Nur ein Kuss, Mr. Perfect? - Sarah Veronica Lovling - E-Book

Nur ein Kuss, Mr. Perfect? E-Book

Sarah Veronica Lovling

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Beschreibung

Annabell ist Model und will nach einer traumatischen Erfahrung mit leidenschaftlichen Gefühlen nichts zu tun haben. Männer spielen in ihrem Leben keine Rolle, außer, sie kommandiert sie herum, wie den Hausmeister Jon. Der dagegen hasst nichts mehr als… Models. Die beiden scheinen wie Feuer und Wasser, doch als sie sich kennenlernen, werden sie überraschend zu Freunden und Jon wird Annabells -platonischer- Mr Perfect. Kann das tatsächlich gut gehen…? Nicht nur Annabells beste Freundinnen Caroline und Sandra fragen sich, wann aus Freundschaft endlich Liebe wird. Und wirklich: Es erwischt sie mit der vollen Wucht der Gefühle, und sie treiben auf einer Welle der Leidenschaft. Doch als die Schatten der Vergangenheit drohen, einen Keil zwischen sie zu treiben, braucht Jon seine ganze Kraft und Liebe, und Annabell all ihren Mut… Ein sexy-fröhlicher Roman voller Romantik und knisternder Erotik!

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Seitenzahl: 242

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Sarah Veronica Lovling

Nur ein Kuss, Mr. Perfect?

Liebesroman

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Nur ein Kuss, Mr. Perfect?

1. Kapitel

2. Kapitel

3. Kapitel

4. Kapitel

5. Kapitel

6. Kapitel

7. Kapitel

8. Kapitel

9. Kapitel

10. Kapitel

11. Kapitel

12. Kapitel

13. Kapitel

14. Kapitel

15. Kapitel

16. Kapitel

17. Kapitel

18. Kapitel

19. Kapitel

20. Kapitel

21. Kapitel

22. Kapitel

23. Kapitel

24. Kapitel

25. Kapitel

26. Kapitel

27. Kapitel

28. Kapitel

29. Kapitel

30. Kapitel

31. Kapitel

32. Kapitel

33. Kapitel

34. Kapitel

Epilog

Danksagung

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Leseprobe „Ja, Mr. Blue Eyes“

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Leseprobe „Über Nacht, Mr. Zoom?“

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Leseprobe „Träume sind zum Lieben da“

Über die Autorin

Impressum neobooks

Nur ein Kuss, Mr. Perfect?

Anmerkung

 Die Handlung, der Ort und die Personen dieses Romans sind frei erfunden. Eventuelle Ähnlichkeiten zu realen Personen und Begebenheiten sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

1. Kapitel

Nein. Nicht schon wieder. Doch bevor er diesen Gedanken zu Ende führen konnte, klingelte es erneut an der Tür, diesmal lauter und nachhaltiger als zuvor. Verdammt. Er musste sich eine neue Türklingel zulegen, unbedingt. Diese hier brachte ihn irgendwann nochmal ins Grab. Schrill und kreischend, mit einem Ton, bei dem er stets erwartete, sein spärlicher Besitz an Gläsern würden zerspringen, fraß sich das Geräusch in sein müdes Hirn. Jonathan erhob sich ächzend von seinem Sofa, auf dem er nur Minuten zuvor in ein unruhiges Nickerchen gefallen war, und beeilte sich, zur Tür zu gelangen, bevor Mrs Connor erneut klingeln konnte. Noch einmal konnte er das nicht ertragen, nicht heute… Und dass es Mrs Connor war, stand außer Frage. Manchmal hatte Jon das Gefühl, dass sie, und nur sie es schaffte, die Türglocke besonders gemein klingen zu lassen – und sie machte weiß Gott oft Gebrauch von dieser besonderen Fähigkeit. Doch dass er öffnen würde, war klar, denn er musste es. Es war schließlich sein Job. Jonathan war der Concierge dieser Luxuswohnanlage, in der unter anderem besagte Mrs Connor wohnte, nein, residierte, wie sie es selbst einmal formuliert hatte. Das Wort „residieren“ hatte er daraufhin in seinen aktiven Wortschatz aufgenommen, ebenso wie seine Berufsbezeichnung als „Concierge“. Er selbst hatte sich schlicht als „Hausmeister“ betitelt und war daraufhin von Mrs Connor mit einem vernichtenden Blick gestraft worden. „Hausmeister“, hatte sie sein eigenes Wort wiederholt und den Mund verzogen, als habe allein schon das Aussprechen des Begriffs ein ekelhaftes Gefühl auf der Zunge hinterlassen, „einen Hausmeister hat unsereins nicht… Sie sind Concierge“, hatte sie betont und es ernst und in doppelter Lautstärke wiederholt. „Ein Concierge in unserer Residenz…und wer so viel Geld dafür ausgibt wie ich, mein Junge“, hatte sie ihn wissen lassen und seine Wange getätschelt, als sei er sieben Jahre alt, „der will auch was davon haben!“ Schon mehr als einmal hatte Jonathan voller Überzeugung gedacht, dass er nun wirklich alles in Mrs Connors Wohnung bereits repariert, ausgetauscht, geölt oder anderweitig instandgesetzt habe – um dann nur kurz darauf eines Besseren belehrt zu werden. Es war wie verhext. Gut, eigentlich war sie eine ganz nette ältere Dame, aber sie war wirklich anspruchsvoll. Sie rief ihn in den seltensten Fällen, weil etwas kaputt war. Meistens war der Wasserdruck zu niedrig (oder zu hoch), das Licht zu dunkel (oder zu hell), die Klimaanlage musste umprogrammiert werden (zu kalt, zu warm, zu stark, zu schwach), oder… irgendwas fiel ihr immer ein. Er hatte sich bereits gefragt, ob die alte Dame nicht schlicht und einfach Langeweile hatte. Sie bekam nie Besuch, und ihr Tagesablauf schien immer gleich zu sein. Und ein Teil ihres Tagesablaufs war, Jon mit irgendeiner dringenden Angelegenheit auf die Nerven zu fallen. Vorzugsweise abends oder Sonntag morgens.

Jetzt war es Abend, und zwar Montagabend, der schlimmste der ganzen letzten Woche. Jonathan hatte den Plan gehabt, am Wochenende die Zählerstände der Heizungen in allen 48 Wohnungen abzulesen, zum ersten Mal, seit er vor fünf Monaten diesen Job angenommen hatte. Mal eben die Zähler ablesen, hatte er sich gedacht, und dann mit Jason, seinem älteren Bruder, in ihren Lieblingspub gehen. Doch daraus war nichts geworden. Das ganze Wochenende hatte er geklingelt, geklopft, war wieder weggeschickt worden. „Gerade passt es mir so gar nicht“, hatte er x-Mal gehört. Toll. Dabei hatte er alle Mieter im Vorfeld darüber informiert. Aber sein so privilegiertes Klientel nahm sich eben das ein oder andere heraus. So war er in den seltensten Fällen hereingebeten worden, um einfach nur seine Arbeit erledigen zu können. Irgendwann hatte er angefangen, Termine zu vergeben – lächerlich, aber nötig, sonst wäre er niemals fertig geworden. Und so hatte er an diesem so anstrengenden Wochenende nichts anderes getan, als Zählerstände abzulesen, und er hatte sogar den ganzen Montag dranhängen müssen. Seine Verabredung mit Jason hatte er absagen müssen, und für die Uni hatte er mal wieder auch nichts getan. Aber immerhin hatte er jetzt fast alle Mieter persönlich kennengelernt. Manche, wie Mrs Connor, nahmen ihn ja sehr regelmäßig in Anspruch, aber es gab auch einige, die er bisher kaum oder sogar noch nie gesehen hatte. Die Reichen, hatte ihn die Geschäftsführerin der Firma, der die Wohnanlage gehörte, informiert, blieben gern für sich. Und so war er zum ersten Mal in der Wohnung des Sohns eines Ölscheichs gewesen, der sie aber nur etwa ein-bis zweimal im Jahr nutzte, um die hiesige Niederlassung zu besuchen, hatte eine ehemalige Schauspielerin kennengelernt, die im Rollstuhl saß, aber immer noch ganz Dame von Welt war und dann auch noch einen Schönheitschirurgen, der gerade dabei gewesen war, einer jungen, völlig faltenfreien Frau Botox zu injizieren, mitten in seiner Wohnung! Nur ein einziger Zähler fehlte ihm jetzt noch. Er hatte mindestens ein Dutzend Mal an der Tür von 27D geklingelt und hatte dann aufgegeben. Er war ausgelaugt und todmüde, dort würde er es am nächsten Tag noch einmal versuchen. Und so hatte Jon schlussendlich sein Tagwerk beendet und war halbtot aufs Sofa gefallen. Bis jetzt. Er stöhnte, rappelte sich auf und eilte zur Tür, um Mrs Connor zu Diensten zu sein.

2. Kapitel

„Anna!“, hörte sie die Stimme des Fotografen nach ihr rufen. Jetzt geht das schon wieder los… Annabell hüllte sich in ihren zarten, himmelblauen Kimono, knotete den Gürtel zu und schlüpfte schicksalsergeben in ihre Tigerpuschen. Selina, die Stylistin, schaute sie von der Seite an und grinste. „Aha, Anna, immer noch derselbe Look?“ Sie hatten bereits einige Male zusammengearbeitet, und Annabell mochte die immer gut gelaunte, humorvolle Frau. Selina hatte gut und gerne 20 Kilo Übergewicht, viel zu große Vorderzähne, aber sie lachte unentwegt und war daher nach Annabells Meinung eine der hübschesten Frauen, die sie kannte. Ihre Augen blitzten nur so vor Lebensfreude, und sie war ein Genie als Visagistin. Und darüber hinaus eine großartige Beobachterin. „Ja, Sel, die Tigerpuschen sind und bleiben ein Muss!“ Annabell lachte selbst über ihre Pantoffeln. Aber nur so konnte sie Jobs wie diesen aushalten. Das Werbeshooting, für das man sie diese Woche gebucht hatte, war ein klassisches Strandshooting – Sand, Felsen, Wellen und eine fast nackte, attraktive junge Frau. Welche in diesem Fall natürlich sie selbst war, Annabell Jenkins. Alles passte zusammen, außer… das Wetter. Was kalendarisch gesehen völlig in Ordnung ging, denn es war Februar. Der Strand war wunderschön, die Sonne schien, aber es war eben… saukalt. Eine Tatsache, die den Verantwortlichen für die Werbekampagne natürlich völlig egal war. Natürlich, dachte Annabell säuerlich. Ihr seid es ja auch nicht, die hier halbnackt bei 10 Grad rumhüpfen müssen, nicht wahr? Daher hüllte sich Annabell so sorgfältig ein, wie sie konnte. Die Tigerpuschen gingen ohnehin mit auf jedes Shooting, und sie hatten sie bisher noch nie im Stich gelassen. So stapfte Bella auch jetzt mit ihren heißgeliebten Pantoffeln über den kalten Sand. Kalter Sand, hatte sie schnell herausgefunden, war schlimmer als alles andere, denn er kroch zwischen die Zehen, erreichte jede Nervenendigung… Verdammt, warum konnte es denn nicht wenigstens, nun, April sein, oder besser noch, Mai? Und überhaupt, was wollten sie überhaupt am Strand? Bella schüttelte entnervt den Kopf. Als ihre Agentur sie über das Shooting informiert hatte, hatte sie angenommen, es ginge um etwas Gängiges wie ein neues Deodorant, Haarpflege oder so etwas. Das hätte wenigstens irgendetwas mit dem Thema Strand zu tun und könnte erklären, warum sie hier im knappsten Bikini der Weltgeschichte über die Felsen hüpfte, die malerisch in der – eiskalten – Brandung lagen. Aber nein… es gehe um eine neue Autopolitur, hatte man sie aufgeklärt. Autopolitur? Was zum Teufel…? Mal absehen davon, dass Annabell in ihrem ganzen Leben noch nie ein Auto poliert hatte – und sie beabsichtigte auch nicht, das zu ändern – was hatte ein Auto hier am Strand verloren? Zudem sie weit und breit keines entdecken konnte. Sie verstand, wieder einmal, die Welt nicht mehr, und zum x-ten Mal beschloss sie, wenn ich mal nicht mehr modele, mache ich etwas aus mir… nur, nie die Werbebranche! Sie verfügte über jede Menge kreative Phantasie, aber welches Hirn eine Autopoliturwerbung am Strand erdacht hatte, ging über ihren Horizont. Aber egal. Sie war nicht hier, um eine eigene Meinung zu dem Werbedreh zu haben, geschweige denn, Kritik zu üben – sie sollte lediglich schön aussehen, und möglichst grazil über die Felsen springen. Später würde sie noch ein paar Worte sagen müssen, mit einer Flasche der ach-so-wundervollen Lackpflege in der Hand. Sie würde es tun, so wie immer, und sie würde es gut machen. Schließlich war das ihr Job.

„Anna, beeil dich, das Licht ist gerade perfekt!“ Aidan, der Fotograf, riss sie aus ihren Gedanken. Missbilligend sah er sie an. „Warum hast du diese Dinger“ – mit einer angewiderten Geste deutete er auf ihre Pantoffeln, als seien sie giftig, oder so etwas – „immer noch an?“ Damit ich nicht erfriere, du Idiot, antwortete Annabell, aber nur in Gedanken. Sie hatte zu Anfang ihres Modellebens sehr schnell gelernt, dass ihre Meinung niemanden interessierte, und sich öfters bereits gut daran getan, diese nicht zu äußern – zumindest nicht laut. Wenn, dann nur gegenüber ihren Freundinnen, Sandra und Caroline. Die hatten – Gott sei Dank! – rein gar nichts mit dem Modelbusiness zu tun, und so konnte Bella bei ihnen immer sagen, was wirklich in ihr vorging. Das war ein wirklicher Segen, fand Annabell. Sie konnte über nervige Modelkolleginnen lästern und sich über pingelige Fotografen beschweren, verrückte Anekdoten loswerden, ohne dass sie ein Blatt vor den Mund nehmen musste. Die beiden lachten sich regelmäßig kaputt über Annabells Geschichten. Sandra und Caro waren ihre Freundinnen seit der Schulzeit, und sie standen sich sehr nahe. Ihr Ruhepol, ihr Anker, um in der Realität zu bleiben und nicht komplett von dem Irrsinnsgeschäft des Modelns aufgesogen zu werden. Sie liebte die beiden, als seien sie Schwestern, und wenn sie sich mal eine Weile nicht sahen, texteten sie sich doch regelmäßig. Auf der Arbeit hielt sie sich meist bedeckt, und tat, was man von ihr verlangte. Bei den Fotografen und den Werbeleuten war sie daher beliebt – sie hatte sich ihren Ruf lange erarbeitet. Sie war pünktlich, zuverlässig und diszipliniert. Sie rauchte nicht, sie trank nicht, wenn sie am Tag darauf ein Shooting hatte, und sie war noch nie aus der Rolle gefallen. Wenn ein Kunde sie buchte – für viel Geld – bekam er etwas dafür, denn sie war ein Profi. Unter den anderen Models hingegen hatte sie den Ruf, arrogant und eingebildet zu sein. Sie erschien zwar immer zu den einschlägigen Partys, das gehörte schließlich zum Spiel mit dazu, aber sie feierte nie ausgelassen mit. Meistens ging sie, dekorativ ein Champagnerglas in der Hand haltend, herum und knüpfte Kontakte, flirtete hier und da. Und so schnappte sie vielen anderen mit Leichtigkeit die Jobs vor der Nase weg. So wie diesen hier. Eigentlich hatte das Werbeteam der Autopolitur eine Blondine gewollt – doch kaum war die elegante, schwarzhaarige Annabell als flirtender Vamp auf sie zugekommen, waren sie eingeknickt und hatten sich umentschieden. Und deshalb stand sie jetzt hier, schlüpfte aus ihren geliebten, warmen Puschen, um mit betont gelassener Miene, jetzt barfuß, ihren Kimono aufzuknoten. Aidans Laune schien sich augenblicklich zu bessern. „Na gut, Anna“, sagte er, jetzt lächelnd, „ab in die Fluten mit dir!“

Zwei Stunden und ungefähr drei Millionen Posen später hatte sie es hinter sich. Annabell winkte Aidan hinterher, der filmreif auf seinem Motorrad davonbrauste. Sie hatte sein Angebot abgelehnt, sie noch zurück ins Hotel zu bringen. Erstens, weil sie selbst mit dem Auto da war – ihr kleiner Mietwagen wartete auf dem Parkplatz auf sie – und zweitens, weil sie Aidan kannte. Er war nett, echt nett, zugegeben, aber er hatte es bereits das… nun ja… ein oder andere Mal bei ihr versucht. Und nicht nur bei ihr. Das wusste sie, weil sie hinschaute, und hinhörte. Das taten nicht alle ihrer Modelkolleginnen. Und so hatte Aidan eben, genau, die ein oder andere bereits abgeschleppt. Und das wollte Annabell nicht. Ansonsten war der Tag so gut verlaufen, wie es bei den erbärmlichen Temperaturen und dem sinnfreien Skript überhaupt möglich gewesen war. Sie hatten heute die komplette Printwerbung geshootet, so dass sie morgen nur noch den Dreh für die Fernseh- und Onlinewerbung vor sich hatten – perfekt. Das hieß, sie wäre schon übermorgen, am Montag, wieder zuhause, und es würde kein weiterer Drehtag drangehängt werden müssen – das liebten die Produzenten, die Fotografen, die Stylisten, die Models… kurz gesagt, alle, und am allermeisten die Oberbosse, deren Geld das ganze kostete. Annabell hatte sich den Ruf erworben, hoch professionell und effizient zu arbeiten, und das wusste man in der Szene zu schätzen. Und auch dieses Mal würde sie niemanden enttäuschen.

3. Kapitel

Am nächsten Tag, nach stundenlangen Drehs für den Werbespot, wollte Annabell nur noch eins – nach Hause. Der Atlantik war nicht wärmer geworden, und den Werbeslogan hatte sie so oft wiederholt, dass sie befürchtete, ihn niemals wieder aus dem Kopf zu bekommen. „MegaShine – lassen Sie Ihr Auto strahlen!“, hatte sie gefühlt tausende Male enthusiastisch gerufen und eine Flasche des Wundermittels in die Kamera gehalten. MegaShine, verdammt, davon werde ich heute Nacht in meinem Bett bestimmt sogar träumen… Doch Sehnsucht breitete sich in Annabell aus. Ihr Bett, ihr Zuhause. Ihr Heim war eine große Wohnung in einer noch recht neuen, nun ja, Residenzfür die gehobenen Ansprüche (so hatte es damals in der Werbebroschüre gestanden), und sie hatte sie erst vor knapp zwei Jahren bezogen. Sie hatte noch immer die Worte ihres Vaters im Ohr, der ihr geraten hatte, erst alles zusammenzusparen, und dann erst eine Wohnung zu kaufen… „Bella, mein Schatz, verschulde dich niemals!“ Einfach war ihr Elternhaus gewesen, aus bescheidenen Verhältnissen. Viel Geld war nie da gewesen, Not aber auch nicht. Ihre Eltern waren sparsame, fleißige, rechtschaffene Leute. Auch jetzt, als Annabell mehr als gut verdiente, trauten sie dem Braten noch nicht so recht. Und so hatte Annabell fast vier Jahre lang wie eine Besessene gearbeitet, war von Jahr zu Jahr erfolgreicher geworden, und hatte immer noch bei Mama und Papa im Kinderzimmer gewohnt. Heute schmunzelte sie darüber, aber auch sie selbst war der Meinung, dass es richtig und wichtig gewesen war. Sie hatte mehr und mehr verdient, aber immer das meiste zur Seite gelegt. Vorsichtige Versuche, ihre Eltern zu unterstützen, waren meist gescheitert. „Wir haben doch alles“, pflegten sie zu sagen. „Es fehlt uns an nichts.“ Das einzige, was sie Annabell nach viel Hin und Her dann doch erlaubten, war, ihnen eine Urlaubsreise zu schenken – sowohl ihre Mutter als auch ihr Vater träumten schon seit Jahren davon, eine Kreuzfahrt zu machen. Kleinere Urlaube waren immer mal wieder möglich gewesen, aber eine derartige Ausgabe war einfach undenkbar gewesen. Und so hatte Annabell ihren Eltern zur Silberhochzeit eine Kreuzfahrt durch die Karibik geschenkt, mit allen Extras und Schikanen. Überglücklich waren sie abgereist, und noch glücklicher zurückgekommen. „Kind, es war wunderbar!“, hatten sie gejubelt, aber noch im gleichen Atemzug hinzugefügt, „Wir sind so froh, wieder zuhause zu sein!“ Bella hatte gegrinst und sich mit ihnen gefreut. Typisch. Sie schenkte ihren Eltern eine Luxus-Reise, und sie sehnten sich nach ihrer kleinen Wohnung mit den abgewohnten Möbeln… Dennoch, sie sahen gemeinsam die Fotos an, schwelgten in Urlaubserinnerungen, noch Jahre danach. So waren sie eben. Und nach vier Jahren erfolgreicher Modeltätigkeit und Sparsamkeit hatte Annabell dann, nun ja, richtig viel Geld angespart – genug, um sich Apartment 27D zu leisten.

Und sie genoss es. Ihr Apartment, ihr Zuhause. Sie hatte sich bei ihren Eltern ihr Leben lang wohl gefühlt, aber in den letzten Jahren mehr und mehr Sehnsucht nach den eigenen vier Wänden gehabt. Einen Rückzugsort vor dem stressigen Modeldasein, eine Insel der Ruhe in ihrem zumeist hektischen Alltag. Und das war es geworden. Mit viel Liebe zum Detail hatte sie eine wirklich gemütliche Wohlfühloase geschaffen, in der sie sich pudelwohl fühlte. Hier konnte sie sein, wer sie wirklich war – nicht „Anna“, das coole Model, sondern Bella, die alte Möbel liebte, viele Kissen, und noch mehr Schnickschnack. Hier reihte sie in ihrer Küche Tee an Tee, sammelte alte Kannen, die sie in beleuchteten Vitrinen zur Schau stellte – viel besser als diese schreckliche moderne Kunst, die sich manche ihrer Modelkolleginnen ins Zimmer hängten, fand sie - und hängte Vorhänge auf, die sogar Sandra kitschig fand. Und sie hatte ihre Wohnung ganz anders aufgeteilt als üblich. Sie hatte einen separaten Eingangsbereich, der „Model“ schrie – ein großer Raum, ganz in schwarz-weiß gehalten, mit einem Schreibtisch mit Computer und allem Drum und Dran, dazu einer hypermodernen, aber völlig unbequemen Sitzecke und einer kleinen Bar mit Theke. Dort gab es einen Kühlschrank voller Mineralwasser verschiedenster Quellorte, teils mit „Heilsteinen“ angereichert – für Annabell der reinste Unfug – und Champagner in rauen Mengen, dazu eine Kaffeemaschine, die aussah, als wäre sie im ersten Leben die Kommandozentrale eines Raumschiffs gewesen. Diese Maschine gab klang- und lichteffektreich vor, einfach alles zu können. Annabells kaffeeverrückte Freundin Sandra hatte vor den scheinbar lebenswichtigen Entscheidungen Schaummenge: wenig-mittel-viel, Schaumkonsistenz: fein-dicht-light, Koffeingehalt: 1-10 (was bedeutete 10? 48 Stunden Wachgarantie?) und weiteren diffizilen Fragen aus den Bereichen Herkunftsland, Temperaturauswahl und Sirup (Geschmacksrichtung – Zuckergehalt – Menge) allerdings schnell kapituliert und sich in Annabells eigentlicher Küche einen altmodischen Filterkaffee zubereitet – darüber lachte Bella heute noch, besonders über ihren geknurrten Kommentar, „Brauche ich jetzt etwa ein Diplom zum Kaffeekochen?“. Dennoch – jeder Besucher, ob Gast oder beruflich, betrat dieses durchgestylte, mondäne Refugium. Und die meisten blieben dort, denn so war es von Bella gedacht. Nur Freunde, also Sandra und Caroline, und ihre Eltern, durchquerten dieses Zimmer und betraten durch eine in die Wand eingelassene, unscheinbare Tür Annabells eigentliche Wohnung. Kein Modelscout, Werbetexter oder Fotograf hatte jemals einen Fuß auf Bellas geliebten Perserteppich gesetzt. Der Vorraum war zum Repräsentieren und Arbeiten da, der Rest gehörte nur ihrer Seele. Ihr Reich. Und sie machte, was sie wollte. Sie kombinierte verschiedene Stile, mischte moderne, skandinavische Designer-Möbel mit echten Antiquitäten, kaufte einen Tisch mit drei Beinen und ersetzte das vierte durch eine nachgebildete antike Säule. Sie hielt nichts von Konventionen. In einer Ecke ihres riesigen Wohnzimmers lag eine alte Matratze einfach nur auf dem Boden, bedeckt von unzähligen Kuscheldecken und Kissen, daneben eine Stehlampe und ein ganzer Haufen Bücher, teils gelesen, teils ungelesen, und alles dazwischen. Ihre Leseecke, in der sie viele Male sogar die ganze Nacht geschlafen hatte. Ihre Küche bestand aus einem riesigen, knallroten Kühlschrank (den sie sogar liebevoll und regelmäßig polierte, im Gegensatz zu ihrem Auto) und dem alten Gasherd ihrer Großmutter. Die kleineren Elektrogeräte, wie Toaster oder Mikrowelle, standen in einem Schrank mit Drahtgittertüren – früher waren dies einmal Kaninchenställe gewesen. Annabell hatte ihn einem Bauern abgekauft, ihm fünfzig Dollar in die Hand gedrückt und am nächsten Tag abholen lassen. Der Bauer hatte ausgesehen, als hätte er im Lotto gewonnen. Der Restaurationsbetrieb, der für Annabell schon vorher mehrere alte Möbel aufgearbeitet hatte, nahm sich auch diesem Projekt an. Unter Bellas Anleitung wurde aus dem ehemaligen Kaninchenstall ein extrem stabiler Schrank, zudem rot lackiert, passend zum Kühlschrank. Der Rest des Raumes bestand aus einem kleinen Bistrotisch mit Marmorplatte – Annabell frühstückte nur dort, ansonsten aß sie im Wohnzimmer – mit zwei Stühlen, original aus einem Pariser Straßencafé. Wobei aber ein Stuhl immer unbesetzt war, denn Bella frühstückte allein. Immer.

Ihr größter Stolz allerdings war ihr Badezimmer. Als sie das Apartment gekauft hatte, war das Bad der kleinste Raum gewesen. Unmöglich – zumindest für Bella. Sie liebte es - Baden, Duschen, Pediküre, Maniküre, Peelings, Haarkuren und Gesichtsmasken… Vielleicht hatte das mit ihrer Arbeit zu tun, aber Bella glaubte das nicht. „Wirst du nicht schon genug frisiert, geschminkt und so weiter?“, hatte Caroline Bella mal neckend gefragt. Bella hatte nur gegrinst und geantwortet, „Das ist nicht dasselbe.“ Denn das war es tatsächlich nicht. Das eine war ihr Job, das andere war sie. Ihr persönliches Entspannungsprogramm nach einem harten Tag. Ihre Ablenkung vom Alltag. Ihr kleines Rezept gegen die Einsamkeit. Daher konnte das Badezimmer nicht so klein sein wie ein… Schuhschrank, verdammt! Bella hatte mit dem Verwalter geflirtet, danach mit dem Besitzer. Schließlich hatte sie bekommen, was sie wollte – einen Umbau. Aus dem Bad wurde ein begehbarer Kleiderschrank, und das Schlafzimmer wurde zum neuen Badezimmer. „Und wo werden Sie schlafen?“, war sie verwundert gefragt worden, und Bella hatte nur den Kopf geschüttelt. Welcher Idiot hatte das Gesetz erlassen, man müsse in einem extra dafür vorgesehenen Raum schlafen? Das Wohnzimmer war fast achtzig Quadratmeter groß! Und so stand ihr bequemes Kingsizebett nun in einer Ecke des Wohnzimmers, an einer Seite durch eine Regalwand vom Rest des Raumes getrennt, an der anderen Seite durch einen bordeauxroten Samtvorhang. Und sie fand es einfach toll so.

An genau dieses Bett, groß, bequem und ihres, ihr eigenes, dachte Annabell, als sie aus dem Aufzug stieg und nach dem Schlüssel kramend auf ihre Wohnungstür zuging. Schlafen, das wollte sie, und zwar sofort, und zwar die ganze Nacht hindurch… es war Montagabend, zwar noch nicht allzu spät, aber sie konnte einfach nicht mehr. Der Flug zurück war unruhig gewesen, und sie hatte auch die Nächte zuvor im Hotel nicht gut geschlafen. Das ging ihr oft so. Es schien so, als könne sie nur in ihrem eigenen Bett die Ruhe finden, die sie so dringend brauchte. Nur dort fühlte sie sich sicher und geborgen, und konnte die Kontrolle abgeben, um wirklich tief zu schlafen. Sie brauchte keinen Psychologen, um den Zusammenhang zu dem… Erlebnis… von vor fünf Jahren herzustellen. Bella seufzte leise auf, als sie ihren Schlüssel fand und die Tür öffnete. In ihrem Arbeitszimmer ließ sie ihre Tasche auf die Sitzgarnitur fallen und hängte ihre Jacke auf, und als sie sich gerade die unbequemen High-Heels von den Füßen streifen wollte… klingelte es an der Tür. Verdammt. Wer war das denn jetzt?

Jon trat unruhig von einem Fuß auf den anderen, als er zum gefühlt tausendsten Mal auf die Klingel des Apartments 27D gedrückt hatte. Würde er endlich Glück haben? Gerade eben hatte er den Fernseher von Mrs Connor repariert – wobei „reparieren“ es nicht ganz traf. Die alte Dame hatte ihren TV-Schrank verschoben (warumnur, fragte sich sein müdes Gehirn) und dadurch musste sich das Kabel ein wenig gelöst haben – denn kaum, dass Jonathan schon eher halbherzig daran herumfummelte, jubelte Mrs Connor. „Er funktioniert wieder, Jonathan, Sie sind ein Genie!“ Jon hatte nur gegrinst und sich erleichtert verabschiedet. Puh. Sie hatte ihn zwar aus dem Schlaf gerissen, aber immerhin war er schnell fertig gewesen. Jetzt wollte er es eben nochmal bei 27D versuchen. Wenn er den Zähler jetzt auch noch ablesen könnte, hätte er alle, und er würde noch besser schlafen können. Und, oh Wunder, er hörte ein Geräusch, und kurz darauf wurde die Tür geöffnet! Jonathan sah auf… und erblickte die schönste Frau, die er je gesehen hatte.

Als sein Hirn sich von diesem Schock erholt hatte, versorgte es ihn mit den nötigen Informationen. Die junge Frau aus 27D war Model, wie ihm jetzt wieder einfiel. Natürlich – so, wie sie aussah... Das brachte ihn schnell wieder zu Verstand, und er blendete diese unfassbaren blauen Augen und die lackschwarze Haarmähne aus. Unwillig und arrogant hatte sie die Tür geöffnet, und als sie ihn gesehen hatte, praktisch und so uncool in seinen Blaumann gekleidet, hatte sie lediglich eine Handbewegung gemacht, als wolle sie eine lästige Fliege verscheuchen. Was er für sie sicherlich auch war. Lästig, und noch dazu unwichtig. Doch Jon wollte sich einfach nicht mehr verscheuchen lassen. Er hatte sage und schreibe 47 der Wohnungen erledigt, und er würde diese hier nicht auf morgen verschieben. Nicht, wenn diese Trulla jetzt endlich tatsächlich zuhause war! Und so blieb er hartnäckig da stehen, wo er stand, und zwar auf ihrer Türschwelle, nein, sogar einen halben Schritt dahinter. So konnte sie ihm nicht mal die Tür vor der Nase zuknallen (was ihm tatsächlich gestern einmal passiert war!), denn seine Schuhe waren im Weg, noch dazu die Arbeitsschuhe mit den Stahlkappen. Er grinste, als sie entnervt Luft holte. „Was bilden Sie sich eigentlich ein?“, hatte sie losgelegt, und er grinste noch mehr. Einen Dollar für diesen Satz, dachte sich Jon, und ich wäre an diesem Wochenende reich geworden… „Gar nichts, Miss…“ – „Jenkins!“ – „Miss Jenkins also. Ich bin Jonathan Bingly, Ihr neuer Concierge…“ Ihre Miene spiegelte nichts als Verwirrung, und jetzt kam auch noch Abwehr hinzu. Hatte sie tatsächlich überhaupt keine Ahnung, wer er war? „Sie erinnern sich vielleicht an meinen Begrüßungsbrief im…“ Wie hatte es Mrs Connor genannt, als er einfach „Eingangshalle“ gesagt hatte? Richtig – sie hatte die Stirn gerunzelt, dann die Augenbrauen gehoben und „Entrée, mein Lieber, nicht Eingangshalle!“ gesagt. Er räusperte sich und fuhr fort. „… im Entrée, mit Foto…“ – „Ich habe weiß Gott weder Zeit noch Lust, irgendwas zu lesen, nur weil es in der Eingangshalle hängt!“, konterte die immer wütender aussehende Miss Jenkins, und Jon lachte in sich hinein. Was war das denn für eine? „Nun, dann wüssten Sie, wer ich bin.“ Sie schnappte nach Luft, und noch während sie nach einer Erwiderung suchte, fügte er hinzu, „Und meinen Infobrief dazu, dass ich die Zählerstände ablesen muss, haben Sie sicher auch nicht erhalten?“ Da erhellte sich überraschenderweise die Miene der jungen Frau. Mein Gott, war sie hübsch, besonders, wenn sie, wie jetzt, ein etwas freundlicheres Gesicht machte… groß, schlank, mit diesem atemberaubenden schwarzen Haar… welches sie jetzt gekonnt über ihre Schulter warf und ihr Gesicht zu dem überheblichsten Lächeln verzog, das er jemals gesehen hatte. „Ach ja… der Hausmeister… Na dann, kommen Sie mal rein, und bringen wir es hinter uns.“

4. Kapitel

Jonathan folgte ihr in ihre Wohnung und sah sich um. 47 Wohnungen hatte er gesehen, und die meisten waren modern, teuer und durchgestylt eingerichtet gewesen, irgendwie steril und clean, chromglänzend und antiseptisch. Total ungemütlich also. Und dann gab es noch die älteren Damen wie Mrs Connor, die ihre Apartments mit dunklen, schweren Holzmöbeln, Perserteppichen, echt goldenen Griffen und anderem Pomp überluden. Beides nicht sein Fall. Jons kleine Wohnung im Untergeschoss der Anlage – einer der Gründe, warum er den Job angenommen hatte, denn er brauchte dringend eine bezahlbare Bleibe, und diese hier war eine Dienstwohnung und daher im Gehalt enthalten – war praktischerweise möbliert gewesen und pragmatisch eingerichtet. Bett, Schränke, Tisch, Stühle, Sofa – fertig. Die Wohnung dieser Miss… Jenkins, oder wie sie hieß, schien in Kategorie eins zu gehören. Modern, clean, stylisch. Gar nicht Jons Geschmack. Aber er sah nur das eine Zimmer, das ihr Arbeitszimmer zu sein schien, und keinen Flur… komisch. Jon kannte die Grundrisse der Apartments so einigermaßen, und er wusste, dass es keine Ein-Raum-Wohnungen gab… außerdem sah er kein Bett, wo schlief sie also? Er sah sich unauffällig um, und, voilà, entdeckte eine in die Wand eingelassene Tür. Aha. Da ging es also noch weiter. Miss Jenkins stöckelte derweil auf ihren fürchterlichen Killer-High-Heels in eine Ecke des Raumes, an einer gigantischen Kaffeemaschine vorbei. Was Jon wieder einmal in Erinnerung rief, dass er dringend eine Kaffeemaschine brauchte. Aber nicht so eine. Würde er sich ohnehin niemals leisten können. Doch da er sich bereits seit einem Jahr mit Instantkaffee begnügte, spürte er doch einen kleinen Stich Neid… „Kann die auch Hirnscans vornehmen, oder so?“, kommentierte er flapsig und deutete auf die gigantische Maschine. „Ich denke, nicht“, antwortete Miss Jenkins schneidend, und Jon konnte ihren weiteren Gedanken beinahe hören – „…aber meine Kaffeemaschine kostet mehr, als Sie im Jahr verdienen!“ Immerhin war sie doch noch so anständig, das nicht laut auszusprechen. In der Ecke des Raumes, die sie nun erreicht hatte, hing ein Bild, irgendwelche moderne Kunst, ganz in schwarz-weiß, und dieses nahm Miss Jenkins nun von der Wand, da sich dahinter der Stromzähler verbarg. Gott, was für ein hässliches Bild. Wahrscheinlich schweineteuer, dachte Jon, aber es sah in seinen Augen so aus, als hätte es auch sein zweijähriger Neffe malen können. Er verstand die Reichen und ihren Geschmack einfach nicht. Und diese Frau mit ihren albernen Mörderstöckeln, übermäßig geschminkt und so arrogant, mit dieser sterilen Behausung, war alles andere als sein Fall. Zumal sie – ausgerechnet