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Norddeutschland schmeckt nach Klarheit, Weite und einfachen, ehrlichen Zutaten. Dieses Kochbuch lädt dazu ein, die traditionelle Küche des Nordens neu zu entdecken: mit all ihren Geschichten, saisonalen Bräuchen und fast vergessenen Gerichten. Von kräftigen Eintöpfen, Fischklassikern und mecklenburgischen Spezialitäten bis hin zu alten Rezepten, die früher jeden Alltag geprägt haben: Dieses Buch verbindet regionale Esskultur mit modernen, leicht nachkochbaren Rezepten für heute. Ausführliche Hintergrundkapitel zeigen, wie sich das Essen im Norden über Jahrhunderte entwickelt hat: geprägt von Landschaft, Jahreszeiten und einer bodenständigen Lebensweise. Ob Fischfan, Kartoffelliebhaber oder einfach neugierig auf echte, unverfälschte Hausmannskost: Dieses Buch bringt den Geschmack des Nordens in jede Küche: authentisch, schlicht und unglaublich vielseitig. Ein Kochbuch für alle, die den Norden lieben. Und für alle, die ihn durch seine Küche kennenlernen wollen.
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Seitenzahl: 72
Veröffentlichungsjahr: 2026
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INHALTSVERZEICHNIS
VORWORT
TEIL I GESCHICHTE UND RAHMENBEDINGUNGEN
KAPITEL 1: EIN HISTORISCHER ABRISS DER NORDDEUTSCHEN ESSKULTUR
KAPITEL 2: TYPISCHE ZUTATEN UND GRUNDTECHNIKEN DER NORDDEUTSCHEN KÜCHE
KAPITEL 3: REGIONALE UNTERSCHIEDE DER NORDDEUTSCHEN KÜCHE
KAPITEL 4: TYPISCHE ALLTAGSGERICHTE – FRÜHER UND HEUTE
KAPITEL 5: FAST VERGESSENE REZEPTE DES NORDENS
KAPITEL 6: GRUNDZUTATEN UND VORRÄTE FÜR NORDDEUTSCHES KOCHEN
KAPITEL 7: FESTE, JAHRESZEITEN UND BRÄUCHE – WANN WURDE WAS GEGESSEN?
TEIL II REZEPTE
KAPITEL 8 - EINTÖPFE & SUPPEN – HERZHAFT, WARM UND NORDDEUTSCH
8.1. Mecklenburger Kartoffelsuppe
8.2. Steckrübeneintopf
8.3. Graupensuppe norddeutsch
8.4. Alte Kartoffel-Gemüsesuppe („Wat dor is“)
8.5. Hamburger Linsensuppe
8.6. Bohnen-Eintopf „Schnippelbohnen“
8.7. Mecklenburger Fischsoljanka
8.8. Oldenburger Kohlrübensuppe
8.9. Erbsensuppe wie früher
8.10. Krabbenrahmsuppe (Küste)
8.11. Altdeutsche Zwiebelsuppe (norddeutsche Variante)
8.12. Buttermilchsuppe (Mecklenburg)
8.13. Moor-Suppe (Niedersächsisches Moorgebiet)
8.14. Fisch-Kartoffel-Eintopf „Nordlicht“
8.15. Grünkohl-Gemüse-Suppe
KAPITEL 9 - FISCHKLASSIKER – VON DER KÜSTE BIS INS BINNENLAND
9.1. Pannfisch mit Senfsoße (Hamburg)
9.2. Dorschfilet nach Mecklenburgischer Art
9.3. Matjes „Hausfrauenart“
9.4. Gebratener Hering mit Zwiebeln
9.5. Labskaus (mit Matjes)
9.6. Scholle Finkenwerder Art
9.7. Seelachs in Senf-Dill-Sauce
9.8. Mecklenburger Fischfrikadellen
9.9. Aal in Gelee
9.10. Krabbensalat (Nordseekrabben)
9.11. Seemannseintopf mit Fisch
9.12. Räucheraal mit Bratkartoffeln
KAPITEL 10 - MECKLENBURGISCHE KÜCHE – MILD, BODENSTÄNDIG UND OFT SÜß-HERZHAFT
10.1. Mecklenburger Rippenbraten mit Rübenmus
10.2. Tüffel un Plum (Kartoffeln mit Backobst)
10.3. Diedrichs Eintopf (Graupen + Fleisch)
10.4. Fliederbeersuppe mit Grießklößchen
10.5. Klütje (Mehlklöße mit Pflaumen)
10.6. Mecklenburger Gänsekeulen mit Rotkohl
10.7. Buttermilchkartoffeln
10.8. Mecklenburgische Kartoffelpuffer (herzhaft)
10.9. Rote Grütze nach alter Art
10.10. Bauernfrikassee (Mecklenburger Art)
10.11. Wurstebrei (Blutwurst mit Kartoffeln)
KAPITEL 11 - HAUSMANNSKOST – BRATGERICHTE, KLASSIKER UND DEFTIGE FAMILIENREZEPTE
11.1. Bauernfrühstück norddeutsch
11.2. Mecklenburger Schmorkohl
11.3. Schnitzel „Holsteiner Art“
11.4. Grützwurst gebraten
11.5. Frikadellen (Buletten) norddeutsch
11.6. Bauernpfanne „Mecklenburg“
11.7. Schmorgurken norddeutsch
11.8. Kassler mit Sauerkraut & Kartoffeln
11.9. Bratkartoffeln „wie bei Oma“
11.10. Schweinebauch aus der Pfanne
11.11. Norddeutscher Hackbraten
11.12. Speckkartoffeln (Mecklenburg)
11.13. Rührei mit Krabben (Küste)
11.14. Schinkennudeln norddeutsch
11.15. Rotkohlpfanne
11.16. Königsberger Klopse (norddeutsche Variante)
11.17. „Falscher Hase“ – Hackbraten mit Ei
11.18. Senfeier nach norddeutscher Art
11.19. Gebratene Leber mit Äpfeln & Zwiebeln
11.20. Hack-Speck-Pfanne („Schnellgericht auf dem Land“)
11.21. Geflügelragout mit Erbsen & Möhren
11.22. Bauernrouladen (Speck, Gurke, Zwiebel)
11.23. Kartoffelklöße gefüllt (Pflaume + Schmalz)
11.24. Norddeutscher Wurstauflauf
KAPITEL 12 - FAST VERGESSENE SPEISEN – TRADITIONEN NEU GEKOCHT
12.1. Schlorren – Mehl-Wasser-Suppe
12.2. Ambrallas / Amballas – Süßer Mehl- oder Grießbrei
12.3. Saure Klump – Essig-Kartoffel-Klöße
12.4. Pluksch – Mecklenburger Speck-Kartoffel-Pfanne
12.5. Schwärzelsuppe – Süß-saure Blutsuppe
12.6. Rippspeer – Steckrüben-Speck-Pfanne
12.7. Stachelbeer-Einbrenne
12.8. Löffelgrütze – Vorläufer der Roten Grütze
12.9. Moorpann – Dunkle Kartoffel-Speck-Pfanne aus dem Moorgebiet
12.10. Dünne Suppe – Das schlichteste aller Gerichte
12.11. Löschsuppe (Feuersuppe)
12.12. Wassergrütze – Haferbrei der armen Leute
12.13. Gekröse-Suppe – Schlachtfestsuppe
12.14. Lumpensuppe (Nordfriesland)
12.15. Schmölke (Mehl-Milch-Brei)
12.16. Birnenpann (Mecklenburg)
12.17. Buttermilchschmarren
12.18. Finkenwerder Krintkoken
12.19. Moppen (Oldenburg/Friesland)
12.20. Laufender Pudding
12.21. Ambrallas (Amballas) – Historischer süßer Mehlbrei
12.22. Rübenklöße (Steckrübenklöße, sehr alt)
12.23. Kartoffelgrütze („Tüffelgrüüt“)
12.24. Haferflockensuppe (historisch)
12.25. Gerstengrütze-Eintopf
12.26. Pflaumenmus altdeutsch
12.27. Rübenmus „wie bei Oma“
KAPITEL 13 - SÜßSPEISEN & MEHLGERICHTE – NORDDEUTSCHE BACK- UND SCHMANDSPEZIALITÄTEN
13.1. Ostfriesischer Schmandkuchen
13.2. Mecklenburger Quarkkeulchen
13.3. Norddeutsche Grießklößchen in Vanillesauce
13.4. Schmandpfannkuchen
13.5. Apfelpfannkuchen (norddeutsch)
13.6. Bettenbrei (Milchreis norddeutsch, sehr weich)
13.7. Ostfriesischer Dickmilch-Nachspeise mit Zimt & Zucker
13.8. Arme Ritter mit Apfelmus
13.9. Grießschnitten (Mecklenburg)
13.10. Dampfnudeln norddeutsch (mit Butter-Milch-Sauce)
13.11. Eierpfannkuchen mit Rosinen
13.12. Milchreis mit Kirschkompott
13.13. Klüten mit Zucker und Butter
13.14. Hefeküchlein aus der Pfanne
KAPITEL 14 - KONSERVIEREN, EINLEGEN & VORRATSHALTUNG – TRADITIONELLE METHODEN FÜR MODERNE KÜCHEN
14.1. Gewürzgurken „wie früher“
14.2. Rote Bete eingekocht
14.3. Apfelmus im Weckglas
14.4. Pflaumenkompott eingemacht
14.5. Fliederbeersaft (Holunder) – Hausmittel & Wintervorrat
14.6. Sauerkraut traditionell (Milchsäuregärung)
14.7. Birnen in Zuckersirup eingeweckt
14.8. Bratheringe eingelegt
14.9. Zwetschgenmus im Backofen (Powidl-Art)
14.10. Dillgurken (nur angesetzt, nicht gekocht)
14.11. Quittengelee – norddeutscher Klassiker
14.12. Sauerkirschen im eigenen Saft
14.13. Salzgurken (Fermentiert)
14.14. Apfelringe getrocknet
14.15. „Schmalztopf“ – Fleisch haltbar machen
14.16. Rumtopf – Norddeutscher Klassiker
14.17. Kirschlikör – Kleine Schwester des Rumtopfs
14.18. Pfirsich-Rum-Sud (für Kuchen & Desserts)
14.19. Birnen in Wein und Rum eingelegt
14.20. Beeren in Alkohol (schnelles Einlegen)
14.21. Apfelwein (Hausgemacht, altdeutsch)
14.22. Apfelessig selbst ansetzen
14.23. Obstgeist aus Beeren (milder Ansatzschnaps)
14.24. Blaubeeren in Korn
14.25. Erdbeer-Rumcreme (Konservierung + Dessert)
KAPITEL 15 - FESTE GERICHTE – TYPISCHE SPEISEN ZU WEIHNACHTEN, ERNTE, SCHLACHTTAG & OSTERN
15.1. Weihnachten – Gänsekeule mit Rotkohl & Klößen
15.2. „Tote Tante“ – Kakao mit Rum (Dessert/Heißgetränk)
15.3. Weihnachts-Schwarzsauer
15.4. Erntedank – Ernte-Eintopf („Erntepott“)
15.5. Erntebrot mit Schmand & Zwiebeln
15.6. Schlachttag – Wellfleisch mit Sauerkraut
15.7. Schlachteplatte mit Blut- und Leberwurst
15.8. Grützwurst gebraten (Knipp/Heidjer)
15.9. Ostern – „Eier in Senfsauce“
15.10. Osterbrot (süß, norddeutsch)
15.11. Karfreitags-Fisch: Dorsch mit Senf-Dill-Sauce
15.12. Festtags-Apfelpann (Ernte & Weihnachten)
15.13. Schlachttags-Grützsuppe
15.14. Hefeküchlein zu Ostern (Mini-Pfannkuchen)
15.15. Karpfen blau (Weihnachten in Mecklenburg)
KAPITEL 16: OBST & GEMÜSE AUS DEM EIGENEN GARTEN
16.1. Schmorgurken mit Dill (Mecklenburg)
16.2. Kartoffel-Möhren-Stampf („Stamppott“)
16.3. Zucchini aus dem Garten – Rahmzucchini
16.4. Rhabarberkompott
16.5. Bohnensalat frisch aus dem Beet
16.6. Rote-Bete-Salat
16.7. Erbsen-Pfefferminz-Suppe
16.8. Zwiebelkuchen norddeutsch
16.9. Kürbissuppe „Hokkaido aus dem Garten“
16.10. Apfelmus wie früher
16.11. Holunderküchlein (Fliederbeerküchlein)
16.12. Mangoldpfanne (Mecklenburg)
16.13. Birnenkompott
16.14. Gurkensalat mit Dill
16.15. Pastinakenpüree (altdeutsch)
16.16. Schwarzwurzeln in Butterrahm
16.17. Eingemachte grüne Tomaten
16.18. Kräuterbutter aus Gartenkräutern
16.19. Sauerampfersuppe
16. 20. Mangold in Weißweinrahm
16.21. Ofenkürbis mit Kräutern
16.22. Kohlrabigemüse in heller Soße
16.23. Rosenkohl mit Speck (Winterbeet)
16.24. Apfel-Birnen-Grütze
16.25. Rotkohlsalat frisch vom Beet
16.26. Zwiebel-Apfel-Gemüse
16.27. Dicke Bohnen mit Speck (Gartenklassiker)
16.28. Altdeutscher Gurkenschmortopf
16.29. Quittenkompott
KAPITEL 17: ALTE GETRÄNKE DES NORDENS
17.1. Streuer Schwatten – Kaffee mit Schnaps (historisches Rezept)
17.2. Pharisäer (Nordfriesland)
17.3. Tote Tante (Schleswig-Holstein)
17.4. Grog (Seefahrergetränk)
17.5. Lübecker Adlerpunsch (historisch)
17.6. Bischof / Übersee-Bischof (Hamburg)
17.7. Korn mit Kandis („Herrengedeck“ norddeutsch)
17.8. Glühbier aus Mecklenburg
17.9. Holunderpunsch („Fliederbeerpunsch“)
17.10. Hafenkaffee (Kaffee + Aquavit)
17.11. Rummelpott-Punsch (Sylter Silvester-Tradition)
17.12. Heet un Sööt (Schnaps & Sirup)
17.13. Sanddornpunsch (Nord- & Ostseeküste)
17.14. Dünnbier (historisches Biergetränk)
17.15. Buttermilch-Drink „Stippmilch warm“
17.16. Torfpunsch (Ostfriesland)
KAPITEL 18 - SCHLUSSWORT
Vorwort
Norddeutschland hat eine Küche, die oft unterschätzt wird. Sie ist bodenständig, klar und ohne überflüssige Verzierungen — so wie die Menschen, die hier leben. Zwischen Küste, Moor, Heide und den weiten Feldern entwickelte sich über Jahrhunderte eine Esskultur, die von einfachen Zutaten, kargen Böden und langen Wintern geprägt wurde. Viele traditionelle Gerichte wirken heute fast vergessen, obwohl sie eng mit dem Alltag unserer Vorfahren verbunden waren und ein Stück Identität bewahren, das man schmeckt.
Dieses Kochbuch möchte an diese Wurzeln anknüpfen. Es verbindet klassische norddeutsche Rezepte mit regionalen Besonderheiten aus Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hamburg, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern. Dabei geht es nicht nur um Zutaten und Zubereitung, sondern auch um Geschichten, Erinnerungen und die Kultur, die hinter jedem Gericht steckt. Denn Essen war hier im Norden nie nur Nahrung – es war immer auch Wärme, Gemeinschaft und ein bisschen Heimatgefühl auf dem Teller.
Ich finde: Es ist höchste Zeit, alte Rezepte wieder aufleben zu lassen. Nicht, um nostalgisch zu werden, sondern weil sie ehrlich, schlicht und erstaunlich modern sind. Genau das soll dieses Buch zeigen.
Dietmar Prudix
Pennigsehl, Dezember 2025
Teil I Geschichte und Rahmenbedingungen
Kapitel 1: Ein historischer Abriss der norddeutschen Esskultur
Die Essensentwicklung in Norddeutschland ist eng mit der Landschaft verbunden. Die Küstenregionen lieferten reichlich Fisch, während die Marsch und Geest vor allem für Kohl, Kartoffeln, Roggen und Hafer ideal waren. Viele Gegenden waren lange arm und ländlich geprägt, und die Küche war entsprechend einfach: nahrhaft, warm und so konserviert, dass sie die kühlen Monate überstand. Gekocht wurde mit dem, was direkt vor der Haustür wuchs oder gefangen wurde.
Schon im Mittelalter bestand der Alltag aus Breien und Suppen. Haferbrei, Graupengerichte und Mehlsuppen waren feste Begleiter. Fisch spielte eine große Rolle, besonders in den Küstenstädten, aber auch im Binnenland war vor allem Stockfisch ein verbreitetes Lebensmittel, weil er lange haltbar war. Fleisch dagegen blieb wertvoll und kam nur zu besonderen Anlässen auf den Tisch. Es wurde gesalzen, gepökelt oder getrocknet, damit nichts verloren ging. Gewürze waren teuer, und so prägte eher ein mildes, zurückhaltendes Aroma die alltägliche Küche.
Ein wirklich großer Umbruch begann mit der Einführung der Kartoffel im 18. Jahrhundert. Sie setzte sich im Norden besonders schnell durch, weil sie in armen Böden gut wuchs und satt machte. Von da an veränderte sie viele traditionelle Gerichte: Pellkartoffeln mit Quark, Stampfkartoffeln, Kartoffelsuppen, Klütje, Tüffelgerichte aus Mecklenburg und später auch Klassiker wie Labskaus. Gleichzeitig gewann das Schwein an Bedeutung, woraus regionale Spezialitäten wie Pinkel, Knipp, Beutelwurst und Blutwurst entstanden. Die Menschen nutzten alles vom Tier – ganz typisch norddeutsch und sehr nachhaltig.
