Neuanfang im kleinen Cottage - Kate Forster - E-Book
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Neuanfang im kleinen Cottage E-Book

Kate Forster

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Beschreibung

Jedes Ende ist die Chance für einen Neubeginn – Ein herzerwärmender Liebesroman über Verlust und Hoffnung für Fans von Jenny Colgan Claras Leben läuft alles andere als nach Plan: Erst stirbt ihre Mutter, dann findet sie heraus, dass ihr Freund sie mit ihrer besten Freundin betrügt. Einem Impuls folgend tut Clara, was sie sich schon lange erträumt hat: Sie kauft ein altes Cottage auf dem Land. Doch das entpuppt sich als mehr als renovierungsbedürftig. Zum Glück gibt es Henry, einen attraktiven Bauunternehmer, der mit seiner kleinen Tochter und seinem bunt bemalten Van die Rettung in der Not zu sein scheint. Und auch die Bewohner von Merryknowe haben etwas Liebenswertes an sich. Von Rachel, der stillen, einsamen jungen Frau, die köstliche Kreationen für das Café im Ort zaubert, bis hin zu Mrs. McIver, einer alten Dame, die mit ihrer Weisheit überrascht. Aber ist das genug für Clara, um die Vergangenheit hinter sich zu lassen und ihr Herz wieder zu öffnen? »Diese wunderbar anschauliche, bewegende Geschichte über Liebe und Hoffnung lässt einen den Sonnenschein auf der Haut fühlen.« – Closer »Der perfekte Lesestoff, um dem Alltag zu entfliehen.« – Red »Verlockend und süchtig machend. Ich liebe es.« – I heart Chick Lit »Eine humorvolle feel-good Urlaubslektüre, die ein riesiges Lächeln auf dein Gesicht zaubern wird.« – Reviewed the Book

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Veröffentlichungsjahr: 2023

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© Piper Verlag GmbH, München 2023

Redaktion: Anja Mehrmann

Konvertierung auf Grundlage eines CSS-Layouts von digital publishing competence (München) mit abavo vlow (Buchloe)

Covergestaltung: Alexa Kim „A&K Buchcover“

Covermotiv: Bilder unter Lizenzierung von Shutterstock.com genutzt

This translation of Starting Over at Acorn Cottage is published by Piper by arrangement with Aria by Head of Zeus Ltd.© Kate Forster, 2020Alle Rechte vorbehalten. Unbefugte Nutzungen, wie etwa Vervielfältigung, Verbreitung, Speicherung oder Übertragung können zivil- oder strafrechtlich verfolgt werden.

Wir behalten uns eine Nutzung des Werks für Text und Data Mining im Sinne von § 44b UrhG vor.

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Inhalt

Inhaltsübersicht

Cover & Impressum

Widmung

Frühling

Kapitel 1

Sommer

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Kapitel 36

Kapitel 37

Kapitel 38

Kapitel 39

Kapitel 40

Kapitel 41

Kapitel 42

Kapitel 43

Kapitel 44

Kapitel 45

Kapitel 46

Kapitel 47

Kapitel 48

Kapitel 49

Kapitel 50

Kapitel 51

Kapitel 52

Kapitel 53

Kapitel 54

Kapitel 55

Kapitel 56

Frühwinter

Kapitel 57

Dank

Buchnavigation

Inhaltsübersicht

Cover

Textanfang

Impressum

Für meine Großmütter.

Danke, Marjorie, dass du etwas in mir gesehen hast, das andere nicht sehen konnten.

Danke, Jean, für unser letztes Gespräch, bei dem endlich alles einen Sinn ergab.

Frühling

Kapitel 1

Clara Maxwells Liebesleben war im Eimer. Und zwar buchstäblich. Sämtliche Karten, Briefe, Notizzettel und Fotos von ihr und Giles lagen im Müll. Meistens war sie es gewesen, die Zettel und Karten geschrieben oder ihnen für ein Selfie das Handy vors Gesicht gehalten hatte, aber sie hatte Giles seinen mangelnden Sinn für romantische Gesten nie vorgeworfen, weil er in anderer Hinsicht äußerst verlässlich war. Er klappte zum Beispiel immer den Toilettendeckel zu und brachte den Müll raus … in dem nun die letzten Überreste ihrer Beziehung lagen.

Als Clara im Wohnzimmer über einen Karton stolperte, fragte sie sich, warum sie es für eine romantische Geste gehalten hatte, dass Giles grundlegende Aufgaben ihres Zusammenlebens übernommen hatte. Warum hatte sie geglaubt, wenn er sich um die wesentlichen Dinge des Lebens kümmerte, wäre das ein Grund zum Feiern? Sie war gern bereit, Anerkennung zu zollen, wo Anerkennung geboten war, aber sie würde doch einem Hund nicht dafür applaudieren, dass er bellte.

Claras Mum hatte einmal zu ihr gesagt, dass Frauen sich mit durchschnittlichen Männern begnügten, weil es nur sehr wenige wirklich großartige gab. Aber wenn sie einmal dem Außergewöhnlichen begegnet waren, wurde ihnen klar, dass sie sich mit weniger nicht mehr zufriedengeben konnten. Das Beste im Leben war häufig beschwerlich, weil es dazu führte, dass man sich nach mehr sehnte, und Frauen, die mehr verlangten, wurden als nörglerisch, lästig oder im schlimmsten Fall als zu anstrengend betrachtet.

Bei einer Geschäftsreise war Claras Rückflug von Berlin nach London einmal upgegradet worden. Von den Decken bis zu der Art, wie die Stewardess ihr zu einem perfekten Salat mit Hühnchen und gekühltem Chablis auch noch eine Auswahl internationaler Magazine angeboten hatte, war alles an diesem Flug derart wundervoll gewesen, dass sich Clara danach gewünscht hatte, im Flugzeug nie wieder nach rechts abbiegen zu müssen.

Vielleicht war es das, was Giles empfunden hatte, als er mit ihrer besten Freundin schlief. Dass Judy die erste Klasse, Clara hingegen ein fader Muffin und eine Dose Sprite in der hintersten Reihe direkt vor den Toiletten war.

Als sie nun die Fotos von ihrem gemeinsamen Kühlschrank riss und sie in den Müll warf, fragte sie sich, warum er geblieben war, wenn er so unglücklich mit ihr gewesen war. Warum war er geblieben und hatte so getan, als wäre er noch mit ihr zusammen, während er sich heimlich mit Judy traf? Clara verstand einfach nicht, warum manche Menschen an Orten blieben, an denen sie nicht glücklich waren. Sie hatte gesehen, was aus einem Menschen werden konnte, der in einer unglücklichen Beziehung ausharrte.

Clara stopfte ihre Sammlung Do-it-yourself-Magazine in den Müllsack und schluckte ihre Tränen hinunter. Zwei Jahre Beziehung waren zum Teufel. Zwei Jahre, investiert in etwas, das sich nicht rentierte. Ihre Beziehung war ein faules Darlehen, Giles ein gefälschtes Produkt.

Clara hob ihre letzten Romane und die Kochbücher auf und stopfte sie ebenfalls in den großen Müllsack. Sie sah sich in der Wohnung um, die sie sich in den vergangenen elf Monaten geteilt hatten. Der Großteil ihrer Habseligkeiten war eingepackt und befand sich bereits in dem Transporter, es hatte ihr ein diebisches Vergnügen bereitet, Giles nur das Nötigste zu hinterlassen.

Ein Messer.

Einen Löffel.

Eine Gabel.

Einen Teller.

Eine Tasse.

Ein Glas.

Ein Handtuch.

Eine Rolle Klopapier.

Sie wusste, dass es kleinlich war, aber manchmal war Kleinlichkeit die einzige Reaktion, die ein Mensch angesichts einer extremen Demütigung an den Tag legen konnte. Und genau so fühlte sie sich – extrem gedemütigt. Rotglühende Scham überlief sie vom Kopf bis zu den Zehen, als sie an das scheinheilige Benehmen der beiden Menschen dachte, die sie eigentlich lieben sollten.

Clara hob den Aktenordner auf, in dem sich die Unterlagen für die gemeinsame Wohnung und das gemeinsame Sparbuch befanden. Clara hatte die kleine Wohnung geliebt, die sie gemietet hatten, während sie angeblich auf ihr Traumhaus sparten. Allerdings schien nur sie etwas auf das Sparbuch eingezahlt zu haben. Giles hatte ständig irgendwelche dringenden Ausgaben tätigen müssen, wie zum Beispiel die Mitgliedschaft in einem Golfclub, ein Ticket für eine After-Work-Party oder etwas, das er in letzter Minute besorgen musste, sodass er nicht jeden Monat etwas einzahlen konnte.

Clara hatte alles in dieser Wohnung angeschafft und sich um die Einrichtung gekümmert, sodass es dank ihrer weichen Teppiche und der Zimmerpflanzen gemütlich darin war. Sie hatte versucht, ein Zuhause für sie beide zu gestalten, während Giles lediglich eine Affäre gestaltet hatte, und zwar mit Judy, ihrer besten Freundin.

Judy, die immer die Interessantere von ihnen gewesen war, während Clara die Vernünftige war. Judy, die feministische Poledancerin, die Duftkerzen herstellte und zwei Katzen namens Dalí und Gala besaß. Judy, die groß und biegsam und blond war (dank einer Flasche Nordic-Mystery-Blondierung) und Tattoos in Form von Kletterrosen auf der Brust trug. Judy, die das genaue Gegenteil von Clara war.

Clara war das, was ihre Großmutter »auf altmodische Art hübsch« zu nennen pflegte: ein dunkler Bob, große Augen und geschwungene Lippen, nur knapp eins fünfundfünfzig groß und mit schmaler Taille, ansonsten aber kurvig. Sie wurde häufig als süß bezeichnet, was sie ärgerte, weil es klang, als wäre sie eine Babypuppe. Sie bemühte sich sehr, diese Annahme zu widerlegen, indem sie sich betont geschäftsmäßig gab. Sie hatte einen Abschluss in Finanzwesen. Als eine der jüngsten unter den wenigen weiblichen Führungskräften ihrer Bank war Clara sehr geschickt im Umgang mit Geld und tat nie etwas, das ein echtes Risiko dargestellt hätte. Veranstaltungstickets kaufte sie immer weit im Voraus, sie war gegen alles Mögliche versichert – einschließlich einer sehr hohen Lebensversicherung, von der Giles im Falle ihres frühen Ablebens profitiert hätte –, und sie bewahrte sämtliche Quittungen auf, nur für den Fall, dass sie etwas zurückgeben musste. Jetzt wünschte sie, sie könnte Giles und Judy zurückgeben.

Wohl eher Pilatus und Judas, dachte sie, als sie ihre Stricken-lernen-Bücher in die Mülltüte schob, sie zuband und dann das Kochbuch zur Sendung Land und Lecker, das Giles ihr geschenkt hatte, ohne Tüte in den Mülleimer warf.

Wie konnten ihre beste Freundin und ihr Freund sie nur betrügen? Sie wischte sich die Tränen ab, die seit dem Abendessen vier Wochen zuvor offenbar nicht mehr versiegen wollten. Warum hatte sie die Zeichen nicht erkannt? Keine echte Intimität. Keine echte Verbindung. Keine echte Liebe. Andererseits hatte Giles auch vor dem Einzug in die gemeinsame Wohnung schon keine Lust auf Sex gehabt, und Clara war müde von ihrem Job bei der Bank, sodass sie sich verhielten wie zwei Mitbewohner: höflich und respektvoll, aber ohne jede Leidenschaft. Allerdings war Giles solide, ein vernünftiger Buchhalter, auf ihn würde sie sich immer verlassen können. Und dann auch noch mit ihrer besten Freundin, die nun auf seiner Stange herumtanzte. Himmel, wie Clara diese Frau hasste!

Sie hatte immer versucht, eine verantwortungsbewusste Erwachsene zu sein. Das Wirtschaftsstudium, das Sparbuch und der Buchhalterfreund, der weder trank noch fluchte, der gefestigtste Mann, dem sie je begegnet war, ganz anders als ihr Vater. Sie war sich ihrer Wahl absolut sicher gewesen.

Judy war ihre beste Freundin, weil Judy es behauptet hatte – und Clara hatte zugestimmt, weil ihr die Zeit fehlte, sich Freunde zu suchen. Judy hatte sich vor ein paar Jahren in Claras Leben gedrängt, nachdem sie wegen eines Darlehens für einen mobilen Pole-Dance-Service in die Bank gekommen war. Clara hatte einen Kredit für Judys Pole-Dancer-auf-Tour-Bus abgelehnt, aber Judy hatte weiterhin um ihre Freundschaft geworben.

Giles hatte Judy häufig eine Spinnerin genannt und gemeint, sie gebe nur an. Er hatte sie auch als Schlampe bezeichnet, weshalb Clara ihm die Meinung gesagt hatte, denn dass eine Frau Sex hatte, machte sie noch lange nicht zu einer Schlampe. Ständig hatte er sich über Judys Tanzkarriere lustig gemacht und mit Clara geschimpft, weil sie ihr das Geld als Freundin geliehen hatte und nicht als Filialleiterin der Bank. Allerdings hatte Judy das Privatdarlehen nie zurückgezahlt, denn sie steckte immer in irgendeiner finanziellen und emotionalen Krise. Das schien bei ihr der Normalzustand zu sein. Aber meistens hatte Clara Mitleid mit Judy empfunden. Sie wollte stets, was andere Leute besaßen. Ein Kleid, eine Kette, eine Handtasche. Oder einen festen Freund.

Drei Monate lang hatte Judy auf sie eingeredet, Giles zu verlassen, nachdem Clara ihr anvertraut hatte, dass sie sich mehr Verbundenheit, mehr Gespräche mit ihm wünschte, und nun wusste sie auch, warum. Judas hatte Giles’ Liebe bekommen und Clara das Privileg, ihm das Abendessen zu kochen.

Und bei einem Dinner hatte sie es schließlich herausgefunden.

Sie hatte ihre Tupperdose – in die sie Cottage Pie gefüllt hatte, um sie Giles für seinen »Wochenendausflug mit den Jungs« mitzugeben – bei Judy zu Hause gefunden. Es war nicht irgendeine alte Tupperdose gewesen. Ihr Name stand mit Filzstift geschrieben auf dem Boden, und die Dose hatte einen orangefarbenen Deckel mit einem winzigen Schmorfleck am Rand, weil sie einmal zu nah an der Kochplatte gestanden hatte. Judy hatte in ihrem ganzen Leben noch keine Cottage Pie gebacken; so etwas erledigte ihr glückloser On-off-Freund Petey für sie.

Clara hatte den Beweis in Judys Küche gefunden, als sie auf der Suche nach einer Schale für Nüsse gewesen war. Danach hätte sie am liebsten Giles’ Nüsse in die Dose gelegt.

»Was hat die Dose hier zu suchen?«, fragte sie Giles und Judy und Petey bei ihrem monatlichen Gerichte aus aller Welt-Dinner. Diese Abendessen waren anfangs ein Scherz gewesen, weil Clara ein Sushi-Set bekommen und dermaßen viel Sushi zubereitet hatte, dass sie Judy und ihren damaligen Freund hatte einladen müssen, um alles aufzuessen. Das Dinner wurde zu einem großen Ereignis, und nun aßen sie sich rund um den Globus. Allerdings gab es an jenem Abend italienische Küche. Darauf griff Judy immer zurück, wenn sie keine Lust hatte oder unter Zeitdruck stand, was häufig der Fall war. Clara wusste, dass die Lasagne fertig im Laden gekauft und in eine gläserne Auflaufform gefüllt worden war, die Clara gehörte, ihr von Judy aber noch nicht zurückgegeben worden war. Eine Angewohnheit von ihr. Clara wedelte mit der Tupperdose vor ihrem Publikum herum, das sein durchgeweichtes Essen zu sich nahm.

»Ich dachte, du hättest sie nach Cornwall mitgenommen«, sagte Clara zu Giles.

»Habe ich auch«, antwortete Giles, aber sie sah, dass ihm die Röte in den Nacken kroch wie beim Scrabble, wenn er ein gutes Wort gefunden hatte.

»Das hast du nicht, sie ist ja hier«, sagte sie ganz ruhig. »Dein Männerwochenende war letzten Monat. Wo warst du denn am Wochenende um den fünften herum, Petey?« Allmählich kam sie sich vor wie Hercule Poirot, nur weniger selbstgefällig und mehr wie eine Frau, die von ihrem Freund betrogen wird.

Petey wirkte besorgt. »Ich war bei einer Tagung in Guilford.« Er drehte sich zu Judy und fuhr fort: »Du hast gesagt, du könntest nicht mitkommen, weil du Clara helfen musst, das Haus ihrer Mutter zu putzen. Als ich zurückgekommen bin, hast du mir erzählt, wie chaotisch es dort aussah und dass Claras Mum durch ihre Medikamente offenbar verwirrt war.«

Clara verschlugen seine Worte den Atem, denn Lillian, ihre Mutter, war durch die Morphine gegen den Krebs tatsächlich verwirrt gewesen, aber so etwas durfte nur Clara sagen. Es machte sie wütend, dass Judy ihre Mutter für ihre Lügengeschichte benutzt hatte.

Okay, Lillian war vielleicht ein bisschen seltsam mit ihrer biologischen Kompostierung, der Wurmzucht und dem Pappmachésarg, den sie für ihre eigene Beerdigung hergestellt hatte, aber nur Clara hatte das Recht, so über sie zu sprechen. Dass ihre Mutter gestorben war, machte Giles’ und Judys Betrug nur noch schmerzhafter.

»Du hast meine tote Mutter für deine Lügen benutzt?«, fragte sie, an Judy gewandt. Das war noch schlimmer als die Tatsache, dass sie sie mit ihrem eigenen Freund betrogen hatte. Judy wusste, wie viel ihre Mum ihr bedeutet hatte, und auch wenn ihre beste Freundin nicht Lillians komplette Geschichte kannte, so wusste sie immerhin mehr als die meisten anderen Menschen, sogar mehr als Giles.

Giles schwieg, und nun schlüpfte Petey in Hercule Poirots Rolle.

»Du hast Clara also gar nicht geholfen, Judy? Was hast du gemacht? Wo warst du?« Peteys Mund öffnete und schloss sich, als wäre er ein Fisch, der auf dem Trockenen liegt.

Da verlor Clara die Beherrschung. »Oh, Petey, hast du es immer noch nicht gecheckt? Judy und Giles haben eine Affäre. Sie essen meine Cottage Pie und lügen uns beide an«, rief sie.

Und sie sah, wie Judy Giles auf unerträgliche Art anlächelte, woraufhin der über den Tisch hinweg nach Judys Hand griff.

»Wir sind verliebt«, sagte sie zu Clara, als wäre ihrer Freundin etwas Wundervolles entgangen.

Da nahm Clara das Baguette vom Tisch und warf damit nach Giles. Erst kippte der Wein um und dann die Kerze, was dem Abend zusätzliches Feuer verlieh. Mit ihrer Tupperdose, in der sich der Rest ihrer Würde befand, verließ Clara schließlich das Haus.

Und nun hatte sie ihr komplettes Leben einschließlich ihres Jobs in die Tonne getreten. Sie hatte sich ihre Ersparnisse auszahlen lassen und ein Cottage in einem winzigen Dorf namens Merryknowe gekauft. Das Kaff bestand aus einem Postamt, einem deprimierend aussehenden Café mit dazugehöriger kleiner Bäckerei, einem Pub und ein paar kleinen Geschäften. Sie hatte das Häuschen aus einer Laune heraus erworben und sich auf diese Art ihren Traum vom Ruhestand ungefähr fünfzig Jahre früher als vorgesehen erfüllt.

Clara hatte immer schon vom einfachen Leben geträumt. Sie wollte Marmelade einkochen und stricken, wünschte sich einen Garten, in dem sie herumwerkeln konnte, während sie darauf wartete, dass das Brot im Ofen aufging.

Giles und sie hatten häufig darüber gesprochen. Sie hatten sich im Internet Fotos von Häusern angeschaut, die zum Verkauf standen, und beschlossen, hart zu arbeiten und Geld für ihren Traum beiseitezulegen.

Nun war sie Eigentümerin eines kleinen, reetgedeckten Landhauses, das bis auf eine Küche und ein Badezimmer, die offenbar in den Fünfzigerjahren erneuert worden waren, in seinem ursprünglichen Zustand erhalten geblieben war.

Es hatte ein durchhängendes Gartentor, aber es gab auch Gartenbeete, und das Grundstück war groß genug, um sich ihren Traum vom ruhigen Leben zu erfüllen. Eigentlich hatte sie mit ihrer Mutter hier wohnen wollen, aber Lillian gab es nicht mehr. Dann hatte es mit Giles sein sollen. Sie hätte Besuch von ihren Enkeln bekommen und bis dahin ein Handwerk erlernt und endlich wissen wollen, wie man richtig backte. Und Giles hätte Holz hacken und die Tomatenpflanzen an Stäbe in der Form eines perfekten Tipis binden können.

»Zu viele Folgen von Escape to the Country gesehen und dabei Wein getrunken«, lautete der Kommentar ihrer Kollegen, nachdem sie ihnen mitgeteilt hatte, dass sie die neue Eigentümerin von Acorn Cottage war.

Clara musste die Sticheleien widerspruchslos hinnehmen. Sie liebte es, in bequeme Klamotten zu schlüpfen, sich ein Glas Wein einzuschenken, die Sendung zu schauen und zu überlegen, für welches perfekte Häuschen sie und Giles sich als Mitwirkende der Sendung entschieden hätten. Diese Gewohnheit hatten Mum und sie irgendwann aufgenommen, und nach deren Tod hatte Clara sie mit Giles weitergeführt. Zu dem Hauskauf war es allerdings nie gekommen. Stattdessen erfuhr Clara von der Affäre zwischen Giles und Judas, und die zusätzliche Info, dass Petey ausgezogen war und Giles bei Judas wohnen würde, bis Clara weg war, hatte sie wachgerüttelt und zu dem Kauf geführt. Eine Flasche billiger Wein aus dem Laden an der Ecke hatte ihr die Entscheidung erleichtert.

Sie fand das Cottage im Internet und schrieb dem Makler eine E-Mail mit einem passenden Angebot, das innerhalb einer Stunde angenommen wurde. Sie fragte nicht, ob sie das Haus besichtigen könne, und sie erzählte auch Giles nichts davon. Sie wollte weg von ihm, von Judas und allen anderen, die Bescheid wussten und sie ansahen, als wäre sie eine komplette Idiotin.

Himmel, bin ich wütend, dachte sie, während sie ihre letzte Unterwäsche aus der Schublade im Schlafzimmer nahm. Sie fand den schwarzen Spitzenbody, den sie sich gekauft, aber nie getragen hatte, den rosa Satinslip mit Schleifchen an den Seiten für einfaches Ausziehen, und den prächtigen kaffeebraunen BH, der sehr schön an ihr aussah, den sie sich aber immer aufgespart hatte. Wofür eigentlich? Und für wen? Sie hatte ihn nicht einmal für Giles getragen.

Stattdessen hatte sie sich mit alten Slips und BHs begnügt, hatte der Bequemlichkeit zuliebe auf Stil verzichtet. Giles hatte sie nicht mehr angeschaut, und sie hatte auch nicht versucht, ihn zu verführen. Vielleicht hatte sie ihn genauso wenig begehrt wie er sie.

Sie stand da und hielt die Dessous in der Hand, an denen noch die Preisschilder hingen, dann stopfte sie sie in ihre bereits überfüllte Handtasche.

Sobald all ihre Habseligkeiten eingepackt waren, würde sie ein neues Leben beginnen und sehr bald in das Dorf namens Merryknowe fahren.

Die Bank hatte ihre Kündigung entgegengenommen, und nachdem sie sich ihre Depots und das Geld aus dem Nachlass ihrer Mutter hatte auszahlen lassen, besaß sie genug, um das Cottage zu renovieren und eine Weile versorgt zu sein. Später würde sie dann herausfinden, was sie in Zukunft gern tun würde.

Sie war eine gute Filialleiterin, aber sie machte sich Sorgen wegen einiger Leute, denen die Zentrale Kredite bewilligt hatte. Als sie diese ethische Problematik zur Sprache brachte, bekam sie von ihren Vorgesetzten nur zu hören: »Machen Sie sich darum mal keine Gedanken. Um solche Dinge kümmert sich eine andere Abteilung.«

Aber Clara sorgte sich um die Leute, die Kredite für Dinge aufgenommen hatten, die sie sich nicht leisten konnten. Später riefen sie nämlich in ihrer Filiale an und baten um Hilfe bei der Rückzahlung des Geldes.

Sie hasste die Bank, sie hasste Giles, und sie hasste ihr Leben in London. Nachdem sie zwei Monate lang alle offenen Fragen in ihrem Leben geklärt hatte, konnte sie nun endlich die Wohnungstür hinter sich zuschlagen, sich von ihrem alten Leben verabschieden und sich auf ihr neues freuen. Aber erst nachdem sie den Mülleimer aus der Küche auf seinem Bett ausgeleert hatte, komplett mit Kartoffelschalen und Kaffeesatz und ohne das geringste Bedauern.

Sommer

Kapitel 2

Männer wie Henry Garnett gab es heutzutage nur noch selten. Er konnte alles reparieren. Es spielte keine Rolle, ob ein Gerät elektrisch, mit Wasser, Dampf oder von Hand betrieben wurde, er konnte es wieder in Ordnung bringen. Das Einzige, was er allem Anschein nach nicht reparieren konnte, war sein Herz.

Naomi war es immer gut gegangen, aber dann hatte sich plötzlich alles geändert. Sie starb wenige Wochen nach der Tumordiagnose. Sie hatte in dem Wohnmobil sterben wollen, aber damit war nicht einmal Henry einverstanden. Pansys letzte Erinnerungen an ihre Mutter sollten nicht darin bestehen, wie Naomi in dem engen Camper lag, während der Tropf an einem Messinghaken über ihrem Kopf hing. Und wer wusste schon, was während des Sterbevorgangs noch alles passieren würde.

Letztlich spielte es keine Rolle, wo sich Naomi bei ihrem Tod befand, denn der Tumor hatte den Großteil ihres Gehirns befallen. Ihre letzten Worte an Henry waren wirr und ergaben keinen Sinn. Er verbrachte viel Zeit damit, diese Worte im Geist zu wiederholen in dem Versuch, eine Bedeutung in ihnen zu finden.

»Sag Ja«, hatte sie gesagt und zum ersten Mal seit Tagen die Augen geöffnet.

»Wozu denn, mein Liebling?«, fragte er. Naomi hatte seit einer Woche nichts mehr gegessen. In der Nacht zuvor hatte sie das Trinken eingestellt. Er wusste, das Ende war nah.

Naomi schüttelte nur den Kopf und wiederholte: »Sag Ja.«

Vergeblich versuchte er, sie dazu zu bringen, noch einmal die Augen zu öffnen. Sie hatte immer Rat gewusst, die Dinge auf die richtige Art gesagt und getan. Naomi war alles gewesen, und dann war sie nichts mehr.

Die Krankenschwester legte den Tropf an, während Naomis kleine Hände sich um die Laken klammerten. Diese Hände waren zu allem fähig. Sie konnten Pflanzen vom Wegesrand zu einem Blumenschmuck arrangieren, der einer königlichen Hochzeit würdig war. Sie konnten Teig flechten und Wolle spinnen und Pansys Locken mit Bändern zu hübschen Zöpfen zähmen.

Aber bald darauf standen diese Hände still, und Henry musste sich von seiner Naomi verabschieden und zulassen, dass ihr Körper in Asche verwandelt wurde.

»Begrabt mich im Gemüsegarten, wenn du das richtige Haus für dich und Pansy findest. Ich helfe euren Nutzpflanzen beim Wachsen, versprochen. Nennt es einfach Naomis Gemüsebeet«, hatte sie lachend gesagt.

Henry hatte nicht gelacht, denn er wollte nicht, dass sie im Garten lag, bei den Würmern in der kalten, feuchten Erde. Drei Jahre später hatte er noch immer kein Haus gekauft, und Naomis Asche stand nach wie vor neben Kartoffeln und Zwiebeln im Schrank.

Anstatt sich häuslich niederzulassen, waren Pansy und er seit drei Jahren unterwegs. Er hatte das kleine Haus auf Rädern von Naomi an der Vorderseite mit Schnörkeln, Ranken und Blumen bemalen lassen, damit es wie ein richtiger Garten aussah. Vor den Fenstern aus echtem Glas hingen gelbe Läden, der Camper hatte eine blaue Tür und ein kleines, reetgedecktes Dach, um deutlich zu machen, dass Henry sein Geld als Dachdecker verdiente. Aber eigentlich übernahm er alle möglichen Arbeiten, um die Rechnungen zu bezahlen und immer beschäftigt zu sein – Reparaturen, Maler-, Garten- und andere körperliche Aufgaben.

Pansy war jetzt sechs und wahrscheinlich eigenständiger, als es für ein Kind in ihrem Alter gut war. Sie liebte es, ihm mit ihren Zeichen- und Malbüchern Gesellschaft zu leisten, aber er wusste, dass sie bald zur Schule gehen würde … was bedeutete, dass sie sich niederlassen und ein Gemüsebeet finden mussten. Noch nicht, sagte er sich.

Naomi und Henry hatten sich an der Kunstakademie kennengelernt, als Henry Bildhauerei studierte und Naomi Malerei. Er hatte zur Kunstwissenschaft gewechselt, um in ihrer Nähe zu sein. Sie gewann den Kunstpreis der Hochschule, er gewann ihr Herz. Beim Abschluss waren sie verliebt, glücklich und bereit, ihre Kreativität mit der ganzen Welt zu teilen. Ihr erstes gemeinsames Kunstwerk wurde kurz nach Mitternacht unter einem balsamischen Mond geboren. Sie nannten sie Pansy Jean Garnett, und sie war alles, was sie sich erhofft hatten, und noch mehr.

Sie führten ein idyllisches Leben in ihrem Wohnmobil. Henry verrichtete Gelegenheitsjobs, Naomi malte, und sie hofften, eines Tages genug Geld gespart zu haben, um sich ein kleines Cottage zu kaufen, in dem sie sich als Familie niederlassen konnten.

Schon komisch, dass das Leben genau weiß, wo es den Schnitt ansetzen muss, damit es am meisten blutet und schmerzt, dachte Henry, während er auf ein kleines Dorf namens Merryknowe zufuhr. Er musste einer Frau ein Angebot unterbreiten, die ihm per E-Mail mitgeteilt hatte, dass sich im Dach ihres reetgedeckten Häuschens ein Loch befand.

Wahrscheinlich Leute, die ihre Wochenenden hier verbringen. Er warf einen Blick auf Pansy, die auf dem Sitz hinter ihm schlief. Die kupferroten Locken fielen ihr ins Gesicht, Locken, die er nicht auf dieselbe Art zu zähmen vermochte, wie Naomi es getan hatte.

Henry fuhr in das langweilige kleine Dorf hinein, fand eine Parklücke, die groß genug für den Camper war, und blickte auf die Uhr. Er hatte am nächsten Morgen einen Auftrag in einem Haus in der Nähe zu erledigen, also würden sie hier in der Gegend übernachten.

Er ließ den Blick über die graue Straße schweifen. Ein paar Geschäfte, aber nichts Aufregendes und ganz bestimmt nichts, dass den Wunsch zu bleiben in ihm wecken würde. Manche Dörfer waren derart malerisch, dass sie aussahen wie die Vorderseite einer Pralinenschachtel, andere hingegen waren eine Mischung aus Zweckmäßigkeit und Schnickschnack. Henry wusste nicht, ob es in Merryknowe jemals Schnickschnack gegeben hatte; einen Zweck hatte es jedenfalls mit Sicherheit nicht.

Ein Pub. Ein Postamt. Ein Café, eine Bäckerei und ein paar kleine Läden lagen an der Straße. Ein Bach floss an der Hauptstraße entlang, mit einem grünen, grasbewachsenen Ufer und einer steinernen Brücke, gerade groß genug, um mit dem Camper darüberzufahren.

»Holen wir uns was Leckeres zum Lunch«, sagte er zu Pansy, die gerade aufgewacht war.

»Kann ich Kuchen essen?«, fragte sie verschlafen.

»Ja, meine kleine Marie Antoinette, du bekommst Kuchen, aber erst nachdem du etwas anderes gegessen hast, okay?«

Er schnallte sie vorsichtig von ihrem Sitz ab, hob sie aus dem Wagen und sah sich um.

Pansy brummte etwas an seinem Nacken, dann stieß sie sich von ihm ab und sprang auf das Straßenpflaster.

Er vermisste die Zeit, als sie noch so klein gewesen war, dass er sie im Tragerucksack hatte transportieren können. Jetzt, wo sie unabhängig war, befürchtete er, dass sie bei einem seiner Aufträge umherschweifen oder auf die Straße laufen und von einem Auto angefahren werden würde.

Allerdings musste er zugeben, dass diese Straße kaum Anlass zur Sorge bot. Er hatte noch keinen Wagen vorbeifahren sehen, und als er durch das Fenster des Cafés spähte, sah es traurig und einsam aus.

Die Bäckerei war etwas vielversprechender, denn im Fenster standen köstlich aussehende Aprikosentörtchen, und der Duft, der durch die nur einen Spaltbreit geöffnete Tür herausdrang, war verlockend.

»Da rein, Pans«, sagte er und stieß die Tür auf.

Ja, er hatte die richtige Entscheidung getroffen. In der Bäckerei war es warm, und es roch gut, außerordentlich gut sogar, dachte er, und sein Magen begann zu knurren.

Es gab nicht viel zu sehen, aber was er erblickte, sah wundervoll aus. Kaninchenpies, Würstchen in Blätterteig, einfache Scones und Käsescones, einige hübsche Marmeladentörtchen und kleine Schmetterlingskuchen.

»Kann ich Ihnen helfen?« Eine junge Frau mit einer rosa Schürze stand hinter dem Tresen. Ihr Gesicht wirkte abgespannt; sie hatte dunkle Augenringe und einen üblen Bluterguss auf dem Wangenknochen.

Henry erschrak beim Anblick des blauen Flecks und zögerte, damit die Frau seine Reaktion nicht bemerkte. »Hallo. Ja, bitte, es sieht alles sehr schön aus.«

Pansy betrachtete die Kuchen in der Verkaufstheke.

»Ich möchte so einen«, sagte sie und deutete auf die Schmetterlingskuchen, die hübsch mit Schlagsahne und einer Schicht Puderzucker verziert waren.

»Und ein Würstchen in Blätterteig, bitte, und ein Stück Kaninchenpie«, fügte er hinzu.

Die Frau schob die Ware gerade in Papiertüten, da reckte sich Pansy auf die Zehen und schaute ihr unverwandt ins Gesicht. »Warum hast du einen blauen Fleck auf der Wange?« Sie stellte die Frage, die Henry aus Höflichkeit für sich behalten hatte. »Hast du gemalt und dich dabei auf deine Hand gestützt? Das ist mir mal mit grüner Farbe passiert, da habe ich wie ein Monster ausgesehen«, sagte Pansy, tiefe Besorgnis in ihrem kleinen Gesicht.

»Ich habe mir die Wange an der Schranktür gestoßen«, sagte die Frau und reichte Henry die Tüten im Tausch gegen das Geld.

»Blöde Schranktür, das darf sie nicht.« Pansy schaute finster drein.

»Ja«, sagte die junge Frau und gab Henry das Wechselgeld heraus, ohne ihm in die Augen zu sehen.

Er nahm ihr die Tüten ab und griff nach Pansys Hand. »Gehen wir, Mäuschen«, sagte er und blickte die Frau an, die Pansy – er wagte es kaum zu denken – geradezu wehmütig anschaute. »Passen Sie auf sich auf«, sagte er und wünschte, ihm fiele etwas Hilfreicheres ein. Aber was sollte er sonst erwidern? Vermutlich stammte die Verletzung nicht von einer Schranktür, sondern von einem Mann. Naomi hätte die richtigen Worte gewusst, hätte ihr wahrscheinlich die ganze Geschichte entlockt und eine Lösung für diesen Schlamassel gefunden, damit so etwas nie wieder vorkam.

Seufzend stieß er die Ladentür auf und hielt Pansy auf dem Rückweg zu ihrem Camper, wo sie das Mittagessen zu sich nehmen würden, bei der Hand.

Was im Leben dieser Frau passiert, geht mich nichts an, redete er sich ein. Aber als er im Wagen saß und die beste Kaninchenpie kostete, die er jemals gegessen hatte, wollte ihm der blaue Fleck im Gesicht der Frau nicht aus dem Kopf gehen, und er fragte sich, wie er dorthin gelangt war.

Er blickte Pansy an und hoffte inständig, dass Naomi sie vor Schmerzen und Kummer bewahren würde. Er beschloss, seiner Tochter beizubringen, wie man die Fäuste gebrauchte, nur für den Fall, dass ihr jemals ein Junge wehtun wollte. Er wusste, dass Naomi sich über seine Gedanken ärgern würde, aber manchmal hatte er eben keine Antwort parat. Und wenn jemand seinem Mädchen etwas antat, hoffte er bei Gott, dass sie stark genug sein würde, einfach abzuhauen, verdammt noch mal … aber erst nachdem sie dem Typen einen gezielten Schlag auf die Nase versetzt hatte.

Er spähte aus dem Wagenfenster und sah, dass sich in dem Haus, vor dem sie geparkt hatten, eine Gardine bewegte. Er lachte in sich hinein. Es gab immer ein paar alte Frauen, die sich wichtigtun und ihn mitsamt seinem Wohnmobil aus dem Dorf vertreiben wollten. Diese alten Schachteln hatten ihn schon so oft loswerden wollen, dass seine Finger und Zehen nicht ausreichten, um es zu zählen.

Er schlug den Fensterladen zu, sodass die alte Dame, wer auch immer sie sein mochte, ihnen nicht beim Essen zusehen konnte. Je eher er ein Angebot für die Reparatur dieses Cottages abgab, desto eher konnte er sich mit Pansy und Naomi wieder auf den Weg machen.

Kapitel 3

Die Merryknowe Bakery and Tearooms war das meistbesuchte Geschäft in dem kleinen Dorf, was allerdings kein Grund zum Stolz war, denn der Ort ging an einem Mangel an Besuchern und echten Bewohnern nach und nach zugrunde.

Es war nicht das hübscheste Dorf in Wiltshire, aber Rachel Brown versuchte, den Schaufenstern der Bäckerei mit ihren Kuchen und Torten wenigstens ein bisschen Eleganz zu verleihen. Manchmal machte sie Cupcakes mit Rosen aus rosa Zuckerguss oder Schokoladen-Eclair mit samtiger Glasur, aber an diesem Tag legte sie mit Creme gefüllte Schmetterlingsküchlein auf das silberne Tablett.

Sie sah, wie sich der Mann und sein Kind von dem Laden entfernten, bis sie außer Sicht gerieten, und sie spürte, dass sie errötete, als sie daran dachte, wie er den blauen Fleck auf ihrer Wange betrachtet hatte. Es ist nicht so, wie Sie denken, hätte sie am liebsten zu ihm gesagt.

Sie wusste, dass die Leute glaubten, ein Mann hätte ihr das angetan, aber das stimmte nicht. Rachel war noch keinem Mann so nahe gekommen, dass er sie aus Leidenschaft oder Zorn hätte berühren können. Bei all den Aufgaben, die sie jeden Tag erfüllen musste, war es ausgeschlossen, einen Mann auch nur kennenzulernen. Sie war eine Sklavin ihrer Existenz. Ihre Routine war tagein, tagaus exakt die gleiche.

Um vier Uhr morgens aufstehen. Backen. Im Obergeschoss helfen. Waschen und anziehen. Im Laden bedienen. Den Laden putzen. Abendessen machen und oben putzen. Um neun Uhr ins Bett, und am nächsten Tag ging alles wieder von vorne los.

Sie hatte einen freien Tag pro Woche, an dem sie die Wäsche erledigen, staubsaugen und Bestellungen für den Laden aufgeben musste. Sie wischte die Böden im Erdgeschoss mit Bleiche und Seifenflocken, und dann musste sie die Bücher durchsehen und dafür sorgen, dass alles glatt aufging.

Schon als Kind war sie in Mathe nicht gut gewesen, und noch immer fand sie Zahlen verwirrend, es sei denn, sie standen direkt mit einem Rezept in Verbindung. Aber sie musste die Bücher in Ordnung halten, andernfalls würde sie bestraft werden. Der blaue Fleck auf ihrem Jochbein war der Beweis dafür.

Rachel schob den Gedanken beiseite und dachte an das kleine Mädchen, das mit seinem Dad in die Bäckerei gekommen war. Sie war richtig süß, und Rachel fragte sich, wo ihre Mutter wohl war, aber sie wirkte gesund und munter mit ihren rostroten Locken, dem niedlichen Jeans-Latzkleid und den grünen Schuhen. Rachel wünschte, sie hätte Schuhe, die so schön waren wie die des kleinen Mädchens.

Sie wusste, dass sie mit ihren fünfundzwanzig Jahren älter als andere Frauen wirkte, mit denen sie zur Schule gegangen war. Sie hasste die eintönige Kleidung, die sie tragen musste, und sie hasste es, wie dünn und strähnig ihre Haare waren, die sie zu einem festen Knoten band, weil man ihr befohlen hatte, sie auf diese Art zu tragen, obwohl ihr abends die Kopfhaut wehtat.

Sie hasste die Schuhe, die sie trug. Mutter hatte sie in der Apotheke für sie bestellt, weil sie Plattfüße hatte und leicht einen Fersensporn bekam. Sie hatten eine Gummisohle und erzeugten beim Gehen manchmal ein quietschendes Geräusch, und dann wurde sie angeschrien, weil sie zu laut war.

Sie hasste die Bäckerei und das Café, in das sich praktisch nie jemand verirrte. Sie könnten viel mehr aus dem Lokal machen, aber auf sie hörte ja niemand. Im Augenblick war es öde und langweilig, aber in ihrer Vorstellung war es charmant und lustig, ein Café, das die Leute gern besuchten.

Rachel backte, weil es ihre Aufgabe war, aber ihr gefielen die Dinge nicht, die sie herstellen musste. Manchmal wich sie vom Plan ab wie zum Beispiel an diesem Tag, an dem sie die Kaninchenpie gemacht hatte, nachdem sie beim Metzger frisches Fleisch dafür gekauft hatte. Sie hatte Apfelwein und Fenchelsamen, französischen Vollkornsenf und Crème double verwendet. Es war ein Triumph und nur möglich, weil sie allein war und niemand sie fragen konnte, was für ein Duft da aus der Küche drang.

Der Mann und seine Tochter hatten die letzte Pie gekauft, nachdem Joe der Metzger zwei erstanden und ihr versprochen hatte, Mutter nichts davon zu sagen. Mr Toby, der Busfahrer, hatte ihr dasselbe versprochen, nachdem er eine Pie gekauft hatte. Die Leute gaben ihr dieses Versprechen sehr gern, denn Mutter war gemein. Rachel hatte eine Pie für sich selbst aufbewahrt, weil sie ihren Erfolg auskosten wollte, und auch weil sie sämtliche Beweise in der Bäckerei vernichten musste.

Sie berührte ihre Wange; die Finger fühlten sich kühl auf der Haut an. Der Bluterguss war schon etwas älter, und er sah jetzt schlimmer aus als am Anfang, als er noch darauf wartete, in den Grün- und Blautönen zu erblühen, die er nun aufwies.

Rachel kannte die Stadien, in denen ein blauer Fleck die Farben des Regenbogens durchlief, und heute war Tag fünf. Bald würde er einen beklagenswerten Gelbton annehmen, und dann würde er verschwinden und nie wieder erwähnt werden, bis der nächste sich zu bilden begann.

Arnikasalbe brachte blaue Flecken schneller zum Verblassen, aber in letzter Zeit benutzte sie keine mehr. Warum sollte sie versuchen, die Blutergüsse verschwinden zu lassen? Schließlich fügte sie sich die Dinger nicht selbst zu. Oder wollte sie etwa, dass ihr jemand Fragen stellte?

Wenn sie nachts in ihrem schmalen Bett mit dem kleinen Nachttisch daneben lag, ein Exemplar von Freude am Kochen in der Hand, dann fragte sie sich, ob es jemanden gab, der an sie dachte. Ob sich vielleicht jemand fragte, wie man ihr helfen könnte. Ob jemand draußen in der Welt besorgt überlegte, wie lange sie auf diese Art noch weitermachen konnte, oder ob überhaupt jemand wusste, was für eine Art Leben sie führte.

Aber Joe der Metzger sprach über nichts anderes als über den Rinderbraten oder das Kaninchen, das er gerade erlegt und zu Hackfleisch verarbeitet hatte. Und Mrs Crawford behauptete, Rachel sei einfach ungeschickt, sei es immer schon gewesen, sogar als Kind im Dorf. Sie sagte das, als wollte sie sie beschuldigen, als hätte Rachel den Bluterguss-Regenbogen wegen ihres schweren Schritts und ihrer achtlosen Bewegungen verdient. Sie war sich sicher, dass Mrs Crawford vom Postamt wusste, was mit ihr geschah, aber sie half ihr nicht, und darum hätte Rachel ihr das Vanillepudding-Törtchen am liebsten verweigert. Allerdings hätte ihre Mutter sehr bald davon erfahren, das wusste sie.

Manchmal lag Rachel aber auch im Bett, las die Rezepte in dem Buch und stellte sich vor, das Café in ein Restaurant zu verwandeln, wie sie es in den Illustrierten in der Bücherei in Chippenham gesehen hatte. Holztische und bequeme Stühle, auf denen Leute sitzen und plaudern, Händchen halten und lächeln und köstliche Gerichte essen konnten. Sie würde die Wände entweder pfauenblau oder indischpink streichen – sie konnte sich nicht entscheiden –, und es würde Lampen und Regale mit den Büchern geben, die sie liebte, die Romane, die ihr während ihres noch jungen Lebens Gesellschaft geleistet hatten. All die Figuren in den Büchern, die ihre Freunde und ihre Feinde waren und die sie gelehrt hatten, dass sie mehr wert war, als man ihr bisher in ihrem Leben gesagt hatte.

Ein Reisebus kam an, und Rachel wartete darauf, dass die Leute ins Café strömten. Sie würden enttäuscht sein. Jeder war enttäuscht. Die Räume waren kalt, und dasselbe galt für den Tee, weil es eine Weile dauerte, bis sie ganz allein alle Gäste bedient hatte.

Ein Teller Windrad-Sandwiches und ein Teller Petit Fours waren Teil des Deals mit dem Reiseunternehmen. Rachel seufzte und fing an, den Tee zu kochen, als die Touristen in das Café geschlendert kamen. Ihr blieben noch drei Stunden Freiheit, und die verbrachte sie damit, mit zutiefst enttäuschter Miene enttäuschten Menschen einen enttäuschenden Nachmittagstee zu servieren.

Als der letzte Tourist gegangen war und Rachel im Café und in der Bäckerei aufgeräumt und die unverkaufte Ware in den Kühlschrank gestellt hatte, ging sie nach oben, zog ihre hässlichen Schuhe aus und schlüpfte erleichtert in die Pantoffeln, in denen ihre Zehen ausreichend Platz hatten.

»Bist du unten fertig?«

Beim Klang der Stimme schloss sie fest die Augen, als könnte sie auf diese Art all ihren Mut zusammennehmen oder vielleicht einen Geist heraufbeschwören, der sie weit weg von hier bringen würde.

»Fast, ein paar Sachen sind übrig geblieben«, antwortete Rachel.

»Hast du alles weggestellt?«

»Ja.«

»Ist der Reisebus gekommen?«

»Ja.«

»Hast du bei Joe ein Kaninchen gekauft und Pies gemacht?«

Rachel zögerte.

»Ich habe alle verkauft. Mehr als von den üblichen Rinderpies.«

»Willst du etwa behaupten, mein Rezept für Rinderpie ist nicht so gut wie dein ach so tolles französisches Kaninchenpie-Rezept?«

Rachel seufzte. »Nein, so habe ich es nicht gemeint. Joe hat gesagt, das Kaninchen wäre gut, und es war billiger als das Rindfleisch.«

Darauf folgte Schweigen. Geld war bei Verhandlungen dieser Art immer ein gutes Argument. Das Café und die Bäckerei florierten nicht gerade, und in den letzten Monaten waren weniger Reisebusse als zuvor angekommen. Es gab andere Dörfer mit aktiveren Bürgern, mehr Geld oder mehr Sehenswürdigkeiten. Trotz des plätschernden Baches mit der Brücke, trotz der Häuschen, die die Straßen säumten, war Merryknowe nicht gerade eine Attraktion.

»Du hättest mir das mit dem Kaninchen erzählen müssen.«

»Das hatte ich ja vor«, log Rachel.

»Komm, lass mir ein Bad ein und hilf mir in die Wanne. Ich bin müde von dem Friseurtermin heute.«

Nur mit Mühe hielt Rachel die Tränen zurück. Sie war völlig erschöpft, und immer noch gab es Dinge, die erledigt werden mussten.

»Beeil dich.« In der Stimme lag ein warnender Unterton, den Rachel nur zu gut kannte.

»Ja, Mutter«, antwortete sie und machte sich wieder an die Arbeit, bevor auch die andere Wange anfangen konnte, in den Farben des Regenbogens zu erblühen.

Kapitel 4

Um angemessen in den Tag zu starten, musste man guten chinesischen Tee in eine Tasse aus feinem chinesischem Porzellan gießen.

Tassie McIver trank ihren Tee aus einer Wedgwood-Tasse samt Unterteller, die ein verblichenes Muster aus grünem, sich rankendem Efeu zierte. Sie hatte ihrer Urgroßmutter gehört. Es war eine rosenförmige Tasse, die über die richtige Tiefe und Breite für die Teeblätter verfügte, aus denen sie jeden Morgen las. Der Tee war zwar wichtig, aber die Teeblätter waren es, die den Ton für den Tag vorgaben.

Der Tee musste mit der linken Hand getrunken werden, weil diese dem Herzen am nächsten war, was Tassie gut passte, wenn sie die Zeitung las und zuerst nach ihrer eigenen Todesanzeige Ausschau hielt. Ihre Mutter hatte immer gesagt, solange ihr Name nicht in der Zeitung stand, könne sie noch einen weiteren Tag leben. Danach widmete sie sich dem Kreuzworträtsel, ehe sie sich die Wettervorhersage anschaute.

Sie ließ einen halben Teelöffel Flüssigkeit in der Tasse und drehte sie auf dem Unterteller dreimal nach rechts. Tassie bewegte die Tasse zügig, dann stülpte sie sie langsam auf dem Teller um, sodass die Unterseite nach oben zeigte, ließ den Tee abfließen, bis die Teeblätter sich setzten und die Nachrichten des Tages verkündeten.

Tassie sah sich den Wetterbericht an, während sie wartete, dass die Teeblätter ihren endgültigen Platz einnahmen. Sie sah keinen Unterschied zwischen der Wettervorhersage und der Prophezeiung aus der Teetasse für den bevorstehenden Tag. Die Wetterleute irrten sich in Bezug auf Regen oder Sonnenschein häufiger, als sie sich im Hinblick auf das irrte, was im Dorf und in ihrem Leben vor sich ging.

Tassie drehte die Tasse um und warf einen Blick hinein. Der Henkel zeigte zu ihr. Interessant, dachte sie. Sie würde demnächst in etwas verwickelt werden. Das allein war bereits ungewöhnlich. Sämtliche Blätter klebten in der Nähe des Randes. Die Ereignisse standen kurz bevor, nahm sie zur Kenntnis. In der Tasse zeigte sich ein Marienkäfersymbol. Ein Hinweis auf Besucher, dachte Tassie. Jemand würde sie besuchen kommen.

Es klopfte an der Haustür, und sie erschrak.

»Mrs McIver, hier ist die Krankenschwester«, rief die Frau, die vor dem kleinen Haus stand.

Tassie McIver seufzte. Die Tasse spielt mit mir, dachte sie, denn die Gemeindeschwester war keine erwünschte oder gar willkommene Besucherin. Es dauerte eine Weile, bis die alte Dame aufgestanden war, und manchmal gingen die neuen Schwestern wieder weg, bevor sie es zur Haustür geschafft hatte, aber diese hier klang zu gutmütig, als dass sie in absehbarer Zeit irgendwohin verschwinden würde.

Es war ein warmer Tag, und Tassies Arthritis benahm sich, aber trotzdem spürte sie jeden Schritt bis in die Knochen, als sie endlich an der Haustür angekommen war.

Sie machte auf und sah eine muntere Krankenschwester vor sich, deren gönnerhaftes Lächeln sie sofort in schlechte Stimmung versetzte. Worüber freute sich diese Frau nur so sehr? Alte Männer mit einem Schwamm abzuseifen und Verbände auf schrumpeliger Haut wie der von Tassie zu wechseln war sicherlich nicht das, was sie sich vom Leben erträumt hatte.

Tassie hatte im Krankenhaus die Oprah Winfrey Show gesehen und erfahren, was es bedeutet, seine Träume zu leben, und sie fragte sich, ob sie im Alter von neunundachtzig Jahren wohl all ihre Träume gelebt hatte. Neunundachtzig Jahre hatte sie an ein und demselben Ort verbracht – in Merryknowe. In diesem Dorf passierte nichts ohne Tassies Wissen, selbst wenn die Bewohner das nicht ahnten, weil sie stets Stillschweigen darüber bewahrte.

Tassie war keine Hexe, und sie war nicht mal ansatzweise religiös, aber sie verstand die Rhythmen und Kreisläufe des Lebens. Sie glaubte, dass noch unter der tiefsten Wagenspur Juwelen lagen, wenn man nur bereit war, geduldig zu sein und ein bisschen tiefer im eigenen Selbst zu graben, um sie herauszuholen.