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Oswald von Northumbria Heidnischer Prinz Christlicher König Heiliger Märtyrer Sein Leben und die Ausbreitung seiner Verehrung
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Seitenzahl: 73
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Sankt Oswald – ein unbekannter und unbeliebter Heiliger?
Das finstere Zeitalter (The Dark Age)
Oswald-Vita in Kurzform
Oswalds Kindheit
Oswalds Jugendzeit
Oswald wird König
König Oswald von Northumbria als Oberherrscher über die gesamte britische Insel
Oswalds Tod
Die Ausbreitung der Sankt-Oswald-Verehrung
Die literarische Verbreitung der Oswald-Literatur
Oswalds Reliquien
Die Iroschottische und die Römisch-Katholische Kirche
St.Oswald als „Nachfolger“ oder Ersatz für keltische Gottheiten?
Fragen und Antworten
01
Wann wurde Oswald heiliggesprochen?
02
Kann ein militärischer Mensch ein Heiliger werden?
03
Wie groß war ein Heer zu Oswalds Zeiten?
04
Mit welchen Waffen kämpften die Soldaten zu Oswalds Zeiten?
05
Welche Fortbewegungsmittel hatten die Menschen zu Oswalds Zeiten?
06
Gebäude zu Oswalds Zeiten
Kartenskizze von Großbritannien und Irland um 650 n.Chr.
Literaturverzeichnis
Personen mit Bezug auf Oswald
- ein unbekannter und unbeliebter Heiliger?
Das Ökumenische Heiligenlexikon nennt zwei (früher drei) Heilige mit dem Namen Oswald.
Diese Arbeit befasst sich mit St.Oswald von Northumbria (England).
Er lebte von 604–642. Von 635–642 war er König von Northumbria.
Der zweite St.Oswald (* um955 + 992) war Erzbischof von York. Er lebte also gut 300 Jahre später als Oswald von Northumbria.
Als die barocke Marktler St.Oswald-Kirche, durch einen Neubau ersetzt wurde, wollten die Marktler, dass der Bischof die neue Kirche der Hl. Mutter Anna weiht. Bischof Heinrich Hofstetter von Passau erfüllte aber den Wunsch der Marktler nicht und weihte die Kirche 1857 dem alten Patron St.Oswald. Die Abweisung ihrer Bitte beantworteten die Seelsorger und Pfarrangehörigen damit, dass sie die Pfarrmesse an Sonn- und Feiertagen bis in die 90-er Jahre hinein nicht auf dem Hochaltar „in honorem S.Oswaldi“, sondern auf dem Mutter Anna- Seitenalter feierten. 1 Eigentlich wollten die Markler ihre barocke Kirche erhalten; aber die Obrigkeit setzte durch, dass sie abgetragen, durch eine neugotische ersetzt „und die Inneneinrichtung, sie war nach Auffassung der Obrigkeit ohnehin nichts wert, verschenkt wurde… Im Laufe der letzten Jahre wurde die Kirche in Berg, eine der sieben Nebenkirchen der Pfarrei Reischach, dem hl.Vitus geweiht, einer gründlichen Renovierung unterzogen, u.a. auch das Altarbild des hl.Vitus. Der Kirchenmaler Martin Zunhammer entdeckte bei der Renovierung, dass dieses Bild ursprünglich der hl.Oswald war, mit der Jahreszahl 1703 signiert. Die letzte Renovierung der Kirche in Berg war 1854. Damals hatte die Pfarrei Reischach dieses barocke Altarbild des hl.Oswalds erworben und es auf den Patron der Kirche in Berg auf den hl.Vitus umfunktioniert. Da es im weiten Umkreis keine Kirche mit dem Patron des hl.Oswald gibt, und die Jahreszahlen 1703 und 1854 mit der Kirche in Marktl übereinstimmen, so kann mit Sicherheit angenommen werden, dass dieses Altarbild aus der ehemaligen Barockkirche von Marktl stammt..“ So schrieb der ehemalige Heimatpfleger von Marktl, Josef Seidl-Ainöder.2 Aber auch 1899 stellt der Stadtpfarrprediger Joachim Pölzl aus Traunstein in seiner Vorrede zur Abhandlung über den Hl.Oswald fest: „Zweck dieser Abhandlung ist, die Leser des Programms bekannt zu machen mit dem hl.Oswald, von dem man gewöhnlich so viel wie nichts weiß.“3 Pfarrer Josef Friesenecker aus St.Oswald/Freistadt, OÖ, schreibt in seiner Festschrift zur 1400-Jahrfeier des Heiligen Oswald, dass „das Wissen und damit auch die Verehrung im 20. Jahrhundert sehr geschwunden ist… “4 Bei meiner Wallfahrt (2011) in den Spuren von St.Oswald musste ich auch feststellen, dass selbst in Schottland und England viele nichts mehr von diesem heiligen König wissen. Sie waren erstaunt, dass ich alter Mann aus Bayern St.Oswalds Spuren aufsuche und interessierten sich sehr über ihren König aus den „dark ages“ (finsteren Zeitaltern), der „Licht“ in diese finstere Zeit brachte.
1 Geschichte der Pfarrei Marktl. Internet www.marktl-st-oswald.de
2 Josef Seidl-Ainöder, Das Altarbild des hl.Oswald in der ehem. Pfarrkirche Marktl. In: Marktler Geschichtsblätter – Mitteilungsblatt des Heimatbundes Marktl e.V. 17.Jg. IV.Quartal, 1992
3 Joachim Pölzl, Der heilige König und Märtyrer, Stadtpatron von Traunstein, in der Geschichte, Sage und Verehrung, Traunstein 1899
4 Josef Friesenecker, Heiliger Oswald – unser Vorbild, unser Anwalt, St.Oswald/Freistadt, OÖ, 2004
Der Ausdruck „Das finstere Zeitalter“ kann in zweierlei Hinsicht gedeutet werden: Es kann damit gemeint sein, dass diese Zeit weit weg im Dunkel der Vergangenheit liegt, von der wir wenig bis gar nichts wissen. Zum anderen kann es auch so gedeutet werden: Es war eine ungute Zeit, es ging drunter und drüber und die Menschen litten unter Plünderungen, Hungersnot und anderen schlimmen Heimsuchungen. Für das Gebiet des heutigen Englands zur damaligen Zeit gilt wohl beides. Wie allgemein bekannt, landeten und eroberten die alten Römer um 55 nach Christi Geburt auch weite Gebiete des heutigen Groß-Britanniens. Die ersten schriftlichen Aufzeichnungen sind die Berichte von Cäsar, und das wohl bekannteste noch heute streckenweise sichtbare Bauwerk der Römer ist der Hadrians Wall; Kaiser Hadrian ließ dieses Bauwerk errichten, um das römische Reich von den Einfällen vom Norden zu schützen. Zum Anfang des 4. Jahrhunderts konnten die Römer das Reich im Norden nicht mehr halten und sie begannen sich zurück zu ziehen. Es entstand ein Machtvakuum und es begannen Einwanderungen verschiedenster Stämme, besonders von Norden und Süden. Die neuen Siedlungsgebiete waren zunächst nach Stammes- und Gruppenstruktur organisiert. Gegen Ende des 6. Jahrhunderts entwickelten sich um die sieben Kleinkönigreiche mit so genannten Königsherrschaften, die ständig miteinander oder gegeneinander stritten. Zu nennen sind vor allem die Kleinkönigreiche Bernicia und Deira, die sich zeitweise zu Northumbria vereinigten, Mercia, Sussex, Wessex und Essex und Kent. In Bernicia und Deira lebten die Ostangeln, in Mercia die Angeln, in Sussex, Wessex und Essex die Sachsen und in Kent die Jüten. Für diese Arbeit „Oswald von Northumbria“ spielt vor allem Northumbria mit Bernicia und Deira eine wichtige Rolle.5 Eine Kartenskizze zur besseren Übersicht wird weiter hinten noch eingefügt.
Über die Ausbreitung des Christentums in England muss angemerkt werden, dass einzelne römische Soldaten und Kaufleute bereits das Christentum ins Land brachten und dass es vor allem Papst Gregor dem Großen ein großes Anliegen war, das Christentum unter den „Angeln“ zu verbreiten. Allgemein bekannt ist die Geschichte: Als Papst Gregor der Große in Rom einen englischen Sklaven traf, soll er gesagt haben, er wolle Missionare aussenden und aus den Angeln „Engel“ (Angles) machen. Das war ein Jahr bevor der bekannte irische Missionar Columba starb, also 596. Columba gründete auf der westschottischen Insel Iona ein Kloster und begann von dort aus mit der Missionierung.6
5 Geschichte Englands, aus Wikipedia
6 Dies hat auch J.A.Brooks in seinen Iona-Führer „Welcome to Iona“ schön beschrieben. Jorrold Publishing, 1987, S.14ff
604 wurde Oswald (wahrscheinlich am königlichen Hof seines Vaters in Bamburgh) geboren. König Aethelfrith war sein Vater, Königin Acha seine Mutter. Oswald hatte noch sechs Brüder und eine Schwester.
616 wurde sein Vater in einer Schlacht getötet. Oswald musste zusammen mit seiner Mutter und seinen Geschwistern vor dem neuen König Edwin ins Exil gehen. Sie fanden Aufnahme im nördlichen Königreich Dalriada. Auf Iona wurden er und mehrere seiner Brüder (wahrscheinlich auch seine Schwester) in dem von Columba 563 gegründeten Kloster christlich erzogen und getauft.
633/634 kam König Edwin in einer Schlacht ums Leben und Oswald kehrte aus dem Exil zurück. 634/635 besiegte Oswald mit dem kleinen Heer in Haevenfield bei Hexham den übermächtigen heidnischen Feind Cadwallon und eroberte das einstige Reich seines Vaters zurück. Er wurde nun selber König und vergrößerte sein Reich. Oswald holte von Iona den Mönch Aidan, damit er in seinem Reich das Christentum verkünde. Aidan gründete auf Lindisfarne ein Missionskloster.
642 am 5. August wurde Oswald vom Heidenkönig Penda in Maserfield bei Oswestry im Kampf getötet. Bald nach seinem Tod wurde er vom Volk als Heiliger verehrt.
Oswald wurde 604 geboren. Sein Vater war der bekannte König Aethelfrith, der die Kleinreiche Bernicia und Deira zum Königreich Northumbria vereinigt hatte. Oswalds Vater war in erster Ehe mit Beba verheiratet; sie gebar ihm den Sohn Eanfrith. In zweiter Ehe heiratete Oswalds Vater Acha, die Schwester von König Edwin; sie gebar ihm die Söhne Oswald, Oswiu, Osguid, Oslac, Oslaph, Offa und die Tochter Aebbe.7
