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Dass das Wort „Einsamkeit“ in „Gemeinsamkeit“ steckt, spürt Anne Bindner schon seit längerer Zeit. Zwar gleicht ihr Leben auf den ersten Blick einer Erfolgsgeschichte – seit 25 Jahren ist sie mit ihrem beruflich erfolgreichen Mann verheiratet, hat drei Söhne auf die Welt gebracht, die Familie besitzt ein Haus und ist stolz auf den finanziellen Wohlstand, den sie sich gemeinsam erarbeitet hat –, ein tieferer Blick offenbart jedoch Risse in dieser Fassade: Aus Sicht Anne Bindners erschöpft sich ihre Existenz in weiten Teilen in ihren Rollen als fürsorgliche Mutter sowie brave Ehefrau und Büroangestellte ihres Mannes, Rollen, die von ihrer Familie als selbstverständlich erachtet werden und für die sie keine Wertschätzung mehr erfährt. Gleichzeitig spürt sie, dass sie mehr ist als das, dass es einen Teil in ihr gibt, der die Routine und Monotonie im Homeoffice und während der Haushaltsarbeiten hinter sich lassen will. Dieser Teil sehnt sich nach schöpferischem Spiel, Überraschung, Abenteuer und Leidenschaft. Als Sebastian Webknecht, ein Versicherungsmakler, mit dem sie geschäftlich telefoniert, in ihr Leben tritt, verändert sich alles für sie. In einer Fülle von Telefonaten, E-Mails und vor allem Chatnachrichten dehnen die beiden ihren Kontakt aus und kommen sich immer näher, ohne sich je persönlich gesehen zu haben. Hier findet Anne Bindner die Anerkennung, die ihr fehlt, erhält Komplimente und spürt die Kraft ihrer Wünsche wie unter einem Brennglas. Zwischen den beiden entsteht ein Sog aus Sympathie, Spontaneität, offenem Spiel und vor allem zunehmender sexueller Obsession. Die Erotik wird zum dominanten Akkord in der Melodie ihrer Verbindung. Bereits vor diesem Punkt steht die Frage im Raum, ob ihrer virtuellen Begegnung nicht auch eine persönliche folgen solle. Werden sich die beiden von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen? Werden ihre erotischen Phantasien in der Wirklichkeit aufgehen können, wird aus geschriebenem Wort auch nackte Tat? Und kann das vor dem Hintergrund einer grassierenden Pandemie überhaupt funktionieren?
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Veröffentlichungsjahr: 2022
Schwaben: hier Regierungsbezirk Schwaben in BayernDialekt: bayerisch-schwäbischDeutsche ErstausgabeUngekürzte Originalfassung(inklusive aller Chatnachrichten)repietan Verlag Büttner GbRSchwaiger Str. 10, 91227 LeinburgCopyright © 2022 repietan Verlag GbRAlle Rechte vorbehalteneBook-Konvertierung: Fotosatz Amann, MemmingenISBN 978-3-98231-481-5Dieses eBook ist auch als Hardcover erschienen:ISBN Hardcover 978-3-98231-480-8Bezug über den Verlag www.repietan.comoder den gut sortierten Buchhandel
Legende
Emoji
Bedeutung im Roman
Aubergine.
Männliches Geschlechtsteil.
Bibber.
Smiley blau
Frierend.
Banane.
Männliches Geschlechtsteil.
Entsetzt.
Smiley macht entsetztes Gesicht
Entsetzt.
Feuer.
Heiß. Sehr erregt.
Geliebt.
Smiley mit drei Herzchen
Geliebt, geschätzt.
Grimmig. Zerknirscht.
Smiley mit zusammengebissenen Zähnen
Grimmig. Zerknirscht.
Grins.
Smiley
Freudig. Amüsiert.
Heiligenschein.
Smiley mit Heiligenschein
Selig, unschuldig, zufrieden.
Herzchenaugen.
Smiley mit Herzchenaugen
Gefällt mir gut. Verliebt. Schätze das sehr.
Heul.
Weinender Smiley
Sehr traurig, weinend.
Honigtopf.
Weibliches Geschlechtsteil.
Knall.
Orgasmus, Höhepunkt.
Kokosnuss.
Nuss, Kokosnuss als Kosename.
Kuss.
Smiley mit Herzchenkuss
Kuss gebend. Dankbar.
Küsschen.
Smiley mit geschlossenen Augen gibt Kuss
Liebevoll Küsschen gebend.
Kussmund.
Kussmund
Kuss. Knutsch.
Lach.
Lachender Smiley mit Tränen
Lachend.
Lach mit gekniffenen Augen.
Smiley mit gekniffenen Augen
Laut lachend.
Lecker.
Smiley mit seitlich gebleckter Zunge
Appetitlich, lecker, hungrig.
Nachdenklich.
Smiley mit Hand an der Stirn
Nachdenklich, grübelt.
Peinlich.
Affe mit Händen über den Augen
Peinlich, beschämt, schüchtern.
Rollende Augen.
Smiley mit Blick nach oben
Verzweifelt. Genervt.
Spritzer.
Höhepunkt des Mannes.
Sternchenaugen.
Smiley mit Sternchenaugen
Gefällt mir sehr gut. Toll.
Total verrückt.
Smiley mit beiden Augen verdreht
Total verrückt.
Traurig. Bedrückt.Enttäuscht.
Smiley mit enttäuschtem Gesicht
Bedrückt, traurig, enttäuscht.
Verrückt.
Zunge bleckend, ein Auge aufgerissen, das andere zugekniffen
Verrückt, verwirrt, albern.
Winkend.
Smiley winkend
Zustimmung. Hallo.
Zwinker.
Zwinkernder Smiley
Humor. Frivol.
tempto360
tempto
Latein: 1. Person Singular Präsens
temptare, Verb
Übersetzung:
1. betasten, berühren;
2. den Puls fühlen;
3. angreifen, lähmen, befallen;
4. etw. erstreben, zu erreichen suchen, erspähen;
5. untersuchen, prüfen, auf die Probe stellen;
6. versuchen, probieren, auszusprechen versuchen, sich versuchen in;
7. in Versuchung führen, zu gewinnen, zu verlocken suchen, reizen, beunruhigen, quälen, zu verführen suchen, zu bestechen suchen
360 Grad
Montag, 13.01.2020
Die Weihnachtsferien waren schon eine Woche vorbei. Es war ein milder Winter und so fühlten sich diese Ferien eher an wie die im Herbst. Auch jetzt, in der zweiten Woche des neuen Jahres, war es für die Jahreszeit zu warm. Unser zweiter Sohn sollte ab Februar bei uns arbeiten. Wir hatten uns vor 20 Jahren selbstständig gemacht: mein Mann mit seiner Arbeit als Schlosser und ich als Angestellte im Büro, die im Hintergrund agierte. Alles, was verwaltungstechnisch zu klären und erledigen war, übernahm ich. Mein Mann war viel außen unterwegs, reparierte mit unseren zwei Mitarbeitern Türen, Tore und Fenster, und die Rechnungen und alles Weitere erstellte ich. Das war ein etwas ermüdender Job mit wenig sozialen Kontakten. Mein Büro mit Blick auf Nürnberg – ja, ich konnte sogar die Burg von hier aus sehen – war in dem ausgebauten Dachboden unseres malerisch im Nürnberger Umland gelegenen Hauses untergebracht. Hier befand sich am Fenster mein Schreibtisch. Die technische Ausstattung war perfekt, nur manchmal ging das Internet nicht so, wie wir es gerne gehabt hätten.
Unser Sohn hatte bisher eine Zusatzkrankenversicherung, die wir gerne für ihn so weiterführen wollten. Ich überlegte kurz, wer mir hierüber vernünftig Auskunft geben könnte. Da fiel mir auch sogleich der nette, kompetente Herr einer Versicherungsagentur mit Sitz in München ein. Mit ihm hatte ich etwa eineinhalb Jahre vorher wegen meiner eigenen zusätzlichen Absicherung zu tun. Damals startete ich eine Online-Suche, um eine gute Versicherung zu finden, und wurde auf das Büro aufmerksam. Hier konnte man allerdings nicht selbst einen Online-Vergleich durchführen. Ich hinterließ bereits zu diesem Zeitpunkt meine Kontaktdaten auf einem Formular der Homepage, und erhielt per E-Mail einen Vorschlag für einen Telefontermin, den ich bestätigen sollte. Ich tat dies, und just sehr pünktlich zu diesem Termin meldete sich ein Mitarbeiter der Agentur freundlich mit vollem Namen und sympathischem schwäbischem Dialekt. Ich schilderte ihm damals meine Situation, und er machte den Eindruck, als kenne er sich gut in seinem Metier aus. Er unterbreitete mir einige Angebote zum Vergleich, die er mir von seinem persönlichen E-Mail-Konto der Firma sendete. Nachdem wir mit den Vorschlägen und dem Besprechen der weiteren Vorgehensweise fertig waren, unterhielten wir uns auch über ein paar private Dinge. Ich erfuhr, dass er jeden Tag von Augsburg nach München, dem Sitz der Hauptstelle, pendelte, manchmal arbeitete er auch sporadisch einen Tag von zu Hause aus. Vor zehn Uhr werde man ihn in München an den anderen Tagen nicht antreffen. Die Stelle hatte er zwei Jahre zuvor angenommen, als Familie Webknecht vom Augsburger Umland in die Stadt zog. Sie erwarben damals ein Reihenmittelhaus in einer in den 1980er-Jahren entstandenen Neubausiedlung. Wir sprachen über unsere Familien und stellten fest, dass wir beide richtige Familienmenschen seien. So erzählte mir Herr Webknecht, dass er zwei Söhne habe: Max, der damals fünfzehn war, und den drei Jahre jüngeren Tim. Ich berichtete von unseren drei Söhnen, René und Peter, beide bereits erwachsen, der Mittlere, Peter, bereits knapp zwei Jahre zuvor ausgezogen und der Dritte, Steffen, fast im Alter von Herrn Webknechts zweitem Sohn. Wir plauschten über die kleinen Wehwehchen mit Kindern, und irgendwie verging das Gespräch wie im Flug.
Zu dieser Zeit lauschten wir als Familie den Hörbüchern eines Autors, der amüsante Geschichten mit einem Haustier zum Besten gab. Ich erzählte Herrn Webknecht ein paar Passagen daraus, und wir lachten beide herzlich über die lustigen Szenen. Mein Gesprächspartner sagte, er habe gerade nebenbei am Handy danach geguckt und habe auch schon passende Vorschläge, auch als Videos, hierzu gefunden. Er versprach, sich diese bei Gelegenheit anzusehen, damit er mitreden könne, zudem sei es wohl einfach zu reizvoll, als dass man es sich nicht ansehen oder anhören müsse.
Das war nun schon eine Zeit lang her. Damals hatte mir diese nette aufgeschlossene Art sehr gut gefallen – und der Dialekt: er war nicht aufdringlich, nicht unverständlich, aber gab klar zu erkennen, wo diese Person aufgewachsen war, beziehungsweise wo sie lebte.
Aus Neugier und weil man im Internet doch fast alles fand, tippte ich den Namen des Mannes ein. Es erschien eine Traueranzeige, es folgten Berichte aus Zeitungen. Leider zeigte sich nirgendwo ein Foto. Gerne hätte ich gewusst, wie er wohl aussähe, der nette Schwabe!
Und genau diesen Herrn wollte ich nun anrufen, damit er mich aufklären konnte über den bisherigen Vertrag meines Sohnes, und ob wir ihn so weiterführen sollten. In meinem Büro war natürlich auch das geschäftliche Telefon unserer Firma untergebracht. So begab ich mich nach oben. Mein Mann Tobias war bereits beruflich unterwegs. Der älteste Sohn, der noch zu Hause lebte, war in der Arbeit, der jüngste Sohn, jammernd über die seit einer Woche wieder zu besuchende Schule, in dieser. Meine Unterlagen waren zur Einsicht bereit, als ich die Nummer wählte. Ich hatte sie aus einer der E-Mails von damals herausgesucht. Das Telefon klingelte und sogleich meldete sich der Angerufene.
»Tempto360, Sebastian Webknecht, guten Tag!«
»Hallo Herr Webknecht, hier ist Bindner, die mit dem Hörbuch mit den lustigen Geschichten …«
»Ach, Frau Bindner, Sie! Ich erinnere mich! Schön, Sie zu hören.«
Nach kurzer Frage nach dem gegenseitigen Befinden folgte eine Zusammenfassung meines Anliegens wegen der Versicherung des zweiten Sohnes Peter. Ich sollte mich dann bei Gelegenheit im Februar noch einmal melden, wenn der Wechsel der Stelle dann vollzogen worden sei und wir konkret wüssten, wie die Absicherung gegebenenfalls angepasst werden solle. Wie schon bei den Telefonaten wegen meiner Versicherung kam die Sprache schnell auf unsere Familien und auf das, was die Söhne mittlerweile so machten.
Herr Webknecht lachte wegen der Geschichten, die ich ihm damals empfohlen hatte. Er sagte, er habe damals dann doch einiges angesehen und habe es sehr lustig gefunden. Ich meinte daraufhin, dass wir momentan eine Serie ansehen würden, die von drei Freunden handele, die es mit der Treue und manchen Dingen nicht ganz so genau nähmen. Mein Gesprächspartner kannte diese Serie nicht. Ich fragte Herrn Webknecht, ob er Haustiere habe, und er bejahte dies. Eine zugelaufene Katze teilte das Heim mit Familie Webknecht. Ich musste sehr lachen, da es in dieser Serie auch eine sehr amüsante Szene mit einer Katze gab. Ich legte Herrn Webknecht die Serie ans Herz, denn bei seinem Sinn für Humor würde sie ihm gefallen. Im gleichen Moment wurde mir am Telefon ganz heiß und ich lief rot an. Ich schämte mich. Ich sagte daraufhin zu dem Berater, ich könne nun nie mehr bei ihm anrufen, nach all dem, was ich ihm da gerade erzählt und empfohlen hatte, zu pikant sei der Inhalt der Serie. Herr Webknecht lachte beherzt auf und bestätigte mir, dass er nun in der Kundenakte zwei rote Ausrufezeichen eintragen werde. Dies bedeute, dass es sich um ganz spezielle Kunden handle, wie er mir erklärte. Es war natürlich nur ein Spaß, so hoffte ich jedenfalls, wissen konnte ich es nicht. Ich fand es peinlich, und so beschloss ich schon während unserer Verabschiedung nach einer knappen Dreiviertelstunde Telefonat, mich lieber nicht mehr telefonisch bei ihm zu melden.
Ich war euphorisch und richtiggehend aufgewühlt von dem erheiternden Gespräch. Für mich selbst beschloss ich, im Februar eine E-Mail zu schreiben, um final die Angelegenheit mit Peters Versicherung zu klären. Ich befürchtete, das Gespräch könnte wieder ausufern und wusste nicht, was sich womöglich weiter daraus entwickeln würde.
Montag, 03.02.2020
E-Mail an Herrn Webknecht:
Hallo Herr Webknecht,
wir sprachen im Januar über meinen Sohn Peter.
Ich bitte Sie hier mal um ein paar Rechenbeispiele der bevorzugten Anbieter von Zusatzversicherungen, da ich davon ausgehe, dass es bessere Bedingungen gibt als bei der laufenden.
Des Weiteren interessieren wir uns für eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) mit Beitragsbefreiung für ihn als auch für unseren großen Sohn.
Hierzu würde ich die Daten noch liefern.
Liebe Grüße,
Anne Bindner
Dienstag, 04.02.2020
Antwort von Herrn Webknecht:
Hallo Frau Bindner,
vielen Dank für Ihre Anfrage bei tempto360 und das angenehme Gespräch.
Anbei erhalten Sie die gewünschten Angebote von Krankenzusatzversicherungen für Ihren Sohn.
Bei Rückfragen melden Sie sich bitte wieder bei mir.
Mit freundlichen Grüßen
Sebastian Webknecht
Mittwoch, 05.02. – Dienstag, 11.02.2020
Ich überprüfte die gesendeten Angebote. Irgendwie hatte ich da keinen Durchblick, die Auswahl und die einzelnen Bedingungen waren zu komplex. Ich befürchtete, den Berater nun doch wieder persönlich kontaktieren zu müssen.
So beschloss ich am
Mittwoch, 12.02.2020
Herrn Webknecht anzurufen. Vielleicht arbeitete er heute eventuell im Homeoffice, ich schließlich sowieso. Der smarte Berater meldete sich sogleich mit »Hallo Frau Bindner!«. Aha, meine Telefonnummer war offenbar schon eingespeichert!
Herr Webknecht hatte auf all meine Fragen perfekte Antworten, und ich hatte ein gutes Gefühl dabei, eine der vorgeschlagenen Versicherungen für meinen Sohn abzuschließen. Der Fachmann sollte den Antrag hierzu fertigstellen, und er wollte ihn uns dann sogleich per Post zusenden.
Ja, klar, begannen wir dann wieder damit, uns privat zu unterhalten. Der nette Mitarbeiter wusste noch von den vielen Konzertbesuchen, die mein Mann und ich in den letzten zwölf Jahren unternommen hatten. Er fragte, welche in der Zwischenzeit noch dazu gekommen seien und welche noch anstünden. Ausführlich berichtete ich ihm von sämtlichen Events. Da war ich vollkommen in meinem Element. Weil es in den Fragebögen der Versicherung auch um die Körpergröße ging, kam ich darauf zu sprechen, dass mich nun auch der Jüngste bereits eingeholt habe und die beiden Großen schon über ihren Papa ragen würden. Herr Webknecht erzählte, sein großer Sohn würde ihn, den Vater, mit seinen 1,90 m bald eingeholt haben und der Jüngere sei bereits größer als die Mutter. So sei das nun mal, wenn man Söhne habe. Ich erwähnte, dass ich zudem noch drei Hunde hätte, und ließ Herrn Webknecht raten, welcher Rasse sie seien. Er meinte, selbst wenn es drei Tiere seien, Schäferhunde würde er mir schon zutrauen. Nicht ganz die Größe, schwächte ich sein Bild von mir ab. Wir unterhielten uns über Social Media und Co., und Herr Webknecht beteuerte, dass er nur ein Konto bei »Freunden von früher« pflege. Ich gab kleinlaut bekannt, dass ich meinem Mann sehr lange ein Konto bei einem Social Media-Anbieter verweigert hätte, obwohl ich selbst schon seit Jahren dort angemeldet sei. Welche Gründe ich denn für das »Verbot« hätte, wollte er wissen, und stellte dann die Vermutung an, dass das wohl mein Abgrund sei. »Mein Abgrund?«, fragte ich vorsichtig nach. Es hatte mir wahrlich die Sprache verschlagen. »Mein Abgrund … oh weh, wenn er bloß wüsste!«, dachte ich bei mir. Mir war hier schon irgendwie klar, dass sich ein Abgrund auftat, eine Art Erdbeben einer emotionalen Erschütterung legte ihn frei.
Das Gespräch fand wieder eine geeignete Basis, und so unterhielten wir uns knapp zwei Stunden. Abermals verging die Zeit wie im Flug! Ich hatte keine Ahnung, wo sie geblieben war. Meine Arbeit im Büro blieb liegen, musste ich den jüngsten Sohn vom Bus abholen, und etwas zum Mittagessen bereiten.
Es war ein sehr schönes Telefonat gewesen! Was für ein zuvorkommender Mensch am anderen Ende der Leitung.
Meine sozialen Kontakte waren in den letzten zwei Jahren sehr auf die in unserer eigenen Familie und die mit ein paar Nachbarn zusammengeschrumpft. Klar, bei meinen Einkäufen traf ich natürlich auch auf ein paar Menschen. Während des Telefonats mit Herrn Webknecht hatte ich es genossen, mich mit jemanden zu unterhalten, der mich ausreden ließ und gespannt zuhörte. Dass wir fast im gleichen Alter waren – der Herr war ein Dreivierteljahr jünger als ich – erfuhr ich in diesem Gespräch. Mein Telefonpartner sprach davon, dass ihm, vielleicht altersbedingt, nicht sofort einfiel, welches Aussehen das Mittagessen gestern gehabt habe, das ihm ein Kollege vom Mexikaner mitgebracht habe. Nach längerer Zeit seien die Mitarbeiter dann draufgekommen, dass die Speise einem Granatsplitter geglichen habe. Granatsplitter hatte ich lange nicht mehr gegessen.
Wie schon im Herbst 2018 suchte ich erneut den Versicherungsfachmann im Internet, und prompt erschien neben der Traueranzeige von damals ein Bild eines Gleichnamigen. Ich rief es auf. Ein ergrauter Mittvierziger in dunkelblauem Poloshirt war auf einer Art Passfoto zu erkennen. Tatsächlich, er war es. Es stand jedenfalls die Agentur, bei der arbeitete, in dem Eintrag unter dem Foto. Er machte einen charmanten Eindruck: gepflegt, schöne Zähne. 1,90 Meter groß, das hieß, er war 22 Zentimeter größer als ich, Tobias überragte mich um 14 Zentimeter. Irgendwie spannend, so ein großer Mann!
Ich war mir sicher: Sollte ich noch Rückfragen haben, würde ich mich ungeachtet der vielen Ausrufezeichen in meiner Kundenakte auf jeden Fall bei ihm melden!
Donnerstag, 13.02.2020
Natürlich gab es noch Nachfragen zum genauen Ablauf und ab wann die Versicherung dann liefe. So rief ich den Fachmann am nächsten Vormittag erneut an. Ich hörte Geräusche im Hintergrund und fragte, ob es denn im Moment passe. »Ja, alles gut.« Herr Webknecht betonte, er habe gerne Zeit für mich und meine Belange. Schnell schweifte das Gespräch ab und wir unterhielten uns auch über Leute, die wir kannten, denen ihre Familie von heute auf morgen nichts mehr wert zu sein schien, da sie ihre Partner und Familien für jemand Neues verließen. Man könne doch seine Familie und die Kinder, wegen derer und mit denen man schon so viel erlebt und mit ihnen teilweise auch mitgemacht habe, nicht im Stich lassen. Herr Webknecht berichtete von seinem zweiten Sohn, der als Baby längere Zeit medizinisch behandelt worden war; ich sprach von den Herzrhythmusstörungen des jüngsten Sohnes vor einigen Jahren und unseren Sorgen, die wir damals deshalb gehabt hatten. Auch stellte ich fest, dass man mit älteren Kindern ebenso seine Probleme habe. Aus Bedenken, unser Größter werde sich neben seinem Studium nicht auch noch einen Job suchen, hätte ich ihn damals ermahnt, er müsse sonst unseren Haushalt führen und hätte ihm als Belohnung mit einer goldenen Klobürste – eine neue Bürste mit Goldlack besprüht – gedroht. Daher erzählte ich Herrn Webknecht von meiner Drohung und der ausgesetzten Belohnung. Herr Webknecht lachte laut auf und fand die Idee sehr gut. Nein, definitiv, man liebte seine Familie über alles!
Ich merkte an, dass ich Herrn Webknecht in seinem Fall gerne einen goldenen Granatsplitter gesendet hätte, aber ich nicht wisse, mit was er ihn sich verdient habe. Er meinte daraufhin, ich könne den Splitter dann direkt zu ihm in die Agentur nach München schicken – für was jedoch, wisse er im Moment allerdings auch nicht. Nach gut einer Stunde Telefonat verabschiedeten wir uns wehmütig voneinander.
»Nützt ja nichts«, meinte der nette Herr.
Freitag, 14.02.2020
Herr Webknecht kündigte mir per E-Mail um 18:58 Uhr an, dass die Unterlagen heute an uns per Post rausgegangen seien und spätestens in der nächsten Woche bei uns eintreffen würden. Ich bedankte mich per E-Mail-Antwort für den Hinweis und bewunderte ihn dafür, dass er an einem Freitagabend noch so spät auswärts arbeitete, da seine Abschiedsfloskel mit »VG aus München« endete.
Leider kam vor dem Wochenende keine weitere Nachricht.
Montag, 17.02.2020
Von meinem privaten E-Mail-Konto, auf das nur ich Zugriff hatte, sendete ich Herrn Webknecht eine Nachricht, dass die erhoffte Post bisher leider noch nicht eingegangen sei. Als P.S. gab ich ihm meine eigene Handynummer unter dem Hinweis, dass dies auch mein Kurznachrichten-App-Kontakt sei, bekannt. Eine sehnlich erwünschte Nachricht kam leider nicht zurück.
Mittwoch, 19.02.2020
Es war Mittwoch. Die Post war noch nicht eingetroffen, so beschloss ich, mal bei dem Berater nachzufragen. Herr Webknecht lachte bereits, als er das Gespräch entgegennahm. Gut, selbst der Postbote war an diesem Tag noch nicht vor unserem Haus erschienen. Wir waren uns darüber einig, dass die Zustellung von München nach Nürnberg momentan unverhältnismäßig lang brauchte. Private Gespräche über meine seit November 2019 geplante Silberhochzeitsfeier und den ganzen Aufwand drum herum folgten sogleich. Ich berichtete von der 23-seitigen Zeitung zum Fest, die ich binnen fünf Stunden erstellt hatte. Herr Webknecht lobte und bewunderte mich mit den Worten: »Ja, die Frau Bindner halt wieder. Was soll ich sagen? Sie sind einfach kreativ!«
Des Weiteren sprach ich Herrn Webknecht auf den Kollegen an, der sich wegen anderer Versicherungsbelange bei mir gemeldet hatte. Ich verkündete, dass das Gespräch mit ihm, dem Kollegen, nur ganz knapp und nur zweckgebunden verlaufen sei. Der Berater hierzu: »Wir zwei, (meinte sich und mich) sind halt schon richtige Telefonprofis.« Das kleine Mädchen in mir war mächtig stolz auf den Ausdruck Profi.
Lob für mich gab es weder als Ehefrau noch als Hausfrau und schon gar nicht als Mutter. Meine Eltern lobten mich gelegentlich, also dann, wenn ich eine brave Tochter war, die das machte, was die Eltern wollten – und das mit 47!
Es schmeichelte mir einfach alles! Die nette Art, die schöne, sanfte und doch männliche Stimme. Ich fasste meinen Mut zusammen und gestand meinem Telefonpartner, dass ich ihn gern hörte. Ein »Dito« kam vom anderen Ende der Leitung. Betretenes Schweigen. Wir stellten beide fest, dass wir ja erwachsen seien und wissen würden, was wir täten. Ich wies Herrn Webknecht darauf hin, dass ich in einer meiner letzten Mails, einer von meinem privaten E-Mail-Konto, meine Handynummer angegeben hätte. Ich hätte auch den Messengerdienst und würde mich freuen, wenn wir uns hierüber verbinden könnten. Der Berater suchte bereits nach der besagten Mail und hatte sie auch sogleich gefunden. Es sei kein Problem, sich über die App zu kontaktieren, und so legte er meine Nummer als Kontakt an. Es folgte eine Kurznachricht mit lieben Grüßen aus Augsburg. »Schon wieder im Homeoffice«, dachte ich so bei mir. Ich machte ein Foto mit meinem Handy von meinem Ausblick aus dem Büro mit Blick auf Nürnberg. Die Burg, kaum sichtbar, umkreiste ich mit Farbe, markierte sie mit einem Pfeil und sendete das Bild zurück.
»Schöner Ausblick!«, meinte der freundliche Berater. Wir unterhielten uns weiter und mittlerweile hatte es bei mir zu regnen begonnen. Ich machte ein aktuelles Foto und schickte es. »Oh weh«, kommentierte Herr Webknecht, welch schlechtes Wetter denn nun bei mir herrsche! Kurze Zeit darauf begann es auch in Augsburg zu regnen. Wir verabschiedeten uns und Herr Webknecht bedankte sich für die unterhaltsamen eineinviertel Stunden.
Den neuen Kontakt speicherte ich unter »Tanzen Steffi« in meinem Telefonbuch ab. Sollte eine Nachricht eingehen während jemand anderes zugegen war, wäre dieser Absender doch sehr unverfänglich. Unter »Tanzen« und einem nachfolgenden Vornamen hatte ich verschiedene Teilnehmer unseres Tanzkreises im Smartphone als Kontakt hinterlegt.
Donnerstag, 20.02.2020
Kurznachricht, 11:15 Uhr
AB:
(Bild von mir im Büro mit dem ersehnten Kuvert, auch zu sehen: Ich habe lange Haare und trage eine Brille.)
SW:
Sehr gut!
Montag, 24.02.2020 – Mailverkehr
AB:
Telefonieren klappt ja leider erst nächste Woche Mittwoch. Diese Woche sind ja Ferien und die Kids zuhause.
Ich bin allerdings vormittags beim Friseur. Aber gegen Mittag müsste ich zu Hause sein.
SW:
Ja, sind Ferien.
Ah, Friseur. Bei Ihren langen Haaren! Was darf der denn machen? Kurzhaarfrisur? :))))) Oder nur Spitzen schneiden?
AB:
Für Kurzhaarfrisuren ist mein Waxing-Studio zuständig.
Nein, nur Spitzen schneiden und eine Balayage, da werden die Haarlängen etwas aufgehellt.
SW:
Ah, die »Kurzhaarfrisuren«, bekomme Hunger, meine natürlich nur auf mein Mittagessen. Meine Chefin hat mich zum Essen eingeladen.
Balayage – mit Ihnen lerne ich ja noch was.
AB:
Na dann passen Sie auf, dass Sie sich nicht verkleckern … meine natürlich nur mit Ihrem Mittagessen!
Sie können mir ja dann berichten, was Sie gegessen haben und wie es geschmeckt hat
Dienstag, 25.02.2020 – Mailverkehr
SW:
Sorry für die verspätete Antwort. Ist länger geworden als geplant. Unser Stammlokal war geschlossen, mussten ausweichen zum Italiener, gab Pizza Rucola mit Parmesan und Parmaschinken.
War sehr lecker!
AB:
Pizza Rucola – meine Lieblingspizza. Wenn Sie ein Konto bei meinem Social-Media-Anbieter hätten, würden Sie etwa hundert Pizza Rucola in meiner Chronik finden.
Mittwoch, 26.02.2020 – Mailverkehr
SW:
Wieder eine Gemeinsamkeit …
Wo soll das noch hinführen? ;)))))
AB:
Es ist egal, was wohin führt. Mittlerweile sehe ich vieles anders. Um mich herum sehe ich nur noch Leute, die tun, was ihnen gefällt. Manches ist einem beschieden und liegt am Weg und auf Augenhöhe und manches eben nicht. Also, alles gut. Und das jetzt von mir.
SW:
Gut gesagt bzw. geschrieben.
Wenn Sie in München wären, hätte ich Sie glatt zu einem Cocktail eingeladen.
AB:
Finden Sie das eine gute Idee?
SW:
War so ein Bauchgefühl.
AB:
Bauchgefühl, so so …
Sind Sie denn heute in München? Mittwoch ist doch meistens Homeoffice, oder?
SW:
Ja, bin im Homeoffice.
AB:
Und wieso möchten Sie mich dann nach München einladen, wenn Sie selbst nicht mal dort sind?
SW:
Für den nächsten Tag … ein Tag Vorlauf für seelische und psychische Vorbereitung!
AB:
Ts, ts, ts, seelische und psychische Vorbereitung.
Bin ja nicht in München.
SW:
Dann muss ich mal nach Nürnberg kommen.
Ich war da bis vor etwa drei Jahren öfter wegen der Arbeit, hatten da einen größeren Kunden.
AB:
Klar, in Nürnberg treffen. Da sind nur unsere Mitarbeiter an allen Ecken unterwegs …
Nein, das wird wohl nichts und was sollten wir auch tun?
Pause
AB:
Sorry, dass ich vorhin so realistisch war. Wo waren wir stehen geblieben? Sie laden mich zu einem Cocktail ein …
SW:
Es realistisch zu sehen, ist schon okay, ein wenig träumen schadet aber auch nicht.
AB:
BaB (=Bussi auf Bauchi)
Gemeinsamkeit – ja, vielleicht hatten wir die. In einem Punkt unterschieden wir uns jedoch sehr. So wie das Wort Einsamkeit in Gemeinsamkeit schon drinsteckt, war ich die letzten Jahre wirklich sehr einsam geworden. Meine Arbeit unterschied sich komplett von der Herrn Webknechts. Er hatte viele Kontakte, gerade das ehrte ihn, dass er sich für mich so viel Zeit nahm. Gerade deshalb kam ich dann auch aus mir heraus und sendete tatsächlich als letzte Nachricht ein Bussi auf Bauchi, also seinen Bauch mit diesem Gefühl, auf meine Nachrichten einzugehen mit einer Einladung.
Kann man seinem Bauch trauen? Oder warum hat man in manchen Situationen ein gutes und in anderen ein schlechtes Gefühl? Lockt es einen manchmal auch in eine Art Falle oder war alles gut, was das Bauchgefühl einem mitteilt? Wir würden sehen.
Donnerstag, 27.02.2020 – Mailverkehr
AB:
Hallo Herr Webknecht,
ich bin mir unsicher, die Kurznachricht-App mit Ihnen zu nutzen …
SW:
Na ja, der Messengerdienst ist ja privat und hat eigentlich nichts mit tempto360 zu tun.
AB:
Hat das überhaupt noch etwas mit tempto360 zu tun?
SW:
Nein, das hat nichts mehr mit tempto360 zu tun. Ist aber auch so schwer in Ordnung für mich.
AB:
Wie sieht es aus? Ich schicke Ihnen ein Bild einer Pizza Rucola und Ihr Handy liegt am Küchentisch …
SW:
Nein. Ich habe mein Handy eigentlich immer bei mir. Am Wochenende liegt es meist im Büro. Ich möchte es nicht so nutzen wie meine Kinder oder meine Frau, sie haben es ständig in der Hand.
AB:
Wenn man Bilder schickt, speichern die sich je nach Einstellung auf dem Handy ab.
SW:
Ich werde die Bilder wohl oder übel löschen müssen, aber vor meinem inneren Auge werde ich sie je nach Motiv eine Zeitlang behalten.
OMG! Das war nun die neue Situation. Die Versicherungen waren geklärt, der Kontakt war nun privat und sehr persönlich gestartet. Was hatte ich nur gemacht? Und warum machte er mit?
AB – nun per Kurznachricht:
(Bild mit Mütze und Winterjacke, zum Gassigehen bekleidet, mit auf dem Foto: alle drei Hunde an der Leine, wir stehen auf der Straße.)
So sehe ich normalerweise aus.
Ich hatte mich da auf mein Profilbild, das ich über Fasching bei der Kurznachrichten-App eingestellt hatte, bezogen. Darauf war nur mein Gesicht mit einer Maske aus schwarzer Spitze zu sehen. Es sah ein wenig verrucht aus, aber irgendwie hatte ich Freude an dem Bild und an der Art, wie es mich zeigte. Dass Maskentragen in diesem Jahr noch einmal zur Pflicht werden würde und man selbst in der Bank eine tragen musste, konnte da noch niemand ahnen.
SW:
Danke dafür. Daumen hoch.
AB:
Mein Profilbild der letzten Tage zeigte mich schließlich im Faschingskostüm … Grins.
SW:
Ja, um Fasching kommt niemand drumrum. In unserem Stadtteil gibt es immer ein größeres Event, da haben wir eigentlich alle Spaß.
Irgendwie ging mir die Aussage mit dem Motiv und dem Vor-dem-inneren-Auge-behalten aus der letzten Mail nicht mehr aus dem Kopf. So machte ich Bilder vor dem Spiegel im Bad mit nacktem Oberkörper und hielt meine Arme vor die Brust. Ich stellte dabei die Aufnahmen von farbig auf Schwarzweiß. Schön, aber meine Aufnahmen, nicht bestimmt für jemand anderen!
Freitag, 28.02.2020
Heute gab es erst mal nur geschäftliche Mails. Die Versicherung hatte eine Nachfrage zur Gesundheit des Sohnes, und so wurde das per Formular geklärt.
Ich fand es sehr schade, dass es nur um die Fragen der Police ging.
Bereits hier war mir klar, dass ich wegen weiterer Versicherungsangelegenheiten gerne mit ihm in Kontakt bleiben wollte.
Am Abend allerdings sah sich die Familie ein Fußballspiel im Fernsehen an. Fußball mochte ich nicht. Wenn unsere Kinder mit ihrem Verein aufliefen, war das selbstverständlich etwas anderes. Da fieberte ich mit und freute mich, wenn ihre Mannschaft siegte. Aber bezahlte und gekaufte Spieler – damit hatte ich nichts am Hut. So verzog ich mich ins Schlafzimmer. Hier hatte ich meine Ruhe. Ich schrieb Herrn Webknecht eine Kurznachricht. Er teilte mir mit, er trete jetzt den Heimweg von der Arbeit an und erkundigte sich, was ich denn so machen würde. Ich antwortete, ich läge im Bett – alleine. Alleine sei das ja nicht so spannend, entgegnete er. Ich erwähnte, ich sei ja nicht ganz allein und meinte damit die Konversation mit ihm an meinem Smartphone. Ich teilte ihm mit, dass ich die Verbindung Nürnberg – München und zurück nachgesehen hätte. Es sei nur eine Stunde mit dem ICE …
SW:
I know … Gefährlich … Das war bestimmt nur aus Langeweile, dass Sie die Verbindung nachgesehen haben.
AB:
Ja, nur aus Langeweile …
Stimmt! Langeweile, das war das Stichwort. Ich musste immer etwas Besonderes erleben. Aber besonders war es bei uns eigentlich nur noch, wenn wir Konzerte besuchten. Unsere Hochzeit würde sich dieses Jahr zum 25. Mal jähren. Dafür hatte ich bereits im November damit begonnen, eine ordentliche Feier zu organisieren. Angefangen hatte es mit dem Tod eines Nachbarn. Ein netter, alter Mann, an dessen Trauerfeier ein Neffe eine unsagbar schöne Rede gehalten hatte. Alles, was der Verstorbene gemacht und initiiert hatte, wurde darin aufgezählt. Alle Gäste waren sehr beeindruckt. Muss man wirklich erst sterben, um derartig geehrt zu werden? Das ging mir nicht in den Kopf. Mehrmals im Laufe des letzten Jahres hatte ich Tobias darauf hingewiesen, dass wir im folgenden Jahr Silberhochzeit hätten. Jedes Mal meinte er nur: »Wen willst Du denn einladen? Keiner feiert mehr was, warum sollten wir feiern, sind wir selbst doch nirgends eingeladen.« Ja, da hatte er vollkommen recht. Die einzigen, die feierten, waren wir. An unseren Geburtstagen wie auch an denen der Kinder gab es geladene Gäste. Diese feierten aber ihre Geburtstage schon länger nicht mehr. Aber feiert man nicht sich selbst? Oder wir uns als Paar, das so vieles im Leben erreicht hatte? Ich fand, wir sollten uns feiern, und ich fand, wir sollten das mit Gästen tun. So organisierte ich eine Kutsche, einen Mietwagen für eine Woche, einen Musiker, der eine lange Liste von sehr schönen Liedern vortragen sollte, und selbst den Bürgermeister weihte ich ein. Einzig für meinen Mann sollte die Feier geheim bleiben und direkt an unserem Hochzeitstag im Mai stattfinden. Ich erstellte eine Festzeitung und so weiter und so fort.
Die Feier war bereits bis ins letzte Detail geplant. Ja, genau, der Teufel steckt in solchem. Alle Gäste hatte ich bereits Anfang des Monats eingeladen. Jetzt musste nur noch die Zeit vergehen, bis der große Tag kam, und was für eine Überraschung das geben würde für meinen Mann!
Ich freute mich darüber, dass Herr Webknecht später noch antwortete: Ein paar Kollegen hätten ihn noch eingeladen, am Abend auszugehen, aber er wolle lieber nach Hause, sonst sähe er seine Kinder heute Abend nicht mehr.
Montag, 02.03.2020
Meine Eltern fuhren ein Auto, das wir ihnen bereit stellten. An diesem Mittag touchierte ein ausparkendes Fahrzeug dieses. Klar, dass ich die Angelegenheit mit der Versicherung und der Werkstatt klärte.
Dienstag, 03.03.2020
So vereinbarte ich für den Nachmittag einen Termin mit dem Gutachter, der sich den Schaden besah. Er leitete die Unterlagen dann sogleich an sein Büro weiter, da es sich um einen Leasingwagen handelte und die Leasinggesellschaft dieses Vorgehen bei einem Unfall so vorsah. Heute hatte ich Post für Herrn Webknecht, die ich auf dem Rückweg von meinen Eltern einwarf. Irgendwie mochte ich ihn und irgendwas verleitete mich dazu, das Adressfeld des Briefumschlags zu küssen und hiervon ein Foto zu knipsen. Aber nicht nur das. Was sollte ich mit einem Foto mit Kussmund, ohne es zusätzlich zu der Post nicht auch per Kurznachricht zu schicken? Genau! Also sendete ich dieses Bild mit dem Untertitel »Sie haben Post« an meinen Berater. Als ich zuhause eintraf, verkündete der Jüngste, er habe ziemlich heftige Bauchschmerzen, und weil er sich selbst via Handy über seine Beschwerden informiert hatte, habe er jetzt Angst, es könne sich um eine Blinddarmentzündung handeln. So suchte ich just mit ihm unseren Hausarzt im Nachbardorf auf.
Mein Mann musste mir immer die abgeschlossenen Arbeiten und dazugehörigen Daten melden, die ich zur Rechnungsstellung benötigte. Er war seit dem Mittag bereits zuhause und erledigte verschiedene Dinge im Büro. Wir hatten zwei Rechner, einen an seinem Schreibtisch, einen an meinem. Alle Mails, außer denen an meine rein private Mailadresse, gingen an den gesamten Maileingang auf den Rechnern. Auf meinem privaten Konto hatte ich mich seit dem letzten Setup an meinem Rechner nicht mehr angemeldet. Alle Mails wurden mir auch auf meinem Smartphone angezeigt. Ich hatte am frühen Nachmittag den Termin mit dem Gutachter am Wohnort meiner Eltern wahrgenommen, dann war ich schnell nach Hause und anschließend mit Steffen zum Arzt gegangen. Beim Betreten der Praxis erhielt ich eine Mail an unser geschäftliches E-Mail-Konto auf mein Handy.
Sebastian Webknecht war der Absender, der Inhalt der Mail lautete:
Hallo Frau Bindner,
auch ich habe Post für Sie, allerdings habe ich keinen Kuss darauf gegeben so wie Sie. Danke für das Bild mit Kussmund, habe mich darüber gefreut.
VG Sebastian Webknecht
Schnell löschte ich die Mail, aber, verdammt, was, wenn die nun auch an den Gesamtposteingang gegangen war? Und mein Mann zu Hause am Rechner … Alles, was ich konnte, war, den Dingen ihren freien Lauf zu lassen. Von hier aus konnte ich nichts unternehmen.
Der Arzt konnte keinerlei Hinweise auf eine Entzündung des Blinddarms feststellen. Er vermutete nur eine Magen-Darm-Grippe hinter den Schmerzen. Wir verließen die Praxis und steuerten auf unser Auto zu, als mich am Handy eine Nummer aus Augsburg anrief. Eine Dame meldete sich. Mein Herz rutschte mir in die Hose. Aber was um Himmelswillen hätte die Ehefrau des Beraters schon mitbekommen können? Es war eine Mitarbeiterin des Gutachterbüros, das den Vorgang mit dem beschädigten Auto meiner Eltern bearbeitete und den Hauptsitz in Augsburg hatte. Die nette Dame erklärte das weitere Vorgehen und verabschiedete sich mit einem »Pfiat Eahna.«. Puh! Aber jetzt schnell nach Hause, Mails checken!
An meinem Rechner rief ich das besagte Programm auf, doch hier war die Mail noch nicht eingegangen. Puh, da hatte ich Glück gehabt! Wie hätte ich denn bitteschön den Inhalt erklären können? Für kurze Nachfragen und dergleichen schrieb ich nun fast durchweg Nachrichten über den Messengerdienst, so käme Herr Webknecht dann hoffentlich auch nicht mehr auf die Idee, auf einem anderen Weg als den von mir gewählten zu antworten.
AB:
Sie haben die Mail an das geschäftliche E-Mailkonto geschickt …
SW:
Verdammt! Sorry …
AB:
Heute ist schon so ein bescheidener Tag …
SW:
Das können Sie mir ja morgen am Telefon erzählen … Lach.
AB:
Telefonieren wir nach dem Friseurbesuch?
SW:
Ja!
Mittwoch, 04.03.2020
Heute war der Termin für die Balayage meiner Haare. Ich hatte ihn in der letzten Woche extra auf eine Stunde früher vorverlegt, damit ich auf jeden Fall am Mittag wieder zuhause sein würde. Ich musste vor mich hin schmunzeln, während meine Friseurin meine Haare behandelte. Kurzhaarfrisur … niemals!
Mit dem Ergebnis des Besuchs sehr zufrieden, beeilte ich mich, um gegen zwölf Uhr zuhause zu sein. Um 12:10 Uhr rief ich vom Büro aus die eingespeicherte Nummer an. Ein Band lief an und teilte mir mit, dass der Berater gerade im Gespräch sei. Ich probierte es noch einmal, erneut erklang die Ansage. Enttäuscht nahm ich mein Mobiltelefon zur Hand und verfasste eine Kurznachricht, deren Inhalt die Bandansage wiedergab. Sogleich klingelte mein Telefonapparat und Herr Webknecht meldete sich entschuldigend, er sei noch kurz auf der Toilette gewesen.
Seiner Frage, wie zufrieden ich mit meiner Frisur sei, kam ich mit dem Senden eines von meiner Friseurin nach der Behandlung aufgenommenen Fotos per Kurznachricht nach. »Aha, die Haare sehen ja sehr schön aus«, beurteilte mein Telefonpartner das Fazit meines Vormittags. Ich war so in Laune, Bilder zu schicken, dass ich noch ein paar weitere Bilder von mir sendete: eines vom letzten Sommer und sogar eines als Braut, da ich dieses im Album »Favoriten« auf meinem Mobiltelefon abgelegt hatte. Herr Webknecht besah sie sich und meinte: »Hübsch!«. Klar, dass er auch noch wissen wollte, was genau so chaotisch am vorigen Tag verlaufen sei, und er bedauerte sehr, die falsche Mailadresse ausgewählt zu haben. Auch sprachen wir noch über den Anruf aus Augsburg, der dem Ganzen noch eins draufsetzte. Ich fragte Herrn Webknecht, ob es typisch für die Bewohner seiner Stadt sei, sich mit »Pfiat Eahna« zu verabschieden. Er verneinte es. Stimmt, zur Verabschiedung von mir hatte er es noch nie benutzt, das wäre auch irgendwie zu fröhlich gewesen, wie ich fand, war doch das Ende eines jeden Telefonats immer ein wenig wie ein kleiner Tod. Weiter plauschten wir noch über Fasching. Am vergangenen Montag war schließlich Rosenmontag und mein Mann und ich waren mit Bekannten auf einer öffentlichen Faschingsfeier. In der Lokalität war der Veranstalter selbst zugegen und zeigte sichtliches Interesse an meiner Person, was mir dann peinlicherweise auch noch mein Mann mitteilte, als hätte ich das durch den steten Blickkontakt, den der Herr mit mir gesucht hatte, selbst nicht mitbekommen. Zu Herrn Webknecht sagte ich über diese Person, dass mich so jemand ja gar nicht tangiere. Wenn dann sei ich die Jägerin, niemals die Gejagte! Das war dann schon mal von meiner Seite aus klargestellt. So telefonierten wir eigentlich rein privat gut eineinviertel Stunden.
Wehmütig wie beim letzten Mal verabschiedeten wir uns. Wie sollte denn das nur weitergehen? Sollte hier nicht lieber Schluss sein? Nein, wir beide hatten einfach großes gegenseitiges Interesse aneinander. Einfach so, einfach an unserem Alltag, nichts Konkretes. Wir verstanden uns gut, quatschten auf einer Wellenlänge. Aber Kennenlernen wollten wir uns auch auf jeden Fall, das stand irgendwie im Raum, auch wenn es hier am Telefon keiner von uns beiden erwähnte.
Donnerstag, 05.03.2020
Kennenlernen … Hierzu hatte ich mir bereits seit dem Wochenende Gedanken gemacht. Nürnberg – München wäre die Hürde, also rein örtlich gesehen. Nur eine gute Stunde Fahrt mit dem ICE war der zeitliche Aufwand, nur von Hauptbahnhof zu Hauptbahnhof, ja, klar, und wieder zurück. Das müsste doch zu schaffen sein. Durfte man das? Jemanden Fremden kennenlernen, einfach so? Warum? Weil man sich unterhalten hatte, weil man festgestellt hatte, dass man denselben Humor hatte, oder dieselbe Schlagfertigkeit? Ich schrieb Herrn Webknecht eine Kurznachricht:
Was ich zu fragen vergessen habe: Darf ich meinem Mann sagen, dass ich Sie aufgrund der über Ihre Agentur abgeschlossenen Versicherungen nach einer Provision gefragt hätte und Sie mir dann zur Antwort geben, Provision nicht, aber zum Essen könnten Sie mich einladen. Vielleicht am Dienstag, dem 31.03.?
SW:
Goldrichtig! Ja, genau in diesem Wortlaut! Sehr gerne. 31.03. dürfte klappen.
AB:
Okay, dann kommt da dann eine Mail.
Von: Bindner geschäftlich Datum: Do., 05.03.2020, um 12:43 Uhr
Betreff: Provision :)
An: Sebastian Webknecht, geschäftlich
Hallo Herr Webknecht,
ich hoffe, ich habe Sie nicht genötigt mit meiner Frage nach einer Provision! ;)
Also gerne komme ich mal nach München. Wann hätten Sie denn Zeit? Bei mir wäre der Dienstag, 31.03.2020, okay.
Mit freundlichen Grüßen
Anne Bindner
Sehr bald folgte die Antwort auf meine Mail.
Von: Sebastian Webknecht, geschäftlich
Datum: Do., 05.03.2020, um 13:09 Uhr
Betreff: AW: Provision :)
An: Bindner, geschäftlich
Hallo Frau Bindner,
na klar.
Werde meinen Chef fragen.
Mit freundlichen Grüßen
Sebastian Webknecht
So fragte ich meinen Mann, ob es recht sei, wenn ich am 31.03.2020 alleine nach München fahren würde. Ich sei eingeladen zum Mittagessen und würde gerne vorher noch ein wenig shoppen gehen und nun Tickets für den Zug ordern. Etwas verwundert und doch von meiner Idee angetan, stimmte er meiner Reise zu.
Ich registrierte mich über die Bahn-App, die ich vorher auf meinem Handy installiert hatte, und reservierte zwei Fahrkarten für Dienstag, den 31.03.2020, Hinfahrt 09:04 Uhr am Gleis 9, Ankunft 10:06 Uhr auf Gleis 23. Rückfahrt 18:51 Uhr am Gleis 22 und Ankunft 19:55 Uhr auf Gleis 8.
Wahnsinn! Ich, die ich die öffentlichen Verkehrsmittel meist mied, hatte soeben eine Hin- und Rückreise mit dem Zug ganz für mich alleine gebucht. Irgendwie hatte ich manchmal seit wir auf dem Land wohnten das Gefühl, das Leben, den Puls zu versäumen, irgendwie ein klein wenig abzusterben. Ich liebte das Leben auf dem Land. Wollte man Action und etwas erleben, so konnte man ja hingehen, wo dieses sich bot. Hier in unserem Dorf hatten wir immer Ruhe, und diese brauchte ich mehr als den Trubel. Allerdings befürchtete ich auch, dass es mir wie einer Nachbarin ergehen könnte, die sich gar nicht mehr unter Menschen traute, weil sie es nicht gewohnt war.
Ich war stolz auf mich. Ich wollte mal fernab der Familie eine eigene Erfahrung machen. Es war nicht verboten, jemanden, dem man schrieb oder mit dem man sich gut unterhielt, persönlich kennenzulernen.
Freitag, 06.03.2020
AB:
Was machen Sie heute Abend noch? Zwinker.
SW:
Monatlicher Umtrunk im Geschäft. Jetzt auf dem Heimweg.
AB:
Ach so. Was gab es denn?
SW:
Kleinigkeit zu essen. Gab Bier und Wein, habe Wein getrunken. Bier mag ich nicht so sehr.
AB:
Ah, Wein! Würde ich auch trinken. Und Radler, aber nur wenn es warm ist, also das Wetter. Grins. Ist so mein Sommergetränk. Grins.
SW:
Gut zu wissen. Zwinker.
AB:
Trinke aber am liebsten Frankenwein, Silvaner. Heiligenschein. So auch gerade.
SW:
Dann trinken Sie ein Glas für mich mit! Grins.
AB:
Ich habe schon die halbe Flasche geleert … Peinlich.
SW:
Die sind doch nur so klein. Paar Gläschen und schon ist die Flasche leer.
AB:
Ja, wenn man es so sieht …. Grins.
SW:
Ich überlege gerade, woraus man den überall trinken könnte … Lecker.
Nein, das hatte er jetzt nicht wirklich geschrieben? Schluck. Eine blitzartige Erregung durchzog meinen Körper vom Scheitel bis, ja, bis zum Schritt. Konnte mich diese kleine, fast nebenbei erwähnte Bemerkung so aus der Fassung bringen?
AB:
OMG. Meinen Sie das ernst?
Samstag, 07.03.2020
Meine Nacht war sehr unruhig. Diese immense Erregung blieb bestehen oder wurde gar stärker, je mehr ich nachdachte. Das mit dem Wein und den »Gefäßen« ließ mich nun nicht mehr los. So schrieb ich:
AB:
Habe mir zu dem Wein und dem Trinken noch Gedanken gemacht. Kann man ja auch ein wenig rinnen lassen und dann auflecken …
SW:
Oh ja, man kann ihn auch über Bergspitzen fließen lassen … oder aus Tälern auflecken. Lecker.
AB:
OMG, das klingt ja alles wunderbar! Lecker.
Dieses Kitzeln im Schritt wurde natürlich durch das Schreiben nicht wirklich besser. Aber es gefiel mir diese latente Bereitschaft zum Sex, die mein Körper mir mit stetem Fluss der Erregungsflüssigkeit zeigte. Ich hatte Schmetterlinge im Bauch, na ja, eher im Unterleib. Was für ein Gefühl! Ich hatte dies schon lange nicht mehr so wahrgenommen.
Für heute Abend hatten wir uns mit drei Pärchen – alle um die dreißig – von unserem Tanzkurs verabredet. Während ich meine Kleidung für den abendlichen Ausgang mit den Freunden aussuchte, schoss ich noch ein Bild vor dem Spiegel mit rückwärtiger Ansicht in BH und schwarzer Hose.
Untertitel: Suche gerade was zum Anziehen. Gehen zum Tanzen …
SW:
Na, da wird sich doch was Passendes finden … Zwinker.
AB:
(Bild eines Teils meines Oberkörpers mit schwarzem Spitzenoberteil.)
Klar!
SW:
Kann nix erkennen!
AB:
(Bild von mir, geschminkt mit rotem Lippenstift, mein Oberkörper in einem schwarzen Spitzenoberteil.)
SW:
Sehr schön!
Dienstag, 10.03.2020
Hm, Herr Webknecht war wohl wieder mit viel Arbeit eingedeckt. Da schrieb er halt nicht von selbst. So fasste ich, noch im Bett liegend, mich rollig wie eine Katze räkelnd, den Mut und schrieb eine Kurznachricht.
AB:
Guten Morgen, Herr Webknecht! Die Sache mit den Bergen und Tälern hat mir seeehr gut gefallen …. Meinen Sie, Sie hätten eine Gute-Morgen-Geschichte für mich?
SW:
Bin gerade joggen …
AB:
Joggen. Lach.
SW:
In einer Stunde wieder online.
Gut, dann stand ich jetzt mal lieber auf. Er würde sich in einer Stunde melden.
Die Zeit verging, längst waren schon zwei Stunden rum.
AB:
Ist aber eine lange Stunde?!
SW:
Sorry. Keine Zeit. Bin mittlerweile in der Arbeit.
AB:
Okay, dann lass’ ich das jetzt sein. Komme mir gerade äußerst doof vor. Wie so ein kleines naives Mädchen, das spielen will. Vergessen Sie, was ich geschrieben habe.
Ich löschte den Chat, der mich auf Ebenen der Wollust hob, die ich längst nicht gekannt hatte. Autsch, das tat weh! Also beides, die Art wie sich Herr Webknecht meldete und das Nicht-mehr-vorhanden-sein dieser schönen Worte.
SW:
Nein, gar nicht denke ich so. Sorry, viel zu tun!
Mittwoch, 11.03.2020
Den Chat vom gestrigen Tag konnte und wollte ich so nicht auf sich beruhen lassen. Ich wollte Klarheit. Ging der ganze Quatsch nur von mir aus? Ich dachte nein, da die eindeutig prekären Antworten von meinem Chatpartner kamen. Diese verlockten mich, weiterzugehen, weiterzuschreiben. Irgendwie fand ich sehr großen Spaß daran, und daher wollte ich abklären, wie Herr Webknecht die Situation einschätzte.
AB:
Könnten wir kurz telefonieren?
SW:
Ja. Ich melde mich gleich.
Es folgten 56 Minuten, in denen wir uns beide wieder bestens verstanden. Herr Webknecht entschuldigte sich für sein Verhalten, er beteuerte, es nicht böse gemeint zu haben. Er hatte nicht mehr daran gedacht, online zu gehen, da er in Gedanken bereits bei seinen ersten Terminen des Tages gewesen sei. Ich teilte ihm meine Freude mit, nun miteinander zu telefonieren, und stellte ihm gegenüber fest, dass wir sonst nun wahrscheinlich keinen Kontakt mehr hätten, wäre ich nicht so vehement gewesen, uns über die App zu schreiben. Er verneinte dies und wies mich, seinen Kalender durchforstend, darauf hin, dass er sich schon den Tag nach der großen Überraschungsfeier als Termin eingetragen habe (er nannte tatsächlich das richtige Datum), schließlich wolle er schon wissen, ob es denn alles so klappen werde, wo ich mir doch so viel Mühe gemacht hätte. Ein sehr gutes Gefühl beschlich mich, es war warm und öffnete sozusagen mein Herz.
So schrieb ich nach dem Gespräch eine Kurznachricht.
AB:
Danke!
SW:
Bitte.
AB:
Wolke. 7
SW:
Ah, Wolke 7! Geliebt.
In den Nachrichten häuften sich die Berichte über eine neue Viruserkrankung. Ihren Ursprung hatte sie in China. Von dort aus konnte man verfolgen, wie sie sich weltweit zu einer Pandemie entwickelt hatte. Man würde sehen, inwieweit sie uns hier betreffen würde.
Donnerstag, 12.03.2020
Wie jeden Morgen reinigte ich die Katzentoiletten: großes und kleines, mit Streu verklumptes Geschäft mittels einer Schaufel mit Gittereinsatz aufnehmen, sieben und in den Abfallbehälter geben. Weil die anschließende Befüllung mit frischem Streu immer sehr staubte, trug ich eine Maske über Nase und Mund. Solche Masken hatte ich noch aus meiner Zeit, in der ich als Hundefriseurin tätig war. Das eine Klo befand sich in unserem Sportraum, weil die Katze, die in diesem Zimmer die Nacht verbrachte, ein extra Futter benötigte und ihr die anderen Tiere das sonst streitig gemacht hätten. Zudem hatte sie so vor dem Chefkater Ruhe. Vor Jahren hatte ich einmal Katzen gezüchtet, und als ich nach zwei Würfen aus verschiedenen Gründen nicht weitermachen wollte, hatten wir sie allesamt kastrieren lassen. Ihr weiteres Leben nach der Zucht war von vornherein so geplant gewesen, dass sie auf jeden Fall bei uns bleiben würden. Von daher hatten wir einfach mehr Tiere als vielleicht üblich, und das gab dann manchmal ein wenig Stress untereinander – also zwischen den Katzen selbst, wie auch zwischen Tobias und mir, wenn ein Kater dann mal wieder eine Ecke markiert hatte. An der Wand im Fitnesszimmer war ein riesiger Spiegel befestigt. Klar, auf diese Weise konnte man sich während seiner Übungen beobachten und auf eine korrekte Haltung beim Ausführen dieser achten. Ich sah mich vornübergebeugt an, als ich gerade das Streu siebte. »Interessant«, dachte ich. Ich sah interessant aus, wenn man nur die Augen sah. Ich nahm ein Foto auf, begutachtete es eingehend. Zu bunt war mein Resultat, vor allem weil ich noch meinen bunten, gestreiften Bademantel trug. Die Maske war angenehm fliederfarben, aber der Gesamteindruck des Bildes behagte mir nicht. Ich stellte das Foto auf Schwarzweiß. Viel besser!
AB:
(Bild Schwarzweiß mit Maske.)
So werde ich wahrscheinlich nach München kommen müssen. FXXX Corona. Lach.
SW:
Das sieht ja gefährlich aus.
AB:
Mache nur gerade die Katzenklos sauber. Das staubt immer so …
SW:
Lach.
Am Nachmittag erreichte mich dann diese Nachricht:
SW:
Oh Mann, dieses Corona. Hier sind zwei Kollegen daran erkrankt.
AB:
Oh Mist!
SW:
Sind auf einer anderen Etage. Sie desinfizieren gerade alles.
AB:
Oh weh, das klingt aber gar nicht gut. Traurig.
AB:
Habe gerade nachgesehen … sind so wenige Fälle bisher, könnte man wohl auch Lotto spielen …
SW:
Da wär´ mir der Gewinn dann lieber!
AB:
Kommt darauf an, was es zu gewinnen gibt.
SW:
Stimmt! Heiligenschein.
Freitag, 13.03.2020
Heute hatte mein Papa Geburtstag, den 81.! Letztes Jahr hatten wir noch eine Essenseinladung im Kreis der Familie in einem schicken Restaurant für ihn zum runden Jubiläum verwirklicht. Zum Glück! Heuer war vieles anders. Man sollte sich nicht mehr die Hände geben zur Begrüßung oder zur Verabschiedung und schon gar nicht zum Beglückwünschen. Ganz abgesehen vom In-den-Arm-nehmen. Seltsam, seinem Vater nur mal eben Blumen, eine von der ganzen Familie unterschriebene Geburtstagskarte und ein Stückchen Kuchen vorbeizubringen. Schnell noch ein paar Fotos geschossen, zur Erinnerung. Dann wieder heim, Einkäufe verstauen und Essen machen. Gedanken über das Altern, die Gebrechen und Wehwehchen weit von mir geschoben, erledigte ich wieder meine häuslichen Pflichten. Noch schien ich in einem Alter, in dem einem so ziemlich alles leicht fiel. Das würde sich sicher auch noch ändern. War irgendwie ja bei jedem so, also wenn man älter war, dass dann gewisse körperliche Probleme auftraten.
Samstag, 14.03.2020
Am Samstag gingen mein Mann und ich gewöhnlich alle Runden des Tages gemeinsam mit unseren Hunden Gassi. Wir liefen gerade von unserem Nachmittagsspaziergang zurück, da erhielt ich eine Nachricht per Messengerdienst.
SW:
(Zeichnung, darauf zu sehen: Sexstellungen, die während Corona »erlaubt« sind, und welche, bei denen der Mindestabstand von 1,5 Meter nicht eingehalten werden kann.)
Lach.
AB:
Ernsthaft?! Bin gerade Gassi … Verrückt.
SW:
Habe ich gerade von einem Kollegen bekommen … Lach.
Zuhause angekommen, rief ich die Nachricht erneut auf und betrachtete die Abbildungen.
AB:
Okay, ich wäre für die zweite Stellung.
(Zu sehen: eine Frau sitzt rittlings auf einem Mann.)
SW:
Ah, Sie oben?! Sehr gerne, da hätte ich beide Hände frei … Heiligenschein.
Später dann nach weiterer eingehender Betrachtung der Sexstellungen: Mein Mann und ich hatten, so glaubte ich, momentan tatsächlich diese ursprünglich von mir auf der Zeichnung ausgewählte Position als unseren Favorit, wollte ich dies nicht so klar offenbaren.
AB:
Nicht, dass Sie denken, ich möchte nur oben sein, das kann ich jetzt nicht so stehen lassen … Heiligenschein. Auch die Haltung rechts außen (zu sehen: eine kniende Frau, dahinter ein kniender Mann beim Geschlechtsakt) erfüllt mich sehr. Peinlich.
SW:
Ah, sehr gut! »Nicht … stehen lassen« – wie treffend! Lach. Daumen hoch.
Da kam also wieder etwas Pep in unseren Chat, das gefiel mir sehr gut!
Sonntag, 15.03.2020
Heute war die ganze Familie zum Mittagessen bei uns. Tobias hatte leckeren Braten mit Klößen gemacht. Mein Mann war der beste Privatkoch, den man sich denken konnte. Während wir aßen, kam die Sprache natürlich auch auf Corona.
Man hatte mittlerweile schon von einigen Todesfällen gehört, des Weiteren auch von einer stetig steigenden Infektionszahl und dass man das Virus noch nicht einschätzen konnte in Sachen Übertragungswege und Langlebigkeit auf verschiedenen Oberflächen. In anderen Ländern starben bereits viele Menschen, die mit dem Virus infiziert waren, ob direkt an diesem war nicht ganz klar, aber auf jeden Fall mit diesem. Ich berichtete, dass unser Berater von der Agentur erzählt hatte, dass bei ihnen nun auch zwei Fälle bekannt geworden waren. Meine Familie lauschte mir gespannt und schließlich noch gespannter, als ich nebenbei erwähnte, dass ich womöglich dann in gut zwei Wochen wohl eher nicht nach München könne. »Zum Mittagessen mit dem Berater? Ja, ne, is klar …«, meinte der Mittlere und zwinkerte mir zu.
Später beriet ich mich mit Herrn Webknecht per Kurznachrichten-App.
AB:
Vielleicht sollte ich doch die Fahrten canceln?
SW:
Ich weiß auch nicht, was in zwei Wochen sein wird. Und da jetzt die Kollegen in Quarantäne sind, habe ich keine Ahnung, wie das im Büro dann vor Ort weitergehen wird. Eventuell arbeite ich dann nur noch im Homeoffice … Nachdenklich.
AB:
Stimmt, es wäre dann ja nicht mal gesagt, dass Sie dann da wären, selbst wenn der Zug fährt.
AB:
Ich habe vorhin einen Bericht gelesen, aus dem hervorgeht, dass die Bahn den Zugfernverkehr massiv einschränken will, auch von Fahrpreiserstattung auf Kulanz war die Rede …
SW:
Ja, ich denke, stornieren ist fast besser, auch wenn ich es sehr schade finde, Sie nicht – noch nicht – persönlich kennenzulernen …
AB:
Ja, ist echt doof jetzt! Und meine Familie auch … Haben mich vorhin damit aufgezogen, dass ich ja mit Ihnen zum Mittagessen ginge und gelacht.
SW:
Kommt halt dann auf den Nachtisch an. Da hätten sie nicht mehr gelacht …
AB:
Ja, wahrscheinlich.
AB:
Also, gut … dann werde ich die Tickets jetzt stornieren …
Schweren Herzens rief ich die Bahn-App auf. Ein Extra-Button für kulante Rückerstattung im Falle eines bereits erworbenen Super-Sparpreistickets wegen Corona poppte auf. Genau diesen klickte ich an, und drei Klicks weiter war meine Fahrt Nürnberg – München und zurück storniert. Meine Mail-App zeigte mir den Eingang einer neuen Nachricht an. Nach Aufruf dieser konnte ich dem Inhalt entnehmen, dass ich erfolgreich meine Tickets widerrufen hatte und mit einer Gutschrift des längst eingezogenen Betrags in den nächsten Tagen rechnen konnte.
Montag, 16.03.2020
Heute hatte ich wieder einen Termin bei meinem Osteopathen. Wegen meiner Migräne, die seit geraumer Zeit eigentlich nur noch aus der den Anfall ankündigenden Aura bestand, suchte ich den Therapeuten regelmäßig, das heißt spätestens nach sechs Wochen, auf. Die Beschwerden lagen meist im Nacken und an einer verspannten Kiefermuskulatur. Heute zog mein Osteopath auch meinen Unterleib als Verursacher in Betracht, da dieser beim Tasten scheinbar etwas verhärtet war.
AB:
War heute beim Osteopathen. Bin ich regelmäßig wegen meiner Migräne. Zwinker.
SW:
Migräne ist ja nicht so toll. Traurig.
AB:
Ja, allerdings. Der Osteopath hat heute gemeint, dass die Migräne bei mir auch eine andere Ursache haben könnte. Zwinker.
SW:
Hat das etwa mit einem nicht stattfindendem Date in München zu tun? Zwinker.
AB:
Er macht sozusagen erst einmal einen ganzen Körperscan ….
Habe solche fühlbaren Beschwerden im Unterleib … er hat gesagt, ich muss ihn dringend entspannen ….
Also nicht nur ein kitzelkleines Problem Zwinker., es ist tiefERLIEGENd … nicht einfach HANDzuhaben …
Das kommt davon, wenn man sich immer so nette Dinge erzählt/schreibt ….. ach und eine EntspaNnung täte da sOooooguT!
SW:
Ja, für so einen NOTfall müsste ich natürlich Urlaub nehmen. Zwinker.
AB:
Ja … wahrscheinlich. Heiligenschein.
SW:
Also ich würde da ja gerne nachhelfen und alles gut durchblutet und abgelöscht hinterlassen. Würde gerne beim Erfüllen/Ausfüllen behilflich sein.
AB:
Schluck … Bitte erzählen Sie weiter …
SW:
Da frage ich jetzt mal ganz niveaulos: untervögelt vielleicht? Peinlich.
AB:
Definitiv nicht. Heiligenschein. Eine Lehrerin vom Jüngsten meinte mal, dass jemand ihr gesagt habe, sie sollte bei Hunger auf etwas Süßes Äpfel essen. Sie meinte dann, sie könne zehn Äpfel essen, hätte dann immer noch Appetit auf einen Kokosriegel …
SW:
Kokosriegel ist ja auch seeeehr lecker!
AB:
Aber ist wahrscheinlich so, dass ich halt immer Äpfel habe, also seit 31 Jahren. Also, nicht dass ich Äpfel nicht möchte, aber es ist halt immer dasselbe. Vielleicht sollte ich auch mal eine Kokosnuss probieren?
SW:
Alles mit Kokosnuss finde ich klasse. Kokosriegel, usw. …
AB:
Pina colada Kokosnuss.
SW:
Bei Cocktails bin ich eher für Mai Tai oder Planters Punch.
AB:
Ich mag Müsli mit Kokosnuss.
SW:
Also, ich leck’ auch gerne … Eis. Kokos-Eis. Lecker.
AB:
OMG, was für eine Aussage. Schluck.
SW:
Also ich hätte da auch noch meine Hände, die wollen überall hin/hinein. Um die Angelegenheit mal wieder auf »erfüllend« oder in diesem Fall »ausfüllend« zu bringen …. Heiligenschein.
AB:
OMG … Ich glaube mir reichen schon Ihre Worte und ich komme.
Ich habe so etwas noch nie erlebt.
AB:
Bitte noch drei Nachrichten und ich lege das Handy mit Vibrationsalarm in meinen Schritt …
SW: 1.
SW: 2.
SW: 3.
AB:
Hat nicht ganz geklappt …
SW:
Für was so Handys alles herhalten müssen …
AB:
Vielleicht klappt es ja ein anderes Mal. Zwinker.
AB:
Wie kam es zu diesem Chat? Nachdenklich.
SW:
Ich mag, dass Sie so schlagfertig sind und Kontra geben. Das gefällt mir.
Irre, einfach irre! Wie konnte er mich nur mit ein paar geschriebenen Worten so stark erregen. Ich hatte keine Erklärung, wollte sie auch nicht. Alles, was ich wollte, war, dieses Gefühl zu bewahren oder sogar zu steigern.
Mittwoch, 18.03.2020
Wir konnten mal wieder telefonisch in Kontakt treten. Das war mir am liebsten. Konnte ich dadurch doch diese vertrauenerweckende, sanfte Stimme hören. Irgendwann sprachen wir dann auch über die Schule, deren Unterricht nun coronabedingt im Homeschooling stattfand. Dann wechselten wir das Thema und sprachen über Schulverweise. Ich erzählte Herrn Webknecht die Gründe der Verweise des zweiten Sohnes. Herr Webknecht erwiderte dann, dass seine Mutter mal nach dem Erhalt eines Verweises zu ihm nur meinte: »Was hascht g’macht, Sebastian?« Oh, da war er wieder, der Dialekt! Und wie er mich wieder ins Wanken brachte. Ich konnte es noch immer nicht glauben, dass mich das so durcheinander gebracht hatte. War es der Dialekt oder die Stimme? Ich mutmaßte beides! Im schlimmsten Fall aber war es die Person selbst!
Die Einschränkungen wegen dieser neuartigen Viruserkrankung gingen so weit, dass man Restaurants nur unter bestimmten Auflagen besuchen durfte. So war es in dieser Woche zwar möglich vor Ort zu essen, allerdings mussten die Tische untereinander einen Abstand von mindestens 1,5 Meter haben und es durften in Innenräumen nicht mehr als 30 Personen bewirtet werden. Tobias und ich gingen in Begleitung unseres jüngsten Sohnes in unsere Lieblingsgaststätte im Nachbarort. Es war eine gespenstische Stimmung. Wo sonst Trubel und Essendunst vorherrschten, war Ruhe, und nur durch die im Wirtsraum gering vorhandenen Gerüche konnte man erahnen, dass es sich um ein Restaurant handelte. Die Wirtin war glücklich, ein paar Gäste begrüßen zu dürfen. Dass ab dem kommenden Wochenende auch das Empfangen von Besuchern vor Ort eingestellt werden würde, konnte noch niemand ahnen.
AB:
(Bild naiv von unten nach oben blickend.)
Kuss.
SW:
Süßes Bild! Herzchenaugen.
AB:
Das ist, wenn ich von 22 cm nach oben sehe.
SW:
Lach.
AB:
Ich hätte »von DEN 22 cm« schreiben müssen. Grins.
SW:
Grins. Ja, hatte ich schon so verstanden …
Immer wieder blickte ich auf mein Handy, erwartete eine neue Nachricht. Aber es war alles gesagt für diesen Tag. Auf die Bemerkung mit den 22 Zentimetern hätte er schon ein wenig eingehen können, wie ich fand. Aber er war in der Arbeit und da konnte er wohl auch schlecht über solche intimen Maße diskutieren. Waren denn solche Werte ausschlaggebend für guten Sex oder Erfüllung der Triebe? Oft heißt es, die Technik sei mindestens genauso wichtig – wenn nicht sogar wichtiger –, um eine Frau regelrecht zu verwöhnen und zum Höhepunkt zu bringen. Welche Erfahrung hatte ich hier bisher gesammelt?
Meine Eindrücke während des eingeschränkten Betriebes beim Mittagessen waren ernüchternd. Nichts, aber auch gar nichts, war mehr so, wie es war.
Donnerstag, 19.03.2020
Der Chat zu Beginn der Woche hatte mir richtig gut getan. Irgendwie flaute meine Erregung nicht mehr ab, was sich dann auch an einer neu gefundenen Sexualität mit Tobias zeigte. Er war erstaunt, dass ich nun fast vehement täglich Geschlechtsverkehr forderte. Wir änderten auch unsere Standardstellung und probierten während des lustvollen Spieles vieles aus.
AB:
Als Dank für den netten Chat der letzten Tage hätte ich drei Bilder zur Auswahl:
1. mit Brust 2. mit Finger im Mund oder 3. etwas, das ich nicht näher beschreiben kann …
SW:
Ich nehme das dritte Bild. Kleine Anmerkung, ich brauche da auch keine Verpackung oder so. Ich möchte gerne alles sehen.
AB:
Ohne Verpackung? – Oh, da werden Sie enttäuscht sein.
SW:
Das glaube ich nicht. Heiligenschein.
AB:
Wirklich? Oh weh, ich glaube, ich traue mich nicht …
SW:
Einfach schicken. Ist nicht peinlich.
AB:
(Bild von oben aufgenommen, Oberteil mit angedeuteter nackter Scham.)
OMG … Viel Spaß damit …
SW:
Vielen Dank dafür!
SW:
Gerne würde ich Sie zum Reiten einladen ….
AB:
Okay, einmal rittlings.
SW:
Einmal nur? Okay, dann Handarbeit …
Aber bei rittlings hätte ich meine beiden Hände frei …
AB:
Sehr gut! Die Hände … da hätte ich gerne mal ein Bild von, von den Händen, die da frei wären … Zwinker.
Später:
SW:
(Bild von einem Schwedenofen, in dem Feuer brennt.)
Sitze vorm Ofen.
AB:
Und wie war dann die Wirkung?
SW:
War heiß und spritzig … Muss jetzt kalt duschen …
SW:
Nützt nichts.
