Niemals hört die Liebe auf - Janette Oke - E-Book

Niemals hört die Liebe auf E-Book

Janette Oke

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Beschreibung

Nach einem Jahr kehren Clark und Marty nach Hause zurück und finden dort viel Neues vor: Ihr Sohn Luke ist verheiratet, Arnie verlobt und Ellie versorgt mit viel Geschick den Haushalt. Als es Marty zusehends schlechter geht, befürchtet die Familie das Schlimmste - bis sie herausfinden, dass Marty schwanger ist! Doch als Lukes Frau Kate, die ebenfalls ein Kind erwartet, das ersehnte Baby tot zur Welt bringt, wird das Gottvertrauen der Familie auf eine harte Probe gestellt … Teil 5 der beliebten Siedler-Serie von Janette Oke.

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Seitenzahl: 368

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Über die Autorin

Janette Oke wurde 1935 auf einer Farm in Alberta, Kanada, geboren. Sie ist Mutter von vier erwachsenen Kindern. Mit ihrem Ehemann Edward wohnt sie in Alberta, nahe der Farm ihrer Eltern, die zu einem Museum umgerüstet wurde.

Janette Oke

Niemals hört die Liebe auf

Die Siedlerserie, Band 5Aus dem Amerikanischen von Beate Peter

Der Inhalt dieses E-Books ist urheberrechtlich geschützt und enthält technische Sicherungsmaßnahmen gegen unbefugte Nutzung. Die Entfernung dieser Sicherung sowie die Nutzung durch unbefugte Verarbeitung, Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentliche Zugänglichmachung, insbesondere in elektronischer Form, ist untersagt und kann straf- und zivilrechtliche Sanktionen nach sich ziehen.Der Verlag weist ausdrücklich darauf hin, dass im Text enthaltene externe Links vom Verlag nur bis zum Zeitpunkt der Buchveröffentlichung eingesehen werden konnten. Auf spätere Veränderungen hat der Verlag keinerlei Einfluss. Eine Haftung des Verlags ist daher ausgeschlossen.Die automatisierte Analyse des Werkes, um daraus Informationen insbesondere über Muster, Trends und Korrelationen gemäß § 44b UrhG („Text und Data Mining“) zu gewinnen, ist untersagt.Die amerikanische Originalausgabe erschien im Verlag Bethany House Publishers unter dem Titel „Love’s Unending Legacy“ (© 1984 by Janette Oke)

© der deutschen Ausgabe 1987 Gerth Medien

in der SCM Verlagsgruppe GmbH

Berliner Ring 62, 35576 WetzlarErschienen im Januar 2026

ISBN 978-3-96122-712-9Umschlaggestaltung: Gert Wagner unter Verwendung bildgebender Generatoren

Erstellung E-Book: Uhl + Massopust, Aalenwww.gerth.de

Heimkehr

Mit einer unsicheren Handbewegung strich Marty sich eine vorwitzige Haarsträhne aus dem glühenden Gesicht. Warum zitterte sie nur so am ganzen Leib? War es das unablässige Rütteln und Schütteln der ach so langsam vorankommenden Postkutsche, dem sie nun schon seit Stunden ausgesetzt waren, oder hatte die Aufregung darüber, ihre Heimat nun endlich wiederzusehen, sie gänzlich aus der Fassung gebracht? Mühsam zwang sie sich, ruhig zu bleiben. Clark führte gerade ein Gespräch mit seinem Sitznachbarn über das ungewöhnlich trockene Wetter. Nun nahm er ihre Hand in seine und drückte sie zuversichtlich, als habe er ihr angemerkt, wie sehr sie von Erschöpfung und Ungeduld geplagt war. Sie erwiderte seinen Händedruck zum Zeichen, dass sie sich in ihr Schicksal gefügt hatte, wenn sie sich auch nichts sehnlicher wünschte, als endlich am Ziel ihrer langen Reise zu sein. Clark warf ihr ein flüchtiges Lächeln zu, bevor er sich wieder seinem Sitznachbarn zuwandte. Wohl zum hundertsten Mal beugte Marty sich vor, um aus der auf- und abwogenden Postkutsche zu spähen.

Die Landschaft draußen wurde ihr immer vertrauter. Mit jedem Bach und jedem Hügel, den sie kannte, fiel ihr das Stillsitzen schwerer. Ach, wäre sie doch endlich daheim bei ihren Kindern! Die Monate der Trennung von ihnen waren ihr wie eine halbe Ewigkeit erschienen. Trotz ihrer Müdigkeit saß sie kerzengerade auf der Kante ihres Sitzes. Jeder Nerv, jeder Muskel war schier zum Zerreißen angespannt. Es ging heimwärts! Ach, könnte sie doch fliegen!

Als hätte er ihre Gedanken gelesen, wandte sich Clark von dem Herrn in dem schwarzen Anzug ab, um sie nochmals mit einem Lächeln aufzumuntern. „Nicht mehr lange, und wir sind da!“, versicherte er ihr. „Da drüben liegt schon der Anderson-Hof.“

Clark hatte natürlich recht. Dennoch wusste sie, dass ihr diese letzten Meilen bis zur Kutschstation am Ort eine wahre Qual werden würden. Wie sollte sie ihre maßlose Ungeduld nur bezähmen? Nun, vielleicht half es, wenn sie ihre Gedanken dem Ziel entgegeneilen ließ. Wer mochte Clark und sie an der Station wohl abholen? Ob Luke die Familienkutsche angespannt hatte? Und würde er seine Kate mitbringen? Oder hatten sie Arnie wohl mit der Kutsche losgeschickt? In diesem Fall war Larry gewiss mit von der Partie.

Und dann das Haus … Würde sie sich überhaupt auf Anhieb dort wieder heimisch fühlen können? Am Ende würde sie alles womöglich regelrecht fremd anmuten. Nicht auszudenken! – Wie sie ihre Ellie kannte, hatte diese das warme Abendessen längst gerichtet und wartete voller Spannung auf die Heimkehr der Eltern. Woher sollte sie auch wissen, dass die Postkutsche eine ganze Stunde Verspätung hatte? Sie würde das Essen halt auf dem großen gusseisernen Küchenherd warm halten müssen und hoffen, dass es weder anbrannte noch verkochte.

Bei dem Gedanken an den Hof, den Garten, den Hühnerhof mit seinen munteren Bewohnern, dem Brunnen und den Birken unten am Bach kribbelte ihr die Ungeduld geradezu unter den Nägeln. Ist doch unerhört, so was!, schalt sie sich im Stillen, und ein Lächeln huschte über ihr Gesicht. Dass ich mich als erwachsene Frau gerade so benehme wie der kleine Larry vor einem Gelege voller Bruteier, die jeden Moment ausschlüpfen wollen!

Sie streckte ihre müden Beine ein wenig. Durch die lange Fahrt war sie ganz steif geworden. Ihr Blick fiel auf Clarks gestiefelten Fuß am Boden. Er hatte ja nur noch ein Bein und litt dadurch ohne Zweifel noch ärger unter der Platznot als sie, zumal ihre Beine doch ein gutes Stück kürzer waren als sein gesundes. Das andere Hosenbein ihres Mannes war in Falten hochgeschlagen und mit einer Sicherheitsnadel befestigt. Dieses Bein findet auch in der engsten Postkutsche Platz!, dachte sie halb erleichtert, halb amüsiert. Von Clark hatte sie gelernt, seiner Behinderung mit einer gesunden Prise Humor zu begegnen. Aber von dem stundenlangen Stillsitzen bekommt er gewiss auch Muskelkrämpfe, überlegte sie dann. Clark musste die Besorgnis in ihrem Blick aufgefangen haben. Er rückte sich auch auf seinem Sitz zurecht und beantwortete ihre unausgesprochene Frage.

„Dem Bein geht’s gut, Liebling. Ich will aber trotzdem froh sein, wenn wir diese Berg- und Talfahrt hinter uns haben. Am Ende schlagen wir noch Wurzeln in dieser Kutsche!“

Marty nickte und zwang sich zu einem Lächeln. O diese Hitze, diese staubige, stickige Postkutsche! Selbst das ausgediente, offene Familiengefährt zu Hause wäre der reinste Luxus dagegen!

Ein erneuter Blick aus dem Fenster bestätigte ihr, dass sie ihrem Ziel ein gutes Stück näher gekommen waren. Noch eine Wegbiegung, und ihre Heimatstadt würde vor ihren Augen liegen! Marty schluckte vor Aufregung. Sie hatte nicht geahnt, wie sehr ihr ihr Zuhause und die Kinder gefehlt hatten, bis sie diese entsetzlich lange Heimfahrt angetreten hatten!

Für einen Moment wanderten ihre Gedanken zu Missie und Willie und deren Kindern zurück. Marty war von Herzen dankbar für das Wiedersehen mit ihnen. Dazu war ihr der Westen samt Willies Viehzuchtbetrieb und allen, die dort arbeiteten, ans Herz gewachsen. Wie es Smutje in seinem jungen Glaubensleben wohl ergehen mochte? Und wie nett von Wong, ihnen frisches Gebäck aus seiner Küche für die lange Fahrt zuzustecken! Und dann war da noch Scottie, der besonnene und hilfsbereite Aufseher auf der Ranch, der ernsthaft über Gottes Willen in seinem Leben nachdenken sollte. Ach, und hoffentlich hatte sie sich nicht getäuscht, wenn sie zu bemerken glaubte, dass der verbitterte Smith ein wenig zugänglicher geworden war! Vielleicht würde er sich eines Tages sogar in den Gottesdienst wagen. Sonntag für Sonntag fanden sich die Gläubigen in dem nagelneuen Kirchengebäude ein. Unter ihnen war manch einer, den Clark und Marty über die Monate hinweg zu achten und lieben gelernt hatten. Henry war nun der Leiter der kleinen Gemeinde. Wie er wohl mit seiner neuen Aufgabe zurechtkommen mochte? Und die Crofts – ach, Marty hoffte inständig, dass sie endlich den Frieden gefunden hatten, nach dem Mrs Croft sich so verzweifelt gesehnt hatte. Und ob Juan und Maria … Aber da brachte der Kutscher das Gespann schon zum Stehen, dass der Staub nur so aufwirbelte.

Vor Aufregung wurde Marty fast schwindlig. Clark half ihr auf die Beine. „Wer wird uns da draußen nur erwarten? Und wann bekommen wir den Rest der Familie endlich zu sehen? Was aber, wenn sie unsere Anmeldung gar nicht bekommen haben und niemand gekommen ist, um uns abzuholen? Welche Qual, wenn sie jetzt noch stundenlang auf das Wiedersehen warten müssten!“ Tausend Ängste stiegen plötzlich in ihr auf. Hilflos schloss sie die Augen und flüsterte ein Stoßgebet. An Clarks kräftigem Arm fand sie Halt, und mit einem tiefen Atemzug setzte sie sich wieder auf ihren Platz, um die anderen Passagiere vor ihnen aussteigen zu lassen. Als die Kutsche sich geleert hatte, ging Clark voraus und bot ihr den Arm. Noch immer schien sich das Gefährt unter ihren Füßen zu heben und zu senken. So gefasst und behände, wie sie nur irgend konnte, stieg sie die Stufen hinab.

Im nächsten Augenblick brach das große Hallo auch schon los. Wie ein Wirbelsturm waren ihre Kinder auf sie losgestürzt, und Marty flog von einem Paar ausgestreckter Arme in die nächsten. Alle waren gekommen: Luke und seine Kate, Arnie, Ellie und Larry sowie Josh und Nandry mit ihren Kindern. Nur Joe und Cathy fehlten in der Runde; sie und ihre kleine Esther Sue lebten inzwischen an der Ostküste, wo Joe das Predigerseminar besuchte.

Lachend und weinend zugleich umarmte Marty einen jeden aufs Neue. Endlich trocknete sie sich die Augen, um voller Staunen festzustellen, wie groß ihre Enkelkinder während ihrer Abwesenheit geworden waren, wie hübsch und erwachsen Ellie ausschaute, welch ein stattlicher junger Mann aus ihrem Larry geworden war und wie hochgewachsen und breitschulterig ihre ältesten beiden Söhne waren. Ja, sie hatten sich verändert, ihre Kinder. Gerade schüttelte Josh Clark die Hand und sagte ihm, wie sehr er ihn vermisst habe. Marty sah manchen unbehaglichen Blick zu Clarks leerem, hochgesteckten Hosenbein wandern. Welch ein peinlicher Moment war dies für die ganze Familie! Clark verstand es jedoch, die angstvolle Spannung gelassen zu überspielen, indem er mit geübtem Griff seinen Krückstock anlegte und ein paar von den Gepäckstücken vom Boden aufhob.

„Wisst ihr noch, wie’s bei unserer Abreise hier aussah? Einen Riesenberg von Kisten und Taschen hatten wir; es war ein reines Wunder, dass die Pferde die Kutsche überhaupt vom Fleck bekommen haben. Wie ihr seht, haben wir nicht mal halb so viel Gepäck wieder mitgebracht.“ Er lachte und deutete auf sein kurzes Bein. „Sogar mich haben sie für die Rückreise leichter gemacht!“

Seine Söhne stimmten zögernd in sein herzhaftes Lachen ein, und das Eis war gebrochen. Die Männer machten sich daran, das Gepäck in die wartende Familienkutsche zu verladen, und mit vereinten Kräften war die Arbeit im Nu getan.

Marty wandte sich um zu den Mädchen.

„Ihr ahnt ja nicht, wie schön es ist, wieder daheim zu sein! Ich hab euch so viel zu erzählen, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll!“ Zu Ellie bemerkte sie: „Du hast gewiss schon die größten Ängste ausgestanden, dass dir wegen unserer Verspätung noch das Essen anbrennt, nicht wahr, Kind?“

„Keine Sorge, Mama!“, beruhigte sie Ellie. „Wir haben nämlich beschlossen, heute mal eine große Ausnahme zu machen. Wir wussten doch, dass ihr müde sein würdet und sicher nichts gegen eine Pause einzuwenden hättet, bevor die Reise weitergeht. Außerdem war uns allen nach einem gemütlichen Plausch zumute, und deshalb haben wir beschlossen, hier im Hotel zum Essen einzukehren.“

Marty war überrascht, gab aber gern ihre Zustimmung. Ja, eine kleine Verschnaufpause und eine Mahlzeit im Familienkreis waren tatsächlich nun genau das Richtige für sie. Zugleich zog es sie aber mit Macht nach Hause, damit sie sich mit eigenen Augen davon überzeugen konnte, dass alles dort in Ordnung war.

Marty blickte sich nach Nandry um. Von der soeben geführten Unterhaltung schien sie nichts mitbekommen zu haben. In sich gekehrt stand sie da und starrte in die Richtung der Männer, die gerade auf das Gespann zugingen. Die erwachsenen Burschen drängten sich scherzend und lachend um ihren Vater. Es war offensichtlich, wie sehr sie sich alle über die Rückkehr der Eltern freuten. Josh mit der kleinen Jane auf dem Arm hatte sich ihnen angeschlossen, und auch Andrew war mit von der Partie. Martys kostbare Hutschachtel balancierte er hoch über seinem Kopf. Nandrys Blick schien jedoch starr auf Clark gerichtet zu sein, und Marty bemerkte einen schmerzlichen Zug um ihren Mund. Oh, wie gern hätte sie ihren Arm um Nandry gelegt und ihr gesagt, dass es keinen Grund zur Sorge gab; dass Clark längst keine Schmerzen mehr litt, dass er in seiner Bewegungsfreiheit kaum eingeschränkt war, dass er den Verlust erstaunlich gut verkraftet hatte, ja, dass sie beide sogar gelernt hatten, Gott für dieses schwere Unglück zu danken, und dass schon manches Gute daraus hervorgegangen war. Bevor Marty jedoch ihre Pflegetochter, die sie wie ihr eigenes Kind liebte, erreichen konnte, hatte Nandry sich schon abgewandt. Ihr Gesicht trug die Spuren unausgeprochener, tiefer Betroffenheit.

Nun, das Ganze ist halt trotz unserer Briefe ein großer Schreck für sie, dachte Marty bei sich. Sie wird schon lernen, sich an den Anblick zu gewöhnen. Schließlich hab ich’s zuerst auch nicht wahrhaben wollen.

„Du, Mama“, sprach Ellie sie an, „sag mal, wie geht’s Pa denn nun wirklich? Er kommt mir so … so ganz wie eh und je vor. Wie schafft er’s denn … nun, ich mein …“

„Deinem Pa geht’s glänzend“, sagte Marty bestimmt. Sie hoffte, dass sie mit ihren Worten auch Nandry erreichte, die der Gruppe den Rücken zugewandt hatte. „Zugegeben, am Anfang war’s schwer für uns alle. Euch wird’s da nicht anders ergehen, das weiß ich; besonders in den ersten Tagen. Aber sieh mal, Ellie, dein Pa ist ein ganzer Mann. Was der sich vornimmt, das schafft er auch. Dass ihm das eine Bein fehlt, das wirft ihn nicht aus der Bahn. Du wirst schon selbst sehen …“ Aber da hatte Ellie zu weinen begonnen. Ein stilles Schluchzen schüttelte ihre schmalen Schultern, und große Tränen rollten über ihre Wangen.

Marty nahm sie in ihre Arme und drückte sie tröstend an sich, bis sie sich wieder gefasst hatte. Ellie tupfte sich die Augen mit ihrem Taschentuch trocken.

„Ach, Mama“, stammelte sie eine Entschuldigung, „dabei habe ich doch gedacht, ich wäre mit der Heulerei fertig! Ich habe mir so sehr vorgenommen … aber als ich ihn dann gesehen habe … weißt du, auf einmal war alles so grausam und wirklich … da konnte ich nicht mehr …“

Marty schloss sie erneut in die Arme.

„Mach dir nur keine Vorwürfe, Liebes!“, tröstete sie sie. „Du kannst dir ja kaum vorstellen, wie oft Missie und mir die Tränen gekommen sind!“

Ellie putzte sich geräuschvoll die Nase, und auch Kate zückte ihr Taschentuch. Erst jetzt bemerkte Marty, dass auch Lukes junge Frau still weinte. Sie ging auf ihre Schwiegertochter zu und umarmte sie lange. Kate erwiderte ihre Umarmung und die liebevolle Annahme, die darin ausgedrückt war.

Endlich löste Marty sich von Kate, um auch Nandry in die Arme zu schließen. Nandrys Umarmung war sonderbar kühl und kurz. Es war, als hielte Nandry ihre Gefühle tief in ihrem Herzen verschlossen. „Wein dich doch nur aus, Kind!“, wollte Marty ihr zurufen. „Lass deinen Tränen freien Lauf, dann sieht die Welt schon gleich viel besser aus. Wir haben doch alle Verständnis!“ Doch Nandry ging schweigend und starren Blickes davon.

Die Männer kehrten von der Kutsche zurück. Ellie und Kate trockneten sich die letzten Tränen ab, um sich dann der Familie wieder zuzuwenden.

Wenig später marschierte eine muntere, scherzende und lärmende Großfamilie Davis zum Hotel. Marty musste plötzlich an den Tag vor einem Jahr denken, als sie sich alle morgens früh hier zum Abschied von den Eltern eingefunden hatten. Clark hatte sich mit erhobener Hand Gehör verschaffen müssen, um Ordnung herzustellen. Kaum hatte Marty sich an den Anblick erinnert, als Clark auch schon wie damals die Hand hob.

„Alles herhören!“, übertönte seine Stimme das Lachen und Schwatzen. „Wie wär’s, wenn wir ein bisschen Ruhe und Ordnung in das Ganze brächten?“

Tina, inzwischen um mehrere Zentimeter in die Höhe geschossen, setzte zu der gleichen Antwort an wie im Vorjahr: „Ach, Opa, wie stellst du dir denn das …“

„Ich weiß, ich weiß. ,Wie stellst du dir das vor, Ordnung in einen Riesen-Familienklatsch zu bringen?‘“, vollendete Clark ihren Satz. Schelmisch grinsend zog er sie am Zopf, und beide brachen in ein fröhliches Gelächter aus.

Auch Marty lachte, doch es war ein leises Lachen, das ihr die Kehle zuschnüren wollte. „Seht ihr“, hätte sie der ganzen Familie am liebsten zugerufen, „es hat sich überhaupt nichts geändert – jedenfalls nichts von Bedeutung!“ Doch vielleicht waren ihre Worte überflüssig. Marty spürte den Gesichtern um sie herum einen neuen Ausdruck ab: nach dem Entsetzen die Annahme, und nun endlich die Erleichterung.

Pa war derselbe geblieben. Dieser Hüne von einem Mann, den sie alle so sehr liebten und verehrten, hatte sich nicht verändert. Der Unfall hatte ihm nichts von seinem Wesen geraubt. Er hatte sich völlig in der Hand. Zugegeben, er konnte das Geschehene nicht ungeschehen machen, doch war er so selbstsicher und zuversichtlich, wie sie ihn in Erinnerung hatten. Der Verlust seines Beines hatte seiner starken Persönlichkeit nichts anhaben können. Er hatte die Zügel in der Hand behalten. Aber ach nein, so war es nicht. Clark hatte sich nie nach den Zügeln seines Lebens ausgestreckt. Darin lag das ganze Geheimnis. Der Mann, der hier vor ihnen stand, den sie voller Stolz ihren Pa nannten, dem sie von frühester Kindheit an Liebe, Achtung und Gehorsam gezollt hatten – von ihm hatten sie gelernt, dass der Schlüssel zu einem wahrhaft erfüllten Leben nicht darin liegt, nach eigenem Gutdünken sein Geschick zu lenken. Echte Freude und wahrer Frieden kehren nur dort ein, wo der Vater im Himmel regiert. Und dass Clark Davis seinem Gott nach wie vor die völlige Herrschaft über sein Leben einräumte, daran hegte niemand im Familienkreis die geringsten Zweifel.

Allein Nandry stand ein wenig abseits, den Anblick von Clarks leerem Hosenbein ängstlich vermeidend. Ihre Gefühle verwirrten sie, doch sie weigerte sich, sie zu ergründen. Am liebsten wäre sie auf der Stelle vor der grausamen Wirklichkeit davongelaufen. Nun, vielleicht konnte sie später ein wenig Ordnung in ihren wirren Kopf bringen. Nur jetzt nicht daran denken!

Erster Austausch

Am Hotel angekommen, waren Clark und Marty plötzlich von einer lärmenden Kinderschar umringt, die sich um die Plätze neben den Großeltern stritten. Nur die kleine Jane, die bei Clarks und Martys Abreise erst wenige Monate alt gewesen war, konnte sich nicht an sie erinnern. Ein wenig befangen klammerte sie sich an ihren Vater und verfolgte jede Bewegung der beiden Fremden mit ihren großen blauen Augen. Marty hätte die Kleine von Herzen gern auf ihren Schoß gehoben, wusste jedoch, dass das Kind Zeit brauchen würde, um auf seine Weise mit den Großeltern Freundschaft zu schließen. Aber schließlich würde ihr für großmütterliche Liebkosungen noch mancher Tag bleiben, tröstete sie sich.

Tina, die Älteste der Enkelschar, berichtete stolz von ihren Fortschritten in der Schule. Andrew fiel ihr ins Wort und verkündete gewichtig, dass auch er nun ein richtiger Schuljunge sei. Zum Beweis bestand er darauf, unverzüglich bis zehn zu zählen. Mary rückte ein wenig dichter an Marty heran und flüsterte ihr ernsthaft zu, dass sie noch eine Weile daheim gebraucht würde, um ihrer Mama zu helfen, die kleine Jane zu versorgen. Marty legte ihren Arm um das Mädchen und drückte es an sich.

„Sagt mal“, meldete Arnie sich zu Wort, „ist der Westen nun tatsächlich das Paradies, von dem alle reden?“

Marty lächelte nur.

„Ehrlich gesagt“, begann Clark, „ist mir meine Heimat hier lieber, aber der Westen ist schon reizvoll, so viel steht fest. Willie hält mit Recht große Stücke auf seine Ranch. Dazu sind die Leute dort draußen freundlich und hilfsbereit, und das Land ist so weit und offen, dass man dort frei atmen kann.“

„Gibt’s denn noch viel an käuflichem Boden im Westen?“, erkundigte sich Luke.

„Nein, kaum noch. Als die Eisenbahnlinie gebaut wurde, verkauften sich die Grundstücke wie warme Semmeln. Für eine Rinderzucht braucht man erheblich mehr Grund und Boden als für unseren Ackerbau hier. Deshalb liegen die Gutshäuser auch viel weiter voneinander entfernt. In Willies Gegend ist das Land weitgehend ausverkauft. Nicht, dass es dort plötzlich von Nachbarn wimmeln würde, aber eine Einöde kann man den Landstrich längst nicht mehr nennen. Man ist halt ein bisschen länger unterwegs, wenn man einen von den Nachbarn besuchen will. Die Stadt ist enorm schnell gewachsen. Eine richtige Kirche gibt es neuerdings, und im Herbst fängt die Schule an. Melinda unterrichtet die Kinder drei Tage in der Woche. Und an einem Doktor fehlt es ihnen ja jetzt endlich auch nicht mehr.“

Ellie schloss die Augen.

„Dr. De la Rosa …“, murmelte sie den fremdländisch klingenden Namen. „Wir haben ihm eine Menge zu verdanken, nicht wahr?“

Clark nickte ernst.

„Ja“, sagte er, „das haben wir. Auf ihn ist Verlass. Nur noch ein paar Monate, und Willie kann ihn wieder holen lassen – zu Missies Entbindung.“

„Ach, richtig!“, rief Kate. „Wie fühlt sich Missie denn?“

„Ihr geht’s prima. Nur schade, dass wir abreisen mussten, ohne den Sprössling gesehen zu haben.“

„Wisst ihr“, warf Luke ein und nahm seine junge Frau bei der Hand. „Da können wir euch vielleicht aushelfen, mit dem Sprössling, meine ich. Wir haben nämlich gedacht … also, wir …“

„Nun? Was habt ihr euch gedacht?“

„Oh, Luke, bitte nicht!“ Kates Wangen röteten sich heftig.

Luke ließ sich jedoch nicht beirren.

„Nur keine Aufregung!“, beschwichtigte er die Familie, deren Blicke nun gespannt auf ihn gerichtet waren. „Wir meinen halt bloß: Schön wär’s! Weiter nichts. Ihr wisst doch, dass ich mir schon immer einen kleinen Stammhalter gewünscht habe.“

Marty lehnte sich mit einem Seufzer der Enttäuschung zurück. Es wäre aber auch zu schön gewesen, ein Enkelkind in unmittelbarer Nähe zu haben! Insgeheim wünschte sie sich, dass Luke allen Ernstes … Aber nein, so durfte sie nicht denken. Es gab wirklich keinen Grund zur Ungeduld. Sie lächelte die noch immer heißwangige Kate an und freute sich ungeheuer, ihre Schwiegertochter nun endlich persönlich kennenlernen zu können.

„Mach dir nur nichts aus Lukes Scherzen!“, tröstete Marty die junge Frau. „Er war schon immer der größte Witzbold weit und breit. Wir kennen ihn alle gut genug, um seine Späße auf die leichte Schulter zu nehmen.“

Kate schien ein wenig erleichtert, und Marty beschloss, ihr Augenmerk auf ein anderes Familienmitglied zu richten.

„Und du, Arnie? Was ist mit dir?“, fragte sie mit einem wissenden Lächeln auf den Lippen. Der Angesprochene tat so, als wisse er nicht im Geringsten, worum es ging.

„Was soll schon mit mir sein?“, gab Arnie scheinbar ahnungslos zurück, doch die leichte Röte, die in sein Gesicht stieg, verriet Marty, dass er sehr wohl verstanden hatte, auf was sie hinauswollte.

Ellie kicherte ihr mädchenhaftes Lachen.

„Nun mal los, Arnie! Sag’s ihnen!“, forderte sie ihn heraus.

Arnies gesamte Aufmerksamkeit schien plötzlich dem Muster in der Tischdecke zu gelten.

„Sie ist ein nettes Mädchen“, kam Larry seinem Bruder zu Hilfe. „Ich kann’s ihm wirklich nicht verübeln.“

„Ich auch nicht!“, warf Ellie lachend ein.

Arnie wand sich verlegen auf seinem Stuhl hin und her. Marty fand, dass dies kaum der geeignete Zeitpunkt für das fragliche Thema war.

„Du musst mir unbedingt von ihr erzählen, Arnie“, sagte sie, „sobald wir ein paar ruhige Minuten für uns haben. Mir scheint, wir sollten zuallererst einmal unser Essen bestellen, meint ihr nicht auch?“

Zu Larry sagte sie: „Und du, mein Sohn, musst mir bei Gelegenheit dringend berichten, wie’s um deine Berufspläne steht. Ich bin ja so neugierig, wie dein praktisches Jahr bei Dr. Watkins verlaufen ist!“

„Einfach prima!“ Mehr sagte Larry nicht, doch seine Stimme verriet große Begeisterung. Marty ahnte, dass er entschlossener denn je war, Arzt zu werden.

Clark wandte sich an Nandry.

„Was hörst du denn so von Cathy?“, erkundigte er sich. Nandry strich ein paar unsichtbare Krumen von Marys Kleid.

„Nichts Besonderes“, sagte sie, ohne Clarks Blick zu erwidern.

„Ist alles in Ordnung?“

„Scheint so. Joe ist fast fertig mit seiner Ausbildung.“

„Wir haben den letzten Brief von ihr kurz vor unserer Abreise bekommen“, erzählte Marty. „Ich habe mich ja so gefreut, dass sie endlich den kleinen Jungen haben, von dem sie allesamt geträumt haben. Und dazu ist er pünktlich vor dem Umzug angekommen. Cathy schrieb, dass Joe wohl eine Stelle an der Küste annehmen wird. Schade! Ich hätte sie alle so gern wieder hier bei uns gehabt. Auf der anderen Seite kann ich Joe natürlich auch verstehen. Dort drüben hat er nämlich die Möglichkeit, sich fortzubilden.“

Nandry nickte nur.

Das weiß beschürzte Serviermädchen erschien, um die Bestellungen aufzunehmen. Bis ein jeder sein Essen ausgesucht hatte und das verwirrte Serviermädchen stirnrunzelnd in der Küche verschwunden war, hatte sich das Tischgespräch längst anderen Themen zugewandt.

Bei einem Blick aus dem Fenster stellte Marty fest, dass die Sonne schon weit nach Westen vorgerückt war. Die langen Schatten zeigten an, dass der Einbruch der Dunkelheit nun nicht mehr fern war. Sosehr sie sich darauf gefreut hatte, ihr geliebtes Heim noch bei Tageslicht wiederzusehen, so war es inzwischen längst unmöglich geworden, die Farm noch rechtzeitig zu erreichen. Bis sie daheim waren, würde der Mond schon am Himmel stehen, und die Männer erwartete doch noch die abendliche Stallarbeit, die sie dann beim Schein der Öllampen verrichten müssten. Die Jungen hatten einen großen Teil der Arbeit schon am Vormittag erledigt. Marty hoffte im Stillen, dass die Mahlzeit die Familie nicht allzu lange aufhalten würde. Leise seufzend bemühte sie sich, der Unterhaltung am Tisch wieder zu folgen. Die Männer sprachen gerade über die ausstehende Ernte, die außergewöhnliche Trockenheit und die Ernteaussichten. Marty zog Mary an sich und lächelte Tina und Andrew über den Tisch hinweg zu. Die beiden Kinder saßen still und glücklich neben ihrem Großvater. Dann ließ sie ihren Blick über die Runde wandern und dankte ihrem Gott dabei aus tiefstem Herzen, dass er die ganze Familie gesund wieder zusammengeführt hatte.

Nachdenklich betrachtete sie Clark, der ihr gegenübersaß. Seine Hand ruhte auf Andrews schmalen Schultern. Jawohl, vor ihren Augen saß derselbe Mann, mit dem sie im Jahr zuvor die lange Reise angetreten hatte. Unverändert waren seine innere Festigkeit, seine Charakterstärke, seine Autorität, das lustige Augenzwinkern, seine Liebe zu seiner Familie. Das allein waren schließlich die Werte, auf die es ankam – nicht der kümmerliche Beinstumpf unter dem Tisch dort. Marty konnte nur hoffen, dass der Rest der Familie auch recht bald zu dieser Einsicht gelangen würde.

Endlich daheim

Wie Marty vermutet hatte, war die Dunkelheit längst hereingebrochen, als sie die heimatliche Farm erreichten. Ein wenig betrübt beschloss sie, den Erkundungsgang durch ihr Gut auf morgen früh zu verschieben. Obwohl der Vollmond an dem sternenklaren Nachthimmel leuchtete, wusste Marty, wie unvernünftig es wäre, im Halbdunkel durch den Garten und die Felder zu stolpern. Von ihrem Platz in der Kutsche aus versuchte sie, die Farmgebäude in der Dunkelheit auszumachen. Ja, dort war die Scheune. Dahinter der Hühnerstall und dort die kleine Holzhütte, die Clark und ihr einst als erstes gemeinsames Heim gedient hatte und nun von Luke und Kate bewohnt wurde. Sie holte tief Luft und ließ sich von Clark aus der Kutsche helfen, um ihm ins Haus zu folgen – doch nicht ohne geschwind in die Richtung ihres Küchengartens zu spähen: Sie war neugierig, was Ellie und Kate für dieses Jahr angepflanzt hatten. Doch in der Dunkelheit behielten die Beete ihr Geheimnis vorerst für sich.

Ellie hatte schon die große Lampe angezündet und beobachtete nun, wie ihre Mutter sich in ihrer Küche umschaute. Ihr geliebter gusseiserner Herd stand an seinem gewohnten Platz; da waren die ordentlich eingeräumten Regale und der große Eichentisch, an dem die Familie schon seit vielen Jahren ihre Mahlzeiten einnahm. Auch an den Vorhängen und den Bildern an der Wand hatte sich nicht das Geringste geändert. Selbst die Geschirrtücher hingen wie eh und je jedes an seinem Haken, und die Topflappen über dem Herd begrüßten die Hausherrin wie alte Bekannte. Einzig der Kalender an der Wand zeigte ein neues Gesicht. Seit Martys Abreise von daheim war beinahe ein ganzes Jahr ins Land gezogen.

Sie seufzte auf und wagte ein Lächeln. Welche Erleichterung, alles so vorzufinden, wie sie es hinterlassen hatte! Ein warmes Gefühl der Zufriedenheit überkam sie. Sie stellte ihre Taschen ab und begann, jedem Zimmer im Erdgeschoss einen kurzen Besuch abzustatten. Ja, Ellie hatte tatsächlich dafür gesorgt, dass alles in schönster Ordnung war. „Trautes Heim – Glück allein!“, kam es Marty unwillkürlich in den Sinn.

Bei ihrem Rundgang stellte sie fest, dass mehrere Arbeiten gleich in den nächsten Wochen fällig waren. Das Wohnzimmer konnte eine neue Tapete vertragen, und die Küchenschränke schrien geradezu nach Pinsel und Farbe. Marty seufzte vor Wohlbehagen. Ihr Zuhause brauchte sie, und das machte sie glücklich. Am besten kümmerte sie sich gleich um … aber nicht doch! Nicht mehr heute Abend. Plötzlich sehnte sie sich nur noch nach ihrem Bett. Wie todmüde sie war! Bei der großen Wiedersehensfreude hatte sie nicht einmal bemerkt, wie erschöpft sie war. Doch jetzt wurde sie von ihrer Müdigkeit übermannt. Im Stillen fragte sie sich, woher sie die Kraft nehmen sollte, um die Treppenstufen zum oberen Stockwerk zu erklimmen.

Clark musste ihre Gedanken gelesen haben. Unausgesprochen stand die Frage, wie sie sich fühlte, in seinem Blick, als seine Augen die ihren suchten.

„Lass nur, mir geht’s gut“, versicherte ihm Marty. „Ich bin nur mit einem Schlag furchtbar müde. Ich glaube, ich lege mich gleich schlafen. Morgen ist immerhin auch noch ein Tag, und das große Erzählen kann bis dahin warten.“

Clark nickte, hob ihre Taschen vom Boden auf und trug sie erstaunlich behände die Treppe hinauf. Marty folgte ihm schleppenden Schrittes.

An der Schlafzimmertür blieb sie stehen. Wie viele Monate doch seit ihrer letzten Nacht in diesem Zimmer ins Land gezogen waren! Liebevoll ließ sie den Blick über jeden Winkel des Raumes schweifen: die zartgeblümte rosenholzfarbene Tapete, der seidige Glanz des polierten Fußbodens, die dicken, handgewebten Bettvorleger, die weißen, duftigen Gardinen vor dem Fenster, das einladende Bett mit dem gesteppten Überwurf. Ja, Marty liebte ihr Schlafzimmer. Um nichts in der Welt würde sie es hergeben, nicht einmal für das elegante Hotelzimmer, in dem sie und Clark auf dem Weg nach Westen übernachtet hatten.

Oh, sie hatte den Mädchen überhaupt noch mit keiner Silbe von diesem Traum von einem Hotelzimmer berichtet! Und die Episode mit Clarks vermeintlich gestohlener Uhr hatte sie auch noch nicht erwähnt. Und dann die Sache mit den Wanzen … und die waschechten Indianer, die sie dabei beobachtet hatten, wie sie ihre Ausbeute an Tierfellen zum Verkauf in den Gemischtwarenladen trugen … Sie hatte ja so viel zu erzählen – aber das alles würde bis morgen früh warten müssen.

Clark hatte indessen die Taschen in einer Ecke abgestellt und war wieder nach unten zum Rest der Familie gegangen.

Ein leises Geräusch riss Marty aus ihren Gedanken. An der Tür stand Larry mit der tragbaren Badewanne.

„Nach der langen Reise hättest du doch sicher nichts gegen ein warmes Bad, Ma“, sagte er nur und stellte die Wanne auf eine Fußmatte in der Mitte des Zimmers. „Ich hol dir geschwind ein paar Eimer Wasser.“

Marty sah ihm überwältigt nach. Ja, so war ihr Larry eben: immer auf das Wohl anderer bedacht!

Wenig später kehrte er mit den schweren Wassereimern zurück und leerte sie in die Wanne aus. Marty dankte ihm von Herzen.

„Lass die Wanne nur einfach stehen, wenn du fertig bist“, sagte Larry. „Ich trag sie morgen früh dann nach unten.“

Marty nickte, und Larry wandte sich zum Gehen. An der Tür machte er noch einmal halt.

„Schön, dass ihr wieder daheim seid, Ma!“, sagte er leise. „Ohne euch war’s manchmal mächtig still hier. Hab euch so vermisst!“

„Und ich habe dich auch vermisst, mein Junge!“ Die ganze Wärme ihrer Mutterliebe lag in ihrer Stimme. „Ich habe ja solche Angst ausgestanden, dass du in die Großstadt ziehst, bevor wir wieder daheim wären. Ich war richtig froh darüber, dass du doch noch ein Jahr damit gewartet hast. Deine Entscheidung wird deiner Ausbildung doch keinen Abbruch tun, oder?“

„Ganz im Gegenteil!“, lächelte Larry. „Ich habe nämlich eine Menge von Doktor Watkins gelernt. Du ahnst ja gar nicht, wie viel er mir in dem einen Jahr beigebracht hat! Obendrein hat mir die Zeit bei ihm noch etwas ganz Wichtiges eingebracht, Ma. Jetzt weiß ich nämlich felsenfest, dass die Medizin das Richtige für mich ist. Mancher junge Bursche ist sich da anfangs gar nicht so sicher, meint Doktor Watkins, und dadurch wird viel Geld und kostbare Zeit verschwendet.“

„Und du hast keine Zweifel mehr?“

„Nicht die Bohne!“

„Dann wollen Pa und ich dir unseren Segen zu deinem Vorhaben geben – wenn’s mir auch nicht so recht passt, dass du gleich so weit von uns wegziehst.“

„Dank dir, Ma“, antwortete Larry. „Weißt du, jetzt bin ich alt genug dafür. Voriges Jahr wäre der Umzug vielleicht zu früh für mich gekommen.“

Damit ging er wieder nach unten, und Marty schenkte der Badewanne ihre gesamte Aufmerksamkeit.

Einfach himmlisch!, dachte sie, während sie sich wohlig in das warme Wasser sinken ließ. Mit dem Staub von der langen Reise wusch sie auch die Erschöpfung von ihren schmerzenden Gliedern. Ein sauberes, warmes Nachthemd, ein paar Bürstenstriche durch ihr Haar, und sie stieg zufrieden in ihr Bett.

Kaum war sie unter die Decke geschlüpft, als sie ein zaghaftes Klopfen von der Tür her vernahm. Auf Martys „Herein!“ kam Ellie an ihr Bett.

„Ich musste dir einfach noch schnell eine gute Nacht und Willkommen daheim sagen“, flüsterte sie und drückte ihrer Mutter einen Kuss auf die Wange. „Ich bin ja so froh, dass ihr endlich wieder hier seid, Ma. Ich habe euch nämlich mächtig vermisst!“

„Und ich dich erst, mein Kind! Du hast mir alle Ehre gemacht. Ich bin stolz auf dich. Der Haushalt ist so tipptopp in Ordnung, dass mir geradezu angst und bange wird.“

„Aber warum denn angst und bange?“

„Ich geb’s nicht gerne zu, Ellie, aber weißt du, an dir wird mal jemand eine prima Frau haben. Wenn ich daran denke, dass es eines Tages so weit sein wird und du das Haus verlässt, läuft’s mir kalt über den Rücken.“

Ellie lachte leise.

„Meine Mutter, die Überängstliche!“, sagte sie liebevoll und strich ihr eine lose Haarsträhne aus der Stirn. „Mach dir um mich deswegen noch kein Kopfzerbrechen! Ich hab’s nämlich alles andere als eilig, unter die Haube zu kommen.“

„Dann liegt dir also nicht so sehr an einem eigenen Haushalt und …“

„Das habe ich nicht gesagt. Klar möchte ich später einmal ein eigenes Haus und eine Familie haben. Mir ist halt nur noch nicht der Richtige über den Weg gelaufen, weiter nichts.“ Sie beugte sich vor und gab Marty noch einen Kuss auf die Stirn. „So, Mama, und jetzt schläfst du süß und selig und stehst mir nicht eher auf, bis du rundherum ausgeschlafen bist. Das Frühstück richte ich dann schon.“

Marty hatte gerade behaglich die Augen geschlossen, als die Tür aufs Neue knarrte und Arnie auf Zehenspitzen ins Zimmer kam. Marty schlug mühsam die Augen wieder auf.

„Oh, wie dumm von mir! Ich hätte aufbleiben sollen, bis …“

„Du hast einen langen Tag hinter dir!“, unterbrach Arnie sie. „Pa sagt, du könntest die Augen kaum noch offen halten. Er würde mir gehörig eins überziehen, wenn er wüsste, dass ich hier bin.“

Marty lächelte.

„So, jetzt wird’s aber höchste Zeit“, meinte Arnie und gab seiner Mutter einen Kuss auf das wirre Haar. Dann flüsterte er leise: „Du, Mama, sie ist wirklich ’ne Wucht. Du wirst sie auf Anhieb mögen. Morgen erzähl ich dir mehr über sie.“ Damit verließ auch Arnie das Schlafzimmer seiner Eltern so leise, wie er gekommen war.

Vor Erschöpfung konnte Marty dem Schlaf keine einzige Minute länger Widerstand bieten. Ihr letzter Gedanke galt Clark. Wo er nur bleiben mochte? Gewiss war er nicht weniger müde als sie. Er gehörte ebenfalls in sein Bett. Doch weiter konnte sie nicht denken und sank sofort in einen tiefen, ruhigen Schlaf.

Auf Erkundung

Clarks Kopfkissen war noch warm, als Marty am nächsten Morgen die Augen aufschlug. Sie hatte nicht länger als gewöhnlich geschlafen, doch nach der Nachtruhe in ihrem eigenen Bett fühlte sie sich wie neugeboren. Plötzlich konnte sie es kaum erwarten, Haus und Hof bei Tageslicht zu erkunden. Sobald sie sich an Ellies herzhaftem Bauernfrühstück gelabt hatte und das Geschirr wieder sauber im Schrank stand, machte sie sich auf den Weg zu ihrem Küchengarten. Ellie und Kate hatten tatsächlich ganze Arbeit geleistet. Mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen betrachtete Marty die reiche Vielfalt an jungen Pflanzen. Die Mädchen hatten eine gute Auswahl getroffen, und den Überschuss an Gemüse würden sie schon an die Nachbarn verteilen können. Alles schien prächtig zu gedeihen, und Marty freute sich schon jetzt auf eine ertragreiche Ernte. Hier und da richtete sie ein welkes Pflänzchen vom Boden auf, häufte eine Handvoll Erde um ein sprießendes Blatt oder lobte einen besonders stattlichen Kopfsalat wegen seines erstaunlichen Umfangs.

Von dem Gemüsebeet ging sie zu den Blumen. Die frühen Sorten wippten mit ihren taubesprengten Köpfchen in der frischen Morgenluft. Marty sog tief den süßen Blumenduft ein. Emsige Honigbienen flogen summend von Kelch zu Kelch.

Als Nächstes stattete Marty den Obstbäumen einen Besuch ab. Das Frühjahr hatte einen reichen Blütensegen hervorgebracht, und sie konnte den Bäumen eine vielversprechende Ernte ansehen, wenn nur der dringend notwendige Regen nicht mehr allzu lange auf sich warten ließ. Sie schickte eine Bitte um Regen zum Himmel und ging weiter an den Bach.

Der kleine Wald war schattig und kühl. Der würzige Tannenduft und die wilden Blumen ließen Martys Herz vor Wiedersehensfreude schneller schlagen. Erst jetzt wusste sie, wie sehr ihr das Grün und der erquickende Duft ihres Wäldchens am Bach gefehlt hatten. In Missies neuer Heimat gab es keine hohen, rauschenden Wälder. Marty blieb stehen, um einem Rotkehlchen beim Füttern seiner Jungen zuzuschauen. Kaum hatte es mit seinem fetten Wurm im Schnabel das Nest erreicht, als winzige, hungrige Schnäbelchen sich ihm weit geöffnet entgegenreckten. Marty schmunzelte. Die Mutterpflichten des geschäftigen Rotkehlchens waren ihr selbst ja nur allzu vertraut!

Sie folgte dem Pfad durch den Wald, bis sie das sanfte Gurgeln des Baches hören konnte. Wegen der für diese Jahreszeit ungewöhnlichen Trockenheit floss er nur als kleines Rinnsal dahin, doch das Wasser war klar und glitzerte wie tausend Edelsteine in der Morgensonne. Leise murmelnd schlängelte sich der Bach in seinem Kieselbett durch die Wiesen. Welch ein malerisches Bild!

An der Quelle hockte sich Marty nieder und tauchte ihre Hand in das Wasser. Es war so eiskalt, dass ihre Finger sich krümmten. Sie konnte nie genug über dieses Wunder der Natur staunen. Wie konnte eine unscheinbare Quelle im Wald nur mitten im Sommer so eisiges Wasser hervorbringen? Plötzlich spürte sie den feinen Geschmack von frischer Sahne und Butter förmlich auf der Zunge. Selbst im Hochsommer hielt der Bach die hausgemachten Milcherzeugnisse kühl und tischfertig.

Marty wärmte sich die Hand in den Falten ihrer Schürze und schaute dem munter plätschernden Bächlein zu. In der Nähe hämmerte ein Specht. Vor ihren Füßen regte sich etwas im Gras, und eine erschrockene Feldmaus jagte blitzschnell davon. Eine sonnenbeglänzte Libelle kreiste über dem Bachwasser. Der Wald war voller Leben. Marty konnte sich nie genug daran erfreuen. Der Wald war ihr ein wahrer Ort der Erholung. Und sie brauchte ein wenig Ruhe und Erholung. Alle Knochen taten ihr noch weh von der langen, beschwerlichen Reise, und der Abschied von Missie und das frohe Wiedersehen mit ihren Lieben hier hatten sie viel von ihren inneren Kräften gekostet. Das Jahr, das hinter ihr lag, hatte manche Veränderung mit sich gebracht. Marty wusste zwar, dass das Leben voller Überraschungen und Enttäuschungen steckte; für sie glich eigentlich kein Tag dem anderen. Doch tief in ihrem Herzen dankte sie ihrem Gott für die Dinge, auf die sie heute und auch morgen noch felsenfest zählen konnte, selbst wenn es etwas so Alltägliches wie ein kleiner Bach oder eine klare Quelle war.

Und Clark. Sie lächelte und winkte seiner vertrauten Gestalt drüben am Hügel zu. Sie konnte ihm seine Besorgnis um sie ansehen, als er nun näher kam und in ihrem Gesicht noch die Spuren der Erschöpfung vom Vorabend entdeckte.

„Morgen, Schatz!“, begrüßte er sie und ließ sich, auf seine Krücke gestützt, neben ihr im Gras nieder. „Hast ja gar nicht lange geschlafen. Wie fühlst du dich denn?“

„Ausgeruht – und sooo froh, wieder daheim zu sein!“ Marty legte ihren Arm in seine Armbeuge. „In ein paar Tagen bin ich wieder so gut wie neu, sollst mal sehen. Besonders, wenn ich mich hier am Bach ein Weilchen ausruhen kann!“

„Aha! Dir schwebt also das süße Nichtstun vor!“, neckte er sie, doch der sanfte Druck seiner Hand nahm seinen Worten alle Schärfe. „Bleib nur ruhig hier, solange du magst!“, sagte er dann ernster. „Ellie sorgt schon für Haus und Küche, und die Arbeit macht ihr Freude.“

„Dank dir, Schatz!“, sagte sie und küsste ihn zum Abschied, bevor er aufstand.

„So, jetzt wird’s aber höchste Zeit für mich, im Stall nach dem Rechten zu sehen“, sagte er und strich ihr zärtlich über die Wange. „Du kannst gern bis zum Abendessen hier sitzen bleiben, Liebling!“

Ohne diesen Mann könnte ich mir das Leben nicht mehr vorstellen, dachte Marty, während sie ihm nachschaute, bis er ihrem Blick entschwunden war. Ja, er ist eins von diesen Dingen, die alle Tage gleich sind. Ich brauche ihn so sehr! Dank dir, Herr Jesus, für meinen Clark!

Endlich erhob sich auch Marty aus dem grünen Gras und machte sich auf den Rückweg zum Haus. Nachdenklich betrachtete sie dabei das Land um sie herum. Die Leute hatten recht: die Erde brauchte dringend Regen. Die Felder waren ausgetrocknet, und die Bäche flossen spärlich. Das Gras dort auf der Weide war kurz und braun verfärbt. Zugegeben, verglichen mit dem kargen Pflanzenwuchs im Westen waren diese trockenen Weiden geradezu ein tropischer Regenwald, doch Marty wusste aus vergangenen Jahren, dass die Landschaft hier mitten im Juni eigentlich viel grüner und saftiger ausschauen müsste. Sie sah auf. Von einem wolkenlosen Himmel brannte die Sonne sengend auf die Erde herab. Martys Augen suchten den Horizont über den Bergen vergeblich nach Wolken ab. Es gab keinerlei Anzeichen für einen baldigen Regenguss.

Marty lenkte ihre Schritte auf den Stall zu und langte unterwegs über einen Weidenzaun, um dem großen Fuchs den Hals zu streicheln. Auch das andere Pferd auf der Koppel ließ nicht lange auf sich warten. Entrüstet darüber, dass Martys ausgestreckte Hand ihm keine Leckerbissen entgegenhielt, trollte es sich bald wieder, um im Schatten eines Baumes Schutz vor der stechenden Sonne zu suchen.

In dem Hühnergehege drängte sich eine lärmende, flatternde Hühnerschar um den Wassertrog. Ein stattlicher Hahn marschierte erhobenen Hauptes durch sein eingezäuntes Königreich und verwies die übrigen männlichen Untertanen des Hühnervolks mit einem gebieterischen Krähen in ihre Grenzen. Mehrere Gluckhennen führten ihre Jungen zu Erkundungsgängen durch das Gehege. Ellie hatte das Geflügel während Martys Abwesenheit wirklich auf das Beste versorgt. Den ganzen Winter über würden sie der Familie manches schmackhafte Hühnergericht auftischen können.

In der Nähe des alten Holzhäuschens, das sie und Clark lange Jahre ihr Heim genannt hatten, verlangsamte sie ihre Schritte. Bei dem Anblick der duftigen weißen Vorhänge an dem offenen Küchenfenster wurde ihr warm ums Herz. Kate war gerade damit beschäftigt, hinter dem Haus ihre Wäsche zum Trocknen aufzuhängen. Marty rief ihr einen Gruß zu, und die junge Frau winkte zurück.

„Ich bin gleich fertig. Hast du Zeit für eine Tasse Kaffee?“

Nur zu gern willigte Marty ein. Sie war ja so neugierig, wie Luke und Kate sich das kleine Blockhäuschen eingerichtet hatten! So folgte sie ihrer Schwiegertochter durch den Eingang in die saubere Küche.

Marty bemerkte einige Veränderungen, die die junge Frau vorgenommen hatte, aber die, wie sie selbst gestehen musste, alles weitaus praktischer gestalteten. Alles in allem hatte die kleine Küche jedoch nichts von ihrer alten Gemütlichkeit eingebüßt.

Kate füllte den Kessel mit Wasser und maß das Kaffeepulver ab.

„Ich habe mich so sehr auf deinen ersten Besuch gefreut!“, sagte sie dabei. „Wie gefällt dir denn unser neues Zuhause? Bildhübsch, nicht wahr?“

Marty stimmte ihr lächelnd zu. Auch sie hatte sich damals sehr wohl hier gefühlt.

Nachdem Kate den Kessel auf die Herdplatte gestellt hatte, schlug sie einen Rundgang durch das Haus vor, worauf Marty schon insgeheim gehofft hatte. Im Wohnzimmer schweifte ihr Blick von dem Kamin über das Bücherregal – beides vertraute Gegenstände von früher – zu dem Sofa, den beiden Lehnsesseln, dem kleinen Tisch und der Standuhr, die allesamt neu angeschafft worden waren. Auch die Teppiche und Gardinen waren neu.

Nebenan war Martys einstiges Schlafzimmer, das sie anfangs mit Missie, dann mit dem Säugling Luke und endlich mit ihrem Mann Clark geteilt hatte. Marty dachte beinahe wehmütig an ihr erstes Jahr als Clarks Ehefrau zurück. Wie wunderbar geduldig und sanftmütig er ihr doch begegnet war, bis er die Wände der Bitterkeit um ihr bekümmertes Herz endlich durchbrochen hatte!

Auf Kates Bett lag eine weiche Daunendecke. Die Kommode an der Wand war geräumiger als die, die Marty damals zur Verfügung gehabt hatte. Vor dem Fenster stand ein bequemer Stuhl, den ein mit Schmetterlingen besticktes Kissen zierte. Eine Wäschetruhe aus Zedernholz in der Zimmerecke machte die Einrichtung komplett. Kate freute sich sichtlich über Martys Lob.