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Dr. Daniel ist eine echte Erfolgsserie. Sie vereint medizinisch hochaktuelle Fälle und menschliche Schicksale, die uns zutiefst bewegen – und einen Arzt, den man sich in seiner Güte und Herzlichkeit zum Freund wünscht. Dr. Robert Daniel konnte sich nicht erinnern, seinen Schwiegersohn jemals so wütend gesehen zu haben. »Nun beruhige dich doch endlich, Jeff«, bat er in besänftigendem Ton. »Ich weiß überhaupt nicht, wovon du eigentlich sprichst.« »Von Dr. Alec Horn«, antwortete Dr. Parker und betonte dabei jede einzelne Silbe sehr auffallend. Erstaunt zog Dr. Daniel die Augenbrauen hoch. »Seit wann bist du bei ihm so förmlich? Er ist doch der Onkel deines Halbbruders und soweit ich mich entsinne, seid ihr per Du.« »Glücklicherweise«, knurrte Dr. Parker. »Sonst könnte ich ihn nicht einmal richtig zusammenstauchen. Aber warte, Robert, der kann was erleben, wenn er mir erst unter die Augen kommt.« Dr. Daniel seufzte. »Was hat er denn angestellt, daß du gar so sauer auf ihn bist? Behandelt er Pam und Perry etwa schlecht?« Ärgerlich winkte Dr. Parker ab. »Damit hat es überhaupt nichts zu tun. Seit er das Sorgerecht für die beiden hat, ist er ihnen zugleich Vater, Onkel und Freund.« Dabei erinnerte er sich noch, wie verschreckt gerade sein sechzehnjähriger Halbbruder Perry gewesen war. Die völlig unangemessene Strenge, die seine Mutter Rebecca ihm und seiner jüngeren Schwester Pamela hatte angedeihen lassen, hatte vor allem Perry ganz fürchterlich zugesetzt. Mittlerweile saß Rebecca Horn wegen Erpressung im Gefängnis und ihr Bruder Alec hatte das Sorgerecht für seinen Neffen und seine Nichte bekommen, dann war er nach Deutschland übergesiedelt und lebte nun im gleichen Haus wie Jeff und dessen Frau Karina, die sich dadurch ebenfalls um die beiden minderjährigen Kinder kümmern konnten. »Also, was ist es dann?« hakte Dr. Daniel nach, weil sein
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Seitenzahl: 114
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Dr. Robert Daniel konnte sich nicht erinnern, seinen Schwiegersohn jemals so wütend gesehen zu haben.
»Nun beruhige dich doch endlich, Jeff«, bat er in besänftigendem Ton. »Ich weiß überhaupt nicht, wovon du eigentlich sprichst.«
»Von Dr. Alec Horn«, antwortete Dr. Parker und betonte dabei jede einzelne Silbe sehr auffallend.
Erstaunt zog Dr. Daniel die Augenbrauen hoch. »Seit wann bist du bei ihm so förmlich? Er ist doch der Onkel deines Halbbruders und soweit ich mich entsinne, seid ihr per Du.«
»Glücklicherweise«, knurrte Dr. Parker. »Sonst könnte ich ihn nicht einmal richtig zusammenstauchen. Aber warte, Robert, der kann was erleben, wenn er mir erst unter die Augen kommt.«
Dr. Daniel seufzte. »Was hat er denn angestellt, daß du gar so sauer auf ihn bist? Behandelt er Pam und Perry etwa schlecht?«
Ärgerlich winkte Dr. Parker ab. »Damit hat es überhaupt nichts zu tun. Seit er das Sorgerecht für die beiden hat, ist er ihnen zugleich Vater, Onkel und Freund.«
Dabei erinnerte er sich noch, wie verschreckt gerade sein sechzehnjähriger Halbbruder Perry gewesen war. Die völlig unangemessene Strenge, die seine Mutter Rebecca ihm und seiner jüngeren Schwester Pamela hatte angedeihen lassen, hatte vor allem Perry ganz fürchterlich zugesetzt. Mittlerweile saß Rebecca Horn wegen Erpressung im Gefängnis und ihr Bruder Alec hatte das Sorgerecht für seinen Neffen und seine Nichte bekommen, dann war er nach Deutschland übergesiedelt und lebte nun im gleichen Haus wie Jeff und dessen Frau Karina, die sich dadurch ebenfalls um die beiden minderjährigen Kinder kümmern konnten.
»Also, was ist es dann?« hakte Dr. Daniel nach, weil sein Schwiegersohn nicht mehr weitergesprochen hatte.
»Du erinnerst dich sicher noch, daß Alec nach seiner Assistenzzeit in Amerika arbeitslos geworden ist. Er kann also in medizinischer Hinsicht auf keine große Erfahrung zurückblicken. Bereits vor Wochen habe ich ihm geraten, er solle die Arbeitssuche hier in Deutschland sein lassen und statt dessen einen Kurs für Notfallmedizin belegen. Außerdem sollte er nebenbei in der Waldsee-Klinik und bei dir in der Praxis ein bißchen mitarbeiten, um Erfahrungen zu sammeln.«
Dr. Daniel runzelte die Stirn. »Also, bei mir war er jedenfalls nicht.«
»Weiß ich«, knurrte Jeff. »Deswegen bin ich ja so sauer. Alec hat nämlich weder den Kurs belegt, noch war er in der Klinik oder bei dir. Weißt du, wo der junge Herr statt dessen arbeitet?« Er redete sich wieder in Rage. »In der Privatklinik von Professor Heidenreich.«
»Ach, du liebe Zeit«, entfuhr es Dr. Daniel. Er kannte die Klinik, die den mit Abstand schlechtesten Ruf von ganz München und Umgebung hatte.
»Wenn ich in den vergangenen Wochen nicht so im Streß gewesen wäre, dann hätte ich es sicher früher bemerkt, denn gesagt hat er mir das natürlich wohlweislich nicht. Aber noch ist es nicht zu spät«, fügte er grimmig hinzu, dann hob er drohend eine Hand. »Wenn der heute heimkommt, dann kriegt er ein paar hinter die Löffel, das verspreche ich dir.«
»Langsam, Jeff«, wehrte Dr. Daniel ab. »Zum einen ist Alec nur um ein paar Ecken mit dir verwandt, zum anderen ist er bereits über dreißig, und obwohl du fast zehn Jahre älter bist als er, hast du wohl nicht das Recht, ihn zu bestrafen.«
»Aber meine Meinung werde ich ihm ja wohl noch sagen dürfen«, wandte Dr. Parker ärgerlich ein. »Und das werde ich sogar ganz gehörig tun.«
*
Dr. Alec Horn ahnte nicht, was ihm blühen würde, als er an diesem Abend vom Dienst nach Hause kam. Natürlich war ihm klar, daß er seine Stellung in der Heidenreich-Klinik nicht mehr lange würde geheimhalten können. Es kam ja schon fast einem Wunder gleich, daß es ihm überhaupt so lange gelungen war.
Während er die Wohnungstür aufsperrte, warf er einen kurzen Blick auf seine Armbanduhr. Pamela und Perry mußten bereits zu Hause sein. Umso mehr erstaunte es ihn, daß es in der Wohnung so ruhig war.
»Pam! Perry!« rief er, doch es kam keine Antwort. Im Dämmerlicht der untergehenden Sonne, die ihre letzten schwachen Strahlen in der Wohnung verteilte, trat Alec ans Telefon, doch er kam nicht mehr dazu, den Hörer abzunehmen.
»Das kannst du dir sparen.«
Beim Klang von Jeffs Stimme fuhr Alec erschrocken herum. Heiße Verlegenheit breitete sich auf seinem Gesicht aus, doch glücklicherweise war es in der Wohnung nicht hell genug, daß Jeff es hätte sehen können.
»Pam und Perry sind oben bei Karina, weil ich mit dir ein Hühnchen zu rupfen habe«, fuhr Dr. Parker fort.
»Ich kann es dir erklären…« begann Alec hastig.
»Das glaube ich gern, aber auf deine Erklärungen pfeife ich!« fiel Jeff ihm grob ins Wort. Er schwieg kurz, dann brauste er unvermittelt auf: »Himmel noch mal, Alec, in dir steckt ein Talent, das in dieser dämlichen Heidenreich-Klinik verkümmern wird!«
»Woher weißt du…«
»Du hast den Fehler begangen, mich für dumm zu halten«, unterbrach Jeff ihn zum zweiten Mal. »Ich hatte in letzter Zeit nur zu viel Arbeit, um dir auf die Finger sehen zu können, aber das wird sich wieder ändern.«
»Ich lasse mich nicht mehr gängeln!« widersprach Alec nun in weit heftigerem Ton. »Das hat Rebecca lange genug getan und von dir lasse ich mir das ganz bestimmt nicht gefallen.«
»Ich habe nicht vor, dich zu gängeln«, stellte Dr. Parker richtig, dann stand er auf. Die beiden Männer waren ungefähr gleich groß, trotzdem wich Alec jetzt instinktiv einen Schritt zurück. Jeff besaß eine Autorität, der sich Alec von Anfang an wie unter einem Zwang gebeugt hatte.
»Hör zu, Alec, als ich erfahren habe, daß du hinter meinem Rücken diese Stellung angenommen hast, war ich stinksauer auf dich«, gab Dr. Parker offen zu. »Wenn ich dich in dem Moment vor mir gehabt hätte, hättest du eine Ohrfeige kassiert… nicht, weil du mich hintergangen hast, sondern weil du dein Talent vergeudest. Du bist ein guter Arzt, Alec, dir fehlt lediglich die Erfahrung, aber die kannst du dir erarbeiten – in der Waldsee-Klinik, nicht bei Heidenreich.«
»In der Waldsee-Klinik werde ich aber nicht eingestellt«, begehrte Alec auf.
»Richtig«, stimmte Dr. Parker zu. »Weil ein weiterer Arzt finanziell nicht drin ist. Aber es geht ja auch nur um ein halbes Jahr. Alec, denk doch nach! Ein halbes Jahr Ausbildung in Notfallmedizin, dazu das, was du in der Waldsee-Klinik und bei meinem Schwiegervater lernen würdest. Danach könntest du als Notarzt arbeiten und damit hättest du in dieser Gegend sicher ein gutes Auskommen.«
»Ich soll also kündigen«, murmelte Alec.
Dr. Parker nickte. »Nicht, weil ich es sage. Tu’s um deinetwillen, Alec.«
Der junge Mann trat an Jeff vorbei ins Wohnzimmer und ließ sich mit einem tiefen Seufzer auf das Sofa fallen.
»Ich habe diese Stellung angenommen, weil ich endlich unabhängig sein wollte«, gestand er. »Natürlich habe ich gemerkt, daß dieser Heidenreich kein großes Licht ist, und die Ärzte, die dort arbeiten, haben ihr Examen sicher auch nicht unbedingt mit Auszeichnung bestanden, aber… all die Jahre zuvor wurde ich
von Rebecca kurzgehalten und jetzt…« Er verstummte.
»Du wolltest sagen, daß du jetzt von mir kurzgehalten wirst?« fragte Jeff, wartete eine Antwort aber gar nicht ab, sondern schüttelte den Kopf. »Das ist nicht wahr, Alec, und das weißt du. Tatsache ist aber nun mal, daß du bisher fast aus-schließlich das getan hast, was deine Schwester dir befohlen hat. Im übrigen warst du doch ganz froh, weil du in mir einen Freund gefunden hast, der eben gelegentlich auch ein bißchen großer Bruder sein kann.« Er schwieg einen Moment. »Was deinen Wunsch nach Unabhängigkeit betrifft – das bist du doch. Seit dem Verkauf der Villa in San Francisco bist du finanziell bestens abgesichert. Du könntest dich und die Kinder jahrelang bequem durchbringen, ohne auch nur einen Tag zu arbeiten, aber das sollst du ja gar nicht. Ich spreche doch lediglich von einem halben Jahr und dann steht dir der Weg in eine eigenständige Berufstätigkeit offen.«
Obwohl Alec einsah, daß Jeff im Grunde recht hatte, konnte er das jetzt nicht einfach so eingestehen.
»Ich werde darüber nachdenken«, versprach er nur.
Dr. Parker verstand. »Tu das, Alec. Die Entscheidung über dein weiteres Leben und auch über deine berufliche Laufbahn, liegt letztlich bei dir allein.«
*
Im Haus der Familie Loebe herrschte an diesem Morgen traute Harmonie, und niemand hätte für möglich gehalten, daß sich hier noch vor wenigen Wochen die reinste Tragödie abgespielt hatte.
Die sechzehnjährige Marion hatte auf Biegen und Brechen versucht, die bevorstehende Ehe ihrer verwitweten Mutter Julia und deren Freund Patrick zu verhindern. Dr. Daniel war es gewesen, der die Fäden größtenteils entwirrt hatte, so daß Julia und Patrick schließlich hatten heiraten können und vor einer Woche war nun auch Marions Adoption über die Bühne gegangen. Patrick war jetzt also auch vor dem Gesetz ihr Vater.
Unter halb gesenkten Lidern heraus beobachtete Marion ihren Stiefvater, in den sie anfangs so unsterblich verliebt gewesen war. Sie sah zu, wie er eine Semmel mit Butter und Honig bestrich und dann genußvoll hineinbiß. Sie hörte ihre Mutter mit ihm sprechen, und obgleich sie nicht auf die Worte achtete, bemerkte sie die unterschwellige Zärtlichkeit, die in den Stimmen beider mitschwang.
Noch vor ein paar Wochen wäre Marion bei einem solchen Gespräch rasend vor Eifersucht geworden, doch jetzt war das vorbei. Sicher, ein bißchen schwärmte sie noch für Patrick. Er war ja auch ein außerordentlich gutaussehender Mann. Sie ließ sich gern mit ihm sehen und verkündete jedem, der es hören wollte, voller Stolz: »Das ist mein Vater.«
»Was ist los, Marion?« fragte ihre Mutter jetzt und riß sie damit aus ihren Gedanken.
Das junge Mädchen seufzte leise. »Ich weiß auch nicht, Mutti, irgendwie habe ich heute keinen rechten Appetit.«
»Das glaube ich dir gern«, schmunzelte Patrick. »Soweit ich es mitbekommen habe, ist es gestern mit Chris wieder recht spät geworden. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie wenig Appetit man hat, wenn man total übernächtigt ist.«
Marion nickte zwar, doch sie fühlte, daß der wenige Schlaf, den sie letzte Nacht zugegebenermaßen gehabt hatte, an ihrer momentanen Verfassung keine Schuld trug.
»Vielleicht solltest du dich ein bißchen hinlegen«, schlug Julia ihrer Tochter vor.
»Dazu habe ich leider überhaupt keine Zeit«, entgegnete Marion. »Chris und ich wollen heute nach München zum Einkaufsbummel.«
Wieder schmunzelte Patrick. »Der arme Chris. Durch wieviele Kaufhäuser wirst du ihn schleppen?«
Marion grinste. »Durch alle.« Sie stand auf, mußte sich aber schnell am Tisch festhalten, weil ihr plötzlich schwindlig wurde.
Jetzt war auch Patrick besorgt. »Ist wirklich alles in Ordnung mit dir, Marion?«
Sie nickte. »Natürlich.« Dann bedachte sie ihn mit einem neckischen Lächeln. »Du scheinst nicht zu wissen, daß Teenager im Wachstum gelegentlich Kreislaufprobleme haben.«
»Ist bei mir schon zu lange her«, entgegnete Patrick und lächelte wieder.
Marion trat zu ihnen, gab zuerst Patrick, dann ihrer Mutter einen flüchtigen Kuß auf die Wange und ging zur Tür.
»Also, bis später!« rief sie und verließ das Eßzimmer. Fast im gleichen Moment begann ihr Magen zu rebellieren und auch das seltsame Schwindelgefühl kehrte zurück. Marion lehnte sich gegen die Wand und drückte eine Hand auf ihren Bauch. Die halbe Semmel, die sie gegessen hatte, lag ihr bleischwer im Magen.
Sie ging ins Bad und betrachtete sich im Spiegel, dabei konnte sie beobachten, wie ihr Gesicht rapide an Farbe verlor. Das anfängliche Völlegefühl wich immer stärker werdender Übelkeit. Marion setzte sich auf den Rand der Badewanne und versuchte ruhig und gleichmäßig durch die Nase zu atmen, doch der Brechreiz ließ nicht nach – ganz im Gegenteil. Marion mußte sich heftig übergeben und würgte noch lange, als ihr Magen schon leer war. Erschöpft ließ sie sich auf den Boden sinken.
Ob sie Chris für heute nicht besser absagen sollte? Ein Stadtbummel mit verkorkstem Magen war nicht gerade da, was sich Marion als besonders reizvoll vorstellen konnte.
Es klopfte an der Tür.
»Marion, bist du da drinnen?« hörte sie Julia fragen.
»Ja, Mutti, mir war plötzlich so schlecht.« Sie rappelte sich auf und öffnete die Tür. »Ich fürchte, daß ich mir mit irgendwas den Magen verdorben habe. Chris und ich haben gestern bei der Party Spaghetti mit Hackfleischsoße gegessen. Vielleicht war die nicht mehr ganz in Ordnung.«
Julia nickte. »Das ist leicht möglich.« Fürsorglich begleitete sie ihre Tochter nach oben in ihr Zimmer. »Leg dich ins Bett, Kleines. Ich werde Chris anrufen und ihm sagen, daß du krank bist.«
Marion nickte nur. Ihr war schon wieder speiübel.
Julia, die gerade zum Telefon hatte gehen wollen, bekam mit, wie Marion aus dem Zimmer und in die angrenzende Toilette rannte.
»Was ist denn mit ihr?« fragte Patrick, den die Sorge um seine Stieftochter nun auch heraufgetrieben hatte.
»Ich weiß nicht«, entgegnete Julia, während sie den Telefonhörer abhob. »Entweder eine Darmgrippe oder ein verdorbener Magen.« Langsam ließ sie den Hörer wieder sinken. »Vielleicht sollten wir sie in die Waldsee-Klinik hinüberbringen. Ich meine… wenn es wirklich die Hackfleischsoße war, die sie gestern abend gegessen hat… mit einer Lebensmittelvergiftung ist ja wirklich nicht zu spaßen.«
Patrick nickte zustimmend. »Ruf Chris an und sag ihm, daß aus dem Einkaufsbummel nichts wird. Ich packe in der Zwischenzeit Marion ins Auto.«
Allerdings stellte sich bald heraus, daß die Fahrt zur Steinhausener Waldsee-Klinik vergeblich gewesen war. Der Chefarzt Dr. Gerrit Scheibler konnte bei Marion keinen krankhaften Befund erheben, und als es dem jungen Mädchen gegen Nachmittag plötzlich wieder besserging, lag die Vermutung nahe, daß es sich doch nur um eine leichte Magenverstimmung gehandelt hatte.
Christian Weber, der nach Julias Anruf umgehend voller Besorgnis zu seiner erkrankten Freundin geeilt war, war sichtlich erleichtert, als er sah, daß Marion schon wieder auf dem Weg der Besserung war.
»Da hast du mir aber einen gehörigen Schrecken eingejagt«, meinte er und nahm seine Freundin liebevoll in die Arme.
»Heute früh ging’s mir wirklich ganz dreckig«, gab Marion zu, dann lächelte sie verlegen. »Aber jetzt hätte ich direkt Lust, doch noch nach München zu fahren.«
