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Abenteuer Leben auf den Traumstraßen der Welt: Mit dem eigenen Reisemobil durch die Welt ziehen, jeden Tag an einem anderen Ort aufwachen, Unabhängigkeit und Freiheit genießen, Abenteuer und grandiose Natur erleben - wer träumt nicht davon? Begeben Sie sich schon einmal mit den Autoren dieses Buches auf große Reise! Folgen Sie den Reisenden auf der Panamericana - der Traumstraße der Welt - von Feuerland bis Alaska, tauchen Sie ein in das Abenteuer einer Durchquerung des afrikanischen Kontinents, lassen Sie sich verzaubern von einer Fahrt entlang der legendären Seidenstraße, entdecken Sie die Schönheiten des quirligen Südostasiens, erfahren Sie wie es sich anfühlt auf der höchsten befahrbaren Straße der Welt unterwegs zu sein. Offroad-Fans kommen in Australien auf ihre Kosten. Die Informationen der Autoren, viele nützliche Tipps und Internet Adressen helfen Ihnen dabei, auch Ihren Traum von Freiheit und Unabhängigkeit zu verwirklichen. Die Anthologie wurde herausgegeben und bearbeitet von Alexander Reeh.
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Seitenzahl: 491
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Nächste Ausfahrt Freiheit
Erfahrungsberichte von Langzeitreisenden im Expeditionsmobil
Herausgegeben vonAlexander Reeh
Engelsdorfer Verlag
Leipzig
2017
Bibliografische Information durch die Deutsche Nationalbibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie;
detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.
Foto Titelseite © Joachim Kieser (www.reisestationen.de)
Copyright (2017) Engelsdorfer Verlag Leipzig
Alle Rechte beim Autor
Hergestellt in Leipzig, Germany (EU)
E-Book-Herstellung: Zeilenwert GmbH 2017
www.engelsdorfer-verlag.de
© Constanze Kühnel
Viel zu spät begreifen viele die versäumten Lebensziele:
Freude, Schönheit der Natur, Gesundheit, Reisen und Kultur.
Darum Mensch, sei zeitig weise!
Höchste Zeit ist’s! Reise, reise!
(Wilhelm Busch)
„Eines Tages wirst du aufwachen, und es wird keine Zeit mehr sein, um all die Dinge zu tun, die du immer tun wolltest.“
Paulo Coelho
Liebe Leserin, lieber Leser,
vielleicht geht es Ihnen ähnlich: Sie hatten einen Traum, den Traum von einer längeren oder sogar einer mehrjährigen Reise im Expeditionsmobil. Irgendwann fiel dann die Entscheidung, für das Fahrzeug, für die Route, für die ungefähre Dauer der Reise und für das Datum der Abreise. Monate, wenn nicht Jahre der Vorbereitung liegen hinter Ihnen, Sie haben viel Arbeit, Geld und Mühe investiert, sich von Familie und Freunden auf unbestimmte Zeit verabschiedet und nun geht es endlich los. Wie fühlt man sich in diesem Augenblick? Sicherlich ist da auf der einen Seite Euphorie, ein überwältigendes Glücksgefühl, dem Alltag eine Zeitlang oder sogar für ein paar Jahre zu entfliehen und die Freiheit zu genießen, andererseits mischt sich darunter vielleicht auch ein etwas mulmiges Gefühl und die Frage, war es wirklich richtig, Haus, Job und vieles andere einfach aufzugeben, alle Brücken hinter sich abzubrechen und sich in ein Abenteuer zu stürzen, von dem man nie wissen kann wie es ausgeht?
Aber seien Sie beruhigt, den allermeisten Reisenden ergeht es so, und wenn diese am Ende ihrer Reise gefragt werden, was das Schwierigste an dem Unternehmen war, so antworten fast alle: die Heimkehr …
Lassen Sie sich hier von den vielfältigen Berichten überraschen und inspirieren. Ich wünsche Ihnen eine wunderschöne Reise mit Ihrem Wohnmobil, das eine oder andere Abenteuer, viele interessante Begegnungen und neue Freunde zusammen mit einer großen Portion Glück, denn das gehört auch dazu.
Ihr Alexander Reeh
Es ist kurz nach sechs an einem Dienstagnachmittag und wir sitzen zum ersten Mal in unseren Klappstühlen vor unserem Unimog Simba. Wir öffnen eine eiskalte Flasche Champagner und blicken auf den Lago di Caldaro und die grünen Weinberge des wunderschönen Südtirols. Die Umgebung ist beeindruckend. Hinter uns ragen die Felsen in den Himmel empor, vor uns blicken wir auf eine mittelalterliche Burg, hoch über dem See.
Wir reden nicht viel. Zu gewaltig sind die Gedanken und Eindrücke, die uns seit unserer Abfahrt an diesem Mittag beschäftigen. Obwohl es unser erster Abend ist, passiert jeder Handgriff wortlos – als hätten wir jede Bewegung einstudiert, was nicht der Fall ist.
Es war unheimlich – als wir die erste Kurve aus dem Hof von Peters Eltern heraus gefahren sind. Dies soll nun der Beginn unserer Weltreise sein? Monatelang bereitet man sich auf all das vor – um dann an einem gewöhnlichen Wochentag aus Trudering die Salzburger Autobahn anzusteuern? Man hat keinen Job mehr, kein Auto, keine Wohnung, um in einem Nutzfahrzeug nach Indien zu fahren? Welcher Teufel hat uns – zum Teufel – getrieben, um so etwas zu tun?
Ich schaue Peter an und spüre, dass ihn ähnliche Gedanken plagen wie mich. Was kommt auf uns zu? Wie wird es sein, ein Jahr auf sieben Quadratmetern zu leben? Was werden wir alles erleben? Und was erleben müssen? Wie werden wir in unserer noch so jungen Beziehung mit der Enge und den vielen möglichen Strapazen umgehen? Werden wir die Nerven verlieren, sobald etwas nicht so läuft wie geplant? Und wessen Idee war das überhaupt?
Tausende von Gedanken spielen sich in Sekundenschnelle vor meinen Augen ab. Ein seltsames Gefühl, das ich mir oft ausmalen – doch dessen Intensität ich mir nicht im Geringsten vorstellen konnte. Wir reden nicht sehr viel in dieser ersten Stunde unserer ersten Fahrt.
Auf der Autobahn bezahlen wir vor dem Brenner die für uns bisher völlig unbekannte LKW-Gebühr, tanken in Österreich noch einmal beide 130 Liter Tanks randvoll und rollen gemächlich – mit unserer Höchstgeschwindigkeit80km/h – in Richtung Italien. Plötzlich wird es spürbar wärmer. Der letzte Tag des Aprils zeigt sein wechselhaftes Gesicht. Die Sonne kommt hinter den Bergen hervor. Die Umgebung verändert sich deutlich. Und es stellt sich ein Gefühl ein, das ich bisher nur von Urlaubsreisen her kannte. Dieses ganz besondere Gefühl, ein Prickeln, eine Aufgeregtheit, das Bewusstsein darüber, dem Alltag zumindest für eine kurze Zeit zu entkommen.
Und plötzlich erkenne ich, dass eigentlich nichts anderes passiert als auf all den anderen, bisherigen Reisen meines/unseres Lebens. Der Alltag fällt ab. Etwas Neues, ein Abenteuer beginnt. Eine große, ganz besondere Reise nimmt ihren Lauf. Es verschwindet die Angst. Sie ist wie weggeblasen. Ich schaue ans Steuer – zu Peter – und spüre, dass er Ähnliches fühlt. Wir halten unsere Hände und drücken sie ganz fest.
Kurze Zeit später sitzen wir also an diesem See, trinken Champagner aus Plastikbechern, schauen uns an. In unseren Gesichtern heben sich die Mundwinkel. Gänsehaut. Zum ersten Mal bekommen wir eine leise Ahnung davon, was auf uns zukommen wird. Was für ein Geschenk wir da gerade in unseren Händen halten. Ich bin unendlich glücklich und freue mich darüber, ganz langsam in dieser Reise anzukommen. In dieser Nacht schlafe ich tief und fest.
Jennifer Glas
2½ Jahre, 31 Länder und 55.555 Kilometer später sagen Jennifer und Peter übereinstimmend, „die Entscheidung diese Reise zu tun, war die beste Entscheidung unseres bisherigen Lebens“.
Cover
Titel
Impressum
Zitat
Vorwort
Endlich frei, endlich weg
Afrika
Bakschisch, Beduinen und Basare – über Libyen ins Abenteuer Ägypten
Überraschungen im Sudan
Äthiopien: „You, you, give me, give me”
Tansania – harmloser Verkehrsunfall mit ungeahnten Folgen
Teures Mosambik
„Affentheater“ im südlichen Afrika
Lesotho, karges Königreich auf dem Dach Afrikas
Ereignisreiche Tage in Angola
Nächtliche Scherereien im Kongo
Welcome to Ghana – zwischen Korruption, Armut und Paradies
Senegal: In 48 Stunden nach Dakar?
Mauretanien – Treffpunkt von Sahara und Atlantik
Vorderasien
Transit Saudi-Arabien
Visakrimi in den Emiraten
Der Iran – ein unheimliches Reiseland?
Asien
Abenteuer Seidenstraße – von Aserbaidschan nach Tadschikistan
Unterwegs in der Mongolei: Willkommen im Camping- und Offroad Park „Mongolia“
Mit Polizeieskorte durch Pakistan
Kleine Verkehrskunde Pakistan
Im Norden Indiens – mit einem (fast) Oldtimer im Himalaya
Incredible India – love it or leave it
Indien – Nahkampf auf den Straßen
Im Konvoi durch Tibet und China
Zur falschen Zeit am falschen Ort in Laos
Thailand – unterwegs im Land des Lächelns
ErFAHRungen in Kambodscha
Australien
Auf abenteuerlichen Routen durch Down-Under
Südamerika
Durch Argentinien und Chile – ans „Ende der Welt“
Südchile, Flucht vor dem Vulkan
„Auf den Hund gekommen“, Familienzuwachs in Uruguay
Brasilien – im Pantanal, „über 127 Brücken musst du gehn“
Bolivien – kleines Land ganz groß
Durch Peru auf den Spuren der Inka
Peru – Überfall auf der Panamericana
Höhen und Tiefen in Ecuador
Kolumbien ist ganz anders
Zentralamerika
Oh, wie schön ist Panama
Naturparadies Costa Rica – alles hat seinen Preis
Kleine Länder – große Armut, von Nicaragua über Honduras nach El Salvador
Kultur und Natur – Superlative in Guatemala
Belize, unbekanntes Land am Karibischen Meer
Mexiko – im Reich der Azteken und Maya
Mexiko, Baja California – Küste, Wüste und Kakteen
Nordamerika
USA – Highlights des Westens
Bärenland Alaska, im hohen Norden der USA
Kanada – unterwegs auf dem Trans-Labrador Highway
Neufundland, beeindruckende Insel im Atlantik
Welcome back! Reflexionen am Ende einer Langzeitreise
Alltagsprobleme
Willkommen im Westen!
Rückkehr – der vielleicht schwierigste Teil der Reise
Spuren der Langzeitreisen
Kochen auf den (Traum-)Straßen der Welt
Reiseplanung
Danksagung
Weitere Bücher von Alexander Reeh
Mit ihrem Allrad-Expeditionsfahrzeug „lila Pistenkuh“ sind Sabine und Burkhard aus der Nähe von Siegen unterwegs. Seit 2004 bereisen sie mit ihren Expeditionsfahrzeugen die Welt. Spannende Reiseberichte, wunderschöne Fotos, Tipps zu den Fahrzeugen, Bücher und vieles mehr gibt es auf ihrer informativen Homepage www.pistenkuh.de.
Welche abenteuerlichen Erlebnisse sie in Ägypten hatten, erzählen sie hier:
Für das libysche Visa ist eine Einladung erforderlich und ein Führer muss organisiert und im Voraus bezahlt werden. Der Führer kostet 35Euro pro Tag, die Einladung 50Euro und das Visa nochmals 50Euro. Da wir Libyen im Transit nach Ägypten durchqueren wollen, kommen nochmals 80Euro für den Rückflug des Führers hinzu. Insgesamt sind schon 420Euro (für 4 Tage) im Voraus fällig. An der Grenzen entstehen weitere Kosten: 8EuroKFZ-Versicherung für 14 Tage und ungefähr 80Euro für KFZ-Kennzeichen, von denen man ungefähr die Hälfte bei der Ausreise zurückbekommt. Wer ohne Carnet de Passage reist, zahlt nochmals 150Euro Einreisegebühr.
Der Behördengang nimmt seinen Lauf: Zur Bank Geld tauschen, einen Schwarzmarkt gibt es nicht mehr, die Straßenhändler in Tunesien boten schlechtere Kurse als die Bank. Im Versicherungsbüro sind wir schnell fertig, anschließend werde ich zum Zoll geführt. Meinem Führer habe ich mehrmals gesagt, dass wir ein Carnet haben, dennoch wird ein Formular ausgefüllt und anschließend soll ich 150Euro Gebühren zahlen. Ich protestiere. Das Formular wird zerrissen und weggeworfen, mein Carnet gestempelt, ohne Gebühren. Zwei Stunden später sind wir in Libyen und der erste von vier Tagen geht fast zu Ende. 1.600 Kilometer sind es bis zur ägyptischen Grenze, wir müssen Gas geben.
Wir fahren über Tripolis an der Küste entlang, die Straßen sind gut und wir haben Zeit, die alte Römerstadt Leptis Magna zu besichtigen. Sonst sehen wir nicht viel vom Land. Unser Führer schläft die meiste Zeit auf dem Beifahrersitz. Der Preis für Diesel ist auch nicht mehr so günstig, inzwischen kostet der Liter umgerechnet 9 Eurocent. So sind für 1038 Liter 96Euro fällig. Wie geplant erreichen wir vier Tage später die Grenze zu Ägypten.
Die Ausreise aus Libyen verläuft korrekt. Selbst die 40Euro für das Kennzeichen bekommen wir zurück. An der ägyptischen Grenze herrscht Chaos. An keiner der afrikanischen Grenzen habe ich je solch ein Treiben erlebt.
Wir stehen in einer langen Reihe an einem Schalter an, wo unser Pass gestempelt werden soll. Wir rechnen mit mehr als einer Stunde Wartezeit. Nach fünf Minuten werden wir von einem Polizisten angesprochen, der uns an den Wartenden vorbei an den Schalter führt und unser Pass wird gestempelt. Anschließend wird unser Auto dreimal durchsucht, wobei die Durchsuchung sich auf das Öffnen der Klappen beschränkt und in wenigen Minuten erledigt ist. Einheimische werden ausnahmslos komplett durchsucht. Auf die Frage nach Alkohol, GPS und Waffen sind wir vorbereitet, doch die Frage lautet: „Haben Sie Maschinengewehre, Granaten oder Bomben?!!“ Ein Polizist wird für uns abgestellt und führt uns durch die Bürokratie. Zur Bank Geld tauschen. Ich tausche 150Euro. Anschließend zum Copy-Shop. Alle Papiere werden kopiert und in einer Mappe abgelegt. Ungefähr 2Euro sind fällig. Beim Zoll wird mein Carnet gestempelt, zuvor muss ich jedoch bei der Zahlstelle umgerechnet 150Euro zahlen. Ich weiß nicht wofür, aber die 1002 ägyptischen Pfund sind abhängig von der Zylinderzahl des Motors. Vier Zylinder hätten die Hälfte gekostet und weniger als vier die Hälfte der Hälfte. Ich protestiere, verhandele und diskutiere. Keine Chance, die 150Euro sind fällig. Wieder zur Bank, neues Geld tauschen, diesmal 300Euro, die Grenze scheint teuer zu werden. Die KFZ-Versicherung gilt drei Monate und kostet weniger als 8Euro und auch die Kennzeichen sind mit 8Euro relativ billig. Zu unserer großen Überraschung gelten die Kennzeichen drei Monate, genau wie die Versicherung und unser Visa. Von Freunden hatten wir gehört, dass diese nach Kairo zur Verlängerung mussten, da deren Kennzeichen nur vier Wochen galten. Vier Stunden später ist alles erledigt.
Unser erster Eindruck von Ägypten ist äußerst positiv. Schon lange haben wir nicht mehr so freundliche Menschen getroffen wie hier. Man winkt uns zu, beim Einkaufen gibt man uns von allem zum Probieren und wenn wir etwas suchen, findet sich sofort jemand, der uns führt, ohne im Anschluss übertriebene Geldgeschenke zu fordern. „You are welcome“, das sind die am häufigsten gehörten Worte in den letzten zwei Wochen, und wir glauben, die meinen es auch ernst. Offiziell ist das Übernachten am Strand verboten, doch wir haben die Genehmigung von Polizei und Militär in der Nähe von Marsa Matrouh zu stehen. Als es dann so weit ist und es dunkel wird, wird uns die Genehmigung wieder entzogen und wir müssen widerstrebend in der Stadt vor der Polizei übernachten. Die Polizisten laden uns zum Abendessen ein, doch wir lehnen ab, sind wir doch schon mit einem Ägypter, der seit langem in Amerika arbeitet und hier Urlaub macht, im Restaurant verabredet.
Zwei Minuten später steht der Polizist mit einem Tablett Tee, Brot, Datteln und anderen zugedeckten Schalen am Auto und möchte uns das Abendessen bringen. Es ist Ramadan, tagsüber schläft die Stadt und nachts ist Leben in allen Gassen. Am Ende des Ramadan beschenkt man sich gegenseitig und so sind die Läden geschmückt und die Straßenbeleuchtung erinnert an deutsche Weihnachten, nur dass hier alles bunt blinkt. Im Restaurant können wir uns nicht entscheiden. Unser Gastgeber bestellt von allem eine kleine Schale und so haben wir letztendlich ein kleines Büffet auf unserem Tisch. Wir bleiben einen weiteren Tag in der Stadt, nur um am Abend nochmals das komplette Programm im Restaurant zu bestellen. Mit 2,50Euro einschließlich Getränke ist es auch bezahlbar, wie alles außerhalb der Touristenzentren.
Die 300 Kilometer in die Oase Siwa sind schnell gefahren. Alexander der Große ließ sich hier im Amun-Tempel zum Kaiser krönen und Cleopatra soll in den zahlreichen Quellen gebadet haben. Am Abend fahren wir raus ins große Sandmeer und erleben einen fantastischen Sonnenuntergang in den Dünen. Zwei Tage bleiben wir in Siwa. Die Landschaft ist eintönig flach, nur gelegentliche Kamelskelette am Straßenrand sorgen für Abwechslung. Für die weitere Strecke nach Bawiti ist eine Genehmigung erforderlich. Und schon hat uns die Bürokratie wieder. Antrag stellen, Stempel hier, Kopie dort, bezahlen da. Vier Stunden später haben wir die Genehmigung, jedoch nicht nach unserem Wunsch. Wir müssen die 400 Kilometer an einem Tag fahren und in Begleitung eines Militärs. Nochmals eine Stunde Diskussionen, erst mit dem Militär, dann mit der Polizei, dann wieder mit dem Militär, es bleibt dabei, der Führer muss mit. Am nächsten Morgen um 9 Uhr ist Abfahrt. In Bawiti sind wir wieder frei, der Führer steigt an der Kaserne aus und wir machen uns auf den Weg in die Weiße Wüste in der Nähe der Oase Farafra. Die weiße Wüste ist die schönste, die wir bisher gesehen haben, allerdings nicht östlich der Teerstraße, wo alle Touristen hingefahren werden, sondern westlich im weitaus größeren Teil.
Auf der Fahrt nach Abu Simbel und Assuan ist bei Kharga die freie Fahrt durch die Wüste zunächst beendet. Am Polizei-Check-Point vor der Stadt müssen wir warten bis uns ein Polizeiwagen abholt. Als Ziel geben wir die Tourist-Police in der Stadt an und werden dorthin begleitet. Wir möchten ein Permit, dass wir direkt die ungefähr 400 Kilometer nach Abu Simbel fahren dürfen. Zudem ein Permit, dass es uns erlaubt ohne Polizeibegleitung zu reisen. Beides ist unserer Meinung nach aussichtslos und von uns auch nur als dreister Versuch gedacht. Doch zu unserer Überraschung ist beides möglich, beide Permits sind sogar kostenfrei. Wir müssen eine Verzichtserklärung schreiben, dass wir ausdrücklich auf eigenen Wunsch auf Polizeischutz verzichten, im Ernstfall niemanden in Regress nehmen, über die Risiken aufgeklärt sind und auf eigene Gefahr reisen. Auf welche auch sonst?
Beide Permits werden von Touristenpolizei und Sicherheitspolizei abgestempelt. Dann geht es quer durch die Stadt zur Militärpolizei. Diese kassiert beide Permits und wir müssen draußen an einem Holztor warten. Nach einer halben Stunde geht eine kleine Klappe auf, mein Name wird gerufen. Ich gehe zur Klappe und der Militär sagte einfach nur: „No“. – „Why not?“, „No“, Klappe zu, beide Permits weg, insgesamt über zwei Stunden umsonst gewartet.
Das kleine blaue Auto der Polizei, besetzt mit einem halben Dutzend Polizisten bringt uns an die Stadtgrenze. Wir machen ihnen klar, dass wir die 300 Kilometer nach Isna (bei Luxor) alleine fahren, Touristenpolizei und Sicherheitspolizei haben ja zugestimmt. Tastsächlich sind wir frei und dürfen fahren. Fünf Minuten später sehe ich in den Rückspiegel und traue meinen Augen nicht. Mit zwei Meter Abstand werden wir von einem Auto mit Blaulicht verfolgt. Ich gebe Gas, das Auto ebenso. Ich fahre an eine Tankstelle und tanke 100 Liter Diesel, das Blaulichtauto mit fünf Polizisten hält ebenfalls an der Tankstelle. Nach 10 Kilometern ergibt sich eine schöne Möglichkeit Off-Road zu fahren.
Ein Straßengraben hält uns nicht auf und dahinter geht es direkt in die Sanddünen. Das Blaulichtauto bleibt stehen und die Polizisten winken wie verrückt. Wir winken wild zurück. Freundlich sind sie ja, selten so einen herzlichen Abschied gehabt. Die Polizei dreht um und wir suchen uns an anderer sichtgeschützter Stelle einen ruhigen Übernachtungsplatz. Am nächsten Morgen werden wir an allen folgenden Polizei-Checks durchgewinkt. In Isna müssen wir fast zwei Stunden warten und diskutieren, bis wir ohne Begleitung nach Assuan fahren dürfen. Ich will halten und Tee trinken, wo es mir passt, ich will mit Leuten sprechen, ohne dass ein Polizist mit am Tisch sitzt. Ich fühle mich nicht sicherer, wenn schwer bewaffnete Bodyguards mir beim „Austritt“ in ihren kugelsicheren Westen Deckung geben. Und sollten wirklich in Ägypten Irre herumlaufen, die mich umbringen wollen, dann nichts Leichteres als in einem Konvoi. Der Konvoi fährt täglich zu gleichen Zeiten ab, hält täglich zur gleichen Zeit vor den gleichen Restaurants, die im Gegensatz zu allen touristischen Anlagen nicht geschützt sind.
Wir sind in Edfu, waren ein paar Tage in der arabischen Wüste zwischen Nil-Tal und Rotem Meer unterwegs und möchten weiter in den Sinai. Wir wollten zwar nicht nach Edfu, es war aber der einzige Weg, den wir ohne Bewacher fahren konnten und dies auch nur, weil wir auf geheimen Kamelpfaden unterwegs waren.
Atemberaubende Wüstenlandschaft umgibt uns, schwarze Tafelberge erheben sich im gelben Sand, traumhaft! Wir sind weit draußen in der arabischen Wüste und suchen eine Verbindung zum Roten Meer.
Am nächsten Morgen hat unser Deutz keine Leistung mehr und 100 Meter später geht der Motor aus, ausgerechnet hier, an der ungünstigsten Stelle, mitten im Nichts. Im Schauglas des Separ-Diesel Filters sehe ich Wasser schwimmen und eine weiße Masse. Ich baue den Filter auseinander, schütte das Wasser weg und reinige das Filterelement von der Schmiere, das an Hammelfett erinnert. Als ich den Tankdeckel öffne, trifft mich fast der Schlag, überall schwimmen Klumpen dieser weißen Masse auf dem Diesel. Den Diesel hatten wir vor ein paar Tagen in Qena getankt, aber bisher immer den Diesel aus dem zweiten Tank verfahren, bis er leer war. Ich ärgere mich über mich selbst, warum fahren wir von der Tankstelle weg, ohne den neuen Sprit direkt auszuprobieren? Warum verlasse ich mich darauf, dass ich Diesel bekomme, der auch brennt?
Dieselfilter zusammenbauen, entlüften, starten. Der Motor läuft, der Ärger weicht der Spannung: Wie lange wird der Motor laufen, bis der nächste Klumpen den Filter verstopft? Ich rechne jeden Moment damit, doch das Problem tritt nie wieder auf. Mittags schaue ich in den Tank, das Hammelfett hat sich scheinbar aufgelöst, nicht ist zu erkennen. Die Nacht war frisch, aber so kalt, das Diesel ausflockt bestimmt nicht, oder?
Nach vier Tagen erreichen wir den Rand der Wüste. Am Fuße eines Berges sehen wir einen Geländewagen stehen und freuen uns, andere Reisende zu treffen. Als wir näher kommen, sehen wir nicht einen, sondern 15 Geländewagen. In jedem werden fünf halbnackte Touristen durch die Wüste gefahren, die gerade einen kleinen Berg besteigen, fürs Fotoalbum. Die Touristen sind auf dem Weg zu den letzten originalen Beduinen in der Wüste, wie mir eine Frau erzählt. Sie möchte die Ruhe und Einsamkeit der Wüste genießen und hat daher den Geländewagenausflug gebucht. Aber jetzt muss sie sich beeilen, die Toyotas hupen zum Aufbruch und schon werden wir in Staub gehüllt. Die Ruhe, die von allen gesucht wird, kehrt zurück …
Ein paar Kilometer weiter, wir fahren durch ein sandiges Wadi, stehen wir unmittelbar nach einer Biegung vor drei großen Beduinenzelten. Die Beduinen erwarten eine größere Touristengruppe, die noch mit den Geländewagen draußen in der Wüste unterwegs sind. Die Autos fahren einen Bogen um die Tafelberge, um den Touristen Entfernungen vorzutäuschen. In den original Zelten, die keinen einzigen Flicken aufweisen, ist der Boden gefegt. Hühner und Ziegen waren noch nie in den Zelten. Tee wird aus original Mineralwasserflaschen gekocht und in echten Einweg-Plastikbechern angeboten, wie seit alters her. Original Coca-Cola steht auch in ausreichender Menge zu original europäischen Preisen bereit. Ziegenmilch oder geronnene Kamelmilch als Beduinengetränk, das sind Geschichten der Märchenerzähler. In einem Nebenzelt kann man echten, original Beduinenschmuck kaufen. Die Beduinen sprechen Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch perfekt. Sind halt Original. Wir verabschieden uns, bevor der Geländewagenkonvoi eintrifft.
Nachdem wir einige Kilometer am Strand des Roten Meeres entlang gefahren sind, stoppen ein Abwasserkanal und eine Feriensiedlung unseren Weg. Wir fahren über eine Schotterfläche und stoßen auf einen Feldweg, dem wir zur Hauptstraße folgen. 50 Meter vor dem Asphalt ist der Feldweg durch fünf leere Ölfässer versperrt. Aus einem kleinen Betonhäuschen stürmen drei uniformierte Soldaten auf den Weg. „Hey, die sind ja gut drauf, so schnell waren noch nie irgendwelche Fässer weggeräumt“, denke ich. Aber weit gefehlt. Die Fässer bleiben stehen. Es folgen die üblichen Fragen: Name, Nationalität, woher, wohin, warum. Die beiden ersten Fragen beantworte ich wahrheitsgemäß, die anderen so, dass es für einen Afrikaner einen Sinn ergibt. „Bitte öffnen Sie die Barriere und lassen uns auf die Hauptstraße.“ – „Das ist Militärgebiet, hier darf niemand rein.“ – „Aber ich bin doch schon drin, ich will hier raus.“ – Wir haben den Befehl, dass jeder an der Barriere umdrehen muss, fahren Sie zurück. Befehl ist Befehl.“
Wir umfahren die Fässer mit ein paar Meter Abstand durch den weichen Sand. Wenn der Kommandant die Spuren sieht, gibt es bestimmt eine Belobigung für die erfolgreiche Verteidigung der Barriere.
Wir wollen 250 Liter Diesel tanken. Der Tankwart versteht mich nicht und ich gebe ihm das Geld passend für den Sprit. Bei 245 Liter stoppt die Uhr und er hängt den Rüssel an die Zapfsäule zurück. „Hey, was ist los, kein Sprit mehr?“ Er beugt sich zu mir und flüstert mir ins Ohr: „It’s Bakschisch.“
Vom 3jährigen bis zum 80jährigen halten alle die Hände auf und flüstern einem das Wort Bakschisch ins Ohr. Damit meinen sie nicht ein kleines Trinkgeld für eine Gefälligkeit, sondern einen größeren Betrag für Nichts. Klar, wenn man sieht, wie die Touristen mit Geld um sich werfen, kann man die kleinen und großen Bakschisch-Jäger verstehen. Euro Stücke werden verschenkt und 5 Pfund Noten (80 Cent) als Almosen gegeben. Dabei verdient ein Lehrer ungefähr 2Euro am Tag und ein Professor an der Uni in Kairo nach 20 Jahren ungefähr 150Euro im Monat. Wir geben grundsätzlich nur kleine Geldbeträge gegen entsprechende Gegenleistung.
Im Tal der Könige drehen wir den Spieß um. Ein junger Mann nimmt Kurs auf mich, ich gehe ihm entgegen, schüttele seine Hand, frage nach seinem Namen, stelle mich vor und erzähle eines der vielen Märchen: „Ich bin ein armer Tourist, ich habe mein ganzes Geld für Souvenirs ausgegeben und nach Hause geschickt, jetzt kann ich mir nichts zu essen kaufen und trinke seit Tagen nur Wasser.“ Und dann flüstere ich ihm ins Ohr: „Bitte gib mir etwas Bakschisch.“ Er krümmt sich vor Lachen und gibt mir 25 Piaster (6 Cent). Beim nächsten sind es 75 Piaster. Ein Souvenirhändler ruft seine Freunde zusammen und alle müssen Geld geben, nachdem ich ihnen das Wort „Bakschisch“ ins Ohr geflüstert habe. Der Vormittag vergeht, wir alle haben viel Spaß. Die Ausbeute waren 6 Pfund und zwei Einladungen zum Tee. Am Hatschepsut-Tempel kommen nochmals 2 Pfund dazu und die Pyramiden haben wir noch gar nicht besucht. Am Ende der Reise werden wir den Betrag in einer Moschee abgeben. Will man den Ägyptern wirklich einen Gefallen tun, dann sollte man ihnen statt Kugelschreiber und Geld, Kondome als Bakschisch geben, damit sie ihren irrsinnigen Bevölkerungswachstum in den Griff kriegen. (Ironie off)
Das Reisen in Ägypten ist nicht immer so lustig wie gerade beschrieben. Fast jeder im Niltal versucht Touristen maßlos auszunehmen. Bei Souvenirs ist das normal und das Handeln macht Spaß. Tassen mit ägyptischen Motiven, die ich auf dem Markt für 6 Pfund gesehen habe, werden in Abu Simbel zu 120 Pfund angeboten. Touristen, die als ersten Preis 10 Pfund nennen, haben schon verloren. Internet kostet die Stunde 3 Pfund, Touristen zahlen 20. Tomaten, Kartoffeln, Coke und ähnliches werden Touristen auf dem Markt zum dreifachen Preis angeboten. Im Supermarkt sind Waren mit arabischen Preisen korrekt ausgezeichnet, allerdings tippt der Kassierer den doppelten Preis in die Kasse, im Glauben, der Fremde kann keine arabischen Zahlen lesen, was er in der Regel auch nicht kann.
Wir füllen 300 Liter Wasser auf. Zuvor vereinbaren wir ein kleines Bakschisch. Okay. Anschließend wird der Monatslohn eines Beamten als Bakschisch gefordert. In Cafés und Restaurants zahlen Touristen den vierfachen Preis gegenüber dem ägyptischen Tischnachbarn. Neben diesem täglichen Kampf kommt der tägliche Kampf mit der Polizei, um nicht in den Konvoi zu müssen. Die Terroristen kann man nicht einsperren, also sperrt man die Touristen ein. Und keiner rebelliert, außer zweien.
Wir fahren durch Kairo. So schlimm wie in vielen Büchern beschrieben, finde ich es gar nicht. Nicht anders als in Rabat, Dakar, Bamako oder einer anderen afrikanischen Hauptstadt. Busse halten auf der zweiten Spur und lassen Passagiere aussteigen. Man ordnet sich rechts ein, biegt aber links ab. Geblinkt wird nicht, ist unfair gegenüber denen, deren Blinker nicht funktioniert. Man ersetzt den Blinker durch die Hupe. Fußgänger – meist um ihr Leben rennend – überqueren die Straße. Einer hat es nicht geschafft und wird in einen Rettungswagen verladen. Später stehen wir neben dem Rettungswagen im Stau, und ich kann von oben zu den nicht vollständig sichtgeschützten Scheiben ins Innere sehen. Das Unfallopfer liegt auf der Trage, der Notarzt sitzt auf einem Hocker und raucht.
Wir fahren einige Kilometer westlich von Kairo raus in die Wüste, ins Fayoum. Wir wollen uns von dem Stress in Kairo erholen und ein paar Tage Einsamkeit genießen.
Sabine und Thomas aus Bayern sammelten schon früh Reiseerfahrungen, indem sie viele Monate in zahlreichen Ländern auf fast allen Kontinenten verbrachten. Von 2009 an waren sie sechs Jahre mit ihrem Reisemobil, dem Mercedes Oldtimer-LKW „Paula“ in der ganzen Welt unterwegs. Sie verstanden ihre Reise nicht als „Aussteigen“, sondern als mobiles Leben auf Zeit. Auf ihrer Homepage www.abseitsreisen.de finden sich sehr interessante Reiseberichte, viele Tipps und Infos und schöne Fotos.
Über ihre Erfahrungen im Sudan berichten sie hier:
Manchmal ist man selbst verwundert, wie einfach vieles zuhause ist. Dinge, die man bei uns eben mal schnell nach Feierabend auf dem Nachhauseweg erledigt, sind auf Reisen oft ein Ding der Unmöglichkeit. So vieles ist umständlicher, komplizierter oder einfach nicht machbar. Trinkwasser besorgen, Toilettenpapier kaufen, Wäsche waschen, Milch kaufen, Emails abholen. In Europa eine Aufgabe von fünf Minuten. Aber unterwegs? Ein aktuelles Beispiel: Mal schnell tanken fahren.
Vom Tanasee in Äthiopien bis zur sudanesischen Grenze sind es knapp 250 Kilometer. Da der Sprit im Sudan deutlich günstiger ist als in Äthiopien, wollen wir keinen unnötigen Ballast umherfahren. Gut kalkuliert, nicht nur bis zur Grenze, sondern bis zur ersten größeren Stadt im Sudan – 90 Liter sollten reichen. So rollen wir los vom Tanasee, brechen auf gen Sudan. Nach drei Stunden ein Anruf von unserem Freund Mathias. Er steht mit durchlöchertem Kühler in einem Dorf. Was tun?
Weitere drei Stunden Feldweg später hängt sein Unimog an unserem LKW, mit 17 Tonnen im Nacken schiebt sich Paulas Motor über die vom Sturzregen aufgeweichten Schlammpisten und saugt kräftig am Tank.
Nach der nächtlichen fünfstündigen Abschleppaktion vom Tanasee nach Gonder sind die Dieselreserven deutlich geschrumpft. Kein Problem, hier in Gonder gibt’s direkt am Ortsausgang drei Tankstellen hintereinander. Beim Weg aus der Stadt können wir noch eben schnell mal nachfüllen. Von wegen, und so beginnt die Misere. Leider sind alle Tankstellen leer. Und jetzt? Auf dem Weg zur Grenze kommen noch einige größere Orte, kurz durchgerechnet – das schaffen wir noch. Im größten Notfall können wir den Bodensatz unserer drei Tanks ablaufen lassen, zusammenschütten und mit den letzten Tropfen noch bis in den Sudan rollen. Dort gibt es sicher direkt hinter der Grenze Diesel an der Zapfsäule. Also alles halb so wild.
100 Kilometer hinter Gonder neigt sich die Nadel schon verdächtig gegen „leer“. In einem kleinen Dorf findet sich noch eine Zapfsäule mit Diesel. Wir füllen mit den letzten äthiopischen Birr gut 50 Liter in den Tank. Jetzt kann nichts mehr schief gehen – wir sind auf der sicheren Seite. Dachten wir.
Drei Stunden später rollen wir über die Grenze. Tatsächlich, direkt neben dem Schlagbaum die erste Tankstelle. „Nie die erste Tanke hinter der Grenze nehmen“, denken wir uns. Der Sprit ist in Äthiopien dreimal teurer, da boomt sicherlich der Schmuggel. Die direkt an der Grenze gelegenen Tankstellen sind immer dazu prädestiniert, dass der Sprit gepanscht ist. Richtig oder falsch, egal. Die erste Tankstelle lassen wir links liegen. Noch haben wir ja Sprit für 100 Kilometer. Nach 50 Kilometer die nächste Tankstelle, wir fahren raus. Der Tankwart winkt bereits aus der Ferne ab. Kein Diesel. Nicht so schlimm, wir fahren zur nächsten, hier gibt es ja eine nach der anderen. 10 Kilometer weiter wieder ein winkender Tankwart. „Diesel?!“ „Vielleicht im Ort.“ Wir fahren in den staubigen Ort hinein, fragen uns bis zur Tankstelle durch. Hier gibt es Diesel aber keinen Strom für die Pumpe. „Vielleicht bei der andern Zapfsäule im Ort.“ Auch dort nichts. Ein Blick auf die Karte, die nächste Stadt ist 40 Kilometer entfernt. Mit etwas Glück könnten wir es bis dorthin schaffen. Daumen drücken und auf Rückenwind hoffen.
Gedaref, eine Stadt mit knapp 400.000 Einwohnern und damit fast so groß wie Nürnberg, dreimal so groß wie Regensburg. Dort werden wir sicher auffüllen können. Schon vor dem Stadtrand liegt die erste Tankstelle. Die orange Nadel am Armaturenbrett zeigt bereits unter Null. Paula rollt an den Zapfhahn, ein hoffnungsvoller Blick zum Tankwart. Ein fester Händedruck „Welcome to Sudan“. „Thank you. Do you have Diesel?” „No. Maybe in town at the main petrol station.” Oh Mann!
Wir rollen ins Zentrum, vorbei an unzähligen Eselskarren, Traktoren, Minibussen. Da, Pentapetrol! Eine lange Schlange an Bussen, Jeeps und den wunderbaren alten Bedford Haubenwagen davor. Sieht gut aus. „Diesel“? „No, tomorrow, day after tomorrow or in three days.“ Auf Nachfrage klärt sich, dass derzeit die Regenzeit beginnt, daher alle Landwirte Sprit für ihre Traktoren brauchen und deswegen Treibstoffknappheit herrscht. Großartig: Morgen, übermorgen oder in drei Tagen. Was tun? Irgendwo muss es doch in einer Stadt mit knapp einer halben Million Menschen Diesel geben. Wir drücken wieder den Startknopf und Paula saugt die letzten Tropfen aus dem Tank, wieder zuckt die Nadel ein Stück weiter ins Leere jenseits von Null. Nach einer weiteren Tankstelle im Zentrum suchen wir die nächste Anlaufstelle: Pashaia Market. Wir irren durch die Stadt, fragen einen LKW-Fahrer, ein älterer Herr bietet seine Hilfe an, steigt zu uns ins Fahrzeug und weist uns den Weg durch die verstopften Altstadtgassen quer durch den Basar, entlang einer Ausfallstraße. Nach 15 Minuten erscheint am Horizont ein Tankstellendach und auf der Gegenspur taucht eine nicht enden wollende LKW-Schlange auf. Unverkennbar, hier gibt es Diesel. Die Reihe aus LKWs, Bussen und Minivans nimmt kein Ende. Ganz hinten stellen wir uns dazu. Der ältere Herr verabschiedet sich, wir bedanken uns vielfach, halten ein Tuk-Tuk an, wollen ihm die Rückfahrt in die Stadt bezahlen. Er lässt uns nicht, wehrt sich mit Händen und Füßen, lässt sich keinesfalls Fahrtgeld geben. Das muss die vielgepriesene sudanesische Gastfreundschaft sein, von der wir schon so oft gehört hatten.
Wir stehen in der Schlange und rechnen wie lange es wohl dauern wird, bis wir an der Reihe sein könnten? Drei Stunden? Vier Stunden? Wird in vier Stunden noch etwas in den Behältern der Tankstelle sein? Alternativen? Wir nehmen die Karte zur Hand, suchen nach der nächsten verzeichneten Tankstelle, fragen die lokalen Minibusfahrer. Auf dem Weg nach Khartoum kommt in etwa 100 Kilometern der nächste größere Ort. Dort soll es Diesel geben.
100 Kilometer, das sind bei ebener Straße 22 Liter, die Paula verbrennt, um unser Häuschen zu bewegen. Wenn wir den Bodensatz der anderen Tanks zusammenschütten …
10 Minuten später stehen wir an der nächsten leeren Tankstelle am Stadtrand, eine Plastikwanne unter den Tanks, die Ablass-Schraube offen, die Arme bis zum Ellbogen eingedieselt. 10, 15, 20, 30, 35 Liter und ein Löffel voll Dreck laufen aus der Öffnung, finden den Weg durch den Trichter zu den letzten Tropfen im ersten Tank. Vorerst genug um weiterzukommen.
Nach fünf Kilometern die nächste LKW-Schlange. Wir stellen uns an. Sabine wirft sich das Kopftuch über, bahnt sich den Weg durch die Busse und Anhänger, die aus den verschiedensten Richtungen auf die verheißungsvolle Zapfsäule deuten. Mindestens 2 Stunden Wartezeit heißt es, aber mit einem Kanister könnten wir vielleicht vorgelassen werden. Schnell schnallen wir zwei der alten Bundeswehrkanister vom Dach, Sabine stellt sich in die Reihe der Wartenden. 1000 Liter fließen zuerst in die Fässer auf der Ladefläche eines Pickups, das dauert gut 20 Minuten. Jetzt ist die Schlange der Reservekanister an der Reihe. Sabine reicht dem Tankwart 150 Pfund und deutet auf unsere beiden Kanister. Der Tankwart nickt, wirft noch einmal einen Blick auf das Geld in seiner Hand und drückt den Zapfhahn solange in die Kanister, bis die Anzeige 150 Pfund anzeigt. Dass die Kanister nur Diesel für 140 Pfund fassen ist völlig egal, der Tankwart steht längst in einer immer größer werdenden Pfütze Diesel.
40 Liter helfen uns fürs erste. Irgendwo innerhalb der nächsten 300 Kilometer muss es doch endlich möglich sein, den Tank zu füllen. Auf in Richtung Khartoum!
50 Kilometer weiter finden wir tatsächlich noch einen Tankwart, der neben der eigentlichen Zapfsäule einige Kanister stehen hat. Der Preis ist mit 6 Pfund je Liter zwar doppelt so hoch wie normal, aber mit den 50 Liter extra kommen wir sicher bis in die Hauptstadt.
Am Abend schaffen wir es tatsächlich bis Khartoum, der Tank wieder knapp vor Null. Drei Tage beobachten wir die Tankstelle neben unserem Parkplatz, fragen bei den Angestellten, wann sie die nächste Lieferung bekommen. „Am Abend, um sieben Uhr, naja, besser acht wäre gut.
Dann kommt der Tankwagen.“ Um halb acht stehen wir vor Nile Petroleum. Ein verheißungsvoller Tanklastzug parkt neben den Zapfsäulen, der Muezzin singt zum Abendgebet, die Angestellten stehen aufgereiht zum Gebet neben der Tankstelle. Es ist Ramadan, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang wird weder gegessen noch getrunken. Jeden Tag etwa gegen sieben Uhr wird nach dem Abendgebet zeremoniell das Fasten gebrochen. Alle Tankstellenbediensteten haben den ganzen Tag auf das Essen gewartet, also können auch wir warten. Teppiche werden ausgerollt, Tee eingeschenkt.
Zeit innezuhalten und sich umzublicken. Eine schöne Stimmung herrscht in der Stadt. Die Straßen sind menschenleer, jeder ist beim Gebet. Die Dämmerung hüllt die Stadt in ein warmes, langsam schwächer werdendes Licht und von den Minaretten dringt sanft der Ruf zur Ehre Allahs herab. Ein leichter Wind weht durch die breiten Straßen und kühlt die staubige Hitze des Tages langsam unter die 35 Grad Marke ab. Gedanken drängen sich auf. Welch eine Aktion, nur um einmal den Tank zu füllen.
Eine halbe Stunde später ist das Gebet beendet, der Tanklastzug rollt unter dem Dach heraus, die Neonröhren von Nile Petroleum flackern kurz und leuchten dann rot in die hereinbrechende Nacht. Der Tankwart winkt uns heran. In arabischen Ziffern schreibe ich „°..“ mit dem Finger in die dicke Schmutzschicht auf der Kabine. 500 Liter Diesel fließen für 1600 Pfund, knapp 150Euro durch den Hahn. Mit 30 Eurocent je Liter endlich wieder ein angenehmer Preis für den Treibstoff. Tanken im Sudan hat doch auch seine positiven Seiten, selbst wenn es manchmal etwas länger dauert.
Es gibt Länder, die als Traumreiseziele bekannt sind. Neuseeland und die Vereinigten Staaten, Island oder Thailand. Es gibt andere Länder, die haben einen Ruf bei denen es erst mal vielen die Augenbrauen hochzieht und die Stirn in Falten legt. Es besteht allerdings ein gewaltiger Unterschied zwischen dem, was von Ländern generell berichtet und gedacht wird und dem, was Reisende erzählen, die ein Land besucht haben. Ein Beispiel: Der Iran. Das typische Augenbrauenhochziehland. In Deutschland eher mit Argwohn betrachtet, von Reisenden in den höchsten Tönen gelobt. Der Iran ist nur ein Beispiel von vielen. Angola, Mexiko, Pakistan, spricht man mit Menschen, die dort waren und das Land hautnah erlebt haben, zeichnet sich oft ein vollkommen anderes Bild ab als das, was man als Querschnitt im kollektiven Bewusstsein vorfindet.
Ist der Sudan ein weiteres Paradebeispiel für diese Diskrepanz? Ein Land, das selten bereist wird, fernab der touristischen Pfade, in den Nachrichten allerdings überhäuft mit Negativschlagzeilen. Ein Land aber, von denen die wenigen, die es bereits besuchten, in höchsten Tönen schwärmten, von unermesslicher Gastfreundschaft und herzlichen Begegnungen berichten. Wir sind euphorisch gespannt, aber wie werden wir den Sudan erfahren, wenn wir schon mit so großen Erwartungen durchs Land reisen? Kann man dann nicht enttäuscht werden?
Die erste Nacht verbringen wir am Rande eines kleinen Dorfes. Es ist heiß im Sudan, am Tag klettert das Thermometer über die vierzig Grad Marke. In unserem Fahrzeug ist es noch heißer, unser Thermometer hört bei fünfzig Grad auf zu zählen. Da bleibt einem gar nichts anderes übrig, als die Haustüre sperrangelweit offen stehen zu lassen, in der Hoffnung der wenige Wind schafft etwas Linderung. Auf der anderen Seite sind wir müde vom Grenzübertritt, es war ein langer Tag. Jetzt noch mit allen möglichen Leuten reden müssen, die zufällig am Fahrzeug vorbeikommen? Halt, völlig falscher Gedankengang. Wir sind nicht mehr in Äthiopien, wo man in wenigen Minuten von unzähligen Menschen umringt und neugierig begutachtet wird. Das zeigt der Blick aus der Tür ganz deutlich. Hier im Sudan schätzen die Menschen ihre Privatsphäre und gestehen sie auch dem anderen zu. Der Blick aus der Tür, er ist und bleibt unverstellt.
Ein paar Tage später machen wir für die Mittagspause direkt am Nil halt. Wieder ist unsere Türe geöffnet. Die Männer, die zufällig vorbeikommen, rufen im Vorübergehen ein kurzes ‚Welcome to Sudan‘ und sind auch schon wieder verschwunden. Nach einer Stunde, wir wollten schon wieder packen, kommt ein Fischer vorbei und lädt uns zum Tee ein, er müsse nur noch kurz einen besorgen gehen. Als er zurückkommt, folgen wir ihm die Uferböschung hinab. Hier im Schatten der Bäume hat Walid mit seinen drei Fischereikumpanen ein kleines Lager aufgeschlagen. Schnell werden ein paar Zweige Holz gesammelt, Feuer gemacht und Tee aufgesetzt. Dass das Wasser direkt vom Nil kommt und nur kurz erwärmt wird, wird uns schon nicht umbringen. Die vier zeigen uns ihren Fang des Tages und wollen uns gleich einen riesigen Barsch fürs Abendessen schenken. Lachend lehnen wir ab, der zappelnde Fisch wird wieder ins Wasser getaucht, und wir verabschieden uns von den vier herzlichen Fischern. Was für eine nette, ungezwungene Begegnung.
Es ist gerade Ramadan, eigentlich kein guter Zeitpunkt, um den Sudan zu besuchen. Nicht nur, dass die vielen vermutlich sehr leckeren Essensstände entlang der Straßen geschlossen sind, die Ortschaften wirken wie ausgestorben. Die meisten Geschäfte sind geschlossen, wer irgendwie kann döst im Schatten und bewegt sich so wenig wie möglich. Bei diesen Temperaturen heißt es Kräfte sparen. Das Leben beginnt erst mit Sonnenuntergang und dauert bis Sonnenaufgang, doch da stehen wir meist abseits der Dörfer inmitten der Wüste.
Erst als wir Magzoub, den Besitzer eines kleinen nubischen Gästehauses in Abri begegnen, lernen wir das nächtliche Treiben kennen. Er lädt Luigi aus Italien, dem einzigen Touristen, dem wir in ganz Sudan begegnen, und uns zum abendlichen Ramadan-Essen ein. Wir warten gemeinsam auf den Sonnenuntergang und sobald der Ruf des Muezzins erklingt, wird das Fasten mit einer Dattel gebrochen. Jetzt sitzen die Männer in den Straßen zusammen und essen einfache, leichte Mahlzeiten. Wir lernen, dass zunächst nur wenig gegessen und langsam getrunken wird. Erst nach einigen Stunden verträgt der Magen weitere Nahrung.
Gegen zehn Uhr beginnt das gesellige Leben. Nun ist die Zeit des Shisha-Rauchens, Teetrinkens und der Besuche. Unser Gastgeber führt uns durch das städtische Krankenhaus, auch hier herrscht reges Treiben. „Sabine, was hältst du von einer Henna-Bemalung von Händen und Füßen?“, frag Magzoub zwischen zwei Zügen aus der Wasserpfeife. „Ja gern, wie wär’s morgen?“, antworte ich schon leicht schlaftrunken. „Nein, es ist Ramadan, da ist jetzt die beste Zeit“, und schon sind wir wieder auf den Beinen. Magzoub klopft an eine eiserne Tür und führt uns in den Innenhof eines großen nubischen Hauses. Dass bereits Mitternacht ist, als wir das Heim der Kosmetikerin betreten, ist völlig normal. Drei kleine Kinder liegen tief schlafend auf den Betten im Innenhof, die älteren Töchter werfen sich gemächlich ein Kopftuch über und wir folgen der Mutter in den hinteren Bereich des Hauses. Datteln und frisches, eiskaltes Wasser wird gereicht, dann beginnt die aufwändige Verzierung meiner Gliedmaßen. Die Nachbarin kommt vorbei, sie darf zur großen Freude aller Thomas‘ Füße bemalen, das wird ihm die nächsten Tage noch viele Kommentare einbringen.
Nicht nur Magzoub ist um unser Wohlergehen bemüht, das ganze Dorf scheint sich zur Aufgabe gemacht zu haben, uns willkommen zu heißen. Als Thomas am letzten Abend seinen neuen, handgenähten Araagi, die traditionelle weiße Kutte der nubischen Männer trägt, können wir uns vor Einladungen gar nicht mehr retten. Auf dem Weg zum Abendessen, wir sind erneut bei Magzoub eingeladen, werden wir von südsudanesischen Arbeitern zum Tee eingeladen. „Gern, aber wir haben nur zehn Minuten.“ Kaum haben wir uns verabschiedet, tritt ein stattlicher Nubier vor sein Tor, begrüßt uns und bittet uns in sein Haus. „Vielen Dank, aber wir müssen zu einer Einladung.“ „Ja, ja“, sagt dieser und lässt Thomas‘ Hand nicht los, bis wir in seinem schönen Innenhof stehen. Uns werden süße Datteln gereicht, man wünscht uns einen schönen Aufenthalt im Sudan und lässt uns weiterziehen.
Unsere Erwartungen waren nach all den lobenden Berichten hoch, doch die Begegnungen im Sudan haben diese noch weit übertroffen. Was für ein tolles Land, welch nette Menschen! Wir sind froh, dass wir uns selbst ein Bild von einem Land machen durften, bei dessen Namen wir in Zukunft nicht die Augenbrauen, sondern die Mundwinkel hochziehen werden.
Seit 2005 verwirklichen Doro und Josef aus Kevelaer ihren Traum von einer Weltreise. Mit einem umgebauten Mercedes Benz LA911, Baujahr 1977, genannt „Monster“, ging es zunächst quer durch Europa; es folgten Asien, Australien, Neuseeland, Süd- und Mittelamerika. Vier Jahre verbrachten sie mit Monster auf dem afrikanischen Kontinent, bevor er 2014 nach Nordamerika verschifft wurde. Viele spannende Berichte und Geschichten sowie eindrucksvolle Fotos findet man auf ihrer Homepage unter: www.monster-worldtour.de.
Im nachfolgenden Text lassen Sie die beiden Weltreisenden an ihrem „Abenteuer Äthiopien“ teilhaben:
Bereits an der Grenze bekommen wir einen kleinen Eindruck davon, was uns in Äthiopien erwartet. Menschenmassen, die sich auf der Straße tummeln, die meisten treiben Kühe, Schafe oder Esel vor sich her; das Autofahren wird hier vermutlich kein Vergnügen werden. Doch zunächst müssen wir die Einreiseformalitäten hinter uns bringen, wozu selbstverständlich auch das Abwimmeln der allgegenwärtigen Grenzhelfer gehört. Einer tut sich als besonders dreist hervor, verlangt er doch tatsächlich Geld dafür, dass er uns das Zollgebäude zeigt, in das wir gerade hinein gehen wollen. Nun denn, solche Kleinigkeiten können uns inzwischen nicht mehr erschüttern, die ersten Kilometer auf äthiopischen Straßen hingegen sehr wohl. Die holprige Straße windet sich über schroffe Hänge und durch tiefe Täler auf eine Höhe von über 2.200 Meter. Es gibt kaum Verkehr, selbst der in der arabischen Welt obligatorische Eselskarren und das im Sudan häufig gesichtete Fahrrad scheinen hier unbekannt zu sein. Nur wenige Busse überholen uns mit überhöhter Geschwindigkeit. Lange bevor wir diese jedoch sehen, können wir sie hören, denn die auf dem Dach befindlichen Lautsprecher beschallen jeden mit ohrenbetäubender Musik.
Die vielen Menschen hier sind zu Fuß unterwegs, ewig auf der Wanderschaft, von hier nach da und keiner weiß wohin; manche gebeugt, den schmalen Rücken vollgepackt mit Holz, manche gestreckt und scheinbar ohne Ziel. Allgegenwärtig sind jedoch die Scharen von Kindern jeglichen Alters.
Da sind die Teenies, die uns verschämte Blicke zuwerfen, die 7- bis 8jährigen Mädchen, die bei unserem Anblick oftmals schreiend davonlaufen und eben auch die kleinen Jungen, die anstatt zur Schule zu gehen, das Vieh hüten müssen und dieses auf den Straßen entlang treiben. „You, you, you“, rufen sie und die Hand, die gerade noch gewinkt hat, dreht sich zum Betteln herum. Anhalten ist völlig unmöglich, sofort sind wir umringt von einer Kinderschar und jedes bettelt: „You, you give money!“
Wir haben Mühen mit diesem Land und sind froh, als wir in Tim und Kims Village am Lake Tana dem Ganzen eine Zeitlang aus dem Weg gehen können. Tim unterhält uns mit einigen Geschichten aus dem äthiopischen Alltagsleben, unter anderem erzählt er uns die Story seines Moskitonetzes.
Nach über dreieinhalb Jahren im kleinen Dorf Gorgora haben Tim und Kim nun endlich ein Bett bekommen. Um darüber ein Moskitonetz zu befestigen, benötigen sie ein kleines Gestell. Aus Eisenstangen werden jeweils zwei gleich lange Teile geschnitten, also zwei Rohre sind 2,00 Meter lang, die anderen beiden 1,60 Meter. Diese sollen nun zu einem rechteckigen Rahmen miteinander verschweißt werden und wandern dazu ins Dorf. Am nächsten Morgen kehrt der Rahmen frisch verschweißt zurück, nur leider hat er nicht die Form eines Rechtecks, sondern die einer Raute. Dem Schweißer ist es tatsächlich gelungen, die langen und kurzen Stücke zu vertauschen! Diese Geschichte ist gleich zweimal passiert und trotzdem mussten die beiden jeweils den vollen Preis zahlen.
Wir verbringen einige entspannte Tage am Lake Tana, doch irgendwann müssen wir wieder hinaus ins feindliche Leben. Wir haben kaum den steinigen Weg vom Camp ins Dorf zurückgelegt, da holt uns die äthiopische Wirklichkeit bereits wieder ein. Auf einem klapprigen Bambusgestell, nur mit einem Tuch bedeckt, wird eine menschliche Leiche an uns vorübergetragen, doch niemand außer uns nimmt Notiz davon. Anscheinend gehört auch so etwas hier zum Tagesgeschehen.
Nach einem kurzen Stopp in Gondar, einer kleinen Stadt mit Palästen aus dem 17. Jahrhundert, machen wir uns auf den Weg in die Simien-Berge. Bereits die wenigen Kilometer auf der Straße bis nach Debark vermitteln uns eine Ahnung davon, was uns erwartet. Für nur 100 Kilometer benötigen wir geschlagene sieben Stunden und so erreichen wir den kleinen Ort am Rande des Simien Nationalparks erst bei Einbruch der Dunkelheit. Wir quartieren uns auf dem Hof des Simien Park Hotels ein und erhalten eine Hiobsbotschaft nach der anderen. Zunächst erfahren wir, dass man in den Nationalpark nicht nur einen Guide mitnehmen muss, sondern auch noch einen Scout. Eigentlich keine dramatische Sache, doch diese beiden schmutzigen, stinkenden und verlausten Typen sollen uns in unserem Monster begleiten und müssten dafür hinten auf unserer Sitzgruppe Platz nehmen. Allein schon der Gedanke verursacht einen Juckreiz am ganzen Körper und die Aussicht auf einen Floh im Bett gibt dann den Ausschlag.
Die Simien Berge können wir eigentlich auch aus einiger Entfernung sehen. Also tritt Plan B in Kraft, die Weiterfahrt nach Aksum.
Leider gibt es auch hier keine guten Nachrichten, denn die Straße dorthin wird gerade von einigen Chinesen ausgebaut und asphaltiert und einige der Baustellen sind zu unbestimmten Zeiten auf unbestimmte Zeit gesperrt. Wir treffen zwei Australier, die heute von Aksum heruntergekommen sind. Die beiden haben für die Strecke zehn Stunden benötigt und erzählen, die betreffende Baustelle wäre aufgrund der Mittagspause der Chinesen in der Zeit von 12.00 bis 14.00 Uhr auf jeden Fall offen. Wir beginnen zu rechnen und kommen zu dem Schluss, dass wir um 5.30 Uhr starten müssen, um in dieser Zeit an der Baustelle zu sein.
Im Laufe des Abends ändern wir unsere Meinung nochmals und wir beschließen später zu starten und eventuell eine Übernachtung einzulegen. Allerdings haben wir die Rechnung ohne die örtliche Dorfjugend gemacht, denn die Typen haben genau diese Nacht für eine Party auserkoren und so ist an Schlaf kaum zu denken. Da wir trotz Ohrstöpsel um 4.30 Uhr noch immer wach liegen, können wir genauso gut aufstehen und abfahren.
Uns erwartet eine einzige Horrorfahrt, die Straße und auch die Baustellen sind in einem schlimmen Zustand. An einer Stelle setzen wir mit der Hinterachse derartig auf einen Felsen auf, dass die Hinterräder in der Luft hängen und wir nicht mehr vorwärts kommen. Erst mit Hilfe des eingeschalteten Allradantriebs können wir uns von dem Felsen befreien. Zu allem Überfluss scheint sich die Mittagspause verschoben zu haben, denn obwohl wir uns um 13.00 Uhr an der betreffenden Stelle einfinden, ist diese geschlossen und wir müssen eineinhalb Stunden warten. Folglich erreichen wir Aksum erst bei Einbruch der Dunkelheit. Warum dieser Ort zum Unesco Weltkulturerbe zählt, bleibt uns schleierhaft. Die angeblich gigantischen Riesenstelen können unserer Meinung nach kaum dazu geführt haben. Etwas frustriert ob des langen und anscheinend überflüssigen Weges treten wir nach zwei Tagen die Weiterreise an.
Dieses Mal haben wir uns für eine Offroadstrecke von Adwa über Abi Adi, Abergele und Sekota nach Lalibela entschieden und bereits nach wenigen Kilometern sind wir völlig begeistert. Keine Touristen, keine Steine werfenden Kinder, kaum ein Fahrzeug, einzig eine grandiose Landschaft. Die einzige Menschenseele, die wir unterwegs sehen, ist ein Viehhirte, der uns bei der Zubereitung des Abendessens interessiert zuschaut. Welch eine Erholung! Damit ist es endgültig vorbei, als wir Lalibela, dessen elf Kirchen ebenfalls in die Liste des Unesco Weltkulturerbes aufgenommen wurden, erreichen.
Kaum fahren wir auf den Parkplatz eines Hotels, umkreisen uns die Guides schon wie die Geier und wir können nur mit Mühe erklären, dass es für eine Besichtigung bereits zu spät ist. Am nächsten Morgen gelingt es uns unbeobachtet davon zu schleichen und ganz dreist ohne Führer in die Kirchen vorzudringen. Diese wurden zunächst von oben nach unten samt allen Ornamenten aus dem Gestein gehauen, anschließend wurden die Innenräume durch die Fenster und Türen ausgehöhlt. Die kreuzförmige St. Georgs Kirche aus dem 13. Jahrhundert steht zum Beispiel in einem zwölf Meter tiefen Loch und ist durch einen kleinen Schacht zugänglich.
Der Zufall will es, dass wir an einem Samstag hier in Lalibela sind und somit haben wir Glück, denn es ist Markttag. Aus der ganzen Umgebung strömen die Menschen zusammen, die einen treiben Kühe, Ziegen oder Esel vor sich her, die anderen bieten Gemüse an. Leider ist das äthiopische Angebot an diesem recht beschränkt, bis auf Kartoffeln, Zwiebeln, Knoblauch, Chilis und einigen verschrumpelten Möhren können wir nichts finden. Dafür finden die Leute uns und nach eineinhalb Stunden ständiger „you, you, you“ Rufe und Bettelei können wir es nicht mehr ertragen und müssen eine Pause einlegen.
Was bietet sich da mehr an, als in ein kleines Café zu gehen und endlich eine Kaffeezeremonie zu erleben, wie sie in fast jedem äthiopischen Haushalt am Nachmittag abgehalten wird? Dazu werden die frischen Kaffeebohnen gewaschen, über einem kleinen Feuer geröstet, in einem Mörser zerstoßen und am Ende in einer Kanne mit Wasser aufgekocht. Der Geruch von dem frisch gerösteten Kaffee und einigen Weihrauchblättern, die auf das Feuer gelegt werden, ist einmalig und fast genauso schmeckt dann auch der Kaffee. Einfach grandios!
Dermaßen gestärkt wagen wir uns wieder hinaus ins Getümmel und sogleich ist ein junger Bursche an unserer Seite. Dieser hat sich eine bisher unbekannte Masche zugelegt, er bettelt zwar auch, aber mit den Worten: „Hast du Euros? Ich bin nämlich Münzsammler und brauche noch Euros!“ Soviel Einfallsreichtum muss ja schon fast belohnt werden, denn andere verlegen sich einfach darauf, uns bei unseren Einkäufen zu „helfen“, in dem sie vermeintlich dolmetschen. Da die Marktfrauen weder deutsch noch englisch sprechen und es mit unserem Amharisch auch nicht zum Besten steht, übersetzen diese Jungs den Preis ins Englische. Leider vergessen sie dabei zu erwähnen, dass sie den eigentlichen Preis verdoppelt haben und nach unseren Einkäufen zur Verkäuferin zurückkehren, um ihre Provision abzuholen. Aber auch dieser Trick hilft heute nicht, denn mittlerweile kennen wir die Preise für das karge Gemüseangebot.
Die Strecke von Lalibela bis zur neuen chinesischen Straße wird zu einer Art Spießrutenlauf, denn auf diesem Stück tummeln sich besonders viele Steinewerfer. Wir fragen uns immer wieder, warum diese Kinder uns bewerfen und finden so recht keine Erklärung. Ist es einfach nur ein Spiel? Oder schauen sie es sich bei den Erwachsenen ab, die sowohl das Vieh als auch die Kinder mit Steinen bewerfen, um sie zur Ordnung zu rufen? Wir wissen es nicht, es ist nur einfach sehr schade, dass wir Monsters Fenster mit Spanngurten verkleiden müssen, um keinen Schaden davon zu tragen und die grandiose Landschaft kaum genießen können, da wir unsere Augen ständig auf den Straßenrand richten müssen.
Auf dem Weg nach Addis Abeba muss Monster die steile Nilschlucht bezwingen und so kommt es, dass wir vor Einbruch der Dunkelheit keinen sicheren Hotelparkplatz für die Übernachtung finden und stattdessen mit einem Plateau am Rande der Schlucht vorlieb nehmen. Nach dem obligatorischen Besuch einiger Viehhirten, die einfach nur dasitzen und uns anstarren als ob sie Fernsehschauen, bleibt es ruhig und wir legen uns zufrieden ins Bett.
Nachts werde ich wach und denke: Jetzt verfolgen dich diese „you, you“ Rufe bereits in deinen Träumen! Erst als Jupp sich neben mir regt und aus dem Bett springt, realisiere ich, das ist ja gar kein Traum! Draußen stehen tatsächlich zwei Typen im Militärdress und rufen. Ob es Jupps Anblick mit zu Berge stehenden Haaren ist oder seine wüsten Beschimpfungen in deutscher Sprache, was sie vertreibt, bleibt ungeklärt.
Auf der Strecke durchs Omo-Valley zur inoffiziellen kenianischen Grenze am Turkana See, ändert sich nicht nur die Landschaft, nein, auch die Menschen tun das. Auffallend ist, dass sie sich völlig anders kleiden, die Frauen zum Bespiel tragen ein rockartiges Fell aus Ziegenleder und der Oberkörper bleibt unbedeckt. Auch ihr Verhalten ist kein typisch äthiopisches mehr. Sie stehen zwar wie gehabt am Wegesrand, aber es wird nicht mehr so aufdringlich gebettelt und so mancher legt ein kleines Tänzchen für uns hin. In Konso können wir völlig unbehelligt den Markt besuchen und sehen dabei die Bekleidungen der verschiedenen Naturvölker. Möchte man allerdings ein Foto zum Beispiel einer Hamerfrau machen, muss man dafür zwei Birr berappen.
Auf einen Besuch der Tellerlippenfrauen vom Stamm der Mursi verzichten wir gänzlich, denn zum einen liegt dieses Dorf ziemlich entgegen unserer Fahrtrichtung und zum anderen ranken sich viele Geschichten um dieses Volk. So erzählt uns ein südafrikanischer Reisender, dass man sich unbedingt bereits morgens um 7.00 Uhr in dem Dorf einfinden soll, denn ab 10.00 Uhr fallen dort die Touristenhorden ein und die anwesenden Mursi sind zu diesem Zeitpunkt schon völlig betrunken.
Stattdessen fahren wir über Turmi nach Omorate, wo wir den lästigen Papierkram an der Grenze zu Kenia erledigen müssen. In keinem Land unserer bisherigen Reise haben wir uns so unwohl gefühlt, die Aufdringlichkeit der Menschen, die ständige Bettelei, die Steinewerfer … Alles eine Folge fehlgeleiteter Entwicklungshilfe? Wir wissen es nicht.
Tanja und Bernhard aus der Nähe von Heilbronn sind fast immer unterwegs. Nach unzähligen Touren in ferne Länder mit Rucksack und öffentlichen Verkehrsmitteln, fuhren sie mit ihrem Toyota Landcruiser HZJ von 2006 bis 2010 durch Afrika und bereisten dabei 33 afrikanische Länder. Nach einer Pause in der Heimat sind sie unterwegs auf einer Weltumrundung in Etappen. Mehr Informationen und Reportagen über ihre Reisen sowie hervorragendes Bildmaterial findet man auf ihrer Homepage unter: www.hinter-dem-horizont.net.
Über ein Erlebnis der besonderen Art in Tansania berichten sie im Folgenden:
Wir hatten es kommen sehen. Schon einige Male war uns ein Fahrzeug mehr quer als längs entgegengekommen und jetzt der. Der mit seinem dunkelgrünen Suzuki Escudo, diesem City – 4x4, der braucht die ganze Fahrbahnbreite. Und – no way out – ein Graben verhindert die Flucht ins Gelände. Der Count-down, Sekundenbruchteile runterzählen. Dann der Einschlag, Glas splittert, Teile fliegen umher. Der kleine Grüne prallt ab wie ein Querschläger, schleudert ins Gelände und bleibt 100 Meter weiter liegen.
Ich steige aus dem Wagen fotografiere sofort die Unfallstelle, die Kennzeichen an den Fahrzeugen des Unfallgegners und der Zeugen und die Schäden an beiden Autos. Tanja sichert die Unfallstelle und ruft einen Bekannten an, der seit 16 Jahren in Tansania lebt und fragt um Rat.
Zum Glück ist niemand verletzt. Die rechte Seite unseres Autos (in Tansania herrscht Linksverkehr) ist eingedrückt, eine Felge verbeult, ein Stück Gummi aus dem Reifen gerissen, der Wassertank unter dem Fahrzeug ist geplatzt, der Wagen ist aber weiter fahrbereit. Harrison, der Unfallgegner, zeigt sich geständig und verspricht, für den Schaden aufzukommen, fleht uns aber an nicht die Polizei einzuschalten. Das hat gute Gründe, denn wir sind unterwegs in der Ngorongoro Conservation Area. Unfälle in solchen Schutzgebieten sind sofort zu melden und mit hohen Strafen bedroht.
Die Ngorongoro Conservation Area bildet mit dem benachbarten Serengeti National Park, der in Kenia liegenden Masai Mara und einigen anderen, weniger bekannten und unmittelbar angrenzenden Schutzgebieten, ein riesiges Ökosystem. Dieses Gebiet umfasst etwa 30.000km2, ist also beinahe so groß wie Baden-Württemberg.
Natürlich führen zahlreiche Pisten durch den Park und diejenige, die die Ngorongoro Conservation Area mit der Serengeti verbindet, ist eine Hauptverkehrsader. Sie stellt die einzige brauchbare Verbindung zwischen den Großstädten Mwanza und Musoma am Viktoriasee und den wichtigen Knotenpunkten Arusha und Moshi im Norden von Tansania dar und wird entsprechend viel befahren. Selbst Fernreisebusse und LKW nutzen diese Strecke. Dabei ist sie nicht überall in bestem Zustand, teilweise sind üble Wellblechpassagen zu bewältigen. Wellblechpisten – so nennt man Pisten, die aus einer Abfolge kleiner quer zur Fahrtrichtung verlaufender Hügel bestehen – beanspruchen das Fahrzeug besonders, durch das ständige Rütteln lösen sich Schrauben, schlagen Lager aus und den Insassen fallen die Plomben aus den Zähnen. Erhöht man die Geschwindigkeit – je nach Beschaffenheit der Piste sind Geschwindigkeiten zwischen 50 und 80km/h erforderlich – wird es ruhiger im Fahrzeug. Das Auto fliegt sozusagen von einem Kamm zum nächsten. Das ist angenehm aber nicht ungefährlich, denn Bodenhaftung wird entsprechend gering, der Bremsweg verlängert sich und das Fahrzeug kann leicht ins Schleudern geraten. Genau das war hier passiert.
Die Lage ist nicht einfach. Es ist 3 Uhr nachmittags, bis um 4 Uhr müssen wir den Park verlassen haben, sonst werden Nachzahlungen in Höhe von immerhin 140 US$ fällig. Zudem mahnen uns auch Unbeteiligte, darauf zu verzichten, die Behörden einzuschalten. Endlose Untersuchungen und letztlich auch eine saftige Strafe für uns wären die Folge. Harrison unterschreibt eine Schuldeingeständnis-Erklärung, präsentiert uns bereitwillig seinen Personalausweis, weist sich als „Managing Director“ eines Safariunternehmens aus Arusha aus und lässt sich fotografieren. Da er außerdem einen vertrauenswürdigen Eindruck macht, beschließen wir, unsere Fahrt nach Westen fortzusetzen.
In der Serengeti findet alljährlich eine gigantische Tierwanderung statt, an die 2 Millionen Tiere sind beteiligt. Ein ganz besonderes Spektakel ist dabei die Überquerung des Grumeti Rivers im Westen des Parks. Wochenlang hatten wir recherchiert, Dutzende von E-Mails geschrieben und zahllose Telefonate geführt, um den Zeitpunkt dieses Ereignisses zu erfahren. Wir wähnen uns nun kurz vor Erreichen unseres Ziels und wollen deshalb nicht umdrehen und nach Arusha zurückfahren.
Am Gate werden glücklicherweise keine Fragen gestellt und wir erleben, wenn auch etwas gestresst, noch einen herrlichen Safaritag bevor wir am Nachmittag des folgenden Tages, einem Samstag, am westlichen Ausgang den Park verlassen. Wir machen einen Tag Pause in einem Camp in unmittelbarer Nähe des Parks, lassen uns dort eine Werkstatt empfehlen und fahren am Montagmorgen dorthin.
