Osteoporose - Chaled El Masry - E-Book

Osteoporose E-Book

Chaled El Masry

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Beschreibung

Jede zweite Frau und jeder fünfte Mann über 50 leidet an nachlassender Knochendichte. Die Folge: Knochenbrüche, meist am Handgelenk, Schenkelhals oder an der Wirbelsäule. Die Autoren erläutern, wie die Erkrankung entsteht und frühzeitig diagnostiziert werden kann. Dabei unterscheiden sie verschiedene Patiententypen, für die sie unterschiedliche Therapien und Behandlungsformen vorstellen. Mit Vorbeugungsmaßnahmen zur Stärkung der Knochensubstanz und einem Test zum persönlichen Osteoporose-Risiko. Ein hilfreicher Ratgeber für alle, die ihre Knochen schützen wollen.

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Seitenzahl: 150

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Die Ratschläge in diesem Buch sind von den Autoren und vom Verlag sorgfältig geprüft, dennoch kann keine Garantie übernommen werden. Jegliche Haftung des Autors bzw. des Verlages und seiner Beauftragten für Gesundheitsschäden sowie Personen-, Sach- und Vermögensschäden ist ausgeschlossen.

© für die Originalausgabe und das eBook:

2013 F. A. Herbig Verlagsbuchhandlung GmbH, München

Alle Rechte vorbehalten

Umschlaggestaltung: Wolfgang Heinzel

eBook-Produktion: VerlagsService Dr. Helmut Neuberger & Karl Schaumann GmbH, Heimstetten

ISBN 978-3-7766-8159-8

www.herbig-verlag.de

Inhalt

Vorwort

Osteoporose – die unbekannte Volkskrankheit

Der Knochen

Die verschiedenen Knochengruppen

Die Wirbelsäule – Rückgrat des Menschen

Der Knochenstoffwechsel

Ursachen und Risikofaktoren

Allgemeine Risikofaktoren

Das Lebensalter

Risikogruppe Frauen

Bereits eingebrochene Wirbelkörper

Andere Knochenbrüche

Die familiäre Vorbelastung

Bewegungsmangel

Rauchen und Alkoholkonsum

Untergewicht

Mangel an Kalzium, Vitamin D und anderen Stoffen

Risiken durch andere Vorerkrankungen

Risiken durch Medikamente

Selbsttest: Kennen Sie Ihr persönliches Osteoporose-Risiko?

Was passiert bei einer Osteoporose?

Begriffserklärungen

Primäre und sekundäre Osteoporose

Warum Knochen an Dichte verlieren

Was passiert in den Knochen?

Veränderungen des Knochenstoffwechsels im Alter

Andere Ursachen für den Kalziumabbau in den Knochen

Die maximale Knochenmasse

Verlauf und Schweregrade

Manifeste Osteoporose

Verlauf der sekundären Osteoporose

Psychisch mit der Erkrankung umgehen

Warum die Knochen brechen

Wirbelkörper brechen häufig zuerst

Diagnose

Erste Anzeichen und Basisdiagnostik

So testet der Arzt Ihre Beweglichkeit

Die DXA-Messung – der Goldstandard in der Diagnose

Wie die Untersuchung abläuft und was sie aussagt

Was die Messergebnisse bedeuten

Andere Untersuchungsmethoden

Was Röntgenaufnahmen, CT und MRT aussagen

Veränderungen im Blutbild

Die verschiedenen Patiententypen nach Dr. med. El Masry

Typ 1: Die typische Osteoporose-Patientin

Typ 2: Der Nicht-Wahrhaben-Woller

Typ 3: Der Ängstliche

Typ 4: Der Schmerzpatient

Typ 5: Der schwerkranke Patient

Typ 6: Der Osteoporose-Mann

Typ 7: Die junge Risikopatientin

Die richtige Therapie

Die drei Säulen der Therapie: Bewegung, Ernährung und Medikamente

Medikamentöse Therapie der Osteoporose

Diese Wirkstoffe kommen zum Einsatz

Die Gruppe der Bisphosphonate

Östrogene

Parathormon

Strontium-Ranelat

Schmerztherapie

Ersatzbehandlung mit Kalzium und Vitamin D

Das Sonnen-Vitamin D

Physikalische Therapie

Eine Stütze für die Wirbelsäule

Weitere Therapiemethoden

Ergänzende Heilverfahren

Mit Akupunkturnadeln das Skelettsystem stärken

Schüßler-Salze

Klassische Homöopathie

Operative Therapie

Eingriffe an eingebrochenen Wirbelkörpern

Therapie für Männer

Therapie bei Kindern

Wenn der Knochenschwund junge Frauen trifft

Selbsthilfegruppen sind Gold wert!

So beugen Sie einer Osteoporose aktiv vor

Kalziumreiche Ernährung

Tipps für den Küchenalltag

Kalziumräuber meiden!

Ohne Sonnenlicht kein Vitamin D

Der richtige Sport – den die Knochen mögen

Bewegung in den Alltag bringen

Sturzprophylaxe gehört ebenfalls zur Vorbeugung

Osteoporose-Vorbeugung auf einen Blick

Anhang

Glossar

Adressen

Vorwort

Der italienische Fotograf Oliviero Toscani, geboren am 28. Februar 1942 in Mailand, ist in den 1980er- und 1990er-Jahren vor allem für seine provokanten Werbeaufnahmen für die Marke Benetton bekannt und umstritten gewesen. Im Jahr 2005 wurde von der damaligen Gesundheitsministerin Ulla Schmidt in Berlin eine Ausstellung mit Toscani-Fotografien eröffnet, die ganz zu Recht schockierten. »Osteoporosis – a photographic vision«, auf Deutsch »Osteoporose – fotografische Einblicke von Oliviero Toscani«, lautete der Titel. Gezeigt wurden Porträts von 24 an Osteoporose erkrankten Menschen – und zwar nackt. Unter den Porträtierten waren auch vier Deutsche.

Bevor die Ausstellung in Berlin zu sehen war, wurden die Bilder bereits in vielen anderen europäischen Metropolen wie Lissabon, Madrid, Brüssel, Oslo, Stockholm, Helsinki und Kopenhagen präsentiert. Die Idee zu dieser Ausstellung hatte Barbara von Stackelberg, damals Geschäftsführerin des Deutschen Grünen Kreuzes e.V. (DGK): »Worte allein reichen offenbar nicht, die dramatischen Folgen von Osteoporose ins Bewusstsein zu rücken«, war damals ihre Meinung.

Es waren Frauen und Männer im Alter zwischen 25 und 92 Jahren, von denen Toscani Aktaufnahmen anfertigte. Auf beeindruckende Weise wurden diese Ganzkörperfotografien als 2,80 Meter hohe Abzüge gezeigt, auf denen alle Spuren festgehalten waren, die der Knochenschwund hinterlassen hatte. Die Ausstellung lieferte außerdem Fakten zu der immer noch unterschätzten Krankheit. »Ich hoffe, die Bilder führen dazu, etwas an den Bedingungen zu ändern, die das Leid verursacht haben«, sagte der Starfotograf damals über seine Arbeit. »Große Kunst beschäftigt sich mit der menschlichen Tragödie. Die Bilder dokumentieren kühl und distanziert die Situation der Menschen mit Osteoporose um uns herum. Ich bin ein Reporter. Ich habe den Tod gesehen. Die Körper der Menschen mit Osteoporose haben mich nicht geschockt. Sie sind ein historisches Abbild menschlichen Lebens. Meine Arbeit ist eine ›Reportage‹ darüber.«

Ulla Schmidt, die Schirmherrin für die Ausstellung in Deutschland, sagte anlässlich der Eröffnung: »Bei einem plötzlichen Knochenbruch wird oft erst viel zu spät an eine Osteoporose gedacht. Dabei könnten Prävention und nachhaltige Therapie das Leid vieler Betroffener lindern oder sogar verhindern. Mit der Ausstellung wird ein interessanter neuer Weg beschritten, um auf diese Krankheit aufmerksam zu machen.«

Toscanis Bilder und die dazugehörigen, im Ausstellungskatalog veröffentlichten Texte machten eindrücklich klar, was es für die Betroffenen bedeutet, an Osteoporose erkrankt zu sein. Sie verdeutlichten, dass Osteoporose keineswegs allein eine Krankheit alter Frauen ist. Diese Krankheit betrifft alle, junge Menschen genauso wie alte, Männer ebenso wie Frauen. Zum Beispiel eine junge Mutter, die in ihrer Schwangerschaft 15 Wochen liegen musste und aufgrund dieser langen Zeit der zu geringen Bewegung und Belastung der Knochen eine Osteoporose entwickelte. Die Ausstellung zeigte Einzelschicksale, die erlebbar und spürbar machten, was die Erkrankung für den jeweiligen Menschen bedeutete. Die über 90-jährige Anna aus Belgien verlor zum Beispiel durch Einbrüche der Wirbelkörper ganze 15 Zentimeter Körpergröße!

Die Ausstellung hatte aber auch eine positive Botschaft: Jeder Mensch kann selbst zur Vorbeugung dieser schrecklichen Krankheit und zum Heilungsprozess beitragen.

Ich hatte das Glück, diese Ausstellung damals in Berlin sehen zu können, die mich tief beeindruckte. Noch heute erzähle ich davon bei Vorträgen meinen Zuhörern und schildere ein paar exemplarische Patientenfälle, die in der Ausstellung dokumentiert wurden. Denn auch wenn seitdem bereits wieder ein paar Jahre vergangen sind, in denen sich vor allem Wissen und Technik rasant weiterentwickelt haben – die Aufmerksamkeit für die Problematiken der Osteoporose ist meiner Meinung nach immer noch zu gering. Auch ich hatte während meiner Tätigkeit als Unfallchirurg die Erkrankung unterschätzt. Mit diesem Buch möchte ich nun dazu beitragen, alles Wissenswerte zu dieser noch sehr verkannten Volkskrankheit ins Bewusstsein zu bringen. Denn wenn man die Möglichkeit einer drohenden Osteoporose im Hinterkopf hat, dann lassen sich Risikofaktoren möglichst frühzeitig erkennen und rechtzeitig eine wirksame Prävention einleiten, um bestenfalls die schlimmsten Spätfolgen vermeiden und die Lebensqualität der Betroffenen lange zu erhalten.

Seit Jahren setze ich mich für mehr Aufklärung über die Osteoporose bei Kollegen wie auch bei meinen Patienten ein. Dazu soll auch dieses Buch einen Beitrag leisten, indem es Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, möglichst viele interessante Fakten zu der Volkskrankheit Knochenschwund liefert und gleichzeitig aber auch Mut macht, die Vorsorge selbst aktiv in die Hand zu nehmen. Denn Sie selbst können viel dazu beitragen, dass Ihre Knochen möglichst lange stark bleiben. Wie das gelingen kann, erfahren Sie im letzten Kapitel dieses Buches. Davor erfahren Sie außerdem, welche Risikofaktoren die Entstehung einer Osteoporose begünstigen und wie die Diagnostik aussieht. Sehr ausführlich werden die aktuellen Therapiemöglichkeiten laut den offiziellen Leitlinien dargestellt und ergänzende Methoden erklärt. Und schließlich schildere ich Ihnen auch verschiedene Persönlichkeitstypen von Osteoporose-Patienten, wie ich ihnen in meiner Praxis- und Klinikarbeit immer wieder begegne. Denn beinahe für alle von einer chronischen Erkrankung betroffenen Patienten ist es die beste Hilfe, zu erleben, dass sie nicht allein sind. Auch andere Menschen meistern ihr Leben nach der Diagnose Osteoporose, leiden aber an ähnlichen oder gleichen Problemen. Daher sollen Ihnen meine Erfahrungen aus der Praxis Mut machen, sich mit der Volkskrankheit Osteoporose aktiv auseinanderzusetzen.

Dr. med. Chaled Josef El Masry

Osteoporose – die unbekannte Volkskrankheit

In Deutschland ist jede zweite Frau über 50 Jahre von Knochenbrüchen aufgrund einer nachlassenden Knochendichte betroffen – und auch jeder fünfte Mann über 50. Die früher als »Krankheit der alten Weiber« verachtete Erkrankung ist längst eine Volkskrankheit. Das hat auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkannt und die Osteoporose bereits vor einigen Jahren in die Liste der zehn weltweit bedeutendsten modernen Krankheiten aufgenommen. Schätzungen gehen von sechs bis acht Millionen Betroffenen in Deutschland aus. Davon sind etwa 80 bis 83 Prozent Frauen und etwa 17 bis 20 Prozent Männer. Diese Zahl wird sich in den nächsten 30 Jahren sehr wahrscheinlich verdoppeln. Dennoch ist das Phänomen Knochenschwund in der breiten Öffentlichkeit viel zu wenig bekannt.

Dass die Krankheit Osteoporose noch so wenig im Bewusstsein der Öffentlichkeit ist, liegt sicherlich im Wesentlichen daran, dass sie trotz Ausnahmen vorrangig ältere Menschen betrifft. Das sind Menschen, die nicht unbedingt im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses stehen.

Männer und Frauen haben heute eine höhere Lebenserwartung als frühere Generationen. Im Jahr 2050 wird die mittlere Lebenserwartung einer Frau auf 92 Jahre angestiegen sein. Die Gruppe der älteren Menschen wird in den nächsten Jahrzehnten immer größer werden, und so kann das Thema Osteoporose eines Tages wirklich jeden selbst betreffen. Schon allein aus diesem Grund sollte sich jeder dafür interessieren und rechtzeitig vorbeugen – und nicht erst dann reagieren, wenn ein Knochenbruch bereits passiert ist und wirklich Schmerzen bereitet.

Für eine bessere Aufklärung über den Knochenschwund haben sich in den vergangenen Jahren mehrere Institutionen eingesetzt. Zum Beispiel die Orthopädische Gesellschaft für Osteologie (OGO), die es sich zum Ziel gemacht hat, das Bewusstsein für die Osteoporose vor allem unter den Fachärzten für Orthopädie zu schärfen. Denn Orthopäden in Praxis und Klinik stellen die größte Gruppe derer dar, die Patienten mit osteologischen, also die Knochen betreffenden, Erkrankungen – an erster Stelle mit Osteoporose – betreuen. Ein weiteres Anliegen der OGO ist es, die Versorgung der Osteoporose-Patienten zu verbessern, denn die aktuelle Situation ist alarmierend: Laut OGO werden in Deutschland derzeit lediglich 20 Prozent der Menschen, von denen nach allgemein anerkanntem Wissensstand der Medizin bekannt ist, dass sie eine Behandlung gegen ihre Osteoporose benötigen, auch tatsächlich behandelt. Anders gesagt: 80 Prozent, also vier von fünf Osteoporose-Patienten, erhalten keine oder nicht die adäquate Behandlung! Damit hat Deutschland im internationalen Vergleich einen der letzten Plätze inne. Im Rest der EU werden zum Beispiel heute schon mehr als die Hälfte aller Osteoporose-Patienten adäquat behandelt.

Dabei kann dieses Behandlungsdefizit durchaus dramatische Auswirkungen haben. Mehr als 300 000 Menschen über 50 Jahre erleiden in Deutschland pro Jahr einen Knochenbruch aufgrund einer Osteoporose-Erkrankung und etwa 30 000 von ihnen sterben laut OGO an den Folgen eines solchen Knochenbruchs. Bei einer korrekten Behandlung könnte allerdings der größte Teil dieser Knochenbrüche und dieser Todesfälle verhindert werden. Außerdem könnte auch der größte Teil der etwa fünf Milliarden Euro, die zur Behandlung dieser Frakturen erforderlich sind, gespart werden.

Doch wie sieht diese Vorsorge konkret aus? Dafür wären noch nicht einmal besonders aufwendige Untersuchungsmethoden oder teure Technik vonnöten. Mit einigen gezielten Fragen kann ein Arzt im Gespräch mit seinem Patienten bereits typische Risikofaktoren erkennen. Man muss eben nur daran denken! Und damit sind nicht nur die Knochen- oder Osteoporose-Spezialisten gemeint. Sondern genauso der Hausarzt, der Internist, der Frauenarzt, der Chirurg und alle anderen Ärzte.

Zu bekannten Risikofaktoren zählen zum Beispiel die regelmäßige und lange Einnahme bestimmter Medikamente wie etwa Kortison, Blutverdünner wie Marcumar, Arzneimittel gegen Epilepsie oder Magensäureblocker. Aber auch das Rauchen oder bereits diagnostizierte Osteoporose-Erkrankungen in der Familie sind solche Risikofaktoren. Außerdem können bestimmte Erkrankungen die Entstehung einer Osteoporose begünstigen. Näheres zu allen Risikofaktoren erfahren Sie im Kapitel »Ursachen und Risikofaktoren«.

Wichtig ist auch zu wissen, dass eine Abnahme der Knochendichte eine ganz normale Alterserscheinung darstellt, die aber durch mangelnde Bewegung zusätzlich beschleunigt werden kann. Erst wenn bei einem Menschen ein erhöhtes Risiko erkannt wurde, sind eine Knochendichtemessung sowie weitere medizinische Untersuchungen notwendig. Diese Aufgabe können in Deutschland unter anderem die etwa 1700 spezialisierten Ärzte übernehmen, die aufgrund einer besonderen Weiterbildung das Zertifikat »Osteologen DVO« führen dürfen. Diese Osteologen beschäftigen sich in Kursen, Workshops oder auch bei speziellen Kongressen intensiv mit dem Thema Osteoporose und all den damit vergesellschafteten Problemen.

Nach einer Knochendichtemessung kann der Osteologe beurteilen, welche Behandlung oder welche vorbeugende Maßnahmen der jeweilige Patient braucht. Die drei Säulen, auf denen sowohl die Osteoporose-Vorbeugung als auch die -Therapie aufbauen und die Sie in diesem Buch kennenlernen, sind: eine gesunde, kalziumreiche Ernährung, tägliche Gymnastik beziehungsweise eine angepasste Bewegungstherapie sowie, je nach individueller Knochendichte, eine Therapie mit den übermäßigen Knochenabbau hemmenden Medikamenten.

Generell gilt: Je früher das persönliche Osteoporose-Risiko erkannt wird, desto leichter ist es, der Erkrankung vorzubeugen beziehungsweise ihr Fortschreiten zu verzögern!

Indem Sie dieses Buch zur Hand genommen haben, ist der erste wichtige Schritt bereits getan. Sie möchten sich informieren, vielleicht weil Sie bereits die Diagnose Osteoporose erhalten haben oder weil ein mitdenkender Arzt bei Ihnen ein erhöhtes Risiko für einen Abbau Ihrer Knochenstärke erkannt hat. Vielleicht ist aber auch einer Ihrer Angehörigen erkrankt und Sie möchten sich informieren. Was auch immer Ihre ganz persönlichen Beweggründe sind, es ist wichtig, sich zu informieren und sich Wissen über die Ursachen und Behandlungsmethoden der Osteoporose anzueignen. Es kann uns alle treffen, und mit Ihrem Wissen über diese Erkrankung tragen auch Sie dazu bei, dass die Osteoporose und die richtige Prävention bekannter werden. Denn noch ist diese Volkskrankheit die große Unbekannte, die aber ihren Schrecken nur verlieren kann, wenn man offen über sie spricht und informiert.

Der Knochen

Das Skelettsystem ist eine wunderbare Konstruktion, denn es ist dem Menschen zum einen eine wichtige Stütze, gleichzeitig müssen die starken Knochen und Gelenke aber auch flexibel sein, nur so können sie Sprünge oder Stürze abfedern. Daneben hat das Skelettsystem auch eine wichtige Schutzfunktion für die im Körperinneren liegenden Organe. So werden zum Beispiel Herz und Lunge von den Rippen schützend umschlossen, das Gehirn liegt gut abgefedert in den stabilen Schädelknochen und das Rückenmark verläuft durch einen von den Wirbelkörpern gebildeten Kanal.

Doch damit noch nicht genug der lebenswichtigen Funktionen der Knochen: Sie sind auch noch der größte Mineralspeicher des Körpers und damit an vielen lebenswichtigen Funktionen der Organe beteiligt. Vor allem Kalzium, Magnesium und Phosphat werden in den Knochenbälkchen eingelagert und bei Bedarf wieder ans Blut abgegeben. Und auch für die Blutbildung spielen die Knochen eine sehr wichtige Rolle, denn in ihrem Innern liegt das Knochenmark, das für die Bildung lebenswichtiger Blutzellen verantwortlich ist.

Doch allein würde auch dieses System des knöchernen Skeletts dem Menschen noch nichts nützen: Nur in einem ausgeklügelten und faszinierenden Zusammenspiel mit Gelenken, Muskeln und Sehnen ist es dem Menschen möglich, sich zu bewegen. Und vor allem die Knochen brauchen auch die Bewegung, um gesund zu bleiben. Darum werden Knochen und Gelenke auch als passiver Bewegungsapparat bezeichnet, Muskeln mit Nerven, Sehnen und Blutgefäßen dagegen als aktiver Bewegungsapparat. Folglich kann das Skelettsystem eigentlich nie nur losgelöst und allein auf die Knochen beschränkt wahrgenommen werden.

Die verschiedenen Knochengruppen

Um aber die Vorgänge einer abnehmenden Knochendichte zu verstehen, ist es interessant, sich einmal die verschiedenen Knochen und deren Aufbau genauer zu betrachten:

Aus über 200 verschiedenen Knochen besteht das menschliche Skelett, das bei einem Menschen mit beispielsweise 74 Kilogramm Körpergewicht etwa zehn Kilogramm ausmacht, das entspricht etwa 14 Prozent des gesamten Körpergewichtes. Die Gesamtmenge der Knochen im Körper wird auch als Knochenmasse bezeichnet.

Die unterschiedlichen Knochen lassen sich verschiedenen Knochengruppen zuordnen. Wichtige Gruppen bilden die Schädelknochen, die Wirbelsäule, der Brustkorb, der Schultergürtel, der Beckengürtel, die oberen Extremitäten sowie die unteren Extremitäten.

Der größten Belastung sind im Laufe eines Lebens die unteren Extremitäten ausgesetzt. Darum sind das Hüft- und das Kniegelenk auch jene beiden Gelenke, die am häufigsten von Abnutzungserscheinungen betroffen sind, einer sogenannten Arthrose, einer lokal beschränkten Erkrankung. Im Gegensatz dazu handelt es sich bei der Osteoporose um eine sogenannte systemische Erkrankung, von der das gesamte knöcherne Skelett betroffen ist. Mehr dazu, wie eine Osteoporose entsteht und was dabei genau in den Knochen passiert, lesen Sie in den nachfolgenden Kapiteln.

Die Wirbelsäule – Rückgrat des Menschen

Das sprichwörtliche Rückgrat und die größte knöcherne Stütze des Körpers ist die Wirbelsäule, die aus 24 einzelnen Wirbelkörpern, dazwischenliegenden Bandscheiben sowie Kreuz- und Steißbein besteht. Die Wirbelsäule wird in fünf Abschnitte unterschieden:

die Halswirbelsäule mit sieben Halswirbelndie Brustwirbelsäule mit 12 Brustwirbelndie Lendenwirbelsäule mit fünf Lendenwirbelndas Kreuzbein, das aus fünf miteinander verschmolzenen Sakralwirbeln bestehtdas Steißbein aus drei bis fünf verkümmerten Steißwirbeln

Am oberen Ende hat die Wirbelsäule eine Verbindung zum Schädel, am unteren zum Becken. Jeder Wirbelkörper besitzt eine Öffnung, durch die übereinanderliegenden Wirbelkörper bildet sich so ein rundum geschützter Kanal, durch den das Rückenmark verläuft.

Neben den verschiedenen Knochengruppen gibt es auch unterschiedliche Arten von Knochen. So zum Beispiel die Röhrenknochen, zu denen der Oberschenkelknochen gehört, der längste und schwerste Knochen des Körpers. Röhrenknochen charakterisiert, dass sie eine feste stabile äußere Schicht besitzen und innen hohl sind, was eine große Stabilität zur Folge hat. Diese äußere, starke Schicht wird gebildet von längs verlaufenden Lamellen mit dazwischen eingelagertem Kalzium und Phosphat, diese Konstruktion macht den Knochen besonders stabil und gleichzeitig flexibel.

Außerdem gibt es die sogenannten unregelmäßigen Knochen, zu denen die Wirbelkörper zählen. Ihr Aufbau gleicht dem der Enden der Röhrenknochen: spongiös, also schwammartig. Das bedeutet, dass es im Inneren dieser Knochen ein dicht verzweigtes Netz an Balken und Knotenpunkten gibt, die die Wirbelkörper besonders stark und gleichzeitig flexibel machen. Das ist notwendig, weil die Wirbelsäule durch jede Bewegung des Körpers massivem Druck ausgesetzt ist.

Röhrenknochen

Röhrenknochen oder lange Knochen werden diejenigen Knochen genannt, die eine Markhöhle mit Knochenmark enthalten. Zu ihnen gehören zum Beispiel der Oberarmknochen, Elle und Speiche im Unterarm, Oberschenkelknochen, Schien- und Wadenbein.

Die beiden Knochenenden, auch Epiphysen genannt, zeichnen sich dadurch aus, dass sie ein Geflecht von Knochenbälkchen durchzieht, welches nach den Hauptrichtungen der auf den Knochen einwirkenden Kräfte ausgerichtet ist. Die kompakte Knochensubstanz, genannt Kompakta, die den Markraum umhüllt, bedingt die mechanische Festigkeit des Röhrenknochens.

Der Knochenstoffwechsel

Das Gewebe des Knochens setzt sich aus verschiedenen Knochenzellen(Osteozyten) mit unterschiedlichen Funktionen zusammen. Zum Beispiel regulieren sie ein sehr komplexes System von Knochenauf- und Knochenabbau. Denn auch wenn man beim ersten Gedanken an einen Knochen an ein starres und vielleicht lebloses Gewebe denkt, sind auch die Knochen ein sehr lebendiges Organ, in dem ein ständiger Stoffwechsel stattfindet und das dafür sehr gut durchblutet sein muss.

Auch nach dem abgeschlossenen Größenwachstum werden in den Knochen erwachsener Menschen ständig kleinere Verletzungen repariert, wird alte Knochensubstanz durch neue ersetzt. Den Abbau des Knochengewebes übernehmen spezielle Knochenzellen, die Osteoklasten genannt werden. Durch ihren Abbau werden aber gleichzeitig auch ihre Gegenspieler, die Osteoblasten