Occupy Super Market - Wolfgang Stricker - E-Book

Occupy Super Market E-Book

Wolfgang Stricker

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Beschreibung

Eine reiche Elite steuert die Welt. Sie entscheidet, was gekauft wird und welche Produkte wir gut finden. Sie definiert Trends, schafft Tatsachen, ruft Global Player ins Leben und steuert Lobbys an den Schaltzentralen der Macht. Die Auswirkungen dieser Prozesse auf Umwelt und Gesellschaft sind nebensächlich. Was zählt, sind Effizienz, Profit, Bedarfs- und Wunschdeckung. Dieses Buch ist nichts für Menschen, die die Welt so akzeptieren, wie sie ist. Dieses Buch ist auch nichts für Menschen, die ungern hinterfragen oder denken, keinen Einfluss auf den Lauf der Welt zu haben. Was dieses Buch will, ist bewusst machen, vernetzen und den Nährboden für Lösungen schaffen. Alle, die daran interessiert sind, für die ist dieses Buch geschrieben worden. weniger anzeigen Mediendateien

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Seitenzahl: 167

Veröffentlichungsjahr: 2015

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ISBN: 978-3950387889 OCCUPY SUPER MARKET © 2015 Wolfgang Stricker

Inhaltsverzeichnis

EinleitungEin Kind des Konsumerismus

TEIL 1 ERFAHRUNGSWERTESchöne neue WeltUnser Maßstab für WohlstandDer beeinflusste KonsumentDie andere Seite der schönen neuen WeltWas konsumieren wir?Wir müllen uns zuKapital hat keine NationalitätGeplante Obsoleszenz und die 110-Jahre-GlühbirneService... was war das noch gleich?Der unzufriedene Bürger Konsument

TEIL 2 BEWUSSTWERDUNGDie tägliche StimmabgabeFolge dem GeldDer wehrhafte KundeBOTTOM-UP-SCHECKBUCHDIPLOMATIE oder wie man die globale Erotik-Industrie in die Pleite drängtDer ewige KäufermarktWenn Unternehmen Kunden zuhörenDie Macht der KundenWer hat hier das Sagen?Kunden vergessenEine reiche Elite steuert die Welt

TEIL 3 LÖSUNGSANSÄTZEEin unwiderstehliches AngebotDie neuen HeldenDie neuen Märkte: bunter, größer, einfacher?„Zu allem Glück gehört auch ein bisschen Überfluss“Die neuen Helden IIBottom-up-ScheckbuchdiplomatenAlles Neue braucht einen AnfangOccupy this super marketNoch auf ein Wort…Nachtrag

____________ Warum du dieses Buch lesen solltest! ____________

Eine reiche Elite steuert die Welt. Sie entscheidet, was gekauft wird und welche Produkte wir gut finden. Sie definiert Trends, schafft Tatsachen, ruft Global Player ins Leben und steuert Lobbys an den Schaltzentralen der Macht. Die Auswirkungen dieser Prozesse auf Umwelt und Gesellschaft sind nebensächlich. Was zählt, sind Effizienz, Profit, Bedarfs- und Wunschdeckung.

Klimawandel, Überfischung der Meere, Armut, Artensterben, giftige Inhaltsstoffe in unserem Essen, Überschuldung, schlechte Bildung, Lichtverschmutzung; wachsende Überwachung unserer Privatsphäre. Die Liste ist endlos. Wer weiß schon, was davon wirklich stimmt? Jede Studie hat ihre Gegenstudie. Wer kann es schon überprüfen? Wer behält den Überblick? Auf wen können wir uns noch verlassen in einer Welt, in der an jeder Ecke ein neuer Skandal beginnt, vor Vertuschung zu stinken? Uns geht´s doch gut. Und überhaupt, was können wir schon ausrichten? Wer sind wir schon? Aber sollten wir nicht etwas ausrichten können? Oder zumindest einen Versuch starten? Doch wie? Worauf kommt´s an? Doch wieder das altbewährte Bauchgefühl? Oder gar Bauernschläue? Egal, was wir gegen oder gar für etwas tun; es sollte möglichst einfach sein. Neben der Pflege von Internetprofilen, Selfies und dem gepflegten Afterwork-Cocktail bleibt schließlich nicht viel Zeit für Dinge wie die Rettung der Welt. Keine Zeit und schon gar keine Lust, um langwierige Formulare auszufüllen, sich politisch zu betätigen oder Bäume in Nicaragua zu pflanzen. Gibt´s da nicht auch irgendetwas, das Spaß macht? Was Unverbindliches und so? So zum Ausprobieren mal?

Gibt´s sowas? Ja? Haben wir vielleicht etwas übersehen? Liegt der Schlüssel vielleicht sogar bereits in unserer Hand?

Dieses Buch ist nichts für Menschen, die die Welt so akzeptieren, wie sie ist. Dieses Buch ist auch nichts für Menschen, die ungern hinterfragen oder denken, keinen Einfluss auf den Lauf der Welt zu haben.

____________ Ein Kind des Konsumerismus ____________

Es war so etwas wie ein Hobby für mich. Als ich noch ein Kind war und auch später als Jugendlicher wollte ich immer alle Produkte, die mir in die Finger kamen, ganz genau in Augenschein nehmen. Ganz egal, ob es sich um Getränkedosen, Süßigkeiten, Chips oder andere Dinge handelte. Beinahe mehr noch als der Inhalt interessierten mich dabei allerdings die Verpackungen der Artikel. Mit suchendem Blick betrachtete ich sie von allen Seiten und achtete darauf, welche Gefühle die darauf abgedruckten Motive bei mir auslösten. Wenn etwa auf einer Orangensaft-Verpackung ein Sonnenaufgang über einer tropischen Landschaft zu sehen war, empfand ich es als aufregend, ein Stück davon irgendwie zu mir nehmen zu können. Denn ich nahm an, dass der Ort, wo die Orangen geerntet wurden, wohl ähnlich aussehen musste.

____________ Schöne neue Welt ____________

Marken waren alles, Produkte allgegenwärtig, als ich in den 1980ern und 1990ern inmitten der wohlhabenden Gesellschaft Westeuropas aufwuchs. Ebenso wie die klingenden Werbeslogans, die immer häufiger auch Verwendung im allgemeinen Sprachgebrauch fanden. Es war eine bunte, farbenreiche und aufregende Welt der Vielfalt. Und ich liebte sie! Ich war ein Kind des Konsumerismus. Denn was ich damals nicht ahnte war, dass lange bevor ich diese Welt betrat, eine Entwicklung in Gang gesetzt wurde, die bis heute ungebrochen ist. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erlebten viele Staaten in Europa eine Blütezeit, die mit sich brachte, was wir allgemeinhin unter Wohlstand verstehen; eine nie dagewesene Vielfalt an Produkten und vor allem Ideen, die oftmals bereits länger in Amerika etabliert waren und nun auch diesseits des Atlantiks auf fruchtbaren Boden treffen konnten. So entwickelten sich auch hier immer neue Formen und Welten des Konsums. Supermärkte mit einer breiten Auswahl an Produkten zu günstigen Preisen, Einkaufszentren und farbenreich gestaltete Erlebniswelten, die Kundinnen und Kunden zu Millionen lockten und immer stärker mit Konsum verknüpft waren, wurden aus dem Boden gestampft. Dazu ermöglichten bald neuartige Vertriebsformen wie Katalogbestellung und Tele-Shopping das Einkaufserlebnis rund um die Uhr. Konsum war von einem Grundbedürfnis zu einer Freizeitbeschäftigung geworden, ja, für viele sogar zu einem Lebensinhalt! Über die Jahrzehnte hinweg entwickelte sich eine gut geölte, globale Verkaufsmaschinerie, die Marken die Eigenschaft verlieh, Menschen in bestimmte soziale Statusklassen einzuteilen und Unternehmen Summen erwirtschaften ließ, die die Bruttoinlandsprodukte ganzer Länder blass aussehen ließen. Diese Unternehmen wurden dadurch wiederum in die Lage versetzt, ihre Konkurrenten aufzukaufen, Betriebe zusammenzulegen und so noch größere Profite zu machen. Ein außenstehender Beobachter konnte den Eindruck gewinnen, der Konsum wurde mehr und mehr zum Selbstzweck und diese Entwicklung wird erst in den letzten Jahren aufgrund der Problematik des Strebens nach unendlichem Wachstum auf einem endlichen Planeten wieder leise infrage gestellt. Es war und ist auch heute noch eine aufregende und farbenreiche Welt, die die Gesellschaft, in der wir leben, intensiv mitgestaltet, für Ereignisse sorgt, die Geschichte ein gehöriges Stück weit mit schreibt und Entwicklungen vorantreibt. Noch heute komme ich persönlich nicht daran vorbei, die jährlichen Berichte, in denen die wertvollsten Marken der Welt aufgelistet werden, zu lesen; oder etwa Berichte über Geschäftsführer bekannter Unternehmen zu verfolgen, die Einblicke in die Erfolgsgeschichten ihrer Unternehmens geben und Erklärungsversuche starten, um den Hype ihrer Marke und die vielschichtigen Mechanismen dahinter verständlich zu machen. Einerseits interessieren mich diese Berichte und Informationen vielleicht deshalb, weil ich selbst Unternehmer bin und von daher ein gewisses Faible für diese Welt nicht verleugnen kann. Andererseits hat diese Entwicklung gemeinsam mit Berichten über interessante Marken vielleicht sogar meine Entscheidung beeinflusst, überhaupt ein Unternehmen zu gründen..? Wer weiß…

____________ Unser Maßstab für Wohlstand ____________

Der durchschnittliche Diskont-Supermarkt wartet heute mit einem Angebot von „nur“ ca. 1.000 bis 1.500 verschiedenen Artikeln auf. In herkömmlichen Supermärkten begegnen uns zwischen ca. 7.000 bis 11.000 verschiedene Produkte. Übertrumpft wird diese Auswahl noch von Vollsortimentsanbietern oder so genannten Hypermärkten, die ständig ca. 40.000 bis 200.000 verschiedene Produkte für ihre geschätzte Kundschaft bereithalten. Schon diese Zahlen werden einem beim Gang durch einen Supermarkt kaum bewusst, da wir als Kundinnen und Kunden wohl eher dennoch dazu tendieren, immer wieder dieselben Produkte zu kaufen oder im Markt nur bestimmte Gänge anzusteuern. Die Anzahl der verschiedenen Produkte, die sich in modernen Shopping-Malls mit 300 unterschiedlichen Shops und mehr finden, übersteigt eigentlich bereits die menschliche Vorstellungskraft. Auf die Spitze getrieben wird diese schier unendliche Produktvielfalt dann schließlich vom Online-Handel, wo aufgrund der Tatsache, dass die Produkte nicht ständig auf Lager gehalten werden müssen und die Artikel nur in Bits und Bytes auf Computern und Tablets dargestellt werden, theoretisch eine unbegrenzte Anzahl an Artikeln angeboten werden kann. Der Onlinehändler Amazon, der ein breites Sortiment vom Buchklassiker über den Stabmixer bis hin zum Ecksofa bereithält, hatte im Jahr 2011 in seinem Deutschland-Shop beispielsweise 5,4 Millionen verschiedene Produkte gelistet. Konsumenten können heute also mit Recht über die Qual der Wahl klagen, sicherlich aber nicht über einen Mangel an Auswahl. Täglich stehen wir vor einer riesigen Auswahl an Produkten und Dienstleistungen, die wir in Anspruch nehmen können. Die Entscheidung beginnt damit, welches Restaurant oder welchen Coffeeshop wir in der Mittagspause oder abends besuchen, welche Fluglinie wir für den Urlaub wählen oder mit welchem Mobilfunkanbieter wir einen Vertrag abgeschlossen haben, um auch mobil mit unseren Freunden in Kontakt zu bleiben. Obwohl es eine solch riesige Auswahl an Produkten gibt, die eigentlich sehr unübersichtlich ist, haben wir in der Regel den Eindruck, davon nicht überfordert zu sein und eine gute Transparenz zu genießen. Der Grund dafür mag darin liegen, dass bei unseren Entscheidungen für bestimmte Produkte oder Dienstleistungen Marken im Vordergrund stehen, denen wir vertrauen oder mit denen wir uns identifizieren können. Diese dienen uns als Orientierungshilfe. Wir kaufen Produkte von Marken, die es schaffen, uns ein positives Image zu vermitteln. Wir gehen dann von einer bestimmten Qualität oder Beschaffenheit, manchmal sogar von einem mit den Produkten verknüpften Glücksgefühl aus, das wir uns zu erkaufen hoffen. Teils ist dieses Image oder Vertrauen durch Werbung begründet, die uns einen Ausblick auf die Produkteigenschaften und das Produkterlebnis vermittelt hat, teils hängt es aber auch mit Erfahrungswerten zusammen, die wir bereits bei früheren Käufen sammeln konnten. Viele psychologische Studien attestieren, dass insbesondere Entscheidungen, die aufgrund von Werbung getroffen werden, nur selten wirklich rationell ablaufen, sondern dass sich die zugrunde liegenden Prozesse auf einer sehr emotionalen Ebene abspielen.1 Speziell der „Lifestyle-Faktor“ hat in den letzten Jahrzehnten deutlich an Bedeutung für den Konsum gewonnen. Schließlich brauchen

____________ Der beeinflusste Konsument ____________

Knapp 30 Minuten Fahrtzeit von dem Ort entfernt, an dem ich aufgewachsen bin, befand sich schon in meiner Jugend ein großes Shopping Center mit mehreren 100 Geschäften, Restaurants, Plazas, Cafés, Kino- und Entertainmentbereichen. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie ich damals mit Freunden am Wochenende los zog, um dort einfach eine gute Zeit zu haben. Es ging uns nicht direkt darum, bestimmte Produkte zu kaufen, die wir brauchten. Es war das Erlebnis an sich. Wir sahen diese Ausflüge ebenso als Hobbys an wie mit dem Rad zu fahren, in der Werkstatt an etwas zu basteln oder Computerspiele zu spielen. Und wir waren dabei sicherlich nicht die Einzigen. Während meiner Jugend und im Erwachsenenalter differenzierte sich mein Bild von dieser schönen neuen Welt ein wenig. Irgendwann bemerkte ich, dass die Produkte selbst eigentlich immer mehr in den Hintergrund rückten. Ein bestimmter Lifestyle, das Image einer Marke oder auch Produkte, die als vermeintlich gesünder angepriesen wurden, erlangten meinem Eindruck nach unsere Aufmerksamkeit stärker als andere. In einigen Fällen bemerkte ich, dass vor allem diejenigen Unternehmen besonders erfolgreich waren, die in Medien und auch mit ihrem Filialnetz einfach omnipräsent waren und in der Werbung mitunter durch Slogans und Werbesprüche im Gedächtnis blieben, die bei näherer Betrachtung zumindest als fragwürdig zu bezeichnen wären. Es ist kein Geheimnis, dass sich die meisten Menschen bei ihren Kaufentscheidungen stark von den großen Trends und Marken leiten lassen. Nicht erst durch Ausbildungen und einige praktische Erfahrungen im Bereich Marketing habe ich erkannt, dass natürlich eben dies selbstverständlich auch die Funktion von Werbekommunikation ist. Nämlich Menschen bei ihren Kaufentscheidungen emotional, anstatt rational denken und handeln zu lassen. Sobald der Verkaufsraum betreten wird, sollte das rationale Denken möglichst ausgeschaltet werden. Im Gegenteil geht es darum, durch Farben, Formen, kognitive Botschaften und auch Gerüche Emotionen bei der Zielgruppe zu wecken, auf die diese besonders gut anspricht, um damit eine Kaufaktion auszulösen. Mich überraschte aber dennoch und das tut es noch heute, wie stark die Psychologie dabei oftmals unsere Handlungen bestimmt und wie vorhersehbar diese scheinbar sind.

____________ Die andere Seite der schönen bunten Welt ___________

Spätestens seit Mitte des 20. Jahrhunderts haben der Konsum und das eng damit verknüpfte Wirtschaftswachstum eine immer stärkere Rolle in unserer Welt eingenommen und sind zu elementaren Bestandteilen unseres Zusammenlebens geworden. Vielleicht sogar mehr, als uns eigentlich lieb ist. Die Massenproduktion, die Erfindung von Supermärkten, aber auch von neuen Vertriebsmodellen und Beschäftigungsfeldern wie der Werbebranche bescherten uns eine Welt, in der sich immer mehr Menschen nicht nur die Dinge leisten konnten, die sie dringend benötigten, sondern auch solche, die sie nicht zwangsläufig benötigten, aber die sie eben einfach gerne haben wollten. Dieser Wachstumszyklus brachte es mit sich, dass wir immer neue solcher Luxusprodukte erfunden und entwickelt haben und sich vor allem auch der Dienstleistungssektor stark vergrößern konnte. Dieser schuf wiederum Jobs, wodurch mehr Menschen Einkommen beziehen konnten und damit wiederum mehr Produkte und Dienstleistungen kaufen konnten. Ein Zyklus, der immer weiter befeuert werden muss und der zum Teil, aber keinesfalls ausschließlich, zu unserem Wirtschaftssystem beiträgt, das immer nur nach mehr Wachstum zu schreien scheint, ohne dieses je ernsthaft zu hinterfragen. Doch das Streben nach dem ewigen Wachstum ist eigentlich ein zu komplexes Thema, als dass es hier schnell abgehandelt werden könnte und es gibt hierzu weitaus kompetentere Experten, die dazu etwas sagen sollten. Mittlerweile scheint das Streben nach Wachstum ohnehin schon vom damit eng verbundenen Streben nach Produktivität überrumpelt zu werden. Denn wie der Konoz-Gründer, Technologie-Nerd und Buchautor Federico Pistono in seinem Buch Roboter stehlen deinen Job, aber das ist OK: Wie man den Wirtschaftskollaps glücklich überlebt beschreibt, hat uns schon längst ein ganz anderer Trend erfasst. Selbst in den industrialisierten Ländern steigen die Arbeitslosenzahlen zunehmend an, wenngleich sie sich derzeit noch durch unterschiedliche Berechnungsarten und aufgehübschte Statistiken ein wenig beschönigen lassen. Doch wer sich Prognosen ansieht, erkennt, dass die Arbeitslosigkeit selbst in wohlhabenden Staaten in den nächsten zehn Jahren eher steigen als fallen wird. Der Grund für die zunehmende Arbeitslosenquote liegt nicht nur in der Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland, sondern auch in der zunehmenden Technologisierung aller Bereiche. Maschinen und Computer-Technologie versetzen uns heute in die Lage, Dienstleistungen und Produkte mit weitaus weniger menschlicher Arbeitskraft zu erzeugen als noch vor wenigen Jahren. In vielen Bereichen werden heute sogar gar keine Menschen mehr benötigt. Sie laufen vollautomatisiert.

____________ Was konsumieren wir? ____________

Es war nie einfacher in der Menschheitsgeschichte, Produkte gleich welcher Art aus der ganzen Welt zu kaufen. Dafür sorgt nicht nur das Internet, durch das wir selbst relativ kleine Betriebe am anderen Ende des Erdballs schnell finden können, sondern ebenso ein logistisches Netzwerk an Reedereien, Fluglinien sowie Bahn- und Lkw-Spediteuren, das mich mit seiner Leistungsfähigkeit und Präzision immer wieder ins Staunen versetzt! Gleichzeitig ist es aber in vielen Fällen auch komplizierter als je zuvor, nachvollziehen zu können, welche Folgen mit einem Kauf verbunden sind. Nur bei wenigen Produkten lässt sich in den Augen des Konsumenten klar nachvollziehen, wer die jeweiligen Produkte tatsächlich produziert, wie und unter welchen Umständen die Waren hergestellt werden und wie sich das alles auf unsere Umwelt oder unsere Gesellschaft auswirkt. Noch bedenklicher ist allerdings, dass es Laien immer schwerer fällt, die Inhaltsstoffe, etwa in Lebensmitteln, Kosmetik- oder Medizinprodukten zu kennen, geschweige denn, zu beurteilen, ob diese beispielsweise tatsächlich eine positive oder negative Auswirkung auf den eigenen Körper haben könnten. Wer weiß schließlich schon so genau, was Lecithine, Diglyceride, Kaliumsorbat (Margarine), Ammoniumsulfit-Zuckerkulör (Senf), Hydroxyethylcellulose, Zinkcitrat, Sodium-Fluorid (Zahnpasta) oder Propylene-Glyco und Sodium-Benzoate (Haarschampoo) sind oder was genau diese bewirken oder warum sie überhaupt in Produkten enthalten sind (sein müssen?). Geschweige denn, wenn es um Kürzel wie E415, E440 (Mayonnaise) oder E524 (Schokolade) geht. Es scheint, als ginge die Transparenz mehr und mehr verloren. Wer denkt, dass Milch aus dem Supermarkt von Kühen stammt, die die meiste Zeit auf grünen Weiden stehen und Eier von Hühnern kommen, die auf idyllischen Höfen mit viel Freilauf leben, der sollte einmal mit einem Bauern über die aktuelle Situation der Landwirtschaft sprechen. Wer sich näher darüber informieren möchte, dem sei der Film We feed the World nahegelegt.2 Dieser Film zeigt sehr deutlich, wie unheimlich maschinell unsere Lebensmittel heute vorwiegend produziert werden und wie sehr auch so mancher Bauernhof heute technisiert und computergesteuert funktioniert. Dass dabei in vielen Fällen keine artgerechte Haltung für die Tiere gewährleistet werden kann, muss wahrscheinlich nicht extra erwähnt werden.

Doch warum ist das so?

Liegt es vielleicht daran, dass es mittlerweile einfach zu viele Menschen auf der Erde gibt und leistbare Lebensmittel für alle gar nicht mehr anders produziert werden können? Zumindest zum Teil scheint der Preis unserer Produkte im Supermarkt tatsächlich damit zu tun zu haben. Denn mit der Entscheidung für günstige Produkte geben wir Konsumenten den Märkten und Herstellern zu verstehen, dass wir uns günstige Preise wünschen. Schließlich denken wir beim Anblick der herrlich gefüllten und in hellem Licht präsentierten Gemüse- und Obstregale eher selten daran, wie genau diese wohl produziert wurden, welchen Weg sie schon hinter sich hatten oder wie hoch die Marge des Bauern am Umsatz ist. Wichtig ist uns vielmehr, dass wir uns die Produkte leisten können, die wir möchten und an der Kasse keine böse Überraschung erleben. Ich gebe zu, auch ich selbst denke viel zu selten an den Produktionsprozess und habe wie die meisten Menschen wohl auch oft gerade andere Dinge im Kopf und möchte einfach nur meine Einkäufe erledigen. Gleichzeitig sollte ein Einkauf ja auch ein positives Erlebnis für uns sein, das uns Spaß macht oder zumindest nicht allzu mühsam sein. Aber dazu später mehr.