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"Nonna Barbara", die rasende Großmutter, schwingt sich im Sommer 2021 auf ihre Vespa Cesarina und fährt einfach drauf los. Mit viel Optimismus und Selbstvertrauen im Gepäck geht es über die Alpen nach Südtirol, weiter nach Rom. Stets am Meer entlang erobert sie Stück für Stück die Regionen Italiens, um nach 30 Tagen reich an warmherzigen Begegnungen und überraschenden Erlebnissen mit folgender Erkenntnis heimzukommen: Worauf warten? Das Leben ist zu kurz für später!
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Seitenzahl: 103
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Neuauflage 2025
Vielen Dank an alle, die mich auf dieser Reise mit ihren Gedanken begleitet haben! Ein herzliches Danke an meine beiden Lektoren Hanfikare und den edlen Alexander ;-)
Vorwort
Textbeginn
Nachwort
Cesarina Turbo
Baujahr 2019
Per la mia famiglia
Vi voglio bene!
Geneigter Leser!
Dies ist ein Reisebericht der etwas anderen Art. Zum einen, weil ich keine Schriftstellerin bin und zum anderen, es sich um eine sehr spontane und völlig ungeplante Reise handelt.
Es ist einfach nur der umgesetzte Traum einer Vespa verrückten Großmutter, mit ihrer Vespa den italienischen Stiefel zu umrunden.
Dieses Büchlein ist beileibe kein "seriöser" Reiseführer, denn ich kann nicht mit besonderen Informationen wie etwa Besichtigungstipps oder der ultimativen Routenführung aufwarten. Dafür gibt es schließlich Google ;-)
Jedoch kann ich von den herzlichen, lustigen und auch skurrilen Begegnungen mit Italiens "Ureinwohnern" berichten sowie meine Eindrücke - quasi unbedarft und frei Schnauze - schildern, die diese verrückte Vespa-Tour zu einem einmaligen Erlebnis gemacht haben.
Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sowie die geschilderten Begebenheiten sind nicht rein zufällig, sondern sogar ziemlich beabsichtigt und entspringen nicht der Fantasie der Autorin, sondern der Wahrheit und nichts als der Wahrheit!
Viel Spaß beim Lesen wünscht
“Donna Barbara - la nonna accelerata”
Den italienischen Stiefel mit meiner Vespa zu umrunden, spukte schon länger in meinem Kopf herum. Ein Buch darüber zu schreiben war jedoch nie der Plan. Mein lieber Vater, Jahrgang 1928, hat meine Reise mit Spannung verfolgt und jedes Mal, wenn ich ihn von unterwegs angerufen habe, kam seine Frage:
“Na, wo bist Du heute gelandet?”
Noch während unseres Telefonats suchte er meinen Standort in seinem alten Atlas und rief erfreut aus: “Ich hab’ Dich schon gefunden!”
Als ich nach Hause kam, meinte er, er könne es kaum erwarten, meine Reisenotizen zu lesen. Und so kam es zu diesem Buch, denn meine flüchtig dahin geschmierten Aufzeichnungen konnte ich ihm unmöglich zumuten.
Leider verschlechterte sich sein Gesundheitszustand rapide und ich habe mich sehr beeilt, dieses Buch fertig zu bekommen. Gerade noch rechtzeitig konnte ich ihm die erste Ausfertigung im Krankenhaus in die Hände drücken und seine Freude darüber bedeutet mir unbeschreiblich viel. Er wurde 93 Jahre alt.
Gewidmet meinem Babbino caro
Vor mittlerweilen fünf Jahren habe ich mir eine kleine, weiße 50 ccm-Vespa gekauft. Ich taufte sie auf den Namen Cesare (gesprochen: Tschesarä). Mit meiner Cousine Gerdi (gesprochen: Greteli) und ihrer knallroten Vespa unternahm ich so einige schöne Touren. Die verrückteste Reise war eine Tour über die Alpen nach Verona und zum Gardasee, bei der ich Cesare auf der Rückreise leider so überansprucht habe, dass ich es gerade noch so nach Hause geschafft habe. Der Vespa-Schrauber meines Vertrauens hat Cesares Motor daraufhin einen Totalschaden diagnostiziert und somit war klar, dass ich mit meiner kleinen Vespa das Risiko einer Alpenüberquerung nicht mehr eingehen werden würde.
Was nun?, sprach Zeus. Leider hatte ich meinen Autoführerschein nach dem berüchtigten Stichtag des 1.4.1980 erworben und mir war daher nicht erlaubt, eine 80er, geschweige denn 125er Maschine zu fahren.
Nach längerem Überlegen entschloss ich mich dann doch, den A1-Schein anzupacken und stapfte tapfer in die Fahrschule. Ich erntete viele verwunderte Blicke meiner Mitschüler, die wahrscheinlich dachten, ich wolle meinen Enkel anmelden. Im Theorieunterricht hat sich dann doch mal einer erbarmt, mich anzusprechen und ich entgegnete: “Na ja, ich muss halt nachsitzen.”
Nichts desto trotz hatte ich nach drei Monaten den begehrten Führerschein eingesackt und war meinem Traum, mit einer "verlässlichen" Vespa den italienischen Stiefel zu umrunden, einen großen Schritt näher gekommen. Die neue Vespa bekam den Namen "Cesarina" und das Nummernschild die Buchstaben AIC-CT....für Aichach, Cesarina Turbo. Da gab´s gar kein großes Überlegen. Nachdem ich dann den Segen der Familie und das Einverständnis des Arbeitgebers für die lange Abwesenheit meinerseits eingeholt hatte, konnte es an die Planung gehen. Wobei, wie bereits schon erwähnt, von einer richtigen Planung keine Rede sein konnte. Ich hatte sechs Wochen Zeit und jede Menge Vorfreude im Gepäck.
Am 13.6.2021 ging´s los. Keine Unterkunft gebucht, kein Navi an Bord, nur mit meinem Handy und einer guten Italien-Landkarte ausgestattet. Meine Ladung hingegen war gut durchdacht - den meisten Platz nahm meine “Pflegetasche” ein: Medikamente und Pflegeprodukte...wie es halt so ist bei älteren Leuten.
Sogar die Wärmeflasche musste mit, wie auf jeder meiner Reisen. Ich hasse kalte Füße beim Einschlafen. Man weiß ja nie. Fröhlicher Abschied vom Männe und Nachbarn, zweimal gehupt und weg war ich ums Eck.
Und hier ist mein Tagebuch:
Tag 1
13.06.21
08:28 Uhr
km: 8.335
Ohne Frühstück im Bauch zur B17 Richtung Füssen. Keine Lastwagen unterwegs, schließlich ist Sonntag. Erste Brotzeit in Steingaden. Weiter geht’s Richtung Reschenpass. In Prutz/Österreich eine Mittagspause eingelegt. Die Kellnerin bittet mich um einen Impfnachweis. Ich zeige ihr mein gelbes Impfbüchlein mit dem Eintrag meiner Corona- Impfungen. Ich sitze in der Sonne an einem schön gedeckten Tisch und entdecke einen Maikäfer im Blumentöpfchen auf meinem Tisch. Anscheinend liebt er weiße Nelken. Ich freue mich daran und mache die Kellnerin auf den Käfer aufmerksam. Sie möchte ihn sofort vom Tischschmuck entfernen, doch ich protestiere umgehend. Sie dachte, der Käfer würde mich stören und meint, sie hätten zur Zeit eine richtige Maikäferplage. Maikäferplage? Das hab ich ja schon lange nicht mehr gehört. Der Käfer und ich genießen weiter unser Mittagessen bei mittlerweile 30°C und alles ist gut.
Maggiolino (Maikäfer)
Die Straße über den Reschenpass ist wunderschön zu fahren, kaum Verkehr. Bei strahlendem Sonnenschein begrüßt mich der aus dem See herausragende Glockenturm der alten, im See versunkenen Ortschaft Alt-Graun. Das ehemalige Dörfchen musste 1950 einem Stausee zwecks Stromgewinnung weichen. Die Kirche wurde gesprengt, nur der denkmalgeschützte Glockenturm aus dem 14. Jahrhundert blieb erhalten. Die Dorfbewohner wurden zwangsweise umgesiedelt in das heutige Dörfchen Graun, das etwas höher am Reschensee liegt.
Kleiner Buchtipp zum Thema Vertreibung der Bürger Grauns:
Bei einem kurzen Fotostopp werde ich von einem italienischen Biker gefragt, ob er meine wie ein Muli aufgepackte Vespa fotografieren dürfe. Hab nix dagegen und muss darüber schmunzeln. Auf meinem Weg nach Tschars schaue ich mir das Städtchen Glurns an und trappe in meinen Motorrad-Boots durch die kleine Altstadt mit der gut erhaltenen Stadtmauer. Nun bin ich also im Vinschgau.
Um 17 Uhr komme ich in Tschars, meinem heutigen Tagesziel, an und finde sofort ein Zimmer in einem kleinen, privat geführten Hotel. Von meiner Brieffreundin Sabine, die ich in Tschars besuchen möchte, weiß ich, dass abends auf dem Kirchplatz ein Konzert der örtlichen Musikkapelle stattfindet und ich laufe todmüde zum Kirchplatz und setze mich aufs Mäuerchen, genieße die sommerliche Abendstimmung und die wunderschöne Musik und bilde mir ein, sie spielen nur für mich. Operette, Marschmusik und zuletzt noch die Ode ans Tiroler Heimatland:
„Du bist das Land, dem ich die Treue halte, weil du so schön bist, mein Tiroler Land….“
Nach dem Konzert strömt das Publikum davon, um das überall an den umliegenden Berghängen aufflackernde Herz-Jesu-Bergfeuer zu genießen, die heute Nacht das Vinschgau in Form von Herzen, Kreuzen oder den Zeichen Christi (INRI bzw. IHS) erleuchten werden. Ein wunderschönes, mystisches Spektakel, das jährlich Tausende von Touristen anzieht. Ursprünglich stammt diese Tradition aus dem Jahr 1796, sagt mir google, als Napoleons Heer vor den Alpen stand. Die Tiroler vertrauten damals ihr Land dem „Heiligsten Herzen Jesu“ an, um so göttlichen Beistand vor der drohenden Kriegsgefahr zu erhalten. Kurze Zeit später besiegten die Truppen von Andreas Hofer überraschend die Franzosen und Bayern und der Herz-Jesu-Sonntag (jährlich der dritte Sonntag nach Pfingsten) wurde zum hohen Feiertag. Trotzdem werfe ich um 23 Uhr das Handtuch und bringe mein müdes, vom Fahren durchgeschütteltes Gestell ins Bett.
Tag 2
14.06.21
30°
Mit Cesarina nach Latsch (gesprochen mit kurzem a, wie Matsch) gedüst. Meine Zimmerwirtin hat mir für meine heutige Wanderung den Mythenweg empfohlen. 2,5 Stunden geht es bergauf und bergab, ich begegne keinem einzigen Menschen und genieße die Ruhe und die wundervolle Aussicht auf das Tal und die umliegende Bergwelt. Die Hitze ist einigermaßen gut zu ertragen, da der Weg immer wieder unter Bäumen verläuft. Ich komme an sogenannten Schalensteinen vorbei - große, flache Steine aus grauer Vorzeit mit von Menschenhand geschlagenen Löchern darin.
Der Sinn ist nicht ganz geklärt, man vermutet jedoch, dass es sich um Kultstätten handelt. Vielleicht wurden die Löcher ja auch als Halterung für Fackeln oder Öllampen hergestellt, die exponierte Stelle des größten Schalensteins, der direkt auf das freie Tal ragt, lässt jedenfalls darauf schließen. Ein Stück weiter befindet sich eine Klumperplatte. Ein riesiges, flaches Felsstück. Es soll klumpern, wenn man darauf wippt oder hin- und herläuft. Ich laufe darauf herum und hüpfe auf und ab wie Rumpelstilzchen, aber nichts klumpert oder klackert. Die Platte bewegt sich keinen Millimeter. Na wenigstens habe ich keine Geröll-Lawine ausgelöst.
Der Mythenweg führt letztendlich hinab nach Kastellbell und ich belohne mich im einzig geöffneten Cafe mit Apfelstrudel und Cappuccino. Es wird der letzte Cappuccino für die nächsten vier Wochen sein. Nach meiner Kaffeepause laufe ich im Tal zurück nach Latsch zu meiner treuen Cesarina. Wir flitzen zum Kräuterschlössl nach Goldrain.
Welche Oase der Ruhe und Entspannung finde ich da vor! Ein wunderschön angelegter Kräuter- und Rosengarten mit kleinen Teichen, Hängematten und Schaukelstühlen lädt den Besucher zum Verweilen ein. Überall duftet es nach Rosen und Kräutern und ich setze mich in einen Hängestuhl und genieße das Blubbern und Plätschern des kleinen Teichbrunnens, in dem sich Hunderte von Kaulquappen und Goldfischchen tümmeln. Bei so viel Idylle döse ich kurz ein und möchte am liebsten gar nicht mehr weg. Nach einem Espresso im Kräuterschlössl-Laden schwinge ich mich neu gestärkt auf meinen Stahlesel und fahre ins angrenzende Martell-Tal hinein. Eine wunderschöne, schmale Straße führt mich in leichten Kurven bergauf und ich genieße den kühlen Fahrtwind. Nach 20 Minuten kehre ich wieder um und brause zurück nach Tschars um mein Gepäck abzuholen. Inzwischen ist es früher Abend und ich warte vor Sabines Haus in Tschars auf die Ankunft des Berghexerls. Sabine ist eine Brieffreundin aus meiner Kurrentgruppe. Vor etwa einem Jahr bin ich einem Verein beigetreten, der Kontakte von schreibwütigen Freunden der alten deutschen Schrift vermittelt. So bin ich an’s “Berghexerl” geraten, die seit einigen Jahren in Südtirol lebt. Sabine ist eine begeisterte Konditionsbergwanderin und arbeitet u.a. als Lektorin und Naturfotografin für Fachzeitschriften. Dies ist bei weitem nicht alles an Talenten, denn Sabine stellt ihr Licht, wie ich später herausfinde, gerne unter den Scheffel.
18.30 Uhr kommt die Fleißige von der Arbeit und nach einer herzlichen Begrüßung und einer schnellen Dusche in meinem neuen Zuhause spazieren wir zum Gasthaus Himmelreich, das von Sabines Freundin geführt wird.
Nach einem vorsichtigen “Beschnuppern” folgt schon bald eine angeregte Unterhaltung, wir entdecken viele Gemeinsamkeiten und sind uns sympathisch. Die Abendstimmung auf der ausgebuchten Restaurant- Terrasse ist zauberhaft und wir fallen todmüde (die eine vom anstrengenden Arbeitstag, die andere vom ereignisreichen Urlaubstag) um 22 Uhr ins Bett.
Tag 3
15.06.21
30°C min.
Wandern mit’m Berghexerl
Mit dem Bus-Shuttle fahren wir zur Seilbahn St. Martin im Kofel. Hinauf mit der Gondel und von der Bergstation über den Trumsberg zur Niedermoar-Alm gewandert. Dabei die Reste einer Schneelawine mangels passendem Schuhwerk barfuß überquert; meine Wanderschuhe passten partout nicht mehr ins Reisegepäck. Ich habe lediglich einfache Turnschuhe dabei und jeder Schritt will gut überlegt sein, um auf dem zum Teil steinigen Boden nicht auszurutschen. Dementsprechend langsam geht es voran. Sabine zeigt mir ein kleines Gedenktaferl, das an eine junge Frau erinnert, die sich im Jahre 1945 mit einem Sprung in die Tiefe vor einem Wüstling gerettet hatte. Leider wurde sie dabei so schwer verletzt, dass sie einige Jahre später an den Folgen des Sturzes verstarb.
Sabine zeigt und erklärt mir die verschiedensten Wildkräuter und manches Blattl wird verkostet. Die Brennessel- und Kasnocken auf der Terrasse der Niedermoar-Alm sind wohl verdient und für mich quasi hart erwandert. Bin ja in Sachen Bergwanderung ein ungeübter Laie und das geduldige Berghexerl übt sich in Nachsicht.
Ehrenpreis
Lawinenreste
Kaiserschmarrn
Nach unserer Einkehr wandern wir weiter bergab. Plötzlich bleibt Sabine stehen und deutet auf eine Gemse, die in etwa 7 bis 8 Metern Entfernung an einem Wiesenhang steht. Die “Gams” hat uns natürlich schon längst bemerkt und beobachtet uns, ohne mit der Wimper zu zucken. Regungslos verharren wir einige Minuten und betrachten den edlen Bergbewohner. Als der Gams unser Gestarre zu blöd wird, dreht sie uns ihre Kehrseite zu und knabbert genüsslich an ihrem Gras. Wir setzen leise und sehr
