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Eigentlich wollte Lorenzo sich in der alten Küstenvilla verstecken. Vor seinen Eltern und vor dem Rest der Königsfamilie, die mal wieder sauer ist, weil der Prinz einen winzigen Skandal ausgelöst hat. Am Strand, wo er in seiner Jugend viele herrliche Tage verbrachte, will er zur Ruhe kommen. Ausspannen. Und vielleicht seiner ersten Liebe nachtrauern, die genau in dieser Villa in einer Katastrophe endete. Doch der skandalträchtige Prinz steht vor leeren Räumen: Diebe haben alles mitgehen lassen, was nicht angenagelt war. Der herbeigerufene Polizist ist zwar verboten heiß, aber leider auch verboten griesgrämig. Und was noch schlimmer ist: Javier ist Lorenzos erste Liebe! Wie kann der Mistkerl es wagen, hier aufzutauchen? Wie kann er es weiterhin wagen, so zu tun, als wäre Lorenzo damals an allem schuld gewesen und am schlimmsten: Wie kann er es wagen, immer noch dieses sehnsüchtige Zittern in Lorenzos Brust auszulösen? »Nur ein Bett in der Küstenvilla des Prinzen« ist eine süße, spicy Kurzgeschichte für zwischendurch. Wenn du gerade keine Zeit für lange Romane hast und einen prickelnden Lese-Snack für zwischendurch brauchst: Hier bist du richtig. Hol dir eine MM-Romance voller Verlangen, alter Wunden und Gefühle!
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Veröffentlichungsjahr: 2026
»Carajo!«, murmle ich und betrachte den leeren Raum, der sich vor mir ausbreitet.
Den leeren Raum, der eigentlich voll sein sollte, voll mit Büchern, Lampen, Kerzenleuchtern, Obstschalen, Teppichen und, nicht zu vergessen: mit Möbeln. Stattdessen sehe ich nur glänzende Bodendielen. Oh, und helle Stellen auf der Seidentapete, da, wo sonst gerahmte Bilder hingen. Immerhin riecht es noch wie früher: nach Bohnerwachs, altem Holz und der Meeresluft, die durch die geöffnete Tür hineinkommt.
Ich habe die Tür nicht geöffnet. Wer immer das war, hat keinen Schlüssel benutzt. Sie hängt schief in den Angeln und das Schloss ist halb herausgebrochen.
»Carajo«, wiederhole ich und probiere noch ein paar Schimpfwörter auf Englisch, Italienisch, Französisch, Deutsch und Latein. Eine umfassende Bildung war meinen Eltern sehr wichtig. Selbst der jüngste Sohn des Königshauses sollte mehrere Sprachen beherrschen. Meine Heimat Topera ist zwar das kleinste Königreich in Südeuropa, aber auch das reichste, und meine Eltern bestehen darauf, das zu zeigen.
Meine Schritte hallen durch die leeren Zimmer, als ich den großen Salon durchquere, mich in Küche, Flur, Wintergarten, dem Kaminzimmer und dem Rest der unteren Etage umsehe. Alles ist leer. Sogar die Pflanzen aus dem Wintergarten sind weg. Nur etwas verstreute Erde zeugt davon, dass sie hier einst prächtig gewuchert sind. Ich erinnere mich noch daran, wie ich als Kind zwischen den Palmen hindurch gerannt bin, auf dem Weg zum Garten und dann zum Meer, das ich durch die hohen Scheiben sehen kann. Ich habe es geliebt, hier zu sein. Lange. Bis zu jenem Spätsommer vor über zehn Jahren.
»Mist.« Etwas ratlos stemme ich die Hände in die Hüften und betrachte die Wellen, die am Ende des Gartens an den zuckerweißen Strand spülen. Dann betrachte ich den Riss, der sich durch eine der Glasscheiben vor meiner Nase zieht. Vielleicht ist den Dieben einer der Palmenkübel aus den Händen gerutscht und dagegen gefallen?
Wer sie wohl sind? Eine geniale Einbrecherbande, die sich nicht scheut, die Villa der königlichen Familie auszurauben? Eine zusammengewürfelte Truppe, die den Coup ihres Lebens gelandet hat? Ich stelle es mir reichlich romantisch vor, unsere Küstenvilla auszurauben.
Nun.
»Was jetzt, Lorenzo?«, frage ich mich. »Was tut man, wenn man ausgeraubt wurde?«
Vermutlich ruft man die Polizei. Aber ich will nicht die Polizei rufen. Ich bin hergekommen, um mich zu verstecken, und eigentlich sollte niemand erfahren, wo ich bin.
Eigentlich.
Andererseits ist es unangenehm, sich in einer komplett leeren Villa zu verstecken. Wo soll ich schlafen, wenn ich kein Bett habe? Die Dielen sehen sehr unbequem aus und eigentlich hatte ich vor, an einem Tisch zu frühstücken.
Mamá wird alles andere als begeistert sein, dass der Tisch verschwunden ist. Er hat einst ihrem Urgroßvater gehört und schon der hat dort morgens seine Tortilla de patatas gegessen.
Seufzend hole ich mein Handy heraus und rufe sie an. Während ich auf das Freizeichen warte, öffne ich die Tür des Wintergartens und trete in die frische Brise hinaus. Bald ist Weihnachten und hier an der Küste klettert das Thermometer nur noch selten über 18 Grad. Ich schließe die Augen, rieche den Wind und werde in die Vergangenheit katapultiert. Nirgends riecht es wie hier. Die salzige Luft, der harzige Duft der Schirmkiefern, der würzige des Salbeis im sanften Wind, der mein Gesicht streichelt. Schon als ich ganz klein war, roch es hier so, und auch später.
Ich schlucke. Eine Erinnerung schießt empor wie ein Korken unter Wasser: warme Hände, die über meine nackte Brust streichen und mir eine wohlige Gänsehaut verursachen. Eine raue Stimme, die in mein Ohr flüstert.
Dein Herz schlägt so schnell.
Natürlich hat mein Herz schnell geschlagen, schließlich …
»Lorenzo«, sagt Mamá und verjagt die bittersüße Erinnerung. »Wo in aller Welt bist du?« Ihre Stimme ist ruhig, aber ich höre den scharfen Unterton.
»In Paz del Mar.« Ich räuspere mich.
»Und warum bist du in Paz del Mar?« Ich höre ein erzwungenes Lächeln. »Du solltest in Madrigal sein und eine Pressekonferenz abhalten, um die Wogen zu glätten.«
Ich habe aber keine Lust, irgendwelche Wogen zu glätten. »Ich dachte, ich verstecke mich lieber und warte, bis die Wogen sich von alleine geglättet haben. In Paz del Mar.«
Sie schweigt. Als sie schließlich spricht, ist ihre Stimme so ruhig und melodisch, dass ich beinahe Angst bekomme. »Ist dir klar, was für einen Skandal du verursacht hast? Unsere Anwälte arbeiten Tag und Nacht, um dieses Buch aus dem Handel zu bekommen oder wenigstens die schlüpfrigen Passagen streichen zu lassen. Du musst eine Pressekonferenz abhalten und erklären, dass dieser Mann nichts als Lügen verbreitet.«
Das tut er nicht. Was mein Ex-Lover in seinem Buch über mich erzählt, ist nichts als die Wahrheit. Eine Wahrheit, die niemals ans Licht der Öffentlichkeit hätte dringen sollen und es auch jahrelang nicht getan hat. Als unsere Affäre begann, waren wir noch auf der Uni. Und ja, es war eine ziemlich wilde Affäre, die reichlich Futter für die Klatschpresse und jeden mit einem TikTok-Account bietet.
»Ich dachte nicht, dass er das öffentlich macht«, sage ich zum wiederholten Male. »Aber er sagt die Wahrheit.«
»Lorenzo.« Sie klingt, als hätte sie Kopfschmerzen.
»Es ist nun mal so.« Ich hätte nie gedacht, dass Marino mir Schwierigkeiten machen würde. Damals war er genauso interessiert daran, unsere Affäre zu verbergen wie ich. Damals hatte er bereits eine Verlobte, einen Platz in der Firma seines Vaters und eine vielversprechende Karriere in der Politik vor sich.
Leider hat die Verlobte ihn verlassen, als die Firma seines Vaters pleite ging. Und seine vielversprechende Karriere in der Politik endete abrupt, als herauskam, dass er seine Abschlussarbeit nicht selbst geschrieben hatte. Danach hat er sich darauf verlegt, durch die Talkshows zu hüpfen und seine Autobiografie anzukündigen. Seine Autobiografie, in der ich eine bedeutende Nebenrolle spiele. Natürlich tue ich das. Eine Affäre mit einem Prinzen bringt einen wohl schneller auf die Bestsellerlisten als eine mit einem … keine Ahnung. Einem Lehrer? Also, es sei denn, man war zum Zeitpunkt der Affäre noch ein Schüler.
»Lorenzo«, sagt meine Mutter. »Du wirst alles abstreiten, ist das klar?«
»Es ist die Wahrheit«, sage ich und gehe langsam über die Steinplatten zum Strand. Der Ozean breitet sich vor mir aus und trotz der Umstände werde ich ganz ruhig. Meine Gedanken ordnen sich. Das Chaos in mir steht einen Moment lang still. So war es immer, wenn ich hier war, und ich frage mich, warum ich nicht mehr hergekommen bin.
Oh, richtig.
Marino war nicht die einzige fatale Affäre meines Lebens, und ganz sicher nicht die erste. Die erste war so niederschmetternd, dass selbst ein öffentlicher Skandal daneben verblasst.
