Normandie mit dem Wohnmobil - Ines Friedrich - E-Book

Normandie mit dem Wohnmobil E-Book

Ines Friedrich

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Beschreibung

Was tun in der Normandie? Austern essen, Calvados genießen, weitläufige Strände ablaufen, weiße Kreidefelsen bestaunen, den Klosterberg Mont-Saint-Michel besteigen, Hafenstädte wie Le Havre und Cherbourg besuchen, mittelalterliche Bauten in Rouen und Bayeux besichtigen ... und keine unnötige Zeit auf die Tourenplanung verschwenden. Das übernimmt nämlich dieser Wohnmobiltourenband für Sie – mit perfekt ausgefeilten Routen durch die Normandie.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

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Seitenzahl: 209

Veröffentlichungsjahr: 2023

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In der Normandie findet man immer wieder ein Plätzchen mit Blick auf das Meer.

Ines Friedrich

NORMANDIEMIT DEM WOHNMOBIL

Die schönsten Routenvon Mont-Saint-Michel bis nach Le Tréport

INHALT

WILLKOMMEN IN DER NORMANDIE

DIE SCHÖNE VIELSEITIGE

ZU BEGINN: ANREISE IN DIE NORMANDIE

DIE ROUTEN

1DURCH DAS IDYLLISCHE TAL DER SEINE GEN SÜDEN

Eine wunderschöne Tour entlang der Lebensader der Normandie

2AUF DEN SPUREN NORMANNISCHER HERZÖGE

Eine beeindruckende Route durch die historische Normandie

3ERLEBNISREICHE RUNDFAHRT DURCH DIE NORMANNISCHE SCHWEIZ

Aktiv unterwegs in einer der schönsten Regionen der Normandie

4ENDLICH AM MEER!

Das Wunder des Abendlandes und die Bucht des Mont-Saint-Michel

5ALTEHRWÜRDIGE KULTUR UND HERRLICHE NATUR

Eine beliebte Ferienregion mit kilometerlangen feinen Sandstränden

6EINMAL RUND UM DIE HALBINSEL COTENTIN

Gigantische Dünen, unendliche Sandstrände, versteckte Buchten und schroffe Klippen

7OPERATION OVERLORD UND DIE LANDUNGSSTRÄNDE

Zu Besuch in einer attraktiven Urlaubsregion mit bewegender Vergangenheit

8EIN AUSFLUG DURCH DAS HOCHPROZENTIGE CALVADOS

Cidre, Calvados, Camembert – die drei großen »C« der Normandie

9DIE CÔTE FLEURIE UND DIE NÖRDLICHE SEINE

Eine ganz besondere Zeitreise durch die Epochen der normannischen Architektur

10ENTLANG DER BERÜHMTEN ALABASTERKÜSTE

Über hundert Meter hohe Steilklippen, Sonne, Wind und Meer

REISEINFOS VON A BIS Z

PACK- UND CHECKLISTEN

REGISTER

PS: WAS ICH NOCH SAGEN WOLLTE …

UNSER NACHHALTIGKEITSKODEX

STRASSENATLAS

Was für ein herrlicher Anblick ist so ein Regenbogen über Strand und Meer.

WILLKOMMEN IN DER NORMANDIE

Die Normandie ist ein Eldorado für den Individualisten unter den Campingfreunden, ein Paradies für den Naturliebhaber und eine wahre Freude für den Kulturinteressierten. Lassen Sie sich überraschen!

30 000 km2 …

… Fläche hat die Normandie, sie ist damit die achtgrößte Region Frankreichs. Die ostwestliche Ausdehnung beträgt 150 km und von Nord nach Süd sind es etwas über 100 km. In den beiden Landstrichen Basse- und Haute-Normandie leben insgesamt 3,2 Millionen Menschen.

 

600 km …

… Länge hat die Küste der Normandie, die sich entlang des Ärmelkanals zieht. Nur 100 km beträgt bei Cherbourg die Entfernung nach England, die schmalste Stelle mit 34 km liegt am Cap Gris-Nez in der Straße von Dover. Der Ärmelkanal ist maximal 248 km breit und mit 500 Schiffen pro Tag das meistbefahrene Schifffahrtsgebiet der Welt.

 

3,5 Millionen …

… Menschen besuchen jährlich den Klosterberg Mont-Saint-Michel, der damit die größte Touristenattraktion der Normandie ist. Die Insel im Wattenmeer hat einen Durchmesser von etwa 300 m, der Berg selbst ist 92 m hoch und das Kloster erhebt sich 157 m über dem Meer. Seit 1979 gehören der Mont-Saint-Michel und seine Bucht zum UNESCO-Weltkulturerbe.

 

14 m …

… kann der Tidenhub in der Normandie betragen. Damit herrscht in der 500 km2 großen Bucht des Mont-Saint-Michel der mächtigste Gezeitenunterschied Europas. Bis zu 6 km zieht sich das Wasser bei Ebbe zurück, um dann bei Flut mit einer Geschwindigkeit von 30 km/h wieder in die Bucht hineinzuströmen.

 

70 % …

… aller Streuobstwiesen Frankreichs befinden sich in der Normandie. Hier wachsen auf 10 Millionen Bäumen zu 90 % Cidre-taugliche Apfelsorten, aus denen pro Jahr etwa 1,1 Millionen Liter des moussierenden Apfelweins gekeltert werden – die größte Produktionsmenge weltweit. Wegen seines geringen Alkoholgehaltes von max. 5 % ist Cidre in der Normandie ein täglicher Begleiter. Auf der 40 km langen Route de Cidre laden 20 Hersteller zur Verkostung ein.

 

27 000 t …

… Austern und 19 000 t Muscheln werden jedes Jahr in der Normandie geerntet, die damit Frankreichs größte Muschelregion ist. Die Coquille Saint-Jacques, auch »große Pilgermuschel« genannt, muss mindestens 11 cm groß sein und ist die edelste aller Muscheln. Gut zwei Drittel aller Jakobsmuscheln Frankreichs werden zwischen Oktober und Mai vor der Küste der Normandie geerntet, als wichtigster Fischereihafen hierfür gilt Port-en-Bessin.

 

DIE SCHÖNE VIELSEITIGE

In kaum einer Region Frankreichs lässt sich so viel entdecken und erleben wie in der verzaubernden und kontrastreichen Normandie.

Der kleine Hafen von Honfleur in idyllischer Altstadtkulisse mit typisch normannischem Fachwerk

DIE SCHÖNE VIELSEITIGE

Wer hätte gedacht, dass es über die Normandie so viel zu erzählen gibt?! Ihre abwechslungsreichen Landstriche bezaubern durch ihre mal sanfte, mal wilde Schönheit. Und jeder Quadratkilometer dieser nordwestlichen Region Frankreichs birgt pure Geschichte, die zum Teil unser heutiges Europa geprägt hat.

REGION MIT VIEL GESCHICHTE

Beginnen wir mit dem römischen Staatsmann Gaius Julius Caesar, der, wie wir von Asterix und Obelix wissen, um 54 v. Chr. ganz Gallien eroberte. Nach vier Jahrhunderten unter gallorömischer Herrschaft besetzte der Frankenkönig Chlodwig die Gebiete nördlich der Loire und bestimmte Rouen zum ersten Bischofssitz. Bald wurden überall im Land großen Abteien wie in Jumièges gegründet und im Jahre 709 beauftragte der Bischof von Avranches den Bau des berühmten Klosters auf dem Mont-Saint-Michel.

Der heutige Name der Normandie leitet sich von dem Volksstamm der Normannen ab. Ab dem 9. Jahrhundert nämlich kamen die Nordmänner mit ihren wendigen Schiffen über das Meer, brandschatzten ganze Städte und unterwarfen die Bevölkerung. Der fränkische König Karl der Einfältige ernannte den Wikinger Rollo im Jahre 911 zum ersten Herzog der Normandie.

Die wohl bedeutendste Herrscherpersönlichkeit des Landes war sicherlich Wilhelm der Eroberer, der 1066 mit der legendären Schlacht von Hastings zum König von England wurde. Auch Richard Löwenherz hat die normannische Geschichte geprägt, und erst seit Mitte des 15. Jahrhunderts gehört die Normandie zu Frankreich. Am 6. Juni 1944 begann an den Landungsstränden die Befreiung Europas vom Nationalsozialismus, und die Erinnerung an die »Operation Overlord« ist nach wie vor allgegenwärtig.

Abendstimmung in Poleposition mit Traumblick

KONTRASTREICHE ERLEBNISSE

Dieser Reiseführer begleitet den Wohnmobilurlauber auf einer fast 2000 Kilometer langen Rundreise durch eine äußerst abwechslungsreiche Landschaft. Ausflüge in die gebirgige »normannische Schweiz« stehen genauso auf dem Programm wie die gigantische Dünenlandschaft der Halbinsel Cotentin oder der Besuch der berühmten Alabasterküste. Die endlos erscheinenden feinen Sandstrände sind ein Traum, die ständig wechselnde Farbe des Meeres bezaubert und die Sonne beleuchtet strahlend weiße Klippen. Immer wieder laden pittoreske Hafenstädtchen wie Honfleur, mondäne Seebäder wie Deauville oder historische Kleinode wie Domfront zum Verweilen ein. Es gibt so viel zu entdecken und zu erleben! Die normannische Hauptstadt Rouen ist unbedingt einen Besuch wert, die UNESCO-Stadt Le Havre ist zu Recht etwas ganz Besonderes und den berühmten Wandteppich von Bayeux muss man sowieso gesehen haben. Den beeindruckenden Anblick des in der Sonne leuchtenden Mont-Saint-Michel wird der Reisende mit Sicherheit niemals vergessen!

SAVOIR-VIVRE IN DER NORMANDIE

Calvados, Cidre und Camembert sind die drei großen »C« der Normandie, aber auch Austern, Jakobsmuscheln und eine grandiose Auswahl an frischem Fisch machen die Region für den Gourmet zum Paradies. Jeder normannischen Spezialität ist natürlich auch ein Fest gewidmet und sicherlich reicht ein Urlaub nicht aus, um alles zu schmecken, zu riechen und zu genießen. Ein Grund mehr, um im nächsten Jahr einfach wiederzukommen! In dem Zusammenhang muss noch erwähnt werden, dass die Region ein Eldorado für den Wohnmobilurlauber ist, denn nirgendwo sonst in Europa ist die Stell- und Campingplatzdichte größer als hier – willkommen in der Normandie!

Austernzucht ist Schwerstarbeit

Poiré ist ein Birnenschaumwein

ZU BEGINN: ANREISE IN DIE NORMANDIE

»Nur aufs Ziel zu sehen, verdirbt die Lust am Reisen.«

Friedrich Rückert (deutscher Dichter)

Der Urlaub mit dem Wohnmobil beginnt bekanntlich vor der eigenen Haustür – warum also auf der Fahrt in die Normandie an so vielen schönen Orten vorbeifahren? Je nachdem, aus welcher Region Deutschlands der Reisende kommt, werden im Folgenden mehrere Übernachtungsmöglichkeiten vorgeschlagen, die sich in besonders interessanten Orten oder in besonders reizvoller Landschaft befinden. Allen ist gemein, dass sie nahe der Hauptstrecken in Richtung Normandie liegen, um nicht auf den unsicheren Autobahnraststätten übernachten zu müssen.

AUF DEM WEG AUS DEUTSCHLANDS SÜDEN

Metz, 57000 Metz, Frankreich

GPS: 49.123775, 6.168793

Allée de Metz Plage, metz.fr

Kostenpflichtiger Stellplatz für 10 Mobile auf einem Parkareal vor dem Camping Municipal. Der Platz liegt direkt an der Mosel, das historische Zentrum mit Cafés und Restaurants ist fußläufig erreichbar. Bezahlung per Parkscheinautomat; Wasser und Entsorgung Grauwasser sind inklusive, kein Strom. Der Stellplatz ist ganzjährig nutzbar, der Campingplatz nebenan ist von Mitte April bis Ende September geöffnet.

Entfernung zur Autobahn A 4 ca. 7 km

Soissons, 02200 Frankreich

GPS: 49.392918, 3.326885

Avenue du Mail, tourisme-soissons.com

Der preiswerte Campingplatz liegt am Fluss Aisne am Ortsrand von Soissons. Das sehenswerte historische Zentrum der Merowingerstadt ist fußläufig erreichbar. Der ruhige Platz ist von Anfang April bis Ende Oktober geöffnet, ansonsten stehen einige ganzjährige Serviceplätze zur Verfügung. Entfernung zur N 31 ca. 2 km

AUF DEM WEG AUS DER MITTE DEUTSCHLANDS

Blegny, 4670, Belgien

GPS: 50.685718, 5.723284

Blegny-Mine, 23 Rue Lambert Marlet, blegnymine.be

Gebührenfreie Übernachtungsmöglichkeit für 20 Mobile an einer ehemaligen Zeche, die zum UNESCO-Welterbe gehört. Die interessante Besichtigung der Mine und die Nutzung des Parkplatzes sind von Anfang März bis Ende November möglich. Ver- und Entsorgung sind kostenlos, Strom gegen Gebühr. Es besteht eine Busverbindung nach Lüttich/Liège.

Entfernung zur Autobahn A 27 ca. 6 km

Crespin, 59154, Frankreich

GPS: 50.419757, 3.662695

Rue du Vivier, crespin.fr

Zweckmäßiger, ruhiger und gebührenfreier Übernachtungsplatz für 3 Mobile direkt hinter der belgischen Grenze; am Ortsrand gelegen, ins Zentrum sind es 500 m. Asphalt, Ver- und Entsorgung vorhanden, Wasser kostenpflichtig, kein Strom. Sehr schöne Wandermöglichkeiten im Parc Naturel Régional Scarpe-Escaut.

Entfernung zur Autobahn A 2 ca. 5 km

AUF DEM WEG AUS DEM NORDEN DEUTSCHLANDS

Venlo, 5928 Niederlande

GPS: 51.392889, 6.149104

Jachthavenweg 50, wsvdemaasvenlo.nl

Kostenpflichtiger Stellplatz für 20 Mobile direkt an der Marina mit schönem Blick auf den Fluss Marne. Dusche, WC sowie Ver- und Entsorgung sind inklusive, Strom kostet extra. Die Bezahlung erfolgt beim Hafenmeister. Der Stellplatz ist auch für große Fahrzeuge geeignet und von Anfang Mai bis Ende Oktober geöffnet.

Entfernung zur Autobahn ca. 4 km

Gravelines, 59820 Frankreich

GPS: 50.988776, 2.122747

Rue du Port, ville-gravelines.fr

Gebührenpflichtiger Stellplatz für 50 Mobile am Port de Plaisance an einem Kanal, der mit dem Meer verbunden ist. Das Ortszentrum mit einer Vauban-Befestigungsmauer ist fußläufig erreichbar. Ver- und Entsorgung befinden sich in der nicht weit entfernten Rue de la Gendarmerie. Gravelines liegt zwischen Dunkerque und Calais und besitzt einen schönen Strand.

Entfernung zur Autobahn A 16 ca. 5 km

Normannisches Fachwerk vom Feinsten

Schöner Blumenschmuck allerorten

DIE ROUTEN

Ob im Landesinneren oder an der Küste – unsere Rundreise durch die Normandie bietet vielfältige Höhepunkte. Steigen Sie ein!

Gold Beach – Blick auf Arromanches-les-Bains und den Hafen Mulberry

1 DURCH DAS IDYLLISCHE TAL DER SEINE GEN SÜDEN

Eine wunderschöne Tour entlang der Lebensader der Normandie

START- UND ENDPUNKT

Rouen und Giverny

STRECKENLÄNGE

68 km

REINE FAHRZEIT

1,5 Stunden

Unsere große Normandie-Rundreise startet in der besuchenswerten Hauptstadt Rouen im Département Seine-Maritime. Hier beginnt eine spannende Zeitreise durch die historische Normandie, wo die Seine schon immer eine entscheidende wirtschaftliche Rolle spielte. Der Fluss ist mit den hohen Kreidefelsen auch landschaftlich etwas ganz Besonderes – malerisch mäandert er durch einen großen Naturpark.

Ein Bummel durch die sehenswerte Altstadt von Rouen

Der Besuch von Rouen, der Hauptstadt der Region Normandie, ist für jeden Kulturinteressierten ein Muss. Die lebendige Stadt ist nur 140 Kilometer von Paris entfernt und der perfekte Einstieg in die normannische Kulturlandschaft. In der bezaubernden Altstadt liegen alle Sehenswürdigkeiten nah beieinander, um aber die Stadt so richtig genießen zu können, sollte der Reisende wenigstens eine Übernachtung einplanen. Nach einem erlebnisreichen Stadtbummel und anschließendem Abendessen in einem der unzähligen Restaurants oder Bistros heißt das Ziel um 22 Uhr nämlich Cathédrale Notre-Dame. Hier erlebt der Besucher von Juni bis September mit Einbruch der Dunkelheit eine phänomenale Licht- und Tonshow, die »Cathédrale de Lumière«. Dabei werden auf die gotische Fassade einige fantastische Geschichten zur Normandie und zur Stadt projiziert – ein unvergessliches Erlebnis, das eine Stunde lang zum Staunen einlädt.

IN DER HERZOGSTADT ROUEN

Die reich geschmückte Kathedrale mit ihren sieben Türmen ist auch tagsüber ein Blickfang, denn sie erstrahlt je nach Tageszeit in einem anderen Licht. Dies hat einst den Maler Claude Monet (1840–1926) zu seiner berühmten, aus 30 Werken bestehenden Bildserie inspiriert, die er in seinem provisorischen Atelier im Obergeschoss der heutigen Touristeninformation in den Jahren 1892/93 geschaffen hat.

Faszinierende Projektionen auf die Kathedrale

Der Vierungsturm der aus hellem Sandstein erbauten Cathédrale Notre-Dame besitzt mit seinen 151 Metern die höchste Domspitze Frankreichs, bis 1880 war die Kathedrale sogar das höchste Gebäude der Welt. Der Turm auf der rechten Seite sticht schon aufgrund seiner Farbe ins Auge – es ist der sogenannte Butterturm aus dem 15. Jahrhundert. Der Bau des »Tour de Beurre« wurde angeblich mithilfe eines Buttererlasses finanziert, den jeder Bürger zu errichten hatte, der während der Fastenzeit Butter und Milch konsumieren wollte.

Seit über 900 Jahren erhebt sich die Kathedrale von Rouen über die Altstadt, aber auch ihr Inneres ist bemerkenswert. Die normannischen Herzöge, beginnend mit dem Wikinger Rollo, fanden hier ihre letzte Ruhestätte, und auch das Herz von Richard Löwenherz liegt in einem Sarkophag im Chorumgang. Er bestimmte schon zu Lebzeiten, dass sein Körper in drei Teilen und an drei verschiedenen Orten begraben werden sollte. Das imposante Langhaus ist mit Arkaden und Emporen gegliedert und mit feinsten Rosetten geschmückt, ganz ungewöhnlich ist eine steinerne Treppe im nördlichen Querhaus, die einen direkten Zugang zur Bibliothek ermöglichte.

Die Kathedrale von Rouen zählt zu Recht zu den schönsten Kirchen Europas, und von hier fällt der Blick schon auf die nächste, ganz besondere Sehenswürdigkeit der Stadt. Die Gros-Horloge, die große Uhr mit einem Durchmesser von 2,50 Metern, ist in einen Torbogen eingelassen, der die Fußgängerzone überspannt. Das heute wohl am häufigsten fotografierte Gebäude von Rouen stellte zur Zeit seiner Beauftragung ein Prestigeobjekt der Bürgerschaft dar. Seit über 500 Jahren zeigt die kunstvoll gefertigte astronomische Uhr fortwährend die Zeit an. Im angeschlossenen Beffroi, dem Stadtturm aus dem 14. Jahrhundert, wird dieses älteste Uhrwerk Frankreichs, sein Mechanismus und das Leben damals per Audioguide sehr gut erklärt.

Mit ihren uralten, teils schiefen und überhängenden Fachwerkhäusern führt die Shoppingmeile Rue du Gros Horloge nach wenigen Schritten zum Vieux Marché. An diesem ehrwürdigen Platz, dessen Pflaster teilweise original erhalten wurde, ist Jeanne d’Arc, die Jungfrau von Orléans, auf einem Scheiterhaufen verbrannt worden. Schon 1456 wurde nach ihrer Rehabilitierung ein vergoldetes Bronzekreuz an dieser Stelle errichtet, und seit 1979 lädt die ungewöhnliche Église Sainte-Jeanne-d’Arc zum Gedenken ein. Das Dach der Kirche versinnbildlicht von außen die Rauchwolken des Scheiterhaufens, das Gewölbe innen die lodernden Flammen. Eine ganz außergewöhnliche Stimmung herrscht in dieser grandiosen, modernen Kirche, deren wunderschöne Glasfenster teils aus der 1944 zerstörten Kirche St-Vincent stammen. Das Historial Jeanne d’Arc im ehemaligen Bischofspalast neben der Kathedrale erinnert auf 1000 Quadratmetern an die Geschichte und den Mythos der französischen Nationalheldin. Audioguides in deutscher Sprache machen die Ausstellung sehr gut verständlich und erlebbar.

SPECIAL

FRANKREICHS BEFREIERIN

Während des Hundertjährigen Krieges hatte Jeanne d’Arc mehrfach die Vision, dass sie Frankreich von den Engländern erlösen würde. Wie von ihr prophezeit, konnte sie Orléans 1429 befreien und Karl VII. wurde in Reims zum französischen König gekrönt. Die Befreiung von Paris jedoch misslang, Jeanne d’Arc wurde verraten und an die Engländer verkauft. Im Alter von nur 19 Jahren wurde sie am 30. Mai 1431 auf dem Marktplatz von Rouen verbrannt und ihre Asche wurde in die Seine gestreut. Bis heute wird Jeanne d’Arc, 1920 heiliggesprochen, als Befreierin Frankreichs verehrt.

Die Église Sainte-Jeanne-d’Arc am Vieux Marché beeindruckt von außen und innen.

Église Saint-Maclou im Abendlicht

Während des Stadtbummels sollte man unbedingt am Palais de Justice vorbeischlendern. Das wohl schönste Bauwerk der Stadt markiert den Übergang von der Flamboyantgotik zur Renaissance. Es wurde gegen Ende des Mittelalters auf den Überresten des ehemaligen jüdischen Viertels errichtet, das nach der Vertreibung der Juden 1306 zerstört worden war. Ganz wichtig ist noch der Spaziergang zur Église Saint-Maclou, einem der schönsten Zeugnisse der Hochgotik. Das gesamte Gebäude und auch die Fassade beeindrucken mit einer harmonischen, stilistischen Eleganz. Etwas ganz Besonderes sind die fünf fächerförmig angeordneten Portalvorbauten, durch die die lichtdurchflutete Kirche betreten wird, während abends die Église von außen eindrucksvoll illuminiert ist.

Tipp

BISOU

Das auch bei Einheimischen beliebte italienische Restaurant hat ein gemütliches Kellerambiente und einige Sitzgelegenheiten im Freien. Eine Reservierung wird empfohlen.

6 Rue Thomas Corneille,

Tel. +33 2 35 07 47 17, bisourouen.fr

Nur wenige Schritte entfernt ist Aître de Saint-Maclou einen Besuch wert. Es handelt sich hierbei um einen der letzten noch erhaltenen spätmittelalterlichen Pestfriedhöfe, an dessen kreuzgangähnlicher Galerie düstere Totentanz-Schnitzereien zu entdecken sind. Zur eigenen Erbauung gibt es erfreulicherweise im Innenhof aber auch ein nettes Café. Rouen wurde während des Zweiten Weltkriegs stark zerstört, doch glücklicherweise entschieden sich die Stadtväter nach Kriegsende zu einem behutsamen Wiederaufbau, bei dem die historische Gliederung und Bausubstanz wenn möglich beibehalten wurde. Somit wähnt man sich auch in dem ehemaligen Gerberviertel im Nordosten der Altstadt in mittelalterlicher Umgebung. Hier herrscht eine wirklich einzigartige Atmosphäre und es gibt ein legendäres Nachtleben. Ein kleiner Bach durchfließt die Rue Eau de Robec, in der sich ein Lokal an das andere reiht. 25 000 Studenten leben in Rouen – bei 110 000 Einwohnern – und hier trifft sich die Szene. Recht international geht es zu, ob man also mexikanisch, japanisch, italienisch, koreanisch oder französisch speisen will, für jeden Geschmack ist etwas dabei. Apropos Geschmack: Es gibt kaum einen authentischeren Ort, um die Spezialitäten der Normandie zu sehen, zu riechen und zu schmecken als die regionalen Märkte. Der schönste Wochenmarkt von Rouen, der »Marché Saint-Marc«, findet dienstags, freitags, samstags und sonntags ganz in der Nähe der Église Saint-Maclou statt.

Natürlich gibt es in einer Stadt wie Rouen noch viele wunderschöne Dinge zu entdecken und zahlreiche Museen zu verschiedensten Interessensgebieten stehen zur Verfügung, daher sollte jeder Besucher sein Lieblingseckchen finden. Übrigens bieten mehrere Museen in Rouen kostenlosen Zugang zu ihren Dauerausstellungen an. Hierzu und zu vielem mehr gibt das Office de Tourisme gegenüber der Kathedrale gern Auskunft.

Die Seine, die wirtschaftliche und kulturelle Hauptschlagader der Normandie, fließt durch Rouen, und der Fluss ist bis hierher sogar für Seeschiffe befahrbar. Am Ufer des Flusses haben sich zahlreiche Industriebetriebe angesiedelt, denn Rouen besitzt, obwohl etwa 120 Kilometer von der Atlantikmündung entfernt, den fünftgrößten Hafen Frankreichs. Auf einer Seine-Insel, der Île Lacroix, befindet sich der offizielle Wohnmobilstellplatz, von dem das Zentrum nach 25 Minuten zu Fuß erreicht ist.

IM TAL DER SEINE

Les Andelys liegt etwa 40 Kilometer südlich von Rouen und wer Zeit und Lust hat, kann die gesamte Strecke direkt an der Seine entlangfahren, die hier in großen Schleifen durch die Normandie mäandert. Am rechten Seine-Ufer ist der pittoreske Ortsteil Petit Andely angesiedelt, der mittels einer Brücke mit der anderen Flussseite verbunden ist. In diesem landschaftlich besonders reizvollen Seine-Tal, umgeben von beeindruckenden Kalksteinfelsen, drei Seen und viel Grün, stehen dem Wohnmobilisten nicht nur sehr schöne Wander- und Fahrradwege zur Verfügung, sondern auch gleich drei Campingplätze.

In der Rue Eau de Robec finden sich viele urige Lokale.

Der pittoreske Ortsteil Petit Andely zwischen Seineufer und Kalksteinfelsen

Dominiert wird die Region von den imposanten Ruinen des Château Gaillard, das nachts sehr ansprechend illuminiert ist.

SPECIAL

EINE WICHTIGE LEBENSADER

Die Seine ist mit 775 Kilometern der drittlängste Fluss Frankreichs und sie verbindet die beiden wichtigsten Binnenhäfen Paris und Rouen. In ungewöhnlich großen Schleifen und vorbei an teils beeindruckenden Kreidefelsen windet sich die Seine durch die Normandie, bis sie schließlich bei Le Havre in den Ärmelkanal mündet. Entlang der abwechslungsreichen Flusslandschaft sind ab dem Mittelalter bedeutende Abteien, Burgen und Schlösser entstanden, im Unterlauf der normannischen Seine erstreckt sich ein 81 000 Hektar großer Naturpark durch sattgrüne Wiesen und vorbei an idyllischen Gärten.

Die mächtige Befestigungsanlage thront auf einem Felsvorsprung mit weitem Blick in die Umgebung. An diesem strategisch gut gewählten Standort ließ Richard Löwenherz, König von England und Herzog der Normandie, zur Sicherung seines Reiches 1196 in nur einem Jahr eine Burg erbauen. Die Mauern des Bergfrieds waren 5 Meter dick und für die Wasserversorgung im Falle einer Belagerung wurde ein 120 Meter tiefer Brunnen in den Kalksteinfelsen geschlagen.

Wer nur eine kurze Besichtigung des Château Gaillard geplant hat, kann direkt den schönen Picknickplatz anfahren, von dem sich ein toller Blick über das Tal der Seine bietet und von dem die Burg in nur wenigen Schritten erreicht ist (49.239221, 1.406308; Achtung: Abfahrt unbedingt beachten).

RICHARD LÖWENHERZ UND DIE NORMANDIE

Eine der wichtigsten Herrschergestalten des Mittelalters ist Richard Löwenherz, und er wird uns auf dieser Reise durch die Normandie noch häufiger begegnen. Im Jahre 1189 erbte er nach dem Tod seines Vaters Heinrich II., König von England, Herzog der Normandie und von Aquitanien sowie Graf von Anjou, nicht nur die Titel, sondern auch ein Herrschaftsgebiet, das sich von England bis an die Pyrenäen erstreckte. Damit war Richard mächtiger als der französische König Philipp II., dem er als Herzog allerdings den Lehenseid schwören musste. Zusammen mit dem König begab sich Richard 1190 auf einen Kreuzzug, um das Heilige Land von den Sarazenen zu befreien. Schon zu Lebzeiten wurde Richard zu einer Legende, denn er war ein äußerst mutiger Krieger auf dem Schlachtfeld und erreichte schnell mehrere aufsehenerregende Siege.

Unter dem Vorwand, sich um sein französisches Reich kümmern zu müssen, verließ Philipp II. August ein Jahr später die Kreuzfahrer, 1192 schiffte sich auch Richard für die Heimreise ein. Nach einem Schiffbruch versuchte er, als Kaufmann verkleidet, das Heilige Römische Reich zu durchqueren, doch er wurde erkannt und an seinen Todfeind Leopold V. von Österreich übergeben. Der Erzherzog wiederum lieferte Richard an den Stauferkaiser Heinrich VI. aus, der dem Österreicher versprochen hatte, das zu erwartende Lösegeld von 35 000 Kilogramm Silber zu teilen. Nur mit Mühe konnte seine Mutter, Eleonore von Aquitanien, diese horrende Lösegeldforderung erfüllen, währenddessen wurde Richard auf der Burg Trifels in der Pfalz gefangen gehalten.

In der Zwischenzeit hatte der französische König Philipp II. einen Teil des normannischen Herzogtums erobert, doch entschlossen nahm Richard nach seiner Heimkehr diese Herausforderung an und schlug das gegnerische Heer zurück. Um die Straße nach Rouen abzuriegeln und die Schifffahrt auf der Seine zu kontrollieren, ließ er bei Petit Andely das Château Gaillard bauen, das zunächst als uneinnehmbar galt. Als Richard in Südfrankreich weilte, um einen Aufstand im Limousin niederzuschlagen, wurde er von einem Pfeil in die Schulter getroffen. Die Wunde entzündete sich und am 6. April 1199 starb Richard Löwenherz mit nur 41 Jahren. Sein Nachfolger wurde sein Bruder Johann Ohneland, unter dessen Herrschaft das Reich nach und nach zerfiel. Im Jahre 1204 gelang es Philipp II. sogar, Château Gaillard zu erobern, wodurch die gesamte Normandie an das Königreich Frankreich fiel. Richard Löwenherz gilt bis heute als populärster König Englands, obwohl er sein Inselreich kaum kannte und auch des Englischen nicht mächtig war.

Die mächtige Ruine des Château Gaillard wacht über der Seine.

Monets verwunschener Seerosenteich

Monets Arbeitszimmer kann besucht werden.

DAS »TOR ZUR NORMANDIE«

Weiter geht die Fahrt auf landschaftlich schöner Strecke immer an der Seine entlang gen Süden. Kurz vor der Brücke nach Vernon sei ein kurzer Stopp empfohlen (49.097824, 1.489443), um das Fotomotiv der Region nicht zu verpassen. Das Bild des kleinen Fachwerkhauses, einer ehemaligen Mühle, das auf den Pfeilern einer mittelalterlichen Brücke die Zeit überdauert hat, ist wirklich zauberhaft. Nebenan erhebt sich das Château Tourelles, das zu den Wehranlagen der alten Brücke gehörte, die Vernon und den Seine-Übergang absichern sollte.

Die 25 000 Einwohner zählende Stadt Vernon war einst das Einfallstor der Franzosen in die Normandie, und wer hier herrschte, kontrollierte die Schifffahrt auf der Seine und der Île-de-France. Von Rollo, dem ersten Herzog der Normandie gegründet, erlebte Vernon aufgrund der Lage immer wieder kriegerische Auseinandersetzungen und wurde auch während des Zweiten Weltkrieges stark zerstört. So gibt es nur noch einen kleinen Altstadtbereich rund um die Église Notre-Dame, wo mittwochs am Vormittag und samstags den ganzen Tag ein farbenfroher Wochenmarkt abgehalten wird (Parkmöglichkeit Parking de la République: 49.090590, 1.485163).

SPECIAL

DER ERSTE HERRSCHER

Rollo, der erste Herzog der Normandie, war ein Nachfahre der nordischen Wikinger, die bereits gegen Ende des 8. Jahrhunderts immer wieder mit ihren wendigen Schiffen an der Küste auftauchten, die Seine hinunterfuhren, Dörfer plünderten und später die Bevölkerung unterwarfen. Im Jahre 911 übergab der französische König Karl der Einfältige das untere Seine-Tal als Lehen an Rollo, der zum Christentum übertrat und damit als königlicher Vasall offiziell anerkannt wurde. Sein Sohn Wilhelm Langschwert vergrößerte das normannische Reich bis zum Mont-Saint-Michel.

Le vieux Moulin de Vernon ist das Fotomotiv der Region.

GIVERNY UND DER MALER CLAUDE MONET

Knapp 500 Einwohner zählt der kleine Ort Giverny, der jedes Jahr in den Sommermonaten über 600 000 Besucher empfängt. Damit liegt hier am Ufer der Epte nach dem Mont-Saint-Michel die am zweithäufigsten besuchte Sehenswürdigkeit der Normandie. Der Impressionist Claude Monet war von der schönen Landschaft um Giverny und dem Licht der Normandie so begeistert, dass er 1883 beschloss, sich hier niederzulassen. Monet machte aus seinem Garten ein Paradies voller Perspektiven, Symmetrien und Farben, die noch heute begeistern. Auf ganz bewusst regelmäßig angelegten Blumenbeeten schuf er mit unterschiedlichen Höhen Volumen und mischte die einfachsten Blumen mit seltenen Sorten – wichtig waren ihm stets die Farbkompositionen. Nach zehn Jahren kaufte Monet noch das Nachbargrundstück, auf dem er einen Wassergarten anlegen ließ. Gespeist von einem kleinen Bach und inspiriert von japanischen Gärten, entstand der nahezu verwunschene Seerosenteich, der in einem der berühmtesten Werke von Claude Monet verewigt ist.

Der Maler starb 1926 und liegt auf dem kleinen Dorffriedhof von Giverny begraben. Durch den Krieg stark in Mitleidenschaft gezogen, schenkte die Familie 1966 das Anwesen der Académie des Beaux-Arts. Maison et Jardins de Claude Monet