheit von großen Unternehmen. Organisationen aller Größen sowie aus allen Branchen sind gehalten, nachhaltige Praktiken in ihr Geschäftsmodell zu integrieren.

Und: Veränderungen kommen nicht nur durch die Unternehmen als Ganzes, sondern sind maßgeblich abhängig von den darin wirkenden Menschen. Deshalb richtet sich das vorliegende Buch an die aktiven und zukünftigen Akteure in den Unternehmen, ob in ihrer Rolle als Führungskraft – mit unmittelbarer Auswirkung auf ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter –, als Manager mit Steuerungs- und Koordinationsaufgaben oder als Experte in den jeweiligen Fachgebieten.

Das Buch bietet des Weiteren Anregungen für Menschen in den Unternehmen, um sie bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitsinitiativen zu unterstützen. Es geht dabei nicht nur um theoretische Grundlagen, sondern auch um viele praktische Anwendungsbeispiele zur schnellen und erfolgversprechenden Umsetzung.

[14]Als Grundlage dafür werden in den folgenden Kapiteln die Konzepte der Nachhaltigkeit und des Organisationalen Lernens miteinander in Verbindung gebracht. Es wird dargestellt, wie kontinuierliche Lernprozesse und Anpassungen an Veränderungen es ermöglichen, Nachhaltigkeit erfolgreich in Unternehmen zu implementieren. Eine hohe Wirksamkeit ist gegeben, wenn Systeme und die darin wirkenden Menschen lernen, wie sie Nachhaltigkeit konkret in Maßnahmen umsetzen und in Arbeitsroutinen integrieren können. Hier sind insbesondere Entscheider und Führungskräfte gefragt, um die Integration der Nachhaltigkeitsthemen in die Prozesse und täglichen Entscheidungen einzubeziehen und entsprechend zu handeln.

Dieses Buch müssen Sie nicht wie einen Roman von Anfang bis zum Schluss fortlaufend lesen. Wenn Sie wollen, können Sie mit den theoretischen Erläuterungen in Teil I beginnen und sodann einzelne Praxisanwendungen in Teil II lesen. Oder Sie starten mit den Praxisanwendungen aus Teil II und finden dort über die Verweise zum jeweiligen Kapitel den Zugang zur Theorie. Beides ist möglich.

Der rote Faden jedoch, der sich durch alle Kapitel zieht, lautet: Wir können es uns nicht leisten, Zeit zu verlieren – es ist jetzt an der Zeit zu handeln.

1.2Worum es in diesem Buch geht

Um Nachhaltigkeit erfolgreich zu implementieren, müssen Unternehmen ihr Verständnis und ihre Praxis kontinuierlich transparent beobachten, reflektieren und verbessern. Die Anwendungsbeispiele in Teil II beziehen diese Aspekte mit ein und versuchen Anregungen und Impulse für eine pragmatische Umsetzung zu geben. Die in diesem Buch aufgegriffenen Themen sind ein Ausschnitt oder eine Auswahl, die Interesse dafür wecken sollen, sich vertiefend mit den Möglichkeiten von nachhaltigem Wirtschaften und Arbeiten auseinanderzusetzen – und letztlich zur unmittelbaren Umsetzung zu motivieren.

Angefangen mit dem Kompetenzerwerb in Bezug auf Nachhaltigkeitsauswirkungen des eigenen Handelns werden beispielhafte Themen aufgezeigt, die durch organisationale Lernprozesse erschlossen werden können.

Es wird erörtert werden, ob eine Veränderung eher durch Disruption oder durch kontinuierliche Verbesserung erreicht werden kann. Zudem wird aufgezeigt, wie Investitionen in neues Wissen zur Initiation und erfolgversprechenden Umsetzung von Nachhaltigkeitsprojekten beitragen können.

Des Weiteren wird auf die Sichtbarkeit von Nachhaltigkeitsauswirkungen eingegangen und verdeutlicht, wie der Erfolg, also maßgebliche Verbesserungen, nachge[15]wiesen werden kann. Vor- und Nachteile von Bottom-up- bzw. Top-down-Initiativen werden ebenso diskutiert wie die Frage, ob die Veränderung hin zu mehr Nachhaltigkeit zwangsläufig teuer sein muss oder im Gegenteil langfristig Kosten einsparen oder Gewinne erwirtschaften kann.

Die Ansätze der förderlichen Organisationskultur für Nachhaltigkeit werden sodann eng mit dem Konzept des Organisationalen Lernens verwoben und vertiefend dargestellt. Die Nutzung von Zielen und damit verbundenen Lösungswegen kommen zur Sprache und werden ausführlich mit Beispielen veranschaulicht.

[17]Teil I – Grundlagen und Hintergründe

[19]2Nachhaltigkeit – nur ein modisches Konzept?

Nicht ohne Grund wird immer wieder Kritik laut, dass Nachhaltigkeit nichts weiter sei als ein »modisches« Konzept, um das Image von Unternehmen zu verbessern, ohne dass tatsächlich nachhaltige Verhaltensweisen und Praktiken umgesetzt werden. Insbesondere in der Kundenkommunikation, der Werbung und im Marketing wird von »klimaneutral«, »net zero« oder gar »klimapositiv« gesprochen, um nachhaltige Praktiken vorzutäuschen, ohne dass wirklich nachhaltige Veränderungen stattgefunden haben – das sogenannte Greenwashing.

Ein Teil der Learnings aus den folgenden Kapiteln kann sein, dass es »klimaneutral« realistisch betrachtet nicht gibt und dass z. B. eine Kompensation an einer anderen Stelle oder der Zertifikatehandel mit CO2-Emmissionzertifikaten keinesfalls dazu führen, dass Produkte, deren Herstellung oder die damit verbundenen Dienstleistungen klimaneutral sind. Wie also kann dann ein ernsthaftes Vorgehen hin zu mehr Nachhaltigkeit im Unternehmen aussehen?

Der Ansatz in diesem Buch geht davon aus, dass Organisationen ihre Lernfähigkeit erhöhen und eher in der Lage sind, auf Veränderungen in ihrem Geschäftsumfeld zu reagieren und sich anzupassen, wenn Nachhaltigkeit und Organisationales Lernen miteinander verknüpft sind.

2.1Organisationales Lernen als Voraussetzung für nachhaltiges Handeln

Organisationales Lernen ermöglicht es Unternehmen, neue Informationen und Erfahrungen aufzunehmen und so das Verständnis für Zusammenhänge, Auswirkungen auf Arbeitsprozesse und damit verbundenen Veränderungsbedarf zu vertiefen. Eine Folge davon kann sein, dass Prozesse und Praktiken überarbeitet werden müssen, um in diesem Sinne ein Unternehmen in Richtung eines definierten Zieles auszurichten und zu steuern. Darüber hinaus kann Organisationales Lernen auch helfen, Veränderungen im Markt, in der Gesetzgebung oder in der Technologie wahrzunehmen, damit die Organisation darauf entsprechend und angemessen reagieren kann.

Organisationales Lernen stellt somit einen wichtigen Treiber für die Transformation hin zu mehr Nachhaltigkeit dar. Es ist insofern auch ein bedeutender Baustein bei der Implementierung von Nachhaltigkeit in Unternehmen. Den Lernprozessen müssen allerdings konkrete Schritte folgen, um die neu erlernten nachhaltigen Praktiken und Verhaltensweisen durch alle Mitwirkenden umzusetzen.

[20]2.2Mögliche Probleme bei der Ausrichtung auf Nachhaltigkeit in Unternehmen

Organisationales Lernen ist folglich eine wichtige Voraussetzung für Changeprozesse, etwa hin zu nachhaltigerem Verhalten in Organisationen. Allerdings kann es durch einige Faktoren behindert oder sogar unmöglich gemacht werden. Dies hat langfristig nicht nur negative Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft, sondern auch für das Unternehmen selbst, da Nachhaltigkeit zu einem zunehmend wichtigeren Faktor für Kunden, potenzielle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Geschäftspartner und Finanzierungspartner wird.

Einige solcher Probleme und K.-o.-Kriterien im Hinblick auf das Thema Nachhaltigkeit seien hier im Vorfeld genannt.

Widerstand gegen Veränderung

Wie jede Veränderung kann auch die Neuausrichtung eines Unternehmens auf mehr Nachhaltigkeit Widerstände bei Menschen innerhalb von Organisationen auslösen, die die Umsetzung von Nachhaltigkeit erschweren. Das zeigt sich darin, dass sie nicht bereit sind, ihre etablierten Abläufe und Handlungen aufzugeben, um beispielsweise nachhaltigere Prozesse zu ermöglichen. Diese Veränderungsaversion stellt somit ein Hindernis für eine zukunftsfähige und nachhaltige Entwicklung dar. Durch das Festhalten an alten Mustern und Prozessen wird das Potenzial für Innovationen und neue Lösungen möglicherweise eingeschränkt.

Diesen Widerständen ist angemessen zu begegnen und den ablehnend eingestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Gehör zu verschaffen. So kann für die Einbeziehung der kritischen Stimmen und eine erfolgversprechende Anpassung von Maßnahmen gesorgt werden.

Mangelndes Wissen und Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

In den Unternehmen und Organisationen ist häufig noch kein ausreichendes Wissen in Bezug auf Nachhaltigkeit bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vorhanden. Diese Unwissenheit kann dazu führen, dass wichtige Nachhaltigkeitsaspekte übersehen oder vernachlässigt werden, was wiederum negative Auswirkungen auf die Umwelt und die Gesellschaft haben kann.

Daraus ergeben sich möglicherweise auch mangelndes Interesse oder fehlendes Bewusstsein, was letztlich zu unzureichendem Engagement in der Belegschaft führen kann, wodurch eine durchgängige Umsetzung von Nachhaltigkeitsinitiativen erschwert wird. Die Initiative von Bottom-up-Aktionen können in diesem Fall zu deutlichen Veränderungen führen.

[21]Mangelndes Engagement der Führungskräfte

Zeigen Führungskräfte kein Interesse an den konkreten Maßnahmen, die in ihren Bereichen zur Steigerung der Nachhaltigkeitsleistung eingeführt werden sollen, oder boykottieren sie gar Initiativen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, wird es schwierig, Veränderungen umzusetzen und eine Kultur des Nachhaltigkeitsbewusstseins zu fördern.

Auch mangels klarer Führung sowie aufgrund fehlender Unterstützung bei konkreten Maßnahmen durch die Führungskräfte kann es für Menschen in Organisationen schwierig sein, sich und ihren Arbeitsbereich in Richtung Nachhaltigkeit zu verändern. Es werden dann ggf. andere Prioritäten gesetzt und die Ressourcen und Anstrengungen auf andere Bereiche mit mehr Support konzentriert. Top-down-Ansätze zur Veränderung stellen eine Möglichkeit dar, förderliches Führungsverhalten auszulösen.

Mangel an Ressourcen

In Organisationen stehen bei Entscheidungen oftmals kurzfristige, rein finanzielle Aspekte im Vordergrund, sodass Nachhaltigkeitsinitiativen aufgrund der finanziellen Erfordernisse nicht realisiert werden. Auch begrenzte zeitliche Ressourcen oder Kapazitäten können die Ursache dafür sein, dass nachhaltige Praktiken nicht umgesetzt werden. Langfristig wirksame Nachhaltigkeit wird zugunsten kurzfristiger Gewinne vernachlässigt. Hier ist die Erkenntnis hilfreich, dass nachhaltiges Verhalten nicht zwangsläufig teuer sein muss.

Fehlende Anreize

Gibt es keine ausreichenden Anreize für Organisationen, nachhaltiger zu werden, wie sie z. B. gesetzliche Vorschriften oder eine hohe öffentliche Aufmerksamkeit für das Thema darstellen, kann dies dazu führen, dass Unternehmen das Thema vernachlässigen und damit eine entscheidende Entwicklung verpassen, um langfristig wettbewerbsfähig zu sein. Hier kommen Überlegungen zu extrinsischer vs. intrinsischer Motivation zum Tragen.

Unzureichende Kreativität und Innovationen

Ein Mangel an neuen, kreativen Lösungen beispielsweise in der Technologie oder Kommunikation können die Umsetzung von Nachhaltigkeit behindern. Dem kann mit der Förderung einer kreativen Organisationskultur begegnet werden.

Mangel an Klarheit und Zielen

Ohne Ziele und Visionen für die Umsetzung von Nachhaltigkeit sind kaum Fortschritte zu erzielen. Aber auch Ziele ohne Lösungswege können ein lähmendes Problem darstellen. Lösungsansätze dafür werden in Kap. 12 beschrieben.

[22]Komplizierte Gesetzgebung

Bürokratische Monster sowie unklare oder fehlende gesetzliche Vorschriften erschweren es den Unternehmen, geeignete Lösungen zu finden, und können sogar dazu führen, dass sich die Verantwortlichen nicht engagieren oder gar eine Strafe in Kauf nehmen, anstatt zu handeln.

Ein Überblick über bestehende europäische und internationale Standards und Ansätze in Kap. 3 soll helfen, sich im Markt gesetzeskonform und gleichzeitig konsequent nachhaltig zu positionieren.

Wenn diese Probleme nicht überwunden werden und sich im Unternehmen keine Ausrichtung auf die Nachhaltigkeit entwickeln kann, drohen möglicherweise folgende Auswirkungen:

Reputationsschäden: Eine fehlende Einstellung zu Nachhaltigkeit kann dazu führen, dass das Unternehmen in der Öffentlichkeit negativ wahrgenommen wird und die Reputation darunter leidet.Kundenverluste: Kunden, die sich für nachhaltige Produkte und Dienstleistungen interessieren, könnten das Unternehmen meiden und sich stattdessen für nachhaltigere Alternativen entscheiden.Regulatorische Risiken: Unternehmen, die sich nicht für Nachhaltigkeit einsetzen, laufen Gefahr, regulatorische Verstöße zu riskieren, z. B. durch Nichteinhaltung von Umwelt- oder Arbeitssicherheitsgesetzen.Finanzielle Risiken: Unternehmen, die sich nicht für Nachhaltigkeit einsetzen, könnten finanzielle Risiken eingehen, z. B. durch höhere Zinsen bei der Kreditvergabe, oder sie könnten Schwierigkeiten haben, eine Finanzierung zu erhalten, da viele Investoren und Finanzierungspartner nachhaltiges Wirtschaften fördern wollen.Motivationsprobleme: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich für Nachhaltigkeit engagieren möchten, könnten demotiviert werden und das Unternehmen verlassen.Probleme bei der Gewinnung neuer Talente: Wenn für zu besetzende Stellen wegen eines schlechten Nachhaltigkeitsimages keine oder unzureichende neue Bewerbungen von motivierten Fach- und Führungskräften eingehen, kann dies die weitere Geschäftsentwicklung des Unternehmens gefährden.Einschränkungen bei der Zusammenarbeit: Unternehmen, die sich nicht für Nachhaltigkeit einsetzen, könnten Schwierigkeiten bekommen, Partnerschaften und Kooperationen mit anderen Unternehmen oder Organisationen einzugehen, die nachhaltiges Wirtschaften fordern.

[23]3Das Konzept der Nachhaltigkeit verstehen

In diesem Kapitel möchten wir Leserinnen und Lesern unabhängig vom momentanen Wissensstand einen Überblick über das Thema Nachhaltigkeit geben und Zusammenhänge erläutern. Im Besonderen geht es darum, die Erkenntnisse auf das betriebliche Umfeld zu beziehen, um daraus abzuleiten, welche konkreten Anwendungsfälle im jeweiligen Kontext möglich sind.

Dabei werden für die eine oder den anderen vielleicht ganz neue Aspekte erkennbar oder aber bekanntes Wissen vergegenwärtigt und vertieft. Mit diesem Überblick ist der Grundstein gelegt für die Verbindung mit den in Teil II aufgeführten Anwendungsbeispielen.

Wir starten mit dem Überblick über die historische Entwicklung des in diesem Buch im Vordergrund stehenden Begriffes der »Nachhaltigkeit«. Es ist keineswegs ein neues Phänomen, sondern hat eine lange Tradition und fußt auf tiefgehenden wissenschaftlichen Erkenntnissen. Diese Betrachtung beinhaltet auch Hinweise auf die neuesten Entwicklungen aus der Wissenschaft, die im »Klimabuch« von Greta Thunberg im Jahr 2022 festgehalten wurden, mit dem besonderen Augenmerk auf die Klimakipppunkte.

Danach gehen wir auf die »Game-Changer«-Entwicklungen in der EU ein, die einen entscheidenden Einfluss insbesondere auf Unternehmen haben werden. Hierbei geben wir Einführungen in die EU-Taxonomie, die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) sowie die mitgeltenden European Sustainability Reporting Standards (ESRS) und die Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDD).

Zum Abschluss des Kapitels greifen wir internationale und etablierte Regelwerke auf, die alle die gleiche Absicht verfolgen, nämlich das Bewusstsein für Nachhaltigkeit in den Unternehmen zu schärfen, die Vielfältigkeit der Aspekte abzubilden und den Unternehmen ganz praktisch zu helfen, ihre Bemühungen in Richtung mehr Nachhaltigkeit zu steuern und nachzuweisen. Die Auflistung ist nicht vollständig, ermöglicht aber eine erste Auswahl und gibt einen Einblick in den Umfang der Betrachtungsobjekte, die mit dem Thema Nachhaltigkeit zusammenhängen.

3.1Ein Blick in die Geschichte der Nachhaltigkeit

Schon 1713 stellte Hannß Carl von Carlowitz ein Konzept für nachhaltiges Wirtschaften vor. In seinem Buch »Sylvicultura oeconomica« beschrieb er die Grundlagen für eine nachhaltige Forstwirtschaft. Darin wies er darauf hin, dass für einen langfristig rentablen Silber- und Erzabbau Holz als wichtige Ressource nicht ausgebeutet werden [24]dürfe. Er wollte damit eine drohende Rohstoffkrise verhindern, da die Minenbetreiber den Fokus auf schnelle Gewinne legten und so die langfristigen Konsequenzen von massiver Abholzung außer Acht ließen. Konkret legte er dar, dass für die langfristige Rentabilität der Silber- und Erzgewinnung in seiner Region in Deutschland die natürliche Ressource Holz für den Bergbauprozess eine entscheidende Grundlage sei. Er verwies darauf, dass nur dann Bäume gefällt werden dürften, wenn das ökologische Gleichgewicht durch die Anpflanzung neuer Bäume sowie das Wachstum des Bestands wiederhergestellt sei (von Carlowitz, 1713). Mit seiner Schrift ging er als Schöpfer des Begriffes der Nachhaltigkeit in die Geschichte ein.

3.2Der Anfang der sozialen Verantwortung

Nach dem Boom der industriellen Revolution etwa 150 Jahre später wurde schnell sichtbar, dass die Art und Weise, wie Unternehmen die Menschen und Ressourcen ausbeuteten, der Gesellschaft eher schadete als nutzte. Daher wurden schon im 19. Jahrhundert Stimmen laut, die die Aufmerksamkeit auf die Verantwortung lenkten, die Unternehmen und die Wirtschaft für das Wohlergehen der Gesellschaft haben. Dazu gehörten Forderungen nach neuen Vorschriften für das Arbeitsrecht, bessere Sicherheitsstandards für die Arbeitenden und eine soziale Verantwortung für die Umwelt und das unmittelbare Umfeld, auf das die Unternehmen Einfluss haben, z. B. durch die Lage einer Fabrik nahe einer Stadt, durch die Abholzung von Wäldern oder die Schürfung von Kohle. Die Forderung lautete nun, dass sich Unternehmen der Verantwortung bewusst sein sollten, die sie für ihre Umwelt trugen.

Weitere Bedenken gegen gängige Geschäftspraktiken kamen im 20. Jahrhundert auf, als Wissenschaftler auf die negativen Auswirkungen von Unternehmensaktivitäten auf die Umwelt hinwiesen. Als entscheidendes Werk hierbei ist »Limits to Growth« von Meadows et al. (1972) zu nennen, die mit ihren wissenschaftlichen Erkenntnissen im Club of Rome darauf verwiesen, dass das derzeitige und prognostizierte Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum nicht durch die auf diesem Planeten vorhandenen natürlichen Ressourcen getragen werden kann.

3.3Das »Limits to Growth«-Modell von 1972

Dieses Modell, das Wissenschaftler des Massachusetts Institute of Technology (MIT) in einer Studie auf einer Computersimulation basierend entwickelten, nimmt die folgenden Faktoren in die Berechnung auf:

die Zunahme der Weltbevölkerung,den Grad der Industrialisierung,die steigende Umweltverschmutzung,[25]die globale Nahrungsproduktion unddie momentane und zukünftige Ausbeutung der Ressourcen, die mit dem Anstieg in den anderen Variablen verbunden ist.

Anhand von zwölf unterschiedlichen Szenarien wollten die Forschenden die Interaktion dieser Faktoren verstehen. Für jede Ausgangssituation wurden Veränderungen der Variablen errechnet, die durch unterschiedliches Eingreifen der Politik potenziell möglich seien oder die – z. B. durch eine höhere Nahrungsproduktion durch landwirtschaftliche Weiterentwicklung, einen höheren Grad an Ressourcenvorkommen, Schwankungen in der Geburtenrate und unterschiedliche technologische Fortschritte – die Umweltauswirkungen der industriellen Produktion beeinflussen. Durch diese Manipulationen der Daten konnten die Wissenschaftler realistische Szenarien simulieren, von Worst Case bis Best Case. Der Worst Case stellte zugleich auch den damaligen Status quo dar und beschrieb die zu erwartende Situation, wenn keine entsprechenden Gesetze erlassen würden, um die Umwelt zu schützen und um die Ressourcenausbeutung zu regulieren. Er zeigte auf, was passieren würde, wenn Politiker auf der ganzen Welt 1972 beschließen würden, so weiterzumachen wie bis dahin.

Die Status-quo-Simulation des Limits-to-Growth-Modells führte zu einem vernichtenden Ergebnis, da sie auf der Grundlage der damaligen Daten und Annahmen zeigte, dass die unaufhaltsame Ausbeutung der natürlichen Ressourcen und das kontinuierliche Bevölkerungswachstum zu einer globalen Krise führen würden. Die Simulation prognostizierte, dass ohne signifikante Veränderungen in der Art und Weise, wie Gesellschaften Ressourcen verbrauchen und wirtschaftliche Aktivitäten betreiben, ein Ende des Wirtschaftswachstums und ein starker Rückgang des Bevölkerungswachstums ab Mitte des 21. Jahrhunderts eintreten würden.

Alle folgenden Simulationen gingen von strikterem Eingreifen der Politik oder dem doppelten Ressourcenvermögen sowie von Eingriffen in die Geburtenrate aus. Dass es sich dabei durchaus um realistische Überlegungen handelte, zeigte der deutliche Rückgang des Bevölkerungswachstums, als die chinesische Regierung 1980 die EinKind-Politik einführte. Zu diesem Zeitpunkt lag die Wachstumsrate der Weltbevölkerung bei rund 1,7 % jährlich, als China die Ein-Kind-Politik 2015 außer Kraft setzte, war die jährliche Rate auf 1,1 % gesunken.

In Abb. 2.1 sieht man die anfängliche Computersimulation des Worst Case. Ganz besonders zeigt sich das Zusammenspiel zwischen dem Ressourcenvorkommen und der industriellen Produktion und damit der Zunahme der Lebensmittelproduktion pro Kopf. Ein hohes natürliches Ressourcenvorkommen bedeutet also einen hohen Output der Industrie und der Lebensmittelhersteller. Wenn die natürlichen Ressourcen kontinuierlich ausgebeutet und verschwendet werden, bricht damit früher oder später auch die industrielle und die Lebensmittelproduktion ein. Eine geringere Lebens[26]mittelproduktion unterstützt wiederum das Bevölkerungswachstum nicht. Jedoch konnte im Zusammenhang mit dem massiven Einbrechen der industriellen Produktion eine deutliche Minderung der Umweltverschmutzung vorhergesagt werden, weil die Industrie ohne ausreichende Ressourcen zur Verarbeitung ihre Produktion verlangsamen oder gar stoppen muss. Dadurch entstehen weniger Emissionen und Abfälle.

Abb. 2.1: Das Limits-to-Growth-Modell (Abbildung in Anlehnung an »Limits to Growth«)

Auch wenn 1972 noch niemand mit Sicherheit sagen konnte, was im nächsten Jahrhundert passieren würde, ist das »Limits to Growth«-Modell heute aktueller denn je und seine Annahmen haben sich angesichts der aktuell bestehenden Umweltprobleme bewahrheitet. Seine Bedeutung liegt nicht nur in den akkuraten Vorhersagen, die getroffen wurden, sondern auch darin, dass wir heute tatsächlich mit den Grenzen des Wachstums konfrontiert sind, über die Meadows et al. nur theoretisch diskutiert hatten.

Jorgen Randers, einer der Autoren des 1972 herausgegebenen Reports, veröffentlichte 2012 ein Buch, in dem er beschrieb, was sich in Bezug auf die ursprünglichen Prognosen inzwischen verändert hatte. Im Buch, das 2016 unter dem Titel »2052. Der neue Bericht an den Club of Rome – Eine globale Prognose für die nächsten 40 Jahre« auch auf Deutsch erschien, geht er auf die wichtigsten Trends ein, die heutzutage sichtbar sind. Er beschreibt darin globale Herausforderungen, die er als zentral ansieht, darunter den offensichtlichen Klimawandel, aber auch die Überbevölkerung, den Ressourcenmangel und die wachsende Schere zwischen den armen und reichen Bevölkerungsteilen.

Sein Appell ist diesbezüglich ganz klar: Die Weltwirtschaft muss auf eine nachhaltigere Grundlage gestellt werden, um die Ressourcenknappheit zu bewältigen und das Kli[27]ma zu schützen. Im Großen und Ganzen prognostiziert er eine düstere Zukunft, wenn nicht sofort gehandelt wird. Er schlägt aber auch Lösungen vor, etwa nachhaltiges Wachstum und Zusammenarbeit, um diese Herausforderungen zu bewältigen.

Aufgrund seiner Prognosen gibt Randers (2016, S. 382 ff.) der Leserschaft seines Buches folgende 20 Ratschläge mit – teilweise ironisch, teilweise erschreckend, aber mit hohem Realitätsgehalt:

»Legen Sie mehr Wert auf Zufriedenheit als auf Einkommen.Vermeiden Sie eine Vorliebe für Dinge, die bald verschwunden sein werden.Investieren Sie in hochwertige Unterhaltungselektronik als Ersatz für die Realität.Erziehen Sie Ihre Kinder nicht zu Naturliebhabern.Wenn Ihnen die Vielfalt des Lebens am Herzen liegt, genießen Sie sie, solange Sie noch können.Besuchen Sie die Sehenswürdigkeiten der Welt, bevor sie durch die Menschenmassen ruiniert werden.Wohnen Sie an einem Ort, der vom Klimawandel möglichst wenig betroffen ist.Ziehen Sie in ein Land, in dem Entscheidungen getroffen werden können.Finden Sie heraus, welche Folgen fehlender Nachhaltigkeit ihre Lebensqualität am meisten beeinträchtigen werden.Wenn Sie nicht im Dienstleistungsbereich oder in der Pflege arbeiten wollen, suchen Sie sich einen Job in den Bereichen Energieeffizienz oder erneuerbare Energien.Raten Sie Ihren Kindern, Mandarin zu lernen.Verabschieden Sie sich von der Vorstellung, jedes Wachstum sei gut.Denken Sie daran, dass Ihre fossilen Wertanlagen eines Tages plötzlich ihren Wert verlieren werden.Investieren Sie in Dinge, die robust gegen soziale Unruhen sind.Tun Sie mehr, als Sie müssen. So vermeiden Sie später ein schlechtes Gewissen.Für Unternehmer: Loten Sie das Geschäftspotenzial von Verbesserungen der Nachhaltigkeit aus.Für Unternehmer: Mengenwachstum bedeutet nicht automatisch Gewinnsteigerung.Für Politiker: Wenn Sie wiedergewählt werden wollen, unterstützen Sie nur Initiativen, die langfristige Gewinne versprechen.Für Politiker: Denken Sie daran, dass wir in Zukunft an viele Grenzen stoßen werden.Für Politiker: Akzeptieren Sie, dass der gleichberechtigte Zugang zu begrenzten Ressourcen wichtiger werden wird als die Redefreiheit.«

3.4Die nachhaltige Entwicklung

Ein Konzept durch eine akkurate Definition zu konkretisieren, kann ein komplexer Prozess sein, aber zu einem besseren Verständnis beitragen. Ein solches Konzept zu definieren, war die Aufgabe, die die Weltkommission für Umwelt und Entwicklung, [28]nach ihrer damaligen Vorsitzenden Gro Harlem Brundtland auch »Brundtland-Kommission« genannt, in Auftrag gab, um den Begriff der nachhaltigen Entwicklung oder »Sustainable Development« zu definieren und um einen Aktionsplan für die Zukunft zu entwickeln. Als Definition des Begriffes »Nachhaltigkeit« dient die Erläuterung der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung aus dem Jahr 1987:

»Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen.«

WCED (1987, S. 43)

In dieser Definition ist sowohl die Nachhaltigkeit im Kontext der Umwelt als auch die Steigerung des menschlichen und sozialen Wohlergehens enthalten. Zudem werden Unternehmen dadurch dazu angehalten, ihren Fokus der Gewinnmaximierung auf die Steigerung des Allgemeinwohles und des gleichzeitigen Minimierens der negativen Umweltauswirkungen von Unternehmensaktivitäten zu lenken. Aufgrund dieser Definition hatte die Politik nun einen konkreten Ansatz, um Gesetze und Ziele zu erarbeiten, die maßgeblich zu der Entwicklung beigetragen haben, die wir heute feststellen können.

Ergänzend sei auf das Drei-Säulen-Modell der nachhaltigen Entwicklung verwiesen. Die folgenden drei Bereiche (= Säulen) werden als gleich wichtig und gleichberechtigt angesehen: Ökologie, Ökonomie und Soziales. Konkret bedeutet das, dass Unternehmen in der Verantwortung stehen, nachhaltig, also ökologisch und sozial fair, zu wirtschaften.

In der Fachdatenbank für Nachhaltigkeitsverantwortliche der Haufe Group ist dazu zu lesen:

»Nachhaltigkeit ist eine Möglichkeit für die Stärkung des Vertrauens und der Positionierung des Unternehmens gegenüber Kunden, Beschäftigten und für die Differenzierung im Wettbewerb.«

Haufe Sustainability Office (2023)

Machen wir uns nichts vor. Wir können über sehr viele Aspekte der Nachhaltigkeit sprechen und es gibt wertvolle Ansätze, die Ganzheitlichkeit versprechen. Aber den größten Einfluss auf den Klimawandel und die damit verbundenen sozialen Zerwürfnisse haben die weltweiten CO2-Emissionen. Und diese entstehen nun einmal in erheblichem Maße durch den Energieverbrauch, solange wir fossile Energieträger wie Kohle, Gas und Öl nutzen.

Ein wesentlicher Treiber des Wohlstands der westlichen Industrieländer war die günstig zur Verfügung stehende Energie. Die vergleichsweise niedrigen Kosten kamen dadurch zustande, dass nur die Förderung und Aufbereitung der Energieträger an sich [29]eingepreist wurden, nicht aber die mittlerweile hinlänglich bekannten langfristigen Kosten. Dadurch entstanden seit Anfang des 19. Jahrhunderts große, kapitalstarke Konzerne, die sehr hohe Rendite erwirtschafteten und noch immer erwirtschaften und die somit für die Finanzwirtschaft in höchstem Maße interessant sind. Fatalerweise basiert deren Geschäftsidee auf einer folgenreichen Entdeckung der Menschheit, nämlich dem Verbrennen von fossilen Energieträgern wie Kohle, Erdöl oder Erdgas. Dadurch entsteht die Emission von Kohlendioxid (CO2) mit den bekannten schädlichen Auswirkungen auf unser Klima.

In den Anfängen der Menschheitsgeschichte, in denen das Feuer durch Verbrennen von Holz dem unmittelbaren Überleben diente und nur eine geringe Anzahl an Menschen auf dem Planeten Erde lebten, war die Innovation Feuer zweifellos noch ein Ermöglicher. Mit zunehmender Weltbevölkerung einerseits und der Industrialisierung andererseits stieg jedoch der Energiebedarf in den letzten Jahrhunderten sehr stark an. Die Möglichkeiten, die durch Verbrennen von Kohle, Öl und Gas eröffnet wurden, waren die Grundlage für das Wirtschaftswachstum und damit verbunden für den Anstieg des Wohlstands insbesondere in Mitteleuropa und Nordamerika. Diese jahrzehntelange Praxis gepaart mit dem exponentiellen Wachstum der Bevölkerung hat dazu geführt, dass der Energieverbrauch bis heute ungemindert steigt, die fossilen Energieträger weiterhin abgebaut und verbrannt werden und somit über die Jahrzehnte enorme Mengen an CO2 in die Atmosphäre gelangten und immer noch gelangen.

Abb. 2.2: Verlauf der jährlichen weltweiten CO2-Emissionen seit 1940

[30]Die Energiebranche wurde dadurch in wenigen Jahrzehnten zu einem riesigen und erfolgreichen Wachstumsmarkt, der nicht zuletzt durch den Einsatz von Lobbyisten erheblich Einfluss auf die Politik und politische Entscheidungen nahm.

Die großen weltweiten Energiekonzerne waren und sind also einerseits die maßgeblichen Produzenten des klimaschädlichen Kohlendioxids, hatten aber gleichzeitig ein massives wirtschaftliches Interesse daran, dass die negativen Folgen ihres Geschäftsmodells nicht bekannt bzw. publik wurden. Dafür wurden Fakten verdreht, verschleiert oder geleugnet. Die Zeitschrift »Science« berichtete über diesen Zusammenhang in einem Fachartikel der Autoren Geoffrey Supran, dem deutschen Klimaforscher Stefan Rahmstorf und der Wissenschaftshistorikerin Naomi Oreskes. »Unsere Ergebnisse zeigen, dass ExxonMobil die globale Erwärmung in privaten und akademischen Kreisen ab den späten 1970ern korrekt und fachkundig vorhersagte«, heißt es darin (Supran & Oreskes, 2017, S. 1).

Während die Fachleute des Ölkonzerns also mitzuteilen versuchten, was sie wussten, wurden diese Erkenntnisse durch die Unternehmensführung von ExxonMobil geleugnet. Weiterhin schreiben die Autoren in Bezug zur öffentlichen Kommunikation von ExxonMobil von »der übertriebenen Betonung von Unsicherheiten, der Abwertung von Klimamodellen, mythologischen Erzählungen über eine globale Abkühlung, vorgetäuschtem Unwissen über die Gewissheit hinsichtlich der menschengemachten Erwärmung und dem Verschweigen der Möglichkeit, dass fossile Rohstoffe in einer Kohlenstoff-beschränkten Welt ihren Wert verlieren könnten« (ebd.).

In seinem viel beachteten Bericht »Warum RWE jeden Argwohn verdient hat« blies der Kognitionspsychologe Prof. Dr. Christian Stöcker ins gleiche Horn, indem er sich auf die Gerichtsakte des Kölner Oberlandesgerichtes aus dem Jahr 2006 bezieht: »Die demgegenüber von den Beklagten aufgrund subjektiver Wahrnehmung angenommene Gefahr ist weder konkret noch gegenwärtig. Ob es Klimaveränderungen geben wird, ist wissenschaftlich nicht bewiesen, Kausalzusammenhänge zwischen den einzelnen menschlichen Einflussnahmen auf die Umwelt und Klimaphänomene sind offen.« (Stöcker, 2023, S. 1).

Der finanzielle Erfolg gab den Großkonzernen zunächst recht – und die Macht, durch weitere Desinformation gepaart mit Lobbyismus den Ausbau der erneuerbaren Energien deutlich zu behindern und so hinauszuzögern. Gleichzeitig verstärkte sich das weltweite Interesse am Geschäft mit fossilen Energieträgern, an dem die ressourcenstarken Länder kräftig teilhaben wollten – ohne Rücksicht auf Verluste für die Menschheit.

Aufgrund der gestiegenen Nachfrage nach fossilen Energieträgern erzielten die Unternehmen enorme Gewinne und hohe Effizienz, die sinkende Produktionskosten zur [31]Folge hatten. Dies wiederum führte zu niedrigeren Preisen, die eine hohe Verfügbarkeit suggerierten und eine steigende Nachfrage nach sich zogen. Da bei der Preisgestaltung nur die Erschließung, Produktion und der Transport des Energieträgers berücksichtigt wurden, wurde und wird Energie zu sehr günstigen Preisen angeboten. Die Konsequenzen wie die Zerstörung der Natur und der durch CO2 verursachte Klimawandel werden jedoch nicht von den Energieunternehmen getragen, sondern müssen von den betroffenen Ländern finanziert werden.