O terre enfin libre ... - Volker Mall - E-Book

O terre enfin libre ... E-Book

Volker Mall

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Beschreibung

Von etwa 20 ehemaligen Häftlingen des KZ Außenlagers Hailfingen/Tailfingen wissen wir, dass sie in irgendeiner Form im Widerstand aktiv waren. Die meisten von ihnen waren in der Résistance, Barend Koekkoek und Levie van Straten waren im holländischen, Abraham Fajngold im belgischen Widerstand, Isidor Reichenbaum war Mitglied der KPÖ, einige waren im Aufstand des Warschauer Ghettos (April/Mai 1943). Emanuel Mink, Henry Ramek und Mordechai Ciechanower waren beteiligt an der Vorbereitung des Aufstands des Sonderkommandos Auschwitz-Birkenau im Oktober 1944, Israel Arbeiter am missglückten Aufstand im Arbeitslager Starachowice im Sommer 1944. Alex Sofer schließlich war Ende 1942 in einer Partisaneneinheit bei Krynki.

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Seitenzahl: 87

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Häftlinge im Convoi

77

Résistance

Maurice BenadonHenry BilyAndré Ehret alias Ernest MoszerSerge Foder alias Siegfried FiskusJean HumbertclaudeJosef LereoffEmanuel MinkMaurice MinkowskiElie MizrahiPierre MontemontJaques RebboahHenri Saisier

Österreich

Niederlande

Belgien

Widerstand in Auschwitz

Arbeitslager Starachowice

Partisanen

Abbildungsverzeichnis

Quellen

Literatur

Dank

Lasst uns nicht wie Schafe zur Schlachtbank gehen! Es stimmt, wir sind schwach und hilflos, aber die einzige Antwort an den Feind ist Widerstand!1

1 Manifest des jüdischen Widerstands von A. Kovner, verlesen am 1.1.1942 im Ghetto von Wilna.

Vorwort

,, Nach der Vernichtung des europäischen Judentums hatte sich lange Zeit das Bild vom Juden als wehrloses Opfer eingebürgert. ... Der illegale antifaschistische Widerstand ist bis 1970 von der deutsch-jüdischen Geschichtswissenschaft so gut wie ausgeklammert worden. ... Der Umschwung in der Historiographie setzte um 1970 ein. Seither entstand eine beachtliche Literatur. Das Hohelied jüdischen Widerstands wird in ihr zu Recht gesungen, aber der Wandel und die Gegenreaktion brachten es auch mit sich, dass dabei Pauschalurteile gefällt wurden, die von den Thesen der Hilflosigkeit und Passivität bis hin zum Mythos der Kollaboration der offiziellen jüdischen Repräsentanz reichen. Doch eine derartige Gegenüberstellung von 'Heroen' und 'Schwächlingen' ist ebenso unangebracht wie fragwürdig. Das Standardwerk von Konrad Kwiet und Helmut Eschwege über den jüdischen Widerstand2 hat daher umfassend alle Formen jüdischer Auflehnung gegen die NS-Diktatur dargestellt.“3 Bei unserer langjährigen Recherche fiel uns auf, dass viele der jüdischen Häftlinge im KZ Außenlager Hailfingen/Tailfingen bei Widerstandsaktivitäten beteiligt waren. Ihnen wollen wir ein Denkmal setzen.

Den Anstoß für diese Zusammenstellung gab der Besuch der Angehörigen von Serge Foder alias Siegfried Fiskus bei der Stolpersteinlegung im März 2022 in Stuttgart.

Neue Forschungsergebnisse (u.a. zu Jacques Rebboah, und Henri Saisier) finden jetzt Eingang in dieser zweiten Auflage.

Ô terre enfin libre ... beginnt der letzte Refrain des Chant des marais, einer französischen Fassung der Moorsoldaten.

Résistance

In diesen Organisationen waren „Hailfinger“ Häftlinge aktiv:

Mouvement Combat

Union des Juifs pour la Résistance et l'Entraide (U. J.R.E.)

FTP (Francs-tireurs et partisans)

Jeunesses communistes juives

Les Eclaireurs israélites de France (E.I.F.)

Mouvement national contre le racisme (MNCR)

Häftlinge im Convoi 774

Aus Drancy waren vom ersten bis zum letzten Konvoi Hailfinger Häftlinge dabei; die meisten, nämlich 25 verließen Drancy mit dem letzten Konvoi (Nr.77) am 31.7.1944 und kamen am 3.8.1944 in Auschwitz-Birkenau an. Insgesamt enthielt dieser Konvoi beinahe 1300 Personen, darunter nicht nur 300 Kinder und Jugendliche, sondern auch ganze Familien. „Nach der Selektion werden 291 Juden, die die Nummern B-3673 bis B-3963 erhalten, und 183 Jüdinnen, die mit den Nummern A-16652 bis A-16834 gekennzeichnet werden, als Häftlinge ins Lager eingewiesen. Die übrigen 826 Menschen werden in den Gaskammern getötet.“5 Im Transport von Auschwitz in das KZ Stutthof bei Danzig am 26.10.1944 (an 28.10.1944) waren mindestens 75 Häftlinge aus dem Convoi 77. Sie hatten Auschwitznummem zwischen B-3675 und B-3955. 25 von ihnen kamen im November in das KZ-Außenlager Hailfingen/Tailfingen, 20 mit demselben Transport in das KZ-Außenlager Echterdingen, zwei, Arnold und Raphael Reingewurz (B-3895 und B-3896) vielleicht nach Dautmergen (Schömberg), einer, Frank Stern, * 10.6.1922, B 3933, Natzweiler Nummer 46652, vielleicht nach Offenburg (nach Steegmann)6.

Hailfinger Häftlinge im Convoi 77:

Maurice Benadon, Auschwitznummer B 3682, Jacques Baril B 3678 (+ 1.12.1944), Albert Cahan B 3709 (Schicksal ungeklärt), Robert Caraco B 3712 (vermutlich im Sommer 1945 in der Heil- und Pflegeanstalt Reichenau gestorben), Cadok Davidson B 3728 (Überlebender, Schicksal ungeklärt), André Ehret B 3741, Willy Fischer B 3751 (Überlebender), Serge Foder B 3755 (+22.1.1945), Henri Frajenberg B 3756 (Schicksal ungeklärt), Maurice Grimbert(g) B 3781 (Schicksal ungeklärt), Francois Grosz B 3783 (+ 2.12.1944), Jacques Kinkis B 3816 (+ 6.3.1945), Robert Kirschbaum B 3817 (1922 bis 1984), Maurice Kumentz B 3829 (+ 15.2.1945), Leon Reich B 3892 (+ 28.12.1944), Georges Machlis B 3853 (+ 22.12.1944), André Malka B 3855 (Schicksal ungeklärt), Henri Manowitz A 3858 (+ 29.12.1944), Maurice Minkowski B 3870, Josef Misreh B 3873 (+ 21.12.1944), Simon Razon B 3889 (Überlebender), Isaac Roumi B 3907 (Überlebender), Henri Saisier B 3910 (+ 4.2.1945), Norbert Tugendhat B 3943 (+ 2.12.1944), Isaac Perloff B 9730 (+ 9.12.1944).

Maurice Benadon wurde 1914 in Saloniki geboren. Er halte vier Geschwister, erlebte eine glückliche Jugend, ging auf die jüdische Schule, wo der Unterricht auf Französisch erteilt wurde. Die Familie sprach französisch – wie die meisten Juden in Saloniki. Maurice Benadons Vater dachte, in Frankreich bessere Möglichkeiten zu haben. Die Familie verließ Saloniki 1927/28 und kam über Marseille nach Paris. Zuerst ging Maurice Benadon weiter in die Schule, dann arbeitete er bei seinem Schwager, einem polnischen Juden und Polsterer. Etwa mit 17 Jahren besuchte er an der Pariser Arbeiteruniversität Kurse in Marxismus und Politökonomie, war in der kommunistischen Zelle der Rue Chardon-Lagache aktiv und beteiligte sich an Kundgebungen gegen Faschismus und Krieg. Am Leben der jüdischen Gemeinde nahm er nicht teil. Als er 1936 als Freiwilliger nach Spanien wollte, hielt ihn seine Mutter zurück. 1939 erhielt er die französische Staatsbürgerschaft.

Nach dem Einmarsch der Deutschen wich die Familie nach Cannes in die zone libre aus. Benadon bekam Arbeit am Güterbahnhof Cannes-La Bocca, fand aber keinen Kontakt zur KPF. Er ging danach nach Nizza. Dort beteiligte er sich an Sabotageakten, wurde denunziert und geschnappt, von einem italienischen Offizier verhört und nach einer Ermahnung wieder frei gelassen.

Nachdem die Deutschen nach der Kapitulation Italiens im September 1943 Nizza besetzt hatten, floh er nach Lyon. Er bekam dort Kontakt zu einem Netzwerk (réseau), das seine Schwester rettend in die Schweiz gebracht hatte und nahm über Freunde aus Thessaloniki Kontakt zum kommunistischen Widerstand auf. Trotz seiner Vorbehalte trat er einer Gruppe der Union des Juifs pour la Résistance et l'Entraide (U.J.R.E.) bei und nahm an Widerstandsaktionen teil.

Maurice Benadon est lui aussi Communiste. Mais né à Salonique, éduqué dans la langue française, il se sent à l'époque très peu juif, n'a aucune raison de militer dans la sous-section juive et de s'enfermer dans ce qu'il considère comme un particularisme ethnique destiné à disparaître.7 Durch die Armée secrète bekamen sie Waffen und Material zur Bombenherstellung. Bei einem Unfall wurde er verwundet und musste ins Krankenhaus, nahm aber danach die illegale Arbeit wieder auf, wurde Leiter einer Résistance Gruppe, in der viele jiddisch sprechende polnische Juden waren. Die Gruppe verübte Bombenattentate auf Trafo-Stationen und Waffendepots. Bei Überfällen entwendeten sie Karteien mit Deportationslisten.

Als er gerade mit einem Genossen die Arbeit besprach, wurde Maurice Benadon am 29. Juni 1944 auf der Straße bei einer Razzia, bei der Zwangsarbeiter rekrutiert werden sollten durch zwei Bewaffnete der PPF (Parti Populaire Français)8 festgenommen.

„Am 29. Juni 1944 wurden Maurice Benadon und Julien Winny9 von den Doriotisten10 verhaftet, die sie in einem von einem Deutschen gefahrenen Auto wegfuhren. Die beiden Freunde saßen hinten im Auto.

'Wir sind am Place Bellecour angekommen, einem sehr belebten Ort. Winny saß auf der Saône-Seite, ich auf der Sitzseite (côte place). Wir öffneten die Türen und rannten los. Der deutsche Fahrer schoss, aber Winny tauchte in der Menge unter.

Ich wurde von einem Deutschen in Zivil gefasst. Im Hof der Gestapo trampelten sie mich förmlich nieder. Sie waren wütend, weil sie Winny nicht gefasst hatten.

Und dann wurde ich fast zu Tode geprügelt ... und in eine Baracke im Fort Montluc gebracht. Meine Begleiter gaben mir ein Fläschchen mit Muntermacher (remontant). Es gab Solidarität.

Was mich störte, war die Vorstellung, dass ich sprechen könnte. Ich kannte viele Namen und Adressen. Ich habe versucht, mich umzubringen. Aber zum Glück wurde ich nicht zur Befragung zurückgerufen. Von außen gaben mir meine Kameraden dank Kontakten mit dem Arzt oder den Krankenschwestern des Gefängnisses eine Brille. Ohne Brille sehe ich kaum etwas. Das hat mir das Leben gerettet. Ich konnte sie bis zu meiner Freilassung beobachten – ein wahres Wunder.'“11 Nachdem er vom Gestapo-Gefängnis in Lyon in das Fort Montiuc12 gebracht worden war, wurde er einige Tage später im Personenzug nach Drancy transportiert.

Von Drancy kam er am 31. Juli 1944 mit dem Konvoi 77 nach Auschwitz, wo er am 3.8.1944 ankam und die Nummer B 3682 erhielt (Czech13 S. 840). Er kam ins Straßenbaukommando und litt unter der schweren Arbeit und der mangelhaften Ernährung. Da er nicht jiddisch konnte, wurde er nicht in den Lagerwiderstand einbezogen.

Von Auschwitz kam er am 28.10.1944 nach Stutthof und im November 1944 nach Hailfingen (Natzweiler Nummer 40 490), wo er an Ruhr erkrankte. Am 13.2.1945 wurde er von Hailfingen nach Vaihingen/Enz transportiert, wurde dort mit Typhus infiziert und schließlich am 7.4.1945 durch französische Truppen befreit. In Straßburg blieb er einige Wochen im Militärkrankenhaus und fuhr dann nach Paris.

Nach einer Nacht im Hotel Lutetia ging er in die alte Wohnung. Er hatte erfahren, dass dorthin seine Familie zurückgekehrt war, und traf seine Mutter, seine jüngere Schwester und seinen Bruder wieder.

Maurice Benadon hat eine Tochter Muriel, geboren 1952, zwei Söhne Jean Claude und Marc, geboren 1955, und drei Enkel. Er starb am 1. April 1999.

Nach langer Suche bekamen wir im August 2009 von von der U.J.R.E die Adresse des Sohnes Jean-Claude. Er antwortete uns am 7.10.2009:

« Mon père Maurice Benadon est mort le 1er avril 1999 à Paris. Mon père a eu trois enfants avec sa femme Simone : l’aîné Jean-Claude ensuite Muriel et enfin Marc. Bravo pour votre travail de mémoire. »

Jean Claude Benadon folgte unserer Einladung zur Einweihung der Gedenkstätte im Juni 2010 und war auch bei der Verleihung des Obermayer Awards (Mall/Roth) in Berlin 2018 dabei. Im Interview mit Johannes Kuhn erzählte er: „Als mein Vater zurückkam, hatte er Typhus. Ich habe ihn extrem mager in Erinnerung, er ging am Stock; so war das vielleicht ein oder anderthalb Jahre. Ich habe da ziemlich schreckliche Bilder im Kopf. Aber andererseits ... hatte er einen ausgeprägten Lebenswillen. Er wusste, dass er einen Sohn hatte, mich in dem Fall, und das hielt ihn, denke ich, am Leben. Als die Franzosen sie (im KZ Vaihingen/Enz) befreiten, trafen sie nämlich eine Auswahl zwischen denen, die sterben mussten und denen, die behandelt werden konnten. Sie hatten ihn als Sterbenden betrachtet.

Aber er konnte schließlich noch nach Straßburg entwischen, um dort von Franzosen eingesammelt und gepflegt zu werden.“

Q:

USC Interview 9. 6. 1995, Code 30 297, Carnet Drancy (Mémoire de la Shoah) Nummembuch

Transportliste Auschwitz-Stutthof, Transportliste Drancy-Auschwitz

Jean-Pierre Arthur Bernard: Paris rouge, 1944-1964. Seyssel 1991

David Diamant: 250 combattants de la Resistance témoignent. Témoignages recueillis de septembre 1944 à décembre 1989. Paris 1991

Maurice Benadon

Henry Bily wurde 1920 in Paris geboren. Die Eltern sprachen jiddisch, die Kinder nicht.