Neue Zwiegespräche mit Gott - Ahne - E-Book

Neue Zwiegespräche mit Gott E-Book

Ahne

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Beschreibung

Seit der erste Band der "Zwiegespräche mit Gott" veröffentlicht wurde, ist auf der Welt eine Menge passiert: Skrupellose Heinzelmännchen brachen eine schlimme Krise vom Zaun, Kerstin und Karin verliebten sich ineinander, Barack Obama wurde neuer US-Präsident und Vera Wollenberger-Lengsfeld verabschiedete sich von einem ihrer Nachnamen. Nordkorea qualifizierte sich für die Fußball-WM, genauso übrigens wie Südkorea, der Fleischer in der Schönhauser Allee machte dicht, viel Eis schmolz und Bombay heißt jetzt Twix. Ob Gott dazu eine Meinung hat, ob sein Gesprächspartner ihm zustimmt, was zuerst da war, Farbe oder Ton oder gar Karl Marx, was Dostoprimelschatjelnosti auf Deutsch heißt oder auch anderes, vollkommen Entgegengesetztes, das kann man erfahren, wenn man dieses Buch hier aufschlägt. Falls man es nicht aufschlagen sollte, bleibt das Buch eben zu. Gruselig, oder?

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Verlag Voland & Quist, Dresden und Leipzig, 2009

© by Verlag Voland & Quist – Greinus und Wolter GbR

ISBN 978-3-938424-46-9

Covergestaltung: Marcel Theinert und Mario Helbing

E-Book-Erstellung: nimatypografik

www.voland-quist.de

Ich widme dieses Buch den Lücken.

Inhalt

Vorwort

Vergleichbare Persönlichkeiten

Das letzte Glied

Was da ist, ist da

Kosten sparen

Zornig

Das Tabu

Etten

Gott rutscht etwas heraus

Vorsätze

Hochzeitsglocken

Das Klassentreffen

Dehydrierung

Der frühe Vogel

Schöne Gefühle

Wir packen an und schmeißen weg

Das Oberhaupt

Das Hintertürchen

Spiegelfechten

Das Gerüst

Stimmigkeiten

Papierverschwendung

Die Antwort weiß ganz allein der Wind

Zieht eure T-Shirts aus

Stein

Hinter dem Berg

Hartz IV

Abgespeichert

Gefährliche Kleidung

Man hat ja Prinzipien

Händchen halten

Christen

Durchschnitt

Die Milch wird knapp

Lug und Trug

Die Flamme der Revolution

Vorwort

Fast erscheint es mir wie gestern, dass ich das erste Mal eines von Ahnes Zwiegesprächen mit Gott hörte. Doch nun liegt schon der zweite Band der „Zwiegespräche“ vor und es steht zu vermuten: Wir dürfen uns auf weitere freuen.

Im ersten Teil, in den frühen Jahren, waren die „Zwiegespräche“ in viel stärkerem Maße selbstreferenziell und berauschten sich noch an ihrem Sujet: ein einfacher Berliner trifft den Allmächtigen. Gott und insbesondere seine Heiligkeit waren in diesen Texten noch viel stärker der deus ex machina. Gottes Omnipotenz und Aseität werden wiederholt in Frage gestellt. Der Autor nimmt erkennbar Bezug auf den biblischen Apostel Thomas und seinem Weg zum bekennenden Glauben an Jesus Christus. „Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht“ ( Joh. 20,25).

Spannend und doppelbödig ist der Hinweis auf Thomas gerade auch, da sich dessen Name aus dem aramäischen Wort für „Zwilling“ ableitet und in der syrischen Tradition daher als Judas Thomas (sic! ) erscheint. Hier treibt der Autor ein Vexierspiel mit den verschiedenen Ebenen unserer Wahrnehmung des Textes und der Darstellung der himmlischen Figur im Text.

Im vorliegenden Band hat sich die Gotteswahrnehmung des Autors erkennbar weiterentwickelt. Gott wird nicht mehr als Weltenschöpfer und Allwissender in Frage gestellt, doch aber als Allmächtiger und Weltenherrscher. Hier wagt sich Ahne an das schwierige Problem der Theodizee: Wenn Gott allgütig und allmächtig ist, warum lässt er das Böse in der Welt zu? Man glaubt es kaum: Plötzlich steht dieser schmächtige Mann nicht mehr auf der kleinen Bühne des „Kaffee Burger“, sondern in einer Reihe mit Philosophen von Rang wie Lacan, Hegel oder natürlich Leibniz, die sich schon mit dem Problem auseinandergesetzt haben.

Natürlich kann Ahnes Text nicht an die Witzigkeit eines Lacans, die Leichtfüßigkeit der Kabbala, die Schlagfertigkeit Hegels oder den trockenen Humor Leibniz’ heranreichen, aber dafür sind seine „Neuen Zwiegespräche mit Gott“ tiefgründiger, ernster und beinhalten für jeden, der ein selbst gekauftes Exemplar des Buches von vorn bis hinten durchliest, erstmalig die Antwort auf dieses bisher nicht umfassend gelöste Problem.

Jakob Hein

Zwiegespräche mit Gott | heute:

Ein skeptischer Sympathisant

A: Na Gott.

G: Na.

A: Wir wolln ’ne Patei gründen, Gott.

G: Schön.

A: Schön?

G: Na, dit ihr euch angajiert. Dit euch dit nich gleichgültich is, allit. Dit ihr dit Heft des Handelns in die Hand nehmt und aktiv eure Umwelt mitjestalten tut.

A: Na ja, noch suchen wa nach ’n Namen für die Patei.

G: Wie wär’t mit SPD?

A: Jibtit schon.

G: Oda wat Christlichit. Wartte ma, wie wär’t mit … Christlich, äh, Sozjale …

A: Jibtit ooch schon, Gott. Außadem wolln wa keene Christliche Patei sein, wir wolln übahaupt keene religjöse Patei sein.

G: Schade einklich.

A: Wir wolln ’ne Patei sein, Gott, die sich von alle die Patein, die’t schon jibt, fundamental untascheidet.

G: Nüscht leichta als dit, nennt euch doch einfach „Die Grünen“.

A: Um deinetwillen, Gott, haste jetz ’n Witz jemacht, oda wat? Nee. Wir dachten eha, wir nenn’ uns „Die Blauen“.

G: Blau is ooch schön, stümmt. Blau wie der Himmel, blau wie das Meer. Ach, ick weeß noch wie dit wah, damals. Blau wah ja die allahletzte Fahbe, die ick kreiert hab. Die kam noch nach Ocka, nach Pink kam die noch. Ick hatte der Sonne ja bereits die jelbe Fahbe jejeben, die Löcha in’n Weltall hattick schwahz jemacht längst, den Schnee weiß, die Blätta grün und die Liebe rot, nur für dit Meer und den Himmel hattick noch keene Fahbe. Da habick ewich übalegt. Hin und her. Ick dachte erst, na, villeicht solltick die ooch jelb machen, aba denn hätt’ sich die Sonne ja von’n Himmel ja nich mehr abjehoben und in’n Wassa hätt’ se sich nich spiegeln könn’, weeßte.

A: Intressant, ja.

G: Plötzlich fiel mir ein, hallo, wie wär’t, wennick die einfach ma blau mache.

A: Hmm.

G: Dit wah doch voll die jute Idee jewesen, oda?

A: Wah bei uns ähnlich, Gott. Die andan Fahben, die wahn ja politisch schon alle besetzt, ürgendwie. Rot, gelb, schwahz, grün, braun, grau, lila, selbst orange, dit is ja praktisch die Fahbe vonne Rewolutjon inne Ukraine, wah dit.

G: Da jabs ’ne Rewolutjon?

A: Sowat Ähnlichit. Friedlich.

G: Wie hier früa, in diesen andan Staat, wa? Wo Leipzich die Hauptstadt von wah.

A: Äh …, strengjenommen wah da Leipzich nich die Hauptstadt von, aba ähnlich, ja. Die streiten sich jetz aba alle.

G: In Leipzich?

A: Inne Ukraine, Gott. Die Rewolutjonäre. Die eene mit den Brotzopp um’n Kopp jewickelt und der andere mit die Nahben in’n Jesicht.

G: Charles Bukowski?

A: Is tot.

G: Der soll ja ville jetrunken ham, ooch. Alkohol und sowat. Dit will mir übrijens absolut nich in’n Kopp, dit ihr meine schöne Fahbe Blau dazu missbraucht den volltrunkenen Zustand eines Menschen zu beschreiben. Haste da nich Schiss, dit ihr mit eure neuen Patei villeicht den Säufan zujeordnet werdit?

A: Wir ham nüscht jegen Säufa, Gott. Aba dit jibt ein viel schlümmeret Problem.

G: Ick weeß, ick weeß, der Nahost-Konflikt.

A: Den meinick ausnahmsweise ma nich, Gott, sondan „Die Blauen“, die Patei „Die Blauen“, die jibtit ooch schon.

G: Nein!

A: Doch.

G: Nein!! Dit is ja eine Katastrofe für euch! Und wat machta jetze, mit die janzen blauen Fahnen, mit die Winkelemente, die Mitgliedsausweise, die Luftballongs? Die Schals, Gummibärchentüten, Kondome?

A: Wir ham so’n Schrott nich, Gott. Wir sind libatär.

G: Ach kiek an. Und da biste ooch noch stolz druff, oda wat?

A: Jeht so. Uff jeden Fall habick schon ’ne neue Idee für’n Namen.

G: Lass ma raten, „Die Oliven“?

A: „Die Karierten“, Gott. Fahben sind out, jetz komm’ Musta!

G: Musta, ja?

A: Absolut. Dit karierte Zeitalta is anjebrochen, dit woruff alle jewartet haben, hallelujah!

G: Na, wenn de dir da ma nich täuschst.

A: Unsere Vaantwortung für uns vabietet es uns, uns zu täuschen.

G: Kariert quatschen habta anschein’d schon jelernt.

A: Is anjeborn bei mir, tschüss Gott.

G: Tschüss.

A: Ach Gott?

G: Ja?

A: Wenn de bei uns mitmachen willst, ja …?

G: Lass ma, vorerst bleibick erstma eua skeptischa Sümpathisant.

Zwiegespräche mit Gott | heute:

Vergleichbare Persönlichkeiten

A: Na Gott.

G: Na.

A: Boris Becka hat ’ne Neue, Gott.

G: Wat bitte jeht mich dit an?

A: Habick inne Schweiz afahren. Wusstiste Gott, dis Boris Becka inne Schweiz wohnt?

G: Nee.

A: In Zug. Der wohnt in Zug.

G: Arrogante Sau!

A: Oda jedenfalls hatta ma da jewohnt. Da kennse ihn jedenfalls janz jut. Da nennse ihn imma noch Bum-Bum und die Eene hat jesagt, der würde Muttainstinkte wecken.

G: Kiek an.

A: Weila so mitte Augen klimpat, Gott, und rote Haare hat und Sommasprossen und so.

G: Hmm.

A: Da würkta denn ’n bisschen dämlich und dit weckt wohl die Muttainstinkte.

G: Nich distit als Beleidijung ufffasst, aba bei mir weckt dit eha die Müdichkeit.

A: Ick find dit ja intressant, Gott. Warum wohl einije von die Sportla nach ihre aktiwe Laufbahn vonne Bildfläche vaschwinden, während andre stur und starr uff de Bildfläche bleiben.

G: Muss ebend ooch Sportla uff die hinteren Plätze jeben. Wennit die nich jäbe, würde nämich übahaupt keena wat zu feian haben. Die Bedeutung eines Sieges misst sich an den Besiegten, mein Freund.

A: Schon klah. Meinick aba janich. Ick mein’ vagleichbare Pasönlichkeiten, Gott. Warum hört man zun Beispiel nüscht von Thomas Wassberg, von Jarmila Kratochwilowa, von Frank Terletzki, Nadja Kommanetsch oda Teofilo Stiewensen, warum liest, hört und sieht man stattdessen ständich Franz Beckenbaua, Björn Borg, Muhammed Ali oda ooch Katarina Witt?

G: Muhammed Ali, is doch der, der imma so zittat, stümmts?

A: Vollkommen richtich, Gott.

G: Dit is der in’n Rollstuhl, oda, der so’n liebit Jesicht hat.

A: Siehste, soja du kennst den. Weeßte ooch, wat der für’n Sport jemacht hat?

G: Rollstuhlfahn?

A: Boxen, Gott. Aba dit meinick. Dit jibt welche, die wern nach ihre aktiwe Zeit einfach so prominent. Die wern abjekoppelt von ihren Sport, vollständich. Die akennt man denn einfach. Von denen will man wissen, wat für ’ne Magarine se sich uffs Brot schmiern, ob se tablettensüchtich sind, ’ne neue Freundin ham, für Fototermine oda ooch wie ville se vadienen, zun Beispiel.

G: Ick, zun Beispiel, will dit nich wissen.

A: Weil du, zun Beispiel, ja ooch Gott bist, oda dir zumindist für hältst.

G: Und du hältst dir wohl für intelligent, wa?

A: Kannick nich beurteilen. Müssen künftige Generatjonen entscheiden. Ick halt ma jedenfalls nich für Gott.

G: Weil dit ja ooch nich bist.

A: Stümmt.

G: Ick aba bin Gott. Sollick etwa lügen, bloß um Bescheidenheit zu signalisiern?

A: Willste meine ehrliche Meinung hörn?

G: Nee.

A: Boris Becka soll übrigens ’ne Fürma ham, Gott, die sich nur mit ihm selba beschäfticht, also mit die Entwicklung seina Figur, die Präsentatjon von die, seinen Immätsch und ähnliche Scherze. Dit is doch ürgendwie traurich, findste nich ooch? Ick meine, der könnte doch noch ma studieren oda ’ne Lehre machen als Fliesenleja oda als Frisör, der is doch noch jung, der kann doch noch so ville aus seinen Leben machen, der Bengel.

G: Jenau wie du.

A: Ick bin dabei, Gott. Ick lerne grade Ahzt, autodidaktisch. Zur Zeit übick spritzen, grade. Dürfick dir villeicht ma ’ne Spritze jeben, ja?

G: Untasteh’ dir!

A: Is nur Luft drin.

G: Schusta, bleib bei deine Leisten!

A: Tschüss Gott.

G: Tschüss du. Ach …, du?

A: Ja?

G: Der Muhammed Ali, der hieß doch ma früha ma andas. Wie hieß der denn glei noch mal?

A: Stiewens, Gott, Kett Stiewens.

Zwiegespräche mit Gott | heute:

Das letzte Glied

A: Na Gott.

G: Na.

A: Ick dachte, Gott, du bist nich da.

G: Wegen dit schöne Wetta, meinste?

A: Nee, oda weeßick nich, aba ick dachte, an so einen Tach …!

G: Ja, meine Güte, Mittwoch meinste wa, is jetz aba für mich nich so der besondere Tach. Ick hab ja schon so ville Mittwoche alebt, weeßte, ick kann dir sagen, ick hab ja mehr Mittwoche alebt, als alle Menschen diesa Welt zusammen Haare ham, und damit meinick nich nur die ihre Kopfhaare.

A: Gott?! Du machst Witze?!

G: Lustich, oda?

A: Die wolln allit vanichten!

G: Wer will allit vanichten?

A: Die Wissenschaftla, Gott. Die varrückten Wissenschaftla.

G: Du meinst Dr. No?

A: Ick mein die varrückten Wissenschaftla inne Schweiz, die wolln da so’n Teilchenbeschleuniga einschalten, bei dem wern so Teilchen so dermaßen schnell uff ’n’andajejagt, mit Lichtjeschwindichkeit, dit denn dadurch solln die denn zafalln, die Teilchen, und zwah in so kleene Teilchen, dit se denn ooch dit lange jesuchte Higgs-Teilchen finden.

G: Dit wat Teilchen?

A: Higgs.

G: Denkt wohl jemand an dich, wa?

A: Witzich, Gott. Wenn die dit Higgs-Teilchen finden, ja, denn wäre damit dit letzte Glied entdeckt, wat man bräuchte, um den Urknall zu beweisen.

G: Jibtit imma noch welche, die dadran glooben?