Verlag: Hanser, Carl Kategorie: Gesellschafts- und Liebesromane Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2016

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E-Book-Beschreibung Nora Webster - Colm Tóibín

Als ihr Mann viel zu früh stirbt, verfällt Nora Webster in einen Schockzustand. Es ist das provinzielle Irland der 60er Jahre, in dem sie nun versuchen muss, sich in einem selbstbestimmten Leben als Frau und Mutter von vier Kindern zurechtzufinden. Jeder kennt jeden in der kleinen Stadt, das macht all die Entscheidungen, die sie nun alleine fällen muss, nicht einfacher. Nora ist katholisch und unkonventionell, mit grimmiger Intelligenz sucht sie neue Wege für sich und ihre Kinder. In seinem großen Roman gelingt Colm Tóibín das Porträt einer Frau, die die Unabhängigkeit ihrer Gefühle bewahrt. Nora Webster ist eine der bleibenden Frauenfiguren der Literatur.

Meinungen über das E-Book Nora Webster - Colm Tóibín

E-Book-Leseprobe Nora Webster - Colm Tóibín

Als ihr Mann stirbt, die »Liebe ihres Lebens«, verfällt Nora Webster in einen Schockzustand. In der irischen Kleinstadt, wo sie lebt, tastet sie sich langsam ins Leben zurück. Ihre beiden Töchter sind aus dem Haus, doch der stotternde Donal ist vom Tod seines Vaters verstört und sein Bruder Conor wird in der Schule gemobbt. Und dann muss sich Nora noch gegen die Schikanen am Arbeitsplatz wehren. Sie ist katholisch, unkonventionell, von einer grimmigen Intelligenz, doch ist sie in der engstirnigen irischen Gesellschaft der sechziger Jahre gefangen. Sie sucht neue Wege für sich, lernt andere Menschen kennen. Wird sie die Kraft haben, sich selbst zu verwirklichen? In seinem großen Roman gelingt Colm Tóibín das Porträt einer Frau, die sich die Unabhängigkeit ihrer Gefühle bewahrt. Nora Webster ist eine der bleibenden Frauenfiguren der Literatur.

Hanser E-Book

Colm Tóibín

NORA

WEBSTER

Roman

Aus dem Englischen von

Giovanni und Ditte Bandini

Carl Hanser Verlag

Die englische Originalausgabe erschien 2014 unter dem Titel Nora Webster bei Viking in London.

ISBN 978-3-446-25421-3

© The Heather Blazing Ltd 2014

Alle Rechte der deutschen Ausgabe

© Carl Hanser Verlag München 2016

Umschlag: Peter-Andreas Hassiepen, München

Motiv: Trying the Water. A child visiting the sea for the first time. © Merlyn Severn/Getty Images

Satz: Satz für Satz, Wangen im Allgäu

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Datenkonvertierung E-Book:

Kreutzfeldt digital, Hamburg

Brid Tóibín (1921–2000)

Níall Tóibín (1959–2004)

1. KAPITEL

»Sie müssen die doch langsam überhaben. Hören sie denn überhaupt nicht mehr auf zu kommen?« Tom O’Connor, ihr Nachbar, stand an seiner Haustür und blickte sie erwartungsvoll an.

»Ich weiß«, sagte sie.

»Gehen Sie einfach nicht mehr an die Tür. So würde ich das machen.«

Nora schloss das Gartentörchen.

»Sie meinen es gut. Die Leute meinen es gut«, sagte sie.

»Abend für Abend«, erwiderte er. »Ich weiß nicht, wie Sie das aushalten.«

Sie fragte sich, ob sie wohl ins Haus zurückgehen konnte, ohne ihm noch einmal antworten zu müssen. Er sprach in einem neuen Ton zu ihr, einem Ton, den er sich vorher nie herausgenommen hätte. Er sprach so, als sei sie ihm irgendwie Rechenschaft schuldig.

»Die Leute meinen es gut«, wiederholte sie, aber diesmal machte es sie traurig, das zu sagen, sie musste sich auf die Lippe beißen, um die Tränen zurückzuhalten. Als sie Tom O’Connors Blick sah, begriff sie, dass sie niedergeschlagen, ja besiegt gewirkt haben musste. Sie ging ins Haus.

Es war schon beinahe acht Uhr abends, als es klopfte. Im Hinterzimmer brannte der Ofen, und die zwei Jungs machten am Tisch ihre Hausaufgaben.

»Du gehst aufmachen«, sagte Donal zu Conor.

»Nein, du.«

»Einer von euch geht«, sagte sie.

Conor, der Jüngere, trat in den Flur. Als er die Tür öffnete, konnte sie eine Stimme hören, eine Frauenstimme, aber keine, die ihr bekannt vorkam. Conor führte die Besucherin in das vordere Zimmer.

»Es ist die kleine Frau aus der Court Street«, flüsterte er ihr zu, als er zurückkam.

»Was für eine kleine Frau?«, fragte sie.

»Ich weiß nicht.«

Als Nora ins Wohnzimmer kam, schüttelte May Lacey traurig den Kopf.

»Nora, ich habe bis jetzt gewartet. Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie leid es mir tut wegen Maurice.«

Sie nahm Noras Hand und hielt sie fest.

»Und er war doch so jung. Ich kannte ihn schon als kleinen Jungen. Wir kannten sie alle in der Friary Street.«

»Ziehen Sie doch den Mantel aus und kommen Sie mit nach hinten«, sagte Nora. »Die Jungs machen gerade ihre Aufgaben, aber das können sie auch hier am Elektroofen tun. Sie gehen sowieso bald ins Bett.«

May Lacey, unter deren Hut dünne graue Haarsträhnen hervorsahen, den Schal noch immer um den Hals, nahm im Hinterzimmer Nora gegenüber Platz und fing an zu reden. Nach einer Weile gingen die Jungs nach oben; als Nora ihn rief, war Conor zu schüchtern, um herunterzukommen und gute Nacht zu sagen, aber kurz darauf kam Donal ins Zimmer und setzte sich zu ihnen und beobachtete May Lacey aufmerksam, ohne etwas zu sagen.

Es war mittlerweile klar, dass sonst niemand mehr kommen würde. Nora war erleichtert darüber, dass es ihr erspart blieb, sich um Gäste kümmern zu müssen, die sich gegenseitig nicht kannten, oder die sich nicht mochten.

»Jedenfalls«, fuhr May Lacey fort, »lag Tony also in Brooklyn im Krankenhaus, und da kommt doch dieser Mann in das Bett neben seinem, und sie geraten ins Plaudern, und Tony hörte ihm an, dass er Ire war, und erzählte ihm, dass seine Frau aus dem County Wexford stammt.«

Sie hielt inne und schürzte die Lippen, als versuchte sie, sich an etwas zu erinnern. Plötzlich fing sie an, eine Männerstimme zu imitieren. »Ach, genau da komme auch ich her, sagte der Mann, und dann sagte Tony, dass seine Frau aus Enniscorthy wäre; ach, und genau da komme auch ich her, sagte der Mann. Und er fragte Tony, woher genau in Enniscorthy sie stamme, und Tony sagte, sie käme aus der Friary Street.«

May Lacey ließ Noras Gesicht nicht aus den Augen, wodurch sie gezwungen wurde, Interesse und Überraschung zu heucheln.

»Und der Mann sagte, genau da bin ich auch her. Ist das nicht unglaublich!«

Sie verstummte und wartete auf eine Antwort.

»Und er erzählte Tony, bevor er aus der Stadt weggezogen sei, hätte er dieses Eisending gemacht – wie soll man das nennen? –, so ein Gitter oder Geländer auf dem Fenstersims von Gerry Cranes Haus. Und ich bin hin und habe es mir angesehen, und es ist tatsächlich da. Gerry wusste gar nicht, wie oder wann es da hingekommen ist. Aber der Mann im Bett neben Tony in Brooklyn, der sagte, er habe es gemacht, er sei Schweißer. Ist das nicht ein Zufall? Ausgerechnet in Brooklyn.«

Als Donal ins Bett ging, machte Nora Tee. Sie trug ihn mit Keksen und Kuchen auf einem Tablett ins Hinterzimmer. Nachdem sie alles umständlich hergerichtet hatten, nippte May Lacey an ihrem Tee und nahm das Gespräch wieder auf.

»Natürlich hielten meine Leute alle große Stücke auf Maurice. In ihren Briefen fragten sie immer nach ihm. Bevor Jack fort ist, war er mit ihm befreundet. Und natürlich war Maurice ein großartiger Lehrer. Die Jungs sahen zu ihm auf. Das haben die Leute ständig gesagt.«

Während sie ins Feuer sah, versuchte Nora, nicht zurückzudenken, und fragte sich, ob May jemals zuvor in diesem Haus gewesen war. Sie glaubte, nein. Sie kannte sie schon ihr Leben lang, wie so viele andere in der Stadt, mit denen man Grüße und Höflichkeiten austauschte oder bei denen man, wenn es Neuigkeiten gab, stehenblieb und redete. Sie kannte ihre Lebensgeschichte bis hin zu ihrem Mädchennamen und der Stelle auf dem Friedhof, an der sie einst begraben werden würde. Nora hatte sie einmal auf einem Konzert singen hören, sie erinnerte sich an ihren näselnden Sopran – es war »Home, Sweet Home« oder »Oft in the Stilly Night« gewesen, eins von diesen Liedern.

Sie nahm nicht an, dass May Lacey, außer zum Einkaufen oder sonntags zur Messe, viel aus dem Haus ging.

Jetzt schwiegen sie, und Nora dachte, dass May vielleicht bald gehen würde.

»Es war nett von Ihnen, mich zu besuchen«, sagte sie.

»Ach, Nora, es hat mir sehr leid getan wegen Ihrem Verlust, aber ich dachte, ich warte lieber, ich wollte mich Ihnen nicht aufdrängen.«

Sie lehnte eine weitere Tasse Tee ab, und als Nora mit dem Tablett in die Küche ging, dachte sie, dass May jetzt vielleicht aufstehen und ihren Mantel anziehen würde, aber sie rührte sich nicht von der Stelle. Nora ging nach oben und vergewisserte sich, dass die Jungs schliefen. Sie lächelte in sich hinein, als sie sich vorstellte, sie würde sich jetzt ebenfalls ins Bett legen und einschlafen, während May Lacey unten, sich selbst überlassen, ins Feuer starrte und vergeblich auf sie wartete.

»Wo sind eigentlich die Mädchen?«, fragte May, sobald Nora sich gesetzt hatte. »Ich sehe sie überhaupt nicht mehr, früher waren sie ständig unterwegs.«

»Aine ist im Internat in Bunclody. Sie gewöhnt sich allmählich ein«, sagte Nora. »Und Fiona macht ihre Lehrerausbildung in Dublin.«

»Sie fehlen einem, wenn sie weggehen«, sagte May Lacey. »Sie fehlen mir alle, ehrlich, aber es ist komisch, am meisten muss ich an Eily denken, obwohl ich auch Jack vermisse. Da war etwas, ich weiß nicht, ich wollte Eily einfach nicht verlieren. Nach Roses Tod – Sie wissen das alles, Nora – dachte ich, sie würde nach Hause zurückkommen und endgültig bleiben und sich hier irgendwo Arbeit suchen, und dann eines Tages, wo sie gerade ein, zwei Wochen wieder zurück war, da fiel mir auf, wie still sie war, und das sah ihr gar nicht ähnlich, und sie fing am Tisch an zu weinen, und da erfuhren wir die ganze Geschichte, dass ihr Bekannter in New York sie nicht hatte heimfahren lassen wollen, wenn sie ihn nicht vorher heiratete. Und da hat sie ihn geheiratet, ohne auch nur einem von uns was zu sagen. ›Tja, Eily, das war’s dann also‹, sagte ich. ›Dann musst du wohl zu ihm zurück.‹ Und ich konnte ihr nicht ins Gesicht sehen oder mit ihr reden, und später schickte sie mir Fotos von ihm und sich zusammen in New York, aber ich brachte es nicht fertig, sie mir anzusehen. Sie waren das Letzte auf der Welt, was ich sehen wollte. Es hat mir immer leid getan, dass sie nicht geblieben ist.«

»Und mir hat es leid getan zu hören, dass sie zurückgefahren ist, aber vielleicht ist sie dort ja glücklich«, sagte Nora und fragte sich im selben Moment, als May Lacey mit einem verletzten Ausdruck zu Boden sah, ob man so etwas besser nicht sagte.

May Lacey fing an, in ihrer Handtasche zu kramen. Sie setzte sich eine Lesebrille auf.

»Ich dachte, ich hätte Jacks Brief mitgenommen, aber ich muss ihn zu Hause gelassen haben«, sagte sie.

Sie musterte ein Blatt Papier und dann ein anderes.

»Nein, ich habe ihn nicht dabei. Ich wollte ihn Ihnen zeigen. Da war etwas, was er Sie fragen wollte.«

Nora sagte nichts. Sie hatte Jack Lacey seit über zwanzig Jahren nicht mehr gesehen.

»Vielleicht finde ich den Brief ja noch und schicke ihn Ihnen«, sagte May.

Sie stand auf, um zu gehen.

»Ich glaube nicht, dass er jetzt nach Hause kommt«, sagte sie, während sie ihren Mantel anzog. »Was würde er hier schon machen? Die haben ihr eigenes Leben, drüben in Birmingham, und sie haben mich zu sich eingeladen und alles, aber ich hab Jack gesagt, dass ich gern zu Gott heimkehren würde, ohne vorher England gesehen zu haben. Und doch denke ich, dass er hier gern etwas hätte, einen Ort, den er besuchen kann, und vielleicht auch Eilys Kinder oder einige von den anderen.«

»Er kann Sie ja besuchen«, sagte Nora.

»Er dachte, Sie würden vielleicht Cush verkaufen«, sagte May, während sie ihren Schal zurechtstrich. Sie sprach so, als sei nichts weiter dabei, aber als sie Nora jetzt ansah, war ihr Blick hart und konzentriert, und ihr Kinn fing an zu zittern.

»Er hat mich gefragt, ob Sie es verkaufen würden«, sagte sie und schloss entschieden den Mund.

»Ich habe keine Pläne«, sagte Nora.

May schürzte wieder die Lippen. Sie rührte sich nicht von der Stelle.

»Hätte ich bloß den Brief dabei«, sagte sie. »Jack hat Cush und Ballyconnigar immer geliebt. Er ging früher mit Maurice und den anderen hin, und er hat es nie vergessen. Und es hat sich nicht viel verändert, alle dort würden ihn noch kennen. Als er das letzte Mal heimkam, kannte er die Hälfte der Leute in der Stadt nicht.«

Nora sagte nichts. May sollte jetzt endlich gehen.

»Ich werd ihm jedenfalls sagen, dass ich es Ihnen erzählt habe. Mehr kann ich nicht tun.«

Als Nora nichts erwiderte, sah May sie an, sichtlich verärgert über ihr Schweigen. Sie gingen hinaus und blieben im Flur stehen.

»Die Zeit heilt alle Wunden, Nora. Mehr kann ich Ihnen nicht sagen. Aber das sage ich Ihnen aus eigener Erfahrung.«

Sie seufzte, als Nora die Haustür öffnete.

»Danke für den Besuch, May«, sagte Nora.

»Gute Nacht, Nora, und passen Sie auf sich auf.«

Nora sah ihr nach, wie sie langsam den Heimweg einschlug.

In diesem Oktober fuhr sie eines Samstags mit dem alten Austin A40 nach Cush, ohne den Jungs, die mit Freunden spielten, oder sonst jemandem etwas zu sagen. Während dieser Monate zwischen Herbst und Winter bestand ihr einziges Ziel darin, um der Jungs und vielleicht auch um ihrer selbst willen, die Tränen zurückzuhalten. Jetzt, wo sie sich allmählich daran gewöhnten, dass ihr Vater nicht mehr da war, erschreckte und verwirrte es die Jungs, wenn sie scheinbar grundlos weinte. Ihr ging jetzt auf, dass sie sich mittlerweile so verhielten, als sei alles ganz normal, als ob eigentlich gar nichts fehlte. Sie hatten gelernt, ihre Gefühle zu verbergen. Sie ihrerseits hatte gelernt, Warnsignale zu erkennen, Gedanken, die zu anderen Gedanken führen würden. Sie bemaß ihren Erfolg bei den Jungs danach, inwieweit es ihr gelang, ihre Gefühle unter Kontrolle zu halten.

Als sie den Hügel hinter The Ballagh hinunterfuhr und zum ersten Mal wieder das Meer aufschimmern sah, wurde ihr bewusst, dass sie bis dahin noch nie allein auf dieser Straße unterwegs gewesen war. In all den Jahren hatte immer einer der Jungs oder, als sie noch jünger waren, eines der Mädchen genau an dieser Stelle geschrien: ›Ich kann das Meer sehen!‹, und sie hatte sie auffordern müssen, sich zu setzen und sich zu beruhigen.

In Blackwater spielte sie mit dem Gedanken, sich Zigaretten zu kaufen, oder Schokolade, oder was auch immer, nur um ihre Ankunft in Cush hinauszuzögern. Aber bestimmt würde jemand, den sie kannte, sie sehen und ihr sein Mitgefühl aussprechen wollen. Die Worte waren leicht gesagt: »Es tut mir leid« oder »Es tut mir leid für Sie« oder »für dich«. Sie sagten alle das Gleiche, aber für die Entgegnung gab es keine feststehende Formel. »Ich weiß« oder »Danke« klangen kalt, fast hohl. Und dann standen sie da und sahen sie an, bis sie es nicht mehr erwarten konnte, von ihnen wegzukommen. Es hatte etwas Hungriges, wie sie ihre Hand hielten oder ihr in die Augen sahen. Sie fragte sich, ob sie selbst sich anderen gegenüber je so verhalten hatte, glaubte es aber nicht. Als sie nach rechts in Richtung Ballyconnigar abbog, wurde ihr bewusst, dass sie sich noch viel schlimmer fühlen würde, wenn die Leute anfangen sollten, sie zu meiden. Ihr kam der Gedanke, dass sie das wahrscheinlich bereits taten und es ihr lediglich noch nicht aufgefallen war.

Der Himmel hatte sich jetzt verdunkelt, und Regentropfen schlugen gegen die Windschutzscheibe. Hier wirkte alles viel kahler, winterlicher als die Landschaft entlang der Straße nach Blackwater. Am Gaelic-Handball-Spielfeld bog sie links nach Cush ab, und sie gönnte sich für eine kurze Atempause die Vorstellung, es wäre irgendein Tag in der jüngeren Vergangenheit, ein dunkler Sommertag mit einem bedrohlichen Himmel, und sie wäre nur kurz nach Blackwater gefahren, um Fleisch und Brot und eine Zeitung zu kaufen. Sie hatte die Sachen achtlos auf den Rücksitz geworfen, und die Familie saß vollzählig im Haus am Mergelteich, Maurice und die Kinder, und vielleicht noch ein, zwei Freunde, und die Kinder waren spät aufgestanden und würden jetzt enttäuscht sein, dass die Sonne nicht schien, aber das würde sie nicht davon abhalten, Schlagball zu spielen oder vor dem Haus herumzutollen, oder an den Strand zu gehen. Aber wenn es sich einregnete, würden sie natürlich drinnen bleiben und Karten spielen, bis die beiden Jungs reizbar werden und zu ihr kommen und sich beklagen würden.

Sie gestattete sich, das alles so lange, wie sie wollte, auszuspinnen. Aber sobald sie das Meer und den Horizont hinter Corrigans’ Dach sah, nützten ihr solche Phantastereien nichts mehr, sie war wieder in der harten Wirklichkeit.

Sie fuhr den Feldweg entlang und schloss das hohe verzinkte Tor auf. Dann parkte sie vor dem Haus und machte das Tor wieder zu, so dass man das Auto von draußen nicht sehen konnte. Sie wünschte sich, eine ihrer alten Freundinnen wäre da gewesen, Carmel Redmond oder Lily Devereux, die vernünftig mit ihr geredet hätten, nicht über das, was sie verloren hatte, oder darüber, wie leid es ihnen tat, sondern über die Kinder, Geld, Teilzeitarbeit, wie es jetzt mit ihnen weitergehen sollte. Sie hätten ihr zugehört. Aber Carmel lebte in Dublin und kam nur im Sommer hier raus, und Lily besuchte nur von Zeit zu Zeit ihre Mutter.

Nora setzte sich wieder ins Auto, während der Seewind sie umheulte. Im Haus würde es kalt sein. Sie hätte einen dickeren Mantel mitnehmen sollen. Ihr war klar, dass sich zu wünschen, irgendwelche Freundinnen wären hier, oder so wie jetzt im Auto zu sitzen und zu frieren nur Methoden waren, den Augenblick hinauszuschieben, in dem sie wohl oder übel die Tür öffnen und das leere Haus würde betreten müssen.

Und dann kam ein noch wütenderer pfeifender Wind heraufgeweht, und es schien, als würde er das Auto hochheben. Etwas, woran zu denken sie sich bis jetzt nicht gestattet, das sie aber schon ein paar Tage lang gewusst hatte, kam ihr in den Sinn, und sie gab sich selbst ein Versprechen. Sie würde nie wieder hierherkommen. Das würde das letzte Mal sein, dass sie dieses Haus aufsuchte. Sie würde jetzt eintreten und durch die wenigen Zimmer gehen. Sie würde alles, was irgendeinen persönlichen Wert hatte und nicht zurückgelassen werden durfte, einsammeln, und dann würde sie diese Tür abschließen und in die Stadt zurückfahren, und in Zukunft würde sie nie wieder am Handballspielfeld von der Straße zwischen Blackwater und Ballyconnigar abbiegen.

Sie war überrascht, wie fest sich ihr Entschluss anfühlte, wie leicht es schien, allem, was sie geliebt hatte, den Rücken zu kehren, dieses Haus am Weg zur Klippe aufzugeben, damit andere es kennenlernten, andere es im Sommer aufsuchten und mit verschiedenen Geräuschen erfüllten. Während sie dasaß und in den sich verfärbenden Himmel draußen über der See starrte, stieß sie einen Seufzer aus. Zuletzt erlaubte sie sich zu fühlen, wie viel sie verloren hatte, wie viel sie vermissen würde. Sie stieg aus dem Auto aus, stemmte sich gegen den Wind.

Die Haustür öffnete sich in einen winzigen Flur. Auf beiden Seiten lagen je zwei Zimmer, die zur Linken mit Stockbetten, rechts ein Wohnzimmer mit einer winzigen Küche und einem Bad dahinter, und daneben ihrer beider Zimmer, ruhig, fern von den Kindern.

Jedes Jahr kamen sie Anfang Juni für ein Wochenende hierher, alle, selbst wenn das Wetter nicht gut war. Sie brachten Schrubber und Mopps und Reinigungsmittel und Tücher zum Fensterputzen mit. Sie brachten Matratzen mit, die gut gelüftet worden waren. Es war ein Wendepunkt, ein Kreuz im Kalender, der den Anfang des Sommers markierte, selbst wenn der Sommer dann grau und neblig werden würde. In den Jahren, an die sie sich jetzt erinnern wollte, waren die Kinder zunächst laut und aufgeregt gewesen, als wären sie eine amerikanische Familie aus der Donna Reed Show. Sie erteilten sich gegenseitig Anweisungen mit nachgemachtem amerikanischem Akzent, aber bald wurden sie müde und begannen sich zu langweilen, dann erlaubte sie ihnen, zu spielen oder zum Strand hinunterzugehen, oder ins Dorf zu laufen. Und damit fing die richtige Arbeit an. Wenn die Kinder erst aus dem Weg waren, konnte Maurice Dinge erledigen wie das Balkenwerk streichen, den Zement tünchen; Löcher im Linoleum konnten geflickt werden, und sie konnte die Tapeten da, wo sie schimmelten oder zu viele Flecken hatten, ausbessern, und dafür brauchte sie Ruhe und Konzentration. Es machte ihr Freude, alles millimetergenau abzumessen, den Kleister in der richtigen Konsistenz anzurühren und leuchtende neue Flicken aus geblümter Tapete zuzuschneiden.

Fiona verabscheute Spinnen. Daran erinnerte sich Nora jetzt. Und das Haus zu putzen bedeutete in allererster Linie, Spinnen und Ohrkneifer und allerlei sonstiges Krabbelzeugs auszuquartieren. Die Jungs fanden es toll, wenn Fiona schrie, und Fiona schrie selbst für ihr Leben gern, besonders weil ihr Vater sie dann mit theatralischen Gebärden beschützte. »Wo ist es?«, dröhnte er dann, wie der Riese in »Hans und die Bohnenranke«, und Fiona rannte zu ihm und klammerte sich an ihm fest.

Das war also die Vergangenheit, dachte sie, als sie ins Wohnzimmer ging, und sie lässt sich nicht wieder zurückholen. Die Enge und Kälte des Zimmers bereiteten ihr jetzt eine seltsame Befriedigung. Das Wellblechdach war eindeutig undicht, denn an der Decke gab es einen frischen Feuchtigkeitsfleck. Das ganze Haus rasselte, als eine Windbö einen harten Regenvorhang gegen die Scheiben schlug. Die Fenster würden bald repariert werden müssen, und die Rahmen moderten schon. Und wer weiß, wie lange es noch dauern würde, bis die Klippe bis hierher erodiert wäre und man das Haus auf Anordnung der County-Verwaltung würde abreißen müssen? Darüber konnte sich jetzt jemand anders den Kopf zerbrechen. Jemand anders konnte das lecke Dach flicken und die Wände gegen Feuchtigkeit isolieren. Jemand anders konnte dieses Haus neu verkabeln und neu streichen oder es, wenn die Zeit gekommen wäre, den Elementen überlassen.

Sie würde es Jack Lacey verkaufen. Keiner, der in der Gegend wohnte, würde es kaufen wollen; alle wussten, was für eine schlechte Investition es wäre im Vergleich zu Häusern in Bentley oder Curracloe, oder Morriscastle. Niemand aus Dublin, der das Haus in diesem Zustand sah, würde etwas dafür bieten. Sie sah sich im Zimmer um und schauderte.

Sie ging in die Schlafzimmer der Kinder und ins Elternschlafzimmer, und sie wusste, dass es für Jack Lacey in Birmingham ein Traum sein würde, das alles zu besitzen, Teil einer Erinnerung an sengend heiße Sonntage und Jungen und Mädchen auf Fahrrädern und strahlende, unbegrenzte Möglichkeiten zu sein. Andererseits stellte sie sich vor, wie er in ein, zwei Jahren, wenn er für zwei Wochen wieder in Irland wäre, ins Haus käme, und das Dach wäre halb eingestürzt und alles voller Spinnweben, und die Tapeten schälten sich von den Wänden und die Fenster wären zerbrochen und der Strom abgestellt. Und der ganze Sommertag tröpfelig und trüb.

Sie sah Schubladen durch, aber sie fand nichts, was sie interessiert hätte. Nur vergilbtes Zeitungspapier und Bindfadenenden. Nicht einmal das Geschirr und die Küchenutensilien schienen des Mitnehmens wert. Im Schlafzimmer fand sie in einem Schränkchen ein Paar Fotos und Bücher, und sie legte sie beiseite, um sie mitzunehmen. Sonst nichts. Die Möbel waren wertlos, die Lampenschirme sahen schon schäbig und abgenutzt aus. Sie erinnerte sich, dass sie sie erst ein paar Jahre zuvor im Woolworth in Wexford gekauft hatte. In diesem Haus verschoss und vermoderte alles.

Es begann nun regelrecht zu gießen. Sie hängte einen Spiegel von der Wand des Schlafzimmers ab und bemerkte, wie sauber die Fläche dahinter geblieben war, verglichen mit der verfärbten, schmutzigen Tapete ringsum.

Im ersten Moment dachte sie, das Klopfen, das sie hörte, käme daher, dass irgendetwas im Wind gegen die Tür oder das Fenster knallte. Als sich das Geräusch aber wiederholte und sie auch eine Stimme hörte, begriff sie, dass sie einen Besucher hatte. Sie war überrascht, da sie angenommen hatte, ihre Ankunft sei unbemerkt geblieben und niemand könnte den Wagen sehen. Ihr erster Impuls war, sich zu verstecken, aber sie wusste, dass man sie schon gesehen hatte.

Als sie den Schnappriegel aufzog, flog ihr die Haustür entgegen. Die Gestalt draußen steckte in einem zu großen Anorak, dessen weite Kapuze das Gesicht zur Hälfte verdeckte.

»Nora, ich habe den Wagen gehört. Ist alles in Ordnung?«

Sobald die Kapuze herunter war, erkannte sie Mrs Darcy, die sie seit der Beerdigung nicht mehr gesehen hatte. Mrs Darcy folgte ihr ins Haus, und sie schloss die Tür.

»Warum haben Sie nicht zuerst bei uns vorbeigeschaut?«

»Ich bin nur für ein paar Minuten hier«, sagte Nora.

»Steigen Sie ins Auto und fahren Sie rüber zu uns. Sie können nicht hierbleiben.«

Wieder einmal fiel ihr dieser herrische Ton auf, als sei sie ein Kind und unfähig, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Seit der Beerdigung hatte sie versucht, diesen Ton zu ignorieren oder zu tolerieren. Sie hatte versucht, ihn als Kürzel für Freundlichkeit zu verstehen.

Gerade jetzt hätte sie es vorgezogen, ihre paar Habseligkeiten im Haus einzusammeln, sie ins Auto zu packen und Cush hinter sich zu lassen. Aber das ging nicht, sie würde Mrs Darcys Gastlichkeit jetzt annehmen müssen.

Mrs Darcy weigerte sich, mit ihr ins Auto zu steigen, sie sei zu durchnässt. Sie würde nach Hause laufen, sagte sie, während Nora fuhr.

»Ich brauche noch ein paar Minuten. Ich komm dann nach«, sagte Nora.

Mrs Darcy sah sie verdutzt an. Nora hatte sich um einen beiläufigen Ton bemüht, aber stattdessen hatte sie geheimnisvoll geklungen.

»Ich möchte nur ein paar Dinge zusammensuchen, die ich mit nach Hause nehmen will«, sagte sie.

Der Blick ihrer Besucherin schweifte über die Bücher und Fotos und den an die Wand gelehnten Spiegel, dann musterte sie mit einem raschen Blick den Rest des Zimmers. Und Nora spürte, dass Mrs Darcy sofort begriff, was sie da tat.

»Machen Sie nicht zu lang«, sagte sie. »Ich warte mit dem Tee auf Sie.«

Sobald Mrs Darcy gegangen war, schloss Nora die Tür und ging wieder ins Haus.

Das war’s. Mit ihrem alles umfassenden Blick hatte Mrs Darcy dafür gesorgt, dass es real wurde: Nora würde dieses Haus verlassen und nie wieder zurückkommen. Sie würde nie wieder diese Wege entlanggehen, und sie würde sich kein Bedauern erlauben. Es war vorbei. Sie nahm die paar Dinge, die sie zusammengesammelt hatte, und legte sie in den Kofferraum.

In Mrs Darcys Küche war es warm. Sie legte frische Scones auf einen Teller mit zerlassener Butter und goss den Tee ein.

»Wir haben uns ja gefragt, wie Sie so zurechtkommen, aber Bill Parle hat uns erzählt, an dem Abend, wo er da war, sei Ihr Haus voller Leute gewesen. Vielleicht hätten wir trotzdem kommen sollen, aber wir dachten, wir warten bis nach Weihnachten, wo Sie sich vielleicht eher über ein bisschen Gesellschaft freuen.«

»Es waren eine Menge Besucher da«, sagte Nora. »Aber Sie wissen, dass Sie jederzeit willkommen sind.«

»Nun, es gibt auch eine Menge Leute, die Sie sehr gernhaben«, sagte Mrs Darcy.

Sie nahm ihre Schürze ab und setzte sich.

»Wir haben uns Ihretwegen alle Sorgen gemacht und befürchtet, dass Sie nicht mehr herkommen würden. Carmel Redmond, Sie wissen schon, war nicht da, als es passierte, und sie war ganz erschüttert.«

»Ich weiß. Sie hat mir geschrieben«, sagte Nora, »und dann ist sie vorbeigekommen.«

»Das hat sie uns erzählt«, sagte Mrs Darcy. »Lily war an dem Tag hier, und sie sagte, dass wir uns um Sie kümmern sollten. Und ich habe früher immer auf den Tag gewartet, wenn Sie alle herkamen und das Haus auf Vordermann brachten. Für mich war das der Beginn des schönen Wetters. Das Herz ging mir auf, wenn ich Sie kommen sah.«

»Ich erinnere mich an ein Jahr«, sagte Nora, »da regnete es so stark, dass Sie sich unser erbarmten und zum Tee einluden.«

»Und wissen Sie«, sagte Mrs Darcy, »Ihre Kinder haben vorbildliche Manieren. Sie sind alle sehr gut erzogen. Aine kam uns früher so gern besuchen. Alle kamen sie, aber Aine war diejenige, die wir am besten kannten. Und Maurice kam sonntags immer her, wenn im Rundfunk ein Spiel übertragen wurde.«

Nora sah hinaus in den Regen. Sie war jetzt versucht, Mrs Darcy anzuschwindeln, ihr zu sagen, dass sie weiterhin kommen würden, aber sie brachte es nicht fertig. Und sie hatte das Gefühl, dass Mrs Darcy ihr Schweigen verstand, nach irgendeinem Indiz Ausschau gehalten hatte, nach etwas Gesagtem oder Ungesagtem, das ihren Eindruck bestätigt hätte, dass Nora beabsichtigte, das Haus zu verkaufen.

»Nun hatten wir uns überlegt«, sagte Mrs Darcy, »dass wir nächstes Jahr das Haus für Sie auf Vordermann bringen würden. Ich habe es mir gerade angesehen, und das Dach könnte ein paar Reparaturen vertragen, und wir lassen das hier an der Scheune sowieso demnächst machen, da könnten die Leute genauso gut anschließend zu Ihnen kommen. Und den Rest werden wir selbst erledigen, jede etwas. Ich habe einen Schlüssel, und wir hätten Sie damit überraschen können, aber Lily meinte, ich sollte Sie fragen, und das wollte ich nach Weihnachten tun. Sie meinte, es sei Ihr Haus, und wir dürften nicht einfach so eindringen.«

Nora wusste, dass sie es ihr jetzt eigentlich hätte sagen müssen, aber Mrs Darcys Ton war von einer solchen Herzlichkeit und Güte, dass sie es einfach nicht fertigbrachte.

»Aber ich dachte, es wäre hübsch für Sie«, fuhr Mrs Darcy fort, »anzukommen, und alles wäre schon erledigt. Sagen Sie jetzt also nichts, aber lassen Sie es mich wissen, wenn Sie nicht möchten, dass wir etwas machen. Und ich behalte den Schlüssel, außer Sie wollen ihn zurückhaben.«

»Nein. Natürlich nicht, Mrs Darcy. Ich möchte, dass Sie den Schlüssel behalten.«

Vielleicht, dachte sie, während sie in Richtung Blackwater fuhr, vielleicht hatte Mrs Darcy schon von vornherein vermutet, dass sie das Haus verkaufen wollte, und sich überlegt, dass es im Wert steigen würde, wenn man es instand setzte; oder vielleicht hatte Mrs Darcy auch gar nichts vermutet, vielleicht beobachtete Nora auch alle viel zu genau, um festzustellen, was sie von ihr dachten. Aber sie wusste, dass es ein seltsames Verhalten ihrerseits gewesen war, das Tor zu schließen, nachdem sie das Auto vor dem Haus geparkt hatte, so geheimnisvoll zu tun, als Mrs Darcy vor der Tür stand, und ihr Angebot, beim Herrichten des Hauses zu helfen, nicht sofort anzunehmen oder auszuschlagen.

Sie seufzte. Es war unangenehm und schwierig gewesen, und jetzt war es ausgestanden. Sie würde Mrs Darcy und Lily Devereux und Carmel Redmond schreiben. Früher hatte sie nach einer solchen Entscheidung am nächsten Morgen oft ihre Meinung geändert, aber diesmal war es anders, sie würde sich nicht umentscheiden.

Wieder auf der Straße nach Enniscorthy, fing sie an, Berechnungen anzustellen. Sie wusste nicht, wie viel das Haus wert war. Sie würde sich einen Betrag überlegen und ihn Jack Lacey in einem verschlossenen Umschlag mitteilen – sie wollte nicht mit May Lacey verhandeln –, und wenn er ihr weniger anbot, als sie verlangte, würde sie es annehmen, solange es in einem vernünftigen Rahmen blieb. Sie wollte nicht gezwungen sein, das Haus zu inserieren.

Steuer und Versicherung für das Auto waren bis Weihnachten bezahlt. Sie hatte eigentlich vorgehabt, sich danach davon zu trennen, aber wenn sie das Haus verkaufte, überlegte sie, würde sie das Auto behalten oder ein neueres Modell kaufen. Mit dem Geld vom Haus würde sie außerdem den Grabstein aus schwarzem Marmor bezahlen können, den sie sich für Maurice wünschte, und es würde ihr erlauben, nächsten Sommer für ein, zwei Wochen einen Wohnwagen in Curracloe zu mieten. Von dem Rest konnte sie nötige Ausgaben für den Haushalt bestreiten und ein paar neue Kleider für sich und die Mädchen kaufen. Und dann noch für Notfälle etwas auf die hohe Kante legen.

Das Haus, dachte sie lächelnd, würde so etwas wie die zweieinhalb Shilling werden, die Conor ein paar Sommer zuvor von einem Mann geschenkt bekommen hatte. Sie erinnerte sich nicht, welcher Sommer es gewesen war, aber auf jeden Fall noch vor der Krankheit seines Vaters, und bevor er eine richtige Vorstellung vom Wert des Geldes gehabt hatte. Conor hatte die zweieinhalb Shilling Maurice zum Aufbewahren gegeben und dann den ganzen Sommer lang, jedes Mal, wenn sie nach Blackwater fuhren, von seinem Vater eine neue Abschlagszahlung verlangt. Als sie ihm schließlich sagten, dass das Geld aufgebraucht war, hatte er ihnen nicht glauben wollen.

Sie schrieb May Lacey und legte einen Brief für Jack bei. Kurze Zeit später erhielt sie einen Brief von ihm, in dem er sich mit dem von ihr vorgeschlagenen Preis einverstanden erklärte. Sie teilte ihm daraufhin den Namen eines Rechtsanwalts aus Enniscorthy mit, der den Kaufvertrag aufsetzen würde.

Sie wartete auf den richtigen Moment, um den Jungs vom geplanten Verkauf des Hauses in Cush zu berichten, und als es soweit war, erschrak sie darüber, wie betroffen sie beide wirkten, wie aufmerksam, als ob sie, wenn sie nur genau zuhörten, etwas erfahren könnten, was ernste Auswirkungen auf ihre Zukunft haben würde. Als sie ihnen erklärte, wie nützlich das Geld sein würde, erfuhr sie, dass sie von ihrer Absicht, das Auto zu verkaufen, schon wussten, obwohl sie ihnen nichts davon gesagt hatte. Sie sagte dann, dass sie das Auto behalten würden, doch weder lächelten sie, noch zeigten sie sich auch nur erleichtert.

»Werden wir trotzdem auf die Universität gehen können?«, fragte Conor.

»Natürlich«, sagte sie. »Wie kommst du denn jetzt darauf?«

»Wer wird das bezahlen?«

»Dafür habe ich anderes Geld beiseitegelegt.«

Sie wollte nicht sagen, dass vielleicht ihr Onkel Jim und ihre Tante Margaret bezahlen würden. Das waren Maurice’ Geschwister, die nie geheiratet hatten und zusammen im alten Haus der Familie in der Stadt wohnten. Die Jungs blieben vollkommen reglos und ließen sie nicht aus den Augen. Sie ging in die Küche und schaltete den Wasserkocher ein, und als sie ins Zimmer zurückkam, hatten sie sich nicht von der Stelle gerührt.

»Wir werden in den Ferien an verschiedene Orte fahren können«, sagte sie. »Wir werden uns einen Wohnwagen in Curracloe oder Rosslare mieten können. Wir haben noch nie in einem Wohnwagen gewohnt.«

»Können wir zur selben Zeit wie die Mitchells in Curracloe sein?«, fragte Conor.

»Wenn wir möchten. Wir könnten fragen, wann sie fahren, und dann zur selben Zeit aufbrechen.«

»Für eine Woche oder für zwei?«, fragte Conor.

»Auch länger, wenn wir möchten«, sagte sie.

»W-werden wir uns einen W-wohnwagen k-kaufen?«, fragte Donal.

»Nein, wir werden einen mieten. Einen zu kaufen würde eine zu große Verantwortung bedeuten.«

»Wer wird das Haus k-kaufen?«, fragte Donal.

»Das bleibt jetzt ganz unter uns. Wenn ich es euch sage, dürft ihr es keinem weitererzählen, aber ich glaube, dass May Laceys Sohn es kaufen wird, ihr wisst schon, der in England.«

»War sie deswegen hier?«

»Ich glaube, ja, wahrscheinlich.«

Sie machte Tee, und die Jungs gaben vor fernzusehen. Sie wusste, sie hatte sie verstört. Conor hatte ein knallrotes Gesicht bekommen, und Donal starrte zu Boden, als erwartete er eine Strafe. Sie schlug die Zeitung auf und versuchte zu lesen. Sie wusste, dass es wichtig war, im Zimmer zu bleiben, die beiden nicht alleinzulassen trotz ihres heftigen Drangs, nach oben zu gehen und etwas Beliebiges zu tun, Schränke ausräumen, sich das Gesicht waschen, die Fenster putzen. Schließlich hatte sie das Gefühl, dass sie irgendetwas sagen musste.

»Wir könnten nächste Woche nach Dublin fahren.«

Sie hoben die Köpfe.

»Warum?«, fragte Donal.

»Zu einem Tagesausflug, ihr könntet einen Tag Schule ausfallen lassen«, sagte sie.

»Am M-mittwoch habe ich eine D-doppelstunde Naturwissenschaften«, sagte Donal. »Ich kann’s nicht ausstehen, aber ich d-darf nicht fehlen, und am Montag habe ich Französisch bei Madame D-duffy.«

»Wir könnten am Donnerstag fahren.«

»Mit dem Auto?«

»Nein, wir könnten mit dem Zug fahren. Und wir könnten uns mit Fiona treffen, das ist ihr halber Tag.«

»Müssen wir da hinfahren?«, fragte Conor.

»Nein. Wir fahren nur, wenn wir möchten«, sagte sie.

»Und was sagen wir in der Schule?«

»Ich schicke eine Entschuldigung, dass ihr zum Arzt müsst.«

»Ich b-brauche keine Entschuldigung, wenn’s nur für einen Tag ist«, sagte Donal.

»Na, dann fahren wir. Wir machen uns einen schönen freien Tag. Ich schreibe Fiona.«

Sie hatte das gesagt, um das Schweigen zu beenden, und damit sie wüssten, dass es immer Ausflüge geben würde, Dinge, auf die man sich freuen konnte. Aber dadurch änderte sich für sie nichts. Die Information, dass sie das Haus in Cush verkaufte, schien ihnen etwas bewusstzumachen, was ihr bis dahin gelungen war, aus ihren Gedanken zu verbannen. In den darauffolgenden Tagen waren sie allerdings wieder gutgelaunt, als ob nichts vorgefallen wäre.

Für den Ausflug nach Dublin legte sie ihnen am Vorabend ihre guten Sachen heraus und sagte ihnen, sie sollten ihre Schuhe putzen und sie auf den Gang stellen. Als sie versuchte, sie früh ins Bett zu schicken, protestierten sie, im Fernsehen laufe etwas, was sie sehen wollten, und sie erlaubte ihnen, länger aufzubleiben. Aber selbst dann wollten sie nicht ins Bett gehen, und als sie darauf bestand, gingen sie immer wieder auf die Toilette und schalteten das Licht in ihrem Zimmer ständig ein und aus.

Endlich ging sie nach oben und fand sie tief und fest schlafend vor, die Tür sperrangelweit auf, ihre Betten zerwühlt. Sie versuchte, es ihnen behaglicher zu machen, aber als Conor aufzuwachen drohte, zog sie sich zurück und schloss leise die Tür.

Am nächsten Morgen waren sie vor ihr aus den Federn und angezogen. Sie brachten ihr Tee, der zu stark war, und Toast. Als sie aufstand, schaffte sie es, im Bad den Tee ins Waschbecken zu gießen, ohne dass sie es mitbekamen.

Es war kalt. Sie würden zum Bahnhof fahren, erklärte sie ihnen, und das Auto auf dem Railway Square stehenlassen. Das sei praktisch, wenn sie spätabends zurückkamen, sagte sie. Sie nickten beide feierlich. Sie hatten schon ihre Mäntel an.

Als sie zum Bahnhof fuhren, war die Stadt fast menschenleer. Es war halbdunkel, und in manchen Häusern brannte noch Licht.

»Auf welcher Seite des Zuges sitzen wir?«, fragte Conor, als sie den Bahnhof erreichten.

Sie waren zwanzig Minuten zu früh da. Sie hatte die Fahrkarten gekauft, aber Conor weigerte sich, zusammen mit ihr und Donal im geheizten Warteraum zu sitzen, er wollte über die eiserne Brücke gehen und ihnen von der anderen Seite aus zuwinken; er wollte bis zum Signalhäuschen laufen. Immer wieder kam er zurück, um zu fragen, wann der Zug endlich käme, bis ein Mann ihm sagte, er sollte auf den Signalflügel zwischen dem Bahnsteig und dem Tunnel achten, wenn der herunterklappte, bedeutete es, dass der Zug kam.

»Aber wir wissen doch schon, dass er kommt«, sagte Conor ungeduldig.

»Er klappt herunter, wenn der Zug im Tunnel ist«, sagte der Mann.

»Wenn man im Tunnel wär, wenn der Zug kommt, wäre man dann Hackfleisch«, sagte Conor.

»Aber holla, dann könnte man dich wirklich stückchenweise wieder einsammeln! Und weißt du was, wenn der Zug unten durchfährt, fangen alle Tassen und Teller im Haus an zu klirren«, sagte der Mann.

»Bei uns zu Hause klirren sie nicht.«

»Das liegt daran, dass der Zug nicht unter eurem Haus durchfährt.«

»Woher wissen Sie das?«, sagte Conor.

»Oh, ich kenne deine Mami gut.«

Nora kannte den Mann vom Sehen, wie viele andere in der Stadt auch; sie meinte, dass er in Donoghues Autowerkstatt arbeitete, aber sie war sich nicht sicher. Etwas an seiner Art irritierte sie. Hoffentlich hatte er nicht vor, ihnen auf der Fahrt nach Dublin Gesellschaft zu leisten.

Kurz bevor der Zug einfuhr, und als die Jungs wieder einmal zum Signalhäuschen vorgelaufen waren, wandte sich der Mann zu ihr.

»Ich würde sagen, sie vermissen trotzdem ihren Daddy«, sagte er.

Er sah ihr forschend ins Gesicht und kniff die Augen neugierig zusammen. Sie hatte das Gefühl, dass sie schnell und entschieden reagieren musste, um ihn davon abzuhalten, sie wieder anzusprechen, und mehr als alles andere, um ihn davon abzuhalten, sich im Zug zu ihnen zu setzen.

»Davon zu hören ist das Letzte, was sie momentan gebrauchen können, herzlichen Dank auch«, sagte sie.

»Na also, ich wollte damit doch nicht …«

Sie entfernte sich von ihm, während der Zug einfuhr und die Jungs aufgeregt den Bahnsteig entlang auf sie zugerannt kamen. Sie spürte, dass sie rot im Gesicht wurde, aber die beiden stritten sich gerade darüber, welche die besten Sitzplätze im Zug wären, und so bemerkten sie nichts.

Sobald sich der Zug in Bewegung gesetzt hatte, wollten sie alles: die Toiletten besichtigen, sich in den gefährlichen Bereich zwischen den Waggons stellen, wo man unten den Boden vorübersausen sah, in den Speisewagen gehen und sich Limonade kaufen. Als der Zug in Ferns hielt, hatten sie alles erledigt, und als er Camolin erreichte, waren sie eingeschlafen.

Nora schlief nicht; sie warf einen Blick in die Zeitung, die sie auf dem Bahnhof gekauft hatte, und legte sie wieder weg und betrachtete die beiden Jungs, die auf ihren Plätzen wie hingemäht schliefen. Wie gern hätte sie gewusst, was sie gerade in diesem Moment träumten! In diesen Monaten, ging ihr auf, hatte sich in der klaren, ungezwungenen Beziehung zwischen ihr und ihnen, und vielleicht auch zwischen den beiden selbst, irgendetwas verändert. Sie spürte, dass sie sich in Bezug auf sie nie wieder sicher sein würde.

Conor wachte auf und sah sie an und schlief dann, den Kopf auf den Armen, die verschränkt auf dem Tisch lagen, wieder ein. Sie beugte sich vor und berührte seine Haare, strich mit den Händen hindurch, zauste sie und strich sie wieder glatt. Donal, merkte sie, beobachtete sie dabei mit einem gelassenen Blick, der in ihr den Eindruck erweckte, dass er alles verstand, was gerade vor sich ging, dass es nichts gab, was er nicht begriffen hätte.

»Conor schläft tief und fest«, sagte sie und lächelte.

»Wo sind wir?«, fragte er.

»Fast in Arklow.«

Noch vor Wicklow war Conor aufgewacht und wieder auf die Toilette gegangen.

»Was passiert, wenn man in einem Bahnhof auf die Toilettenspülung drückt?«, fragte er.

»Dann würde alles auf den Gleisen landen«, sagte sie.

»Und wenn der Zug fährt, wo landet es dann?«

»Wir werden den Schaffner fragen«, sagte sie.

»Ich w-wette, das traust du dich nicht«, sagte Donal.

»Was würde es den Gleisen in einem Bahnhof schaden?«, fragte Conor.

»Dann würde alles st-stinken«, sagte Donal.

Der Morgen war windstill, die Wolken am Horizont waren grau, und die See jenseits von Wicklow hatte die Farbe von Stahl.

»Wann fangen die Tunnel an?«, fragte Conor.

»Es dauert noch ein Weilchen«, sagte sie.

»Nach dem nächsten Bahnhof?«

»Ja, hinter Greystones.«

»Dauert das noch lang?«

»Lies deinen Comic«, schlug sie vor.

»Der Zug rüttelt zu sehr.«

Beim ersten Tunnel hielten sich die Jungs die Ohren zu gegen den brausenden Lärm und wetteiferten miteinander in gespieltem Entsetzen. Der nächste Tunnel war viel länger. Conor wollte, dass auch Nora sich die Ohren zuhielt, und sie tat ihm den Gefallen, weil sie wusste, wie wenig er geschlafen hatte und wie reizbar er sein konnte und wie leicht es wäre, ihm die Laune zu verderben. Donal hatte schon keine Lust mehr, sich die Ohren zuzuhalten, sondern setzte sich näher ans Fenster, und als der Zug aus dem Tunnel herauskam, ging es rechts jäh zur rauhen See hinunter. Conor hatte sich jetzt neben sie gesetzt, und sie musste ihm Platz machen, damit auch er ans Fenster konnte.

»Wir könnten umkippen«, sagte er.

»Nein, nein, der Zug muss auf den Gleisen bleiben. Das ist nicht wie bei einem Auto«, sagte sie.

Von der Gefahr fasziniert, klebte er mit der Nase an der Scheibe. Auch Donal rührte sich selbst dann nicht vom Fenster weg, als der Zug im Bahnhof Dún Laoghaire einfuhr.

»Ist das die Endstation?«, fragte Conor.

»Wir sind fast da«, sagte sie.

»Wo gehen wir als Erstes hin? Treffen wir uns als Erstes mit Fiona?«

»Wir gehen in die Henry Street.«

»Hurra!«, brüllte Conor. Er versuchte, auf der Sitzbank zu stehen, aber Nora sorgte dafür, dass er sich wieder setzte.

»Und zu Mittag essen wir im Woolworth«, sagte sie.

»In der Selbstbedienung?«

»Ja, damit wir nicht zu warten brauchen.«

»Kann ich zum Essen Orangensaft haben und keine Milch?«, fragte Conor.

»Ja«, sagte sie. »Du kannst alles haben, was du willst.«

Sie stiegen an der Amiens Street aus und durchquerten den feuchten und heruntergekommenen Bahnhof. Gingen langsam die Talbot Street entlang und blieben immer wieder vor Schaufenstern stehen. Sie zwang sich, sich zu entspannen, sie mussten nichts erledigen, sie konnten Zeit vergeuden, wo immer sie wollten. Sie gab ihnen je zehn Shilling zum Ausgeben, doch sie hatte sofort das Gefühl, dass es ein Fehler gewesen war, es war zu viel. Sie beäugten das Geld und sahen sie argwöhnisch an.

»M-müssen wir uns was kaufen?«, fragte Donal.

»Vielleicht ein paar Bücher«, sagte sie.

»Können wir uns Comics oder ein Jahrbuch kaufen?«, fragte Conor.

»Für Jahrbücher ist es zu früh«, sagte Donal.

Als sie sich der O’Connell Street näherten, wollten sie die Stelle sehen, wo früher Nelsons Säule gestanden hatte.

»Ich erinnere mich an sie«, sagte Conor.

»K-kannst du gar nicht. Da warst du zu klein«, widersprach ihm Donal.

»Kann ich doch. Sie war hoch, und obendrauf war Nelson, und sie haben ihn in die Luft gesprengt.«

Sie überquerten die O’Connell Street, auf der Hut vor dem mehrspurigen Verkehr, umsichtig auf Grün wartend. Als sie in die Henry Street einbogen, war Nora sich dessen bewusst, dass sie wie Leute vom Lande wirken mussten. Die Jungs brachten es fertig, alles in sich aufzunehmen und gleichzeitig alles auf Abstand zu halten. Sie beobachteten diese Welt aus Fremden und fremdartigen Gebäuden aus den Augenwinkeln.

Conor konnte es inzwischen nicht mehr erwarten, in ein Geschäft zu gehen, egal welches, und irgendetwas zu kaufen.

»Möchtest du dir gern Schuhe ansehen?«, fragte sie, damit er nein sagen und so, wie sie annahm, das angenehme Gefühl haben konnte, derjenige zu sein, der bestimmte, wohin sie gehen sollten.

»Schuhe?« Er verzog angewidert das Gesicht. »Sind wir dazu nach Dublin gekommen?«

»Wo möchtest du also dann hin?«, fragte sie.

»Ich will eine Rolltreppe rauf- und runterfahren.«

»Willst du das auch?«, fragte sie Donal.

»N-na g-gut«, sagte er missmutig.

Im Arnotts auf der Henry Street wollte Conor, dass Nora und Donal ihm zusahen, wie er mit der Rolltreppe hinauffuhr, und dann auf ihn warteten und zusahen, wie er wieder herunterkam. Er bestand darauf, dass sie ihn nicht begleiteten und sich nicht von der Stelle rührten. Sie mussten es versprechen. Donal fing an, sich zu langweilen.

Beim ersten Mal sah sich Conor dauernd nach ihnen um, und sie warteten, bis er oben verschwand und dann auf der anderen Rolltreppe wieder zum Vorschein kam. Er strahlte sie an. Beim zweiten Durchgang wurde er mutiger und nahm hier und da zwei Stufen auf einmal, während er sich die ganze Zeit am Handlauf festhielt. Beim nächsten Mal wollte er, dass Donal mit ihm kam, bestand aber gleichzeitig darauf, dass Nora weiterhin unten wartete. Sie erklärte ihm, dass dies die letzte Runde sein würde, vielleicht könnten sie am Nachmittag noch mal zurückkommen, aber dreimal die Rolltreppe hinauf und hinunter wäre genug.

Als sie wiederkamen, sah sie, dass auch Donal ganz aufgeregt war. Sie erklärten ihr, sie hätten weiter hinten einen Aufzug entdeckt, und sie wollten auch damit hoch- und runterfahren.

»Noch einmal, und dann reicht es«, sagte sie.

Sie schlenderte davon und begann sich Regenschirme anzusehen, wobei ihr welche zum Zusammenschieben auffielen – so klein, dass sie in die Handtasche passten –, die sie bis dahin noch nie gesehen hatte. Sie beschloss, für den Fall, dass es regnete, einen zu kaufen. Während sie auf die Kassiererin wartete, hielt sie nach den Jungen Ausschau, aber sie tauchten nicht auf. Als sie bezahlt hatte, ging sie zu ihrem Treffpunkt zurück und dann zu der Stelle neben dem Seiteneingang, wo der Fahrstuhl unten ankam.

Sie waren nicht da. Sie wartete zwischen den zwei Punkten und hielt dabei die ganze Zeit nach den beiden Ausschau. Sie spielte mit dem Gedanken, selbst in den Fahrstuhl einzusteigen, begriff aber, dass dies nur noch mehr Durcheinander bedeutet hätte. Wenn sie dort stehen blieb, dachte sie, würde sie sie früher oder später schon sehen.

Als sie auftauchten, taten sie so, als sei nichts gewesen, der Aufzug hätte lediglich an jedem Stockwerk gehalten. Als sie ihnen sagte, sie hätte sie verloren geglaubt, tauschten sie einen Blick, als hätten sie im Fahrstuhl etwas erlebt, wovon sie nichts wissen durfte.

Um drei hatten sie von Dublin alles gesehen, was sie sehen wollten. Sie waren in der Moore Street gewesen und hatten eine Tüte Pfirsiche gekauft, sie hatten im Selbstbedienungsrestaurant im Woolworth zu Mittag gegessen, und sie waren im Eason’s gewesen, wo sie Comichefte und Bücher gekauft hatten. Jetzt saßen sie, die Jungen müde, im Bewley’s und warteten auf Fiona. Nora war davon überzeugt, dass das Einzige, was Conor noch wach hielt, der Gedanke war, dass man sich von der zweistöckigen Etagere so viele Rosinenbrötchen nehmen konnte, wie man wollte.

»Die muss man dann bezahlen«, sagte Nora.

»Woher wissen die, wie viele man genommen hat?«

»Die meisten Leute sind ehrlich«, sagte sie.

Als Fiona erschien, wurden die Jungs wieder aufgeregt und munter und wollten beide gleichzeitig reden. Fiona kam Nora, als sie sich ihr gegenübersetzte, dünn und blass vor.

»Willst du einen D-dubliner Akzent hören?«, fragte Donal sie.

»Wir waren in der Moore Street«, sagte Nora.

»Reif sind die Pfirsiche«, sagte Donal mit einem Singsang in der Stimme, ohne zu stottern.

»Sieh dir mein ›Bucch‹ an«, fügte Conor hinzu.

»Sehr witzig«, sagte Fiona. »Entschuldigt die Verspätung, aber die Busse kommen immer zwei, drei auf einmal, und dann muss man Ewigkeiten auf den nächsten warten.«

»Ich will oben in einem Doppeldecker fahren«, sagte Conor.

»Conor, lass Fiona auch mal zu Wort kommen, und danach kannst du reden«, sagte Nora.

»Amüsiert ihr euch auch schön an eurem freien Tag?«, fragte Fiona.

Fionas Lächeln war schüchtern, aber ihr Ton war erwachsen und selbstsicher. Sie hatte sich in diesen wenigen Monaten verändert.

»Ja, aber jetzt sind wir alle müde, und es ist schön, hier zu sitzen.«

Keine von beiden schien zu wissen, was sie als Nächstes sagen sollte. Nora begriff, dass ihre Antwort auf Fionas Frage zu förmlich geklungen hatte, so als redete sie mit einer fremden Person. Fiona bestellte Kaffee.

»Hast du irgendetwas gekauft?«, fragte sie.

»Dazu hat die Zeit nicht gereicht«, sagte Nora. »Ich habe mir ein Taschenbuch gekauft, das ist alles.«

Nora fiel auf, wie forsch und gewandt Fiona den Kaffee bestellt hatte und wie sie sich jetzt im Café umsah, mit scharfem, fast kritischem Blick. Als sie sich an ihre Brüder wandte, war sie allerdings fast wieder zum Backfisch geworden.

»Hast du was von Aine gehört?«, fragte Nora sie.

»Sie hat mir einen kurzen Brief geschrieben. Ich glaube, sie fürchtet, dass die Nonnen die Briefe lesen, und sie hat recht, das tun sie. Also hat sie nicht viel geschrieben. Nur, dass sie die Irischlehrerin mag und dass sie in Französisch für einen Aufsatz eine gute Note bekommen hat.«

»Wir fahren vielleicht nächste Woche hin und besuchen sie.«

»Das hat sie erwähnt.«

»Wir verkaufen das Haus«, sagte Conor plötzlich mit lauter Stimme zu Fiona.

»Und wohnt dann unter der Brücke?«, fragte sie lachend.

»Nein, wir mieten einen Wohnwagen in Curracloe«, sagte er.

Fiona sah Nora an.

»Ich überlege mir gerade, das Haus in Cush zu verkaufen«, sagte Nora.

»Irgendwie hatte ich das geahnt«, erwiderte Fiona.

»Ich habe mich erst kürzlich entschieden.«

»Du wirst es also verkaufen?«

»Ja.«

Es überraschte Nora zu sehen, dass Fiona zwar zu lächeln versuchte, aber Tränen in den Augen hatte. Bei Maurice’ Begräbnis hatte sie nicht geweint, sie hatte nur geschwiegen und sich dicht bei ihrer Schwester und ihren Tanten aufgehalten, aber Nora hatte, gerade weil sie nichts tat, um ihre Gefühle zu zeigen, umso deutlicher gespürt, was sie empfand. Jetzt wusste Nora nicht, was sie zu ihr sagen sollte.

Sie trank ihren Kaffee. Die Jungs rührten sich nicht und sagten kein Wort.

»Weiß Aine Bescheid?«, fragte Fiona.

»Ich habe es nicht übers Herz gebracht, es ihr in einem Brief mitzuteilen. Ich werde es ihr sagen, wenn wir sie sehen.«

»Und du hast dich definitiv entschieden?«

Nora antwortete nichts.

»Ich hatte gehofft, im Sommer dort hinzufahren«, sagte Fiona.

»Ich dachte, du wolltest im Sommer nach England.«

»Das will ich auch, Ende Juni, aber ich bin Ende Mai fertig. Ich hatte vorgehabt, den Juni in Cush zu verbringen.«

»Das tut mir leid«, sagte Nora.

»Er liebte dieses Haus, nicht?«

»Dein Vater?«

Fiona senkte den Kopf.

Nora machte sich mit Conor auf die Suche nach den Toiletten. Als sie zurückkam, bestellte sie einen weiteren Kaffee.

»Wem verkaufst du das Haus?«, fragte Nora.

»Jack Lacey, May Laceys Sohn, der in England wohnt.«

»May Lacey war bei uns«, unterbrach Conor.

Donal stupste ihn an und hielt sich den Finger an die Lippen.

»Wir könnten das Geld gerade jetzt sehr gut gebrauchen«, sagte Nora.

»Noch zwei Jahre, und ich habe ein festes Einkommen«, sagte Fiona.

»Wir brauchen das Geld jetzt«, sagte Nora.

»Bekommst du denn keine Rente?«, fragte Fiona. »Ist sie nicht bewilligt worden?«

Nora erkannte, dass sie vielleicht besser nicht gesagt hätte, sie bräuchte das Geld.

»Es bedeutet, dass wir das Auto nicht werden verkaufen müssen«, sagte Nora und versuchte, Fiona zu verstehen zu geben, dass sie die Jungs nicht durch weiteres Reden über Geld beunruhigen sollten.

»Wir haben dort wunderschöne Sommer verbracht«, sagte Fiona.

»Ich weiß.«

»Es ist traurig, es zu verlieren.«

»Wir werden anderswo Urlaub machen.«

»Ich hatte geglaubt, wir würden dieses Haus immer haben«, sagte Fiona.

Ein paar Augenblicke lang sagten sie nichts. Am liebsten hätte Nora die Jungs genommen und wäre zurück in die Henry Street gegangen.

»Wann verkaufst du es?«, fragte Fiona weiter.

»Sobald der Vertrag fertig ist.«

»Das wird Aine sehr mitnehmen.«

Nora versagte sich die Bemerkung, dass sie es nicht ertragen hätte, weiter dorthin zu fahren. Sie konnte das unmöglich vor den Jungs sagen; es hätte zu emotional geklungen, es hätte zu viel preisgegeben.

Sie stand auf, um zu gehen.

»Wie bezahlt man hier? Ich erinnere mich nicht.«

»Du musst dir von der Kellnerin einen Zettel für die Kasse ausfüllen lassen«, sagte Fiona.

»Und du musst ihr sagen, wie viele Rosinenbrötchen du dir genommen hast«, sagte Donal.

Als sie auf die Westmoreland Street traten, wollte Nora Fiona noch irgendetwas anderes sagen, aber ihr fiel nichts ein. Fiona wirkte niedergeschlagen, wie sie da auf der Straße stand. Einen Moment lang verspürte Nora Unmut gegen sie. Sie stand am Anfang ihres Lebens, sie konnte wohnen, wo immer sie wollte, tun, was ihr passte. Sie brauchte nicht in den Zug zu steigen und in die Kleinstadt zurückzufahren, wo jeder über sie Bescheid wusste und die Jahre, die noch vor ihr lagen, bis ins letzte Detail vorgezeichnet waren.

»Wir machen zurück zur Henry Street einen Umweg über die Ha’penny Bridge«, sagte Nora.

»Seht zu, dass ihr den Zug nicht verpasst«, sagte Fiona.

»Wie kommst du zum College zurück?«, fragte Nora.

»Ich wollte zuerst noch in die Grafton Street.«

»Hättest du nicht Lust, uns zum Bahnhof zu begleiten?«, fragte Nora.

»Nein, ich muss gehen«, sagte Fiona. »Ich muss noch etwas besorgen, bevor ich zurückfahre, und so bald bin ich nicht wieder im Zentrum.«

Als sie sich ansahen, spürte Nora Fionas Feindseligkeit und zwang sich zu bedenken, wie verstört sie sein musste, und wie einsam sie vielleicht auch war. Sie lächelte, als sie sagte, sie müssten jetzt wohl gehen, und Fiona lächelte ihr und den Jungen ihrerseits zu. Sobald sie aber losgegangen war, verspürte Nora ein Gefühl der Ohnmacht und bedauerte es, Fiona nicht etwas Freundliches oder Besonderes, oder Tröstliches gesagt zu haben, bevor sie sich trennten; vielleicht auch nur etwas so Simples wie die Frage, wann sie wieder einmal nach Hause käme, oder die Zusicherung, sie würden sich sehr darauf freuen, sie bald wiederzusehen. Sie wünschte, sie hätte ein Telefon im Haus, so dass ein regelmäßigerer Kontakt möglich gewesen wäre. Sie nahm sich vor, Fiona am nächsten Morgen ein paar Zeilen zu schreiben und ihr dafür zu danken, dass sie extra in die Stadt gekommen war, um sie zu sehen.

In der Talbot Street, auf dem Weg zum Bahnhof, gab Conor den Rest seines Geldes für Lego aus, konnte sich aber nicht entscheiden, welche Farbe die Steine haben sollten. Obwohl Nora müde war, hörte sie aufmerksam zu und machte eigene Vorschläge, während Donal abseits stand. Sie lächelte der Kassiererin zu, als Conor es sich im letzten Moment noch einmal anders überlegte und wieder zurücklief, um die eine Schachtel Lego gegen eine andere auszutauschen.

Jetzt war es dunkel und schon ziemlich kalt. Sie saßen auf kaputten Plastikstühlen im kleinen Bahnhofscafé. Als Nora in der Einkaufstasche nach ihrem Geldbeutel tastete, stellte sie fest, dass die Pfirsiche, die erst vor ein paar Stunden so frisch und fest gewirkt hatten, ganz matschig geworden waren. Die Papiertüte war aufgeplatzt. Sie warf die Früchte in einen Mülleimer, da sie wusste, dass es keinen Sinn hatte, sie noch weiter mit sich herumzutragen, im Zug würden sie nur vollends verderben.

Den Jungs war nicht klar gewesen, dass sie im Dunkeln zurückfahren würden, und als der Zug sich Richtung Süden in Bewegung setzte, war das Fenster ganz beschlagen. Sie machten das Lego auf, und Conor spielte damit, während Donal las. Nach einer Weile setzte sich Conor auf ihre Seite des Tisches und schlief an sie gelehnt ein. Als sie den Blick hob, fiel ihr auf, wie seltsam erwachsen Donal wirkte, als er eine Seite seines Buches umblätterte.

»Morgen gehen wir in d-die Schule, nicht?«, fragte er.

»Tja, ich glaube, das solltet ihr«, sagte sie.

Er nickte und sah wieder in sein Buch.

»Wann kommt F-fiona das nächste Mal wieder nach Haus?«, fragte er.

Ihr Gespräch mit Fiona im Café würde ihn, wie sie wusste, im Stillen weiter beschäftigen. Sie fragte sich, ob es etwas gab, was sie sagen könnte, um ihn davon abzubringen, darüber zu grübeln und sich Sorgen zu machen.

»Weißt du, Fiona wird es im Wohnwagen sehr schön finden«, sagte sie.

»D-danach hat sie nicht g-geklungen«, sagte er.

»Donal, wir müssen ein neues Leben anfangen«, sagte sie.

Er ließ sich ihre Aussage kurz durch den Kopf gehen, so als hätte er eine schwierige Hausaufgabe vor sich. Und dann zuckte er die Achseln und wandte sich wieder seiner Lektüre zu.

Nora schob Conor sanft beiseite, um sich in dem überheizten Zug den Mantel auszuziehen. Er wachte für eine Sekunde auf, öffnete aber nicht einmal die Augen. Sie prägte sich ein, dass sie sich nach Wohnwagen in Curracloe erkundigen musste.

In Gedanken stand sie jetzt wieder im Haus in Cush, und sie versuchte, sich die Kinder an einem Sommertag vorzustellen, wie sie ihre Badehosen und Handtücher von der Leine nahmen und hinunter zum Strand gingen, oder sich selbst und Maurice, wie sie in der Abenddämmerung die Feldwege entlang heimwärts schlenderten und dabei versuchten, die Schwärme von Kriebelmücken in Schach zu halten, und an der Haustür vom Geräusch Karten spielender Kinder empfangen wurden. Das war alles vorbei und würde nie wiederkommen. Das Haus stand leer. Sie malte sich die kleinen Zimmer in der Dunkelheit aus, wie armselig sie sein würden. Ungastlich. Sie stellte sich das Geräusch von Regen auf dem Wellblechdach vor, die im Wind klappernden Fenster und Türen, die nackten Bettgestelle, die in den dunklen Ritzen lauernden Insekten und die unerbittliche See.

Während der Zug Enniscorthy entgegenfuhr, dachte sie, dass das Haus in Cush jetzt so verlassen war wie niemals zuvor.

Als Conor aufwachte, sah er sich um und lächelte ihr verschlafen zu. Er streckte sich und schmiegte sich an sie.

»Sind wir fast zu Haus?«, fragte er.

»Dauert nicht mehr lang«, sagte sie.

»Wenn wir in Curracloe sind«, fragte er, »stellen wir den Wohnwagen dann beim Winning Post auf oder fahren wir zum Wohnwagenpark oben auf dem Hügel?«

»Oh, beim Winning Post«, sagte sie.

»Ist das d-definitiv?«, fragte Donal. Während der Zug seine Fahrt verlangsamte, schaffte sie es zum ersten Mal an diesem Tag zu lachen.

»Definitiv? Natürlich ist das definitiv.«

Als der Zug stotternd zum Stehen kam, sammelten sie ihre Sachen schnell zusammen. Auf dem Weg zur Waggontür kam ihnen der Fahrkartenkontrolleur entgegen.

»Frag ihn jetzt wegen der T-toiletten«, flüsterte Donal und stupste sie an.

»Ich werde ihm sagen, dass du derjenige bist, der das wissen will«, sagte sie.

»Möchte dieses Würstchen bis nach Rosslare mitkommen?«, fragte der Kontrolleur.

»Oh, nein, er muss morgen in die Schule«, sagte Nora.

»Ich bin kein Würstchen«, sagte Conor.

Der Kontrolleur lachte.

Während sie aus dem Railway Square hinausfuhr, erinnerte sie sich an etwas, und ohne Absicht begann sie den Jungs zu erzählen, was ihr gerade in den Sinn gekommen war.

»Wir hatten gerade geheiratet, und es muss während der Sommerferien gewesen sein, da fuhren wir eines Morgens zum Bahnhof und mussten feststellen, dass wir den Zug um eine Sekunde verpasst hatten. Er war abgefahren, und weiß Gott, wir waren sehr enttäuscht. Aber der Verantwortliche an dem Morgen war nicht der übliche Bahnhofsvorsteher, es war ein junger Kerl, und er hatte bei eurem Daddy Unterricht gehabt, und er sagte uns, wir sollten wieder ins Auto steigen und nach Ferns fahren, und er würde dafür sorgen, dass der Zug dort auf uns wartete. Es waren nur sechs oder sieben Meilen zu fahren, und so erwischten wir an dem Morgen doch noch den Zug, und kamen so nach Dublin.«

»B-bist du da g-gefahren o-oder er?«, fragte Donal.

»Daddy ist gefahren.«

»Er muss ja irre schnell gefahren sein«, sagte Conor.

»War er ein b-besserer Fahrer als du?«, fragte Donal.

Mit einem Lächeln antwortete sie:

»Er war ein guter Fahrer. Erinnerst du dich nicht?«

»Ich erinnere m-mich, wie er einmal eine Ratte ü-überfahren hat«, sagte Donal.

Die Straßen der Stadt waren menschenleer, und es waren auch keine anderen Autos unterwegs. Die zwei Jungen schienen jetzt hellwach zu sein, bereit, weiterzureden, weitere Fragen zu stellen. Sobald sie zu Hause waren, sagte sie sich, würde sie Feuer machen, nach dem langen Tag würden sie schnell müde werden.