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Ausgehend von der philosophischen Hermeneutik Gadamers und dessen Kerngedanken einer universalen natürlichen Verstehensfähigkeit des Menschen erörtert Jochen J. Weimer, dass eine Trennung von menschlich-verstehender und wirtschaftlicher Existenz unsachgemäß ist. Auf Basis der gewonnenen Erkenntnis, dass Verstehen nicht aufhört, wo Wirtschaft anfängt, lassen sich Unternehmen nicht mehr bloß als Kooperations- und Ressourcenprojekte, sondern auch als Verstehensprojekte begreifen. Durch das Forschungsprogramm der ökonomischen Hermeneutik wird unter anderem die Einsicht erlangt, dass die Entwicklung einer verstehensfähigen Organisation im Rahmen einer gesellschaftlich verantwortlichen Unternehmensführung bedeutsam und notwendig ist. Wie der Autor zeigt, muss gesellschaftliche Verantwortung von Organisationen verstanden und authentisch vermittelt werden, um in letzter Konsequenz mit Hilfe eines Shared-Value-Stakeholder-Ansatzes eine nachhaltige wirtschaftliche, gesellschaftliche und ökologische Entwicklung zu fördern.
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Seitenzahl: 330
Veröffentlichungsjahr: 2016
Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag
Reihe Philosophie
Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag
Reihe: Philosophie
Band 26
Jochen J. Weimer
Ökonomische Hermeneutik
Unternehmen verantwortlich führen
Tectum Verlag
Jochen J. Weimer
Ökonomische Hermeneutik. Unternehmen verantwortlich führen
Wissenschaftliche Beiträge aus dem Reihe: Philosophie; Bd. 26
© Tectum Verlag Marburg, 2016
Zugl. Diss. Johannes Gutenberg-Universität Mainz, 2016
ISBN: 978-3-8288-6555-6(Dieser Titel ist zugleich als gedrucktes Buch unter der ISBN 978-3-8288-3812-3.)
Umschlagabbildung: shutterstock.com © Rawpixel.comAutorenfoto: © Enrico Bosten Satz, Layout, Umschlaggestaltung: Mareike Gill | Tectum Verlag
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Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek
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„Auf alles zu hören, was uns etwas sagt, und es uns gesagt sein zu lassen, darin liegt der hohe Anspruch, der an jeden Menschen gestellt ist. Sich für sich selbst daran zu erinnern ist eines jeden eigenste Sache. Es für alle und für alle überzeugend zu tun ist die Aufgabe der Philosophie.“
Gadamer, Die Aufgabe der Philosophie.
Danksagung
Die vorliegende Publikation will einen innovativen philosophischen Beitrag zur wissenschaftlichen Diskussion um die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen leisten. Sie verdankt ihr Entstehen einer intensiven Beschäftigung und Auseinandersetzung mit dem Themenfeld sowie der fachlichen und menschlichen Unterstützung einiger Personen, die an dieser Stelle eine besondere Erwähnung verdienen. So gilt mein Dank zunächst Professor Stephan Grätzel, der meinen philosophischen Werdegang in entscheidender Weise beeinflusst und das Dissertationsprojekt an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz als Betreuer maßgeblich unterstützt hat. Mein akademischer Dank richtet sich auch an den Korreferenten Professor Volker Hentschel sowie an Professor Marco Meneguzzo, durch den mein Aufenthalt als Austauschdoktorand am ‚Dipartimento di studi d’impresa, governo e filosofia‘ an der Università degli Studi di Roma „Tor Vergata“ ermöglicht wurde. Persönlich danken möchte ich meinen Eltern Renate und Wolfgang sowie meinem Bruder Sebastian, die in der Zeit meines Romaufenthaltes in unserem Familienunternehmen Außergewöhnliches geleistet haben. Die Offenheit und Vertrautheit wahrer Freundschaft hat mich in herausfordernden Momenten darin bestärkt, das akademische Vorhaben weiter und zu Ende zu führen. Hierfür danke ich meinen Freunden Enrico Bosten und Rocco Morrone. Ein Dank für kurzweilige philosophische Stunden geht an Tina, Florian, Giovanni, Ingo und Max. Dass aus dem Doktorandenkolloquium ein illustrer Philosophenkreis hervorgegangen ist, hat das Promotionsprojekt für mich im Rückblick noch wertvoller werden lassen. Für die Gesamtgestaltung der Publikation danke ich Mareike Gill vom Tectum Verlag. Mein besonderer Dank gilt auch Charlotte Kettner und Professor Rudolf Schopf.
Jochen J. Weimer
Mainz, im Juli 2016
Inhaltsverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis
1Einleitung
1.1Hintergrund, Kernthese und Forschungsfragen
1.2Kurze inhaltliche Skizze der folgenden Kapitel
2Die Theorie der Unternehmung in den modernen Wirtschaftswissenschaften und unternehmensethische Erweiterungsansätze
2.1Methodologische Grundlagen der modernen Wirtschaftswissenschaften
2.2Die neoklassische Theorie der Unternehmung
2.3Warum existieren Unternehmen? – The nature of the firm
2.4Die institutionenökonomische Unternehmenstheorie – das Unternehmen als Kooperationsprojekt
2.4.1Der Property-Rights-Ansatz
2.4.2Der Principal-Agent-Ansatz
2.4.3Der Transaktionskostenansatz von Oliver E. Williamson
2.5Unternehmensethik als Institutionenethik – der governanceethische Ansatz
2.6Evolutorische Ökonomik – die Unternehmung als Ressourcenprojekt
2.7Unternehmensethik als Individual- und Institutionenethik – der handlungstheoretische Ansatz
2.8Vorüberlegungen zur Konzeption einer ökonomischen Hermeneutik als komplementäre philosophische Ergänzung der vorgestellten unternehmensethischen Ansätze
3Konstituenten gesellschaftlicher Verantwortung, Implementierungs-ansätze und Nachhaltigkeitsberichterstattung
3.1Nachhaltigkeit – Begriffsursprung und Begriffsentwicklung
3.1.1Nachhaltigkeit als globales Entwicklungsleitbild im Brundtland-Bericht
3.1.2Kritische Würdigung des Brundtland-Berichts und das Konzept der nachhaltigen Wirtschaftsweise von Nutzinger und Radke
3.2Corporate Social Responsibility (CSR)
3.2.1CSR-Definitionen der Europäischen Kommission
3.2.2Das CSR-Reifegradmodell und Entwicklungsperspektiven des CSR-Konzeptes
3.3Integrität und Compliance
3.4International anerkannte Grundsätze und Leitlinien
3.4.1Die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen
3.4.2Der UN Global Compact
3.4.3Die DIN ISO 26000
3.4.4Die Dreigliedrige Grundsatzerklärung des Internationalen Arbeitsamtes (IAA)
3.4.5Die UN Guiding Principles on Business and Human Rights
3.5Kommunikation und Nachhaltigkeitsberichterstattung (Reporting)
3.5.1Bedeutung und Formen der Kommunikation
3.5.2Reporting am Beispiel der Global Reporting Initiative (GRI)
4Gadamers philosophische Hermeneutik als Grundlage der ökonomischen Hermeneutik
4.1Die Wahrheitsfrage und das Verstehen in den Geisteswissenschaften
4.2Verstehen als natürliche Fähigkeit des Menschen
4.3Geschichtlichkeit des Verstehens als hermeneutisches Prinzip
4.4Der Modellcharakter der aristotelischen Phronesis für die in der hermeneutischen Aufgabe gelegenen Probleme
4.5Bedingungen und Struktur des Verstehens und der hermeneutischen Erfahrung
4.6Die Relevanz der Sprache im Kontext einer hermeneutischen Ontologie
5Die ökonomische Hermeneutik – Verstehen hört nicht auf, wo Wirtschaft anfängt
5.1Giambattista Vico – Antonio Genovesi – Hans-Georg Gadamer. Parallelen und Berührungspunkte im Reflektieren über Hermeneutik und Ökonomie
5.2Argumente gegen eine Trennung von menschlich-verstehender und wirtschaftlicher Existenz
5.3Hermeneutische Kompetenzen im Kontext der Kompatibilisierung von Gewinn und Moral
5.4Begriffsdefinitionen zur ökonomischen Hermeneutik
6Erfolgspotentiale und Erfolgsmessung einer gesellschaftlich verantwortlichen Unternehmensführung – auch aus hermeneutischer Perspektive
6.1Der Business Case „CSR“ – eine Typologisierung
6.1.1Theoretische Konzepte zum Business-Case-Typ „Risikoreduktion“
6.1.2Das Shared-value-Prinzip von Porter und Kramer als Beispiel für den Business-Case-Typ „Synergistische Wertschöpfung“
6.2Der Business Case „ökonomische Hermeneutik“
6.2.1Der Business-Case-Typ „Sinnerfüllung“
6.2.2Der Business-Case-Typ „Unternehmenskultur“
6.2.3Der Business-Case-Typ „Vertrauensaufbau“
6.3Überlegungen zu einem ganzheitlichen Business Case nachhaltiger gesellschaftlicher Wertschöpfung
6.4Corporate Social Performance Measurement
6.4.1Der Begriff der Corporate Social Performance und grundsätzliche Überlegungen zu dessen Measurement
6.4.2Erweiterungsansätze zur Balanced Scorecard
6.4.3Das Konzept des „Performance Prism“
6.4.4Abschließende Überlegungen zum Measurement der Corporate Social Performance aus Perspektive der ökonomischen Hermeneutik
7Die ökonomische Hermeneutik als praktischer Stakeholder-Ansatz
7.1Der Stakeholder-Ansatz
7.2Aspekte und Differenzierungskriterien der Stakeholdertheorie
7.3Stakeholderidentifikation
7.4Normative Überlegungen zu einer „Shared-Value-Stakeholdertheorie“
7.5Der Beitrag der ökonomischen Hermeneutik zum Shared-Value-Stakeholder-Ansatz und zu einer gesellschaftlich verantwortlichen Unternehmensführung
8Schlussfolgerungen und Forschungsperspektiven
Literaturverzeichnis
Internetquellen
Abkürzungsverzeichnis
CFP
Corporate Financial Performance
CSP
Corporate Social Performance
CSR
Corporate Social Responsibility
GC
United Nations Global Compact
GRI
Global Reporting Initiative
IAA
Internationales Arbeitsamt
ILO
International Labour Organization
ISO
International Organization for Standardisation
KMU
Kleine und mittlere Unternehmen
OECD
Organisation for Economic Co-operation and Development
SBSC
Sustainability Balanced Scorecard
UNEP
United Nations Environment Programme
1Einleitung
1.1Hintergrund, Kernthese und Forschungsfragen
Unternehmensskandale, Gehaltsexzesse und die immer noch anhaltende Wirtschafts- und Finanzkrise haben das gesellschaftliche Vertrauen in Manager1, Unternehmen und die Marktwirtschaft gemindert. Dass das marktwirtschaftliche System seit Jahren zunehmend an gesellschaftlicher Akzeptanz verliert ist besorgniserregend, da bisher kein alternatives Wirtschaftssystem bekannt ist, welches in der Lage wäre die Koordination des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Zusammenlebens so zu gestalten, dass die Versorgung von Milliarden von Menschen mit Gütern und Dienstleistungen in Aussicht gestellt werden kann.2 Der angesprochene Prozess der Vertrauenserosion stimmt allerdings nicht nur aufgrund des Fehlens einer wirklichen Alternative zum marktwirtschaftlichen System nachdenklich, sondern auch aufgrund der Tatsache, dass im globalen Zeitalter die Komplexität des Wirtschaftsgeschehens durch Ausdifferenzierung und Digitalisierung zugenommen hat und der Bedarf an Vertrauen zur Komplexitätsreduktion somit gestiegen ist. Vertrauen ist des Weiteren eine wesentliche Voraussetzung für die Kooperation mit Stakeholdern 3, deren Ansprüche ebenfalls an Ausmaß gewonnen haben und die es zu erfüllen gilt, wie das folgende Zitat Beschorners zeigt:4
„Die sich generell durchsetzende Einsicht besteht darin, dass Unternehmen nicht nur in Marktstrukturen, sondern auch in ein Beziehungsgeflecht nichtmarktlicher Anspruchsgruppen eingebunden sind und die von diesen erhobenen Ansprüche – aus strategischen Gründen – ebenso erfüllen müssen wie die der Marktteilnehmer.“5
Auch Maak betont im Kontext seiner Überlegungen zum Responsible Leadership, dass Unternehmen und ihre Führungskräfte in zunehmendem Maße von vielvältigen Stakeholdern und von der Gesellschaft für ihr Handeln und Nicht-Handeln zur Rechenschaft gezogen werden und dass von Corporate Leaders erwartet wird, ihre Organisation so auszurichten, dass diese einen Beitrag zu einer nachhaltigen Zukunft leisten kann.6 Hiermit deutet sich bereits an, dass die Handlungsbedingungen von Menschen und Unternehmen nicht durch ein rein ökonomisches Gewinnprinzip charakterisiert werden können. Vielmehr sind die Handlungsbedingungen auch durch gesetzliche Regelwerke sowie von kulturellen und moralischen Standards beeinflusst7, die in den modernen Wirtschaftswissenschaften, welche insbesondere durch die neoklassische Ökonomie geprägt sind, üblicherweise keine Berücksichtigung finden:
“The methodological individualism of neoclassical economics teaches that human beings always seek to maximize their own interest, and that this interest is invariably economic. Hence, a two-fold reduction is effected: that of interest to self-interest, and that of self-interest to economic self-interest.”8
Auf die problematischen Folgen des an dieser Stelle angesprochenen methodologischen Individualismus weist unter anderem Dierksmeier hin, indem er erläutert, dass dadurch eine simplifizierte Wahrnehmung sozioökonomischer Realitäten erzeugt wird. Des Weiteren spricht er die Ausblendung außerökonomischer und nicht quantifizierbarer Einflussfaktoren der Ökonomie kritisch an, da hierdurch falsche Schlussfolgerungen für die Wirtschaftspolitik und die Unternehmenspraxis gezogen würden.9 Ghoshal geht sogar noch einen Schritt weiter, wenn er forsch formuliert:
“Nothing is as dangerous as a bad theory. I have so far developed the proposition that bad management theories are, at present, destroying good management practices.”10
Insbesondere an der Tatsache, dass Managementtheorien durch das pessimistische Modell des Menschen als ausschließlich selbstinteressiertes Wesen geprägt sind, obwohl sowohl der Common Sense als auch die empirische Evidenz das Gegenteil nahelegen, nimmt Ghoshal Anstoß. Er zeigt darüber hinaus auf, dass es vor allem ideologische Gründe sind, die dazu führen, dass Wirtschaft wissenschaftlich mit Hilfe eines physikalistischen Paradigmas behandelt wird und die es daher verhindern, dass das Themenfeld der Corporate Governance 11 mit Bezugnahme auf den Common Sense fundamental überdacht werden kann. Aus seinen Überlegungen folgert er unter anderem, dass es gilt, vollständigere Managementheorien zu entwickeln, die sich von den reduktionistischen und partiellen Theorien der vergangenen dreißig Jahre unterscheiden.12 Die Notwendigkeit der Entwicklung neuer ökonomischer Theorien, die den Menschen als gesellschaftlich eingebundenes Wesen mit moralischer Orientierungsfähigkeit berücksichtigen, erkennt auch Dierksmeier:
“Instead of deducing unrealistic theories from counterfactual assumptions about a hypothetical homo oeconomicus, economics must observe the real, socially embedded and morally oriented human being.”13
Dierksmeier führt in diesem Kontext weiter aus, dass die Ablösung des physikalistischen Paradigmas durch alternative Ideen ein umfassendes Verständnis der conditio humana voraussetzt, durch welches der homo oeconomicus zu ersetzen ist:14
“[…], we must also replace the homo economicus with a comprehensive understanding of the conditio humana in all its facets: the interconnected dimensions of human life in relation with nature, society, and culture, the historicity of human existence, and the uncertainty and fluidity of human knowledge about themselves and their life-world.”15
Dass es sinnvoll erscheint, das atomistische Model des homo oeconomicus durch Forschungsansätze zu ersetzen, oder zumindest zu ergänzen, die der relationalen Natur des Menschen gerecht werden16, ergibt sich auch aus den zu Beginn angesprochenen Problemlagen und Herausforderungen. Beispielsweise gilt es zu fragen, wie der Vertrauenserosion entgegengewirkt werden kann und wodurch Vertrauen in Kooperationsbeziehungen aufgebaut werden kann. Es gilt aber auch zu klären, wie Unternehmen ihre Rolle im Beziehungsgeflecht mit verschiedenen Anspruchsgruppen interpretieren und wie sie den Ansprüchen, einen Beitrag zu einer nachhaltigen gesellschaftlichen Entwicklung zu leisten, begegnen und gerecht werden können. Der Bedarf und Wunsch, diese Fragen zu erörtern und in der Praxis zu klären, kommt unter anderem in der in den vergangenen Jahren zunehmenden Entwicklung von teilweise international anerkannten Grundsätzen und Leitlinien zur Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung zum Ausdruck. Hierzu ist allerdings gleichsam anzumerken, dass durch die angesprochenen Leitfadendokumente insbesondere Content-Wissen zur Verfügung gestellt wird. Sie bieten demnach vor allem Antworten auf die Fragen, wie gesellschaftliche Verantwortung definiert werden kann und welche möglichen Themenfelder im Rahmen der gesellschaftlich verantwortlichen Unternehmensführung einbezogen werden sollten. Wie dieses Content-Wissen allerdings vermittelt und im Sinne eines ganzheitlichen Ansatzes nachhaltiger gesellschaftlicher Wertschöpfung verstanden werden kann, wird in den angesprochenen Grundsatz- und Leitliniendokumenten meist nicht oder nur unzureichend thematisiert. An dieser Stelle setzt das Forschungsprogramm der ökonomischen Hermeneutik an. Sein innovatives Moment soll darin bestehen zu zeigen, dass die Entwicklung hermeneutischer Kompetenzen und die Berücksichtigung der natürlichen Verstehensfähigkeitdes Menschen einen erheblichen Beitrag dazu leisten können, das Worum und Wozu, das heißt den Sinn und das Ziel einer gesellschaftlich verantwortlichen Unternehmensführung zu vermitteln. Als Grundlage dient hierbei die Annahme, dass die Universalität des Verstehens auch im ökonomischen Kontext zu berücksichtigen ist, das heißt Verstehen nicht aufhört, wo Wirtschaft anfängt. Es wird daher die folgende Kernthese formuliert:
Eine Trennung von menschlich-verstehender und wirtschaftlicher Existenz ist sowohl im Zusammenhang allgemeiner ökonomischer Überlegungen als auch im Kontext spezifisch unternehmensethischer Überlegungen unsachgemäß. Die Universalität des Verstehens ist im Rahmen einer gesellschaftlich verantwortlichen Unternehmensführung zu berücksichtigen.
Ließe sich die These mit Hilfe von ausgewählten Argumenten und unter Bezugnahme auf die philosophischen Überlegungen Gadamers behaupten, so könnte auch der Separationsthese, das heißt der These, dass ökonomische Betrachtungen von ethischen Betrachtungen zu trennen sind17, zumindest bezüglich der hermeneutischen Momente im Wirtschaften widersprochen werden. Im Spezifischen ergäben sich aus der gewonnenen Erkenntnis weitere Fragen: Können hermeneutische Kompetenzen die Kompatibilität von Gewinn und Moral fördern? Kann die Beachtung hermeneutischer Momente auch einen ökonomischen Mehrwert schaffen? Welche Bedeutung haben hermeneutische Kompetenzen im Kontext der Realisierung eines ganzheitlichen Business Case nachhaltiger gesellschaftlicher Wertschöpfung? Und kann hieraus sogar eine normative Forderung der Entwicklung hermeneutischer Kompetenzen abgeleitet werden? Welche Bedeutung besitzen hermeneutische Kompetenzen im Rahmen der Konzeption eines Performance Measurement Systems? Wodurch charakterisiert sich eine gesellschaftlich verantwortliche Unternehmensführung, die einem Shared-Value-Stakeholder-Ansatz gerecht werden will, und inwiefern können hermeneutische Kompetenzen dabei behilflich sein, diese Art der Unternehmensführung erfolgreich zu praktizieren?18
Neben der Behauptung der Kernthese und der Diskussion der sich daraus ergebenden Fragen werden im Verlauf der folgenden Überlegungen zwei führende Ansätze der deutschen Unternehmensethik näher betrachtet. Sowohl der governanceethische Ansatz Josef Wielands als auch der handlungstheoretische Ansatz Thomas Beschorners werden thematisiert, da sie – wie der Forschungsansatz der ökonomischen Hermeneutik – als alternative Forschungsansätze gelten und die Bedeutsamkeit moralischer Güter beziehungsweise die Möglichkeit wertrationalen Handelns im Rahmen ihrer ökonomischen Überlegungen berücksichtigen. Im Zuge der Betrachtungen zu den angesprochenen Ansätzen gilt es zunächst, deren wissenschaftstheoretische Grundlagen darzustellen, um sie vom philosophisch-hermeneutischen Ansatz der ökonomischen Hermeneutik abgrenzen zu können. Gleichsam gilt es, forschungsperspektivische Anfragen aus philosophischer Sicht an beide Ansätze zu richten, um unter anderem die Frage zu erörtern, ob die ökonomische Hermeneutik eine Anschlussfähigkeit an die Forschungsansätze Wielands und Beschorners besitzt und in welcher Form sie die Ansätze komplementär ergänzen kann. Beispielswiese stellt sich bei genauerer Betrachtung des governanceethischen Ansatzes die Frage, inwiefern ethische Governancestrukturen nicht nur eingeführt werden, sondern auch im Sinne eines ganzheitlichen Ansatzes von den Unternehmen und ihren Mitarbeitern verstanden werden. Wird der handlungstheoretische Ansatz Beschorners hingegen näher betrachtet, so kommt unter anderem die Frage auf, anhand welcher regulativer Ideen sich Unternehmen weiterentwickeln sollen und wie diese regulativen Ideen vermittelt werden, um auf Basis eines gemeinsamen Einverständnisses über die regulativen Ideen Reflexionsprozesse initiieren zu können.19
Über die Frage nach einer möglichen komplementären Ergänzung der unternehmensethischen Ansätze Wielands und Beschorners hinaus bleibt im allgemeinen und letztendlich auch die Frage zu stellen, ob die Diskussion um eine Redefinition der Ökonomie belebt und erweitert werden kann, indem die natürliche Verstehensfähigkeit des Menschen in die Diskussion eingebracht wird. Die Vermutung liegt zumindest nahe, dass hermeneutische Kompetenzen nicht nur neue und nachhaltige Aspekte von Ökonomie, sondern auch Grenzen der Ökonomie verständlicher machen könnten. Denn bereits Gadamer wies darauf hin, dass es nicht nur die Wertschöpfung, sondern auch ihre Grenzen zu verstehen gilt:
„Denn jetzt geht es um das Ganze des Daseins des Menschen in der Natur, um die Aufgabe, die Entwicklung seines Könnens und seiner Beherrschung der Naturkräfte so in Kontrolle zu nehmen, daß die Natur durch uns nicht zerstört und verwüstet wird, sondern mit unserer Existenz auf dieser Erde zusammen erhalten bleibt. Die Natur kann nicht länger als bloßer Gegenstand der Ausbeutung gesehen werden, sie muß in allen ihren Erscheinungsformen als Partner erfahren werden, das heißt aber, sie muß als der Andere, mit dem wir zusammenleben, verstanden sein.“20
1.2Kurze inhaltliche Skizze der folgenden Kapitel
In Kapitel 2(Die Theorie der Unternehmung in den modernen Wirtschaftswissenschaften und unternehmensethische Erweiterungsansätze) werden zunächst die methodologischen Grundlagen der modernen Wirtschaftswissenschaften dargestellt (Kapitel 2.1). Es wird versucht nachzuvollziehen, worin die Existenz eines mechanischen wissenschaftstheoretischen Ansatzes begründet ist. Mit dem Blick, den das daraus resultierende und vorherrschende Paradigma der Ökonomik des 20. Jahrhunderts, das heißt die Neoklassik, auf die Unternehmung wirft, beginnen die Ausführungen zur Frage nach dem konstitutiven Moment des Unternehmens (Kapitel 2.2). Mit Coase wird dann die Frage thematisiert, warum Unternehmen überhaupt existieren (Kapitel 2.3). In der Folge (Kapitel 2.4) werden insbesondere institutionenökonomische Theorien des Unternehmens besprochen (Ansätze von Alchian und Demsetz (Kapitel 2.4.1), Jensen und Meckling (Kapitel 2.4.2) sowie von Williamson (Kapitel 2.4.3)). Auch Wieland betrachtet im Sinne der institutionenökonomischen Ansätze Unternehmen als Kooperationsprojekte. Daher wird in Kapitel 2.5 sein institutionenethischer Ansatz der Governanceethik als Vervollständigung der neuen Institutionenökonomik mit moralischem Impetus vorgestellt. Als ökonomische Grundlage der unternehmensethischen Überlegungen von Beschorner werden in Kapitel 2.6 die Grundzüge der evolutorischen Ökonomik skizziert, wobei die Unternehmung in diesem Zusammenhang als Ressourcenprojekt aufgefasst wird. Der soziologisch-evolutionsökonomisch geprägte handlungstheoretische Ansatz Beschorners, der Unternehmensethik als Individual- und Institutionenethik konzipiert wissen will, wird in Kapitel 2.7 dargestellt, bevor abschließend in Kapitel 2.8 Vorüberlegungen zur Konzeption einer ökonomischen Hermeneutik als komplementäre philosophische Ergänzung zur Governanceethik Wielands und zur Handlungstheorie Beschorners angestellt werden.
Konstituenten gesellschaftlicher Verantwortung, Implementierungsansätze und Überlegungen zur Nachhaltikeitsberichterstattung werden in Kapitel 3 besprochen. Die Frage nach dem Ursprung des Begriffs der Nachhaltigkeit wird zunächst beantwortet (Kapitel 3.1), anschließend wird die Weiterentwicklung des Begriffes zu einem globalen Entwicklungsleitbild durch den Brundtland-Bericht nachvollzogen (Kapitel 3.1.1). Der Brundtland-Bericht wird in Kapitel 3.1.2 mit Bezug auf Nutzinger und Radke und deren Konzept der nachhaltigen Wirtschaftsweise kritisch gewürdigt, wobei evident wird, dass eine nachhaltige Entwicklung nicht immer mit einem globalen nachhaltigen Wachstum vereinbar ist. Neben dem Begriff der Nachhaltigkeit widmet Kapitel 3 dem Konzept der Corporate Social Responsibility (CSR) besondere Aufmerksamkeit (Kapitel 3.2). Die wissenschaftlichen Ansätze von Carroll und Elkington werden hierbei zunächst kurz erörtert, anschließend wird die Position der Europäischen Kommission zur gesellschaftlichen Verantwortung der Unternehmen, die inzwischen CSR als langfristiges und ganzheitliches Konzept des Unternehmensmanagements mit dem Ziel der Schaffung gemeinsamer Werte versteht, präsentiert (Kapitel 3.2.1). Den ganzheitlichen Charakter eines ausgereiften Konzeptes der CSR betonen auch das CSR Reifegradmodell von Schneider sowie das Entwicklungsmodell von Molteni. Die beiden unter 3.2.2 dargestellten Modelle sprechen Unternehmen im günstigsten Falle sogar die Rolle eines proaktiven politischen Gestalters zu. Auch Schwab erkennt die Notwendigkeit der aktiven Beteiligung von Unternehmen im Kontext der Entwicklung eines nachhaltigen globalen Marktplatzes, Scherer und Palazzo schlagen im Rahmen einer postnationalen Konstellation sogar ein politisches CSR Paradigma vor. Der zunehmend integrative Charakter des Konzeptes der gesellschaftlichen Verantwortung spiegelt sich auch in einer weiteren Konstituente dieser Verantwortung wider, den Begriffen der Integrität und Compliance. Unterkapitel 3.3 definiert die Begriffe und zeigt den Wandel von einer rechtsgetriebenen Compliance zu einer wertegetriebenen Compliance auf. Ansätze zur Implementierung eines Konzeptes der gesellschaftlichen Verantwortung in Form von international anerkannten Grundsätzen und Leitlinien stellt Unterkapitel 3.4 vor. So werden die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen (Kapitel 3.4.1), der UN Global Compact (Kapitel 3.4.2), die DIN ISO 26000 (Kapitel 3.4.3), die Dreigliedrige Grundsatzerklärung des Internationalen Arbeitsamtes (IAA) (Kapitel 3.4.4) sowie die UN Guiding Principles on Business and Human Rights (Kapitel 3.4.5) skizziert. Das dritte Kapitel schließt mit Überlegungen zur Bedeutung der Kommunikation und des Reportings im Rahmen der Wahrnehmung gesellschaftlicher Verantwortung durch Unternehmen (Kapitel 3.5, 3.5.1) ab und geht hierbei auch auf die Leitlinien zur Nachhaltigkeitsberichterstattung der Global Reporting Initiative (Kapitel 3.5.2) ein.
Als Vorbereitung auf die Entwicklung des Forschungsansatzes der ökonomischen Hermeneutik und als dessen Grundlage wird in Kapitel 4 die philosophische Hermeneutik Gadamers vorgestellt. Gadamers Hauptwerk Wahrheit und Methode dient hierbei als Leitfaden der Erörterung seiner Kerngedanken zur Hermeneutik. Kapitel 4.1 geht auf Gadamers Ausführungen zur Wahrheitsfrage und zum Verstehen in den Geisteswissenschaften ein. Die humanistische Tradition der Geisteswissenschaften wird exemplarisch an Vicos Begriff des sensus communis besprochen, die Subjektivierung der Ästhetik durch die Kantische Kritik wird unter dem Aspekt des Erkenntniswertes der Kunst und der durch sie stattfindende Verwandlung ins Wahre kritisch hinterfragt. Der sich in der Kunst offenbarende Verwandlungs- und Vermittlungsvorgang führt dann zum Begriff der Hermeneutik, deren neuzeitliche Entwicklung zu einer universalen Methode insbesondere mit Bezug auf Schleiermacher und Dilthey skizzenhaft rekapituliert wird. Die Überwindung der erkenntnistheoretischen Fragestellung, der auch Dilthey noch verbunden blieb, wird in Kapitel 4.2 mit Bezug auf Heideggers Hermeneutik der Faktizität dargestellt. Die Hermeneutik überschreitet damit die Methodengrenze und wird zu einer natürlichen Fähigkeit des Menschen. In Abgrenzung zu Heidegger gewinnt bei Gadamer die Geschichtlichkeit des Verstehens als hermeneutisches Prinzip an Bedeutung. Der Begriff des wirkungsgeschichtlichen Bewusstseins und das Moment der Applikation im Verstehen werden daher in Kapitel 4.3 angesprochen. Die für das Verstehen charakteristische Anwendung und seine Situationsdependenz werden durch den Vergleich mit dem aristotelischen Begriff der Phronesis und dessen Modellcharakter für die Hermeneutik in Kapitel 4.4 zur Sprache gebracht, bevor in Kapitel 4.5Bedingungen und die Struktur des Verstehens und der hermeneutischen Erfahrung aufgezeigt werden. Mit Kapitel 4.6 enden die Überlegungen zur philosophischen Hermeneutik Gadamers. Die große Relevanz der Sprache für den Menschen als das Lebewesen, das Logos hat, und die Bedeutung von Sprache und hermeneutischer Erfahrung im Kontext einer hermeneutischen Ontologie werden offensichtlich.
Durch die Entwicklung einer ökonomischen Hermeneutik als philosophisch geprägter Forschungsansatz der Unternehmensethik soll unter anderem die These verteidigt werden, dass Verstehen nicht aufhört, wo Wirtschaft anfängt (Kapitel 5). In Kapitel 5.1 wird am Beispiel von Antonio Genovesi und dessen Economia civile zunächst deutlich, dass sich aus einer wissenschaftstheoretischen Position, die die Bedeutsamkeit der Sprache und Kommunikation sowie der Interdisziplinarität betont und damit Parallelen zur wissenschaftstheoretischen Position Gadamers offenbart, ein umfassendes und ethisch geprägtes Ökonomieverständnis entwickeln lässt, welches das gute soziale Leben im Blick hat und Ökonomie und Gesellschaft nicht unabhängig voneinander betrachtet. Zudem wird evident, dass durch Genovesis anthropologischen Schlüsselbegriff der Reziprozität die Sphäre des Wir, die in den modernen Wirtschaftswissenschaften durch ihre Bindung an den methodologischen Individualismus meist unberücksichtigt bleibt, an Bedeutung gewinnt. Argumente, die gegen eine Trennung von menschlich-verstehender und wirtschaftlicher Existenz sprechen und die damit den Entwurf eines interdisziplinär-integrativen wissenschaftstheoretischen Ansatzes unterstützen, werden in Kapitel 5.2 dargelegt. Dass Verstehen nicht nur nicht aufhört, wo Wirtschaft anfängt, sondern aus wirtschaftsethischer Sicht einen Beitrag dazu leisten kann, eine Kompatibilisierung von Gewinn und Moral zu ermöglichen, zeigen die Ausführungen in Kapitel 5.3. Im abschließenden Kapitel 5.4 werden Kernbegriffe des philosophisch geprägten unternehmensethischen Forschungsansatzes der ökonomischen Hermeneutik definiert.
Erfolgspotentiale und Möglichkeiten der Erfolgsmessung einer gesellschaftlich verantwortlichen Unternehmensführung werden – auch aus hermeneutischer Perspektive – in Kapitel 6 erörtert. In Kapitel 6.1 offenbart sich, dass im Rahmen der Überlegungen zum Business Case „CSR“ primär die Frage beantwortet werden soll, inwiefern ein positiver Zusammenhang zwischen der Corporate Social Performance (CSP) eines Unternehmens und der Corporate Financial Performance (CFP) des Unternehmens besteht. Zur Beantwortung der Frage, ob ein generalisierbarer Business Case „CSR“ existiert, differenzieren Kurucz, Colbert und Wheeler vier Business-Case-Typen. Aufgrund ihrer besonderen Bedeutung, wird auf den Business-Case-Typ „Risikoreduktion“ (Kapitel 6.1.1) und den Business-Case-Typ „Synergistische Wertschöpfung“ (Kapitel 6.1.2, mit zusätzlichem Bezug auf das Shared-value-Prinzip von Porter und Kramer) gesondert eingegangen. Den Ausführungen zum Business Case „CSR“ schließt sich der Versuch einer Skizze des Business Case „ökonomische Hermeneutik“ an, das heißt die Erörterung der Frage, inwiefern Unternehmen durch die Berücksichtigung hermeneutischer Momente auch ökonomisch profitieren können (Kapitel 6.2). Hierzu werden der Business-Case-Typ „Sinnerfüllung“ (Kapitel 6.2.1), der Business-Case-Typ „Unternehmenskultur“ (Kapitel 6.2.2) sowie der Business-Case-Typ „Vertrauensaufbau“ (Kapitel 6.2.3) besprochen. Überlegungen zu einem ganzheitlichen Business Case nachhaltiger gesellschaftlicher Wertschöpfung (Kapitel 6.3) runden die Betrachtungen zum Erfolgspotential einer gesellschaftlich verantwortlichen Unternehmensführung ab. Kapitel 6.4 geht dann auf das Themenfeld der Erfolgsmessung ein, wobei in Unterkapitel 6.4.1 zunächst der Begriff der Corporate Social Performance (CSP) definiert wird und grundsätzliche Überlegungen zu dessen Measurement angestellt werden. Spezifische Überlegungen zum Konzept der Balanced Scorecard und zu einer möglichen Integration von Umwelt- und Sozialaspekten in diesen Ansatz der Leistungsmessung werden in Kapitel 6.4.2 angesprochen. Kapitel 6.4.3 stellt das Konzept des „Performance Prism“, welches sich durch einen starken Stakeholder-Bezug auszeichnet, vor. Die Ausführungen zur Erfolgsmessung der Corporate Social Performance enden mit einem abschließenden Blick auf das Themenfeld aus einer hermeneutischen Perspektive (Kapitel 6.4.4).
Kapitel 7 will praktische Aspekte und Konsequenzen der Umsetzung des Forschungsprogrammes der ökonomischen Hermeneutik skizzieren und fasst die ökonomische Hermeneutik hierzu als praktischen Stakeholder-Ansatz auf. Der Begriff des Stakeholders sowie Kernprobleme, denen mit Hilfe der Stakeholdertheorie begegnet werden kann, werden in Kapitel 7.1 definiert. Hierbei wird sich zeigen, dass der Stakeholdertheorie eine Integrationsthese und das Prinzip der Verantwortung zugrunde liegen. Der deskriptive, instrumentale und normative Aspekt der Stakeholdertheorie sowie die Frage, wie sich verschiedene Stakeholdertheorien differenzieren lassen, werden in Kapitel 7.2 erörtert, wobei auch evident wird, dass Stakeholder-Ansätze im Gegensatz zum Stockholder-Ansatz darum bemüht sind, mehrere Ansprüche im kategorischen Sinne zu erfüllen. Kapitel 7.3 beschäftigt sich anschließend mit der Frage der Stakeholderidentifikation. Verschiedene Auswahlkriterien, mit deren Hilfe die Stakeholder eines Unternehmens bestimmt werden können, werden aufgezeigt, zudem werden sieben Stakeholdertypen unterschieden. Aus wirtschaftsethischer Perspektive wird versucht, eine Stakeholderkategorisierung auf Basis eines rollenspezifischen, moralisch legitimen Anspruchs zu skizzieren. Den Ausführungen zur Stakeholderidentifikation folgen in Kapitel 7.4 normative Überlegungen zu einer Shared-Value-Stakeholdertheorie. Die Notwendigkeit einer normativen Grundlage der Stakeholdertheorie offenbart sich im Rahmen dieser Überlegungen und führt dazu, dass das Konzept des Common Good des Unternehmens, welches mit Bezug auf die Leitidee der nachhaltigen und verantwortlichenSchaffung gemeinsamer Werte unternehmensspezifisch zu definieren ist, als normative Grundlage einer Shared-Value-Stakeholdertheorie vorgeschlagen wird. Mit Kapitel 7.5 und den darin enthaltenen Gedanken zum Beitrag der ökonomischen Hermeneutik zum Shared-Value-Stakeholder-Ansatz und zu einer gesellschaftlich verantwortlichen Unternehmensführung finden die praktischen Überlegungen einen Abschluss. Mehrfach wird die Bedeutsamkeit von hermeneutischen Kompetenzen im Rahmen von verschiedenen Vermittlungsleistungen, die eine zentrale Aufgabe der gesellschaftlich verantwortlichen Unternehmensführung darstellen, angesprochen. Individual- und institutionenethische Aspekte finden ebenso Beachtung wie die Frage nach der Praktikabilität im Unternehmensalltag.
In Kapitel 8 werden abschließend Schlussfolgerungen gezogen und Forschungsperspektiven skizziert.
1Lediglich aus sprachökonomischen und stilistischen Gründen werden in der Arbeit primär die männlichen Rollen- und Berufsbezeichnungen genutzt. Eine geschlechterspezifische Wertung ist daher an keiner Stelle beabsichtigt.
2Vgl. Suchanek, Andreas; Lin-Hi, Nick (2010): Gute und verantwortungsvolle Unternehmensführung als Zusammenarbeit zum gegenseitigen Vorteil. In: Wittenberg-Zentrum für Globale Ethik (Hrsg.). Diskussionspapier 2010-3, S. 1 – 13, dort S. 2 – 6.
3Zur Definition des Begriffs des Stakeholders siehe Kapitel 7.1.
4Vgl. von Broock, Martin; Suchanek, Andreas (2009): Investitionen in den Faktor Vertrauen. In: Wittenberg-Zentrum für Globale Ethik (Hrsg.). Diskussionspapier 2009-3, S. 1 – 19, dort S. 2 – 3. Vgl. auch die Ausführungen unter 6.2.3.
5Beschorner, Thomas (2002): Ökonomie als Handlungstheorie. Marburg: Metropolis Verlag, S. 209 – 210.
6Maak, Thomas (2007): Responsible leadership, stakeholder engagement, and the emergence of social capital. Journal of Business Ethics, 74, S. 329 – 343, dort S. 329 und S. 340.
7Vgl. Beschorner (2002), a. a. O., S. 134.
8Fontrodona, Joan; Sison, Alejo José G. (2006): The nature of the firm, agency theory and shareholder theory: a critique from philosophical anthropology. Journal of Business Ethics, 66, S. 33 – 42, dort S. 37.
9Vgl. Dierksmeier, Claus (2011): The freedom-responsibility nexus in management philosophy and business ethics. Journal of Business Ethics, 101, S. 263 – 283, dort S. 272 und S. 276.
10Ghoshal, Sumatra (2005): Bad management theories are destroying good management practices. Academy of Management Learning & Education, Vol. 4, No. 1, S. 75 – 91, dort S. 86.
11„Corporate Governance bezeichnet in einer Kurzformel den rechtlichen und faktischen Ordnungsrahmen für die Leitung und Überwachung eines Unternehmens.“ Werder, Axel v. (2015): Führungsorganisation. Grundlagen der Corporate Governance, Spitzen- und Leitungsorganisation. Wiesbaden: Springer Gabler, S. 3. Alle Hervorhebungen in Zitaten (auch im Weiteren) Hervorhebungen im Original.
12Vgl. ebd. S. 81 – 87.
13Dierksmeier, a. a. O., S. 279.
14Vgl. ebd.
15Ebd.
16Vgl. ebd. S. 280.
17Vgl. Harris, Jared D., Freeman, R. Edward (2008): The impossibility of the separation thesis. A response to Joakim Sandberg. Business Ethics Quarterly, S. 541 – 548, dort S. 541 – 542.
18Vgl. hierzu insbesondere die Ausführungen unter 5.3, 6.2, 6.3, 6.4.4 und 7.5.
19Vgl. hierzu auch die folgenden Ausführungen unter 2.5 und 2.7.
20Gadamer, Hans-Georg (1985): Die Vielfalt Europas – Erbe und Zukunft. In: Gadamer, Hans-Georg (1989): Das Erbe Europas. Beiträge. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, S. 7 – 34, dort S. 28.
2Die Theorie der Unternehmung in den modernen Wirtschaftswissenschaften und unternehmensethische Erweiterungsansätze
2.1Methodologische Grundlagen der modernen Wirtschaftswissenschaften
In der Einleitung seines Werkes Analytical Economics skizziert der Wirtschaftswissenschaftler Nicholas Georgescu-Roegen evolutorische Entwicklungen des Wissenschaftsbegriffs und hebt in diesem Kontext die Bedeutung der Mechanik für die Wirtschaftswissenschaften hervor. Zwar sei in der Wissenschaft inzwischen die Position aufgegeben worden, dass die Mechanik der einzige Weg zu gültigem Wissen ist, dies sei allerdings der Physik zu verdanken, die sie habe verwerfen müssen, und nicht anderer Spezialwissenschaften, die sich ihrer bedienten. Der wissenschaftliche Schlachtruf all science must imitate mechanics sei in der Folge ersetzt worden durch den Imperativ no science without theory, wobei der Begriff der Theorie in seinen Strukturen weiterhin dem Beispiel der Geometrie und Mechanik zu genügen habe.21 Bezüglich der Wirtschaftswissenschaften konstatiert er:
“No other science illustrates better than economics the impact of the enthusiasm for mechanistic epistemology upon its evolution.”22
In einem Artikel zu den Methoden in den Wirtschaftswissenschaften betont Georgescu-Roegen darüber hinaus die Bedeutung der Mathematik für die Wirtschaftswissenschaften. Die wissenschaftlichen Beiträge, die sich der größten Lobpreisungen rühmten, seien diejenigen, die ein starkes mathematisches Rüstzeug nutzen würden.23 Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen kritisiert der Mathematiker Georgescu-Roegen dann diese Entwicklung, da ein solcher wissenschaftlicher Ansatz wirtschaftliche Phänomene nicht angemessen zu beschreiben wisse:
“Recent economic difficulties in many areas – unemployment, inflation, stagnation of undeveloped nations, and the energy crises – have revealed the impotence of a professional knowledge consisting mainly of paper-and-pencil operations to prescribe some remedies, however imperfect. […]. It is to be hoped that most of the errors introduced into our current mode of acting as economists by our infatuation with symbolism for symbolism’s sake will be eliminated soon as a result of such developments and such authoritative admissions. Yet some bad habits of thought are likely to survive. By far the most crucial of these is the mechanistic epistemology. For as I shall now argue, most of the present faults and deviations have their origin in that Weltbild.”24
Es war das 19. Jahrhundert, welches dieses Weltbild schuf und sich damit auch der Ökonomie förmlich aufdrängen musste. So behauptete der französische Physiker und Mathematiker Pierre Simon de Laplace im Jahr 1814 in seinem Philosophischen Versuch über die Wahrscheinlichkeit, dass alles im Universum durch die Gesetze der Natur respektive der Mechanik regiert sei – und nur durch diese:
„Wir müssen also den gegenwärtigen Zustand des Weltalls als die Wirkung seines früheren und als die Ursache des folgenden Zustands betrachten. Eine Intelligenz, welche für einen gegebenen Augenblick alle in der Natur wirkenden Kräfte sowie die gegenseitige Lage der sie zusammensetzenden Elemente kennte, und überdies umfassend genug wäre, um diese gegebenen Größen der Analysis zu unterwerfen, würde in derselben Formel die Bewegungen der größten Weltkörper wie des leichtesten Atoms umschließen; nichts würde ihr ungewiß sein und Zukunft wie Vergangenheit würden ihr offen vor Augen liegen.“25
Etwa dreißig Jahre nach dieser Apotheose der Mechanik durch Laplace berechnete der französische Astronom Urbain-Jean-Joseph Leverrier die Position des Planeten Neptun, bevor Galle diesen durch eben jene Berechnung und die damit verbundenen Hinweise im Jahr 1846 auffinden konnte.26 Dass Neptun damit at the tip of a pencil entdeckt wurde, beeindruckte die Wissenschaftler und ließ die Anwendung der Mechanik zu dem bedeutendsten wissenschaftlichen Dogma werden.27 In den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts beschreibt dann Wilhelm Wundt in seinem Werk Logik (mit dem Untertitel Eine Untersuchung der Prinzipien der Erkenntnis und der Methoden wissenschaftlicher Forschung) die allgemeinen Prinzipien und Methoden der Naturforschung. Dort heißt es bezüglich der Mechanik:
„Anfang und Grundlage aller erklärenden Naturwissenschaften ist die Mechanik. Sie ist die allgemeinste Naturwissenschaft, insofern man auf die Erscheinungen, mit denen sie sich beschäftigt, auf die Bewegungen der Körper und ihrer Teile, alle der äußeren Wahrnehmung gegebenen Naturerscheinungen vermöge des Grundsatzes der Unveränderlichkeit der materiellen Substanz zurückzuführen sucht. […]. Infolge der vollkommen bindenden Schlußweisen endlich, durch die sich aus einer kleinen Anzahl allgemeiner Voraussetzungen das System der rationellen Mechanik entwickelt, ist diese auch in methodischer Beziehung das vollendete Vorbild einer exakten Naturwissenschaft.“28
Wenig verwunderlich scheint es daher, dass dem Zeitgeist entsprechend offenbar auch die Politische Ökonomie mit den Gesetzen der Mechanik vereinbar sein musste. So führt W. Stanley Jevons 1871 in seiner Theorie der Politischen Ökonomie bezüglich der zu den Geisteswissenschaften gehörenden Volkswirtschaftslehre aus:
„Es ist klar, daß die Volkswirtschaftslehre, wenn sie überhaupt eine Wissenschaft sein soll, eine mathematische Wissenschaft sein muß. Viele Vorurteile bestehen gegen die Versuche, die Methode und Sprache der Mathematik in einen Zweig der Geisteswissenschaften einzuführen. Viele meinen, daß die Naturwissenschaften das eigentliche Bereich der mathematischen Methode bilden und daß die Geisteswissenschaften eine andere Methode verlangen, – ich weiß nicht welche. […]. Es scheint mir, daß unsere Wissenschaft mathematisch sein muß, einfach deshalb, weil sie sich mit Mengen beschäftigt.“29
An späterer Stelle der einführenden Worte in sein Werk nutzt Jevons dann sogar explizit den Begriff der Mechanik im ökonomischen Kontext:
„Kehren wir indessen zum Gegenstande unseres Werkes zurück. Die hier entwickelte Theorie kann als eine Mechanik des Nutzens und des Selbstinteresses beschrieben werden.“30
Ein entscheidender Beitrag zur exakten Darstellung der Wirtschaft als System wurde somit zu Beginn der siebziger Jahre des 19. Jahrhunderts durch die sogenannte marginalistische Revolution geleistet, deren Grundlage nicht nur im Werk von Jevons, sondern fast gleichzeitig auch in den Pionierwerken von Walras (Éléments d’économie politique pure) und von Menger (Grundsätze der Volkswirtschaftslehre) gelegt wurde. Edgeworth, Fisher, Pareto, Marshall, Pigou und andere entwickelten die Theorie weiter, die sich im 20. Jahrhundert als dominantes Paradigma der Ökonomik profilierte und welche mit dem Terminus Neoklassik umschrieben wird.31
2.2Die neoklassische Theorie der Unternehmung
Die neoklassische Wirtschaftstheorie konstruiert die Unternehmung als black box, die lediglich durch eine Produktionsfunktion repräsentiert wird und die die Technologie als entscheidende Größe besitzt.32 So definieren Henderson und Quandt in ihren Ausführungen zur mikroökonomischen Theorie die Unternehmung wie folgt:
„Eine Unternehmung ist eine technische Einheit, die Güter produziert. Der Unternehmer (Eigentümer oder Manager) entscheidet darüber, wie, welche und wie viel Güter hergestellt werden, er erhält den Gewinn oder trägt den Verlust dieser Entscheidung. Nach den technischen Gesetzen, die in der Produktionsfunktion ausgedrückt sind, transformiert der Unternehmer die Faktoreinsätze in den Produktionsausstoß. Ist die Differenz zwischen dem Verkaufserlös der Ausbringung und den Kosten des Faktoreinsatzes positiv, so stellt sie einen Gewinn dar, ist sie negativ, so ist sie ein Verlust.“33
Neben der Abbildung der Unternehmung als Produktionsfunktion kennzeichnet die neoklassische Modellwelt die Nichtexistenz einer bewussten Entscheidung zum Unternehmertum. Die Aktivität der Wahl einer Produktionsfunktion – ein wesentlicher Teil der eigentlichen unternehmerischen Leistung – wird aus der neoklassischen Perspektive nicht untersucht.34 Das unternehmerische Verhalten, insbesondere das einzige Ziel der Profitmaximierung, ist zudem in Gänze nicht selbst bestimmt, sondern durch das Wettbewerbssystem mit dem dazugehörigen Markt determiniert:
“Within the competitive model there is a hypothetical construct called the firm. […]. The market information determines the behavior of the socalled firm. None of the problems of real firms can find a home within this special construct. There are no organizational problems nor is there any room for analysis of the internal decision-making process. In fact, all of the empirical content in this neoclassical model lies in the description of the environment within which the firm must operate. Even the sole objective of the firm, profit maximization, is determined by the environment because any other behavior of the firm will lead to its extinction. The theory of the firm is a priori in the sense that its behavior can be deduced from assumptions that describe the environment.”35
Es kann somit festgehalten werden, dass Unternehmen aus neoklassischer Sicht – und dies ist von höchster Relevanz – einen Teil der Preistheorie darstellen und nicht den zu erklärenden Gegenstand:
“The model of the firm in that theory is not, as so many writers believe, designed to serve to explain and predict the behavior of real firms; instead, it is designed to explain and predict the changes in observed prices (quoted, paid, received) as effects of particular changes in conditions (wage rates, interest rates, import duties, excise taxes, technology, etc.). In this causal connection the firm is only a theoretical link, a mental construct helping to explain how one gets from the cause to the effect. This is alltogether different from explaining the behavior of a firm. As the philosopher of science warns, we ought not to confuse the explanans with the explanandum.”36
2.3Warum existieren Unternehmen? – The nature of the firm
Wie soeben besprochen, werden Unternehmen in der neoklassischen Theorie lediglich als theoretisches Konstrukt und Mittel genutzt, um Preismechanismen und die daraus folgenden Preisänderungen in einem Markt zu beschreiben. In seinem berühmten Artikel The nature of the firm stellt Ronald Coase daher die Frage, warum Unternehmen überhaupt existieren:
“Yet, having regard to the fact that if production is regulated by price movements, production could be carried on without any organisation at all, well might we ask, why is there any organisation?”37
Coase argumentiert im weiteren Verlauf seines Artikels, dass es verschiedene wirtschaftliche Koordinationsaufgaben gebe, die entweder von dem Preismechanismus oder von der Unternehmung übernommen werden. Es gibt demnach ökonomische Situationen, in denen der Preismechanismus, der im normalen ökonomischen System die Allokation der Ressourcen bestimmt, durch die Unternehmung verdrängt wird. Im Rahmen dieser Verdrängung werden innerhalb des Unternehmens Markttransaktionen durch den koordinierenden Entrepreneur, der die Produktion lenkt, ersetzt.38 Begründet wird diese Aufteilung und Vorteilhaftigkeit der Existenz eines Unternehmens mit Kosten, die durch die Nutzung des Preismechanismus im Rahmen eines Produktionsprozesses entstehen würden:
“The main reason why it is profitable to establish a firm would seem to be that there is a cost of using the price mechanism. The most obvious cost of ‘organising’ production through the price mechanism is that of discovering what the relevant prices are.”39
Neben diesen Suchkosten (des jeweils relevanten Preises) sind es darüber hinaus die Kosten des Vertragsabschlusses, die im Falle der Unternehmung deutlich reduziert würden:
“The costs of negotiating and concluding a separate contract for each exchange transaction which takes place on a market must also be taken into account. […]. It is true that contracts are not eliminated when there is a firm but they are greatly reduced.”40
Mit Hilfe seiner Argumentation gelingt Coase der erste Schritt einer Differenzierung zwischen Markt und Organisation als genuin unterschiedliche Koordinationssysteme. Die Gründung eines Unternehmens verringert den Umfang der zu schließenden Verträge deutlich, indem der Faktoreigner (Mitarbeiter) und der zentrale Vertragspartner (Unternehmer) einen Rahmenvertrag unterzeichnen, der zwar wichtige Vertragsbedingungen beinhaltet, beiden Vertragsparteien aber eine gewisse Flexibilität gewährleistet.41
Nachdem die Gründe (aus der Sicht von Coase) für die Existenz eines Unternehmens als alternatives Koordinationssystem zum Preismechanismus erörtert wurden, stellt sich für Coase die Frage, warum es nicht bloß ein Unternehmen im Wirtschaftssystem gibt und wodurch die Größe eines Unternehmens bestimmt wird. Er argumentiert hier im Marshallschen Sinne mit den Grenzkosten der Organisation einer weiteren Transaktion, die im Optimum der Betriebsgröße den Kosten der Transaktion auf dem offenen Markt oder den Kosten der Organisation der Transaktion durch einen weiteren Entrepreneur entsprechen.42 Bei welcher Firmengröße dieses Gleichgewicht erreicht wird, hängt nach Coase insbesondere von den folgenden Faktoren ab, das heißt eine Firma wird dazu tendieren, größer zu sein,
–“the less the costs of organising and the slower these costs rise with an increase in the transactions organised.
–the less likely the entrepreneur is to make mistakes and the smaller the increase in mistakes with an increase in the transactions organised.
–the greater the lowering (or the less the rise) in the supply price of factors of production to firms of larger size.”43
2.4Die institutionenökonomische Unternehmenstheorie – das Unternehmen als Kooperationsprojekt
