Nepal. Das Kochbuch - Angkana Neumayer - E-Book

Nepal. Das Kochbuch E-Book

Angkana Neumayer

0,0
27,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Nepal ist ein sowohl von indischen als auch von buddhistischen Bevölkerungsgruppen geprägtes Land. Das spiegelt sich in der Kultur, den Festtagen und natürlich der Küche wider. Kichererbsengerichte (Dals), frittierte Gemüsebällchen (Pakoras), köstliche Teigtaschen (Momos), Currys – hier finden sich die ursprünglichen Rezepte der Gerichte, die die Welt liebt. In diesem zauberhaften Buch erklimmen wir die kulinarischen Höhen des Himalaya.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 165

Veröffentlichungsjahr: 2025

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhalt

Vorwort

EINLEITUNG

IM KATHMANDU-TAL UND ZENTRALNEPAL

IN DEN BERGEN

DAS TERAI

IN BHAKTAPUR

Ein herzlicher Abschied – namaste Nepal

Zutaten der nepalesischen Küche

Register der Rezepte

Über die Autoren

Impressum

Vorwort

Nepal, eingebettet zwischen China im Norden und Indien im Süden, ist ein Land voller kultureller, landschaftlicher und kulinarischer Schätze. Die Küche Nepals ist geprägt von diesen beiden mächtigen Nachbarn, doch sie ist weit mehr als nur die Summe ihrer Einflüsse. Schnell wurde mir klar: Nepalesische Gerichte erzählen ihre eigenen Geschichten – aromatisch, vielfältig und tief verwurzelt in den Traditionen dieses einzigartigen Landes.

Diese Reise führte uns zu faszinierenden Volksgruppen, deren Bräuche, Küchen und Lebensweisen uns immer wieder staunen ließen. Wir durchstreiften die alten, beeindruckenden Königsstätten im Kathmandu-Tal, erkundeten Bergdörfer und Tempel mit ihren magischen Zeremonien und begegneten der tibetischen Bevölkerung in entlegenen Dörfern. Überall wurden wir von einer Gastfreundschaft empfangen, die unser Herz berührte und uns immer wieder daran erinnerte, wie reich die nepalesische Kultur an Wärme und Menschlichkeit ist. Selbst die abenteuerliche Fahrt auf einer der gefährlichsten Straßen der Welt wurde durch die atemberaubenden Ausblicke auf die majestätische Landschaft belohnt.

Dieses Buch erhebt nicht den Anspruch, die gesamte Bandbreite der nepalesischen Küche abzubilden. Vielmehr spiegelt es meine persönlichen Favoriten wider – Rezepte, die mich mit ihrer Aromenvielfalt und Authentizität begeistert haben. Es ist mein Wunsch, Ihnen durch diese Gerichte einen Einblick in die kulinarische Welt Nepals zu geben und Ihre Lust zu wecken, diese köstliche Küche selbst zu entdecken.

Zwei kleine, aber magische Worte öffneten mir in Nepal unzählige Türen: »namaste« – die traditionelle Begrüßung mit gefalteten Händen – und »tanjiwat«, das Wort für »danke«. Diese einfachen Gesten und Worte schufen Verbindungen, die die Distanzen zwischen Kulturen und Sprachen überbrückten.

Ein besonderer Dank gilt meinem Guide Kashyup Bandit, General Manager von Kaleidoscopic Nepal (www.kalnepal.com) und seiner bezaubernden Frau Sudiksha Wagle. Durch deren Expertise konnte ich schon vor Sonnenaufgang an magischen Orten sein und am Abend in Dorfgemeinschaften mit einheimischen Frauen gemeinsam kochen.

Neben den Rezepten hoffe ich, dass die eindrucksvollen Bilder der verschiedenen Regionen Nepals Ihre Reiselust wecken und Sie dazu inspirieren, dieses wunderschöne Land selbst zu erleben.

Namaste und viel Freude beim Entdecken!

Angkana Sirisaeng

Die Geschichte des Himalaya-Landes

Nepal, ein Land voller Höhen und Tiefen, hat im Laufe seiner Geschichte immer wieder turbulente Zeiten erlebt. Geführt vom Newar-König Jayadharma Malla befreite sich Nepal im 14. Jahrhundert von der indischen Rajputenherrschaft und etablierte sich als unabhängiges Königreich.

Die darauffolgenden fünf Jahrhunderte waren geprägt von inneren Kämpfen und politischen Auseinandersetzungen. Die Nachfahren Jayadharma Mallas, die einst das vereinte Königreich regiert hatten, konnten dieses Erbe nicht bewahren, und das Land spaltete sich in vier Teile. Das Fürstentum Gorkha erlangte jedoch zunehmend an Macht und Einfluss und entwickelte sich schließlich zum stärksten Herrschaftszweig.

Nach dem anglo-nepalesischen Krieg von 1814 bis 1816, der mit schweren Verlusten für Nepal endete, kam es zu einer blutigen Machtergreifung durch Jang Bahadur Rana. In der Folge wurde das Amt des Ministerpräsidenten eingeführt, das jedoch fortan vererbbar war, was zu einer jahrzehntelangen Herrschaft der Rana-Dynastie führte. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde Gorkha in Nepal umbenannt, und der politische Wandel setzte sich fort.

Von 1996 bis 2006 erlebte das Land einen Bürgerkrieg, als die kommunistische Partei gegen die Monarchie und das hinduistische Kastensystem kämpfte. Der Konflikt, der das Land in einen blutigen Strudel stürzte, fand schließlich am 21. November 2006 ein Ende, als der Bürgerkrieg offiziell beendet und das Ende der Monarchie eingeläutet wurde. Ein neues Kapitel in der Geschichte Nepals begann, das von den Bestrebungen nach Freiheit, Gerechtigkeit und einer neuen politischen Ordnung geprägt ist.

Die Geografie Nepals

Nepal, ein Land von außergewöhnlicher Schönheit und geografischer Vielfalt, erstreckt sich 885 km von Osten nach Westen und 241 km von Norden nach Süden. Mit einer Gesamtfläche von etwas mehr als 147.000 km2, von denen etwa 4.000 km2 auf Binnengewässer entfallen, ist Nepal die Heimat von rund 30 Millionen Menschen.

Im Norden des Landes erhebt sich der majestätische Himalaya, mit dem Mount Everest (8.848 m) als höchstem Punkt der Erde. Der tiefste Punkt des Landes liegt hingegen in Kencha Kalan, etwa 200 km südlich des Everest, auf 70 Metern über dem Meeresspiegel. Damit ergibt sich ein beeindruckender Höhenunterschied von rund 8.780 Metern zwischen dem höchsten und tiefsten Punkt Nepals.

Über 40 Prozent des Landes liegen in Höhenlagen von mehr als 3.000 Metern, was Nepal, nach Tibet, zum zweithöchstgelegenen Land der Erde macht. Der Norden und Osten Nepals sind von riesigen Berggipfeln geprägt, die einen Großteil des Himalaya-Gebirges ausmachen. Neben dem Mount Everest befinden sich hier sieben weitere der zehn höchsten Gipfel der Welt.

Im Innenhof des Königspalasts im Kathmandu

Das Terai: bis 150 Meter Höhe

Im Süden Nepals liegt das Terai, eine Region, die vor allem durch ihre landwirtschaftliche Nutzung von Bedeutung ist. Mit ihren fruchtbaren Böden und dem milden, frostfreien Klima bildet sie das wirtschaftliche Rückgrat des Landes. Etwa 50 Prozent der Bevölkerung leben hier, und die Region wird zunehmend von landwirtschaftlichen Anbauflächen und Siedlungen geprägt. Besonders hervorzuheben ist der Chitwan-Nationalpark, der neben der Agrarwirtschaft eine wichtige Rolle für die wirtschaftliche Stärke der Region spielt.

Traditionelle Landwirtschaft im Terai:

Das Mittelgebirge: bis 3.000 Meter Höhe

Zwischen den gewaltigen Gipfeln des Himalayas und den Weiten des Terai erstreckt sich das grüne Mittelgebirge, das mit üppiger Vegetation und fruchtbaren Terrassenfeldern aufwartet. Der Ackerbau in dieser Region ist anspruchsvoller und wird nahezu ausschließlich auf angelegten Terrassen betrieben. Dennoch ist die Region Heimat von mehr als 40 Prozent der nepalesischen Bevölkerung. Der Tourismussektor ist hier ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, da zahlreiche Besucher die Region wegen ihrer atemberaubenden Landschaften und kulturellen Schätze bereisen.

Bauern bei der Ernte von Sojabohnen

Das Hochgebirge: über 5.000 Meter Höhe

Die hochalpine Region Nepals ist dünn besiedelt und lebt fast ausschließlich vom Tourismus. Entlang der Trekkingrouten, die internationale Gäste anziehen, sind kleine Bergdörfer entstanden, die zur lokalen Wirtschaft beitragen. Der Himalaya bildet eine natürliche Wetterscheide, weshalb sich das Klima auf der Nord- und Südseite stark unterscheidet. Während an den südlichen Berghängen der Monsunregen die Wolken anstaut und für ausgiebige Niederschläge sorgt, bleibt die Nordseite weitgehend trocken.

Der Annapurna, 8.091 Meter hoch, ist der zehnthöchste Berg der Erde

Nepals geografische Vielfalt und das Zusammenspiel von Bergen, Tälern und Ebenen machen das Land zu einem faszinierenden Ort, der durch seine atemberaubende Natur und außergewöhnliche geografische Gegebenheiten besticht.

Nationalparks

Nepal beherbergt einige der beeindruckendsten Nationalparks der Welt, die nicht nur durch ihre atemberaubende Natur bestechen, sondern auch durch ihre einzigartige Tierwelt und unberührte Landschaften. Die beiden bekanntesten Nationalparks sind der Chitwan- und der Sagarmatha-Nationalpark.

Chitwan-Nationalpark

Der Chitwan-Nationalpark, im südwestlichen Teil Nepals gelegen, erstreckt sich über 932 km2 und bildet mit seiner südlichen Grenze eine natürliche Barriere zu Indien. Im Osten grenzt er an das Parsa-Wildreservat (Parsa Wildlife Reserve). Der Park wird im Norden und Westen von den Flüssen Rapti und Narayani begrenzt, die gleichzeitig als natürliche Grenzen zu den angrenzenden Siedlungsgebieten dienen. Der Chitwan-Nationalpark bildet zusammen mit dem Parsa-Wildreservat und dem indischen Valmiki-Nationalpark die Tiger Conservation Unit (TCU) Chitwan, ein Schutzgebiet von mehr als 2.000 km2. Das subtropische Klima des Parks sorgt für ein aufregendes Naturerlebnis, bei dem die Temperaturen von Mai bis Juni auf bis zu 38 °C ansteigen können, während sie in den Wintermonaten von Dezember bis Januar bis auf 5 °C sinken. Hier trifft man auf Panzernashörner, Elefanten, Krokodile, Affen, eine Vielzahl von Vogelarten und Raubtiere. Mit etwas Glück kann man sogar einen bengalischen Tiger sichten.

Sagarmatha-Nationalpark

Im Gegensatz zu den subtropischen Gebieten des Terai stellt der Sagarmatha-Nationalpark eine vollkommen andere Welt dar. Dieser Park umfasst einige der höchsten Gipfel der Erde, darunter den weltberühmten Mount Everest, der im Nepali »Sagarmatha« (»Stirn des Himmels«) genannt wird. Der Park erstreckt sich über 1.148 km2 und liegt nordöstlich von Kathmandu im Solu-Khumbu-Distrikt. Hier, inmitten der schneebedeckten Riesen des Himalayas, führt eine der bekanntesten Trekkingrouten der Welt bis zum Basecamp des Mount Everest. Im Sagarmatha-Nationalpark liegt nicht nur der höchste Berg der Erde, hier ist auch die Heimat der Sherpas, deren Kultur und Traditionen eng mit dem Everest verbunden sind.

Jeder dieser Nationalparks bietet eine unverwechselbare Erfahrung und ist ein wahres Naturparadies, das die Vielfalt und Schönheit Nepals in all ihren Facetten widerspiegelt. Von tropischen Dschungeln über weite Graslandschaften bis hin zu den höchsten Gipfeln der Erde – Nepal ist ein Land der Kontraste und Wunder.

Harmonie der Religionen

Nepal ist ein Land, das viele Religionen toleriert. Über 80 Prozent der Bevölkerung bekennen sich zum Hinduismus, etwa 9 Prozent sind Buddhisten und rund 3 Prozent Muslime. Zudem gibt es eine kleinere christliche Gemeinschaft sowie Anhänger anderer Religionen, die insgesamt etwa 2 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Nepal war zudem das einzige Land, in dem der Hinduismus offiziell zur Staatsreligion erhoben wurde.

Der Hinduismus fand vor etwa 2.000 Jahren seinen Weg aus dem Indus-Tal in das Kathmandu-Tal. Laut einer alten Legende zog ein Weiser namens Ne ins Kathmandu-Tal, wo er religiöse Zeremonien durchführte, die als Pala bekannt sind. Diese rituellen Handlungen sollten die Bevölkerung schützen und gaben dem Land möglicherweise seinen Namen: Ne Pala – was so viel wie »vom Weisen Ne beschützt« bedeutet. Heute ist der Hinduismus tief in der Kultur und Identität Nepals verwurzelt, und der Gott Shiva, der als Beschützer des Landes verehrt wird, spielt eine zentrale Rolle im spirituellen Leben der Nepalesen.

Der Pashupatinath-Tempel, einer der ältesten und heiligsten hinduistischen Tempel in Nepal, befindet sich am Ufer des heiligen Flusses Bagmati. Er wurde ursprünglich im 5. Jahrhundert erbaut und zieht Pilger aus aller Welt an. Hier finden täglich religiöse Rituale statt, und es ist nicht unüblich, dass die Körper Verstorbener auf den Ghats (Stufen zum Wasser) des Tempels zur Verbrennung gelegt werden, bevor ihre Asche in den heiligen Fluss gefegt wird.

Die Atmosphäre am Pashupatinath-Tempel ist ebenso faszinierend wie ehrfurchtgebietend. Farbenfrohe Sadhus – heilige Männer – sind allgegenwärtig. Sie beten, meditieren oder studieren heilige Texte und erinnern uns an eine Tradition, die in Nepal seit mehr als 1.500 Jahren lebendig ist.

In Nepal verschmelzen Religionen und Traditionen auf harmonische Weise, was das Land zu einem einzigartigen Ort des spirituellen und kulturellen Erbes macht.

Sadhus in Nepal

In Nepal begegnet man ihnen überall: den Sadhus – hinduistischen Asketen, die mit langen Haaren, oft kaum bekleidet und mit Asche bedeckt ein außergewöhnliches Bild abgeben. Sie sind Menschen, die sich vollständig von den weltlichen Dingen losgesagt haben, um ein Leben der Entsagung zu führen und Erlösung vom Kreislauf der Wiedergeburt zu suchen. Für diesen höheren spirituellen Zweck verzichten sie auf alle Besitztümer und widmen sich ganz der Verehrung von Gott, meist in der Form von Shiva.

Die Lebensweise der Sadhus ist ebenso vielfältig wie faszinierend. Einige von ihnen leben völlig asketisch, weit entfernt von gesellschaftlichen Normen, andere hingegen wohnen in Gemeinschaften, wo sie sich auf das spirituelle Leben konzentrieren. Einigen Sadhus ist es ein tiefes Bedürfnis, auf Kleidung zu verzichten, um ihre Hingabe zu symbolisieren. Und es gibt jene, die ihr Leben lang umherwandern, immer auf der Suche nach Erleuchtung, während andere als Einsiedler in abgelegenen Wäldern oder Höhlen leben.

Um eine höhere spirituelle Ebene zu erreichen und Gott näher zu kommen, stellen sich die Sadhus oft extremen Herausforderungen. Manche verschenken als Zeichen der Selbstaufopferung ihr gesamtes Hab und Gut, während andere sich körperlichen Prüfungen unterziehen, die physischen Schmerz bereiten und ihre Opferbereitschaft zum Ausdruck bringen. Dazu gehören außergewöhnliche Taten wie das jahrelange Heben eines Arms, der niemals nach unten genommen wird, oder das ständige bewegungslose Stehen. Diese Praktiken sollen ihre Hingabe und ihre Entsagung von irdischen Wünschen demonstrieren und ihnen helfen, sich selbst zu überwinden, um den göttlichen Weg zu finden.

Die Sadhus sind mehr als nur spirituelle Eremiten – sie verkörpern den unerschütterlichen Glauben und die Hingabe, die viele in Nepal in ihrem Streben nach Erleuchtung leben. Ihre Präsenz ist ein stiller, aber kraftvoller Ausdruck der spirituellen Tiefe dieses Landes.

Kumaris – die Kind-Göttinnen

Die Kumari, was so viel wie »Jungfrau« bedeutet, ist ein kleines Mädchen im Alter zwischen zwei und vier Jahren, das aufgrund seiner Schönheit und Reinheit auserwählt wird, eine Göttin zu verkörpern. In einem frühen Alter wird es von seiner Familie getrennt und in den Tempel gebracht, um diese heilige Rolle zu übernehmen.

Der Kumari-Palast in Patan

Die Kumaris sind nur für eine begrenzte Zeit Göttinnen und werden mit großer Verehrung und Respekt behandelt. Ihre Amtszeit endet in der Regel mit der Pubertät, wenn sie ihre erste Menstruation erfahren. Die Auswahl ist ein strenger Prozess, bei dem die Mädchen 32 festgelegte Kriterien erfüllen müssen – von der Farbe ihrer Augen bis hin zum Klang ihrer Stimme. Diese jungen Mädchen leben unter besonderen Bedingungen und müssen eine Vielzahl von Ritualen und Vorschriften befolgen. Sie dürfen beispielsweise nicht auf dem Boden gehen, da dieser als unrein gilt, und sind verpflichtet, traditionelle rote Kleidung zu tragen sowie schweres Schmuckwerk.

Die Kumaris leben in einer abgeschirmten Welt, die sie vor dem gewöhnlichen Leben eines Kindes abschottet. Ihre öffentlichen Erscheinungen sind äußerst selten, doch bei diesen Gelegenheiten wird jede ihrer Bewegungen genau beobachtet. Die Kumari soll Nachrichten von den Göttern übermitteln können. Ein Geschenk, das sie in Stille entgegennimmt, gilt als ein Zeichen, dass der Wunsch des Gebers in Erfüllung geht. Weint sie oder lacht sie laut, deutet dies auf drohende Krankheit oder Tod hin.

Während ihrer Zeit als Göttin ist die Kumari von jeglicher Alltagsbelastung abgeschirmt. Sie geht normalerweise nicht zur Schule und verbringt die meiste Zeit im Tempel, wo sie in absoluter Stille lebt, nachdem die rituellen Vorbereitungen abgeschlossen sind. Ihre Umgebung ist von einer besonderen Aura der Verehrung und des Respekts durchdrungen.

Für die Befürworter dieser Tradition wird das Leben der Kumari als ein »Prinzessinnen-Dasein« beschrieben – ein Leben, das jedes kleine Mädchen sich wünschen würde. Doch tatsächlich ist dieses Leben mit erheblichen persönlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen verbunden. Kritiker, insbesondere Menschenrechtler, verweisen auf die Verletzung grundlegender Rechte: Das Recht auf Bildung, Freiheit und die Möglichkeit, ein unbeschwertes Kind zu sein, wird der Kumari verweigert.

Wenn die Kumaris schließlich ihre Rolle als Göttin ablegen und wieder als »normale« Kinder leben, stehen sie vor schwierigen Herausforderungen. Sie wurden jahrelang von Dienern getragen und sind oft körperlich unterentwickelt, was das Gehen erschwert. Auch die psychologischen Auswirkungen dieser abrupten Veränderung sind tiefgreifend. Die ehemaligen Göttinnen kämpfen häufig mit der Tatsache, dass sie nicht mehr verehrt werden und nun wieder in die gewöhnliche Gesellschaft eingegliedert werden müssen. Zudem bleiben viele von ihnen ein Leben lang allein, da ihnen nachgesagt wird, dass ihre Heirat mit dem Tod des Ehemanns einhergeht – ein Mythos, der ihre soziale Wiedereingliederung weiter einschränkt.

Die Geschichte der Kumaris ist einerseits mit Spiritualität, Ehrfurcht und andererseits mit Fragen der Rechte und des Wohlbefindens eines Kindes verbunden. Es ist eine Tradition, die sowohl Bewunderung als auch Kritik hervorruft – und eine, die den Widerspruch zwischen Glauben und Menschlichkeit widerspiegelt.

Es ist im Übrigen strengstens verboten, eine Kumari zu fotografieren, doch sie erlaubte uns, das Bild zu machen.

Geburtsort des Buddhismus

Lumbini, im Süden Nepals nahe der indischen Grenze gelegen, gilt als Geburtsort des Prinzen Siddhartha Gautama, der später als Buddha, der Erleuchtete, bekannt wurde. Durch seine Lehren gründete er eine der größten Weltreligionen. Siddhartha wurde in der königlichen Familie des Shakya-Klans geboren, und seine Erleuchtung und Lehren prägten den Buddhismus weltweit.

Obwohl Nepal überwiegend ein hinduistisches Königreich ist, spielt der Buddhismus eine bedeutende Rolle im religiösen Leben des Landes. Besonders in den nördlichen Regionen Nepals ist der Buddhismus weit verbreitet, insbesondere bei ethnischen Gruppen wie den Tamang, Magar und Gurung. Der Einfluss des tibetischen Buddhismus ist in diesen Gebieten spürbar, und viele der Buddhisten Nepals leben im Mustang-Tal, das teils von tibetischer Bevölkerung bewohnt wird. Die Newar, eine ethnische Gruppe in Nepal, praktizieren eine besondere Form des Buddhismus, die sowohl vom Mahayana- als auch vom Theravada-Buddhismus beeinflusst ist.

Nepal ist einzigartig, da Hindus und Buddhisten oft denselben Tempel teilen und ihre religiösen Praktiken in friedlicher Harmonie ausüben. Einige der prächtigsten und ältesten Tempel, Klöster und heiligen Stätten, die sowohl dem Hinduismus als auch dem Buddhismus gewidmet sind, befinden sich in Nepal. Ein bemerkenswertes Beispiel hierfür ist Muktinath, ein heiliger Ort, der sowohl von Hindus als auch von Buddhisten gleichermaßen verehrt wird.

Die religiösen Gemeinschaften in Nepal existieren nebeneinander und leben in friedlicher Koexistenz. Auch wenn die Hindus zahlenmäßig die Buddhisten weit übersteigen, prägen oft die buddhistische Kultur und religiösen Stätten das Bild vieler Regionen. Diese Orte zu besuchen und sich von ihrer spirituellen Atmosphäre verzaubern zu lassen, war für mich ein besonderes und eindrückliches Erlebnis.

Bevölkerung

In Nepal leben heute über 100 verschiedene Ethnien, die das kulturelle Erbe des Landes bereichern. Neben vielen zugewanderten Bevölkerungsgruppen sind es vor allem die Newar, Sunwar, Tharu, Rai und Limbu, die als »Ur-Nepalesen« gelten. Sie gehören zu den tibeto-mongolischen Volksgruppen, die bereits früh das Land besiedelten und es nachhaltig prägten.

Das faszinierende Aufeinandertreffen unterschiedlicher Ethnien macht Nepal zu einem der interessantesten Reiseziele der Welt. Die Vielfalt der Kulturen, Traditionen und Bräuche ist einzigartig. Auf meiner Reise habe ich einige dieser ethnischen Gruppen besucht und mit ihnen gekocht, wodurch ich die Vielfalt und den Reichtum ihrer kulinarischen Traditionen kennenlernte.

Einige der bekanntesten Ethnien in Nepal

Die Newar – Ureinwohner des Kathmandu-Tals

Die Newar, ursprünglich im Kathmandu-Tal ansässig, haben sich heute in verschiedenen Basar-Orten entlang der subtropischen Flusstäler niedergelassen, die sie selbst mitgegründet haben. In Kathmandu haben sie sich als Händler einen Namen gemacht, in Patan werden sie als Handwerker geschätzt, und in Bhaktapur betreiben sie Reis- und Gemüseanbau. Berühmt sind die Newar auch für ihre traditionelle Architektur: Ihre Häuser aus kleinen Backsteinen mit kunstvoll geschnitzten Holzfenstern sind ein unübersehbares Merkmal ihres kulturellen Erbes. In ländlichen Regionen sprechen viele von ihnen ausschließlich den melodischen tibeto-birmanischen Dialekt »Newari« und kein Nepali.

Die Magar – eine Ethnie in Zentral-Nepal

Die Magar sind eine indigene Volksgruppe, die hauptsächlich an den West- und Südflanken des Dhaulagiri-Bergmassivs in Zentral-Nepal lebt, aber auch in Indien, besonders im Bundesstaat Sikkim, anzutreffen ist. Ihre Sprache gehört ebenfalls zur tibeto-birmanischen Familie und spiegelt ihre tiefe kulturelle Verbundenheit mit dieser Region wider.

Die Sunwar – eine traditionsbewusste Volksgruppe

Die Sunwar leben im Osten Nepals, zwischen den Flüssen Arun und Tamur. Ihre eigene Sprache ist im Laufe der Zeit verloren gegangen, sodass sie heute Nepali sprechen, doch viele Traditionen ihrer Vorfahren haben sie bis heute bewahrt.

Die Tharu – eine matriarchalische Gesellschaft

Das Terai, nahe der Grenze zu Indien, ist die Heimat der Tharu. Ihre Gesellschaft ist matriarchalisch geprägt, was bedeutet, dass Frauen hier ein größeres Mitspracherecht besitzen und auch das Recht auf Scheidung haben. Früher lebten sie als Jäger und Fischer in den Wäldern, heute sind jedoch die meisten Ackerbauern. Ihre Häuser sind so gebaut, dass sie der Hitze des Terai trotzen, mit einem Dach aus Elefantengras oder Ziegeln und auf Pfählen errichtet, um sie vor Überschwemmungen und ungebetenen Tieren zu schützen.

Die Gurung leben überwiegend südlich des Gurkha- und Annapurna-Himal

Die Gesellschaft der Tharu ist matriarchalisch geprägt

Die Maithili – eine grenzüberschreitende Sprachengemeinschaft

Die Maithili leben in einer Region, die Teile von Bihar und Jharkhand in Indien umfasst und sich bis in die angrenzenden Terai-Bezirke Nepals erstreckt. Ihre Sprache, Maithili, ist eine der wichtigsten indo-arischen Sprachen und die zweithäufigste Sprache in Nepal.

Die Rai – Reisbauern und starke Träger

Die Rai leben im Osten Nepals, in Gebirgslagen über 1.500 m, und haben sich als Reisbauern etabliert. Sie sind für ihre starke Statur berühmt und werden als äußerst kräftige und belastbare Träger auf Trekkingtouren geschätzt. Ihre Religion ist eine Mischung aus Schamanismus und Animismus, wobei die Toten in der Regel beerdigt werden.

Die Limbu – Reisbauern am Fluss Arun

Die Limbu sind im Osten Nepals, östlich des Flusses Arun, ansässig und sprechen eine tibeto-birmanische Sprache. Wie die Rai sind sie als Reisbauern tätig und bekannt für ihre impulsive und leidenschaftliche Art. Die Limbu sind überwiegend Hindus, doch sie beerdigen ihre Toten.

Die Gurung – gläubige Buddhisten mit hinduistischen Einflüssen