Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Der Autor spielt seit vielen Jahren Golf. Er hat dabei gelernt, diesen Sport nicht immer ernst zu nehmen. Mark Twain hat einmal behauptet, Golf sei ein Spaziergang mit Hindernissen. Das ist eine Halbwahrheit. Golf ist auch kein Spiel auf Leben und Tod: Golf ist schlimmer! In diesem Buch - mit zahlreichen Illustrationen von Harald Neumer - macht sich der Autor auf vergnügliche Weise über seine Artgenossen lustig: Kleine Geschichten und Spielertypen, oft persiflierend verzerrt. Zudem werden die Sternzeichen von Golfspielern unter die Lupe genommen. Der Leser kann sicher sein, mit diesem Buch eine Vergnügungsreise über die Fairway anzutreten. Motto: Zeige mir wie du spielst und ich sage dir, wer du bist!
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 97
Veröffentlichungsjahr: 2022
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Überarbeitete Neuauflage unlektoriert
Prolog
Teil 1:
Short Stories
Ein Golfer im Himmel
Die blonde Narzisse
Ein Golffreak und himmlische Mächte
Schau an, ein Birdie!
Ein kesser Nachwuchsgolfer
Was der Pro so sagt…
In den Herzen ist`s warm…
Männerflight mit Dame
Franz von Suppe`
Hoppla, jetzt komm ich!
Kennen Sie den?
Sag zum Abschied leise Dermo
Das Rentnerterzett
Mein Gott, Hermine!
Teil 2:
Typen
(ach, es gibt ja so viele)
Der analytische Typ
Der redselige Typ
Der Typ aus Sicht von Meier und Müller
Der korrekte Typ
Der unermüdliche Typ
Der verschlafene Typ
Der kräftige Typ
Der Typ „Zerstreuter Professor"
Der Spaßvogel-Typ
Der Typ Marke Motzki
Der versnobte Typ
Der optimistische Typ
Der Handy-Typ
Der Schürzenjäger-Typ
Der langsame Typ
Der Otto-Normal-Turnier-Typ
Der stille Typ
Der halbseidene Typ
Der unbegabte Typ
Der mogelnde Typ
Der ängstliche Typ
...und als krönender Abschluss: Sie, die Clubsekretärin
Teil 3: Sternzeichen
Steinbock
Wassermann
Fische
Widder
Stier
Zwilling
Krebs
Löwe
Jungfrau
Waage
Skorpion
Schütze
Dieses Buch nicht zu mögen wäre verzeihlich. Der Autor würde dies dennoch als eine gelinde Katastrophe einstufen.
Es ist nicht alles Golf was glänzt. Winston Churchill meinte, Golf sei ein Spiel, bei dem man einen zu kleinen Ball in ein zu kleines Loch schlagen muss - mit ungeeigneten Geräten. Und laut Mark Twain ist Golf ein Spaziergang mit Ärgernissen. Doch Golf ist auch,
wenn man stundenlang schlägerschwingend bergauf und bergab gewandert ist, dabei etwa tausend Kalorien verbraucht hat und dann gedemütigt am neunzehnten Loch – an der Clubbar – landet.
wenn man einen Kunststoffball mit drei Schlägen zum etwa vierhundert Meter entfernten Grün befördert und auf dem Grün für die letzten Meter ins Loch drei weitere Schläge benötigt.
wenn man zwar lächelt, aber denkt: „Wenn du Spaß haben willst, darfst du kein Golf spielen.“
wenn man pure Erotik spürt, sofern einem Golfsschläge wie aus dem Lehrbuch gelingen. Golf kann dann
der größte Spaß sein, den man mit angezogenen Hosen haben kann
(Lee Trevino).
wenn man länger als Durchschnittsmenschen das Gras von der richtigen Seite her betrachten kann.
wenn man nur die Probeschwünge beherrscht.
wenn Mutige zu Hasenfüßen und rechtschaffene Leute zu Schwindlern mutieren.
Denn:
Golf ist kein Spiel auf Leben und Tod. Golf ist schlimmer!
Hat ein Golfspieler (der Autor verwendet im Folgenden diesen Begriff für alle Geschlechter!) erst einmal mit dem Golfspiel angefangen, erliegt er schnell dessen Faszination. Oft wird er süchtig danach. Er wird ein Gefangener dieses Sports. Es wird deshalb angeregt an, den Golfsport in die Kategorie der Suchtkrankheiten aufzunehmen. In diesem Zusammenhang ist auch die gelegentlich geäußerte Kritik an einigen Topmanagern zu sehen, sie kümmerten sich mehr um ihr Handicap als um die Probleme ihres Unternehmens.
Lieber Leser, liebe Leserin, hast du eine Ahnung, was das Golfspiel und der Besuch bei einer Domina gemein haben? Die Antwort lautet: Für beides gibt man einiges Geld aus, um sich demütigen zu lassen.
Golf macht demütig. Wer schon einmal einige Golfrunden absolviert hat, der weiß um die Richtigkeit dieser Aussage. Es bedeutet ein recht hohes Maß an Selbstbeherrschung. Laufend sind kleine Schicksalsschläge in Form von misslungenen Golfschlägen hinzunehmen. Da muss man in der Tat ein besonderer Typ sein. Es gelingt dir zum Beispiel ein wunderbarer, langer Schlag. Beim Aufprallen springt der Ball jedoch zur Seite weg ins Rough und ist unspielbar oder unauffindbar und das soeben noch greifbar erscheinende gute Ergebnis ist im Eimer. Oder du hast mit drei guten Schlägen das Grün erreicht und liegst einen Meter vom Loch entfernt. Das Par grinst dich an, doch der Narbengesichtige läuft Amok, rumpelt über eine Unebenheit, küsst die Lochkante, rollt dran vorbei, erwischt eine abwärtsführende Bodenwelle und läuft einige Meter davon. Die Nerven liegen blank und du lochst schmallippig nach drei weiteren Putts ein. Der mitfühlende Kommentar „schade“ deines Mitspielers nervt dich zusätzlich, denn du meinst, dass bei ihm etwas Schadenfreude mitklingt. Ähnliches gilt für viele unglückliche Schläge, für die du und nur DU die Schuld trägst. Selbst dem Vorstandsvorsitzenden eines Weltunternehmens gelingt es nicht, die Schuld abzuwälzen, gleichgültig, ob der Ball einen Baum trifft oder ob der Ball im Sand eines Bunkers verendet. So mancher Spieler möchte dann reimen:
Ein knapper Meter fehlte nur, am Grün wär`er gelandet. Doch eigenwillig fliegt er stur zum Bunker, satt gesandet. Da steckt er drin und schaut dich an, dreist schimmernd und verschlagen. Du greifst zum Sand-Wedge voller Drang und auch mit etwas Zagen. Willst ihn nun aus dem Bunker tun, befrei`n aus grauem Quarke. Hoch spritzt der Sand! Wo ist er nun? Er liegt tot an der Harke.
Nachdem du endlich eingelocht hast, steckst du die Fahne zurück ins Loch und schreitest aufrecht, aber mit heißen Backen vom Grün, durchaus der Gefahr bewusst, dass sich schnell weiteres Ungemach einstellen könnte. So ist für jedermann, pardon, natürlich auch für jede Frau, einsichtig, dass Golfspielen den Charakter festigt – sofern man einen hat.
Kürzlich traf der Verfasser dieser Zeilen einen älteren Herrn im Clubhaus. Er war dezent sportlich gekleidet, freundlich und zuvorkommend. Auf die Frage, ob er auch Golf spiele, antwortete er sehr ernsthaft, dass er diesen Sport seit vierzig Jahren ausübe. Er habe aber immer noch keine Ahnung, wie man es richtig macht. Aus dem weiteren Gespräch ergab sich, dass er ein niedriges, einstelliges Handicap aufwies. Was für ein besonderer Typ! Dieser Typ gerät unter den Golfspielern umso mehr in die Minderheit, je mehr dieser Sport zum Volkssport wird. Und der Nichtgolfer fragt: Ist das überhaupt ein Sport?
Wer schon einmal achtzehn Löcher, also eine Golfrunde lang schlägerschwingend und das Golfbag hinter sich herziehend absolviert hat, weiß es besser. Dann weiß er um die rund zehn Kilometer Fußmarsch, die ein Golfspieler hinter sich bringen muss, mindestens vier Stunden auf und ab durch das Golfgelände, den Caddywagen hinter sich herzerrend. Für den Normalgolfer ergeben sich dabei zahlreiche Schläge und Probeschwünge, die auf einer Runde erbracht werden müssen. Dabei verbraucht der Durchschnittsgolfer auf einer Golfrunde zwischen 1500 und 1800 Kalorien. Bei einem kürzlich durchgeführten Test ergab sich bei den Probanden ein Netto-Gewichtsverlust zwischen 700 und 900 Gramm, obwohl die Spieler einen halben Liter Wasser und eine Banane zu sich genommen hatten. Allein schon die Propagierung dieses Tatbestandes könnte entscheidend dazu beitragen, dem Golfverband in erheblichem Maße zusätzliche Mitgliedsbeiträge in die Verbandskassen zu spülen.
Es wird gelegentlich behauptet, dass das Golfspiel ein fragwürdiger, ja zuweilen gefährlicher Sport sei. Dem kann man ruhigen Gewissens widersprechen. Orthopäden und andere Ärzte empfehlen ihn sogar, weil er sich gut als Ausgleichssport eignet in einer Zeit, wo immer mehr Menschen zu viel Zeit im Sitzen verbringen.
Böswillige könnten argumentieren, dass im letzten Jahr ein Spieler in ein heftiges Gewitter geriet und vom Blitz erschlagen wurde. Dasselbe Schicksal könnte jedoch auch einem Wanderer unter einem Regenschirm passieren. Oder man zitiert den Fall, wo ein Seniorenspieler bei dem Versuch, am seitlichen Wasser den Ball aufzuheben, aus dem Gleichgewicht geriet, so dass er stürzte und die abschüssigen zwei Meter hinab ins Wasser rollte, wo er mit dem Gesicht nach unten liegen blieb. Nur durch das Eingreifen von zwei mitspielenden Senioren, so berichtete kürzlich ein regionales Blatt, soll er vor dem Ertrinken bewahrt worden sein.
Short Stories (Anekdoten, Glossen…)
Ludwig Thoma war kein Golfspieler. Sonst hätte er vielleicht die Figur des Dienstmannes Alois Hingerl, der im Münchner Hauptbahnhof infolge großer Hast tot zu Boden fiel und als Engel zum Himmel aufstieg, als Golfspieler gestaltet. Seine Geschichte wäre möglicherweise wie folgt abgelaufen.
Alois Hingerl war ein spielfreudiges Mitglied im Golfclub Auf der grünen Wiesn e.V. An einem milden Sommertag erledigte er einen Abschlag an einem Par 3-Loch so vortrefflich, dass der Golfball mit einem dumpfen Plopp auf dem Grün aufkam und scheppernd in dem lauernden Loch verschwand. Ein herrliches Ass! Seine Freude entlud sich so überschäumend, dass sein Herz versagte und er tot zu Boden fiel. Sanft lächelnd lag er am Abschlag und hielt auch im Tode noch sein geliebtes Sechsereisen beidarmig umschlungen. Zwei Engel, auf deren Leinenhemdchen die Worte Himmlische Transporte eingestickt waren, schwebten herbei, packten den seligen Alois und zogen ihn ultimativ hinauf in die weißblauen Wolken. Bald standen sie vorm Himmelstor. Der eine Transportengel griff unverzüglich in die Saiten der goldenen Harfe auf dem Sockel am Eingangstor. Er entlockte dem Instrument einen göttlichen Klingelklang. Petrus öffnete die mächtige Pforte und musterte mit ernster Miene den Neuzugang, der unsicher vor ihm stand, das Sechsereisen mit beiden Händen an die Brust gepresst.
„Er wollte dieses Ding partout nicht aus den Händen lassen“, rechtfertigte sich einer der Transportengel und fuhr sich mit der Hand über die erhitzte Stirn.
„Nun denn“, meinte Petrus und kraulte sich nachdenklich den Backenbart. „Nachdem er dieses Gerät schon hierher verbracht hat, möge er es behalten. Beim eurem nächsten Auftrag gebet besser Obacht. Das Hantieren mit irdischem Gut ist in der Hausordnung nicht vorgesehen!“
Mit ernster Miene begann Petrus, den neuen Engel in die himmlischen Regeln einzuweisen. Auch im Himmel gibt es eine Etikette.
„Merke auf, Alois! Ab sofort hörst du auf den Namen `Engel Aloisius`. Du hast die Registriernummer GO98-2A. Bei uns hat alles seine Ordnung. Wenn man dich ruft, hast du unverzüglich zu erscheinen!“ Und Petrus fuhr fort: „Außerdem hat sich jeder Engel stündlich ein heiteres Frohlocken zu entlocken und es mit einem fröhlichen Hosianna zu versüßen.“
„Das kann ja heiter werden“, dachte Alois, „wo ich doch in Musik immer eine Null war.“
„Und jeden Abend vor dem Zubettgehen sind sorgsam die Flügel zu putzen.“ Petrus beendete seinen Vortrag: „Reinlichkeit ist eine himmlische Pflicht.“
Oh je, so hatte sich der Alois den Himmel nun gar nicht vorgestellt! Aber er nickte brav und hockte sich auf eine daherschwebende Wolke. Bald schon war er pflichtgemäß bemüht, ein munteres Frohlocken aus sich herauszulocken. Und wie er still dasaß und seinen Golfschläger gedankenverloren in den Händen hin und her drehte, näherte sich räuspernd ein Engel von auffällig kräftiger Statur. Engel Aloisius vermutete zuerst, dass der Kräftige, unter dessen Gewand stachelige, auffällig muskulöse Waden hervorlugten, der himmlischen Transportabteilung zuzuordnen sei.
Der Kräftige freilich brummte unmelodisch vor sich hin. Das war kein Frohlocken, auch kein Hosianna. Es klang eher wie Fußball ist unser Leben…
Und richtig. „Hey Alter, du mit deinen krummen Beinen, du kannst bestimmt gut dribbeln. Komm mit nach Wolke sieben, zum Kicken“, forderte der Stachelwadige im Kommandoton. Engel Aloisius drehte seinen Schläger nervös in den Händen, versagte sich jeglichen Anschein von Begeisterung. Stattdessen flatterte er abwehrend mit den Flügeln.
„Ey Alter, Fußball ist wohl nicht dein Ding, was? Aufgeputzter Pinkel, bist was Besseres!“ rüffelte der andere und spuckte heftig in eine vorüberziehende Wolke. Er scherte sich keinen Deut darum, dass auf der Wolke ein blasser, durchgeistigter Engel hockte, der darob auf das Heftigste errötete und in Abwehrhaltung sein himmlisches Hemdchen an sich raffte. Der Stachelbeinige spuckte noch einmal in Richtung Wolke und entschwebte grollend.
„Heureka!“ quiekte der Durchgeistigte, „was war das denn für einer? So ein fürchterlicher Flegel!“ Er warf dem Stachelwadigen einen bitterbösen Blick hinterher und schlug die Flügel über dem kahlen Kopf zusammen.
„Oh wie wahr“, hauchte Alois, drückte sein Kreuz durch und sprach: „Gestatten? Engel Aloisius, ehemals Alois Hingerl, Golfhandicap neunzehn.“
„Sehr angenehm“, wisperte der andere und nahm ebenfalls Haltung an: „Mich heißt man hier Jonathan, frühpensionierter Lehrer für Griechisch und Latein, kein Handicap.“
