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Natürlich schlafen. Warum Schlaf so wichtig ist, wie wir besser einschlafen und erholt aufwachen. Gesunder Schlaf: der Schlüssel zu ganzheitlicher Gesundheit! Schlafprobleme haben sich zu einer regelrechten Volkskrankheit entwickelt. Viele Menschen suchen nach Lösungen, um ihre Einschlafprobleme in den Griff zu bekommen oder um besser durchschlafen zu können. Hans Gasperl hat sich als Arzt intensiv mit dem Thema Schlafstörungen beschäftigt und gibt in diesem Ratgeber sein vielfältiges Wissen weiter. - Hellwach mitten in der Nacht: Alle Ursachen für unruhigen Schlaf, Ein- und Durchschlafprobleme - Ausführliche Schlafberatung: Sind Sie ein Lerchen- oder ein Eulen-Schlaftyp? Welche Faktoren für unseren Lebensrhythmus entscheidend sind - Hilfe zur Selbsthilfe: Alles über den gesunden Schlafplatz und die optimale Schlafdauer - Wohldosierte Hilfe: Tipps zu pflanzlichen und anderen natürlichen Schlafmitteln aus der Naturheilkunde - Guter Schlaf in unterschiedlichen Lebensphasen: Wie er sich in der Pubertät oder den Wechseljahren verändert Der Schlaf: Bedeutung der Nachtruhe für einen gelungenen Tag Viele Menschen finden nachts keine Ruhe und sind im Alltag erschöpft. Nicht selten ist es ein Teufelskreis aus falschen Gewohnheiten und Rhythmen, der dazu führt. Doch dagegen lässt sich etwas tun! Hans Gasperl zeigt in seinem Schlaf-Buch einen ganzheitlichen Ansatz: Er erklärt die unterschiedlichen Schlaftypen und die Bedingungen, unter denen guter Schlaf gelingen kann. Mit Hilfe von Erkenntnissen aus der Salutogenese- und Insomnie-Forschung gibt er seinen Leser:innen das Werkzeug in die Hand, ihren Schlaf selbst zu untersuchen und ihren Schlafzyklus zu verstehen. Das Buch bietet viele Tipps zum Schlafen und Ideen, wie die Nachtruhe mit neuen Gewohnheiten, Naturheilverfahren und besserer Schlafhygiene wieder ruhiger werden kann.
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Seitenzahl: 167
Veröffentlichungsjahr: 2025
Dr. Hans Gasperl
Warum Schlaf so wichtig ist,wie wir besser einschlafen underholt aufwachen
Sämtliche Angaben in diesem Werk erfolgen trotz sorgfältiger
Bearbeitung ohne Gewähr. Eine Haftung der Autoren bzw.
Herausgeber und des Verlages ist ausgeschlossen.
1. Auflage © 2025 Servus Verlag bei Benevento Publishing Salzburg – Wien, eine Marke der Red Bull Media House GmbH, Wals bei Salzburg
Alle Rechte vorbehalten, insbesondere das des öffentlichen Vortrags, der Übertragung durch Rundfunk und Fernsehen sowie der Übersetzung, auch einzelner Teile. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotografie, Mikrofilm oder andere Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.
Gesetzt aus der Palatino und der Milo Serif
Covergestaltung: Isabel Neudhart-Haitzinger
Einband-, Innenteilgestaltung und Satz: b3K design / Andrea Schneider, diceindustries
Coverbild: istock / AlxeyPnferov
Illustration Innenteil: istock/cnythzl, außer S. 191: Claudia Meitert / carolineseidler.com
Lektorat: Dr. Arnold Klaffenböck
Medieninhaber, Verleger und Herausgeber:
Red Bull Media House GmbH
Oberst-Lepperdinger-Straße 11–15
5071 Wals bei Salzburg, Österreich
ISBN: 978-3-7104-0394-1
eISBN: 978-3-7104-5096-9
»Süßer Schlaf! Du kommst wie ein reines Glückungebeten, unerfleht am willigsten.Du lösest die Knoten der strengen Gedanken,vermischest alle Bilder der Freude und des Schmerzes,ungehindert fließt der Kreis innerer Harmonien,und eingehüllt in gefälligen Wahnsinnversinken wir und hören auf zu sein.«
Johann Wolfgang von Goethe, »Egmont«
Schlaf – Hüter unseres Wohlbefindens
Ein Fundament der Gesundheit
»Schlafordnung«
Licht und Zeit, die Taktgeber des Schlafs
Chronobiologie
Ein ungewöhnliches Experiment
Signale an und von unserer inneren Uhr
Schlaf, der Helfer zur Gesundheit
Salutogenese
Was unseren Schlaf beeinflusst
Das Selye-Syndrom
Die Architektur gesunden Schlafs
Schlafzyklen
Phasen des Schlafs
Ein Nickerchen zwischendurch?
Wo der Schlaf Gefahr sein kann
Schlaf und Gehirngesundheit
Was uns den Schlaf raubt
Antrainierte Schlafstörungen
Störenfriede des Schlafs
Wo Genuss zum Störfaktor wird
Die Temperatur – ein Regler guten Schlafs
Die richtige Schlafdauer
Rhythmus und Zeit
»Sommer-« oder »Winterzeit«?
Welcher Schlaftyp bin ich?
Wege zum guten Schlaf
Der Lösungsansatz
Empfehlungen aus der Naturheilkunde und der Wissenschaft
Körper – Geist – Seele: Psychosomatik
Der gute Schlafplatz
Strahlen – verborgene Kräfte aus der Erde
Zeit haben, Ruhe finden
Hilfe aus der Pflanzenheilkunde
Wie nütze ich die verborgenen Kräfte der Pflanzen?
Hausmittel für den guten Schlaf
Wasseranwendungen für den gesunden Schlaf
Waschungen und Güsse
Bäder
Wickel und Auflagen
Gesunde Nahrung, guter Schlaf
Alkohol – Förderer des Schlafs?
Schlafhilfe durch Homöopathie
Altern – der Schlaf als Jungbrunnen?
Schlaf und Demenz
Stoffwechsel und Schlafstörungen
Dysbalance der Botenstoffe
Zehn Tipps, um gut ein- und durchzuschlafen
Anhang
»Hast du gut geschlafen?« lautet eine häufig gestellte Frage. »Nicht gut geschlafen?« drückt dagegen Bedauern und Besorgnis aus, oder es klingt vorwurfsvoll und fordert die Betroffenen auf, aktiver zu sein, um die Schlafsituation zu verbessern. Gewiss ist jedenfalls, wir merken es deutlich, wenn wir »gut geschlafen« haben, dass wir uns im Tagesablauf wohl- und auch kraftvoll fühlen. Oft aber zeigt sich der Organismus müde, es besteht ein Gefühl von Erschöpftsein oder Unausgeglichenheit, Gedanken rattern unentwegt durch den Kopf – man kommt einfach nicht zur Ruhe und findet keinen erholsamen, gesunden Schlaf. Vielleicht hat man in einem Journal gelesen oder irgendwo gehört, dass anhaltende Schlafstörungen das Risiko für Schlaganfall erhöhen und sich auch anderweitig negativ auf die Gesundheit auswirken würden – ein Faktor, der uns nachts beschäftigt und den Schlaf fernhält. Angst ist jedoch in keiner Lebenssituation dem Wohlbefinden und der Ausgeglichenheit förderlich, schließlich sollten wir möglichst in einer Balance zwischen gutem und schlechtem Stress leben. Anhaltende Furcht aber stellt eine Form von Dauerdruck für unser Vegetativum, das Steuernervensystem des menschlichen Körpers, dar und wäre auf lange Sicht schädlich.
Belastend wirken sich negative Erfahrungen aus dem Schlafverhalten aus, man denke nur an Atemaussetzer im Schlaf oder das Schnarchen. Immer wieder wird über die tatsächliche bzw. die notwendige Schlafdauer diskutiert – dabei bedient man sich gerne der Argumente aus der Regenbogenpresse oder gibt »volkstümliche« Empfehlungen, aber nützt selten solche auf solidem wissenschaftlichen Fundament. Gewiss kommen Leute in Gesprächen um den Schlaf auch auf das Schlafmuster von sogenannten Eulen und Lerchen zu sprechen. Das sind Menschentypen, die entweder erst am Abend besonders unternehmenslustig sind und für die der »Tag« dann erst richtig anfängt, oder solche, die sprichwörtlich mit den Hühnern ins Bett gehen und längstens gegen 22 Uhr die Augen schließen. Die Chronobiologie kennt sogar noch eine dritte Gattung, die Interdifferenztypen, die mit jeder Tages- und Nachtzeit zurechtkommen. Das Thema Schlaf scheint ein weites und komplexes Feld zu sein, bei dem man angesichts der vielfältigen Aspekte den Überblick verlieren könnte. Was ist nun richtig beim Schlafen, und was mache ich falsch, sollte mir der Entspannung bringende, gesundheitsfördernde Schlaf wiederholt versagt bleiben?
In diesem Buch möchte ich versuchen, Schlafstörungen zu ergründen, ihre Ursachen aufzuzeigen und verständlich zu erklären. Darüber hinaus werde ich Empfehlungen beschreiben und immer wieder Tipps geben, die Ihnen, geschätzte Leserinnen und Leser, zur Anleitung und Hilfe dienlich sein sollten. Denn guter Schlaf muss eine erholsame Auszeit des geschäftigen Alltags sein und Energie für die herausfordernden Aktivitäten des nächsten Tages bringen. Dagegen bedeutet mangelhafter oder gar ausbleibender Schlaf ein Defizit für unseren Organismus. Um diesen möglichst lange vital und uns körperlich wie geistig fit zu erhalten, sollten wir alles dafür tun, um ein Optimum hinsichtlich der Schlafqualität zu erreichen.
Dafür ist es bedeutsam, wieder ein stärkeres Bewusstsein zu entwickeln, dass jedes menschliche Individuum den Rhythmen der Natur, also den Tages- und Nachtzeiten, unterliegt. Weil sie einen wichtigen Steuermechanismus für unser körperliches, psychisches sowie immunologisches Geschehen darstellen, liegen hier gleichsam die zentralen »Stellschrauben« für den gesunden, erquickenden Schlaf. »Richtig eingestellt« sorgen sie für optimale Abläufe und ideale Bedingungen, um ausreichend und wohltuend zu schlafen.
Die Schlafforschung zeigt heute auf, dass der Körper im Schlaf nicht in einen Zustand des »Nichtstuns« verfällt. Im Gegenteil, er arbeitet auf Hochtouren, weil währenddessen unzählige Prozesse von um- oder aufbauenden, hormonell steuernden und an den Nervenzellen des Gehirns (Neuronen) sich ändernde Aktivitäten ablaufen. Der Philosoph Arthur Schopenhauer (1788–1860) hat das gesunde Schlafgeschehen ganz richtig eingeschätzt, wenn er meint: »Der Schlaf ist für den ganzen Menschen, was das Aufziehen für die Uhr.«
Freilich sind Menschen keine Automaten, die einfach aufgezogen werden könnten oder nach Einwurf bestimmter Substanzen (wieder) reibungslos funktionierten, schließlich sind sie hochkomplexe Wesen, in denen elektrophysikalisch-chemische Prozesse ablaufen. Deren Steuerung unterliegt dem Stammhirn, das als übergeordnete Zentrale unser Dasein reguliert. Dieser entwicklungsgeschichtlich älteste Teil des Gehirns regelt und kontrolliert viele Lebensfunktionen wie Atmung, Verdauung, Herzschlag oder Blutdruck. Hier erfolgt die Produktion der Botenstoffe des Gehirns sowie die Verarbeitung sämtlicher Sinneseindrücke und motorischer Befehle.
Im Übergangsbereich zwischen Stamm- und Großhirn liegt das Zwischenhirn. Darin eingebettet ist eine etwa erbsengroße Drüse, die als Hypophyse bezeichnet wird und viele Hormonkreisläufe steuert. Ihre Signalstoffe (Steuerungsbotenstoffe) steuern verschiedene Drüsen bzw. Gewebe des Körpers über die Blutbahn an, um spezielle Hormone in Hormondrüsen zu bilden, oder Organe, die daraufhin ihre Wirkkraft entwickeln. Außerdem lenkt die Hypophyse unser vegetatives Nervensystem.
Von Botenstoffen bzw. Hormonen wird in dem Buch oft die Rede sein. Daher eine kurze Erklärung dieser biochemischen Substanzen, die von Hormondrüsen in den Blutkreislauf abgegeben werden. »Endokrin« bedeutet »nach innen abgebend«: Gemeint sind in die Blutbahn gelieferte Stoffe, die an ganz spezifische Rezeptoren andocken und bestimmte Stoffwechselvorgänge auslösen, regulieren und steuern. Sobald dies geschehen ist, haben die Steuerungsbotenstoffe ihren Dienst erfüllt. Sie werden im Körper abgebaut oder ausgeschieden.
Diese geheimnisvollen und naturgegebenen, von der Wissenschaft jetzt erforschten Abläufe steuern und regeln unsere gesamten Lebensfunktionen. Ein wichtiger Hüter unserer Gesundheit und unseres Wohlbefindens ist ein »idealer Schlaf« durch geregelte Rhythmen seines Verlaufs.
Gelegentliche Irritationen des Schlafs, welche Ursachen auch immer dahinterstecken mögen, sind noch kein Krankheitsgeschehen und führen auch (noch) nicht zu dauerhaften gesundheitlichen Problemen. Hier kann von einem harmlosen Geschehen gesprochen werden, mit dem der menschliche Organismus zurechtkommt. Anders verhält es sich aber bei anhaltenden Schlafstörungen. Da tritt vermehrte Müdigkeit tagsüber auf, und die geistige (kognitive) Wahrnehmung kann gestört sein. Hier ist es von Bedeutung, ob solches Geschehen nur kurzfristig gegeben ist oder aber ob die Schlafstörung zu einem chronischen, also anhaltenden Zustand wird. Das Krankheitsbild der Insomnie, die chronische Störung des Einschlafens und des Durchschlafens, werden wir gemeinsam betrachten.
Guter Schlaf ist ein wichtiges Fundament, ein Grundbedürfnis für unser ganzes Leben. Nicht jede Schlafstörung geht mit schweren Gesundheitsproblemen einher – kann aber, wenn sie lange anhält, Körper und Psyche schwer belasten und sollte daher kein Dauerzustand sein. Eine Schlafstörung entsteht im Allgemeinen ja nicht spontan, sondern entwickelt sich langsam. Deswegen brauchen wir wiederum Geduld, also »Regulierungszeit«, um erneut ein gutes Schlafgeschehen aufzubauen.
Zeit zu haben, erscheint in unserer hektischen Leistungs- und Freizeitgesellschaft problematisch, sollte nach heutiger Empfindung doch jede Störung sofort behoben sein. Leider wird dabei häufig nur das Symptom behandelt und nicht der Mensch als Ganzes sowie die hinter den Alarmzeichen verborgenen Ursachen. Doch es gilt, Schlafstörungen gezielt anzugehen, sobald der Auslöser dafür gefunden worden ist – und zwar mit einer Mischung aus Ursachenforschung, geduldigem Zeithaben und konsequentem Handeln.
Das passende, stimmige »Schlafumfeld« und das eigene Verhalten in Balance zu bringen oder wieder zu erhalten, muss für uns die Leitlinie werden. Dies versuche ich immer wieder zu vermitteln. Ein geistiger Vater dazu war mir Sebastian Kneipp (1821–1897) mit seinen Gedanken und Empfehlungen zur Regulierung der »Lebensordnung«, besonders seine Kernaussage: »Im Maße liegt die Ordnung, jedes Zuviel und jedes Zuwenig setzt an Stelle der Gesundheit Krankheit.« Diese Botschaft scheint mir im Zusammenhang mit dem Thema Schlafqualität von besonderer Wichtigkeit.
Während meines Medizinstudiums kam dem Thema Schlaf und seinen komplexen Zusammenhängen eigentlich kaum Bedeutung oder größere Aufmerksamkeit zu. Bei meiner Ausbildung zum Turnusarzt und in der Praxis wurde ich damit aber schnell konfrontiert. Im Krankenhaus erzählte mir eine Patientin, dass sie die ganze Nacht keine Minute schlafen könne, und dies nahezu jede Nacht. Begab ich mich nachts in ihr Krankenzimmer, um nachzusehen, wie ihr Schlafzustand sei, ließ sich ein fester Schlaf beobachten. Ich habe einmal sogar das Nachtkästchen weggetragen, ohne dass die Patientin dies wahrnehmen konnte, und die Betroffene war darüber verwundert, wie dies möglich sein könne, zumal sie »auch heute kein Auge zugemacht« habe. So rätselten wir beide über ein ungeklärtes Phänomen, doch ein Medikament zum Schlafen erhielt die Patientin, entgegen ihrem Wunsch, von mir nicht.
Jedenfalls wurde mir klar, dass es offensichtlich eine subjektive und eine objektive Schlafempfindung gibt und für diese Person ein Weg gefunden werden musste, um belastenden Druck abzubauen, einen möglichen Auslöser zu benennen und in der Folge »auszuschalten«. Bei einer fachlichen Ausbildung zum Neurologen oder Psychologen würden die Ausbildungskriterien gewiss andere sein, dachte ich mir, ich bin kein »Schlafmediziner«. Inzwischen gibt es Schlaflabore sowie Forschende, die die Auswirkungen und Ursachen von Schlafstörungen auf hohem wissenschaftlichen Stand abklären.
Seit 1991 besteht in Österreich eine eigene wissenschaftliche Fachgesellschaft, die es sich zum Ziel gesetzt hat, den Schlaf und seine Störungen zu erforschen. Ihre Aufgabe sieht sie darin, »einheitliche Standards zur Diagnostik, Dokumentation und Therapie von Störungen des Schlafs und des Schlaf-Wach-Rhythmus für Österreich festzulegen« (https://schlafmedizin.at). Schlafmedizin ist jetzt ein breites interdisziplinäres Fachgebiet mit Mitgliedern aus verschiedenen Berufsrichtungen, darunter Ärztinnen und Ärzte der Neurologie, Psychiatrie, Pulmologie, inneren Medizin, HNO-Heilkunde, Pädiatrie, Zahnmedizin; ferner Praktizierende aus den Richtungen Physiologie, Psychologie, Biologie, biomedizinische Analytik und Informatik sowie weiteren naturwissenschaftlichen Disziplinen. Personen mit Schlafstörungen können Informationen bei ihrem Vertrauensarzt oder auf der Homepage der erwähnten Fachgesellschaft (https://schlafmedizin.at/de/patienteninformation) einholen. Außerdem gibt es nunmehr ein großes Spektrum an aufklärenden Fachbüchern sowie populärwissenschaftlicher Literatur, von denen Sie einiges hinten im Buch versammelt finden.
Der Schlaf und alle seine Begleitumstände haben sich zu einer eigenen Wissenschaft herausgebildet. Zur Somnologie – so heißt die Lehre vom Schlaf – gehört neben der Schlafforschung auch die Schlafmedizin.
Mein Wunsch ist, dass Sie im Schlaf Erholung für Körper und Geist finden und nicht jede Nacht als Qual empfinden. Ob es sich nun um Ein- oder Durchschlafstörungen handelt: Zunächst müssen die Ursachen erkundet werden. In meiner ärztlichen Praxis als Allgemeinmediziner habe ich die Erfahrung gemacht, dass Patientinnen und Patienten auf unterschiedliche Weise ihre Schlafprobleme mir gegenüber zum Ausdruck bringen: Manche sprechen bestimmte Gegebenheiten, sie störende Empfindungen gezielt an. Bei Vorhandensein unklarer körperlicher oder psychischer Zustände und Missempfindungen, die mir von den Betroffenen berichtet werden, nähere ich mich durch Fragen der möglichen Quelle an, die solche »Störungen« erzeugt. Bei sich langsam entwickelnden und später anhaltenden Beschwerden einer Schlaflosigkeit/Schlafstörung in ihrer ganzen Breite ohne fühlbaren Erholungswert ist es unabdingbar, nach der Wurzel des Übels zu suchen, das jemanden tatsächlich »um den Schlaf bringt«!
Die Erfahrung lehrt, dass es hierfür viele Auslöser gibt. Dazu gehören Sorgen unterschiedlichster Art, die uns belasten, falsche Ernährungsweise, vielleicht auch Mangel an ausgleichender Bewegung, die Qualität des Schlafzimmers oder des Bettes. Andere hängen womöglich vom Alter, von beruflicher Belastung bzw. berufsbegleitenden Umständen oder vielleicht vom psychosozialen Befinden ab. Dazu kommt, dass jedes bestehende Problem eine absolut subjektive Bedeutung – ich möchte sagen: seine eigene Qualität des Empfindens – hat. Leidet etwa ein Kind an Problemen in seinem schulischen Umfeld – woher rührt seine schlafstörende Angst? Ist »Schulversagen« oder Mobbing der Auslöser oder doch – dies ist erfahrungsgemäß recht häufig – ein Mangel an Zuwendung? Hier sehen wir, dass der Zugang zur Behandlung einer Schlafstörung ein sehr breit gestreuter und dennoch enger ist. Oftmals werden mehrere Auslöser vermutet oder behauptet. Bei genauem Nachfragen ist dann eine bestimmte Ursache der Auslöser des sich verbreitenden Problems, der Beginn einer unguten emotionalen und körperlichen Kettenreaktion. Es gehört eben der Mensch in seiner Gesamtheit behandelt und nicht bloß der Befund – hier die Aussage: »Ich kann nicht schlafen«.
Am schwierigsten ist es immer, so meine Beobachtung, seelische Probleme an die Oberfläche zu bringen, da diese oft lange Zeit unterdrückt werden. Hier zeigt sich bei den Betroffenen oftmals eine gewisse Gespaltenheit der Gedanken zwischen Verdrängung und Verbergen. Die Leidtragenden möchten bestimmte Belastungen einfach nicht wahrhaben, obwohl diese psychisch ordentlich als Ruhestörer im Verborgenen wirksam sind. In solchen Situationen verlangen Menschen dann gerne ein Schlafmittel, Körper und Psyche gewöhnen sich schließlich an einen künstlich herbeigerufenen Schlaf, die Ursache ist allerdings weiter verborgen. Durch regelmäßigen Gebrauch gewöhnen sich nicht wenige belastete Personen an jene »Hilfsmittel« oder benötigen eine immer höhere Dosis des Schlafbringers. Damit setzt sich ein Teufelskreis in Gang, dieser scheint zunächst bequem zu sein, bietet auf Dauer jedoch nicht wirklich Hilfe. Zielführender ist es, durch das Erkunden und Verstehen von Zusammenhängen einen Weg zu finden, auf dem wir unser natürliches Schlafmuster zurückgewinnen, das sowohl dem Körper als auch der Psyche Ausgleich und Regeneration schenkt.
Gerade die Symptome der Tagesmüdigkeit, Antriebslosigkeit und geschilderter frühmorgendlicher Startschwierigkeiten, neben angedeuteten Stimmungsschwankungen, haben mich als Arzt zu ausführlichen Gesprächen mit den Ratsuchenden »verleitet«. Nicht wenige körperlich-psychische Schwierigkeiten vermutete oder sah ich dann in einem Erholungsdefizit, offensichtlich durch gestörten Schlaf. Besonders hier musste erst der Auslöser und anschließend der Türöffner gefunden werden, um eine Änderung des störenden körperlich-psychischen Zustands herbeizuführen. Es geht darum, einen Weg der Heilung einzuschlagen, der das körpereigene Regulationsgeschehen in die korrigierende Richtung bringt, damit sich erneut erholsamer Schlaf und Wohlbefinden einstellen. Mit modernen Pharmaka lässt sich eine Einschlaf- oder Durchschlafstörung zudecken, das ist aber nur kurzfristig sinnvoll. Die notwendige Ursachenbehebung ist aufwendiger. Sie verlangt, sich Zeit zu nehmen und Zuwendung zu geben, um solche Störungen beheben zu können.
Als Hausarzt war es mir immer wichtig, die Ursachen und Auslöser für gesundheitliche Schwierigkeiten zu erkennen und den Betroffenen Wege zur Selbsthilfe aufzuzeigen – so auch beim Schlaf. Bezogen auf anhaltende Schlafstörungen kennt die medizinische Fachwelt eine große Zahl an Begriffen, die in der International Classification of Sleep Disorders (ICSD) definiert sind. Deren exakte Identifizierung sei den Schlafmedizinern und Schlaflaboren überlassen, die ganz spezifische Ursachen erforschen und therapieren.
Wir hingegen konzentrieren uns auf die individuellen Situationen der Störung und wollen deren Ursachen ergründen. Mitunter sind es ganz einfache Auslöser, bei denen pflanzliche Mittel gut helfen können. Oftmals lassen sich etwa die abendlichen Essgewohnheiten als Störenfriede für gutes Ein- oder Durchschlafen enttarnen. An die Anwendung verschiedener Medikamente als Störursache ist auch zu denken – ebenso an Nikotin, Alkohol, Koffein. Was ist bei Personen los, die berichten, einen guten, ruhigen Schlaf zu haben, und dennoch nicht richtig in den Tag hinein starten können? Sie fühlen sich antriebslos und ohne Kraft. Ist doch ein versteckter Schlafmangel gegeben, oder liegt der Auslöser in der Irritation der »inneren Uhr«, wie das bei Menschen geschieht, die Schichtarbeit leisten? Vergessen wir nicht das Schnarchen, diesen zweifellos sehr lästigen Schlafbegleiter, besonders auch für den Bett- oder sogar den Zimmernachbarn. Was steckt dahinter, sollte beim Schnarchen die Atmung länger aussetzen? Der auftretende Sauerstoffmangel birgt ein hohes Gefahrenmomentum, das wir nicht unterschätzen dürfen.
In Anlehnung an Kneipp, der eine der fünf Säulen seines Konzepts als »Lebensordnung« bezeichnet, möchte ich von »Schlafordnung« oder »Schlafregulierung« sprechen. Denn darum geht es schließlich: positive Voraussetzungen zu schaffen und geeignete Methoden anzuwenden, die dem menschlichen Wohlbefinden dienen und der Gesundheit zuträglich sind!
Wenden wir uns jetzt jenen beiden Faktoren zu, die gleichsam als Taktgeber und Dirigent zugleich uns Menschen von Natur aus vorgegeben sind und die biologischen Rhythmen im Körper beeinflussen. Zunächst ist es das Licht, welches jegliches Leben steuert und reguliert. Schon in der Genesis, der biblischen Schöpfungsgeschichte, wird eine Geschichte erzählt, die erklären will, wie alles erschaffen wurde. Gleich zu Beginn ist die Rede vom Licht. So heißt es: »Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht. Gott sah, dass das Licht gut war. Und Gott schied das Licht von der Finsternis. Und Gott nannte das Licht Tag und die Finsternis nannte er Nacht. Es wurde Abend und es wurde Morgen: erster Tag.« Folglich können wir auch sagen, dass hier der Anbeginn der Rhythmen unseres Kosmos gegeben war und alle »Natur« seit damals durch Tag und Nacht – durch die Zeitabläufe – gesteuert wird.
Verlassen wir nun die religiös-philosophischen Gedanken und widmen uns mehr den naturwissenschaftlichen Tatsachen. Versuchen wir im Folgenden, Licht und Dunkelheit in ihrer gesundheitlichen Bedeutung zu erfassen, um ihre Relevanz für den Schlaf zu verstehen.
Die Welt, unsere Schöpfung, ist voller Wunder, und wir Menschen beobachten verschiedenste Abläufe und streben danach, ihre Geheimnisse zu lüften. Seit jeher arbeiten Forschende mit ihrer Beobachtungsgabe und einem hohen Maß an Intuition daran. Die Triebfeder wissenschaftlichen Entdeckens und Erklärens ist der menschliche Verstand unter Einbindung aller Sinne.
So verhielt es sich auch mit der Beobachtung des französischen Geophysikers und Astronomen Jean Jacques d’Ortous de Mairan (1678–1771). Der Naturkundler beobachtete die Eigenheit von Mimosen (Mimosa pudica), die auf Erschütterung mit Blattbewegungen reagieren, jedoch genauso auf Veränderungen der Lichtintensität, insbesondere von Tag und Nacht. Sein Experimentiergeist veranlasste ihn zur Durchführung eines Versuchs. De Mairan stellte Mimosen in einen abgedunkelten Raum und wollte sehen, welche Reaktionen bei ständig anhaltender Dunkelheit festzustellen wären. Und de Mairan sah Staunenswertes: Die Pflanzen führten Bewegungen, die sie im Tagesverlauf vollzogen, auch bei anhaltender Dunkelheit aus, lediglich mit geringen Abweichungen. Daraus folgerte der Wissenschaftler, dass ein innerer (endogener) Mechanismus gegeben sein muss, der diese Aktionen steuert.
Auch der schwedische Naturforscher Carl von Linné (1707–1778) beschrieb, dass Pflanzen zu gewissen Tageszeiten ihre Blüten öffnen, offensichtlich, um zu jenem Zeitpunkt von Insekten befruchtet zu werden, und kreierte nach den Eigenheiten der aufblühenden Pflanzen eine sogenannte Blumenuhr.
Damit war das Forschungsgebiet der Chronobiologie begründet, ein Wissenschaftszweig, der die zeitliche Organisation von physiologischen Prozessen in Lebewesen zu erklären sucht. Die zeitliche Steuerung (Organisation) aller Lebensprozesse, eigentlich jeder Zelle, erfolgt durch sogenannte innere Uhren. Der Freiburger Mediziner und Verhaltensphysiologe Jürgen Aschoff (1913–1998) gilt zusammen mit Erwin Bünning sowie Colin Pittendrigh als der Begründer des Wissenschaftsfelds der Chronobiologie.
