Nicht nur Heldinnen - Jasmin Lörchner - E-Book

Nicht nur Heldinnen E-Book

Jasmin Lörchner

0,0

Beschreibung

Ob auf dem Thron, im Gerichtssaal oder auf den Weltmeeren: Frauen haben Geschichte geschrieben – aber nicht nur als Heldinnen. Manche kämpften bewundernswert für ihre Ziele, andere stellten sich über ihre Mitmenschen, verfolgten vor allem wirtschaftlichen Profit oder wählten umstrittene Allianzen, um ihre Interessen durchzusetzen. Jasmin Lörchner, die Stimme hinter dem Podcast »HerStory«, stellt zwanzig vielschichtige Frauen vor: Von der ägyptischen Herrscherin Hatschepsut über die deutsche Juristin Elisabeth Selbert bis zur chinesischen Piratin Zheng Yisao. Sie porträtiert Protagonistinnen mit Kampfgeist und Akteurinnen mit Schattenseiten: Frauen, die uns bis heute faszinieren.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 221

Veröffentlichungsjahr: 2023

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Jasmin Lörchner

Nicht nur Heldinnen

Jasmin Lörchner

Nicht nur Heldinnen

20 Frauen, die Geschichte schrieben

© Verlag Herder GmbH, Freiburg im Breisgau 2023

Alle Rechte vorbehalten

www.herder.de

Umschlaggestaltung: Gestaltungssaal, Rohrdorf

Umschlagmotiv: © Everett Collection / shutterstock

Illustrationen und Innenlayout: Gestaltungssaal, Rohrdorf

E-Book-Konvertierung:

Röser MEDIA GmbH & Co. KG, Karlsruhe

ISBN Print 978–3-451–03342–1

ISBN E-Book (EPUB) 978–3-451–82986–4

ISBN E-Book (PDF) 978–3-451–82987–1

Inhalt

VORWORT

MÄCHTIGE

HATSCHEPSUT

ALAKHAI

NJINGA

ELISABETH SELBERT

KREATIVE

JUDITH LEYSTER

ANNA SEGHERS

UMM KULTHUM

GERDA TARO

MACHERINNEN

ZHENG YISAO

MARY ELLEN PLEASANT

MARGARETE STEIFF

GALA DALÍ

PIONIERINNEN

MARIA CUNITZ

SEDIQEH DOWLATABADI

ANNA FREUD

ROBERTA COWELL

KÄMPFERINNEN

MARGERY FRY

ADA BLACKJACK

IRENA SENDLER

RUTH BADER GINSBURG

LITERATUR

ABBILDUNGSNACHWEIS

ÜBER DIE AUTORIN

VORWORT

Warum lieben wir Heldinnengeschichten so sehr? Vermutlich, weil sie einfache Antworten für komplizierte Probleme liefern: Tapfere Frauen stellen sich unerschrocken einer gegnerischen Person oder einem großen Konflikt. Am Ende triumphieren sie und das Gute siegt. Aber Geschichte ist selten so linear.

Frauengeschichte will historische Protagonistinnen aus dem Schatten holen und ihnen endlich ihren Platz in den Geschichtsbüchern sichern. Dabei ist die Versuchung groß, diejenigen Frauen ins Rampenlicht zu stellen, die sich für unser Verständnis von einer Heldin eignen und scheinbar immer das Richtige taten.

Doch das wird weder den Frauen noch der Geschichtsschreibung oder den Zielen des Feminismus gerecht. Unseren Blick auf makellose Frauen zu verengen oder fragwürdige Aspekte in ihrer Biografie zu übersehen, ist nur eine neue Form, Frauen in eine Schublade zu drängen und zu bevormunden. Es wiederholt einen Fehler, den schon männliche Geschichtsschreiber gemacht haben, als sie sich zu Chronisten der Heldentaten „großer“ Männer machten. Ignorieren wir komplexe, schwer greifbare oder gar abstoßende Frauen, begreifen und schreiben auch wir Geschichte nur selektiv. Nur wenn wir historischen Protagonistinnen Unperfektheit zugestehen, ihnen Raum geben für Schattenseiten, Makel, Zweifel und Widersprüche, können wir Geschichte in ihrer Komplexität begreifen.

Dieses Buch will Antiheldinnen nicht glorifizieren. Es ist der Versuch einer ausgewogenen Erzählung: „Nicht nur Heldinnen“ erzählt die Geschichte von zwanzig Frauen, von denen wir manche bis heute bewundern. Andere haben Ecken und Kanten, ihre Entscheidungen geben uns Rätsel auf, ihr Handeln weckt bei uns Widerspruch.

Das Buch beleuchtet in fünf Kapiteln Frauen von der vorchristlichen Zeit bis ins 21. Jahrhundert: Es blickt auf Mächtige und wie sie ihre Staaten und Völker lenkten oder als Entscheidungsträgerinnen beeinflussten. Es spürt Kreativen nach, wie sie mit ihrer Kunst neue Wege gingen oder ihre Arbeit von der Politik beeinflussen ließen. Es stellt Macherinnen vor, die sich als Unternehmerinnen behaupteten oder von Gier getrieben wurden. Es erzählt von Pionierinnen, die die Wissenschaft voranbrachten oder die Gesellschaft herausforderten. Und es schildert die Geschichten von Kämpferinnen, die Reformen anstießen oder ums nackte Überleben rangen.

„Nicht nur Heldinnen“ schaut auf Protagonistinnen in Europa, weitet aber auch den Blick auf Frauen in Afrika, der arabischen Welt, Asien und den USA. Ihnen ist gemeinsam, dass sie gegen Geschlechterrollen, Konventionen oder Gesetze ihrer Zeit verstießen.

Die Geschichten dieser Frauen stellen Fragen an uns und regen Denkprozesse an: Wie würden wir uns verhalten? Wie haben die Umstände ihrer Zeit ihre Entscheidungen und Wege beeinflusst? Das Buch gibt bewundernswerten und unperfekten Frauen einen Raum. Weil nicht nur Heldinnen Geschichte schreiben.

MÄCHTIGE

Hatschepsut

Alakhai

Njinga

Elisabeth Selbert

HATSCHEPSUT

ca. 1500–1458 v. Chr., Altes Ägypten

Der Geruch verbrannter Kräuter und der Klang ritueller Gesänge füllten den Raum, in dem Hatschepsuts Körper aufgebahrt worden war. Als sie im Jahr 1458 v. Chr. mit etwa vierzig Jahren starb, unterzog man ihre sterbliche Hülle dem sorgsamen Prozess der Mumifizierung. Ihre Organe wurden entnommen und gesondert präserviert, das Gehirn wurde entfernt. Ihren Körper packte man in Salz, um dem Gewebe die Flüssigkeit zu entziehen. Anschließend wurde ihre sterbliche Hülle in Leinen eingewickelt.

Etwa zweieinhalb Monate später wurde Hatschepsuts Leichnam auf einen Schlitten geladen und von ihrem Nachfolger, Pharao Thutmosis III., zu ihrem Totentempel eskortiert. Sorgsam vollzogene Rituale dienten in den folgenden Wochen dazu, Hatschepsut auf den Eintritt in das Reich der Toten vorzubereiten und ihre Macht auf den neuen Herrscher zu übertragen.

Auf der letzten Reise durften sie nur Auserwählte begleiten: Thutmosis III. und wenige Offizielle schritten in einer Prozession vom Totentempel neben dem Schlitten her, auf dem Hatschepsuts Leichnam zum Grab im Tal der Könige transportiert wurde.

Doch Hatschepsut war keine friedliche Totenruhe vergönnt. Wie so viele Pharaonengräber wurde auch ihres von Grabräubern aufgebrochen und geplündert. Auch die Erinnerung an sie wurde schon bald nach ihrem Tod gestört – von niemand anderem als dem Nachfolger. Thutmosis III. ließ Wandbilder abschlagen, Hieroglyphen wegmeißeln und Statuen entfernen. So gründlich ging er vor, dass Hatschepsut mit jeder nachfolgenden Generation mehr in Vergessenheit geriet. Selbst als Archäologinnen und Archäologen sich Jahrhunderte später an Ausgrabungen machten und die Geschichte der Pharaonen-Dynastien rekonstruierten, wurde Hatschepsut, die Frau auf Ägyptens Thron, lange übersehen – anders als die Regentinnen Nofretete und Kleopatra, die in den Jahrhunderten nach Hatschepsut den Thron bestiegen und heute weitläufig bekannt sind.

Hatschepsuts Weg zur Herrschaft begann mit einer Krise. Weil der vermutlich unfruchtbare Pharao Amenhotep I. keine Nachkommen gezeugt hatte, fehlte dessen Dynastie nach seinem Tod um 1504 v. Chr. ein Thronfolger. Um das Problem zu lösen, wurde ein Mitglied der ägyptischen Elite auf den Thron gehoben, wahrscheinlich ein General: Thutmosis I. – Hatschepsuts Vater. Thutmosis I. führte erfolgreiche Schlachten und erweiterte die Grenzen des Königreichs Ägypten. Er begann ein Bauprogramm für Tempel und überhöhte den Status des Gottes Amun, des Wind- und Fruchtbarkeitsgottes der altägyptischen Religion.

Obwohl männlichen Nachkommen im Pharaonenpalast die höchste Bedeutung zukam, genoss auch Hatschepsut als erstgeborene Tochter des Pharaos ab ihrer Geburt um 1500 v. Chr. einen Sonderstatus. Ihr wurde die rituelle Rolle als Frau des Gottes Amun übertragen. Dafür wurde Hatschepsut von einer Amme umsorgt und später in die Obhut von Tutoren gegeben. Ihre Mutter, vermutlich eine Nebenfrau des Pharaos, widmete sich währenddessen wieder ihrer Aufgabe, weitere Nachkommen mit dem Herrscher zu zeugen.

Hatschepsut studierte mit ihren Tutoren die Skripte und Rituale für die Anrufung des Gottes Amun. Jeden Morgen musste der Gott aufs Neue von den Toten erweckt werden. Die Tochter des Pharaos war wohl noch nicht einmal zehn Jahre alt, als sie mit der täglichen Ausführung des Rituals begann.

Auch sonst erlebte Hatschepsut keine gewöhnliche Kindheit: Sie wurde nicht mit den anderen Kindern von Nebenfrauen erzogen, sondern saß oft mit ihrem Vater in dessen Thronraum. Thutmosis I. hatte ein enges Verhältnis zu seiner Tochter und ließ sie seine Regierungsgeschäfte mitverfolgen. Sogar auf Kriegszügen begleitet sie ihn schon als junges Mädchen.

Mit etwa 13 Jahren heiratete sie einen zwei Jahre jüngeren Halbbruder, den Thutmosis I. mit einer Nebenfrau gezeugt hatte. Inzestbeziehungen waren im alten Ägypten normal und sogar erwünscht: Die 18. Dynastie, aus der Hatschepsut entstammte, begann dem Glauben nach mit einer Bruder-Schwester-Beziehung. Gleichzeitig diente die Verbindung von Geschwistern dazu, die Macht innerhalb einer Familie zu konzentrieren und keine Konkurrenten entstehen zu lassen.

Schon kurz vor oder nach der Eheschließung starb Thutmosis I. Das Schicksal Ägyptens lag nun in den Händen zweier Teenager. Doch Thutmosis II. war kränklich und auf die Rolle schlecht vorbereitet. Eigentlich hatte die Nachfolge auf einen der beiden leiblichen Brüder Hatschepsuts übergehen sollen – doch Amenmose und Wadjmose waren bereits jung verstorben. Thutmosis II. hatte vermutlich nur die Ausbildung eines höheren Beamten erhalten, der Thron und dessen Verantwortung waren ihm fremd. Hatschepsut hingegen war seit Kindheitstagen mit den Regierungsgeschäften und Ritualen vertraut. Sie beriet ihren Ehemann, während ihre Mutter Ahmose als Vormund die Regentschaft für Thutmosis II übernahm.

Zügig sorgte das junge Paar für Nachkommen. Doch Hatschepsut brachte keinen männlichen Nachfolger zur Welt, sondern ein Mädchen: Neferure. Möglicherweise gebar sie noch eine weitere Tochter, die das Kindesalter jedoch nicht überlebte. Eine neue Krise um die Thronfolge bahnte sich an.

Als Thutmosis II. nach nur drei Jahren auf dem Thron starb, ging die Macht nicht auf Hatschepsuts Tochter Neferure über, sondern auf das männliche Kleinkind, das eine Nebenfrau geboren hatte.

Hatschepsut muss die Geschichte ihrer Familie sehr bewusst gewesen sein: dass ihr Vater als Außenseiter auf den Thron gekommen war, weil der Pharao keinen Nachkommen gezeugt hatte. Nun stand das Überleben ihrer Dynastie erneut auf der Kippe. Sie folgte deshalb dem Beispiel ihrer Mutter Ahmose und etablierte sich in einer royalen Mutterrolle. Dafür verdrängte sie die Nebenfrau und Mutter des Thronfolgers und übernahm als Vormund die Regentschaft für ihren Stiefsohn Thutmosis III.

Es folgte eine beeindruckende Kampagne, um sich als legitime Herrscherin zu etablieren und zu behaupten. Dabei kam Hatschepsut ihr jahrelanges religiöses Training zugute. Sie verkündete dem Volk zunächst, ihre Regentschaft als Vormund sei göttlicher Wille. Thutmosis III. sei vom Gott Amun als ihr Nachfolger ausgewählt worden.

Im Umgang mit dem kindlichen Thronfolger orientierte sie sich an ihrem Vater. Wie sie selbst einst mit ihm im Regierungszimmer gesessen hatte, beobachtete nun der heranwachsende Thutmosis III. seine Stiefmutter bei den Regierungsgeschäften. Er bekam eine religiöse und kriegerische Ausbildung. Ihrer Tochter Neferure übertrug Hatschepsut unterdessen die Rolle der Gottgemahlin Amuns, die sie einst selbst ausgeübt hatte.

Unter Hatschepsuts Regentschaft erlebte Ägypten ertragreiche Ernten und verbuchte militärische Siege: Erfolgreiche Feldzüge nach Nubien sicherten dem ägyptischen Reich Gold und Mineralien. Sie setzte Stellvertreter ein, um Teile ihres Reiches zu verwalten und dort den Frieden und ihre Macht zu sichern. Sie organisierte ein straffes Verwaltungssystem, entlohnte ihre Priester und erwarb sich Wohlwollen und Respekt bei Beamten und Volk.

Wie ihr Vater stieß sie ein umfangreiches Bauprogramm an und ließ überall im Land Tempel errichten oder erneuern. Die Darstellung auf Wandreliefs und Kartuschen – einer Hieroglyphendarstellung der Herrschenden, die ihren Eigen- und Thronnamen abbildeten – diente Hatschepsut dazu, ihre Macht zu legitimieren. Zunächst ließ sie Monumente im Namen ihres verstorbenen Ehemanns Thutmosis II. errichten, die sie als Frau des Königs und im Leinengewand der Gottgemahlin von Amun abbildeten. Bald änderte sich jedoch die Botschaft: Ihr Titel „Gottgemahlin von Amun“ wurde ersetzt durch „die älteste Tochter des Königs“. Hatschepsut begann, ihre Abstammung von Thutmosis I. zu betonen.

Obelisken verkündeten, Hatschepsut sei die Prinzessin, der Gott die Regentschaft übertragen hatte. Sie nahm einen Thronnamen an, was eigentlich nur Königen zustand. Schritt für Schritt transformierte sie ihre Rolle als Vormund für den minderjährigen Pharao in eine eigenständige legitime Regentschaft. Zwei Jahre nach dem Tod von Thutmosis II. ließ sie sich schließlich zum König krönen.

Abbildungen zeigten sie zunächst mit dem Pharaonen-Kopfschmuck, dem Beinkleid männlicher Pharaonen und freiem Oberkörper, allerdings mit Brüsten, schmalen Schultern und femininen Gesichtszügen. Bald wurden die Schultern breiter und das Gesicht voller. An die Stelle eines Busens traten starke Brustmuskeln. Selbst die Hautfarbe wurde angepasst: Frauen stellte man auf Reliefs üblicherweise in zarten Hauttönen dar, Männer hingegen rotbraun, weil sie sich viel in der Sonne aufhielten. Hatschepsut wurde auf Reliefs mit einem Zwischenton verewigt.

Sogar sprachliche Veränderungen gingen mit dem Präzedenzfall einher, dass erstmals im alten Ägypten eine Frau ein Amt ausübte, das nur mit Männern assoziiert wurde. Die Hohepriester versahen die männlichen Ehrentitel des Pharaos mit weiblichen Endungen. Rituelle Texte sprachen vom König, nutzten aber weibliche Pronomen: Weil der Pharao außerdem eine Frau an seiner Seite haben musste, zog Hatschepsut ihre Tochter Neferure für Rituale heran. Der weibliche König wandelte im Auftreten geschickt zwischen den Geschlechtern.

Während die Frau auf dem Thron in ihrer neuen Rolle immer sichtbarer wurde, trat der minderjährige Thronfolger zunehmend in den Hintergrund. Statt möglichst unauffällig zu regieren, schickte Hatschepsut in ihrem neunten Regierungsjahr sogar eine Expedition nach Punt. Das Land lag weit südlich von Ägypten, vermutlich im heutigen Eritrea oder Somalia, und hielt der Legende nach große Reichtümer bereit. Doch nur wenige ägyptische Könige waren bisher nach Punt vorgedrungen. Wer es schaffte, galt nach ägyptischem Glauben als besonders erfolgreicher Herrscher. Denn der Weg nach Punt war mühsam: Die Expedition musste auf Schiffen den Nil hinunterreisen, sie dann über Land zum Roten Meer ziehen und erneut in See stechen. Zwei Jahre nach ihrem Aufbruch kehrte die Expedition beladen mit Reichtümern zurück – Hatschepsuts Rechnung war aufgegangen.

Ägypten prosperierte mehr als ein Jahrzehnt unter ihrer Herrschaft. In Hatschepsuts Auftrag wurden alte Handelsrouten neu belebt, die den Warenaustausch bis in die Ägäis, mit dem heutigen Afghanistan und mit Völkern in der Subsahara ermöglichten.

In der Zwischenzeit wuchs Thutmosis III. heran. Mit etwa 14 Jahren heiratete er Hatschepsuts Tochter Neferure. Thutmosis III. war nun alt genug, um selbst zu regieren – doch Hatschepsut dachte nicht daran, abzudanken und zur Seite zu treten. Einmal mehr musste sie ihre Rolle öffentlich legitimieren.

Dafür nutzte sie das Sedfest, mit dem ägyptische Pharaonen ihre 30-jährige Regentschaft feierten und erneuerten. Hatschepsut hatte zwar erst 14 oder 15 Jahre regiert, zählte aber offenbar die Herrschaft ihres Vaters und die ihres verstorbenen Ehemannes hinzu und ließ das Festival am 30. Jahrestag der Thronbesteigung ihres Vaters Thutmosis I. ausrichten.

Bei den Feierlichkeiten zeigte sie sich öffentlich in der vollen Titulatur eines Pharaos von Ober- und Unterägypten. Mit diesem Auftritt legte sie ihre Rolle als weiblicher Vormund für Thutmosis III. ab. Hatschepsut stilisierte sich als Verbindungsglied zwischen Thutmosis III. und seinem Großvater, Thutmosis I. Nie wieder zeigten Reliefs sie danach mit weiblichen Zügen. Hatschepsut hatte ihre Transformation abgeschlossen: Eine Frau war König.

Womöglich bediente sie sich dabei auch besonderer Effekte, um ihr Volk zu beeindrucken. Die Herrscherin hatte Obelisken für den Sonnengott Re errichten lassen. Gefertigt aus rotem Granit, die Spitzen mit Silber- und Gold-Paneelen bestückt, fingen die Bauwerke das Sonnenlicht ein und reflektierten es auf den Boden. Hatschepsut führte zwischen diesen eindrucksvollen Monumenten womöglich Zeremonien aus. Von den Reflektionen in goldenes Licht getaucht, konnte sie dem ägyptischen Volk ihre Legitimierung durch den Sonnengott auf eindrucksvolle Weise demonstrieren. Sogar ihre Grabplanung unterstrich Hatschepsuts Herrschaftsanspruch. Selbstverständlich wählte sie eine Ruhestätte im Tal der Könige, in dem schon ihr Vater beerdigt worden war.

Dorthin zog der Trauerzug nun also im Jahr 1458 v. Chr., als Hatschepsut gestorben war. Ihr Nachfolger Thutmosis III. stand vor der Aufgabe, sich als eigenständiger König zu etablieren.

Er wählte eine radikale Distanzierung von Hatschepsut. Dafür musste auch ihre Tochter weichen. Vielleicht unterstützt von Intrigen innerhalb der Palastmauern wurde Neferure von einer Nebenfrau des neuen Pharaos verdrängt. Ihr weiteres Schicksal ist unbekannt: Schon bald nach dem Tod ihrer Mutter verschwand Neferure ganz aus den Aufzeichnungen.

Die Rote Kapelle von Karnak, ein Bauprojekt seiner Vorgängerin, vollendete Thutmosis III. zunächst. Doch die Statuen davor ließ er verändern. Statt Hatschepsut zu zeigen, widmete er die Statuen seinem Vater Thutmosis II. Der neue Pharao setzte nun alles daran, den weiblichen Pharao vor ihm unsichtbar zu machen und eine männliche Erblinie wiederherzustellen.

Dafür musste Hatschepsut aus den Darstellungen verschwinden. Jahre später ließ Thutmosis III. ihre Rote Kapelle Block für Block abtragen und neue Monumente bauen, die sie weder erwähnten noch zeigten. An bestehenden Gebäuden und Tempeln ließ er Kartuschen und Reliefs abschlagen, die auf sie verwiesen. Sein Sohn Amenhotep II. führte das Werk fort. Bis zu Amenhoteps Tod 1425 v. Chr. war Hatschepsut aus der ägyptischen Geschichte getilgt worden.

Und dennoch: Die Frau auf dem Thron hatte Spuren hinterlassen. Auf Wandtafeln waren noch immer Umrisse ihrer Figur zu erkennen. Jahrhunderte später begannen Forschende damit, diese Umrisse wieder mit Leben zu füllen. Sie fanden die Texte, in denen noch immer von einem Pharao die Rede war, für den weibliche Pronomen genutzt wurden. Und sie fanden die alten Reliefs, die Hatschepsut in ihrer Zeit als Königin zeigten, bevor sie sich zum Pharao stilisierte.

Doch warum hatte man so rigoros versucht, die Erinnerung an Hatschepsut auszulöschen? Die Forschenden formten das Bild einer machthungrigen Frau, die sich Schlimmes hatte zuschulden kommen lassen: Sie hatte den Thron an sich gerissen und den rechtmäßigen Erben Thutmosis III. um die Herrschaft betrogen.

Es dauerte Jahrzehnte, bis eine neue Generation von Ägyptologinnen und Ägyptologen dieses Bild hinterfragte. Heute gilt Hatschepsut als außergewöhnlich clevere und erfolgreiche Herrscherin, die ihr Land klug und umsichtig regierte, es zu Wohlstand führte und den Frieden in Ägypten wahrte. Eine Frau auf dem ägyptischen Thron, die das Land am Nil erfolgreicher führte als manch männlicher Pharao.

ALAKHAI

ca. 1191–ca. 1230, Mongolei

T ausende Mitglieder der Steppenvölker folgten 1206 dem Ruf des Dschingis Khan und fanden sich zu einer Versammlung am Fuße des heiligen Berges Burchan Chaldun in der Mongolei ein. Nachdem er sie in Kriegszügen bezwungen hatte, berief Dschingis Khan nun die Völker ein, um seinen Machtanspruch zu zementieren und ihre Territorien neu zu organisieren.

Die Frauen in seiner Familie spielten dabei eine entscheidende Rolle. Nicht seinen Söhnen oder Generälen sprach Dschingis Khan die Aufsicht über die vier zentralen Territorien des neuen Reiches zu, sondern seinen vier Ehefrauen: Börte, Khulan, Yesui und Yesugen. Sie würden für ihn regieren, während er auf neue Kriegszüge ging.

Für seine Töchter handelte er auf der Versammlung Ehen aus. Anders als mittelalterliche europäische Herrscher, die mithilfe ihrer Töchter feindliche Adelshäuser an sich zu binden suchten, gab Dschingis Khan seine weiblichen Nachkommen nur engen Verbündeten zur Frau. Seine älteste Tochter Khojin wurde mit dem Ikirenführer Botu vermählt. Seine jüngste Tochter Tumelun heiratete einen Verwandten seiner Mutter, eine weitere Tochter ein Familienmitglied seiner Frau Börte. Ein Jahr später würde er auch seine Tochter Alakhai verheiraten. Unter all seinen Familienmitgliedern, die Dschingis Khans Macht sicherten, nahm Alakhai eine zentrale Rolle ein.

Die Eheschließungen verband Dschingis Khan mit einem ausdrücklichen Versprechen der Gleichberechtigung. Beide Partner einer Ehe trugen nach seinem Verständnis auf ihre Weise dazu bei, die Macht im Mongolenreich zu sichern: Der Mann zog mit auf Kriegszüge und trug militärische Verantwortung. Die Frau übersah nicht nur die Finanzen und den Haushalt des Paares, sondern regierte auch das Steppenvolk und übernahm politische Verantwortung.

Schließlich wurden die Anwesenden der Versammlung von 1206 noch Zeugen einer Scheidung: Der Khan trennte sich von einer seiner Ehefrauen, nachdem deren Volk ihn betrogen hatte. Doch Dschingis Khan verstieß seine Ehefrau Ibaka nicht unehrenhaft, im Gegenteil. „Du bist in mein Herz und meine Glieder eingedrungen“, sprach er vor allen Anwesenden zu Ibaka. Er verheiratete sie mit einem seiner engsten Freunde und stellte sicher, dass sie weiterhin den Königinnentitel „kathun“ tragen durfte. Seine Familie beorderte er, Ibaka weiterhin mit der Hochachtung zu behandeln, die einer Königin gebührte. Selbst im Akt der Trennung erwies der große Khan den Frauen seiner Familie Respekt.

Dschingis Khan und sein Steppenvolk wurden von den Zeitgenossen im Westen wegen ihrer erfolgreichen Kriegszüge gefürchtet; bis heute haftet ihnen das Bild mordender Reiterhorden an. Doch Historikerinnen und Historiker wissen mittlerweile, dass der Mongolenherrscher ein gut funktionierendes und kulturell diverses Reich aufbaute, das den Frauen seiner Familie politische Teilhabe einräumte.

Schon bevor Dschingis Khan zum mächtigen Führer der Mongolen aufgestiegen war, hatten Frauen in der mongolischen Geschichte vereinzelt politische und militärische Verantwortung übernommen. Sie waren zu Pferd genauso sicher unterwegs wie die Mongolenkrieger und nahmen als Bogenschützinnen am Kampfgeschehen teil. Dschingis Khan vertraute während seines Aufstiegs zum Anführer der Steppenvölker immer wieder auf den Rat seiner Mutter Höelün und seiner Hauptfrau Börte.

Er wusste um die Zähigkeit der beiden. Als Kind war er Zeuge geworden, wie seine Mutter Höelün nach dem Tod ihres Mannes von ihrem Volk verstoßen wurde. Sie ging selbst auf die Jagd und sicherte allein das Überleben ihrer Kinder. Als Dschingis Khan Börte heiratete, wurde sie nach der Hochzeit vom verfeindeten Clan der Merkiten entführt und monatelang gefangen gehalten. Unter größten Anstrengungen befreite der Mongolenkrieger seine Frau. Börte bekam kurz darauf ein Kind, das vermutlich während ihrer Gefangennahme gezeugt worden war. Trotzdem zogen sie und Dschingis Khan den Sohn Dschötschi gemeinsam auf und behandelten ihn als ihren Erstgeborenen.

In der Steppengesellschaft kam es bis dahin regelmäßig vor, dass die Frauen rivalisierender Völker in Kriegen oder Konflikten geraubt und zwangsverheiratet wurden. Dschingis Khan verbot diese Praxis direkt nach seiner Machtergreifung.

Unter seiner Herrschaft übernahmen die Frauen seines Clans stetig mehr Verantwortung. Der Khan stützte sich dabei auf den traditionellen Glauben der Mongolen: dass Männer zwar den Samen für ein Kind zur Verfügung stellten, aus dem dessen Knochen wuchsen, Frauen das Kind aber mit Fleisch und Blut versahen. Sie zogen den Nachwuchs zu fähigen und tapferen Mitgliedern der Mongolengesellschaft heran. Dschingis Khan brachte seine Anerkennung für die Leistung der Frauen mit den Namen für seine royale Familie zum Ausdruck: „altan urug“ – die goldene Gebärmutter.

Auch die Schwiegertöchter übernahmen mächtige Rollen, wenn sie in die Familie des Khans einheirateten. Sie wurden zu Botschafterinnen ihrer weit entfernten Völker und vertraten am Hof deren Interessen. Ihr Verhandlungsgeschick und ihre Meinungen entschieden über das Schicksal gesamter Völker.

Ein Jahr nach der großen Steppenversammlung begann Dschingis Khan, sein Reich durch Eroberungen weiter auszudehnen. Er unterwarf das Volk der Oiraten im heutigen Sibirien und verheiratete seine Tochter Checheyigen mit einem Sohn der mächtigsten Oiraten-Familie. Checheyigen wurde mit dem Auftrag entsandt, die Gemeinschaft der Oiraten zu regieren und zu organisieren. Sie bekam die Aufsicht und Macht über ein Volk, das den Mongolen Zugang zu den nördlichen Handelsrouten bis zur Arktis sicherte.

Tochter Alakhai wurde nach ihrer Hochzeit, vermutlich mit einem Mann namens Alaqush, 1207 zur Herrscherin über die Onguden. Sie übernahm damit die Macht über eine der ältesten nordasiatischen Zivilisationen. Mit nur 16 oder 17 Jahren war sie für etwa zehntausend Menschen im Gebiet der heutigen chinesischen Mongolei verantwortlich.

Bald wurde sie zur wichtigen militärischen Verbündeten ihres Vaters, um sein Reich südlich der Wüste Gobi auszudehnen. Alakhais Territorium diente als Rückzugsort für Dschingis Khan und seine Truppen bei Angriffen auf China. Zwei ihrer Schwestern nahmen ebenfalls strategisch wichtige Punkte ein: 1209 wurde Al-Altun Herrscherin über das Volk der Uiguren, 1211 heiratete eine weitere Tochter, deren Name in den Quellen nicht überliefert ist, in das Volk der Karluken im heutigen Kasachstan ein.

Alakhai und ihre Schwestern sicherten mit ihren Territorien die Außengrenzen des Mongolenreichs und erweiterten dessen Einfluss. Mit der Herrschaft über die Uiguren übernahm Al-Altun die Kontrolle über fünf Oasenstädte entlang der Seidenstraße, auf der Melonen, Alkohol, Rosinen und weitere gefragte Handelsgüter transportiert wurden.

Schon kurz nach ihrer Machtübernahme musste Alakhai eine ihrer größten Prüfungen bestehen. Manche Onguden lehnten es ab, von einer Frau der Mongolen beherrscht zu werden, und erhoben sich 1211 gegen Alakhai. Nur knapp entkam sie einem Mordversuch und konnte sich mit zwei Stiefsöhnen zu ihrem Vater retten, ihr Mann wurde getötet. Dschingis Khan stellte ihr eine Armee zur Seite, mit der sie den Aufstand niederschlug.

Wegen ihrer Rebellion stand den Onguden eine furchtbare Strafe bevor: Um ein Exempel zu statuieren, plante der Khan, alle männlichen Mitglieder des Volkes zu ermorden. Doch Alakhai überzeugte ihren Vater, Gnade walten zu lassen – vielleicht aus strategischen Gründen, vielleicht aus Mitleid. Nur der Anführer des Aufstands und seine Familie wurden getötet. Den Rest ihres Volkes bewahrte Alakhai vor der Blutrache. Sie setzte ihre Herrschaft an der Spitze der Onguden fort. Um ihren Herrschaftsanspruch zu stärken, heiratete sie einen ihrer Stiefsöhne. Dass sie die Männer ihres Volkes gerettet hatte, brachte ihr Dankbarkeit und Respekt ein. Unter Alakhais Herrschaft erhoben sich die Onguden nie wieder gegen die Mongolen.

Die Mongolenprinzessin begann damit, einen Regierungsapparat aufzubauen, der die multiethnischen Einflüsse ihres Territoriums vereinte: muslimische Gesetze, chinesische Schrift, mongolische Traditionen. Wie selbstverständlich existierten auf ihrem Gebiet christliche, muslimische, buddhistische, konfuzianische und taoistische Religionen friedlich nebeneinander.

Alakhai lernte selbst lesen und schreiben, studierte täglich religiöse Schriften und vertiefte sich in die Kenntnisse der Medizin. Überall auf ihrem Herrschaftsgebiet gründete sie medizinische Einrichtungen und schickte ihre Fachleute mit den mongolischen Truppen auf Kriegszüge. Auf diese Weise trugen ihre Experten das Wissen der chinesischen Medizin in den Westen und die muslimische Welt.

Nachdem ihr Vater neue Territorien in China erobert hatte, übernahm Alakhai 1215 auch deren Kontrolle und Regierung. Als Dschingis Khan bald darauf zu einem großen Feldzug nach Zentralasien aufbrach, entsandte seine Tochter nicht nur ihre Truppen. Der Khan übertrug ihr und seinem jüngsten Bruder Temüge während seiner Abwesenheit die Herrschaft über sein Reich. Dafür verlieh er Alakhai den neuen Ehrentitel „Prinzessin, die den Staat leitet“. Die Prinzessin war mit der Regierung des Onguden-Territoriums und sämtlicher Gebiete südlich der Wüste Gobi betraut: Sie war für Millionen von Menschen verantwortlich.

1221 beherrschten Alakhai und ihre Schwestern die Seidenstaße von China über Zentralasien und den Kaukasus bis zur Grenze nach Europa. Unter den Mongolenprinzessinnen erlebte der Handelsweg eine Blütezeit. Al-Altuns Volk der Uiguren stellte dabei die Schreiber, Übersetzer und Buchhalter für das Postsystem entlang der Seidenstraße. Ihre Schrift wurde die offizielle Schrift des Mongolenreichs und blieb es bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Die Töchter des Khans schirmten mit ihren Territorien die Außengrenzen des mongolischen Reichs gegen Feinde ab und verhalfen dem Imperium zu wirtschaftlicher und kultureller Blüte. Doch sosehr Dschingis Khan seine Töchter auch gefördert hatte: Die mongolische Tradition sah nach seinem Tod 1227 nur einen Mann in der Rolle des großen Khans vor.

So folgte ihm sein Sohn Ögedei an die Spitze. Er übernahm ein mächtiges Imperium mit weitreichenden Territorien, in denen zu großen Teilen Frauen das Sagen hatten. Schnell wurde klar, dass er seine eigene Einflusssphäre nur auf Kosten der Frauen in seiner Familie ausdehnen konnte.

So beschloss Ögedei, sich vom System des Vaters abzuwenden und die Macht zu zentralisieren – und zwar mit äußerster Brutalität. Zunächst konfiszierte er die Gebiete von Dschingis Khans Witwen. Dann begann er einen Feldzug gegen seine Schwestern. Seine Schwester Al-Altun ließ er hinrichten und behauptete, sie habe ihn vergiften wollen. Ob auch Alakhai einer Intrige ihres Bruders zum Opfer fiel, ist nicht bekannt. Sie starb um das Jahr 1230.

Dschingis Khan hatte als einen der ersten Akte unter seiner Regierung sexuelle Gewalt gegen Frauen verboten. Ögedei ignorierte die Doktrin seines Vaters und nutzte sexuelle Übergriffe als Instrument des Terrors. 1237 ordnete er eine Massenvergewaltigung aller Frauen der Oiraten an, über die seine Schwester Checheyigen herrschte. Ohne Gnade ging Ögedei gegen seine Schwestern vor, beraubte sie ihrer Macht auf brutalste Weise – und läutete damit den Niedergang des Mongolenreichs ein. Schon 1246, kaum 20 Jahre nach dem Tod Dschingis Khans, war in seinem Reich ein Kampf um die Macht ausgebrochen.

Zwar gab es nach Alakhai und ihren Schwestern noch einmal mächtige Kriegerinnen: Khutulun (ca. 1260–1306) begleitete ihren Vater Kaidu auf Kriegszügen und forderte jeden Heiratskandidaten heraus, sie zunächst im Ringkampf zu besiegen. Wer verlor, musste ihr Pferde schenken – Khutulun soll zehntausend Pferde gewonnen haben. Manduchai (ca. 1448–1510) scheute beinahe zwei Jahrhunderte später keine Schlacht, um die verfeindeten Steppenvölker noch einmal zu einen. Doch Dschingis Khans Imperium war schon 1368 zerbrochen, nie wieder fand es zu alter Stärke zurück.

Die Erinnerung an die Töchter des Khans und ihre Leistungen verblasste, weil jemand die Berichte über Alakhai und ihre Schwestern aus der Chronik der Mongolen herausschnitt. Zurück blieb in der „Geheimen Geschichte der Mongolen” nur ein Satz: „Lasst uns unsere weiblichen Nachkommen belohnen.“

NJINGA

1583–1663, Ndongo und Matamba (heutiges Angola)

Der portugiesische Gouverneur João Correia de Sousa hatte auf einem samtbezogenen, goldbestickten Stuhl Platz genommen. Seiner Gesprächspartnerin wies er einen Sitzplatz auf dem Boden zu, wo eine Samtdecke auf einem Teppich ausgebreitet worden war. Der europäische Kolonialherr wollte über seinem afrikanischen Gegenüber thronen.