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Mit dem "Oberlausitzer Wörterbuch" wird Mundartforschern und Mundartbegeisterten gleichermaßen ein umfangreiches Nachschlagewerk vorgelegt. Das 2003 erstmalig erschienene Wörterbuch ist umfassend erweitert und aktualisiert worden. Darin finden sich über 15.700 mundartliche Wörter zur Umgangssprache, Redewendungen und Sprichwörter im Gebiet zwischen den Flüssen Pulsnitz, Spree, Neiße und Queis, zwischen Zittauer Gebirge und Heideland, mit teilweiser Einbeziehung der angrenzenden Gebiete Nordböhmens, Schlesiens und der Sächsischen Schweiz. Hans Klecker ist ein weit über die Grenzen Sachsens hinaus anerkannter, ausgezeichneter Kenner der Oberlausitzer Mundart, zu der er seit vielen Jahrzehnten intensive Forschungen betreibt. Darüber hinaus ist er u. a. Autor zahlreicher Bücher zur Oberlausitzer Mundart und zum Brauchtum der Oberlausitz.
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Seitenzahl: 1663
Veröffentlichungsjahr: 2021
Das umfassende Standardwerk
Hans Klecker
Oberlausitzer Verlag
Vorwort
Gewährsleute und Helfer
Auswahl der Wörter
Mundartgebiete in der Oberlausitz und deren Nachbarschaft
Mundartschreibung
A
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
P
Q
R
S
T
U
V
W
Z
Abkürzungen
Literaturverzeichnis
Sprachräume der Oberlausitz
Mit dem vorliegenden „Oberlausitzer Wörterbuch“ wird eine erweiterte und umfassend aktualisierte Neuausgabe der Publikation, die erstmals 2003 im Oberausitzer Verlag erschienen ist, vorgelegt. Mit dem Sammeln von Oberlausitzer Mundartwörtern und Redewendungen beschäftige ich mich seit 1969. Dafür bin ich 2010 mit dem „Sächsischen Landespreis für Heimatforschung“ ausgezeichnet worden.
In diesem Nachschlagewerk finden Sie über 15.700 mundartliche Wörter, Umgangssprache, Redewendungen und Sprichwörter im Gebiet zwischen den Flüssen Pulsnitz, Spree, Neiße und Queis, zwischen Zittauer Gebirge und Heideland mit teilweiser Einbeziehung der angrenzenden Gebiete Nordböhmens, Schlesiens und der Sächsischen Schweiz.
Falls Sie sich noch an Mundartwörter erinnern, die im Wörterbuch nicht vorhanden sind, würde ich mich über eine Nachricht freuen. Sie können mir auch gerne schreiben, wenn Sie ein Nachschlagewort nicht finden, häufig liegt es an der Schreibweise, die nicht jeder Ortsmundart gerecht wird.
Wenn Sie mir schreiben wollen oder mehr über meine Person, meine Bücher und meine anderen Angebote erfahren möchten, dann besuchen Sie auch www.hans-klecker.de.
Ihr Heimatfreund
Hans Klecker
Ich möchte mich bei allen Mundartfreunden bedanken, die stunden- u. tagelang meine Befragungen erdulden mussten und mir bereitwillig und herzlich Auskunft über unsere Oberlausitzer Sprache gaben.
Helmut Albert Niedercunnersdorf, Ernst Mehlhose Obercunnersdorf, Gisela Neumann Neugersdorf, Marianne Werner Cunewalde, Sonja Pollack Wittgendorf, Gitta & Werner Steudtner Jonsdorf, Karl-Heinz Stolle Schirgiswalde, Johannes Bielig Burkau, Paul Kühne Steina, Gottfried Richter Oberlichtenau, Horst Mühle Girbigsdorf, Heinz Stollberg Neusorge bei Rothenburg/OL, Ilse Firl u. Rudolf Erblich NOL Königshain, Gottfried Haschke Großhennersdorf
Lina und Alfred Goldberg Obercunnersdorf, Joachim Golbs Obercunnersdorf, Otto Hänsel ZI Friedersdorf, Hans Schelle Wehrsdorf, Heinz Thomas Steinigtwolmsdorf, Alfred Steigelmann Neugersdorf, Edith Matting und Hermann Hohlfeld Neugersdorf, Günther und Manfred Jenke Schönau-Berzdorf, Ludwig Steiniger Großschönau, Regina Büttrich, Helga Maßlich und Hanna Neißner von der Seifhennersdorfrunde, Gerold Schmacht Seitendorf/Ostritz, Ruth und Rudi Gneuß Bühlau, Lisbeth Scholze NOL Wiesa, Gerda und Rudi Thomas Prachenau, Erika und Erhard Fünfstück Särichen, Richard Ender Hörnitz, Christel Haschke Großhennersdorf ( ZI Kemnitz a d. E., Cunewalde), Erika (geb. Dürrhennersdorf) u. Christian Ritter ( ZI Kemmnitz), Reinhard Richter Hinterhermsdorf.
Gottfried Pilz Großschönau, Elfriede Müller Leutersdorf (Textilindustrie), Karl Bernert Löbau (Volksarchitektur), Hans-Werner Otto Bischofswerda, Helmut Albert Niedercunnersdorf, Werner Münster ZI Ebersbach, Karl Schlenkrich Zittau (Pflanzen), Frank Großpietsch Seifhennersdorf (Pilze), Walter Wenzel und Brigitte Golbs aus Leutersdorf (Bäckerei und Konditorei)
Wieland Menzel Dittelsdorf, Bernhard Donke Gebelzig, Erich Heller Bertsdorf, Hans Tschöcke Eibau, Gerhard Rolle Oppelsdorf, Holger Neumann Kirschau, Michael Olbrich ZI Ebersbach, Dr. Eberhard Ohmann Dresden (Großschönau, Hainewalde), S. Hentschel Dessau ( NOL Königshain), Hartwig Bienert Steina, Ulrich Mihan Herrnhut, Uwe Hornig Oppach, Helga Kreutziger Oderwitz, Rainer Schlage Oderwitz, Alfred Fiedler Neugersdorf
Dieter Wenzel Waltersdorf, Manfred Hertel Breitendorf, Manfred Rodig Schmölln, Heinz Vetter BZ Sohland, Karl Pietsch Weifa, Heinz Noack Peickwitz, Helmut Bischoff Wawitz, Doris Tabor Mücka/Weißwasser, Hilmar Böhm Lindenau/OL
Besonders bedanken möchte ich mich bei Helga Kreutziger aus Oberoderwitz, die einen Teil des Wörterbuches durcharbeitete und mir viele wertvolle Hinweise gab.
Die in diesem Nachschlagewerk aufgenommenen Stichwörter entspringen
einer seit 1969 vom Autor betriebenen Mundartwörtersammlung,der zur Verfügung stehenden wissenschaftlichen und belletristischen Mundartliteratur,der Befragung von Gewährsleuten aus allen Teilen der Süd-, West- und Ostlausitz.Beim Besuch der Mundartfreunde durch den Autor dieses Buches wurden die Mundartwörter auf Bekanntheitsgrad, Aussprache, Bedeutung, Verwendung, Genus, Konjugation bei Verben usw. untersucht. Sobald dem Autor zwei unabhängige Belege für ein Stichwort vorlagen, wurden keine weiteren Befragungen durchgeführt. Das spart zwar viel Zeit, hat aber den Nachteil, dass das gesamte Verbreitungsgebiet eines Wortes nicht ermittelt werden konnte.
Den Mundartwörtern sind auch Verbreitungsangaben angefügt, z.B. Obercunnersdorf, Bühlau, Särichen, sSüdlausitz, nOstlausitz. K.-G. Anton hat aber kaum territoriale und örtliche Angaben gemacht, deshalb wurde anstelle des Ortes od. Mundartgebietes (nach) Anton eingefügt. Es ist aber davon auszugehen, dass die von ihm ermittelten Wörter aus dem Ostlausitzer Mundartgebiet stammen.
Wenn Sie ein Nachschlagewort nicht finden, liegt es häufig an der Schreibweise, die nicht jeder Ortsmundart gerecht wird! So sind Nobber `Nachbar´ unter Nubber; uff-, off- od. oaffwoaschn `aufwaschen, abwaschen´ unter ufwoaschn u. Didde, Diede, Tidde, Tiede, Ditte, Diete `Tüte´ unter Titte zu finden.
Sehen Sie sich bitte auch die Hinweise zum Finden an.
Das ostmitteldeutsche Mundartgebiet unterteilt sich in das thüringische, obersächsische und oberlausitz-schlesische.
Das Oberlausitzische zerfällt wiederum in das Südlausitzische, auch als das eigentliche Oberlausitzische oder die Oberlausitzer Kern- oder Hauptmundart bezeichnet, das Westlausitzische südlich und westlich von Kamenz und das Ostlausitzische im Süden u. Osten des heutigen Niederschlesischen Oberlausitzkreises und bis zur Vertreibung der Deutschen auch über die Neiße nach Osten bis zum Queis hinaus.
Als Südlausitzer Mundartgebiet ist im Wörterbuch der gebirgigen Teil zwischen Bischofswerda im Nordwesten und Zittau im Südosten festgelegt, einschließlich des Zittauer Gebirges und der bis 1945 zur Amtshauptmannschaft Zittau gehörenden Orte östlich der Neiße.
Das Mittelfeld der Südlausitzer Mundart, das Oberländische, erstreckt sich von den Dörfern um den Kottmar bis zur Czornebohkette und schließt die mundartlichen Kerngebiete ZI Ebersbach und ZI Friedersdorf mit ein. Die Ortsmundarten des Zittauer Gebirges und Beckens sowie von Seifhennersdorf und Schirgiswalde weisen nordböhmische Einflüsse auf. Im Osten und Westen der Südlausitz befinden sich zwei Gebiete mit Kürzungsmundart. Das östliche lag bis 1945 mit seinem Kerngebiet bei Reichenau und strahlt auch heute noch bis nach Hirschfelde, Wittgendorf, Dittelsdorf, Schlegel und Dittersbach aus. Zum Gebiet der westlichen Kürzung rechnet man die Orte Weifa und Steinigtwolmsdorf. In beiden Gebieten werden die Vor- und Endsilben gekürzt (e-Ausfall). So wird gesoit zu gsoit und Kurnpuppe zu Kurnpupp.
Die Westlausitzer Mundart überquert bei den Städtchen Pulsnitz und Königsbrück die historische böhmisch-meißnische Grenze an der Pulsnitz und dehnt sich bis nach Großnaundorf aus.
Das sorbische Sprachgebiet erstreckt bzw. erstreckte sich nördlich der Czornebohkette über Bautzen bis nach Bad Muskau, Hoyerswerda, Kamenz und Ruhland. Die deutsche Sprache im Munde der Sorben stellt keine gewachsene deutsche Mundart dar und wird als Neulausitzisch bezeichnet.
Auch die Ortsmundarten in den Dörfern um Sebnitz, Neustadt und Stolpen werden von der Sprachforschung dem Oberlausitzischen zugerechnet. Kirchengeschichtlich gehörte diese Region innerhalb des Bistums Meissen zum Archidiakonat Oberlausitz. Wenn auch die dortigen Bewohner den Oberlausitzer Akzent in den letzten 200 Jahren aufgegeben haben, weist das Hohwaldgebiet und der Süden und Osten der Sächsischen Schweiz fast den gleichen Wortschatz wie der westliche Teil der Oberlausitz auf.
Die deutschböhmischen Sprachforscher ordnen auch die nordböhmischen Mundart, wie sie von der deutschen Bevölkerung zwischen Tetschen-Bodenbach (Děčín) und Gablonz an der Neiße (Jablonec nad Nisou) bzw. Heinersdorf an der Tafelfichte (Jindřichovice pod Smrkem) gesprochen wurde, dem Oberlausitzischen zu. Das betrifft besonders die Dörfer im Schluckenauer Zipfel und im Lausitzer Gebirge.
Landesgrenzen sind nicht immer Sprachgrenzen. Das Ostlausitzische schwang sich bis 1945 über die historische am Queis gelegene Grenze zwischen dem Markgraftum Oberlausitz im Westen und dem Herzogtum Schlesien im Osten bis nach Bunzlau hin. Erst ab Liegnitz spricht man von der schlesischen Kräutermundart oder dem Mittelschlesischen, das auch Breslau umgeben hat. Nördlich davon um Glogau wurde neiderländisch, südlich davon um Hirschberg und Waldenburg gebirgsschlesisch gesprochen. Auch das Gebiet südlich des Riesengebirgskammes um Trautenau wird von der Sprachforschung dem Giebirgsschlesischen zugerechnet.
Die (ehemalige) Mundart westlich der Oberlausitz im Raum Pirna - Dresden - Meißen - Großenhain wird als Ostmeißnisch bezeichnet.
Durch den Klang, den Wortschatz und die Lautung kann man die Regionen Oberlausitz, Schlesien und Nordböhmen zu einem großen oberlausitz-schlesischen Sprachgebiet mit Unter-, Unterunter- und Ortsmundarten zusammenfassen. Seine Einwohner sind bzw. waren die Nachkommen der Siedler aus Rheinfranken und Mittelhessen, die auf mehreren Siedlerbahnen, besonders auf der Via Regia, im 12., 13. und 14. Jahrhundert das Oberlausitzer Bergland, das Zittauer Gebirge, das Iser- u. Riesengebirge und die Zobtenberge bevölkerten und in der Zeit der Ausbildung der Mundart gemeinsam zur böhmischen Krone gehörten. Abgesehen vom Westlausitzischen markiert sich das Großgebiet durch sein Kennwort oack, ock, ack, och für nur, doch, bloß.
Südlausitz:
Dörfer zwischen dem Zittauer Gebirge und Bischofswerda
sSüdlausitz:
Dörfer des Zittauer Gebirges, Zittauer Beckens und Gebirgsvorlandes
söSüdlausitz:
Dörfer des Zittauer Gebirges, des oberen Neißegebietes um Hirschfelde und der östlich der Neiße liegenden Orte der ehemaligen Amtshauptmannschaft Zittau
mSüdlausitz:
Dörfer zwischen ZI Ebersbach und Löbau
öSüdlausitz:
östlich von Löbau und Herrnhut gelegene Orte, einschließlich des Eigenschen Kreis und der Dörfer um Ostritz
wSüdlausitz:
Dörfer um Steinigtwolmsdorf und Kirschau
nwSüdlausitz:
Gebiet um Putzkau, Demitz-Thumitz, Burkau
mWestlausitz:
Dörfer im Viereck Bischofswerda - Pulsnitz - Königsbrück - Kamenz - Bischofswerda mit den Zentren Steina und Ohorn, zuzüglich Großröhrsdorf.
sWestlausitz:
Dörfer südwestlich von Bischofswerda (Großdrebnitz, Goldbach, Bühlau) mit dem Stolpener Gebiet
nWestlausitz:
Dörfer zwischen Kamenz und Ruhland (Schmorkau, Schwepnitz, Zeisholz, Jannowitz)
wWestlausitz:
Dörfer auf der Westseite der Pulsnitz (Leppersdorf, Lichtenberg, Großnaundorf, Höckendorf, Laußnitz)
sOstlausitz:
Dörfer um Reichenbach/OL und Görlitz
mOstlausitz:
Dörfer zwischen Görlitz und Rothenburg/OL und um Melaune und Niesky
nOstlausitz:
Dörfer nördlich von Rothenburg/OL, z.B. Rietschen
Neulausitz:
sorbische oder ehemals sorbische Dörfer um Bautzen, Königswartha, Weißwasser, Hoyerswerda, westlich von Weißenberg, östlich von Kamenz und südlich von Senftenberg
Oberland:
Dörfer des Kottmargebietes (Obercunnersdorf, Neugersdorf, ZI Ebersbach) bis Löbau, Cunewalde und Taubenheim
öKürzung:
östliche Kürzungsmundart, ehemalige Dörfer östlich der Neiße im Raum Zittau (Reichenau, Reibersdorf, Seitendorf, ZI Königshain), mit abgeschwächten Formen in Hirschfelde, Wittgendorf, Dittelsdorf und Schlegel
wKürzung:
Weifa, Steinigtwolsdorf, früher auch Ringenhain
Nordböhmen:
ehemals von Deutschen bewohnte Dörfer zwischen Gablonz, Reichenberg und Tetschen-Bodenbach mit dem Lausitzer Gebirge und dem böhmischen Niederland
Schlesien:
niederschlesische Dörfer der preußischen Provinz Schlesien östlich vom Queis
Sächsische Schweiz:
Dörfer um Sebnitz, Neustadt und Hohnstein, die zum Landkreis Sächsische Schweiz gehören
Bei der Zuordnung einer Ortsmundart zu einem Mundartgebiet spielten historische und sprachliche Aspekte (Wortschatz, Lautformen, Akzent) eine Rolle. Es gibt dabei viele Streitfälle. So könnte man die nwSüdlausitz mit den Dörfern Neukirch, Demitz-Thumitz bis Burkau auch dem Westlausitzischen zurechnen, da in diesem Gebiet die sächsische Sprachmelodie das Oberlausitzische so nach und nach verdrängt. Auch mit den ungedehnten Formen (Tisch statt Tiesch, Bock statt Book und oanruffen statt oaaruffm) hält dieses Gebiet zur Westlausitz. Auch ist der Übergangsstreifen der mundartlichen Lautformen vom Südlausitzischen zum Ostlausitzischen um den Rotstein, den Eigenschen Kreis und den Raum Ostritz/Leuba sehr breit. Nach der Geschichte, dem sprachlichen Gesamteindruck und dem Wortschatz steht es zum Südlausitzischen, nach der Gutturalisierung (hinge od. hingn statt hinne oder hinn für `hinten´) zum Ostlausitzischen.
(Anordnung u. Gestaltung)
Es können bei der Aufzeichnung von Mundartwörtern drei Arten der Dialektschreibung verwendet werden. Die einfachste und nachvollziehbarste für die Mundartkenner ist die, wie sie hier im Wörterbuch und von vielen Mundartschriftstellern benutzt wird. Da es keine rechtskräftigen Regeln, sondern nur Empfehlungen für die Mundartschreibung gibt, kann die Schreibweise aber unterschiedlich sein.
Als Grundprinzip gilt dabei, dass die Abweichungen von der Schriftsprache markiert, aber das Schreibmuster der Schriftsprache beibehalten wird.
Schriftsprache
empfohlene
nicht empfohlene
Pappe
Poappe
Boabbe
Brühkartoffeln mit Teich
Teichlmauke
Deich´lmauke
Gattung: wilde Kinderschar
Goatche
Goadche
schlabbern: schlemmen
schloabbern
schloappern
schlottern, zu weit sein
schloappern
schloabbern
Tülle: Gießkannenbrause
Tille
Dille
Dill: ein Würzkraut
Dille
Tille
Radebere: Schiebekarren
Roaber, Roawer, Roaper
Roa´ber´
Brauer
Bräuer
Broier
sagen
soin, soan, soarn
seun, säun
gähnen
gahn, gahnern
gan, gaan, ganern, gaanern
geben
gan oder gaan
gahn
Samen
Som
Soom
Saum
Soom
Som
walken, rollen
wälkern, wälgern
welkern, welgern
Hin und wieder ist die mit dem Mundartwort verwandte hochdeutschen Form unbekannt, umstritten od. gar nicht vorhanden. In diesem Falle wird sich in diesem Nachschlagewerk nach der Schreibweise gerichtet, wie sie im „Wörterbuch der obersächsischen Mundarten“ oder von den meisten Oberlausitzer Mundartschriftstellern verwendet wird. Der Duden schreibt für `Vertiefung´ Delle vor. Leitet man das Wort von einem kleinen Tal ab, wäre de Schreibweise Tälle richtiger.
Häufig sind mehrere Schreibweisen möglich, z.B. Teebs und Deebs, braajgln und praajgln, Gapse und Gabse, grätch und krätch. Für `voriges Jahr´ bieten die einzelnen Schriftsteller folgende Schreibmöglichkeiten an: faartn, fahrtn, fahrtn, vaartn, vartn u. vahrtn. Die mundartlichen Formen von „Töpfer“, „Löffel“ und „Böcklein“ kann man sowohl Tepper, Leffl und Beckl als auch Täpper, Läffl und Bäckl schreiben. Im Wörterbuch findet man sie unter der e-Variante. Bäckl ist zusätzlich auch das Diminutiv (Verkleinerung) von Backe.
Wenn der Leser das mundartliche Sachwort unter t, p, k (stimmlose/harte Konsonanten) oder f nicht findet, dann sollte er bitte unter d, b, g (stimmhafte/weiche Konsonanten) od. v nachsehen oder umgekehrt.
Sucht der Leser das Wörtchen diddn `blasen, schreien´, dann findet er es unter tittn, weil es sprachlich verwandt mit tuten ist. Silln od. soalln `sollen´ ist unter dem Stichwort sulln zu suchen. Steht in der hochdeutschen Form des Mundartwortes in der ersten Silbe ein a od. o, dann ist in der Mundartform ein oa, oaa, o, a od. u zu erwarten, z.B. `Strahwalde´ Strohwaale, Stroahwaale od. Strahwaale, `Jahr´ Juhr (Südlausitz), Johr (Westlausitz) od. Joahr (Neulausitz), `Lorbeer: Kaninchenkot´ Lurber od. Loarber, `widerspenstig´ kurande, koarande, karande, `Advokat´ Uffgoate od. Oaffgoate.
Die lautlichen Unterschiede zwischen den Dörfern beeinträchtigen die Anordnung der Stichwörter stark. Zum Wörtchen `Kirmes´ sagen die Süd- und Ostlausitzer Kirmst und Kurmst, die Westlausitzer Koarmst und Kormst und die westlichen Südlausitzer um Neukirch Kermst und Karmst.
Damit dieser Begriff nur einmal im Wörterbuch erscheint, müssen sich alle Lautformen dem Südlausitzischen unterordnen. Kermst ist also unter Kirmst, Stoarze unter Stirze u. hinger od. hinner unter hinder zu finden. Den Südlausitzer Lautformen folgen in der Reihenfolge Westlausitzer, Ostlausitzer, Nordböhmische und Schlesische.
Da auch die Ortsmundarten in der Südlausitz voneinander abweichen, wird die Lautform von Obercunnersdorf zum Stichwort, gefolgt von einer aus dem Oberland. Es folgen die aus der Ost- u. Westflanke, dem Zittauer Gebirge, aus Seifhennersdorf u. Schirgiswalde u. der östlichen od. westlichen Kürzungsmundart. In Obercunnersdorf wird diskeriert `erzählt´, d.h. das Dischkeriern oder Dischkuriern der benachbarten Gemeinden ist unter diskeriern zu suchen. Anwand, Oanwand, Oannewand od. Oaamerd sind unter der Oberländischen Form Oaanewand `Pflugwende´ und Schaukl, Schauke, Tschaukl od. Zauke unter Tschauke `Maiglöckchen´ zu finden.
Bei Wörtern, die es in der ganzen Oberlausitz gibt, sind die beigefügten Beispielsätze, Redewendungen u. Sprichwörter in Oberländischer Mundart verfasst, zu denen u. [a] die Ortssprachen von Obercunnersdorf, ZI Ebersbach, Neugersdorf, Lawalde, Cunewalde und Oppach gehören. Ist das Wort auf einige wenige Dörfer begrenzt, dann wird auch im Beispielsatz die dortige Ortsmundart verwendet. Das Sachwort Giebe `Haspel´ gibt es nur in der Westlausitz. Deshalb lautet auch der Beispielsatz so: Nabm Baandstuhle staand´s Treibe- und Spulroad met dr Giebe ond dr Schärloatte. So würde kein Südlausitzer sprechen.
Bei Ortsnamen gibt es eine Ausnahmeregelung. Der Ort selbst oder die Region in unmittelbarer Nähe stellen mit ihrer mundartlichen Form das Stichwort. So sind Görlitz nicht unter Gerlz (Südlausitz), sondern unter Gerltsch (Ostlausitz), Königsbrück nicht unter Kienchsbrick, sondern unter Kinnsbreck und NOL Königshain nicht unter Kienchshoajn, sondern unter Kingstn zu finden.
Vom Süden nach Norden wird zunehmend aus dem pf ein f. Im nördlichen Teil der Oberlausitz spricht man von Faffer, Fard und Flaume, im Süden Pfaffer, Pfard und Pflaume.
Die mittleren, nördlichen und östliche Teile der Ostlausitz haben nicht das Endungs -lch beim hochdeutschen -lich. Hier heißt es nicht triebetimplch, sondern triebetimplich. Im Osten des Untersuchungsgebietes ist im Vergleich zum Oberland ein r-Schwund vorhanden. Aus dem Südlausitzer dr (drr) wird im Ostlausitzischen ein doa (kurzes oa), doaheeme statt derheeme, doa Moan statt dr Moan, do kimmt a statt do kimmt´r. In der alten Seifhennersdorfer Mundart steht für `er´ ein klares a, daheeme, da Moan. Diese Vielzahl von lautlichen Unterschieden ist auf Grund der begrenzten Seitenzahl des hier vorliegenden Oberlausitzer Wörterbuches nur im seltensten Falle aufgeführt.
a (gedehnt) Personalpron. 3.Pers. Sg. m. `er´. [1a] Nom., in betonter Satzstellung: kimmt ha ne raus, kimmt sie ne raus, do kimmt dr kleene Junge raus. Nom., in unbetonter Satzstellung: a, ar od. dar kimmt schunn; do kimmt´r, kimmt a od. kimmte (im Oberland um Neugersdorf, Obercunnersdorf, Cunewalde, Oppach). [b] Dat. u. Akk. fallen zusammen; se gitt´n aus´n Waajge, iech hoa´n ne eigeloadd.[2]substantivisch für ein Tier männl. Geschlechts; unser Vogl is a Ha und keene Sie`unserer Vogel istein Männchen und kein Weibchen´.Lautf.: ar.
a (kurz gesprochen) Zahlwort, Pron., unbest. Art. `ein´. [1a] Zahladj. in attr. Verwendung, bezeichnet mit Betonung den Zahlwert; doaas is mei Ee und Oalls; iech bie ne oack uff enn od. een (Westlausitz) od. inn (Neukirch) Beene gekumm; ee,zwee Stunn dauert´s; RA: Zu vill und zu winngk is ee Dingk. [b] Zahlwort ees `eins´; ees, zwee-e, dreie. [c] als Zahladj., zur Bezeichnung einer Ganzheit, Geschlossenheit `nichts (anderes), als, nur´; de ganze Stroße woar ee Woasser. [d] als Zahlwort zur Bezeichnung eines unauflösbaren Sachverhaltes `einig, handelseinig´; die zwee beedn warrn´ch wieder amol neees. [e] zur Bezeichnung von zwei od. mehreren Ereignissen, die zeitlich in einem zusammenfallen; dr Nubber feiert Silberhuckst und Geburtstag a enn; dar schnieft a enn furt `der schnieft fortwährend´. [2]unbest. Pron. [a]betont: Iech soi droack doaas eene; iech rot drees. [b] `jemand´; do kimmt enner bzw. eener, ees od. eens (Westlausitz)! [c] `man´; woaas sull enner od. ees doderzu soin? [d] unbest. Pron. in Verbindung mit ander; ees noa´n andern macht´ch aus´n Stoobe; se leffltn de Suppe ees im´s ander `sie löffelten die Suppe reihum´, a suf ee Bier im´s ander `er soff ein Bier nach dem anderen´. [e] unpers. Pron., das allein steht für ein im Zusammenhang ergänzbares bzw. ersetzbares Subst.; mer saufm enn; eene runderhoon `eine Ohrfeige austeilen´. [3]unbest. Art. [a] unbetont; du bist a Pumphutt! Du hoast aber ann Bauch! Woaas hoat´r´ch oack do fer anne aale Hitsche oaadrähn lussn? Vu anner od. a Reese heemkumm. [b] vor Zahlwörtern u. Mengenangaben die Gültigkeit der Aussage einschränkend, bes. Ostlausitz `ungefähr´; mer assn a Sticker fimfe.
a (kurz gesprochen) best. Art. Akk. unbetont, Ostlausitz ohne dem Westteil `den´; mist mer heute a Ziegnstoal aus?Iech muss heute ei a Kraatschn `ich muss heute in den Kretscham´.
a (kurz gesprochen) Präp. Südlausitz zwischen Wehrsdorf und Lückendorf mit Dreieck Löbau, Weißenberg, Reichenbach `in´; mer foahrn a de Stoaadt, an Buhsch, as Durf; iech wohn enn Buhsch (Ostlausitz);a enn furt `in einem fort, fortwährend, ununterbrochen´. Lautf.: in od. en (kurzes e) Westlausitz, ei Weifa, Steinigtwolmsdorf, Wilthen (nwSüdlausitz), Ostlausitz.
a (kurz gesprochen) Präp. siehe oa!
Ä (lang gesprochen) n. Oberland, Pl. Ee-er (Oberland, Ostlausitz) od. Eier `Hühnerei´; a ruh Ä a Äle gebrutt `ein rohes Ei in Öl gebraten´;a Ä eischloin `Spiegelei machen´; gebrutte Ee-er `Spiegeleier´;a gesuttn od. gesotn Ä `ein gekochtes Ei´; Usteree-er `Ostereier´, Ee-ergackl, verlurne Ee-er `schwimmende Eier, die man ohne zu quirlen in die kochende Brühe schlägt´. RA: wie uff Ee-ern gihn `sehr vorsichtig laufen´. Lautf.: Ei.
ä (kurz gesprochen) Interj. `nein, i wo´.
adann; a oalle dann `indem´. [1] Adv. `in dieser Zeit, unterdessen, inzwischen, mittlerweile´; du woarscht a dr Foabricke, a dann woar´r ba mir.[2]Konjunkt. `während´; a dan iech schlief, hoann se mir de Kirschn gemaust. Lautf.: a (ei, in) dan(n), ei dam öOstlausitz, Schlesien.
a de Kehne siehe Kehne!
asu siehe oa su!
Aajldern siehe Eldern!
Aalder m. f. n. Ostlausitz, Schlesien `Alter: eine Schicht unausgedroschener Garben, die nach der Ernte in den Bansen gestapelt wird´.
aaldern swv. Südlausitz, Ostlausitz, Schlesien `altern: ungedroschene Getreidegarben in den Bansen der Scheune aufschichten, wo sie bis zum Dreschen im Winter aufbewahrt werden´; mer hoann de Goarbm eigeaaldert `eingeschichtet´; ausaaldern `gelagerte ungedroschene Getreidegarben zum Dreschen herausfahren´. Lautf.: altern.
Aale m. Pl. Aaln `Alte´ [1] vorwieg. emotional gebrauchte Bezeichnung `(älterer) Mann, Ehemann, Vater, Vorgesetzter, Chef´; mei Aaler sitzt wieder an Kraatschn.[2]Spielkarte [a] `Eichel-Ober im Doppelkopf od. Schafkopfspiel´, auch ´s aaleViech (Schirgiswalde). [b] `Eichel-Unter im Skatspiel´; dr Aale is schunn raus.[3]Volkskunde ` Korngeist, der sich bei der Ernte in die letzte Garbe flüchtet´; von demjenigen, der beim Dreschen den letzten Schlag tut, sagte man: dar hoat´n Aaln derschloin. Lautf.: Alte Westlausitz.
Aale f. Pl. Aaln `Alte´ [1] vorwieg. emotional gebrauchte Bezeichnung für eine `(ältere) Frau, Ehefrau, Mutter, Liebste´; wenn´ch su späte heemkumme, zankt meine Aale.[2]verstr. `Muttertier´.
Aale Moajd siehe Moajd u. Wiesnschnoarre!
Aalekrohe siehe Krohe!
Aaler n. `Alter´. [1] wie litspr. `Lebensalter, Anzahl der Lebensjahre´; doaas misst´r ennklch wissn, a hoat´s Aaler derzu; kumm oack irscht amol a mei Aaler! [2]`Bejahrtheit, Zustand des Altseins (Gegensatz Jugend)´; uff´s Aaler wird´r noa amol oalbern. Lautf.: Aalder, Aajlder.
aaler Mond m. `abnehmender Mond´. Beim aaln Monde wird gesät od. gesteckt, was in der Erde geerntet werden wird, z.B. Kartoffeln, Rüben, und bei neun Monde `zunehmendem Mond´ wird gesät, was man über der Erde erntet, z.B. Getreide, Zwiebeln; mer hoann aaln Mond. Lautf.: alter Mond.
aaler Weibersummer m. Großhennersdorf, um Lauban `Altweibersommer: Schönwetterlage in der [2] Septemberhälfte´; dr aale Weibersummer is nu do, auch: dr aaln Weiber Summer.
Aales n. (nur Sg.) `Altes (bedeutungsneutrale Bezeichnung für einen alten Menschen männl. od. weibl. Geschlechtes)´; iech soahg oack a Aales kumm.
aalt Adj. älder, aajlder od. äller (öKürzung), oan äldstn od. ällstn (öKürzung) `alt´. [1a] wie litspr. `in vorgerücktem Lebensalter, bejahrt´ (Gegensatz jung); anne aale Jumpfer; RA: War de ne aalt warn will, muss´ch jungk hängn. [b] in der Wendung iech war hinte ne aalt `ich bleibe heut nicht lange munter´. [2]wie litspr. `schon lange vorhanden´ (Gegensatz neu); a aaler Toop.[3]wie litspr. `vor längerer Zeit hergestellt´ (Gegensatz frisch); aaler Kase.[4]nur attr. `abnehmend (vom Mond)´; de Woarzn misst de ba aaln Monde versprechn.[5] emotional wertend; doaas is anne aale gude Jacke `das ist ein guter Kerl´, du bist a aales Schwein.[6] [1] `fade, geschmacklos (durch langes Stehen)´, de Mauke schmackte aalt.[6] [2] `ranzig, verdorben´; de Butter schmackte aalt.
aaltbackn Adj. `altbacken´. [1] `nicht mehr frisch, trocken, hart (von Backwaren)´, die aaltbackn Sammln frieß oalleene![2]übertr. (auf Personen) `alt, verbraucht, nicht mehr knusprig´; die aaltbackn Jumpfern will kenner mih. Lautf.: altbackn Westlausitz.
Aaltbernsdurf`Altbernsdorf (Ortsteil der Stadt Bernstadt [a] d. Eigen im GR)´; de (Aalt)bernsdurfer `die Einwohner von Altbernsdorf´. Lautf.: Aaltbarnsdurf, Bernsdurff, Barnsdurf.
Aalter siehe Aalder!
aaltern siehe aaldern!
aaltfranksch Adj. `altfränkisch: altmodisch, rückständig, nicht zeitgemäß´. Lautf.: aalt-, alt-, franksch, -fränksch.
Aaltjuhrschobd m. selt. veralt. `Abend des 31.Dezember´. Lautf.: Aaltjohrschobd Ostlausitz.
aaltmelk Adj. `vor dem Kalben keine od. nur wenig Milch gebend´; de Kuhe is aaltmelk. Lautf.: aalt-, alt-, -melk, -malk, -melkn, -malkn (nOstlausitz).
aaltmodsch Adj. `altmodisch´; dr Kanter hutte oack a aaltmodsches Frackl oaa.
Aaltmond m. verstr. Seifhennersdorf, um Sebnitz dass. wie Aaler Mond.
Aaltscheider m. `Altschneider´. [1] landw. Fachspr. `Zuchteber, der noch im Alter kastriert u. dann als Mastschwein gehalten wird´. - [2] übertr. (auf Personen) [a] selt. Südlausitz `Wanderbursche´. [b] Nordböhmen `Junggeselle´. Lautf.: Altschneider.
aaltvoatersch Adj. Süd- u. Westlausitz `altväterisch: altmodisch, unmodern, rustikal´; iech moagg mei aaltvoatersch Stiebl. Lautf.: aalt-, alt-, -voatersch, -vatersch, -vätersch.
aanevuhl siehe oaanevuhl!
Abäre (gedehntes a) f. Oberland `Erdbeere´; Abärbätl `Erdbeerbeet´; murne miss mer de Abärn oabnahm. Lautf.: Arbäre, Ardbäre, Abeere, Arbeere, Ardbeere, Ardbiere öSüdlausitz, Ostlausitz, Nordböhmen.
Abberne siehe Aberne!
äbbch siehe ebbch!
Äber m. `Eber: ausgewachsenes, unverschnittenes männl. Hausschwein´. Lautf.: Äwer.
aber Adj. veralt. `schneefrei (von Feldern u. Wiesen), frostfrei´:is Frihjuhr kimmt, de Feldn senn schunn ganz aber. Lautf.: awer.
aber Konjunkt. mdal. veralt. `oder´; kimmst de aber kimmst de ne? Lautf.: oaber, awer, oawer.
äber Adj. `ober´, ohne Komp., Sup. äberscht [1] `weiter oben befindlich, höher liegend, gelegen´; ´s Geldtaschl leit an äbern od. äberschtn Schieblch; zu äberscht und zu niederscht od. underscht `ganz oben und ganz unten´. [2]`dem Rang nach höher stehend, übergeordnet; bessergestellt´; dr äberschte Richter; de Äberschtn `Obrigkeit, Regierenden´ hackn´chanander kee Ooge aus. Lautf.: äwer Westlausitz, jäwer öKürzung.
Äber Hoalbmdurf n. `Ober Halbendorf´, bis 1945 zum Kreis Lauban gehörendes Dorf östlich der Neiße, poln. `Mala Wies Gorna´.
Äber Rusdurf n. `Ober Rudelsdorf´, bis 1945 zum Kreis Lauban gehörendes Dorf östlich der Neiße, poln. `Wrociszow Gorny´.
Äberbette n. `Oberbett: Deckbett´.
Äberbihne f. Zittauer Gebirge, Ostlausitz `Oberbühne´, dass. wie Äberbodn.
Äberbodn m. Süd- u. Westlausitz `der unbewohnte Raum unter der Dachschräge des Wohnhauses; oberster Bodenraum unmittelbar unter dem Dachfirst (Spitzboden)´. Lautf.: Äwerbodn Westlausitz.
äberch Adj. (Gegenteil von niederch) `weiter oben befindlich, höher liegend´; äberche Jungn `Jungen aus dem Oberdorf´, de Äberchn `die Einwohner aus dem Oberdorf´; ´s äberche Schissn `das Schützenfest im Oberdorf´; woarum dar´ch anne Äberche nimmt? `Warum der eine aus dem Oberdorf heiratet?´
Äbercunnerschdurf `Obercunnersdorf(denkmalgeschützter Ortsteil der Gemeinde Kottmar im GR)´; de Äbercunnerschdurfer od. Cunnerschdurfer `die Einwohner von Obercunnersdorf´.
Äberdurf n. `Oberdorf: hoch gelegener Ortsteil, oberes Ende des Dorfes´; de Äberderfschn, Äberderfler, Äberdurfschn od. Äberchn `Bewohner des Oberdorfes´. Lautf.: Äwerdurf Westlausitz.
Äberecke f. `hoch gelegener Ortsteil, oberes Ende des Dorfes´; de Äbereckchn `Bewohner der oberen Ecke des Dorfes´; Spottvers: De Äbereckchn Zickn Zackn, die an Oarsche Kuchn backn!
abergleebsch Adj. `abergläubisch´.
abergloobsch Adj. dass. wie abergleebsch.
Äbergurch n. `Obergurig (Ort u. Gemeinde im BZ)´; de Äbergurcher `die Einwohner von Obergurig´.
Äberhaus n. öKürzung dass. wie Äberbodn;a gingk uff´s Äberhaus; ´s leit uff´m Äberhause. Lautf.: Jäberhaus, Jäwerhaus.
Äberland n. `Oberland´ [1] `höher gelegene, gebirgige Gegend´. [2a] `(das überwiegend von Oberlausitzern dt. Nationalität besiedelte) Oberlausitzer Bergland´. [b] `gesamte Oberlausitz (im Vergleich zur Niederlausitz)´. [c] Stadtteil von ZI Ebersbach. Lautf.: Äwerland Westlausitz.
Äberländer m. `Oberländer: Bewohner des Oberlandes´; RA: Lauter Äberländer - lauter Geldverschwender. Lautf.: Äwerländer Westlausitz.
Äberlaube f. `Oberlaube: Galerie am Obergeschoss eines zweigeschossigen Wohnhauses´.
Äberlausitz f. `Oberlausitz´. [1] `historische Markgrafschaft zwischen der Pulsnitz im Westen und dem Queis (heute in Polen) im Osten und zwischen dem Zittauer Gebirge im Süden und den Städten Bad Muskau, Weißwasser, Hoyerswerda u. Ruhland im Norden, einschließlich des dazugehörenden Heidelandes´. 4362Quadratkilometer liegen im Freistaat Sachsen, 265 im Bundesland Brandenburg u.1941 in Polen. [2]im engeren Sinne `Region, in der Oberlausitzer - bes. Südlausitzer - Mundart, gesprochen wird od. wurde´; unse Äberlausitzer Sproche `unsere Oberlausitzer Mundart´. Lautf.: Äberlausnz Ostlausitz.
Äberlicht n. od. Äberlichte f. `Oberlicht´. [1a] `Deckenbeleuch-tung´. [b] `verglaste Dachöffnung´. [2]Pl. übertr. `Augen´.
Äberlichtn `Oberlichtenau(Ortsteil der Stadt Pulsnitz im BZ)´; de Äberlischn `die Einwohner von Oberlichtenau´; doas sein Äberlische `das sind Oberlichtenauer´. Kurzform: Lichtn.
Abernbissl n. (meist im Pl.) dass. wie Abernstickl.
Abernbittch m. selt. `Pers., die einen dicken Bauch durch Verzehr von Kartoffeln hat; Pers., die rund wie eine Kartoffel ist´. Lautf.: Abunnbittch, Arbernbittch.
Abernbrutl n. Wehrsdorf `aus geriebenen gekochten Kartoffeln unter Zusatz von etw. Mehl u. Salz, manchmal auch Zucker, in Fett gebackenes Pfannengericht in Käulchenform u. abgeflacht; Kartoffelpuffer´. Lautf.: Ardboarnbrutl Frankenthal, Westlausitz.
Abernbuberatsche f. siehe Buberatsche!
Aberne f. Pl. Abern `Erdbirne: Kartoffel´; iech hoa anne Aberne uff´m Taller gelussn; ganze Abern und Harch `Hering mit Pellkartoffeln´; sauer Abern `Kartoffelsalat aus geschnittenen gekochten Kartoffeln, Gurken, Zwiebeln, ausgelassenem Speck, mit Essig´; gewärmte Abern`(ohne oder mit wenig Fett) aufgewärmte bzw. gebratene Pellkartoffeln´; Zicklabern `Kartoffeln für kleine Ziegen´. RA: Abern gehiern an Kaller und ne uff´m Taller.Ein Besserwisser wird in die Schranken gewiesen: „Wenn iech diech ne hätte und de grußn Abern, misst´ch kleene assn!“. Lautf.: Aperne, Abunne `Erdbohne´ Seifhennersdorf, Aburne (Kombination von Aberne `Erdbirne´ u. Abunne `Erdbohne´) Zittauer Gebirge, Aboarne Steinigtwolmsdorf, Ardberne Reichenau [b] Zittau, Abberne bzw. Apperne n u. öOstlausitz, Aboarne Burkau, Arboarne Oberlichtenau, Ardboarne Westlausitz.
Abernfeuer n. Dim. Abernfeuerchl, Abernfeuerchn `Kartoffelfeuer, (bei dem das Kartoffelkraut verbrannt wird und sich die Helfer beim Kartoffellesen kleine Kartoffeln auf Ruten aufspießen und im Feuer rösten od. einfach ins Feuer werfen)´. Lautf.: Siehe Aberne!
Abernfurche f. Dim. Abernfirchl `mit dem Furchenhaken gezogene linienmäßige Vertiefung zwischen zwei dammähnlichen Bodenerhebungen für die Kartoffeln´. Lautf.: Siehe Aberne u. Furche, z. B. Abernfurchde Ostritz, Abbernfudl Girbigsdorf!
Aberngleckl n. selt. söSüdlausitz dass. wie Abernklippl u. Schnellerkoallchl. Lautf.: Abunngleckl Neugersdorf.
Aberngloobe m. scherzh. Wortspielerei in Anlehnung an Abern `Aberglaube´.
Aberngroaber m. `Kartoffelschleuder´. Lautf.: Ardboarngroaber Burkau, Abberngroaber Ostlausitz.
Abernkafer m. `Kartoffelkäfer´. Lautf.: Siehe Aberne!
Abernkirbl n. `Handkorb zum Kartoffellesen und -transportieren´. Lautf.: Siehe Aberne u. Kurb!
Abernkließl n. Dim. von Abernkluß `Kloß aus gekochten Kartoffeln und Mehl´. Lautf.: Siehe Aberne!
Abernklippl n. Niedercunnersdorf `Kartoffelklöppel: beerenartige Frucht der Kartoffelstaude´, auch Schneller-koallchl. Lautf.: Abern-, Aburn-, -klippl, -kleppl, -klappl öSüdlausitz, Zittauer Gebirge, Nordböhmen.
Abernklitscher m. `aus geriebenen rohen Kartoffeln u. Zusatz von etw. Mehl u. Salz, evtl. auch von Zwiebeln od. Möhren, ohne Fett, auf der Herdplatte od. im Tiegl gebackenes flaches Pfannengericht, mit Zucker bestreut; Kartoffelpuffer´; auch Ploattnklitscher. Lautf.: Ardboarnklitscher m. Westlausitz.
Abernkluß n. Pl. Abernkließe dass. wie Abernkließl. Laut.: Siehe Aberne u. Kluß!
Abernkoallchl n. `Kartoffelkeulchen´. [1] `beerenartige Frucht der Kartoffelstaude´; auch Schnellerkoallchl u. Abernklippl.[2a] `(keulchenförmiges) Kloß aus Kartoffeln´; uff´m Sunntche gibbt´s zu Mittche Abernkoallchl und Spaajk. [b] `aus geriebenen gekochten Kartoffeln unter Zusatz von etw. Mehl u. Salz in Fett gebackenes Pfannengericht; Kartoffelpuffer´. Lautf.: Siehe Aberne u. Koallchl!
Abernkober(ch) m. verstr. wSüdlausitz, sWestlausitz `Handkorb zum Kartoffellesen und -transportieren´; auch Abernkoberch. Lautf.: Aboarn- u. Ardboarnkober(ch).
Abernkuchn. m. `Kartoffelkuchen´. Lautf.: Abernkuche, Ardboarnkuchn, Abbernkuchn, Abbernkuche.
Abernkroattch n. (ohne Pl.) `Kartoffelkraut´. Lautf.: Siehe Aberne u. Kroattch!
Abernmauke f. `Kartoffelpüree, Kartoffelbrei, Kartoffelmus, Stampfkartoffeln´. Für manche Südlausitzer unterscheidet sich die Abernmauke vom Abernpoapps od. von der Abernpoappe durch bessere Zutaten wie Speck u. Zwiebel od. Fleischbrühe statt Milch. Lautf.: Siehe Aberne!Abbernmauke, Aboarnmauke. Vgl. Mauke!
Abernplins m. Cunewalde `Kartoffelpuffer´.ruhe Abernplinsn Niedercunnersdorf `Kartoffelpuffer aus rohen Kartoffeln´. Lautf.: Abernplinz Kittlitz, Abernplinse f. Spitzkunnersdorf.
Abernploaaz m. siehe Ploaaz 3!
Abernpoappe m. (alt) f. (neu) nwSüdlausitz, sWestlausitz `Kartoffelbrei´. Lautf.: Abern-, Arbern-, Ardbern-, Arboarn-, Ardboarn-, -poappe, -pappe.
Abernpoaps (kurzes oa) m. Südlausitz `Kartoffelbrei (mit wenig Zutaten)´.
Abernpuffer m. Neukirch `Kartoffelpuffer´. Lautf.: Aburnpuffer Jonsdorf.
Abernschleuder f. `Maschine, die die Kartoffeln aus dem Erdboden schleudert´. Lautf.: Siehe Aberne!
Abernstickl m. (meist im Pl.) Südlausitz, sWestlausitz `in Fleischbrühe od. mit Rindfleisch gekochte Kartoffelstückchen, die mit Petersilie, Kümmel u. Salz gewürzt werden´; Abernstickl und Mährn `Möhrengemüseeintopf´, Abernstickl und Kraut bzw. Grußkraut `Krauteintopf´. Lautf.: Siehe Aberne!
Abernstoamps m. nwSüdlausitz `(minderwertiger) Kartoffelbrei´. Lautf.: Ardboarnstoamps Westlausitz.
Abernsturzl m. (meist im Pl.) `(vertrocknetes) Kartoffelkraut (zum Abdecken der Miete, als Wiesendünger od. Streu)´; auch Abernkroattch. Lautf.: Siehe Aberne u. Sturzl!
Aberntoalke f. Niedercunnersdorf, Cunewalde `(mit keinem od. wenig Fett gebackener od. missratener) Kartoffelpuffer´. Vgl. Toalke!
Äberrihr n. söSüdlausitz, Ostlausitz, Hauswalde dass. wie Äberrihre; de Lurke aus´n Äberrihr.
Äberrihre f. mnwSüdlausitz `Oberröhre: obere Ofenröhre (zum Warmhalten der Speisen dienend)´, dei Tee stitt a dr Äberrihre. Vgl. Gahnoaffe!
Äberrihrtunke f. Girbigsdorf `in der oberen Ofenröhre stehender Körnchenkaffee, der immer warm gehalten wird´. Auch Äberrihrtierdltunke, Äberrihrbrihe, Äberrihrtierdlbrihe NOL Königshain.
Aberschbuch (kurzes u) `Ebersbach´. [1] Sadtteil der Stadt Ebersbach-Neugersdorf im GR; de Aberschbächer hoann gruße Noasnlecher.[2]Ort der Gemeinde Schöpstal im GR´; de Aberschbächer `die Einwohner von Ebersbach´.
Aberschdurf `Ebersdorf (Ortsteil der Stadt Löbau im GR); de Aberschdurfer `die Einwohner von Ebersdorf´; dr Aberschdurfer Sammlfroon woar benn letzn Sammlgange Woare weggekumm.
Äberseierschdurf siehe Seierschdurf!
Äbersteene siehe Steene! Lautf.: Äwersteene.
Äberstiebl n. Dim. von Äberstube [1] `Stübchen im Obergeschoss bzw. im Dachgeschoss des Erkers´. [2]übertr. `Kopf´; dar is an Äberstiebl ne ganz reene `der ist nicht ganz zurechnungsfähig´. Lautf.: Äwerstiebl Westlausitz.
Äberstube f. `Stube im Obergeschoss´.
Äberteel n. `Oberteil´.
Äberuderz f. `Oberoderwitz´, siehe Uderz!
Äberwittch(e) f. `Oberwittig (tsch. Horni Vitkov, Dorf in Nordböhmen)´.
Abeseite siehe Oaabeseite!
abm (gedehntes a) `eben´. [1] Adv. `vor kurzer Zeit´; abm hoa´ch´n noa gesahn![2]Partikel [a] einer Äußerung Nachdruck verleihend (Zustimmung u. Ablehnung); nu abm, doaas dächt´ch o!Nee, abm ne! [b] den Inhalt einer Äußerung mit schon Bekanntem, vorher Gesagtem in Verbindung bringend; Schnoapszumpe koam, do senn mer abm gegangn. [c] den Inhalt einer Aussage als unabänderlich darstellen; woaas aoarmes Luder is, bleibt abm ees; ´s is abm su! Lautf.: abmd,ahm(d) nwSüdlausitz u. Westlausitz.
Aboarne siehe Aberne!
Äbre Oaabseite f. Großhennersdorf `Bodenkammer über dem Anbau an der Hinterseite des Hauses (unter dem herabgezogenen Dach), der sog. Hoalle od. Oaabeseite. Lautf.: Äbre, Äber, Oaabeseite, Oaabseite, Oabseite. Auch Hoallekoammer.
Abschke (gedehntes a) f. mwSüdlausitz `Eberesche´. [1] `Vogelbeerbaum (sorbus aucuparia )´; Abschknschwuppe `Ebereschenzweig´. [2]nur im Pl. `Frucht des Vogelbeerbaumes´; de Abschkn senn reif; Abschknpoappe `Ebereschenmarmelade´. Lautf.: Absche (gedehntes a) Oderwitz, Wittgendorf, Girbigsdorf, Nordböhmen, Abschde söSüdlausitz u. Ostlausitz, Abbschke Burkau.
Abseite f. siehe Oaabeseite!
Abunnbeller n. Seifhennersdorf dass. wie Abernklippl u. Schnellerkoallchl.
Abunne f. Pl. Abunn Seifhennersdorf, Neugersdorf `Erdbohne: Kartoffel´. Lautf.: Abuhne, Pl. Abuhn. Siehe auch Aberne!
Abunnfunse f. Seifhennersdorf `Kartoffelpuffer´.
Abunnmauke f. Seifhennersdorf, Neugersdorf `Kartoffelbrei´.
Aburne siehe Aberne!
Achsfutter n. Südlausitz `Holzteil am Vorder- u. Hintergestell des Wagens, in das unten die eiserne Achse eingelassen ist´.
Achshulz n. dass. wie Achsfutter.
Achsl (gespr. Acksl) f. `Achsel: Schulter´; enn ieber de Achsl oaaguckn `jmdn. verächtlich, nichtachtend anschauen´, de Achsln zuckn od. häbm `seine Unwissenheit, Ratlosigkeit od. Gleichgültigkeit ohne Worte ausdrücken´.
Achslbissl n. veralt. Neugersdorf, Bertsdorf `kleines Stück Stockholz, das der Stöckeroder am Feierabend auf der Achsel mit nach Hause trägt´.
Achsloappl (gespr. Achsl-Oappl) m. selt. Südlausitz `Achselapfel: Gelenkkopf des Schultergelenkes´. Lautf.: Achsläppl.
Achslschlusshemde n. `weibliches Unterhemd ohne Ärmel´.
Ächsner (gespr. Ecksner) m. Süd- u. Ostlausitz `Ochsenknecht´.
Achsschenkl m. `das überstehende Ende der Achse, um das sich das Rad dreht´.
Achssticke n. ZI Friedersdorf, NOL Königshain dass. wie Achslbissl. Auch Achslsticke.
Acht f. in der Fügung siech anacht (einacht) nahm `sich in Acht nehmen, sich vorsehen´.
Achttageseeger m. `Kettenuhr mit Gewichten, die wöchentlich nur einmal aufgezogen zu werden braucht´.
Achtche f. Süd- u. Westlausitz `Achtung: Augenmerk, Aufmerksamkeit, Obacht´; Achtche gan (wie a Schisshund od. wie a Haftlmächer) `aufpassen´. Lautf.: Achtsche.
achte Zahladj. `acht´; acht Tage `eine Woche´, ’s schlätt Achte, mer hoann heute ´n Achtn `wir haben heute den 8. Tag des Monats´, anne Achte an Roade.
achtkantch Adj. `achtkantig´; RA: enn achtkantch rausschmeißn `mit Wucht hinauswerfen´.
ächtsch Adj. Seifhennersdorf `groß, stark, stabil´.
ack siehe oack!
Ackerkleppl m. ZI Herwigsdorf [b] Löbau `Acker-Witwenblume (Knautia arvensis)´.
ackern swv. [1] `den Acker pflügen´. [2]mit enn (ieber woaas) ackern `mühsam u. lange mit jmdm. verhandeln, mühsam jmdn etw. lehren, im Gespräch Schwierigkeiten zu bereinigen suchen´; anne Stunde hoat dr Schulmeester mit uns geackert, ehb mer´sch gelefflt hoann.
Ackerradl n. wSüdlausitz, Westlausitz, Sächs. Schweiz `Ackerrädchen: Vorderpflug, das Fahrgestell des Pfluges´, dass. wie Gezinge.
Ackerreenl n. `Feldrain: ungepflügter schmaler Streifen Land als Grenze zwischen zwei Äckern (unterschiedlicher Besitzer)´; auch Ackerreen m.
Ackerschmäle f. siehe Schmäle!
Ackerwinde f. das Ackerunkraut `Convolvulus arvensis L.´.
Ädernitz f. (veralt.) `Ödernitz (Ort der Stadt Niesky im NOL)´; de Ädernitzer `die Einwohner von Ödernitz´.
Äfftlch m. verstr., selt. [1a] Niedercunnersdorf, Sächs. Schweiz `Pers., die gern dumme Späße macht und ihre Mitmenschen foppt´ [b] Niedercunnersdorf `Angeber, der sich zum Affen macht´. [c] Niedercunnersdorf `junger Mann, der sich auffällig kleidet´. [2]Neugersdorf u. wSüdlausitz `Vogelscheuche´; mer hoann ann Äfftlch uff´m Boom gesoatzt; auch Krautäfftlch.
äfftn swv. Südlausitz `äffen´. [1] `jmdn. zum Narren halten, necken, foppen, erschrecken´; a äffte ´n Hund mit ann hoartn Knuchn; dar aale Lackl koann oack aale Weiber äfftn, noochäfftn od. anoochäfftn `jmdm. bewusst jede Mimik, Gestik nachmachen; jmdn. nachahmen, jmdm. alles bewusst nachplappern´. [2]unpers. ’s äfft `es spukt´;ba dan Steene, wu dar Bartsdurfer Karle sei Maajgl tut machte, do tuttt´s äfftn. RA: Wu´s ne äfft, do scheecht´s `es passiert überall etwas´. Lautf.: äffm.
After m. (alt) n. söSüdlausitz u. msOstlausitz zwischen Rothenburg OL, Görlitz, Zittau `die beim Dreschen abfallende Spreu´, auch Afterch m. Siehe auch Spräh!
äftersch (kurzes ä) siehe eftersch!
Äge f. Pl. Ägn nmSüdlausitz, Ädn od. Eedn Zittauer Gebirge `Egge: mit mehreren Reihen von Zinken versehenes landw. Gerät zum Lockern der Bodenoberfläche und Zerkrümeln der Ackerschollen´; a dr Äge hoat´s Boalkn und Zinkn. Lautf.: Eede Jonsdorf, Oberland zwischen ZI Ebersbach, Cunewalde, BZ Sohland u. nw.Südlausitz um Großdrebnitz; Eege; Iäge söSüdlausitz, Ostlausitz.
Ägeabern f. (nur im Pl.) `Kartoffeln, die nach dem Eggen des abgeernteten Feldes aufgesammelt werden´. Lautf.: Siehe Äge u. Aberne!
agegn Adv. Ostlausitz `entgegen´; siehe auch Kehne!
ägn swv. wie litspr. `eggen: (den Boden) mit der Egge bearbeiten´. Lautf.: eegn;iägn Ostlausitz.
ahinder Adv. u. Adverbialpartikel `hinter, nach hinten´; kumm oack mit ahinder! Lautf.: ahinner, ahinger.
Ählsch (gedehntes ä) ohne Genus `Oehlisch (Ort der Stadt Reichenbach im NOL)´; de Ählscher `die Einwohner von Oehlisch´.
ähnern swv. BZ Sohland, Steinigtwolmsdorf, Neukirch `jmdn. necken, foppen, reizen, belästigen, nachstellen´; a ähnert miech. Lautf.: ehnern Schirgiswalde, Wilthen.
ahoabch (gedehntes oa) Adj. Lawalde, Cunewalde `erhaben: über allen Zweifel´; ´s moanchs ahoabch a dan Aalder.
Ähre f. Pl. Ährn wie litspr. `Blüten- u. Fruchtstand des Getreides´, insbes. `Fruchtstand des Roggens´. Lautf.: Ihre.
Ährnmohst f. `Ährenmahlzeit: Mahlzeit zum Erntefest´.
ahschern ZI Ebersbach siehe äschern!
Ahurn m. Oberland `Ahorn´; RA: Ahurn, Mohhurn, Tittehurn! Lautf.: Ahur f. u. m., Oaahurn m., Oahre f., Uhre f., Oarle f. Nordböhmen, Urle f., Uhr m., Adl n., Oardl n. Häufig Kreuzungen mit Oarle `Erle´. Siehe auch Noasnboom!
akeegn Adv. Ostlausitz siehe Kehne!
akkeroate Adj. `akkurat: genau, sorgfältig, gewissenhaft, ordentlich, tadellos´; meine Frooe macht de Bettn ganz akkeroate.
äkstern refl. selt. veralt. smOstlausitz `sich plagen, sich anstrengen, schinden, quälen, ochsen´.
Aktuar m. veralt. Schirgiswalde `Pers., die aktiv ist, die tätig ist´; Schlenkerch is Aktuar oas Koach.
Äle (gedehntes ä) f. `Öl´ [1] `Speiseöl´; Boomäle `Pflanzenöl´, Leinäle, Älemihle `Ölmühle´;RA: Doaas leeft mer wie Äle runder `das (Gesagte) tut mir gut´; RA über ein vornehmes, teures, (auch protziges) Gemälde: A molt a Ess´ch und Äle; RA: A hoat Äle geseecht `er hat sich so angestrengt, er hat Federn gelassen´; (scherzhafte) Drohung: Iech schloi dch, bis de Äle seechst![2]`Petroleum´; Älekannl, Äleloampe; RA: Oack kee Äle as Feuer schittn! `Nur nicht durch eine unangebrachte Handlung das Unglück verschlimmern´. Lautf.: Iäle Ostlausitz, Irle Girbigsdorf.
Äle (gedehntes ä) f. Pl. Äln Südlausitz `Elle´. [1] nicht mehr gebräuchliches Längenmaß von Unterarmlänge (genau vom Ellbogen bis zur Mittelfingerspitze), die sächs. Elle maß 56,6 cm; zwä Äln Koartun; woaas kust´n anne Äle Futterstuff? RA. Do wird o de Äle länger oas dr Krom! `Die Unkosten übersteigen den Geschäftsgewinn´. [2] `Stockmaß von der Länge einer Elle´. Lautf.: Iäle söSüdlausitz, sOstlausitz.
Älebogn m. `Ellbogen´. Siehe auch Knichl! Lautf.: Ellebogn,Ellboin söSüdlausitz, Nordböhmen;leck dr oack ne schonn de Finger bis zon Ellboin! (öKürzung)
Älefunzl f. `Petroleumlampe, die schlecht brennt, rußt, wenig Licht gibt´. Lautf.: Älefunsl.
Älend siehe Elend!
älende siehe elende!
älendn siehe elendn!
Allerschdurf`Ellersdorf (Ort der Gemeinde Sohland [a] d. Spree im BZ)´; de Allerschdurfer `die Einwohner von Ellersdorf´.
Almer m. veralt. Seifhennersdorf `Brotschrank´; siehe Bruthäusl! Lautf.: Oalmer Ostlausitz.
Älritzl n. Bihms Koarle `Elritze: kleiner Karpfenfisch, Phoxinus phoxinus L.´. Lautf.: Arlätzl ZI Ebersbach, Eldertzl Eibau, Allerlätzl Hirschfelde.
Älritzl n. `zum Ölen angedachter Ritz´.
Älsoardine f. Pl. Älsoardinn `Ölsardine´; Älsoardinnbichsn.
Alster siehe Oaloaster!
Alster`Elstra (Stadt zwischen dem Westlausitzer Mundartgebiet im Westen und dem sorbischen Sprachgebiet im Osten im BZ)´; de Alsterschn `die Einwohner von Elstra´; dr Alstersche Voater bleibt derheeme. Lautf.: Elster. Spitzname: Schummlau.
alteriern swv. refl. `alterieren: sich sehr ärgern, aufregen, geschockt sein´.
Alte Zieglscheune f. `Alte Ziegelscheune (Ort der Gemeinde Panschwitz-Kuckau BZ´. Lautf.: Aale Zieglscheune.
Ambissl n. `kleiner Amboss: Teil des Gestells, auf dem die Sense mit dem Hammer geschärft (geklopft) wurde; ein Stück Eisen, das im Dengelstock durch eine Spitze fest verankert war´. Lautf.: Oambissl, Ambistl Süd- u. Ostlausitz, Ambestl,Amboastl, Ambiesl; Oambiesl Mückenhain, Ambussl,Amboassl, Ambiestl; Ambeestl Neusorge (Ostlausitz); Oaanebiesl Hinterhermsdorf. Siehe auch Denglstook!
amende Adv. `am Ende, vielleicht, möglicherweise, wohl gar´; heut noamittch foahr mer amende a de Stoaadt.
amol Adv. `einmal´. [1] `eines Tages, irgendwann´; kumm oacke amol ba mir verbei![2]partikelhaft, ohne eigtl. Bedeutung [a] verstärkend `aber, doch, endlich´; hurch oack amol har! [b] nach anderen Adverbien; mer gihn heute amol uff´m Omsebarg. Lautf.: amo, amoa(l). Siehe auch eemol!
an Präp. siehe oan!
an Südlausitz `in den, in dem´, siehe a Präp.!
anacht in der Wendung anacht nahm `in Acht nehmen, aufpassen´.
anander reziprokes Pron. wie litspr. `einander: gegenseitig, einer den anderen´; die hoann´ch anander gesucht und gefunn. Lautf.: ananner söSüdlausitz.
ander unbest. Zahladj., auch Ord. [1] eine (durch Zuordnung) bestimmte Größe bezeichnend [a] `der eine von zweien, der (zugehörige) zweite´; RA: Ees is dreißch, ´s ander a hoalb Schook. [b] `der nächste´; ´s ander Juhr `nächstes Jahr´, se kimmt immer iebern andern Tag `sie kommt immer jeden zweiten Tag´. [c] in der Funktion des Dem.pron. `jener´; dar diche is dicke, dar ander dirre.[2]eine beliebige Größe bezeichnend [a] `ein weiterer, noch einer; ein beliebiger anderer´; ees im´s ander lefflte aus dr Schissl `einer nach dem anderen´;oan Wänn hängt ee Geweih oan andern `an den Wänden hängen viele Geweihe nebeneinander´; enner is´n andern sei Teifl `die Menschen machen sich gegenseitig das Leben schwer´. [b] `nicht derselbe, fremd´; a hoat´ch mit enner andern eigelussn. [c] `sich in der Art, Qualität unterscheidend, anders geartet´; de neue Woaschmoaschine is a ganz ander Dingk. Lautf.: anner, anger.
Anderch siehe Enderch!
Andergeschwisterkinder Pl. [1] `Personen, deren Großmütter od. Großväter Geschwister sind bzw. waren, Cousins u. Cousinen zweiten Grades, Großcousine u. Großcousin´; mir zwee beedn senn Andergeschwisterkinder.[2]irrtümlich auch `die Kinder der Geschwister der Eltern; Basen, Vettern´. Lautf.: Annergeschwisterkinner söSüdlausitz, Angergeschwisterkinger selt. West- u. Ostlausitz..
andermol Adv. `andermal: zu einem beliebigen anderen Zeitpunkt´; Vertröstung auf später: „Itze ne, a andermol!“RA:A andermol is wieder andersch. Lautf.: andermo, annermo(l), angermo(l).
andersch Adv. `anders´; friher woar oalls andersch od. anderscher, dar is andersch rim. RA: Wenn´s amol andersch(er) kimmt. A (Sie) is a bissl andersch. `Er (Sie) ist homosexuell´. Lautf.: annersch od. annerscher, angersch od. angerscher.
anderscher Adv. bes. Ostteil der Oberlausitz siehe andersch
änern (gedehntes ä) siehe ähnern!
Angln Pl. Hintere Sächsische Schweiz `Angeln: (lange) Beine´; nimm deine Angln rieber!
Angst f. Südlausitz, sWestlausitz `Schmerzen´; Kuppangst,Zähn- od. Zoahnangst, iech hoa Angst an Knuchn `ich habe starke (rheumatische) Schmerzen in den Gliedmaßen´; dir zoigst ju schunn ver Angst ´n Buckl ganz krumm. (Neukirch)
Angstknotn m. Pl. selt. Großröhrsdorf, Schlesien `(zu hart gekochte) Klöße´. Siehe Kneetl, Kneetlsuppe u. Roaffkoallchl!
ängstlch Adj. mdal. `eilig´; hoa´s oack ne goar su ängstlch! `Habe es nur nicht so eilig!´. Lautf.: ängstlich.
Angstrihr n. söSüdlausitz, Ostlausitz dass. wie Angstrihre; a koam mit´n aaln Angstrihre vu senn salchn Voater; doaas Angstrihr glich ehnder anner Ziehharmonika.
Angstrihre f. Südlausitz `Angströhre´: scherzh. `(hoher) Zylinderhut´.
Anika f. `Arnika, Bergwohlverleih ( Arnica montana)´, Heilpflanze, die ätherische Öle und Bitterstoffe enthält.
anooch Adverbialpartikel Südlausitz `nach´ [1] das räumliche Nacheinander bezeichnend `hinterher´; anoochbläkn, a leeft mer wie a Hindl anooch od. anoo.[2]das zeitliche Nacheinander bezeichnend `fortsetzend u. zu Ende führend, noch einmal, wiederholend´; a äfft mer oalls anooch; doaas luss´ch mer ne anoochsoin. Lautf.: anoo.
anoochern Adj. Ostlausitz dass. wie dernoochern.
anoochräum swv. `nachräumen: nachträglich etw. ordnen, was liederlich war´; oalln Dreck muss dr anoochräum.
anstande Adj.Oberland `imstande: fähig, in der Lage, sachverständig´; zun Furtrickn bie´ch ne anstande. Lautf.: eimstande Ostlausitz.
anu Adv. `(aber) nun, (aber) jetzt´; ´s is schiene gewast, anu gitt´s asNaast!Wie willst´s´n anu hoann?Anu aber! `Lass das endlich sein!´ Formen: nu, nanu.
anzu siehe azu!
Aperne siehe Aberne!
apoarte siehe oapoarte!
Apperne siehe Aberne!
Äppl m. Sg. u. Pl. `Apfel´; gibb mer oack ann Äppl! Dr Äppl fällt ne weit vun Stoamme od. scherzh. Birnboom. Lautf.: Oappl.
Äpplbissl n. (meist Pl.) `Apfelstückchen (zum Trocknen od. zum Reiben)´.
Äpplgriebsch m. siehe Griebsch!
Äpplhurde (kurzes u) f. Dim. Äpplhurdl od. Äpplhirdl (kurzes i) `Äpfelhorde: größeres Holzgestell zum Aufbewahren von Äpfeln u. Birnen im Keller od. Gewölbe´. Siehe auch Hurde!
äppln swv. besonders Westlausitz `Pferdekot (während des Laufens) fallen lassen´; ´s Pfard äpplt.
Äpplpflucker m. `Apfelpflücker´. [1] `Pers., die Äpfel pflückt´; Pers., die nicht auf den Weg achtet, wird wie folgt gehänselt: Mondgucker - Äpplpflucker![2]`Obstpflücker mit Beutel und Stiel´; de Äppl uff´m Wippl krieg´ch oack mit´n Äpplpflucker.
Äpplplätschl n. (meist Pl.) Süd- u. Ostlausitz [1] `geschnittene u. getrocknete Apfelstückchen´. [2]`dünne Apfelscheibe (auch in Form eines Ringes) zum Aufhängen u. Abtrocknen´.
Äpplprietschl n. wSüdlausitz u. sWestlausitz dass. wie Äpplplätschl. Lautf.: Äpplpritschl.
Äpplreis m. `Apfelreis (ein Wochentagessen)´.
Äpplringl n. Ostlausitz `dünne ringförmige Apfelscheibe zum Trocknen´.
Äpploarsch m. selt. Südlausitz `hintere Teil des Apfels; Stelle, an der der Stiel sitzt´. Lautf.: Oapploarsch.
Äpplpoampe f. Spitzkunnersdorf `Apfelmus´.
Äpplpoappe m. (alt) f. (neu) `Apfelmus´;de Mutter hoat mer Äpplpoappe uff de Plinsn geschmährt.
Äpplspaale f. Pl. Äpplspaaln Lauba, Kemnitz, Lauban `geschnittene (u. getrocknete) Äpfelstückchen´. Auch Äpplbissl, Äpplplätschl, Äpplprietschl.
ar siehe a Personalpron. `er´!
Arbäre siehe Abäre!
Arbe n. `Erbe´.
arber siehe erber!
Arbgericht n. wSüdlausitz, sWestlausitz `Erbgericht (Name von Dorfschänken auf Höfen, die früher Erbrichter innehatten)´, auch nur Gericht!
Arbland n. Neukirch `Erbland: das an die Oberlausitz angrenzende Meißnische, in dem der sächsische Kurfürst durch Erbrecht regierte´; dr Magn reecht bis as Arbland.
arbm swv. `erben´. [1] `Erbe antreten, etw. aus anderem Besitz erhalten´. [2]`von seinen Vorfahren etw. als Veranlagung mitbekommen´; de Kuppangst hoa´ch vu menner Mutter gearbt; Volsweisheit: War nischt derheiroat, nischt gewinnt und nischt dererbt, dar bleibt a oarmes Luder, bis´r sterbt. Lautf.: erbm, erm, arm Westlausitz.
Arboarne siehe Aberne!
Arbse f. `Erbse´. [1] (meist im Pl.) wie litspr. `Futter- u. Gemüsepflanze (Pisum sativum )´; Arbsnschutn.[2]`als Nahrungsmittel verwendete Samenkugel der Erbsenpflanze´; Arbsnpoapps mit Spaajk und Sauerkraut.
Arbt, Ärbt f. siehe Oarbeit!
Ardäle f. `Erdöl: Petroleum´.
Ardbäre f. siehe Abäre!
Ardberne siehe Aberne!
Ardboarnboberz(che) f. Westlausitz `Kartoffelhorde, Kartoffelverschlag´.
Ardboarne siehe Aberne!
Ardboarnklitscher siehe Abernklitscher!
Arde f. `Erde: Erdreich, Erdboden´; dar brengt miech noa under de Arde; dar koit schunn lange Arde `er ist vor langer Zeit begraben´.
Ardfoahrer m. Südlausitz `Erdfahrer: Wühlmaus (Arvicola terrestris)´.
Ardfoahrt f. Südlausitz `Gang der Wühlmaus mit Erdaufwürfen´.
Ardfuhre f. Südlausitz [1] `Gang der Wühlmaus´. [2]`Wühlmaus´; mer hoann anne Ardfuhre hinne.
Ardwiestlch m. siehe Wiestlch!
argern swv. refl. ZI Friedersdorf `ärgern´, neben den litspr. Bedeutungen auch `sich ängstigen, sich Sorgen machen; sich vor Gram verzehren; trauern´; dar argert´ch `der trauert um jmdn.´
Argerschdurf siehe Irgerschdurf!
Arippl m. Schirgiswalde `Erdapfel: Kartoffel´. Lautf.: Aräppl od. Ardäppl Nordböhmen.
Arlcht n. selt. `Erlicht´. [1] `Ort mit Erlenbestand, Erlengehölz, Erlengebüsch´. [2]Ortsteil des zur Stadt Rothenburg gehörenden Noes im GR; mer gihn eis Arlcht. Lautf.: Oarlcht, Erlcht.
Arle f. `Erle (Alnus glutinosa)´; Schmähvers auf Rothaarige: Arlnhulz und rute Lodn wachsn uff kenn gudn Bodn. Lautf.: Erle, Oarle.
Ärmchl n. Oberland `kleiner, schwacher Arm´. Lautf.: Armchl.
ärmlch Adj. `ärmlich´. [1] `von Armut zeugend, armselig, dürftig´. [2a] `unterentwickelt, schwächlich´; dr Weese stitt heuer aber ärmlch. [b] `unwohl, übel, schwach, ein bisschen krank´; mir gitt´s armlch, iech hoa Hudelei mit´n Nischl; iech bie schunn drei Juhre armlch und woarte immer noa, doaaß andersch wird. Lautf.: armlch.
arne siehe erne!
arnsthoaftch Adj. `ernsthaft: ernst, seriös, emotional, schwerwiegend´.
Arnschtn (kurzes a) m. `Burg Arnstein in der Hinteren Sächsischen Schweiz, auch Ottendorfer Raubschloss genannt´; no´n (uff´m) Arnschtn gihn. Lautf.: Oarnschtn.
arnt siehe erne!
Arnte f. wie litspr. `Ernte´. Lautf.: Ernte.
Arntefest n. `Erntefest: Fest nach Abschluss der Getreideernte für alle an der Ernte Beteiligten´; iech war´n zerschwumpsn, doaaß´r denkt, Kirmst und Arntefest foalln uff enn Tag.
Arntekranz m. `Erntekranz: großer Kranz aus Ähren von jeder Getreideart u. mit verschiedenem Beiwerk geschmückt, der zum Abschluss der Getreideernte von den Mägden gewunden wurde´.
Arntekrune f. `Erntekrone: Erntekranz als kronenartiges Gebilde geformt´, bestehend aus Ähren aller Getreidearten und Beiwerk, wie Kornblumen, Klatschmohn, Flachs.
Arnteletter f. ZI Friedersdorf `Ernteleiter: Seitenteil des Erntewagens´. Lautf. siehe Letter!
Arntemohst f. `Erntemahlzeit: (bei Gutsherrschaften) reiche Mahlzeit für die Ernteleute (mit Umzug und Tanzmusik in der Schänke)´. Lautf.: Arnte-, Ernte-, -mohst, -mohlst.
arr Südlausitz siehe enner u. a!
ärschlch Adj. [1] `seitenverkehrt´. [a] `die innere Seite nach außen´; du hoast de Strumpjacke uff dr ärschlchn Seite oaa. [b] `links u. rechts vertauscht´; du bist wull mit´n ärschlche Beene zerirscht ufgestoann? [c] `oben u. unten, vorne u. hinten vertauscht´; du brauchst ne a jedn dei ärschlches Gesichte weisen `du brauchst nicht jedem dein Hinterteil zeigen´. [2] übertr. `verkehrt, falsch´; doaas is ärschlch geloofm; dr Frettch fungk glei ärschlch oaa; mit menn Geschenke bie´ch ärschlch oaagekumm. [3]ärschlch rim `homosexuell´; iech dächte, dar is ärschlch rim.[4]übertr. bes. Westlausitz, vom Charakter u. vom Befinden des Menschen `unaufrichtig, falsch, heimtückisch, übel, verrückt´; doaas is a ganz ärschlcher Karle; ärschlch an Kuppe warn `verrückt im Kopf werden´. Lautf.: arschlch, oarschlch.
ärschlch Adv. [1] `mit dem Arsch´; ärschlch oa dr Wand stihn.[2]`mit dem Arsch zuerst, rückwärts´; a koam ärschlch zer Tiere rei.[3]`mit dem Arsch nach oben, verkehrt herum´; se hoat´s Wucheblatl ärschlch a dr Hand.[4]`seitenverkehrt, die innere Seite nach außen´; du hoast de Strumpjacke ärschlch oaa. [5]übertr. `verkehrt, falsch´; a verstitt immer oalls ärschlch. [6]Westlausitz `unwohl, schlecht´; dr Arnstine wurde fir Schreck ganz ärschlch. Lautf.: arschlch, oarschlch, ärschlich; irschlch u. irschlich um Görlitz.
ärschln swv. Süd- u. Ostlausitz [1] `schnell (u. mit kleinen Schritten) laufen (u. dabei mit dem Hintern wackeln)´; s is hoalb neune, de Nubbern ärschlt a de Kirche. [2]`(leichtes, meist ungewolltes) Zusammenstoßen oder Berühren zweier Gesäße´; die beedn Verkeefer hindern Loadntische hoann´ch geärschlt.
arschrecklch siehe derschrecklch! Lautf.: aschrecklch.
Ärtl (kurzes ä) n. Dim. `Örtchen´. [1] `kleines Dorf´. [2]`Klosett, Klo´;iech misste ganz nutwendch uff ´s Ärtl. [3]`Plätzchen´, meist aber Fleckl; a ruhches Ärtl.[4]`sehr dünne, nadelartige Ahle´. Lautf.: Järtl öKürzungsmundart, Ostlausitz.
Arvll, Ärvll siehe Oarmvll u. Arvllch!
Arvllch, Ärvllch m. Burkau `einen Arm voll´; gibb amol dr Ziege ann Ärvllch Hei! Lautf.: Oarvllch, Oarmvllch.
as Südlausitz `in das´, siehe a Präp.!
Asch (kurzes a) siehe Oasch (kurzes oa)!
äschern (kurzes od. länges ä) swv. [1] sSüdlausitz `jucken´; a menn biesn Beene tutt´s aber äschern.[2]Waltersdorf `sich an etw. (Stallwand) reiben, scheuern´. Lautf.: veralt. ahschern ZI Ebersbach.
aschrecklch siehe derschrecklch! Lautf.: arschrecklch.
Äsl m. [1] `Esel´; RA: Wenn´s´n Äsl zu gutt gitt, gitt´r uff´s Eis tanzn.[2]übertr. `Dummkopf´;klatscht man jmdm. aufs Gesäß, bekommt man folgende Reaktion zu hören: „Do hoat schunn moancher Äsl drufgepucht“. Lautf.: Jäsl söSüdlausitz.
Äslsuhr(e) n. `Eselsohr: umgeknickte Ecke einer Buch- od. Heftseite´.
äsnde siehe eesnde!
Assemasser n. `Essmesser´; wu hoast´n de Assemasser, iech find oack spiezche?
Asserei f. `Esserei´. [1] Essen; die als Mahlzeit zubereiteten Speisen´. [2]`ungehörige od. unangenehme Art des Essen; fortwährendes Essen´.
Assl f. meist im Pl. Assln `Füße´; nimm deine Assln rieber!
Assn n. `Essen´. [1] `die (gemeinsame) Einnahme der Mahlzeit´; Mittchassn, Volksweisheit: Ver´n Assn hängt mer´sch Maul, noa´n Assn is mer faul.[2]`die als Mahlzeit zubereiteten Speisen´; sei Assn toogt ne vill.
assn stv. iech ass, du ießt od. isst, mer assn, iech oaß od. oß (alte Form), iech hoa gegassn od. gassn, Imp. Sg. ieß! Imp. Pl. asst! `essen´; mer hoann schunn gassn; RA: Ieß und trink, do wächst doaas Dingk! Asst oack, asst, doaaß mer Mist breetn, mer wulln Abern steckn! War lange isst, labt lange. Salber assn macht fett. War ne dosoaß, dar ne mitoaß.
ästemiern swv. `ästimieren: schätzen, achten, beachten, verehren, respektieren´; dr Schulmeester wird heute goar ne mih richtch ästemiert. Lautf.: ästmiern.
Äster (gedehntes a) Pl. siehe Oos!
asu Adv. siehe su!A macht´s groad asu. Vgl. oa su!
atfliegn stv. Oberland u. swSüdlausitz `entfliegen´; mir is dr Wellnsittch atfloin. Lautf.: antfloin.
atfoalln stv. Oberland u. swSüdlausitz `entfallen, vergessen´; mir is dr Noame atfoalln. Lautf.: antfoalln.
atgihn stv. Oberland u. swSüdlausitz bis Kurort Jonsdorf `entgehen´; luss dr nischt atgihn! Lautf.: antgihn, entgihn.
atloofm stv. Oberland u. swSüdlausitz `entlaufen: weglaufen, fliehen, ausreißen´; du atleefst mer ne! Lautf.: antloofm.
atscheedn stv. Oberland u. swSüdlausitz `entscheiden´; se koann´ch ne atscheedn. Lautf.: antscheedn.
atwischn unregelm. V. iech atwisch(e), du atwischt, iech atwuschte, iech bie atwuscht Obercunnersdorf `(heimlich, unbemerkt u. geräuschlos) entwischen, geräuschlos davonhuschen, (heimlich) verschwinden´. Lautf.: atwuschn msSüdlausitz, antwischn Westlausitz.
atzln swv. veralt. Süd- u. Ostlausitz `lüstern sein, gierig sein, nach etw. verlangen, läppisches Zeug vornehmen´. Lautf.: azln.
atzn swv. söSüdlausitz `schnell laufen, rennen´; do sein mer aber lusgeatzt. Lautf.: etzn Nieder-Neundorf, Schlesien.
atzwä Adj., Adv. Südlausitz `entzwei: in Stücke gegangen´; dar aale Toaapch macht oalls atzwä; die atzwän Mannl durft´ch assn; RA: ´n Teifl a Been atzwä hackn, saajgn, treibm `fleißig hacken, sägen, treiben´. Lautf.: azwä, a(t)zwee Ostlausitz, an(t)-zwee Westlausitz.
atzwee siehe atzwä!
Aua! Interj. Schrei bei plötzlichen Schmerzen.
Aule f. umg. `Spucke, Speichel, Mundauswurf´.
auln swv. vulgär, umg. `(dickflüssig) spucken´.
aus [1] als Adv. [a] `nicht mehr in Funktion´; dr Ufm is aus. [b] `zu Ende´; mit uns zwee beedn is aus; de Kirche is aus.[2]als Adverbialpartikel in unfesten Verbzuss.; ausnahm,ausschwenkn, ausschlofm, ausmahrn, auszankn.[3]als Präp. mit Dat.; aus´n Loadn kumm, de Häusl senn aus Hulz.
ausbachern swv. refl. Süd- u. sWestlausitz `sich der Ofenwärme aussetzen, um sich zu pflegen´. Siehe auch bachern!
ausbaldobern swv. `etw. erkunden, herausfinden´.
ausbaumln swv. `aufhören hin- und herzuschwingen´; lusst dch oack uff dr Schaukl ausbaumln!
ausbeißn stv. [1] wie litspr. `ausbeißen´; siech oa woaase de Zähne ausbeißn.[2]Süd- u. sWestlausitz trans. enn ausbeißn `jmdn. schelten´.
ausbeusln swv. msSüdlausitz `auskernen; Schoten, Erbsen, Bohnen aus der Hülse lösen; Nusskerne von der Schale befreien´.
ausbimmln swv. trans. veralt. `durch Läuten mit einer kleinen Glocke etw. bekannt machen´; hurch oack, woaas dr Gemeenbote wieder ausbimmln tutt!
ausblosn stv. iech blos(e) aus, du bläst aus, mer blosn aus, iech blies aus, iech blus aus (Westlausitz), iech hoa ausgeblosn `ausblasen: auspusten (der Kerze), auslöschen, ausmachen, ersticken´; oaagezundt und ausgeblosn; enn is Labmslicht ausblosn `jmdn. umbringen´.
ausbluttn swv. `ausbluten´. [1] wie litspr. `abfließen von Blut (aus Fleisch)´. [2]`auslaufen von Farbe in Wasser od. beim Waschen aufgrund von schlechten Farbechtheiten (und anfärben der nichtgefärbten Fasern)´; ´s rute Hemde is a dr Wäsche ausgeblutt.[3]in der Wendung enn ausbluttn lussn [a] `jmdm. (finanziell) schädigen´. [b] `jmdm. die Körperkraft, Nerven- u. seelische Kraft rauben´.
ausbogn swv. (Anton) `ausbogen: den Rand des Stoffes, wie der Leinwand, so beschneiden, dass lauter Bogen entstehen, diese dann säumen´. Siehe ausgebogt!
ausbraaschn siehe braaschn!
ausbrittn swv. `ausbrüten´ [1] `auf Eiern sitzen, damit kleine Vögel, Küken schlüpfen´. [2]übertr. `eine Krankheit hervorbringen´; dar maukt su rim, woaas wird´r oack ausbrittn?[3]`etw. erfinden, etw. austüfteln, (sich einen Streich, eine List, eine Gaunerei) ausdenken´.
Ausbund m. `ungewöhnlich wildes, schwer zu bändigendes Kind (meist ein Junge)´.
ausdauern swv. `überstehen, durch-, aushalten´; de Oastern hoann ´n kaaln Winter ne ausgedauert.
ausdeidln swv. Neugersdorf [1] `ausdrehen, etw. Verleiertes dreht sich aus eigener Kraft zurück´; mer verleiertn ´ch uff dr Schaukl ließn ´ch wieder ausdeidln. [2]`austrudeln´; mei Kreisl hoat ´ch glei ausgedeidlt.
ausdirrn swv. `dürren: austrocknen, übertrocknen´. Lautf.: ausdurrn, ausderrn, ausdarrn, ausdoarrn.
ausdoamm sww. trans., refl. `ausdammen: jmdm. od. sich selbst Schaden zufügen, jmdm. eins auswischen´; miech hoat´s ludermäßch ausgedoammt.
ausdreschn (kurzes e) stv. veralt. `mit dem Dreschen fertig werden, das letzte Getreide dreschen´; gestern hoann mer ausgedroaschn. Lautf.: ausdraschn Zittauer Gebirge, Seifhennersdorf, Schirgiswalde.
ausdriesln swv. [1] `sich in einzelne Fasern od. Fäden auflösen, ausfransen (von Gestricktem od. Geweben), sich aufdrehen (von einer Schnur)´; sich de Guschn ausdriesln `viel reden´. [2]Oderwitz dass. wie ausmahrn.
ausduckn swv. veralt. `Mohn aus den Samenkapseln klopfen´.
ausdusln swv. Südlausitz `aus dem Zustand des Schlafens allmählich in den des Wachseins übergehen´; hoast de nu endlch amol ausgeduslt?
ausdusn swv. Südlausitz dass. wie ausdusln.
ausduttln swv. Obercunnersdorf, Oderwitz `ein Gefäß (hastig od. langsam) austrinken´; wenn hoast de denn doaas Zeug nu ausgetuttlt, su vill Durscht koannst de doa goar ne hoann?
aus(e)nander Adv., Adverbialpartikel `auseinander, entzwei, getrennt´; die beedn senn wieder ausnander.
aus(e)nander ackern swv. veralt. `beim Pflügen mit dem Beetpflug von den Rändern des Ackers her beginnen´, wobei am Ende in der Mitte eine breite Furche entsteht, die meistens zugeeggt wird.´
aus(e)nanderposementiern swv. [1] `jmdm. etw. genau erklären´; do muss´ch der´sch abm ausenanderposementiern. [2]`etw. ordnen, sortieren, entwirren´. Lautf.: ausnanderposementiern, aus(e)nanderposmentiern, -pusementiern.
äußern siehe eusern!
außewendch siehe außwendch!
ausfackn swv. verstr. dass. wie ausfeuern.
ausfeuern swv. `ausschlagen (von Pferden)´; dr Soattlche hoat ausgefeuert.
ausfoahrn stv. Konjug. siehe foahrn! `im Gesicht oder am Körper Hautausschlag (Pickel, Bläschen, Pustel) bekommen´; dar is ausgefoahrn a dr Loaffe.
ausfrassn stv. `ausfressen´. [1] wie litspr. `ausessen, ausfressen. leer essen´. [2]nur im Perf. in der Wendung woaas ausgefrassn hoann `eine Straftat getan haben, eine Dummheit begangen haben´. [3]`ausbaden; die Folgen für etw. tragen, (was ein anderer verschuldet hat)´; iech muss is wieder ausfrassn!
ausgan stv. `ausgeben´. [1] `etw. spendieren´; anne Loge (Bier) ausgan.[2]`verteilen´; Assn ausgan.[3]`(Geld) aufbrauchen´; iech hoa menn letzn Gruschn ausgegan.
ausgeboajttlt Adj. (eigtl. Part. Prät. zu ausboajttln) `ausgebeutelt: gedehnt wie ein Beutel, zu weit, ungleichmäßig gedehnt u. verformt´; de Knie-e vu denn Hosn senn ausgeboajttlt. Lautf.: ausgeboajglt Oberland, ausgeboattlt.
ausgebogt Adj. (eigtl. Part. Prät. zu ausbogn) `bogenförmig ausgeschnitten, einen runden Ausschnitt besitzend´;
