Natürlich Kuhtopie! - Justa L. Goblin - E-Book

Natürlich Kuhtopie! E-Book

Justa L. Goblin

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7,49 €

Beschreibung

Der Dritte Weltkrieg ist ausgebrochen, Ressourcen sind weltweit knapp, es mangelt am Nötigsten, überall herrschen Tod und Zerstörung. Wirklich überall? NEIN! In einem abgelegenen, 200 Jahre alten Bauernhaus, irgendwo in Bayern, hat "Topi" sich ihre eigene kleine Zuflucht geschaffen. Mit Kühen, Hühnern und anderen tierischen Mitbewohnern sowie ihrem einsiedlerischen Nachbarn, der schon alt war, als sie noch zur Schule ging, kann sie es ganz gut aushalten. Zunächst fehlt es ihr an nichts. Das Blatt wendet sich, als ihr Nachbar und alle anderen Menschen sich von jetzt auf gleich buchstäblich in Luft auflösen. Plötzlich ist sie ganz alleine mit ihrer Lieblingskuh und dem Rätsel um das Verschwinden der Menschheit. Mit gesundem Galgenhumor, ungenierter Kritik an der modernen Gesellschaft, aber auch dem nötigen Ernst, befasst sich das Buch mit dem Thema: "Was wäre wenn..."

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Seitenzahl: 487

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Für meine Mutter und meine Oma

Inhaltsverzeichnis

Prolog

Teil 1

Mitte März

Ende März bis Mitte April

Ende April / Anfang Mai

Mitte Mai bis Mitte Juni

Ende Juni / Anfang Juli

Mitte Juli

Ende Juli bis Mitte August

Zweite Augusthälfte

September bis November

Dezember

Teil 2

Januar

Anfang Februar

Mitte Februar

Anfang bis Mitte März (vermutlich)

April

Anfang Mai

Mitte bis Ende Mai

Juni bis August

September / Oktober

November / Dezember

Teil 3

Januar

Februar

März

April

Juli

August

September / Oktober

Ende November

Dezember

Teil 4

Januar

Anfang bis Mitte Februar

März

Ende April

Anfang bis Mitte Mai

Mitte bis Ende Mai

Anfang bis Mitte Juni

Ende Juni

August

November

Dezember

Teil 5

Januar

Februar

März

April

Anfang Mai

Mitte Mai

Fremde Federn

Verschreiber

Hinweis am Rande

Prolog

Vor dem Krieg

Vor dem Krieg wohnte ich unter der Woche in einem topmodernen dreistöckigen Haus, mit jeglichem vorstellbaren baulichen Luxus, am Rande einer mittelgroßen Stadt. Diese Villa hatte unter anderem eine Photovoltaikanlage auf dem Dach, Highspeed-Internet, einen Wintergarten mit Whirlpool, riesige Glasfronten, einen Großbildfernseher im Hauptbadezimmer sowie eine Sauna und ein Kinozimmer im Keller.

Der Garten war winzig und von allen Seiten einsehbar, ebenso wie der ausladende Balkon und das komplette Haus an sich. Rundherum standen mehrgeschossige Häuser mit vielen Fenstern. Jeder Nachbar bekam alles von jedem anderen mit, sobald die Fenster offen waren oder man sich im Freien aufhielt. Es war unmöglich, seine Ruhe zu haben oder sich zurückzuziehen, vergebliche Liebesmüh, seine Privatsphäre schützen zu wollen.

Selbst wenn hohe Sichtschutzzäune oder eine entsprechende sichtbehindernde Bepflanzung in dieser Nachbarschaft erlaubt gewesen wären, hätten sie nicht das gewünschte Ergebnis gebracht. Da hätte ich schon ein großes Zeltdach über mein komplettes Grundstück inklusive Haus breiten müssen. Anders wäre der Einblick aus den oberen Geschossen der Nachbarn nicht abzuwehren gewesen.

Nicht nur die Außenbereiche wurden von diesen aufmerksamen Mitmenschen stets mit einem wachen Auge beaufsichtigt. Wenn ich nackt in meinem eigenen Haus herumlief – bei geschlossenen Fenstern und weitgehend zugezogenen Gardinen wohlgemerkt – dauerte es nicht lange, bis sich jemand darüber beschwerte.

Warum die Leute mir zu den Fenstern hereinsahen, um meine störende Nacktheit zu bemerken, konnten sie mir nicht beantworten. Ich fragte jedes Mal danach, bekam aber nie eine befriedigende Antwort auf meine unverschämte Frage. Das täte ja schließlich nichts zur Sache, sagten die lieben Nachbarn. Wichtig sei nur, dass ich in meinem Haus nicht nackt zu sein hätte, weil sie sich von diesem Anblick gestört fühlten. Meine Erwiderung „Dann glotzen Sie mir nicht zu den Fenstern rein. Kümmern Sie sich lieber um Ihre eigenen Angelegenheiten!“, sorgte für Unmut.

Vermutlich wäre die Sichtbelästigung deutlich anders eingestuft worden, wäre ich dreißig Kilo leichter und ein paar Jahre jünger gewesen. Eine stark übergewichtige Enddreißigerin war ein schrecklicher Anblick, wenn man nichtsahnend den Nachbarn hinterherspionierte.

Der einzige Grund, warum ich in diesem streng überwachten, rundum modernisierten Stammsitz meiner hochwohlgeborenen Familie seit zwei Jahren wohnte, war die reine örtliche und finanzielle Notwendigkeit. Von dem „von“ zwischen meinen vier schrecklichen Vornamen und dem überlangen Nachnamen konnte ich mir leider nichts kaufen. Das „alte Geld“ war längst aufgebraucht, ein paar Schulden aus der aufwändigen Renovierung des Prestigeobjektes, in dem ich hauste, hatte ich zusammen mit der Immobilie geerbt.

Das notwendige Budget für meinen Lebensunterhalt und den Erhalt des riesigen Kastens musste ich erst mal verdienen. Der dazu notwendige, leidlich uninteressante Laborjob führte mich montags bis freitags in ein nur wenige Kilometer entferntes Saatzuchtinstitut. Die Strecke war zu Fuß zu bewältigen oder mit dem Fahrrad. Seit die Benzinkosten und Mietpreise immer weiter in den Himmel geschossen waren, blieb mir nichts anderes übrig, als diese Wohnmöglichkeit auszuschöpfen. Ein Haus dieser Größe und Lage alleine zu unterhalten und zu bewohnen, machte allerdings keinen Spaß.

Ebenso wenig wie mein toller Name mit allem, was dazu gehörte. Passend zu den hochtrabenden Vornamen, die seit Generationen auf der väterlichen Seite meiner Sippe weitergereicht wurden, geschah das Gleiche mit dem Besitz und den Erwartungen an die Nachkommen. Ich war mit sämtlichen Namen der wichtigen alten Damen bedacht worden, ebenso wie mit deren Vorstellungen, wie ich zu sein, mich zu benehmen und was ich zu leisten hätte. Mein Name spricht bereits Bände – und das, was ich daraus gemacht habe, auch.

Ich heiße laut Geburtsurkunde Theodora Ottilie Pauline Irmgard von Steinbrück zu Hochfluss. Nichts davon passt zu mir, auch wenn man versuchte, mich an Theodora zu gewöhnen. Darauf reagiere ich bis heute nicht. Auch nicht auf Dora und schon gar nicht auf Dorle. Kotz, würg, Brechreiz. Theo hätte ich mir eingehen lassen, aber da war ich leider die Einzige.

In den ersten sechs Jahren meines Lebens probierte die mütterliche Seite meiner Familie verschiedene Varianten, Kombinationen oder – aus allgemeiner Sicht vertretbare – Abkürzungen des einen oder anderen meiner Vornamen als Rufnamen an mir aus. Nichts davon setzte sich durch.

Sobald ich in die Schule kam und schreiben lernte, hatte sich das Problem in kürzester Zeit quasi von selbst erledigt. Aufgrund der unfassbaren Länge meines Namens und der noch unbegreiflicheren Hässlichkeit und des Hänsel-Potenzials schrieb ich auf meine Schulzeichnungen und Hefte einfach nur: T.O.P.I.

Das passte zu mir und blieb hängen. Ein schöner Name, dem beim Ruf nach mir oft noch ein gehörter Vokal vorausging, wie in „Oh Topi, was hast du dir dabei nur wieder gedacht?“ oder „Uh! Topi, das ist doch eklig!“

Die erwartungsvollen Verwandten verstanden in der Regel meine Erklärungen, dass ich mir durchaus etwas dabei gedacht hatte und mein Forscherdrang auch eklige Sachen abdeckte, nicht einmal im Ansatz. Aber das war mir nach einer gewissen Zeit schlichtweg egal.

Mit Abitur, Diplom und schließlich drei Doktortiteln hatte ich zwar nicht die Träume der Sippe von einer gut betuchten, standesgemäßen Heirat und der Produktion legitimer Erben erfüllt, mich aber wenigstens nicht als das rundum unwürdige Kind meiner nicht standesgemäßen Mutter erwiesen.

Als einziges dunkelhaariges Wesen in einer sonst blonden Abstammungslinie, war ich ohnehin das geborene schwarze Schaf. Im wörtlichen sowie im übertragenen Sinn. Sobald es mir möglich gewesen war, hatte ich mein Glück in der Ferne gesucht und über fünfzehn Jahre beinahe überall auf der Welt gelebt. Nur nicht zu Hause.

Wie dem auch sei. Als letzter noch lebender Spross meiner Familie, in direkter Linie, hatte ich dennoch alles Althergebrachte geerbt, nachdem der Plan meines äußerst liebenswerten Vaters, mich zu enterben, durch seinen ungeplant spontanen Unfalltod vereitelt worden war. So hatte ich wenigstens eine kleine Entschädigung dafür erhalten, dass dieser nette Zeitgenosse mir meine Kindheit und noch vieles mehr versaut hatte.

Wäre das nicht sehr väterliche A….loch damit durchgekommen, hätten meine entfernten Cousinen geerbt. Die waren allesamt fünfzehn bis fünfundzwanzig Jahre älter als ich, hatten standesgemäß geheiratet und teils Erben produziert. Ach ja, und sie sahen mich seit meiner Geburt als das letzte Stück Dreck an – genau wie mein lieber Herr Papa das getan hatte. Sie ließen mich von klein auf bei jeder Gelegenheit, zu der ich ihnen hatte begegnen müssen, deutlich spüren, dass ich weit unter ihrem Niveau war. Nur meiner Mutter gegenüber hatten sie sich noch herablassender und ekelhafter verhalten.

Als diese Cousinen dann auf ihrer Beerdigung Betroffenheit geheuchelt hatten – wohl in der Hoffnung etwas von der alleinstehenden, kinderlosen, letzten Erbin absahnen zu können –, hätte ich am liebsten um mich geschlagen. Wahlweise mit einer großen Axt!

Mein erster Weg nach der Beerdigung meiner Mutter, die alles von ihrem Mann geerbt hatte und es nun mir hinterließ, führte mich zu einem Anwalt für Erbrecht. Die verwandtschaftlichen Geier zweiten, dritten, vierten oder noch höheren Grades würden nichts bekommen. Die Kinder meiner engsten Freunde, deren Nenntante ich von jeher war, würden erben. Sie waren für mich mehr Familie, als es die sprichwörtliche „bucklige Verwandtschaft“ je gewesen war. Zumindest war die Erbfolge so geplant und juristisch festgelegt. Aber erstens kommt es immer anders und zweitens als man denkt.

Neben dem Stadthaus, das aus der Linie meines biologischen Vaters stammte, hatte ich auch noch ein über zweihundert Jahre altes Bauernhaus aus der Familie meiner Mutter geerbt. Es lag eine gute Stunde weit weg mitten in der Pampa. Der nächste Nachbar war einen halben Kilometer entfernt und das großzügige Kerngrundstück, das als Garten fungierte, war von einer drei Meter hohen und mehrere Meter breiten Hecke, sowie dichtem Brennnessel- und Dornengestrüpp umgeben.

Das Häuschen verfügte über fünf Wohnräume auf zwei Etagen, eine Wohnküche mit Holzfeuerherd, zwei Kachelöfen, eine geräumige Vorratskammer, einen ummauerten Keller und einen kleinen Spitzboden. Und natürlich gab es einen angeschlossenen Stall, mit Heuboden darüber.

Vom Flur im Erdgeschoss aus kam man rechts in den Stall, links ins Wohnhaus mit Küche und Wohnzimmer. Beide Räume waren miteinander verbunden und durch die Küche kam man direkt in die Speisekammer. Die Treppe hoch gab es vier Zimmer, von denen nur drei vom Flur aus erreichbar waren. In das vierte kam man nur durch ein anderes Zimmer. Diese beiden kleinen, verbundenen Räume teilten sich einen Kachelofen. Die zwei größeren, separaten konnten vom Kachelofen zwischen Wohnzimmer und Flur über regelbare Schächte mit beheizt werden.

Im oberen Flur führte eine Leiter durch eine Klappe zum Spitzboden. Ganz unten befand sich ein Keller mit zwei Räumen, der unter dem Wohnzimmer lag. Eine Falltür führte hinunter. Stall und Küche waren nicht unterkellert.

Fließendes Wasser gab es keines, dafür einen Brunnen zum Grundwasser-per-Hand-Hochpumpen in der Küche, einen weiteren im Stall und einen Bach am südlichen Rand des Grundstücks, hinter dem Haus. Aus diesem Bach gewann ich Strom, durch ein kleines Wasserrad mit Dynamo. Die Speicherbatterie reichte locker, um Laptop-, Handy- und Werkzeugakkus zu laden.

Dieses vollkommen veraltete Hexenhäuschen ohne modernen Luxus war mein liebster Ort auf der ganzen Welt. Dort verbrachte ich meine Wochenenden, seit ich wieder in Deutschland lebte. Was allerdings bedeutete, dass ich ein Auto unterhalten und zumindest den nötigsten Diesel für diese Strecke einmal in der Woche hin und zurück zusammenkratzen musste. Jeden Tag von dort zu pendeln war unmöglich. Nicht nur die Benzinpreise, sondern auch die Rationierung des knappen Gutes zwangen mich dazu, in der Nähe meines Arbeitsplatzes zu wohnen, also in dem verhassten Monstrum von Stammsitz, der den Großteil meiner Kindheit geprägt hatte.

Wäre das Stadthaus als Mehrfamilienhaus mit separaten Wohneinheiten nutzbar gewesen, hätte ich mir wenigstens durch Vermietung etwas dazuverdienen können. Oder Wohnraum gegen Treibstoff oder andere knappe Ressourcen tauschen können. Leider war das so, wie das Haus beschaffen war, nicht möglich. Es gab zwar zwei Küchen und vier Bäder, aber keine vernünftige Abtrennung zwischen den Wohneinheiten – weder durch separate Stromzähler noch durch Mauern – und keine Möglichkeit, in die oberen Stockwerke zu gelangen, ohne die unteren durchqueren zu müssen.

Sämtliche Umbaupläne mit Außentreppen oder Aufzügen, die ich dem Amt vorgelegt hatte, um eine entsprechende Trennung und Nutzung zu ermöglichen, waren vehement abgelehnt worden. Ich konnte nicht genügend PKW-Stellplätze vorweisen, um ein Mehrfamilienhaus daraus machen zu dürfen. Und Außentreppen hätten das Straßenbild der noblen Gegend ruiniert…

Eine große WG zu gründen, wäre für mich der Horror schlechthin gewesen. Noch weniger Privatsphäre und noch weniger Abstand zum nächsten Nachbarn. Also wohnte ich alleine auf beinahe dreihundert Quadratmetern, verteilt auf drei Stockwerke, plus Keller und Dachboden; versuchte, dem Staub und Verfall Einhalt zu gebieten, die steigenden Kosten zu begleichen und das Beste daraus zu machen.

Je deutlicher sich die weltpolitische Lage zuspitzte und das Nahen des nächsten Weltkrieges immer offensichtlicher wurde, brachte ich alles Nützliche, Tauschbare und für mich Wertvolle nach und nach in mein Haus auf dem Land. Zwei der fünf Zimmer und der halbe Stall standen innerhalb kürzester Zeit randvoll.

Im hellen Wohnzimmer zog ich über den Winter Sämlinge heran, die an den Wochenenden Landluft schnuppern durften. In meinem Landhaus hortete ich in Keller und Speisekammer leere Gläser, Zucker, Essig, Öl und Salz, um die Früchte meiner Arbeit haltbar machen zu können.

Alles, was ich in meinem winzigen Stadtgarten im Jahr zuvor kultiviert hatte, war schon vor Kriegsbeginn, mit zunehmender Rationierung, jeweils kurz vor Erreichen der vollen Reife verschwunden. Immer wenn ich von der Arbeit kam, fehlte wieder eine Gurke, eine Zucchini, eine Rispe Tomaten oder eine große Handvoll Beeren. Irgendein Schnorrer holte sich, was ich gesät, gehegt und gepflegt hatte.

Als ich meine Pflanzen zum Schutz vor Plünderern in Eimern, Wannen und Kisten samt Erde in den Wintergarten und das Haus brachte, wurden Scheiben eingeschlagen, um dran zu kommen. Da fehlten dann nicht mehr nur Früchte, sondern ganze Stauden.

Keiner meiner sonst so aufmerksamen Nachbarn konnte mir sagen, wer sich da bei mir bedient hatte und wer eingebrochen war. Dass ich die kaputten Fenster anschließend mit Holz vernagelte und mit allem Greifbaren abdichtete, bemerkten sie wiederum sofort und beschwerten sich, wie furchtbar das aussah. Wenigstens hielt das einigermaßen die Kälte des anschließenden Herbstes und Winters fern. Und – ganz wichtig! – durch das Holz konnte mir keiner mehr hineinsehen.

So merkten meine umgebenden Mitmenschen nicht, dass das Haus immer leerer wurde und die wenigen verbliebenen, sperrigen Möbel als zusätzliche Barrikaden vor die vernagelten Fenster geschoben waren. Meinen Wagen belud ich in der integrierten Garage und legte Decken über das Frachtgut, ehe ich freitags so schnell wie möglich aufs Land fuhr. Einen Teil der evakuierten Möbel und einige hübsche Staubfänger konnte ich auf dem Weg ins Wochenende gegen einige Rollen Maschendrahtzaun und ein paar Hühner plus Hahn eintauschen.

Mit Hilfe einer stabilen Konstruktion aus abgesägten Haselnusshölzern wurde der Maschendrahtzaun zu einem verschiebbaren Gehege für das wertvolle Federvieh. So konnten die Vögel, sobald es warm genug wurde, gut geschützt vor Füchsen und Mardern, jede Woche an einem anderen Teil der Wiese scharren und das Ungeziefer dort fressen. Ihr Haus für die Nacht und zum Eier legen stand auf Rädern – auf vier alten hölzernen Wagenrädern, die ich in einem überwucherten Gebüsch auf meinem Grundstück gefunden hatte. Für die kalten Monate kam das gackernde Volk in einen abgesicherten Bereich des Stalles, der mit einem Wassertrog und einem Futterspender ausgerüstet war.

Als dann gleich in den ersten Wochen des Krieges die Stadt, in der ich gelebt hatte, zu einem einzigen großen Krater wurde, bedauerte ich den Verlust nicht allzu sehr. Meine Freunde lebten zum Glück in anderen Ortschaften oder waren rechtzeitig geflohen und ich war in meinem Landhaus gewesen, als es knallte. Alle Menschen, die mir noch etwas bedeuteten, waren zunächst in Sicherheit.

Der Angriff geschah samstagnachts. Die Explosion hatte man selbst bis zu meinem weit entfernten Bauernhaus noch gehört und das Licht des Feuerballs deutlich gesehen. Innerhalb eines Augenblicks war alles vorbei. Ich wollte gar nicht wissen, was für eine Lenkrakete, Drohne oder Abwurf-Ladung welcher Nation da niedergegangen war. Mein automatischer Messenger verriet es mir trotzdem. Ebenso wie das Ausmaß der Zerstörung und die Zahl der Toten. Eine einzige Sprengladung hatte gereicht, um hunderttausend Menschen ins Jenseits zu befördern und eine ganze Stadt auszuradieren. Nicht einmal Ruinen blieben übrig, nur ein großer Krater. Die Menschheit entwickelte sich wirklich weiter, zumindest was die Waffentechnik anging. Waffen aller Art waren dieser Tage das Einzige, was man ohne Probleme bekommen konnte.

Die Inflation war zu diesem Zeitpunkt an einem Punkt angekommen, dass sich Arbeiten gehen lange nicht mehr lohnte. Selbst mit den Bezugsmarken, die man anstatt des gewohnten Gehaltes bekam, war es schwierig, das Nötigste zu bekommen. Einer stahl vom anderen, in der Hoffnung, über die Runden zu kommen. Bereits im letzten Jahr vor dem eigentlichen Krieg hatte sich die Knappheit an Allem durch verschiedene Embargos, Handelssperren, Missernten, schwindende Rohstoffe, Wirtschaftskrisen, Fehlplanung und sonstige Engpässe so gesteigert, dass es sich keiner mehr leisten konnte, großzügig zu sein.

Die Kriminalität stieg, die Menschlichkeit nahm im gleichen Maße ab wie die verfügbaren Ressourcen. Wer die Möglichkeit hatte, etwas anzubauen oder einzutauschen, ergriff sie. Wer das nicht konnte, setzte Gewalt oder Hinterlist ein, um es sich zu besorgen. Der Kontakt zu anderen Menschen wurde ein zunehmendes Risiko. Auch wegen biologischer Kampfstoffe, die in Form von aggressiven Viren eingesetzt wurden. Manche befanden sich im Trinkwasser, andere wurden von Mensch zu Mensch übertragen, mit langen Inkubationszeiten, die maximale Ansteckungs- und Wirkungsraten garantierten.

Ein weit abgelegenes Haus irgendwo im Nirgendwo zu haben, das an keine Wasserversorgung, Kanalisation, Telefonleitung oder Stromversorgung angeschlossen war und in keinem Bebauungsplan oder Navi-Straßennetz auftauchte, war ein Segen. Das Wertvollste, was man nur besitzen konnte. Kein Fremder würde dorthin kommen, oder auf Verdacht den weiten Weg auf sich nehmen. Kein Amt hatte meinen Besitz auf dem Schirm, ob ich noch lebte, war von offizieller Seite vermutlich nicht geklärt. Nur meine engsten Freunde und der einzige Nachbar fünfhundert Meter weiter – ein alter Einsiedler, dem ich als Kind selbstgemachte Marmelade gebracht hatte – wussten von meiner lebendigen Anwesenheit in meinem Haus in meinem geheimen Garten.

Die großen, alten Bäume um das Haus herum waren dicht genug, das verwitterte, bemooste Schindeldach vor Satelliten oder anderen Luftbilderfassungen zu verbergen. Die nächste kleine Ansiedlung in Form von vier Häusern und einer Wirtschaft war fünf Kilometer entfernt. Zwischen dort und mir gab es nur Wiesen, Felder, Wald und Seen. Meine dichte Hecke, die massenhaft vorhandenen Brennnesseln, dickes Brombeer- und Himbeergestrüpp und das stabile, mit Efeu bewachsene Zufahrtstor taten ein Übriges, um meine kleine Zufluchtsstätte zu verbergen.

Das Haus lag am hintersten Ende des Grundstücks. Man musste an der nördlichen Hecke entlang die komplette Länge durchqueren, an strategisch gepflanzten hohen Baumgrüppchen und aufgeschütteten Hügelbeeten vorbei, um zu ihm zu gelangen. Vom Haupttor aus sah man kein Gebäude. Von irgendeiner Straße aus erst recht nicht. Die kleinen Teerstraßen endeten einen Kilometer vor meinem Tor. Die einzige Zufahrt stellte ein rundum eingewachsener Feldweg dar. Außer mir benutzten den nur mein einziger Nachbar, dessen Felder und Weiden an mein Land angrenzten, und ein Milchtanklaster, der dort unter der Woche ein paar Mal vorbeifuhr.

Nun musste ich nicht mehr unter Menschen, mein Fehlen würde niemandem auffallen, meine Daueraufträge liefen munter weiter, bis das Geld alle war. Vermutlich würde ich früher oder später für tot erklärt werden, wenn die Ämter es irgendwann bewerkstelligen sollten, wieder einen Überblick zu bekommen. Da nicht nur mein Haus und die Firma weg waren, für die ich gearbeitet hatte, sondern auch das Einwohnermeldeamt, die Führerscheinstelle und die komplette Stadtverwaltung sowie die Stadt selbst, konnte das eine Weile dauern. So wie es überall im Land und auf der Welt aussah, würde es sogar noch länger als eine Weile dauern. Eine kleine Ewigkeit womöglich.

Mein neues Leben als vermutlich Totgeglaubte begann im Frühling. Alles begann zu sprießen, die Natur hielt genug bereit, wovon ich mich ernähren konnte und da meine Oma, die hier während meiner Kindheit gelebt hatte, eine leidenschaftliche Gärtnerin gewesen war, hatte ich gewisse Vorteile.

Es war professionelles Gerät vorhanden und sie hatte mir sehr viel beigebracht in der Zeit, die ich bei ihr verbracht hatte. Das waren viele glückliche Wochenenden und Schulferien gewesen. Ich hatte schon immer die beengte Stadt gehasst – ebenso wie meinen Vater, der sich dort aufhielt – und das weite Land geliebt – genau wie meine Oma.

In einer Stadt konnte man zurechtkommen, wenn man es musste. Aber leben? Das war für mich kein Leben. Lebendig fühlte ich mich zwischen Bäumen und Beeten, unter einem Himmel, den man bei Nacht klar sehen konnte, ohne störendes Licht oder Smog. Auf einer grünen, wilden Wiese inmitten von summenden Insekten. Das war ein Lebensstil, den ich mir schon immer gewünscht hatte. Und nun hinderte mich nichts mehr daran. Die Welt war ohnehin am Ende, Geld zu verdienen oder einen Stammsitz zu erhalten, gab es nicht mehr. Alles, was ich besaß, war hier. Keine Zwänge für Frau Dr. Dr. Dr. Theodora Ottilie Pauline Irmgard von Steinbrück zu Hochfluss mehr, die war soeben verstorben und das Geschlecht derer von Steinbrück zu Hochfluss damit endgültig ausgestorben. Nun gab es nur noch Freiheit für Topi!

Eine meiner ersten Amtshandlungen in meinem neuen, unabhängigen Dasein bestand darin, den großen vierrädrigen Handkarren mit zwei Kommoden voller Blurays und DVDs zu beladen und mich auf einen zehn Kilometer-Marsch zu begeben. Die Filme und Möbelstücke waren der vereinbarte Preis für die junge Milchkuh und ihr erstes Kalb, die ich abholen ging.

Auf dem Rückweg würde die Kuh den Wagen ziehen. Ohne Ladung wäre er um einiges leichter und notfalls konnte das kleine Kälbchen auf dem Wagen mitfahren, wenn der Marsch zu anstrengend wurde. Seine Mutter würde es gerne ziehen, nahm ich an. Ein altes Ochsengeschirr, das in der Scheune gewesen war, würde dafür zum Einsatz kommen.

Mais, Kartoffeln, Sonnenblumen, Getreide, Bohnen und einiges mehr lagen zur Aussaat parat. Zusammen mit dem ganzen Gemüse, das im großen, hellen Wohnzimmer zum Teil schon zu Jungpflanzen heranwuchs, würde ich garantiert keinen Hunger leiden. Ein paar Eier als Ergänzung, hin und wieder ein junges Huhn und nun die Milch der Mutterkuh. Mir würde es gut gehen. Ein praktisch veranlagter Mensch, ohne Luxusphantasien, hatte in diesen Zeiten die besten Karten.

All die geltungssüchtigen Managertypen und Firmenchefs würden sich umsehen, wenn sie in ihren Villen und Penthäusern plötzlich ohne Strom, Wasser, Heizung und Nahrung dasaßen und wertvolle Gemälde oder Diamantschmuck gegen Brennholz und Karotten tauschen mussten. Ich stellte mir hämisch grinsend den überheblichen Personalchef vor, der mich zu seinem persönlichen Fußabtreter auserkoren hatte, nachdem er bei mir abgeblitzt war. Falls er nicht schon tot war – falls er nicht in der Stadt gewesen war – würde er nicht mehr viel Spaß in seinem Leben haben. Schöner Gedanke, endlich siegte die Gerechtigkeit. Ja, mit der Zeit bin ich boshaft geworden, was Menschen angeht, die mir Unrecht taten oder es sogar gezielt darauf abgesehen hatten, mir zu schaden.

Um zwei meiner Kollegen tat es mir hingegen ehrlich leid, aber so ist Krieg eben. Meine Großmutter hatte zwei Weltkriege überlebt und mir genug davon erzählt, um ein klares Bild zu vermitteln. Sie war mehr als einmal nur haarscharf mit dem Leben davongekommen. Von ihren zahlreichen Geschwistern hatte nur ein Bruder ebenfalls beide Kriege überlebt, um ein Jahr später an einer widerwärtigen Krankheit elend zu Grunde zu gehen, die er sich auf den Schlachtfeldern Afrikas eingefangen hatte. Man konnte zusehen, wie ihm das Fleisch am Körper verfaulte und in großen Brocken von ihm abfiel. Es muss furchtbar gestunken haben und er hatte trotz Morphium höllische Schmerzen zu leiden gehabt.

Ab da war meine Oma alleine, bis meine Mutter Ende der 1940er geboren wurde. Die handfeste Witwe hatte sich alleine um den schreienden Säugling und den Hof gekümmert.

„Ich hoffe, vor dem nächsten Krieg bin ich tot! Sowas will ich nicht noch einmal erleben müssen. Und meinen Nachfahren wünsche ich es auch nicht“, hatte meine Oma mehrfach gesagt. Naja, zum Großteil hatte sich dieser Wunsch erfüllt. Sie selbst und ihr einziges Kind waren bereits Jahre vor dem neuen Kriegsbeginn gestorben. Nur ich war noch übrig und versuchte, mich von Kriegsschauplätzen, möglichen lohnenden Angriffszielen und von der durchgedrehten Menschheit an sich fern zu halten.

Meine Mutter war in den sechziger Jahren mal von einem Lehrer mit einem Verweis bedacht worden, weil sie auf das Aufsatzthema „Was würden Sie im Kriegsfall zur Verteidigung Ihres Vaterlandes beitragen?“ geschrieben hatte: „Garnichts! Ich würde so schnell es geht flüchten, in ein Land, in dem kein Krieg herrscht“.

Ihre Begründungen waren gut argumentiert, in sich schlüssig und vollkommen logisch aufgebaut gewesen, die Rechtschreibung gut und das Schriftbild einwandfrei. Trotzdem hatte es eine Bomben-Sechs und einen Verweis gegeben. Themaverfehlung und Insubordination!

Ich glaube, meine Mutter war ein bisschen stolz auf mich, als ich in der Oberstufe einen ähnlichen Aufschrei – inklusive Note Sechs – verursachte, weil ich es gewagt hatte, in einem Aufsatz mit der Fragestellung „Was halten Sie davon, wenn…“ tatsächlich meine ehrliche Meinung zu schreiben. Mein Schriftbild war Scheiße und die Orthographie eine Katastrophe, Kommas kannte ich gar nicht. Dafür war die Darlegung, wie wenig ich davon hielt, „wenn…“, aus meiner Sicht sehr unterhaltsam und klar gewesen.

Meine Mutter bat die Lehrerin um eine Kopie meines Aufsatzes, als sie zu ihr in die Sprechstunde zitiert wurde. Die giftige Lehrerin kochte mit hochrotem Kopf fast über, als sie nach dem Gespräch den Raum verließ. Meine Mutter hakte mich Tränen lachend unter und bat mich darum, in solchen Fällen meine wahre Meinung doch bitte zumindest so lange für mich zu behalten, bis ich mein Abi in der Tasche hätte.

Diesen Gefallen tat ich ihr sogar bis kurz vor Ende meines Kernstudiums. In der Diplomarbeit brachte ich es jedoch nicht über mich, mich der offenkundigen Meinung des zuständigen Professors anzupassen, sondern beharrte auf meinem Standpunkt. Damit bestand ich gerade eben noch so. Die Richtigkeit meiner umfassenden Versuche und Forschungsergebnisse konnte er nicht widerlegen, nur meine Schlussfolgerungen als fehlgeleitet darstellen. Eine Nachkorrektur durch ein unabhängiges Gremium, die ich verlangte, verbesserte meine Note auf eine Eins Minus. Der Professor tobte. Wenn dieser Professor gewusst hätte, dass ich viele Jahre später mit meiner Schwarzmalerei recht behalten sollte, wäre die Bewertung womöglich anders ausgefallen. Was jetzt ohnehin keine Rolle mehr spielte.

Der Herr hatte vermutlich nicht mehr die Möglichkeit bekommen, seinen Irrtum einzusehen. Bis bekannt wurde, was tatsächlich geschehen war, hatte sich die Weltbevölkerung von mehreren Milliarden auf ein paar Tausend reduziert und befand sich technisch gesehen beinahe zurück im Mittelalter. Innerhalb weniger Tage war die moderne Welt, wie wir sie gekannt hatten, untergegangen. Nichts davon war mehr übrig.

Aber lassen Sie mich nicht vorgreifen. Ich möchte der Reihe nach erzählen, wie es so schnell so weit mit der Menschheit bergab gehen konnte.

Teil 1 Das erste Jahr

Der Krieg beginnt

Mitte März

Die Kuh, die ich mir ausgesucht hatte, um meine Hausgenossin zu werden, war mir aufgefallen, weil sie cleverer war als ihre Stallkolleginnen. Als ich sie zum ersten Mal sah, hatte sie gerade ihre Hörner benutzt, um den Elektrozaun anzuheben, der sie und ihre Herde von den verlockenderen, grüneren Wiesen trennte, die nicht für das grasende Vieh vorgesehen gewesen waren. Sie sah auch nach links und rechts, ehe sie eine Straße überquerte und schubste Kleinere zurück, wenn sie ohne zu kucken losliefen.

Die Bäuerin war hoch erfreut, ausgerechnet dieses Tier loszuwerden und dafür noch eine große Filmsammlung für ihren Junior einheimsen zu können. Sie gab mir ein paar kleinere Stroh- und Heuballen oben drauf, nachdem meine Wahl feststand. Die schlaue Kuh machte ihr zu viele Probleme, und wenn man schon ein Mitglied der Herde – oder zwei, wenn man ihr Kalb mitrechnete – abgab, dann doch am besten ein ungeliebtes Mitglied, einen Störenfried.

Der gezielte Kick der Hornträgerin gegen den Oberschenkel des tumben Bauernburschen, der ihr Kalb piesackte, bestärkte mich darin, das richtige Rindvieh ausgewählt zu haben. Wenn sie sich ebenso vehement und mutig gegen wilde Tiere wehrte, die ihr oder ihrem Kalb etwas anhaben wollten – oder anderen Bewohnern unserer kleinen zukünftigen Gemeinschaft –, würden wir lange Freude miteinander haben. Ein Tier mit Verstand und eigenem Kopf mag schwerer zu kontrollieren sein, aber es hat auch bessere Überlebenschancen, lernt schneller und kann im Notfall zu einer großen Hilfe werden.

Sie enttäuschte mich nicht. Gleich als ich anfing, ihr das Ochsengeschirr anzulegen und sie vor den Wagen zu spannen, begriff sie, dass ihre Tage auf diesem Hof gezählt waren. Sie beschnüffelte mich ausgiebig, zog hier und da ein wenig den Kopf ein, aber ließ mich gewähren. Sie registrierte, wie vorsichtig ich mit den Holz- und Eisenteilen zu Werke ging, um ihr nicht weh zu tun, und das Geschirr an den richtigen Stellen auspolsterte, damit sie es bequemer hatte. Sie war doch um einiges schmaler als der kapitale Ochse auf den alten Fotografien, der das Geschirr zuletzt um 1950 getragen hatte. Auch damals war es mit Maschinen und Benzin nicht gut gestanden und man war froh gewesen, auf altbewährte Muskelkraft zurückgreifen zu können.

Fertig verzurrt ließ sie ihren Blick über ihre alte Herde und den Hof schweifen, sah sich noch einmal zum Stall um, schüttelte den Kopf, wie in einer unangenehmen Erinnerung, und blickte dann entschlossen nach vorne. Sie schien zu sagen: „Es kann los gehen. Mal sehen, was es sonst noch so gibt“. Ich strich ihr über den Kopf, nahm den Führstrick auf und ging los. Berta – wie sie vom Bauern getauft worden war – leckte ihrem Kalb über die Nase, das mit einem Strick an ihrer Seite festgebunden war, senkte den Kopf und marschierte los, mir nach.

Die ersten Kilometer ging es hervorragend. Wir bewegten uns vornehmlich auf verwaisten Nebenstraßen und Feldwegen, kamen gut voran und uns nicht mit dem dünnen motorisierten Verkehr ins Gehege. Der Strick hing locker durch, Berta stapfte friedlich hinter mir her und das Kalb trippelte mit. Nach einer Weile merkte man dem kleinen Rindermädchen jedoch an, dass es mit seinen noch nicht mal ganz zwei Monaten weite Spaziergänge nicht gewöhnt war. Da es im Winter zur Welt gekommen war, hatte es außer dem heimischen Stall vermutlich noch nicht viel von der Welt zu sehen bekommen und nur wenig Gelegenheit gehabt, seine Muskeln zu trainieren.

Ich blieb stehen, besah mir das Kalb, das bisher noch keinen Namen hatte und beschloss, dass es seine Kräfte ein wenig schonen sollte. Mit zwei Strohballen baute ich eine improvisierte Tritthilfe, band das Kleine von seiner Mutter los und führte es zum Karren. Es beschnüffelte den Wagen und das Stroh, machte aber keine Anstalten, dem leichten Zug am Strick um seinen Hals auf den Wagen hinauf zu folgen. Ich ging vor, um zu demonstrieren, wie das funktionierte und zog dann noch mal. Das Jungtier blinkte mich mit seinen großen Augen an und rührte sich nicht von der Stelle. Ich stieg vom Wagen herunter, stellte mich hinter das Kalb und schob leicht. Es wandte seinen Kopf über die Schulter zu mir zurück und blinkte mich wieder verständnislos an, mit Augen wie Scheinwerfern.

„Weißt du was, dich nenne ich Blinki. Das passt zu dir.“ Das Kleine ließ sich zwischen den Ohren kraulen und wollte an meiner Hand lecken. Den Impuls nutzte ich, um Blinkis Richtung zu ändern. Meine Hand wich über die Strohballen zurück, so dass sie sich mit den Vorderbeinen daraufstellen musste, wollte sie weiter an meinen Fingern lecken. Kaum war sie weit genug oben, schob ich mit der anderen Hand sachte an ihrem Hinterteil nach und entfernte die Leckstein-Hand noch ein wenig weiter über den Wagen hinauf. Diese Taktik funktionierte.

Oben angekommen band ich sie so am Handlauf fest, dass sie sich hinlegen, aber nicht herunterspringen konnte. Die Strohballen kamen neben sie, als zusätzliche Sicherung. Nachdem der Wagen wieder ordentlich beladen und Blinki sicher untergebracht war, drehte ich mich nach vorne zu Berta. Sie stand ein wenig schräg vor dem Wagen und beobachtete mich ganz genau. Mit den Argusaugen einer Mutter.

„Bist du einverstanden?“, fragte ich sie. Dabei streichelte ich über ihre Flanke und wischte ganz nebenbei noch den Sabber ihres Babys in ihrem Fell ab. „So muss dein Kind nicht laufen und ist gut aufgehoben. Was meinst du?“

Sie legte den Kopf schräg und muhte einmal gut vernehmlich. Für mich klang das wie ein „Ja“.

Noch bevor ich den Führstrick aufheben konnte drehte sie sich in Fahrtrichtung und setzte sich von alleine in Bewegung. Ich beeilte mich trotzdem, das Seil wieder in die Hand zu bekommen. Schließlich kannte Berta den Weg nicht. Und womöglich kam sie auf die Idee, ihr Glück als Wildrind zu suchen. Dann hätte ich mich ganz umsonst von meiner heißgeliebten Hollywood Collection getrennt, die zwei klassischen Vollholzkommoden nicht zu vergessen.

Berta musste bei mir bleiben, um diesen Verlust auszugleichen und dieses schmerzliche Opfer zu rechtfertigen. Aber nichts anderes hatte die Bäuerin interessiert. Das war der einzige Tauschhandel, auf den sie sich einzulassen bereit gewesen war. Wollte ich eine Kuh, musste ich in den sauren Apfel beißen. Und vermutlich hatte auch dieser Handel nur deswegen stattgefunden, weil ich ausgerechnet Berta gewollt hatte.

Berta. Ber-ta. Be-rrr-ta. B-e-r-t-a. Was für ein blöder Name. War das nur in meinem Kopf so, dass jede zweite Kuh Berta, Zenzi oder Kathi hieß?

„Magst du deinen Namen eigentlich?“, fragte ich den großen Paarhufer an meiner Seite. Wir trotteten nebeneinander die Straße entlang, sie sah nur kurz zu mir auf und lief dabei weiter. Sie hatte offenbar keine Meinung dazu.

„Ich mein ja nur, das wäre jetzt deine Chance auf eine Namensänderung.“

Wieder warf sie mir einen unschlüssigen Blick zu.

„Wenn du dir Sorgen machst, dass du dich womöglich nicht angesprochen fühlst, wenn ich dich anders rufe, können wir dir ja einen Namen geben, der deinem bisherigen ähnlich ist.“

Jetzt schien etwas in ihren Augen aufzublitzen.

„Hast du eine Idee?“, fragte ich sie.

Sie schloss das mir zugewandte Auge. Entweder um mir zuzuzwinkern oder als Zeichen des angestrengten Überlegens.

„Okay, dann mache ich Vorschläge und du sagst deine Meinung dazu.“

Sie warf den Kopf in den Nacken und senkte ihn wieder schwungvoll. Das interpretierte ich als Zustimmung.

„Wie wäre Birdy?“

Der schwere Kopf schüttelte sich schaudernd.

„Nein. Okay. Hast recht, das ist doof. Babsi?“

Sie sah mich vorwurfsvoll an.

„Ja, nee. Noch so ein Klischee.“

Wir marschierten weiter. An der nächsten Kreuzung zeigte ich gedankenverloren nach links und die Kuh folgte meinem Handzeichen. Ich war vollkommen in meinen Grübeleien versunken. Erst an der nächsten Kreuzung fiel mir bewusst auf, dass ein Handzeichen von mir genügte, um meine Begleiterin in die richtige Richtung gehen zu lassen.

„Hey, du reagierst ja auf Gesten. Du bist echt clever, Betzi.“

Sie nickte heftig mit dem Kopf, streckte den Hals und stieß ein lautes Muhen aus.

„War das jetzt die Bestätigung, dass du clever bist oder gefällt dir der Name ‚Betzi‘?“

Sie machte ein paar angedeutete Hopser und muhte noch lauter.

„Okay, okay, also alles beides. Ich habs verstanden. Schrei bitte nicht so laut. Ich möchte nicht, dass jeder weiß, wo wir wohnen.“

Betzi hopste weiter, aber muhte nicht mehr. Sie warf Blicke in alle Richtungen, als wollte sie fragen: Sind wir denn schon da?

„Beruhige dich, Mädchen. Es ist nicht mehr weit. Und nur, wenn möglichst wenige Menschen unser Zuhause kennen, können wir dort unbehelligt leben.“

Betzi und Blinki gewöhnten sich schnell ein. Ihren neuen, gesicherten Stall mussten sie nur mit den Hühnern teilen. Eine der Glucken hatte sich Betzis Rücken als bevorzugtes Ruhelager ausgeguckt. Nach anfänglicher Animosität seitens der Kuh, die sich selbst nicht als Sofa verstand, kamen die beiden Damen bald zu einer Einigung. Das hochwohlgelagerte Huhn kratzte ihrer lebenden Couch freudig den Rücken und befreite sie pickend von lästigen Zecken. Unter diesen Umständen nahm Betzi es billigend in Kauf, auf sich herumtrampeln zu lassen. Ihr neues Frauchen würde mögliche Hühnerspuren schon wieder aus Ihrem Fell heraus striegeln. Je sorgfältiger, desto besser. Betzi liebte Striegeln, davon konnte sie gar nicht genug bekommen. Ihre Augen wirkten richtiggehend orgastisch dabei.

Wenn es warm genug war, konnten die Rinder sich draußen in dem Bereich zwischen Haus und Bach frei bewegen. Die Hinterlassenschaften sammelte ich mit der Schaufel ein. Der restliche, etwa einen Hektar große Garten war als Anbaufläche und Hühnerwiese vorgesehen. Sobald der Frühling voll zuschlug, würde ich mit den beiden Kühen Spaziergänge im angrenzenden Wald unternehmen. Da gab es eine große Lichtung, die zu meinem Land gehörte. Im Wald und auf der Lichtung gab es einiges, was ihnen vielleicht schmecken konnte. Ich war mir nicht ganz sicher, was Kühe außer Gras, Heu, Kräutern und womöglich Kraftfutter oder Silage sonst noch fraßen, aber Betzi würde es bestimmt wissen und ihrem Kind das Nötige beibringen.

Außer, dass Kühe ganz klar nicht lila sind und es Quatsch ist, dass braune Kühe Kakao geben, während man nur von weißen Kühen Milch bekommt, war ich in Sachen Wiederkäuer herzlich unwissend, ehe ich beschloss, mich – aus gegebenem Anlass – auf diesem Gebiet weiterzubilden.

Glücklicherweise hatte nicht nur ich von jeher ein Faible für praktische Bücher gehabt. Meine sämtlichen Vorfahrinnen mütterlicherseits hatten ebenso unter der Wissensdurst- und Selbermachen-Krankheit gelitten. Eines der zwei großen Zimmer im Obergeschoss war (nur mit Auslassung der Fenster und des Heizschachtes) rund um alle vier Wände herum ein geschlossenes Regal voller Gartenführer, Kräuterlexika, Geflügelpflegeanleitungen, Fruchtwechselweisheiten, Bodenindikatortabellen, Düngehinweisen, Wettervorhersagetricks, Fallenstellereinmaleins, Naturheilmittelrezepten und vielem mehr. Vor einem Fenster stand ein gemütlicher Lesesessel, vor dem zweiten ein uralter Sekretär. In der Mitte des Raumes standen zwei weitere brusthohe Regalreihen Rücken an Rücken.

Wenn man nur lange genug suchte, fand man zu jedem Thema etwas Nützliches, überraschende Bauernweisheiten oder nette kleine Anekdoten zu zufälligen Entdeckungen. Die ganzen Brennnesseln um meinen Grund herum halfen zum Beispiel dabei, die verfressenen Rehe weitgehend auf Abstand zu halten. Durch ihr dünnes Bauchfell piksten die Brennhaare durch und das mochten sie nicht. Die hätten sonst jede einzelne Blüte und Jungpflanze ratzeputz vertilgt. Die Herstellung von Salben und anderen Heilmitteln aus natürlichen Zutaten konnte man nachlesen und was bei einer Steißgeburt eines Kalbes oder Fohlens vom Geburtshelfer zu machen war. Igitt! Fragen Sie bloß nicht!

Zugegeben, einige der Bücher waren uralt und die damals gängigen Methoden heute längst überholt. Aber ein gesundes Grundwissen zur Natur, das der moderne, verstädterte Mensch längst verloren hat, konnte man sich daraus allemal aneignen. Eine Methode zu kennen, die vor hundert Jahren funktioniert hat, ist immer noch besser als gar keine Ahnung zu haben.

Mein absolutes Lieblingsbuch war ein Ratgeber für den klugen Bauern von Achtzehnhundert-hau-mich-blau. Obwohl ein Teil der Seiten so stark vergilbt war, dass man sie nicht mehr lesen konnte, hatte ich viel Spaß mit der damals gebräuchlichen Sprache und Schreibweise. Manche der Inhalte wusste man heutzutage als Aberglauben einzustufen, anderes, was dort als Volksweisheit stand, wurde später wissenschaftlich bewiesen.

Meine neuesten Beiträge zur hauseigenen Bibliothek waren Heimwerkerzeitschriften, Do-it-yourself Ratgeber, ein Giftnothilfehandbuch, Waldpilzführer, ein Nählexikon und – wie ich zu meiner Schande gestehen muss – eine ganze Reihe von Fantasy-Romanen, die ich einfach nicht hatte zurücklassen können. Für Letztere war allerdings kein Platz mehr in den Regalen, also stapelte ich das Komplettwerk meines britischen Lieblingsautors oben auf dem Mittelregal zu Bergen auf.

Leider half mir keines meiner zahlreichen schlauen Bücher dabei, zu lernen, wie man eine Kuh richtig molk. Das war in früheren Zeiten anscheinend als so selbstverständlich angesehen worden, dass es nicht nötig gewesen war, das in einem Buch zu verewigen. Meine Oma hatte kein Milchvieh gehalten, es mir also nie beigebracht, der einsiedelnde Nachbar hatte eine automatische Melkstraße. Das Wissen zum händischen Melken hatte ich mir aus dem Internet gesogen, solange es noch ging.

Betzi war über meine ersten Versuche nicht übermäßig erbaut. Sie war eine Melkmaschine gewöhnt und nicht einen unsicheren Neuling, der an ihren Zitzen herumdrückte. Ihre Geduld rechnete ich ihr sehr hoch an. Vor allem, da ich gesehen hatte, wie sie treten konnte.

Blinki beaufsichtigte mich bei meinem Bemühen, die Milchbar ihrer Mama anzuzapfen. Das Kalb schien sich zu fragen, wie blöd man sich eigentlich anstellen konnte. Um mir zu zeigen, wie leicht das doch war, dockte sie sich neben meinen pumpenden Händen an einer anderen Zitze an. Sie schmatzte und schlürfte und sabberte. Die schöne Milch lief ihr aus den Mundwinkeln, mit Speichel versetzt. Ich hätte heulen können.

Wie man Käse, Sahne, Quark, Butter und so weiter aus der frischen Milch machen konnte, stand gleich in mehreren Büchern sehr ausführlich beschrieben, auch mit verschiedenen extravaganten Variationen. Aber um die Milch verarbeiten zu können, musste ich erst mal an sie rankommen.

Das konnte doch nicht so kompliziert sein! Jedem Baby gelang es, aus seiner Mutter Milch zu ziehen. Das nahm ich zumindest an, auch wenn ich es selbst nie probiert hatte – Flaschenkind von Geburt an. Noch so ein Segen der modernen Welt.

Ich gönnte Betzi eine Pause und sah mir noch mal das Video an, das ich auf meinen Schleppi1 heruntergeladen hatte. Meinem kleinen Strom-Wasserrad sei Dank, konnte ich wenigstens die gespeicherten Daten noch nutzen. Der Melker erklärte: „Direkt am Euter, ganz oben an der Zitze den Griff mit Daumen und Zeigefinger ansetzen. An der so umschlossenen Stelle feste zugreifen, damit den Milchkanal abdrücken und Rückfluss verhindern. Mit allen Fingern nun der Reihe nach von oben nach unten Druck ausüben, bis unten die Milch rausspritzt.“

Der Melker im Video gab noch Vergleiche zum Auspressen von Zitronen per Hand und machte einen anzüglichen Witz, dass er sich selbst doch lieber etwas anders an einer ähnlich aussehenden Stelle „auspressen“ lassen würde. Ha, ha, selten so gelacht. Wenn seine Ausstattung wirklich die Maße einer Kuhzitze hatte und man das Ganze zum Gebrauch erst mal von oben her abdrücken musste, um Rückfluss zu verhindern, tat mir seine Freundin leid.

Nach neuerlicher genauer Betrachtung des Videos startete der zweite Melkversuch. Zuerst kam dieses Mal Blinki zum Kopf ihrer Mama, damit am Euter keine Kabbelei ausbrechen konnte. Nochmal alle vier Zitzen reinigen. Dann ging es los. Die Zitze verschwand fast komplett in meiner Hand, die Finger übten Druck aus und am unteren Ende bildete sich ein Tropfen. Mehr nicht. Vielleicht ist die Zitze kaputt? Es standen ja noch drei weitere zur Auswahl, die womöglich besser funktionierten. Und noch mal. Oben feste greifen, dann Mittelfinger, Ringfinger und kleinen Finger schließen, Druck nach unten weitergeben.

Vor lauter Spannung war ich mit dem Gesicht ganz nahe an mein Knetstück herangegangen, um ja keinen Tropfen zu verpassen. Nicht dass am Ende doch etwas rauskam und das Wunder an mir vorüberging. Durch diese Haltung entging mir der Erfolg tatsächlich nicht. Der Strahl, der sich endlich aus dem Milchkanal ergoss, spritzte mir voll ins Auge. Im Reflex schloss sich das Lid, die Hand hatte vor Schreck Betzis Milchbar losgelassen und der Rücken mich kerzengerade auf meinem Hockerchen aufgerichtet. So lief die Milch aus meinem Auge, seitlich an der Nase vorbei, in meinen Mund. „Oh ja, lecker!“ Jetzt musste ich es nur noch hinkriegen, mehr davon zu bekommen und den Strahl in meinen Eimer zu lenken.

Nach einer Viertelstunde schaffte ich es, nicht mehr überall hin zu spritzen. Etwa ein Glas voll Milch befand sich am Ende meiner Bemühungen im Eimer. Das musste für heute reichen. Blinki und Betzi wurden allmählich beide unruhig. Mit knirschenden Knien erhob ich mich und zeigte der Mamakuh die Ausbeute. „Guck, soviel wie du glaubst, habe ich mir gar nicht geholt. Es ist noch genug für dein Kind da und sie mag langsam auch festes Futter.“

Meine erwachsene Kuh schien beruhigt, rieb ihre Nase an mir und leckte dann an dem Strick, der das Kleine vom Euter fernhielt. „Schon verstanden“, band ich Blinki los. Sie stürmte sofort ans Buffet. Gibt es Futterneid bei Kälbern? Sieht ganz so aus.

Meine Ausbeute trank ich direkt aus dem Eimer. Lecker, lecker! Direkt aus der Kuh zu trinken, wollte ich dann doch lieber nicht ausprobieren, auch wenn die Kälbermethode viel einfacher aussah als die Menschliche. Man hörte wieder das Schlürfen und Schmatzen eines steten Milchflusses. Deprimierend! Nun war ICH futterneidisch. Und äußerst motiviert, mir eine effektivere Melkmethode auszudenken.

Es sollte doch möglich sein, eine rein mechanische kleine Melkmaschine zusammen zu basteln. Im Grunde brauchte man nur etwas möglichst Weiches, aber Luftdichtes und Wasserfestes, das man über die Zitzen ziehen konnte, um anschließend ein Vakuum zu erzeugen. Mit einer großen Hand-Luftpumpe, Schläuchen, leeren Plastikflaschen, Gummiringen und Gummizylindern, die eigentlich mal als Ersatz für den Motor im schrottreifen Traktor vorgesehen gewesen waren, müsste das doch…

Zum Glück hatte ich darauf bestanden, dass Betzi ihr Kalb nach der Geburt behalten sollte. Wie hätte ich die ganze Milch aus ihr rausholen sollen, die sie täglich produzierte, ehe ich mit meiner Konstruktion endlich Erfolg hatte? Das arme Tier wäre ja explodiert ohne die kleine Hilfs-Melkmaschine auf vier Beinchen.

Vernünftigerweise hatte ich keines der Hochleistungsrinder ins Auge gefasst gehabt, die bis zu sechzig Liter Milch am Tag gaben. Lieber wollte ich ein Tier mit geringer Produktionsrate, dafür mit höherer Lebenserwartung. Wer weiß, wie lange der Krieg gehen würde und was danach kam. Falls es ein Danach geben sollte.

Meine Vakuum-Pumpen-Melk-Konstruktion füllte nach ein paar Tagen und fortwährenden kleinen Nachrüstungen, Abdichtungen und Verbesserungen immerhin vier eineinhalb Liter PET-Flaschen innerhalb von zwanzig Minuten. Dabei zählte die Zeit mit, die ich brauchte, um die Flaschen zu wechseln und den Sauger von einer Zitze auf die nächste zu bekommen. Mehr als eine Zitze zur gleichen Zeit klappte nicht richtig. Das Pumpengebilde war im Einkanalsystem deutlich dichter und leichter zu handhaben. Betzi schien damit auch am wenigsten Probleme zu haben. Vielleicht hing das ja rein rinderpsychologisch und evolutionär damit zusammen, dass ein Kalb auch immer nur an einer Stelle gleichzeitig saugen konnte?

Gab es Rinderpsychologen für besonders tiergerechte Ökohaltung? Mit Sicherheit! Es musste doch jemand ergründen, ob sich Uschi, Moni und Co. in einem blauen Stall mit grünem Dach am wohlsten fühlten. Oder in einer gelben Umgebung mit grauen Tupfen. Ich war zwar nie ein Freund der Massentierhaltung und lange Jahre Vegetarierin gewesen, aber irgendwo konnte man es auch übertreiben.

Ende März bis Mitte April

In der kurzen Zeit, die wir drei Säuger und die Hühner hier nun lebten, war die Welt komplett wahnsinnig geworden. Jeder kämpfte gegen jeden, ehemals Verbündete griffen sich urplötzlich gegenseitig an, bildeten neue Allianzen, fielen auch diesen prompt wieder in den Rücken. Alte Feinde tobten sich aneinander aus ohne Rücksicht auf Verluste und ohne Gedanken an die zu erwartende Revanche. Einer misstraute dem anderen, Soldaten aus allen Ländern kämpften in allen Ländern gegen alle Länder, es gab nichts mehr, wohin man fliehen konnte, keiner wusste mehr, wer an welchem Tag Freund oder Feind war.

Die Hauptstädte der wirtschaftlich und politisch wichtigen Staaten waren allesamt vernichtend ausgebombt oder anderweitig von allem Leben befreit worden, es gab Millionen und Abermillionen von Toten. Die Zahlen der überwiegend zivilen Opfer gingen deutlich in die zweistelligen Millionenwerte und übertrafen bereits nach diesen wenigen Wochen die END-Abrechnungen der zivilen und militärischen Toten der beiden vorhergehenden Weltkriege zusammen. Dazu kamen nochmal beinahe ebenso viele Menschen, die so gut wie tot waren, sich nur noch ein wenig Zeit beim elenden Verrecken ließen. Warum? Das sollte man sich eigentlich denken können.

Unter anderem waren Raketen mit Atomsprengköpfen geflogen. Die erste auf die USA, die zweite auf Nordkorea. Nummer drei schlug in Russland ein, Nummer vier wieder in den USA, Nummer fünf radierte das Zentrum der Ölstaaten im Nahen Osten aus, Nummer sechs einen Teil Chinas, und die siebte ließ den irischen Teil der britischen Inseln fast im Meer versinken. Man ging davon aus, dass die Bombe auf Irland sich verflogen hatte und eigentlich für ein anderes Ziel gedacht gewesen war. Für welches, dazu gab es verschiedene Mutmaßungen. Deutschland stand weit oben auf der Liste.

Nach diesen Meldungen beschloss ich, meinen wenigen wertvollen Strom aus dem Bach nicht weiter für Hiobsbotschaften aus aller Welt zu verschwenden, schaltete meinen Messenger ab, ließ das Radio aus und konzentrierte mich auf das einzige Stückchen Erde, das mich in Zukunft zu scheren brauchte – mein eigenes.

Es gab genug zu tun. Die Frühbeete bekamen die ersten Radieschen, Radis, Erbsen, Sommerzwiebeln und Möhren auszubrüten. Dinkel und Mais wollten in die Erde, die Kartoffeln und Topinambur sollten bald folgen. Höchste Zeit für Betzi und mich, pflügen zu lernen.

Das gut hundert Jahre alte Equipment war noch vollständig vorhanden und in gutem Zustand. Meine Oma hatte es in weiser Voraussicht gehegt und gepflegt, denn man konnte ja nie wissen, hatte sie immer gesagt. Und doch hatte sie es irgendwie gewusst. Die Menschheit war einfach zu dumm, um nicht am Ende an ihrer eigenen Schläue zugrunde zu gehen. Schlau genug, Massenvernichtungswaffen zu entwickeln, und dumm genug, sie auch einzusetzen.

Das antiquierte landwirtschaftliche Gerät musste ich hochmoderner Mensch des Computerzeitalters erst noch in Gang kriegen. Ohne praktische Vorführung aus dem nicht mehr verfügbaren Internet und ohne schriftliche Anleitung aus einem Buch – auch das war als viel zu selbstverständlich erachtet worden, um es aufzuschreiben –, musste ich mich an alten Fotos orientieren.

Das Geschirr zum Wagenziehen war einfacher anzulegen gewesen als das zusätzliche Rahmenwerk für den Pflug. Der Pflug selber war eigentlich für zwei Zugtiere ausgelegt und auch nicht gerade leicht zu manövrieren.

Der Aufbau des Gerätes war dagegen denkbar einfach. Zwei klassische Holzspeichenräder mit Eisenringen auf den Laufflächen waren über eine kurze Querachse mit der langen Längsachse verbunden. Am vorderen Ende der Achse war die Deichsel für die Zugtiere, am hinteren Ende die keilförmige metallene Pflugschar mit den nach hinten ausgestellten Flügeln. Etwa im 45-Grad-Winkel dazu stand eine Lenkgabel mit zwei V-förmig angeordneten Griffen in die Höhe. Die waren zum Drauflehnen. Man musste feste drücken, Gewicht drauflegen und zugleich die Spur halten. Lenken konnte man mit dem Pflug selber nicht, das funktionierte über die Zugtiere.

In einer Hand die Zügel zum Lenken, in der anderen einen Handgriff des Pfluges, hatte ich bessere Chancen mir selber den Fuß zu pflügen, als eine vernünftige Rinne in den Boden zu bekommen. Immer wieder hüpfte die Metallklinge in die Höhe, wenn sie einen Stein traf oder alles kippelte munter hin und her, oder ich ließ die Zügel fallen oder verhakte sie an den Griffen oder, oder, oder... Aaarrggg!

Betzi war willig und geduldig, aber konnte mir über ihre Muskelkraft hinaus auch nicht helfen. Blinki nutzte die Pausen, die ich zum Kampf mit Riemen, Ketten und Pflugschar brauchte, für Trinkpausen zum Grasrunterspülen. Die beiden grasten das Grünzeug um sich herum ab, während ich schimpfend herumsprang und versuchte, mich zu entknoten. Rumpelstilzchen in weiblich.

Es war zum Mäuse melken. Eigentlich hätte ich beide Hände an die Griffe des Pfluges legen sollen. Nur so würde in gerader Wirkung von oben mein ganzes, beträchtliches Gewicht sinnvoll einwirken und von hinten nachschieben können. Aber Betzi konnte ja schließlich keine Gedanken lesen und nicht wissen, ob ich vorwärts, links oder rechts wollte, oder gar anhalten. Außer…

Jetzt zahlte sich die Intelligenz meiner angeblich „blöden Kuh“ aus. Innerhalb eines einzigen Nachmittags lernte sie auf akustische Kommandos zu reagieren. Mit der Zunge schnalzen hieß vorwärts, Ho war stopp. Links und rechts konnte sie akustisch irgendwie nicht auseinanderhalten, also machten wir Lii und Raa daraus. Das klappte.

Zwar hatten wir an dem Tag keine einzige Furche für die Aussaat zustande gebracht, weil wir das Kommandotraining ohne Pflug gemacht hatten – vorwiegend um Verletzungen zu vermeiden –, aber es hatte sich trotzdem gelohnt. Als Belohnung bekam das Rind einen ganzen Schubkarren voll frischem Gras von der anderen Bachseite zusätzlich in den Stall.

Am nächsten Tag starteten wir durch. Betzi legte sich voll in die Riemen und ich mich auf die Pfluggriffe. So hatten wir schon bis Mittag die Hälfte der Fläche fertig gepflügt, die für die Feldfrüchte herhalten sollte. Zum Abend waren wir fertig – nicht nur mit Pflügen. Die Linien waren halbwegs gerade und tief genug. Zum Teil hatten wir einzelne Furchen zweimal nachgehen müssen, um weit genug in den recht harten Boden zu kommen. Aber nun wussten wir, wie es ging. Und eine aus der Entfernung lenkbare Kuh war nicht zu verachten.

Betzi schien fast ein wenig stolz auf ihre geleistete Arbeit zu sein. Das durfte sie auch. Alleine hätte ich das nie hinbekommen. Einträchtig nebeneinander begutachteten wir unser Werk. Und Blinki bestaunte neugierig die komischen Furchen zu ihren Füßen. Die Kleine beschloss kurzerhand, sie schon mal direkt an Ort und Stelle mit frischem, warmem Dünger zu versehen.

Bislang hatte ich die Hinterlassenschaften unserer kleinen Wohngemeinschaft ausschließlich auf den Komposthaufen entsorgt, das würde zusammen mit den üblichen Garten- und Küchenabfällen im Lauf des Jahres guten Humus geben. Sobald die ersten Pflanzen in der Erde waren und anfingen zu wachsen, käme der Mist der Hühner und Kühe in verdünnter Form aufs Feld oder würde zum Durchziehen einen extra Platz bekommen. Dem Winterroggen, den ich schon im Oktober ausgesät hatte, wollte ich den Düngerschub noch nicht zumuten.

Der eine Tag Verzögerung, mit dem wir das Pflügen erledigt hatten, erwies sich als das Beste, was uns hatte passieren können. Nach zwei frostfreien Wochen hatte es sich das Wetter noch einmal anders überlegt. Just an dem Tag, an dem ich Mais und Dinkel hatte in den Boden bringen wollen, war morgens alles gefroren. Die Frühbeete waren mit Vlies abgedeckt, denen fehlte nichts, aber das wertvolle Saatgut, das uns drei über den nächsten Winter bringen sollte, wäre verloren gewesen.

„Oh Mann, Betzi. Da hatten wir Schwein, dass ich mich mit dem Pflug so angestellt habe.“ Noch in der Stalltür machte die Kuh kehrt, beim Anblick des weiß überzogenen Grases. Sie schien direkt zu schaudern, machte zwei Schritte rückwärts und drehte sich um. Ihr warmer Stall sprach sie heute mehr an. Blinki wollte trotzdem raus. Sie probierte, sich an ihrer Mutter vorbeizuschieben. Der Ausbruchsversuch endete jäh mit einem lauten Muhen von Mama und einem ausgestreckten Bein, das dem Kalb den Weg versperrte.

„Recht hast du. Da will ich auch nicht raus. Machen wir uns heute einen gemütlichen Tag im Haus.“ Vor Blinkis enttäuschter Nase schloss sich die Tür zur Freiheit.

Die letzten etwa zweieinhalb oder drei Wochen waren wir fleißig gewesen, so war ein fauler Tag schon mal drin. Gegen Mittag sollte es hoffentlich warm genug sein, das Haus zu verlassen. Bis dahin musste Betzi sich mit einem Arm voll Heu begnügen und ich machte mich daran, die nächsten Sämlinge in meinem Wohnzimmer vorzuziehen.

Die Kartoffeln kamen ins Licht zum Keimen. Die Kerne von Kürbissen, Zucchini, Melonen und Gurken gehörten in Töpfe, damit die Pflänzchen daraus bis Mitte Mai groß und robust genug waren, dass sie mit den Nacktschnecken und Wühlmäusen klarkommen würden. Die entsprechende Jauche gegen die nagenden Mistviecher konnte ich leider in Ermangelung grüner Blätter noch nicht ansetzen. Die Holunderbüsche hatten gerade die ersten Knospen angesetzt, als der Frost zuschlug.

Gegen Mittag legte ich Holz im Kachelofen nach und fütterte die Tiere doch noch mal im Stall. Es war nicht wärmer geworden. Dicke Wolken zogen auf, die nach Schnee aussahen. Starker Wind peitschte die Bäume. Bei so einem Wetter jagt man keinen Hund vor die Tür.

Nur Menschen mussten sich selbst rausjagen. Bei dem angehenden Sturm war es notwendig, die Abdeckungen der Frühbeete stärker zu sichern, damit sie nicht davonflogen. Ein paar weitere Steine, Pflöcke und Wäscheleinenstücke sollten hoffentlich reichen.

Nach der Fixierung der Abdeckungen holte ich noch eine Kiste Holz ins Haus. Bei den trüben Aussichten war es geschickter, mit durchgetrocknetem Holz gut heizen zu können. Und ein weiterer breiter Eimer voll Erde gesellte sich ins Wohnzimmer, weil ich beschlossen hatte, die Sonnenblumen in dem Fall auch im Haus keimen zu lassen.

Das war eine weise Entscheidung gewesen. Am Abend setzte Schneefall ein, am Morgen war alles weiß. Drei Tage lang schneite es immer mal wieder ein bisschen mehr, das tödliche Weiß blieb eine ganze Woche lang liegen. Ob die Radieschen, Möhren und Co. das überlebt hatten?

Ich konnte von Glück sagen, dass sich unter dem Schnee noch Gras ausgraben ließ, das Betzi und Blinki schubkarrenweise bekamen, sobald es aufgetaut war. Das bisschen Heu von ihrem Heimathof war bereits aufgebraucht und meine Milchmädchenrechnung, dass mein Vieh ja ab März draußen grasen und sich so selbst versorgen konnte, war nicht aufgegangen.

Dazu, wie viel eine Kuh pro Tag fressen musste, gab es verschiedene Vorgaben, die teils stark variierten, je nach Art des Futters und Rasse des Rindes. Bei frischem Futter sollten es für eine erwachsene Kuh fünfzig bis achtzig Kilo sein, je nachdem, welchen Autor man zu Rate zog. Heu war ergiebiger, da reichten 15 bis 20 Kilo bei normalen Rindviechern. Wie viel ein Kalb brauchte, das ja auch noch zusätzlich Milch trank, stand nirgends.

Da es nicht in Frage kam, dass Betzi Hunger litt, noch dazu, wo sie Blinki zum Teil miternähren musste, sah ich mich gezwungen, außerhalb meines geschützten Kerngartens Futter für sie zu sammeln. Es war äußerst beschwerlich, den Schubkarren durch den Schnee über unebenen Grund zu schieben. Immer wieder trat ich in Löcher, die vom Schnee versteckt gewesen waren, knickte mehrfach um, oder das Rad des Schubkarrens hing an etwas fest, das man nicht sehen konnte.

Zusätzlich noch den Schnee zur Seite wühlen, um darunter an das verdeckte Gras zu kommen, brachte mich ins Schwitzen. Es dauerte ewig, die Metallwanne auf Rädern wenigstens halb voll zu bekommen. Wenn das so weiter ginge, wäre mein Selbstversorger Abenteuer schon vorbei, bevor es auch nur richtig begonnen hatte.

Missmutig schob ich den Karren ein paar Meter weiter, wühlte mich dort durch die Schneedecke, riss mit beiden Händen das dürre Gras aus, warf es auf den allzu langsam wachsenden Haufen und bemerkte eine Bewegung aus dem Augenwinkel. Beim zweiten Hinsehen traf mich der Schreck meines Lebens. Ein paar dreckige Winterstiefel erschienen vor mir.

Ich schoss nach oben, machte zugleich einen Schritt rückwärts und wäre auf dem Hintern gelandet, hätte mein alter Nachbar mich nicht schnell am Arm gegriffen. Mit dem Einsiedler hatte ich wirklich nicht gerechnet. Der kam höchstens einmal im Monat von selbst hinter seiner ebenso hohen wie breiten Hecke hervor und war dann meist eher einsilbig. Meist. Heute überforderte er mich richtiggehend mit seinem Redeschwall. Er hatte mich losgelassen und warf einen kritischen Blick auf meine Ausbeute.

„Wenn du deine Kuh und das Kalb so satt bekommen willst, wirst du den ganzen Tag beschäftigt sein. Ist auch nicht gut für sie. Hast du noch Marmelade?“

„Äh…“ Wieso Marmelade? Fressen Kühe Marmelade? Woher weiß er von meiner Kuh? Und wieso ist Gras nicht gut?

„Hast du noch Marmelade?“, wiederholte er.

„Ja.“

„Gut, hol zwei Gläser und komm mit dem Schubkarren zu mir rüber. Ich tausche gegen Heuballen.“

„Ach so. Oh, gut. Ja, gerne.“

„Ich will Kirsche und Stachelbeere.“ Seine Vorlieben waren anscheinend noch die Gleichen wie eh und je.

„Kirsche ist aus. Wie wäre Erdbeere?“

„Nein, die Kerne klemmen sich unter die Prothese.“ Oder doch nicht die gleichen Vorlieben.

„Johannisbeer-Holunder-Gelee?“, schlug ich vor.

„In der Mischung deiner Großmutter? Gott hab sie selig.“

„Ja.“

„In Ordnung.“ Er marschierte los zu seinem Grundstück, ich stapfte so schnell es ging ebenfalls durch den Schnee. Mit dem Schubkarren zurück zum Weg, dann durch den ganzen Garten zum Haus. Das Gras kippte ich drinnen in der Nähe der Tür aus, damit die Kühe es nicht im gefrorenen Zustand hinunterschlingen würden. Betzi sah vorwurfsvoll das winzige Häuflein Gras an.

„Gedulde dich noch ein wenig. Wir bekommen Heu.“ Weitere Erklärungen mussten warten. Zunächst zog ich die nassen Stiefel aus, rauschte in die Speisekammer, suchte das geforderte Tauschgut aus dem untersten Schrankfach hervor, zog trockene Wollsocken und Gummistiefel an, und machte mich wieder samt Schubkarre auf den Weg. Die lange Strecke, über den Feldweg. Das schmale Seitentor zwischen unseren Häusern war eingewachsen, vom Schnee verklemmt und der Weg über die zugeschneite Wiese wäre trotz kürzerer Strecke bestimmt nicht schneller gewesen.

Der Nachbar erwartete mich bereits an seinem Tor.

„Komm mit zur Scheune.“

Dem Kommando folgend bog ich nach dem Tor links ab und folgte ihm auf dem Fuße. In seiner gigantischen Scheune hatte ich als Kind Verstecken mit den kleinen Katzen gespielt, die dort in regelmäßigen Abständen zur Welt kamen. Wie üblich hatten sich die Ballen zum Ende des Winters hin erheblich reduziert. Im Herbst stapelten sie sich über die gesamte Grundfläche hinweg bis unter die Decke des riesigen Gebäudes. Gegenwärtig war noch etwa die Ladung eines Siebentonners an Heu und ebenso viel Stroh vorhanden.