Organisationale Lernprozesse zur Bindung von Auszubildenden - Saskia Löffler - E-Book

Organisationale Lernprozesse zur Bindung von Auszubildenden E-Book

Saskia Löffler

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Beschreibung

Krankenhäuser sind Organisationen, deren primäres Ziel es ist, medizinische Leistungen anzubieten und umzusetzen, um die Versorgung der Bevölkerung zu sichern. Doch für die Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege sind diese Art von Organisationen ebenfalls Lernorte, die den Begriff Ausbildungsqualität für den Bereich der praktischen Ausbildung individuell definieren sollten. Eine qualitativ hochwertige praktische Ausbildung kann dazu beitragen die Abbruchquote in der Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung zu verringern und dringend benötigtes Fachpersonal zu generieren. Dieser Band stellt mit dem Ansatz der lernenden Organisationen einen möglichen Weg dar, praktische Ausbildungsqualität evidenzbasiert abzubilden, einen Status zu erfassen und verbesserungswürdige Bereiche herauszuarbeiten. Dabei kann er auch für die neue Pflegeausbildung richtungsweisend sein, da hier das Thema Ausbildungsqualität eine neue Priorisierung erfährt.

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Seitenzahl: 147

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„Man sieht auf etwas hundert Mal, tausend Mal, ehe man es zum allerersten Mal wirklich sieht“

(Christian Morgenstern)

Ich möchte DANKE sagen:

Dieses Forschungsvorhaben wäre für mich ohne die Hilfe von besonderen Menschen in meinem Leben nicht möglich gewesen. Diese Menschen haben mir in der vergangenen Zeit ihr Ohr geliehen, eine Schulter zum Anlehnen und Ausweinen, den Rücken freigehalten sowie mich auf nur jede erdenkliche Art und Weise unterstützt und gestärkt. Da wären zuerst mein Mann und meine Mutter, aber auch meine Schwester. Es ist fantastisch und beruhigend zugleich in eine solche Familie eingebettet sein zu dürfen. Ein Dank für den IT-Support geht an meine „große“ Zoe. Ohne Sie wäre ich verzweifelt! Außerdem möchte ich meinem Sohn Emmet danken, der in der vergangenen Zeit oftmals auf seine Mama verzichten musste. Ich danke auch meinen beiden besten Freundinnen Carola & Anja. Sie wussten besonders, wie sie mich beruhigen, stärken und runterfahren. Und meinen großartigen Kollegen Sabine, Matthias, Andrea und Corinna. Sie alle haben mit großem Interesse mein Projekt verfolgt und standen immer für einen fachlichen Rat und ehrliches Feedback parat. Außerdem gilt mein besonderer Dank Kirsten für die ständige Erreichbarkeit und das konstruktive Feedback. Weiterhin möchte ich Martina und Iris danken, die ebenso ständig erreichbar gewesen sind und mich in dieser Zeit sehr unterstützt haben.

Zum Schluss möchte ich meinen Dank an Herrn Prof. Dr. Prescher richten, der mir die Veröffentlichung dieses Beitrags vorgeschlagen und ermöglicht hat.

I. Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Einleitung

1.1 Situation in der Pflege als Grundlage der Problemstellung

1.2 Themeneingrenzung und Forschungslücke

1.3 Zielsetzung und Forschungsfrage

1.4 Aufbau dieser Arbeit

Theoretische Grundlagen und Forschungsstand

2.1 Die Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung

2.1.1 Befunde zur Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung

2.1.2 Die gesetzlichen Grundlagen: Der Sollzustand der Pflegeausbildung

2.1.3 Coolout: Der Istzustand am Lernort Praxis

2.2 Ausbildungsabbrüche und deren Prävention

2.2.1 Ausbildungsabbrüche – Eine Definition

2.2.2 Der Prozess des Ausbildungsabbruchs und mögliche Gründe

2.2.3 Präventionsmöglichkeiten und Bindung von Auszubildenden

2.2.4 Das Konstrukt der Ausbildungsqualität

2.3 Organisationen und das Lernen: Die Vereinigung des Substantivs mit dem Verb

2.3.1 Der Organisationsbegriff

2.3.2 Der Lernbegriff

2.3.3 Das organisationale Lernen

2.3.4 Drei theoretische Ansätze des organisationalen Lernens

2.3.5 Darstellung organisationaler Lernprozesse

2.3.6 Organisationales Lernen zur Verhinderung von Ausbildungsabbrüchen

2.4 Krankenhäuser als Organisationen

2.4.1 Aufbau und Organisation der Organisation Krankenhaus

2.4.2 Der pflegerische Bereich

2.4.3 Krankenhäuser als lernende Organisationen

Methodisches Vorgehen und Forschungsdesign

3.1 Konkretisierung des Untersuchungsgegenstandes

3.2 Untersuchungsleitende Fragen

3.3 Das Experteninterview als methodologische Grundlage

3.3.1 Aufbau und Entwicklung des Erhebungsinstruments: Der Interviewleitfaden

3.3.2 Durchführung der Expertenbefragung zur Datenerhebung

3.3.3 Transkription der Interviews

3.4 Datenauswertung mittels qualitativer Inhaltsanalyse

Darstellung der Ergebnisse

4.1 Ergebnisse der Oberkategorien 1-11

4.2 Beantwortung der untersuchungsleitenden Fragen

4.3 Ergebnisorientierte organisationale Lernprozesse

Fazit

5.1 Beantwortung der Forschungsfrage

5.2 Diskussion der Ergebnisse

5.3 Kritische Reflexion des Forschungsdesigns und des methodischen Vorgehens

5.4 Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Eigene Darstellung des täglichen Balanceakte

Abb. 2: Eigene Darstellung des „Circulus vitiosus“

Abb. 3: Qualitätsmodell im Forschungsprojekt „Ausbildung aus Sich der Auszubildenden“

Abb. 4: Das Gesamtkonstrukt der Organisation

Abb. 5: Eigene Darstellung der Bestandteile des organisationalen Lernens

Abb. 6: Aufbau eines Krankenhauses

Abb. 7: Auszug aus Organigramm zur möglichen Organisationsstruktur eines Pflegedienstes

Abb. 8: Eigene Darstellung des Untersuchungsgegenstandes und möglicher Kausalzusammenhänge

Abb. 9: Berufsbezogene Daten zu den Interviewten

Abb. 10: Organisationsbezogene Daten

Abb. 11: Darstellung der von organisationalen Lernprozessen tangierten Kategorien

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Gütekriterien in Anlehnung an Mayring

Tab. 2: Darstellung der ersten Schritte des Ablaufmodells

Tab. 3: Ergebnisse der Oberkategorie „AB als Pflegepotential der Zukunft“

Tab. 4: Ergebnisse der Oberkategorie „Gestaltung des Lernort Praxis“

Tab. 5: Ergebnisse der Oberkategorie „Teambezogene Aspekte“

Tab. 6: Ergebnisse der Oberkategorie „Kommunikation & Reflexion“

Tab. 7: Ergebnisse der Oberkategorie „Qualitätsmanagement der Klink als Träger der praktischen Ausbildung“

Abkürzungsverzeichnis

AB

Auszubildende

BBIG

Berufsbildungsgesetz

BIBB

Bundesinstitut für Berufsbildung

BMBF

Bundesministerium für Bildung und Forschung

BMFSFJ

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

KrPflG

Krankenpflegegesetz

KrPflAPrV

Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für die Berufe in der Krankenpflege

KTQ

Kooperation für Transparenz und Qualität im Gesundheitswesen

PA`s

Praxisanleitende

PD

Pflegedirektion

PDL

Pflegedienstleitung

PflBG

Pflegeberufegesetz

QM

Qualitätsmanagement

1 Einleitung

Das erste Halbjahr des Jahres 2020 war medial bestimmt von nahezu einem Thema - dem Coronavirus und der nachfolgenden weltweiten Pandemie. Nach China, Italien, Spanien und Frankreich muss auch Deutschland historisch bisher einmalige Maßnahmen ergreifen, um die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Virus zu minimieren. Nachrichten, Eilmeldungen, aber auch Fakenews überschlugen sich teilweise stündlich. Das Bundesministerium für Gesundheit implementierte daher eine Internetseite, auf welcher Interessierte die Möglichkeit haben, sich über den Stand der Virusausbreitung zu informieren (vgl. Bundesministerium für Gesundheit 2020, o. S.). Trotz eines gut ausgerüsteten Gesundheitssystems war es auch für Deutschland essenziell, eine exponentielle Ausbreitung des Virus zu verhindern, um einer Überlastung des Gesundheitssystems, speziell der Intensivstationen mit Beatmungseinheiten, vorzubeugen (vgl. Stiftung Gesundheit 2020, o. S.). Dieses Vorgehen wird mit dem Begriff „Flatten-the-Curve“ (vgl. ebd.) bezeichnet. Die Notwendigkeit eines solchen Vorgehens verwies auf die begrenzten Kapazitäten der deutschen Krankenhäuser, die bereits vor der Coronakrise, nicht nur im pflegerischen Bereich ein personelles Defizit verzeichneten (vgl. Ver.di 2020a, o. S.). In dieser zugespitzten Situation bedeutete dies überproportionale Belastungen für ein System, welches schon seit längerer Zeit Schwierigkeiten aufweist (vgl. Ver.di 2020b, o. S.). Umso aktueller erscheint daher der Aspekt der Mitarbeiterbindung im Bereich der Gesundheits- und Krankenpflege, damit auch zukünftig die pflegerische Versorgung der Patienten gewährleistet werden kann. Besonders im pflegerischen Bereich wird, hervorgerufen durch den Fachkräftemangel, der Mitarbeiterbindung eine hohe Bedeutung zugemessen (vgl. Loffing/Loffing 2010, S. 4).Die Arbeitslosenquote im Bereich der Altenpflege, aber auch Krankenpflege sinkt kontinuierlich, wohingegen die Anzahl der unbesetzten Stellen parallel steigt (vgl. Bundesagentur für Arbeit Statistik 2019, S. 10ff.). Bundesweit herrscht ein eklatanter Fachkräftemangel für den pflegerischen Gesundheitssektor, der sich zukünftig weiter verschärfen wird (vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren und Jugend1 2019, S. 5; Isfort et al. 2018, S. 30ff.). Krankenhäuser müssten zur Kompensation des Fachkräftemangels Personal binden (vgl. Loffing/Loffing 2010, S. 38). Die Notwendigkeit zum Handeln scheint mittlerweile ebenfalls die Bundesregierung erkannt zu haben. Es wird als dringend notwendig erachtet, die Rahmenbedingungen der Pflegekräfte zu verbessern und überdies ebenfalls die Berufsausbildung (vgl. BMFSFJ 2019, S. 5). Der Ausbildungsbereich wird dabei als entscheidend gesehen, um einen Fachkräftemangel kompensieren zu können, flankiert von weiteren Maßnahmen, welche den Beruf attraktiver und nachhaltiger für die Arbeitnehmenden gestalten sollen (vgl. ebd., S. 5f.).

1.1 Situation in der Pflege als Grundlage der Problemstellung

Mit dem Blick auf existierende Statistiken und Zahlen, erscheinen solche Maßnahmen auch als dringend indiziert. Viele examinierte Pflegekräfte, gleich welcher Fachrichtung, machen sich über einen Ausstieg aus dem Beruf Gedanken. Dies untermauerten bereits sowohl Ergebnisse der ersten Next-Studie aus dem Jahr 2005 (vgl. Simon et al. 2005, S. 51), als auch der Ausbildungsreport Pflege (vgl. Ver.di 2015, S. 48). Als dezidierte Gründe für die Fluktuation wurden u. a. der Wechsel in andere Krankenhäuser oder eine vorübergehende Niederlegung des Berufs angegeben (vgl. Blum/Offermanns/Steffen 2019, S. 27). Als zentrale Befunde für die Situation in der Pflege können das Arbeiten unter Zeitdruck sowie hohe physische, psychische und emotionale Belastungen festgestellt werden (vgl. DGB-Index Gute Arbeit 2018, S. 7ff.). Weiterhin berichteten die befragten Pflegekräfte (n=1.858) von schlechten Arbeitsbedingungen (vgl. ebd., S. 19ff.). Gleichzeitig wirkt sich der persistierende Personalmangel auch auf die Qualität der Ausbildung in der Pflege aus (vgl. Ver.di 2015, S. 55).

Einheitliche Aussagen für den Ausbildungsbereich zu treffen ist ungleich schwieriger, da Untersuchungen für die Auszubildenden2 der Gesundheits- und Krankenpflege, der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege und Altenpflege nicht zentral, etwa über das statistische Bundesamt, konsequent erhoben werden (vgl. Slotala 2019, S. 74). Um hier zukünftig differenzierte Zahlen generieren zu können, ist eine Änderung in diesem Bereich im Rahmen der Ausbildungsoffensive Pflege durch das BMFSFJ (vgl. 2019, S. 9) vorgesehen. Fest steht, dass die Zahl der Ausbildungsplätze zukünftig erhöht werden soll (vgl. ebd., S. 16). Dies impliziert aber geradezu die Notwendigkeit für einen Blick auch auf drohende Abbrecher. Ziel müsste es demnach sein, alle Auszubildenden nach drei Jahren zum Examen zu führen - von einem möglichst dauerhaftem Verbleib im Beruf abgesehen. Das durch eine erfolgreich absolvierte Ausbildung entstehende Fachpersonal wird mit dem Begriff „Pflegepotential“ bezeichnet (vgl. Barbian/van der Loo 2011, S. 36). Definitiv sollte Ausbildungsabbrüchen entsprechend begegnet werden (vgl. BMFSFJ 2019, S. 19).

Eine Sensibilisierung des in der Ausbildung tätigen Personals, speziell der Praxisanleitenden sowie eine erstrebenswerte praktische Ausbildungssituation, werden als notwendig erachtet (vgl. ebd., S. 20). Den Praxisanleitenden wird auch im Sinne eines Mentorings eine besondere Bedeutung zur Bindung der Auszubildenden an die Organisation zugeschrieben (vgl. Loffing/Loffing 2010, S. 103). Außerdem kommt es bereits darauf an, erste Anzeichen für einen drohenden Ausbildungsabbruch zu erkennen (vgl. Barbian/van der Loo 2011, S. 100).

1.2 Themeneingrenzung und Forschungslücke

Derzeit existieren im Bereich der pflegerischen Ausbildungen drei dreijährige Ausbildungsberufe: die Gesundheitsund Krankenpflege, die Gesundheits- und Kinderkrankenpflege und die Altenpflege (vgl. Menche 2014, S. 22). Jede dieser Ausbildungen wird sowohl durch ein eigenes Ausbildungsgesetz geregelt als auch durch die dazugehörigen Ausbildungs- und Prüfungsverordnungen (vgl. ebd.). Dementsprechend groß ist der Ausbildungsmarkt in diesem Bereich. Im Jahr 2016 haben sich ca. 63.200 Auszubildende in den pflegerischen Ausbildungen befunden (vgl. Statistisches Bundesamt 2018, o. S.). Jedoch sind alle drei Ausbildungsgänge seit dem 1. Januar 2020 einer gesetzlichen Neuerung unterzogen und in einem Ausbildungsberuf zusammengefasst (vgl. Kap. 2.1.2). Innerhalb dieser Arbeit wird ausschließlich auf die Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung abgestellt, da sie den größten Teil an Auszubildenden ausmacht (vgl. Blum et al. 2019, S. 32). Die weitere thematische Eingrenzung auf den Lernort Praxis3 begründet sich zum einen in der Studie von Wibke Barbian und Christoph van der Loo (vgl. 2011, S. 8) sowie der Untersuchung durch Ver.di (vgl. 2015, S. 11), die diesen Teil der Ausbildung als unter anderem ursächlich für ein Abbruchgeschehen und qualitativ schlechter bewertet markiert haben. Zum anderen soll die Konstatierung Deuers (vgl. 2015, S. 105), dass besonders für die betriebliche Seite Möglichkeiten bestehen, um Ausbildungsabbrüche zu verhindern, als Begründung an dieser Stelle stehen. Innerhalb dieser Arbeit wird daher die Qualität der praktischen Ausbildung als essenziell und potenziell veränderbar angesehen und daher thematisch aufgegriffen. Darüber hinaus ist innerhalb der praktischen Ausbildung der größere Stundenanteil verankert (vgl. Kap. 2.1.2), so dass die Auszubildenden hier grundsätzlich mehr Ausbildungszeit absolvieren. Als gesetzliche Grundlage gilt innerhalb dieser Arbeit das Krankenpflegegesetz (KrPflG) von 2003, da bisher in der Organisation der Autorin, in welcher ebenfalls die Interviews durchgeführt wurden, die Ausbildung nach dem neuen Pflegeberufegesetz (PflBG) (vgl. 2.1.2) noch nicht begonnen hat.

Empirische Arbeiten mit der Verzahnung der Themen „Ausbildung“ und „organisationales Lernen“ konnten während der Literaturrecherche für dieser Arbeit lediglich für den Bereich des Berufsbildungsgesetzes (BBIG) extrahiert werden. Exemplarisch soll an dieser Stelle auf die Ergebnisse aus einem mehrjährigem internationalen Forschungsprojekt verwiesen werden, welches Organisationen auf dem Weg zur lernenden Organisation begleitete (vgl. Röben 2006, S. 1ff.). Literatur, die sich explizit mit der Organisationsentwicklung von Krankenhäusern befasst, oder diese Organisationen als lernende Organisation fokussiert, konnte nur vereinzelt aufgefunden werden. Zu den wenigen Suchergebnissen zählen hier u. a. die Arbeiten von Borsi (2000) sowie Grossmann und Lobnig (2013). Die Suche nach Literatur und Untersuchungen erzielte, auch unter der Verwendung heterogener Suchbegriffe und unterschiedlicher Operatoren wie „lernende Krankenhäuser“, „lernen in Krankenhäusern“, „organisationales Lernen von Krankenhäusern“, nur wenige Treffer. Gesucht wurde hier über Portale wie Base, dem Fachportal Pädagogik, Google Scholar, der Literaturdatenbank des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung, Researchgate und multiplen Bibliothekskatalogen - auch online. Arbeiten, welche einen organisationalen Aspekt fokussieren oder organisationspädagogische Schwerpunkte setzen und zudem die praktische Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung fokussieren, konnten für diesen speziellen Bereich nicht explizit extrahiert werden. Eine Bewertung der praktischen Ausbildungsqualität ist im Ausbildungsreport der Pflegeberufe (vgl. Ver.di 2015, S. 10ff.) dargestellt. Der Bereich der Ausbildungsqualität ist besonders im Rahmen des Berufsbildungsgesetzes (BBIG) gut untersucht. Hierzu existieren bereits zahlreiche Einzelprojekte (vgl. Bundesinstitut für Berufsbildung 2015, S. 63ff.). Für den Bereich der Altenpflegeausbildung gibt es ebenfalls ein Qualitätsentwicklungsprojekt (vgl. ebd., S. 64). Für den Bereich der Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung erscheint dies jedoch nicht so. Auch das Thema Ausbildungsabbrüche erfährt aus Forschungsperspektive grundsätzlich wenig Beachtung (vgl. Schiffer 2014, S. 47). Somit soll diese Arbeit die Seite der praktischen Berufsausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege mit der Seite des organisationalen Lernens im Bereich der praktischen Ausbildungsqualität verbinden und dadurch einen Beitrag zum Schluss der Forschungslücke in diesem Bereich leisten.

1 Fortführend wird dieses Ministerium innerhalb dieser Arbeit mit seiner Abkürzung BMFSFJ bezeichnet.

2 Innerhalb dieser Arbeit wird die Bezeichnung Auszubildende verwendet, da dadurch der Schwerpunkt auf die Tätigkeit gelegt wird und eine geschlechtsneutrale Formulierung ermöglicht wird. Das Krankenpflegegesetz von 2003 (vgl. §11) bezeichnet die Auszubildenden als Schülerinnen und Schüler.

3 Die Bezeichnung „Lernort Praxis“ meint innerhalb dieser Arbeit die gesetzlich geregelten praktischen Einsatzzeiten- und Orte der Auszubildenden. Neben der theoretischen Ausbildung an den Pflegeschulen, ist die betriebliche Ausbildung der zweite Lernort (vgl. Schneider 2005, S. 392). Dieser Begriff wird innerhalb dieser Arbeit ausschließlich verwendet werden.

1.3 Zielsetzung und Forschungsfrage

Die Abbruchsituation der Auszubildenden in der Pflege, die sich, wie einleitend dargestellt, oftmals in der praktischen Ausbildungssituation begründen lässt (vgl. Kap. 2.2.2), sind der Anlass dieser Arbeit. Das Pflegepotential, welches durch erfolgreich examinierte Pflegende entsteht (vgl. Kap. 1.1), sowie die Dringlichkeit dieses Potentials zur Kompensation des Fachkräftemangels, untermauern dabei die nötige Untersuchung. Das Ziel dieses Forschungsvorhabens ist es daher, mit Hilfe einer qualitativen empirischen Untersuchung, mögliche Vorgehen, Verfahren und Wege, sowie Ressourcen für die Gestaltung, Durchführung und die Organisation der praktischen Ausbildung zu identifizieren, mit denen es in der Folge gelänge, die praktische Ausbildungssituation qualitativ zu verbessern. Über diesen Weg könnten dann bestenfalls die Ausbildungsabbrüche, welche sich durch die praktische Ausbildung begründen lassen, reduziert werden, da dies als einer der Hauptgründe für einen Ausbildungsabbruch identifiziert wurde (vgl. Kap. 2.2.2). Intensional steht auf diesem Weg die Bindung der Auszubildenden an die Organisation im Mittelpunkt. Der Fokus liegt dabei bei der Bindung bereits während der Ausbildung. Die zugrunde liegende Forschungsfrage lautet daher:

Inwiefern kann der Lernort Praxis durch organisationale Lernprozesse Möglichkeiten und Ressourcen generieren,um Ausbildungsabbrüche in der Gesundheits- und Krankenpflege zu verringern?

Fokussiert werden daher innerhalb dieser Arbeit organisationale Strukturen und Prozesse, sowie deren Veränderungsmöglichkeiten für den Bereich der praktischen Ausbildungsqualität. Dass Lernprozesse besonders organisationale Strukturen und Prozesse betreffen können, wird von Franken und Franken (vgl. 2011, S. 160) explizit konstatiert. Überdies sollen ebenso die Mitarbeitenden der Organisation in die Lernprozesse eingebunden werden, da sie die Lernträger darstellen (vgl. ebd., S. 161). Die forschungsleitende Frage soll dazu mit Hilfe von Experteninterviews als Erhebungsmethode zunächst untersucht werden. Die Forschungsfrage wird, um einer Beantwortung zugeführt werden zu können, in fünf untersuchungsleitende Fragen übersetzt, welche im Kapitel 3.2 näher spezifiziert und ausgeführt werden. Die Beantwortung der Forschungsfrage soll schließlich durch die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring (2016; 2015) erfolgen. Koch (vgl. 2016, S. 33) spricht sich explizit für das Interviewen von Organisationsmitgliedern und die qualitative Inhaltsanalyse für organisationspädagogische Forschungsansätze aus. Letztlich ist es daher das Ziel dieser Arbeit, die Qualität der Ausbildung am Lernort Praxis zu verbessern, Auszubildende innerhalb der Ausbildung zu binden und Ausbildungsabbrüche auf diesem Weg zu verringern.

1.4 Aufbau dieser Arbeit

Zur theoretischen Einbettung des qualitativ empirischen Untersuchungsdesigns werden im zweiten Kapitel zunächst die notwendigen Grundlagen für die Themen „Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege, Ausbildungsabbrüche, Organisationen und organisationales Lernen, sowie der Aufbau der Organisation Krankenhaus“ aufgezeigt und der Forschungsstand skizziert. Ausgehend von der geschilderten Problemlage in der Gesundheitsund Krankenpflege (vgl. Kap. 1.1) werden nachfolgend die Ausbildung, d. h. empirische Befunde hierzu, sowie die gesetzlichen Grundlagen der Ausbildung beschrieben. Weiterhin wird die Theorie zur Entstehung eines „Coolouts“ vorgestellt und in diese Arbeit eingebunden, da über diese Studie Mängel und Probleme am Lernort Praxis dargestellt werden sollen. Im Anschluss wird das Phänomen des Ausbildungsabbruchs definiert und Gründe aus der Literatur exzerpiert. Zur Einbindung der Forschungsfrage dieser Arbeit werden darüber hinaus Möglichkeiten der Abbruchprävention erarbeitet und schließlich als Grundlage der Experteninterviews ein Modell zur Ausbildungsqualität eingeführt. Das Thema „Ausbildungsqualität“ fungiert innerhalb dieser Arbeit als die zentrale Möglichkeit zur Verbesserung der praktischen Ausbildung.

Anschließend erfolgt die Betrachtung der theoretischen Grundlagen des organisationalen Lernens, sowie die Vorstellung ausgewählter Ansätze, um nachfolgend die theoretischen Grundlagen zur Organisation Krankenhaus sowie deren Übertragung auf diese nicht-pädagogische Organisation darstellen zu können. Das empirische Vorgehen für diese Arbeit wird im dritten Kapitel aufgezeigt und beschrieben. Dazu wird zunächst der Untersuchungsgegenstand nähergehend analysiert und graphisch dargestellt, zudem werden die untersuchungsleitenden Fragen konkretisiert. Anschließend wird die Methode des Experteninterviews literaturbasiert definiert und die Entwicklung des Interviewleitfadens dargelegt. Dadurch können sowohl die Erhebungsmethode als auch das Erhebungsinstrument, welche für diese Arbeit grundlegend sind, um Ergebnisse in Bezug auf die Forschungsfrage generieren zu können, transparent aufgezeigt werden. Es folgt die Beschreibung der Datenerhebung und -auswertung, die Ausarbeitung der Ergebnisse aus den Experteninterviews und die Beantwortung der untersuchungsleitenden Fragen. Die Ableitung ergebnisorientierter organisationaler Lernprozesse beendet das vierte Kapitel. Das fünfte Kapitel beginnt mit der Beantwortung der Forschungsfrage dieser Arbeit, diskutiert die Ergebnisse und reflektiert kritisch das Forschungsdesign. Die Arbeit endet mit einem Ausblick.

2 Theoretische Grundlagen und Forschungsstand

Die Ausbildungssituation kann grundsätzlich aus mehreren Blickwinkeln betrachtet werden und bietet somit divergierende Möglichkeiten zur Verbesserung. Dies ergibt sich bereits aus den beiden Lernorten der Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung. Ein Überblick über bisherige Arbeiten mit dem Thema der Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung, die Darstellung der gesetzlichen Ausbildungssituation, sowie die Übertragung organisationaler Lernkonzepte auf ein Krankenhaus, werden nachfolgend das zentrale Anliegen der folgenden Kapitel sein.

2.1 Die Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung