Otto I. - Dietmar Salewsky - E-Book

Otto I. E-Book

Dietmar Salewsky

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Beschreibung

Statt zum wiederholten Male die Geschichte des 10. Jahrhunderts bzw. die Ereignisse zu Lebzeiten Ottos I. darzustellen, nähert sich Dietmar Salewsky der Herrscherpersönlichkeit Ottos mit besonderem Blick auf Beschreibungen durch dessen Zeitgenossen und die unmittelbar nachfolgenden Generationen. Damit möchte er zum einen an die Geschichte des ersten liudolfingischen Kaisers heranführen und das historische Sachsen als zentrale Kulturlandschaft in das Bewusstsein der Leser rücken. Zum anderen möchte er den Leser mit den Quellen und insbesondere mit der Arbeit an ihnen vertraut machen. Denn nur in engem Zusammenhang mit ihnen ist die Aufarbeitung der Ereignisse dieser Zeit möglich, nur so die zum Teil extrem unterschiedlichen Interpretationen von besonderen Fragestellungen nachvollziehbar.

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Veröffentlichungsjahr: 2020

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Dietmar Salewsky

Otto I.

Leben und Wirken eines Herrschers im Spiegel der Quellen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Impressum

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Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikationin der Deutschen Nationalbibliographie; detaillierte bibliographischeDaten sind im Internet über http://dnd.d-nb.de abrufbar

wbg Academic ist ein Imprint der wbg© 2019 by wbg (Wissenschaftliche Buchgesellschaft), DarmstadtDie Herausgabe des Werkes wurde durch dieVereinsmitglieder der wbg ermöglicht.Satz und eBook: Satzweiss.com Print, Web, Software GmbH

Besuchen Sie uns im Internet: www.wbg-wissenverbindet.de

ISBN 978-3-534-40330-1

Elektronisch sind folgende Ausgaben erhältlich:eBook (PDF): 978-3-534-40332-5eBook (epub): 978-3-534-40331-8

Inhalt

1 Einführung

2 Prolog – Kaiser Otto der Große

2.1 Die Person Ottos I.

2.2 Ottos Mutter Mathilde

2.3 Die Slawin – Mutter seines ersten Kindes

3 Die Königskrönung Ottos I.

3.1 Designatio Ottonis 929

3.2 Die Thronfolge Ottos I.

3.3 Die Königskrönung in Aachen 936

3.4 Militärischer Neuanfang mit karolingischen Traditionen

3.5 Die erste Gemahlin Edgith

4 Aufstände

4.1 Der erste Aufstand 937

4.2 Der zweite Aufstand 939/941 – Konsolidierung und Zug nach Italien

4.3 Familienpolitik

4.4 Der dritte Aufstand 953

5 Auf dem Weg zur Kaiserkrone

5.1 Kaiserkrönung und Italienpolitik

5.2 Die zweite Gemahlin Adelheid

6 Auf dem Höhepunkt der Macht

6.1 Rom und Byzanz

6.2 Die Schwiegertochter Theophanu

7 Das Wirken Ottos in und für Sachsen

7.1 Freunde und Feinde in Sachsen

7.2 Ostpolitik und ‚Christianisierung

7.3 Politik für Magdeburg

7.4 Das Erzbistum Magdeburg

8 Die ‚letzte Krise‘

9 Epilog – Otto I., erster deutscher Kaiser?

10 Anhang

10.1 Bemerkungen zu Widukinds Sachsengeschichte

10.2 Liste der Aufenthaltsorte Ottos I

10.3 Biographie Ottos I

10.4 Dotationen an das Mauritiuskloster

10.5 Bibliographie

Quellen

Secundaerliteratur

Umschlagsabbildung

Abzeichnung einer der beiden zoomorphen Figuren aus der sog. Heiratsurkunde der Theophanu. Dargestellt ist eine greifenähnliche Figur, die eine Hirschkuh schlägt – Zeichen von Herrschaft und Stärke.

1 Einführung

Oddo, gewaltiger Beherrscher des Cäsarianischen Reiches,

Der Du unter dem Schutze der Gnade des ewigen Königs,

Herrlich prangend im Szepter der Augustalischen Ehren,

Alle die früheren Kaiser durch frommen Glauben übertriffst,

Vor dem mancherlei Völker in weiten Gebieten sich fürchten,

Welchen das römische Reich mit Fülle der Gaben beschenkt! 1

Über den ersten Kaiser aus dem Hause der Liudolfinger ist schon außerordentlich viel geschrieben worden. So soll die vorliegende Arbeit keine grundlegend neuen Forschungsergebnisse zum Thema „Otto der Große“ präsentieren oder ein neues „Otto-Bild“ aufzeigen.

Ansatz dieser Arbeit soll nicht die allgemeine Darstellung der Geschichte des 10. Jahrhunderts bzw. der Ereignisse zu Lebzeiten Ottos I. sein. An Hand der ausführlichen Zitate aus den Beschreibungen der Zeitgenossen und der unmittelbar folgenden Zeit soll das Augenmerk stärker auf die Quellen gelenkt werden. Über sie soll der Zugang zu einer Zeit und deren Ereignisse ermöglicht werden, die so weit von der unseren entfernt ist. So mögen diejenigen an die Geschichte des ersten liudolfingischen Kaisers herangeführt werden, die sich bislang nicht oder nur wenig für diese Zeit interessiert haben. Sie sollen aber in erster Linie an die Quellen herangeführt werden, deren Faszination und Vielschichtigkeit nicht nur die Basis historischen Wissens darstellen, sondern auch in ihrer Einzigartigkeit Wert genug sind, mit Interesse und Konzentration betrachtet und somit wieder in den Mittelpunkt des Interesses gestellt zu werden. Nur in einem engen Zusammenhang mit ihnen ist die Aufarbeitung und Interpretation der Ereignisse dieser Zeit möglich, nur so die zum Teil extrem unterschiedlichen Interpretationen von besonderen Fragestellungen nachvollziehbar.

Die Verwendung der erzählenden Quellen bedarf allerdings einiger Vorbemerkungen. Die Autoren der verschiedenen Viten und Historiographien haben ihre Werke nicht aus eigenem Ansatz verfasst, sondern den Auftrag dazu bekommen. Die bedeutet, dass nicht von einer unabhängigen und unparteiischen Erzählung im heutigen Sinne ausgegangen werden darf. Wenn Widukind von Corvey, um den bekanntesten und wichtigsten Autoren als Beispiel zu nennen, seine Abhandlungen mit einer Widmung an Mathilde, der Tochter Kaiser Ottos I. beginnt, zeigt dies diesen Umstand recht deutlich.

Der durch jungfräuliche Blüte wie durch kaiserliche Hoheit und einzigartige Weisheit strahlenden Frau Mathilde entbietet der Geringste unter den Dienern der Blutzeugen Christi Stephanus und Vitus, Widukind von Corvey, in ganzer Untertänigkeit ergebenste Dienstbarkeit und wahren Gruß im Erlöser.2

Eine ausführliche Quellenkritik soll und kann an dieser Stelle nicht folgen. Es ist nur wichtig darauf hinzuweisen, dass die Autoren des Frühen Mittelalters nicht im engen Sinne 1:1 gelesen werden dürfen. Widukind schreibt z.B., dass Heinrich I. nicht gesalbt worden ist. Dagegen berichtet Ekkehard IV. in seinen St. Gallener Klostergeschichte, es

(…) fand eine öffentliche Versammlung statt, und mit Zustimmung der Sachsen und Franken erhob und salbte man Heinrich zum König.3

Ein anderes Beispiel stellt die bei Widukind von Corvey fehlende Kaiserkrönung Ottos I. dar. Allein diese Tatsache hat niemanden an der Tatsache zweifeln lassen, dass Otto 962 in Rom zum Kaiser gekrönt wurde. Es soll aber darauf aufmerksam gemacht werden, dass auch und gerade Widukind sehr kritisch gelesen werden muss. Dies wird im folgenden Text geschehen. Dies bedeutet nicht, alles in Frage zu stellen, was bislang als feste Tatsachen vermittelt worden ist. Aber Aufmerksamkeit bei der Lektüre der vorhandenen Quellen erhöht die wissenschaftliche Genauigkeit, entspricht dem Rang der vorliegenden Quellen und erhöht den Genuss der Lektüre.

Im folgenden Text soll versucht werden, anhand der Quellen und der Darstellungen der Historiographen und Chronisten diesen vielschichtigen Charakter, die historische Persönlichkeit dieses Liudolfingers und seine Zeit zu schildern. Aber nicht nur diese erzählenden Quellen werden herangezogen, natürlich stellen auch Urkunden Fakten zur Verfügung, um z.B. die Gründung des Moritzklosters zu beleuchten oder im Anhang auf die verschiedenen Aufenthaltsorte des Ottonen einzugehen.

Für die Betrachtung der Person Ottos I. sind gerade auch die Frauen seiner Umgebung von großer Bedeutung. Angefangen mit seiner Mutter Mathilde, die eine sehr wichtige Rolle in der ersten Zeit seiner Königswürde hatte, über die slawische Adelige und Gefangene, die die Mutter seines ersten Kindes war, über seine erste Ehefrau Edgith bis zu seiner zweiten Gemahlin Adelheid. Letztlich gehört in diese Reihe auch Theophanu, die Gattin seines Sohnes und Nachfolgers Ottos II., obwohl sie sicherlich keinen Einfluss auf Otto I. hatte und ihre wichtigste Zeit erst nach seinem Tode lag – als Gemahlin des Königs und Kaisers, als Königin und Kaiserin und als Mutter und Vormund ihres Sohnes Otto III. In dieser Phase gilt es, die beiden bedeutenden Frauen Adelheid und Theophanu auch in diesem Zusammenhang, in ihrem Gegensatz zueinander und der Auseinandersetzung um die Macht, zu betrachten.

All diese Frauen haben natürlich eine sehr unterschiedliche Rolle gespielt und alle finden sich sehr unterschiedlich dargestellt in den Beschreibungen der Historiographen und Chronisten. Interessant aber ist die Tatsache, dass diese Frauen das Leben Ottos I. in den wichtigsten Phasen seines Lebens begleitet haben.

 

 

 

     1 Die Widmung des Epos’ „Die Taten Ottos I.“ an den Kaiser von der Autorin Hrotswith.„Pollens imperii regnator caesariani,Oddo, qui regis pietate fovente perennisIn ceptris augustalis praeclarus honorisAugustos omnes superas pietate priores,Quem plures gentes passim metuunt habitantes,Muneribus variis Romanus donat et orbis!“Hrotsvithae opara, gesta Ottonis, MGH scriptores rerum Germanicarum in usum scholarum ex Monumentis Germaniae Historicis separatim editi, Berlin/Turin 1965, S. 202. Übersetzung vgl.: Hrotsvitha von Gandersheim, Werke, München/Paderborn/Wien 1973, S. 14.

     2„Flore virginali cum maiestate imperiali ac sapientia singulari fulgenti dominae Mathildae ultimus servulorum Christi martyrum Stephani atque Viti, Corbeius Widukindus, totius servitutis devotissimum famulatum veramque in salvatore salutem.“ Widukindi monachi Corbeiensis rerum gestarum Saxonicarum libri tres, Monumenta Germaniae Historica, Scriptores rerum Germanicarum in usum scholarum seperatim editi, Nr. 60, unver. Nachdr. v. 1935, Hannover 1989, „AD DOMINAM MATHILDAM IMPERATORIS FILIAM LIBRI PRIMI INCIPIT PRAEPHATIO“, S. 1.; Quellen zur Geschichte der sächsischen Kaiserzeit, Darmstadt, Wiss. Buchgesellsch. 4. Aufl. 1992. Widukind von Corvey, res gestae Saxonicae, Freiherr-vom-Stein-Gedächtnisausgabe, S. 16/17.

     3„fit colloquium publicum, Henricus Saxonum et Francorum consensu elevatur et ungitur in regnum.“ Ekkehard IV.: St. Galler Klostergeschichten, übers. v. Hans F. Haefele; Freiherr-vom-Stein-Gedächtnisausgabe, Bd. X, Darmstadt 3. unver. Aufl. 1991, S. 110/111.

2 Prolog – Kaiser Otto der Große

2.1 Die Person Ottos I.

Die erste Frage, die immer wieder gestellt wird, ist die nach dem Aussehen Ottos des Großen. Zeitgenössische Darstellungen gibt es nicht. Im Mittelalter fehlte die uns heute so selbstverständliche Neigung, allen ein Bild im Sinne einer Abbildung eines Individuums hinterlassen zu müssen. Selbst die Darstellungen auf den Siegeln, die in der Regierungszeit Ottos I. geschnitten wurden, geben keine genaue Auskunft über das Aussehen des Herrschers. Auch wenn die Kaisersiegel ein deutlich anderes Bild zeigen, so zeigt allein die Tatsache, dass dieser Siegelschnitt auch von Otto II. benutzt wurde, die allgemeingültige Darstellung eines Herrschers und nicht einer bestimmten Persönlichkeit. Dies ist noch deutlicher bei den Abbildungen auf den Münzen. Hier ist lediglich eine nicht näher zu identifizierende antikisierende Darstellung zu sehen.

Doch wer war nun Otto der Große, dieser neue Herrscher in Europa, bzw. wie war er?

Unter ihnen [den Söhnen Heinrichs, d. Verf.] erglänzte als Erster,

dem Morgenstern gleichend,

Otto, sein Wesen im Glanz der Vollkommenheit strahlend;

ihn hatte Gott, der Allmächtige in weiser Voraussicht

als den Beschützer des christlichen Volkes ersehen.

Ältester nach Geburt, war auch an Verdiensten er größer,

so wie sich’s ziemt für den, der die Krone geerbt hat.

Nicht bedarf ’s vieler Worte, um hier die bewährte

Tugend des Jünglings zu loben, sein vorbildlich Wesen;

ihn bedachte Christus noch kürzlich mit außergewöhnlichen Ehren,

als er die höchste Herrschaft ihm rechtens verliehen

über das stolze Rom, das von jeher des Erdkreises Haupt war.

Auch die Barbaren hält er mit Christi Hilfe im Zaume,

die des öfteren früher zerfleischten die heilige Kirche.4

Geboren wurde Otto am 23. Oktober 912 vermutlich in der Pfalz Wallhausen im heutigen Landkreis Sangerhausen, in der im Jahre 909 auch seine Eltern geheiratet hatten.5 In der Vita Mathildis antiquior, der älteren Lebensbeschreibung seiner Mutter Mathilde, heißt es:

Der älteste Sohn, nach dem Großvater Otto genannt, der von milderem, gütigerem Wesen als die anderen, des Volkes Herz gewonnen hatte, übernahm nach dem Tode des Vaters Krone und Reich. Ihm wurde aus dem Land der Angelsachsen als Gemahlin Edith zugeführt, die schön war von Gestalt, von Gemütsart aber über alles vortrefflich.6

In der jüngeren Vita wird er dagegen nur mit dem kurzen Satz

Der herrliche, vor dem Regierungsantritt geborene Otto, ist der älteste gewesen, ansehnlich von Gestalt, von Sitten trefflich.7

beschrieben. Es folgt nun aber eine sehr ausführliche Beschreibung des jüngeren Bruders Heinrich. Dies, der Einschub vor dem Regierungsantritt geborene und die eher lapidare Beschreibung Ottos sind allerdings Teil einer politischen Positionierung des Autors und des Auftraggebers der Vita Mathildis posterior im Konflikt um die Thronfolge Ottos, auf die im weiteren Text noch eingegangen wird.8

Es fehlen in den Viten und Historiographien, wie zu erwarten, konkrete Beschreibungen seines Aussehens und seines Wesens. Besonders glühend ist die Darstellung durch Thietmar von Merseburg zu Beginn des zweiten Buches seiner Chronik:

Otto, die Zierde des Reiches, entsprossen aus edlem Geschlechte, Sohn König Heinrichs, erglänzte schon frühe in herrlichen Taten, Die ihm ein Anrecht gaben, des Vaters Thron zu besteigen.9

Dieser Text stellt nun allerdings eine formelhafte Einleitung zur folgenden Beschreibung der Ereignisse dar, nicht eine konkrete Beschreibung Ottos.

Bei Widukind von Corvey wird er mit „der Liebling der Welt, namens Otto“10 eingeführt. Etwas später heißt es zur Charakterisierung, Heinrich „hinterließ einen Sohn, noch größer als er selbst, und diesem Sohn ein großes, weites Reich, (…).“11 Zu Ottos Tode vermerkte Widukind:

Das Volk aber sprach viel zu seinem Lobe in dankbarer Erinnerung, wie er mit väterlicher Milde seine Untertanen regiert und sie von den Feinden befreit (…).12

Dem Charakter Ottos widmete Widukind von Corvey dann allerdings ein ganzes Kapitel „XXXVI De concordia fratrum et moribus eorum et habitu“:

Er selbst also, der großmächtige Herr, der älteste und beste der Brüder, war vor allem ausgezeichnet durch Frömmigkeit, in seinen Unternehmungen unter allen Sterblichen der beständigste, abgesehen von dem Schrecken der königlichen Strafgewalt immer freundlich, im Schenken freigebig, im Schlafen mäßig, während des Schlafes redete er immer, so daß es den Anschein hatte, als ob er stets wache. Seinen Freunden war er in allem willfährig und von übermenschlicher Treue. Denn wir haben gehört, daß einige Angeklagte und ihres Verbrechens Überführte an ihm selbst einen Rechtsbeistand und Fürsprecher hatten, der durchaus an ihre Schuld nicht glauben wollte und sie auch nachher so behandelte, als ob sie nie etwas gegen ihn verbrochen hätten. (…) Auf die Jagd ging er häufig, liebte das Brettspiel, übte zuweilen die Anmut des Reiterspiels mit königlichem Anstand. Hierzu kam noch der gewaltige Körperbau, der die volle königliche Würde zeigte, das Haupt mit dem ergrauenden Haar bedeckt, die Augen funkelnd und wie ein Blitz durch plötzlich treffenden Blick einen eigenen Glanz ausstrahlend, das Gesicht rötlich und der Bart reichlich niederwallend, und zwar gegen den alten Brauch. Die Brust war wie mit einer Löwenmähne bedeckt, der Bauch nicht zu voll, der Schritt einst rasch, jetzt gemessener; seine Kleidung die heimische, die er nie mit fremder Sitte vertauscht hat.

So oft er aber die Krone tragen mußte, bereitete er sich, wie man für wahr versichert, stets durch Fasten vor.13

Interessant in diesem Zusammenhang ist die Beschreibung Ottos. Der „gewaltige Körperbau“, der „die volle königliche Würde zeigte“ und „das Haupt mit dem ergrauenden Haar“ erklingen auffallend ähnlich einer anderen Beschreibung.

Er war von breitem und kräftigem Körperbau, hervorragender Größe, die jedoch das richtige Maß nicht überschritt (…) das Oberteil seines Kopfes war rund, seine Augen sehr groß und lebhaft, die Nase ging etwas über das Mittelmaß, er hatte schönes graues Haar und ein freundliches, breites Gesicht. So bot seine Gestalt im Stehen wie im Sitzen eine höchst würdige und stattliche Erscheinung, (…).14

Auch hier bei der Beschreibung Karls des Großen erscheinen die hervorragende Körpergröße, die königliche Haltung und das ergraute Haar. Könnte es also sein, dass es sich bei der Beschreibung Ottos um eine idealtypische Darstellung eines Herrschers in der Tradition des Einhard handelt, der mit den zitierten Worten seinen Herrscher Karl den Großen beschrieb? Dies ist wahrscheinlich, auch wenn einige Historiker der älteren Generation in der Beschreibung Widukinds immer noch die Beschreibung der tatsächlichen Erscheinung Ottos sehen.

Ebenso verherrlichend wie bei Widukind von Corvey ist die Darstellung Liudprand von Cremonas. Zu Beginn seines Kapitels über Otto setzte er eine Ode an den Herrscher:

König Otto, heidnischer Wut Bezwinger,

Dessen Kraft euch bringt den ersehnten Frieden.

Was mit Heinrichs Hoheit der Tod uns raubte,

beut uns seines herrlichen Sternes Aufgang,

Gütig, mild, voll sanfter Geduld des Guten,

Schonungslos den Bösen Verderben bringend,(…).15

So sanft wie geschildert war Otto nun bestimmt nicht, das zeigen seine Taten. Ebenso überschwänglich wie Liudprand schilderte Ruotger in seiner „vita sancti Brunonis archiepiscopi Coloniensis“ den Herrscher:

Als dann sein Vater, nachdem er das Reich gesichert und vollständig befriedet hatte, gestorben war, trat Otto, sein ältester Sohn, gestärkt mit dem Segen des Herrn und gesalbt mit dem Öl der Wonne, mit freudiger Zustimmung der Fürsten die Regierung an. Das war im 188. Lustrum, im 63. Zyklus der Indikation nach der Geburt unseres Herrn Jesus Christus. Er war der Mann, dem der Geist Gottes die Gabe der Wahrheit und Treue in einzigartigem Ausmaß verliehen hatte. Verspräche ich, alle seine Vorzüge schildern zu wollen, so würde ich mir über die Maßen viel vornehmen und mich unmöglich machen. Denn sein Lob und Ruhm übersteigt, was selbst ein Cicero seiner Beredsamkeit zutrauen dürfte.16

Der spätere Kaiser Otto, schon zu Lebzeiten „der Große“ genannt, hatte erst in späten Jahren „die Buchstaben“ gelernt.

Seine Geistesgaben waren bewunderungswürdig, denn nach dem Tod der Königin Edith lernte er die Buchstaben, die er vorher nicht kannte, so gut, daß er Bücher vollständig lesen und verstehen konnte. Außerdem verstand er in romanischer und slawischer Sprache zu reden.17

So schilderte es Widukind von Corvey. Auch des Lateins war Otto nicht mächtig, er brauchte einen Dolmetscher – z.B. seinen Sohn Otto II.

Der Brief [das Empfehlungsschreiben Abt Purchards von St. Gallen, d. Verf.] wurde verlesen; Otto aber [II., d. Verf.] vermittelte seinen Inhalt Vater und Mutter, indem er ihn als getreuer Übersetzer in sächsischer Sprache wiederholte (…).18

Doch der Bereich rechts des Rheins war weitgehend „reges illitterati“,19 wie es Hartmut Hoffmann ausgedrückt hat. Auch Konrad I. und Heinrich I. hatten keine lateinische Ausbildung genossen. Im Gegensatz dazu stand die Ausbildung Ottos II. Sein Lehrer war z.B. Erzbischof Willigis.20 Otto II. ließ vermutlich 980 zwei der bekanntesten Gelehrten seiner Zeit, Gerbert und Othrich, die in einen Disput geraten waren, zu sich nach Rom laden, wo sie, in Anwesenheit anderer gelehrter Männer, ihren Streit austragen sollten. Der westfränkische Historiograph Richer berichtete ausführlich von dieser Diskussion und zitiert alle Beteiligten ausführlich. Moderiert wurde das Streitgespräch durch Otto II., der in lateinischer Sprache mitdiskutierte.21 Schon an dieser Tatsache lässt sich der Kultursprung zwischen Otto I. und seinem Sohn Otto II. festmachen. Ein weiterer Anhaltspunkt stellt das Geschenk dar, das Otto I. vermutlich in den dreißiger Jahren an seinen Schwager Aethelstan gesandt hatte. Es handelte sich um eine Handschrift, ein Evangeliar,22 das als Gegengeschenk für eine Handschrift aus England23 in den Norden ging. Beide Handschriften waren älter und nicht erst zu diesem Zweck geschrieben. Die aus Sachsen kommende war vermutlich ein karolingisches Evangeliar, das Aethelstan erst durch Hinzufügen eines goldenen, edelsteinbesetzten Deckels und goldenen tituli in einen Zustand versetzen zu müssen glaubte, der es ihm ermöglichte, das Evangeliar in die Kirche von Canterbury zu geben.24 Dies heißt, dass bei einem solch repräsentativen Geschenk eine eher schmucklose Handschrift genommen wurde, also die Notwendigkeit aufwendig illuminierter wohl nicht gesehen wurde. Bekannt allerdings mussten sie gewesen sein, die Karolinger hatten genügend aufwendig gestaltete Handschriften hinterlassen. Aus dem bisher geschilderten wird deutlich, dass Otto I. am Beginn einer kulturellen Blütezeit stand, die bedeutende Kunstwerke hervorgebracht hat. Erst der Kontakt mit Italien schien aber eine Art Initialzündung bei dem Liudolfinger ausgelöst zu haben, da er erst jetzt in großem Maßstab Kunst aus Italien nach Sachsen bringen ließ und vermutlich auch Künstler in den Norden zog. Die Tafeln des sogenannten ‚Magdeburger Antependiums‘, diese Elfentafeln, die vermutlich den Altar im Magdeburger Dom schmückten, sind nur ein beredtes Beispiel dafür.

Illuminierte Handschriften und besondere Urkunden waren in der Zeit des frühen Mittelalters wichtiger Teil der Selbstdarstellung eines Herrschers, sie machten einen Teil dessen aus, wie er sich den Zeitgenossen und den Nachkommen zu präsentieren wünschte. Somit sind zwei weitere Urkunden aus der Spätzeit Ottos des Großen interessant für die Betrachtung seiner Persönlichkeit. Dies ist zum einen die sogenannte Heiratsurkunde der Theophanu vermutlich aus dem Jahr 972/973 und zum anderen die Urkunde, die die Privilegien des Papstes aus Anlass der Kaiserkrönung Ottos festschrieb. Schon im Jahre 962 zeigt die Gestaltung dieser Prunkurkunde, des Ottonianums, einen Wandel. Den Schritt in eine neue Richtung vollzieht dann allerdings die genannte Heiratsurkunde, die Otto II. seiner Gemahlin Theophanu im Jahre 972 ausstellen ließ.25 Diese Prunkurkunde, eine lange Purpurrolle, mit reich gemustertem Grund, von einem Fuldaer Kalligraphen mit Goldtinte beschrieben, von einem Meister des Registrum Gregorii bemalt, geht zwar auf die Zeit Ottos I. zurück (der Rotulus ist bereits zur Zeit der Hochzeit angefertigt gewesen), macht aber die neue Ära unter Otto II. deutlich.26 Noch deutlicher wird diese neue Zeit bei mehreren Handschriften, die die Kaiserin Theophanu in Auftrag gegeben hat. Eine davon ist das Prachtsakramentar von Chantilly,27 vom gleichen Schreiber wie der Egbertcodex geschrieben, von einem Meister des Registrum Gregorii (Zier- und Bildseiten) ausgemalt. Leider sind keine griechischen Bücher aus dem Besitz der Kaiserin Theophanu erhalten, so sind die genannten Handschriften die einzigen Belege für den Luxus und die Kultur, die in der Zeit Ottos II. und seiner Frau Theophanu Einzug gehalten hatten.

Es ist übrigens interessant, dass Otto in den Darstellungen anderer Länder nicht die Aufmerksamkeit bekommen hatte, die ihm anhand seiner geschichtlichen Bedeutung aus unserer heutigen Sicht zugestanden hätte. In den wichtigsten angelsächsischen Historiographien ist er kaum oder gar nicht erwähnt. Überhaupt ist wenig Aufmerksamkeit den kontinentalen Belangen geschenkt worden. Die zweite Erwähnung (die erste ist ein Halbsatz, der die Eheschließung einer der Töchter Edwards mit „Othoni imperatori“ erwähnt) Kaiser Ottos bezieht sich auf die Auseinandersetzungen um die Vorherrschaft in ‚Europa‘.

In isto cœpit imperium transire a Francis ad Teutonicos sive Alemannos quia, Lodowico istius prædecessore non valente defensare Romanos contra Langobardos, transiit imperium a Francis, et sic duo imperabant, unus in Alemannia, alius in Italia, usque ad Othonem primum qui utrobique imperavit.28

Die nächste Erwähnung bezieht sich schon auf Heinrich.

Henricus filius Othonis Saxiniæ regnavit octodecim annis super Alemannos, non tamen in Italia, ideoque non annumeratur inter imperatores. Hic devicit Hungaros, et convertit ad fidem ducem Normanniæ Willelmum Longa Spata.29

Die letzte Erwähnung des Kaisers Otto bezieht sich auf eine Eheschließung König Ethelstans mit „einer weiteren Tochter Kaiser Ottos“:

Copulavit etiam rex Ethelstanus et aliam surorem suam Othoni imperatori (…)30

Damit sind alle Erwähnungen aufgelistet. Allerdings ist es nach näherer Betrachtung nicht verwunderlich, dass Daten und Ereignisse außerhalb des eigentlichen Erzählungsbereiches nicht weiter dargestellt wurden. Nimmt man die Historiographen des ‚locus teutonicorum‘, dann lassen sich dort Ereignisse z.B. aus Skandinavien und dem angelsächsischen Raum ebenso wenig und selten finden. Dagegen ist es schon verwunderlich, wenn in einer anderen zentralen Chronik der Insel sich keinerlei Hinweise auf die Tochter/Schwester des angelsächsischen Königs bzw. auf deren Gatten findet.31 Beiden Geschichtswerken ist gemeinsam, dass sie neben der ausführlichen Darstellung der Ereignisse in den Königreichen der Insel auch auf Geschehnisse eingehen, die mit den zeitweiligen Königen der Insel, den Dänen, zusammenhängen. Die Geschichte zwischen Überfällen der Dänen und ihren Herrscherzeiten auf der Insel scheint diese Skandinavier wichtiger und interessanter gemacht zu haben, so dass sie (in Form ihrer Anführer und Könige) Einzug in die Historiographie gehalten haben. Diese Rolle und Bedeutung hatte der „rex Lothariensium, Francorum atque Germanensium“32 nicht.

2.2 Ottos Mutter Mathilde

Wie im Leben eines jeden Menschen ist die Mutter wohl eine der prägendsten Personen. Bei der Mutter Ottos I. handelte es sich um eine außerordentlich engagierte und starke Frau. In ihrer Vita pries der Autor Mathilde als eine Frau,

deren lichtvolles Leben mit Recht nachahmenswert und deren Tugend desto rühmlicher ist, je gebrechlicher ihr Geschlecht.33

Die Gemahlin Heinrichs wurde in eine ehrwürdige Verwandtschaft gestellt.

Sie stammte nämlich aus dem Geschlecht Widekinds, des Herzogs von Sachsen, der ehedem in böser Geister Irrwahn befangen, aus Mangel an Predigern vor Abgöttern betete und die Christen nachdrücklich verfolgte. (…)

Von seinen Nachkommen, seit sie dem christlichen Bekenntnis sich ergaben, entsprang der Vater des vorgedachten Mädchens, Tiederich genannt, mit welchem die hochadelige Frau Reinhild, aus friesischem und dänischem Geschlechte, vermählt war. (…)

Als dieses Herzog Otto erfahren hatte, sandte er den Grafen Thitemar, Lehrer des Heinrich, zu erkunden, ob die Jungfrau so schön und rühmlich sei, wie die Sage ging. (…)

Da trat sie hervor, auf den schneeigen Wangen mit der Flamme Röthe übergossen; und als wären glänzende Lilien gemischt mit rothen Rosen: solche Farben bot sie auf ihrem Angesicht.34

Diese Schilderung entspricht nun gewiss nicht den wahren Begebenheiten, schließlich wurde vom Autor der Mathildenvita zur Schilderung der nachfolgenden Szene sogar Virgil hinzugezogen.35 Die Tatsache aber, dass Mathilde eben von sächsischen Großen abstammte, die noch dem heidnischen Glauben anhingen, bleibt allerdings bestehen. Dieses „Manko“ aus streng christlicher Sicht blieb an ihr haften und bewog wohl auch die Chronisten, ihre Frömmigkeit in so besonderer Weise herauszustreichen.

Widukind, der sie als „herrliche und edle und an Klugheit unübertroffene Königin“ bezeichnet, beschrieb ihre Abkunft:

Die Frau Königin selbst war eine Tochter Thiadrichs, und dessen Bruder waren Widukind, Immed und Reginbern. Das ist der Reginbern, der gegen die Dänen kämpfte, die lange Zeit Sachsen veheerten, sie besiegte und das Vaterland bis auf den heutigen Tag von ihren Einfällen befreite. Und diese waren aus dem Stamme des großen Herzog Widukind, der einen gewaltigen Krieg gegen den großen Karl fast dreißig Jahre führte.36

Hier nun allerdings fehlt der Hinweis auf die Tatsache, dass ihr Vorfahr Widukind noch heidnischen Glaubens war. Auch Liudprand von Cremona stellt die besondere Frömmigkeit Mathildes heraus, wenn er zum Tode König Heinrichs schrieb:

Daselbst [in Quedlinburg, d. Verf.] ist auch seine ehrwürdige Gattin, die Teilhaberin seiner Herrschaft, Mathilde, demselben Volk entsprossen, eifriger als irgendeine Frau, die ich je gesehen oder von der ich gehört habe, ohne Unterlaß bestrebt, zur Sühne seiner Sünden feierliche Totenämter halten zu lassen und dem Herrn ein lebendes Opfer darzubringen.37

Da diese fromme Frau und Mutter aber ihren jüngeren Sohn Heinrich und nicht Otto, den älteren, bevorzugte, war der Konflikt zwischen den beiden Söhnen vorprogrammiert.

Heinrich aber, auf königlichem Thron zur Welt gekommen, war an Jahren der jüngere, doch der geringere nicht an innerem Vorzug. (…). Als wäre er ihr Einziger, so wandte sie alle Liebkosungen auf ihn, gab ihm in ihrer Zuneigung den Platz vor den anderen Kindern und wünschte sehnlich, daß er, wenn anders die Erfüllung ihres Willens Gott gefiele, nach dem Tode des gepriesenen Königs Heinrich ans Reich käme.38

Diesen Vorsatz, den Sohn Heinrich gegen den Willen ihres Gatten auf den Thron zu bekommen, versuchte sie in der Folgezeit zu realisieren.

Allein der Schöpfer aller Übel, der böse Feind, verlockte einige Fürsten, dem Könige wie ihren übrigen Kindern zu hinterbringen, dass sie gar ansehnliche Geldsummen verborgen halte, die sie hätte ausliefern müssen. Und jene, gereizt von der unersättlichen Habgier, die nicht der eigenen Anverwandten Schonung duldet, nötigten sie, die heimlich aufgehäuften Schätze, die sie an Kirchen und Dürftige im Namen Christi verteilte, herauszugeben.39

Doch nicht nur die Königinmutter Mathilde wurde nach der Schilderung der Vita auf solch harte und ungerechte Weise bedrängt.

Und ertappten sie die Träger einer wertvollen Sendung – denn die von Gott geliebte Königin ließ in der Tat es sich angelegen sein, was zurückgeblieben, der Hand Christi darzubringen – so wurden die Diener mit Unehren behandelt, gewaltsam der Bürde beraubt und leer entlassen.40

Der nächste Schritt König Ottos war laut Vita dann eine erzwungene Veränderung des Lebensumfeldes der Königinmutter – sie musste den Schleier nehmen.

Durch diese und gar viele andere schmerzliche Beleidigungen drängte man die Königin, selbst denjenigen Teil des Reichsgutes, der ihr als Brautschatz zugefallen war, zu verlassen, ins Kloster zu gehen, den heiligen Schleier zu nehmen.41

Doch es ging in diesem Konflikt zwischen Mutter und Sohn wohl doch nicht nur um das Geld oder Teile des Wittums. Denn der Autor der älteren Mathildenvita legt Königin Edgith die Forderung in den Mund, seine Mutter an der Herrschaft zu beteiligen.

Da trat Königin Edith frommen Angedenkens zu ihm [König Otto, den Plagen als göttliche Strafen trafen, d. Verf.] und sagte: ‚Es gräme sich mein Herr König nicht! Denn himmlische Strafen sind es, die dich betroffen, weil die beste Mutter gleich einer Fremden von der Regierung verdrängt. Möge daher die Allerfrömmste zurückgerufen werden, auf daß sie nach Gebühr als Erste der Herrschaft teilhaftig sei!‘42

Beide Mathilden-Viten berichteten dann von der Versöhnung von Mutter und Sohn, die eine Rückkehr der Mutter in alte Rechte zur Folge hatte. Die zweite Erwähnung Mathildes in den res gestae Saxonicae ist die Ernennung Heinrichs zum Herzog von Bayern im November 947, trotzdem er zuvor den Aufstand gegen Otto geführt hatte und ihn Ostern hatte ermorden wollen. Da, so Widukind von Corvey, gedachte der Sohn Otto „auf die Ermahnung und Vermittlung seiner ehrwürdigen Mutter“43 seinem Bruder zu vergeben. Die Tatsache, dass diese Formel in verschiedenen Berichten auftaucht, belegt die Wahrscheinlichkeit, dass hier in der Tat Mathilde als Vermittlerin tätig war. Auf der anderen Seite zeigte Otto in verschiedenen Situationen, dass er neben dem Führen von Kriegen und Bestrafungen auch die Besetzung von wichtigen Stellen durch ehemalige Widersacher als politisches Mittel einsetzte, um politischen Gewinn zu erzielen.

Zwar etwas knapper, aber auch ausgesprochen direkt stellt Thietmar von Merseburg die Mutter Ottos I. heraus. Über die Eheschließung zwischen Heinrich und Mathilde schrieb er:

Indessen war Tammo [gemeint ist Thankmar, d. Verf.] geboren worden. Aber die Liebesleidenschaft des Königs zu seiner Gemahlin nahm ab; heimlich erglühte er ob ihrer Schönheit und ihres Vermögens für die junge Mathilde, und bald brach dann auch dieses Feuer der verborgenen Liebe hervor; er gab schließlich zu, sich durch die unrechtmäßige Ehe schwer versündigt zu haben, und ließ durch Verwandte und Werber die Tochter Dietrichs und der Reinhild aus dem Stamme Widukinds bitten, seinem Wunsche nachzugeben. Nun ist des Weibes Sinn nachgiebig, und da sie seine Vortrefflichkeit in allem kannte, willigte sie ein und wurde ihm als seine Gemahlin in religiösen wie in weltlichen Dingen wertvoll.44

In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass die erste Ehe, mit einer verwitweten Frau, die er erst aus dem Kloster hatte holen müssen, für ihn doch sehr lukrativ war. Heinrich ließ sich scheiden, ihr Vermögen allerdings behielt er trotzdem.

Erstaunlich ist der Bericht Widukind von Corveys über das Ableben der Königin Mathilde. Dieser Bericht fiel überraschend ausführlich aus:

Als er [Erzbischof Wilhelm von Mainz, der als Statthalter Ottos in seiner Abwesenheit Sachsen verwaltete, d. Verf.] gehört hatte, daß die Mutter des Kaisers, eine Frau von wunderbarer Heiligkeit namens Mathilde, erkrankt sei und er auf ihr Leichenbegängnis wartete, ereignete es sich, daß seine eigene Totenfeier der ihrigen vorausging. Wenn wir nun zu ihrem Lob etwas zu sagen wünschen, so fühlen wir uns zu schwach, weil die Tugend einer solchen Frau alles Können unseres schwachen Geistes übersteigt. Denn wer vermöchte ihre Hingabe an den göttlichen Dienst würdig zu beschreiben? Jede Nacht erfüllte sie ihre Zelle mit dem Wohlklang himmlischer Lieder von jeglicher Weise und Mannigfaltigkeit. Denn sie hatte ganz nahe der Kirche ihre Zelle, in welcher sie ein wenig zu ruhen pflegte; in ihr erhob sie sich jede Nacht und ging in die Kirche, während Sänger und Sängerinnen innerhalb der Zelle und vor der Tür und auf dem Wege in drei Abteilungen aufgestellt waren, um Gottes Huld zu loben und zu preisen. Sie selbst verharrte in der Kirche in Wachen und Beten und erwartete die Feier der Messe. Darauf machte sie, wo sie von Kranken in der Nachbarschaft hörte, bei diesen Besuch und reichte ihnen, was sie brauchten; dann öffnete sie ihre Hand den Armen, auch nahm sie Gäste, an denen niemals Mangel war, mit aller Freigebigkeit auf; niemanden entließ sie ohne ein freundliches Wort und fast keinen ohne ein kleines Geschenk oder die Unterstützung, die ihm not tat. Oft schickte sie Wanderern, die sie von ihrer Zelle aus in der Ferne erblickte, das Nötige hinaus. Und obgleich sie solche Werke demütig Tag und Nacht übte, vergab sie dennoch der königlichen Würde nichts, und wie geschrieben steht: „Obgleich sie saß wie eine Königin unter ihrem Volk, war sie dennoch immer und überall der Klagenden Trösterin.“ Alle Diener und Dienerinnen im Haus unterwies sie in verschiedenen Künsten und auch im Lesen und Schreiben; denn sie konnte das, weil sie es nach des Königs Tode recht gut erlernt hat. Wollte ich demnach ade ihre Tugenden aufzählen, so würde die Zeit nicht reichen; wenn ich Homers oder Maros Beredsamkeit besäße, sie würde nicht genügen. So gab sie, reich an Jahren, reich an aller Ehre, reich an allen guten Werken und Almosen, nachdem sie ihren ganzen königlichen Schatz an die Diener und Mägde Gottes, sowie an die Armen verteilt hatte, am 14. März ihre Seele Christo zurück.45

Bei der Schilderung des Ablebens der Königin Mathilde benutzte auch Thietmar von Merseburg die üblichen stereotypen Floskeln über Verdienste und Frömmigkeit, aber er geht auch darüber hinaus:

21. Nun will ich allen Gläubigen zum heilsamen Vorbilde die von der ehrwürdigen Mathilde nach dem Tode ihres Herrn verrichteten ruhmreichen Taten kurz schildern. Die Schrift lehrt als heilige und heilbringende Meinung das Gebet für die Toten und die Wirksamkeit der Almosen für ihre Lossprechung. Wir lesen, daß sich die Fesseln eines Gefangenen, den seine Frau tot glaubte und für den sie durch ständige Seelenmessen sorgte, oft lösten, wie sie für ihn Gott Vater genehme Opfer darbrachte; das bestätigte er ihr später nach seiner Heimkehr in Freiheit selbst. Diesem Beispiel folgte Frau Mathilde, nachdem ihr Gemahl in die Fesseln zeitlichen Todes geschlagen war, indem sie nicht nur den Armen, sondern auch den Vögeln Nahrung gab. Auch stiftete sie am 30. Tage in jener Burg (Quedlinburg) ein Nonnenkloster, verlieh ihm mit Zustimmung ihrer Söhne aus ihrem Eigengut, was es für Unterhalt und Kleidung benötigte, und erteilte eine urkundliche Bestätigung. – Manche behaupten, sie habe sich lange sehr darum bemüht, ihren jüngeren Sohn Heinrich den Sitz des Vaters einnehmen zu lassen. Doch das wollte Gott nicht, der seine Auserwählten stets zu allem vorherbestimmt; auch willigte der beste Teil des Adels nicht ein; sie brachten vielmehr durch kluge und deshalb leicht überzeugende Gründe die trauernde Königin sehr bald von ihrem Vorhaben ab und rieten ihr, den älteren Sohn zu bevorzugen, jenem dagegen lieber den Schutz der Baiern zuzuweisen.46

2.3 Die Slawin – Mutter seines ersten Kindes

König Otto hatte schon früh bewiesen, dass er keine „Berührungsängste“ mit den Slawen hatte. Und dies hatte er in verschiedenster Hinsicht gezeigt. Schon früh wurde er von seinem Vater mit auf Kriegszüge gegen die Slawen genommen. Bei einem dieser Züge hatten die Sachsen auch adelige Slawen als Sklaven mitgebracht. Eine junge Slawin gefiel dem Königssohn dabei so gut, dass er ein Verhältnis mit ihr begann und sie sogar einen Sohn von ihm gebar – Wilhelm mit Namen, geboren vermutlich 929.

(…) an seine Stelle [an Stelle des verstorbenen Erzbischofs Friedrich von Mainz, d. Verf.] trat im Jahre 954 der Fleischwerdung des Herrn Wilhelm, der Sohn einer kriegsgefangenen Slawin und des Königs.47

Bei dem angesprochenen Ereignis handelte es sich im Winter 928/29 um einen Feldzug gegen die Heveller und ihren zentralen Ort, der Brandenburg an der Havel. Die Burg wurde belagert und eingenommenen. Den Bewohnern erging es besser als der Besatzung der urbs Gaba, die Heinrich im April/Mai 929 belagerte und einnahm. Hier wurden alle Erwachsenen erschlagen und die Kinder in die Sklaverei verschleppt.48 Den Hevellern blieb dieses Schicksal wahrscheinlich deshalb erspart, weil die Fürstenfamilie schon zum christlichen Glauben übergetreten war. Vermutlich der Sohn des Fürsten, Tugumir mit Namen, wurde als Geisel nach Sachsen geführt. Dieser Tugumir ist 940 in die Brandenburg zurückgekehrt, hat seinen dort herrschenden Neffen ermordet und die Herrschaft übernommen. Er unterstellte das Gebiet der Heveller der Herrschaft Ottos I.49 Es könnte dessen Schwester gewesen sein, die in Begleitung ihres Bruders an den sächsischen Hof kam, den Sohn Heinrichs kennenlernte und diesem Anfang 930 einen Sohn gebar.50

Diese slawische Adelige wird in den Historiographien nicht namentlich erwähnt, ihr Sohn allerdings, als späterer Erzbischof von Mainz (954–968) in einer zentralen Schlüsselposition, findet natürlich Eingang in die Darstellungen. Adalbert formulierte in seiner continuatio Reginonis zum Jahr 928:

Heinricus rex Boemos hostiliter invasit et prestante Deo fortiter superavit. Ea tempestate Ottoni filio eiusdem regis natus est filius Willihelmus.51

Etwas genauer benannte dann schon Thietmar von Merseburg den unehelichen Sohn Ottos mitsamt seiner Mutter.

Erzbischof Friedrich, ein sehr enthaltsamer Mann, starb im 17. Jahr seiner Erhebung; an seiner Stelle trat im Jahre 954 der Fleischwerdung des Herrn Wilhelm, der Sohn einer kriegsgefangenen, aber vornehmen Slawin und des Königs.52

Die Mutter wurde vermutlich nach der Geburt in ein sächsisches Kloster gebracht. In Möllenbeck ist zumindest Tugumirs Todestag im Necrolog festgehalten.53, 54

Bezeichnend aber ist die Tatsache, dass der uneheliche Sohn des späteren Königs mit einer gefangenen Slawin überhaupt anerkannt wurde. Dieser Junge, gezeugt im Jahr der Eheschließung mit Edgith, wird sogar in eine solch hohe Position wie die des Erzbischofs von Mainz kommen. Die Abstammung hatte also in der damaligen Welt nicht immer das Stigma, das einen gesellschaftlichen Umgang erschweren konnte. Und mehr noch – dieser uneheliche Sohn einer Slawin und eines Königssohnes sollte später, als Erzbischof von Mainz, von Papst Agapit zu dessen vicarius, also Stellvertreter in Gallien und Germanien eingesetzt werden.55

 

 

 

     4„Inter quos primus fulsit ceu lucifer ortus

Oddo, micans radiis nimium clarae bonitatis,

Gratia quem regis solita pietate perennis

Rectorem plebi praevidit rite fideli.

Hic aetate prior fuerat, meritis quoque maior,

Congruus et sceptris defuncto patre gerendis.

Non opus est, verbis eius summam probitatis

Dicere, vel pueri meritum laudabile tanti,

Cui Christus talem iam nunc augescit honorem,

Possidet ut Romam pollenti iure superbam,

Quae semper stabilis summum fuerat caput orbis,

Edomat et gentes, Christo favente, feroces,

Quae prius ecclesiam laniabant saepe sacratam.“

Hrotsvithae opera, gesta Ottonis, MGH SS seperatim editi, Bd. 34, Hannover 1902, Nachdr. 1965, S. 205f.

     5„(2) (III) (…) sed clam lectis principum maniplis toto inde Saxonum in patriam ducebatur honore, donec Walehusen parabatur, ut nobilissimos regesque iam futuros decuit, nupciale convivium.“ „(…) von dort [Kloster Herford, d. Verf.] mit allen Ehren nach der Sachsen Heimath geleitet, bis das Hochzeitsmahl, ganz wie es so angesehen und dereinst königlichen Personen geziemte, in Wallhausen gefeiert wurde.“ Vita Mathildis antiqior, MGH seperatim editi, Bd. 66, S. 116; vgl. Streich, Gerhard: Burg und Kirche während des deutschen Mittelalters, Untersuchungen zur Sakraltopographie von Pfalzen, Burgen und Herrensitzen, Sigmaringen, Thorbecke 1984, S. 162.

     6„Quorum Otto maximus natu, nomen ab avo trahens, ceteris mitior moribusque modestior, populo corde tenus acceptus regni coronam post patris mortem cum regno capessit, cui ab Anglis Saxonibus regalis coniux adducta est nomine Edith membris decora sed probitate praecellentissima.“ Vitae Mathildis reginae antiquior, c. 6, hrsgg. v. Bernd Schütte, Monumenta Germaniae Historica, Hahn 1994, S. 119.

     7„Otto preclarus ante regalem dignitatem procreatus natu fuerat maximus, forma insignis et moribus illustris.“ Vita Mathildis reginae posterior, c. 6, S. 155.

     8 Vgl. Kapitel 4 dieser Arbeit.

     9„Otto, decus regni, de stemmate cretus herili

Heinricus patris, fulgebat ubique coruscis

Actibus, et solium concenderat inde paternum.“

Die Chronik des Bischofs Thietmar von Merseburg und ihre Korveier Überarbeitung, hrsgg. v. Robert Holtzmann, MGH SS nova series, Bd. 9, Berlin 1935, S. 32/33.

    10„primogenitum mundi amorem nomine Oddonem“ Widukindi monachi Corbeiensis rerum gestarum Saxonicarum libri tres, Monumenta Germaniae Historica, Scriptores rerum Germanicarum in usum scholarum seperatim editi, Nr. 60, unv. Nachdr. v. 1935, Hannover 1989, Buch I, c. 31, S. 62/63.

    11 Heinrich „relinquens filium sibi ipsi maiorem filioque magnum latumque imperium“.Widukindi monachi Corbeiensis rerum gestarum Saxonicarum, Buch I, c. 41, S. 78/79.

    12„Populus autem pro eius laude et gratiarum actione multa locutus memoravit eum paterna subiectos rexisse pietate, ab hostibus eos liberasse, (…).“ Widukindi monachi Corbeiensis rerum gestarum Saxonicarum, Buch III, c. 75, S. 182/183.

    13„Ipse denique dominus rerum, fratrum natu maximus optimus, inprimis pietate erat clarus, opere omnium mortalium constantissimus, preter regiae discliplinae terrorem semper iocundus, dandi largus, dormiendi parcus et inter dormiendum semper aliquid loquens, quo eum semper vigilare aestimes;amicis nichil negans et supra hominem fidelis. Nam quosdam audivimus accusatos et peccati manifestos, ipsum eorum advocatum et intercessorem et criminis nullo modo credulum, et ab eo post habitos, tamquam nichil umquam in eum peccassent. (…) In venationibus creber, tabularum ludos amat, equitatus gratiam regia gravitate interdum exercens. Accesstit ad haec et moles corporis, omnem regiam ostendens dignitatem, capite cano sparsus capillo, oculi rutilantes et in modum fulguris cita repercussione splendorem quendam ermittentes; facies rubicunda et prolixior barba, et haec contra morem antiquum. Pectus leoninis quibusdam sparsum iubis; venter commodus; incessus quondam citus, modo gravior; habitus patrius, et qui sit peregrino usus. Quotienscumque autem sti opus corona portanda, ieiunium semper precedere pro vero traditur.“ Widukindi monachi Corbeiensis rerum gestarum Saxonicarum, Buch II, c. 36,S. 118/119f.

    14 „corpore fuit amplo atque robusto, statura eminenti, quam tamen iustam non excederet (…) apice capitis rotundo, oculis praegrandibus ac vegetis, naso paululum mediocritatum excedenti, canitie pulchra, facie laeta et hilari. Unde formae auctoritas ac dignitas tam stanti quam sedunti plurima adquirebatur; (…).“ Einhardi vita Karoli, MGH SS 2, Hannover 1829; Quellen zur Geschichte der karolingischen Reichsgeschichte, 1. Teil, Freiherr-vom-Stein-Gedächtnisausgabe, Bd. V, c. 22, S. 192/193.

    15 „(…)

Otto rex, gentes dicione magna

Qui premet pacemque feret beatam.

Quicquid Heinrici periit recessu,

Praestitit claro populis hic ortu,

Blandus et mitis patiensque sanctis,

Pestifer durus rabidusque saevis.“

Liudprandi liber antapodosis, Freiherr-vom-Stein-Gedächtnisausgabe, Bd. 8, S. 420/421.

    16 „Igitur postquam pater eius fundato et ad unguem pacato imperio rebus humanis concessit, Otto filius eius maior natu benedictione Domini auctus et oleo letitie unctus magna voluntate et consensu principum regnare coepit centesimo octogesimo octavo lustro, sexagesimo tercio indictionum circulo ab incarnatione domini nostri Iesu Christi, vir in quem spiritus Dei donum contulit singulare veritatis et fidei. Cuius virtutis si me narraturum promiserim, nimium michi sumpserim et ferendus minime fuerim. Excedit enim laus eius et gloria, quicquid vel ipse Cicero sibi promitteret in facundia.“ Ruotgers Lebensbeschreibung des Erzbischofs Bruno von Köln. hrsgg. v. Irene Ott, MGH SS nova series, Bd. 10, Köln/Graz 1958, c. 5; Lebensbechreibungen einiger Bischöfe des 10.–12. Jahrhunderts, Freiherr-vom-Stein-Gedächtnisausgabe, Bd. XXII, Das Leben des Heiligen Bruno Bischofs von Köln verfasst von Ruotger, Darmstadt 2. unver. Aufl., S. 186/187.

    17„nam post mortem Edidis reginae, cum antea nescierit, litteras in tantum dedicit, ut pleniter libros legere et intelligere noverit. Preterea Romana lingua Sclavaniacaque loqui scit;“ Widukindi monachi Corbeiensis rerum gestarum Saxonicarum, Buch II, c. 36, S. 118/119.

    18„Perlecta epistola Otto eam patri et matri fidus interpres Saxonice reponens insinuavit (…).“ Ekkehard IV., St. Galler Klostergeschichten, hrsgg. v. H. F. Haefele, Darmstadt 1980, Casus S. Galli, c. 130, S. 252/253.

    19 Hoffmann, Hartmut, Buchkunst und Königtum im ottonischen und frühsalischen Reich, 2 Bde, Stuttgart, Hierse 1986, Bd. 1, S. 8.

    20 „secundo Ottoni, cui magisterio prefuit“, (…). Thietmar von Merseburg, Chronicon, Buch IV, c. 6, S. 1120/121.

    21 Richeri historiarum libri IIII, a. 884–995, MGH SS 3, Hannover, Hahn 1839, S. 561–657, Buch III, c. 55ff., S. 104ff.

    22 London, British Library, Cotton Tiberius A II; vgl. Schramm, Mütherich: Denkmale, S. 139 f, 273–275, 481 Nr. 63f.

    23 Coburg, Veste Coburg, MS. Nr. 1; Hoffmann, Hartmut, Buchkunst und Herrscherbild, Bd. 1, S. 9f.

    24 Vgl. Hartmut, Buchkunst und Herrscherbild, Bd. 1, S. 10.

    25 Wolfenbüttel, Niedersächsisches Staatsarchiv, 6 Urk. 11.

    26 Vgl. Hartmut, Buchkunst und Herrscherbild, Bd. 1, S. 11.

    27 Chantilly, Musée Condé, Ms. 40/1447.

    28 Polychronicon Ranulphi Higden monachi Cestrensis, English Translation of John Trevisa and of an unknown writer of the fifteenth century, Vol. VI, London, Longman e.a. 1876, S. 410.

    29 Polychronicon Ranulphi Higden monachi Cestrensis, English Translation of John Trevisa and of an unknown writer of the fifteenth century, Vol. VI, London, Longman e.a. 1876, S. 418.

    30 Polychronicon Ranulphi Higden monachi Cestrensis, English Translation of John Trevisa and of an unknown writer of the fifteenth century, Vol. VI, London, Longman e.a. 1876, S. 424.

    31 The Anglo-Saxon Chronicle, Part 3: A. D. 920–1014, Online Medieval and Classical Library Release Nr. 17, Berkeley Digital Library SunSITE.

    32 Nennung in der Urkunde MGH DO I Nr. 210.

    33„cuius vita lucida merito est imitanda et cuius virtus tanto est laudabilior quanto sexus fragilior.“ Vita Mathildis reginae posterior, in: Die Lebensbeschreibung der Königin Mathilde, hrsgg. v. Bernd Schütte, Hannover 1994, MGH seperatim editi, Bd. 66, Prefatio, S. 145.

    34„Nam Widikindi ducis Saxonie originem traxit a stirpe, qui quondam demonum captus errore, praedicatorum pro inopia idola adorans christianos constanter persequebatur. (…) Ab huius quoque posteris, postquam christiane se submiserant religioni, praedicte pater puelle prodiit nomine Tiedericus, cui nobilissima iuncta erat uxor Reinhild a Fresonum Danorumque genere progrediens. (…)Quod dux Otto dum comperisset, Thitemarum comitem, pueri Heinrici magistrum, virginem videre, pulcra Laudabilisque si esset, ut ferebatur, premisit. (…)Que procedens, niveas genas permixta ignis rubore, candida veluti lilia rubentibus rosis intermixta tales dabat ore colores.“ Vita Mathildis reginae antiquior, MGH separatim editi, S. 113ff.

    35 Vita Mathildis reginae antiquior, S. 115ff., Anm. 48ff.

    36„Erat namque ipsa domina regina filia Thiadrici, cuius fratres erant Widukind, Immed et Reginbern. Reginbern autem ipse erat, qui pugnavit contra Danos multo tempore Saxoniam vastantes, vicitque eos, liberans patriam ab illorum incursionibus usque in hodiernum diem. Et hi erant stirpis magni ducis Widukindi, qui bellum potens gessit contra Magnum Karolum per triginta ferme annos.“ Widukindi monachi Corbeiensis rerum gestarum Saxonicarum, Bd. I, c. 31, S. 62/63.

    37„Ubi et venerabilis eius coniux regnique consors ex eadem gente nomine Machtild, ultra omnes quas viderim et/audierim matronas, pro delictorum expiatione celebre exequiarum offitium vivamque Deo hostiam offerre non desinit.“ Liudprand von Cremona, liber antapodosis, IV, c. 15, S. 418/419.

    38„Heinricus autem in regali solio natus iunior fuit annis, sed haut inferior excellentia probitatis. (…); quasi esset unicus illius, confovens eum omnibus deliciis ceteris in amore praeposuit filiis atque desideravit ipsum regno potiri post obitum incliti regis Heinrici, si permissu dei voluntas illius posset adimpleri.“ Vita Mathildis reginae posterior, c. 6, S. 155f.

    39„Sed omnium malorum excitator, invidus hostis, aderat aliquos de principibus stimulando, qui regi ceterisque suis dicebant filiis hanc plurimam pecuniarum observasse multitudinem, quam representare debuisset. At illi, ut poscit amor insaciatus habendi, qui non parcit propriis pignoribus, reconditos thesaurorum cumulus, quos illa ecclesiis egenisque pro Christi nomine erogabat (…).“ Vita Mathildis reginae antiquior, c 8, S. 122f.

    40„(…) et si quos aliquid preciosi ferentes invenerunt – nam ipsa deo dilecta, que remanserant, occulte ad manum Christi offerre satagebat –, servos contumeliis affectos, que portabantur, vi rapientes, vacuos remiserunt.“ Vita Mathildis reginae antiquior, c., S. 123.

    41„Quin et regni partem, que in dotem ei contigerat, relinquere, monasterium petere, sacrum velamen suscipere his aliisque quam pluribus iniure compellebant stimulis.“ Vita Mathildis reginae antiquior, c. 8, S. 123.

    42„Ingressa autem bone memorie regina Edith: ‚Ne contristetur‘, ait, ‚dominus meus rex! Divinis enim correptus flagellis, quia matrem optimam de regno pepulisti quasi incognitam. Revocetur itaque sanctissima regnumque, ut convenit, possideat prima.‘“ Vita Mathildis reginae antiquior, c. 9, S. 124.

    43„monitu et intercessione sanctae matris suis“ Widukindi monachi Corbeiensis rerum gestarum Saxonicarum, Bd. II, c. 36, S. 116/117f.

    44„(…) Interea Tammo natus est; et mens regis ab amore uxoris decrescens, ob pulcritudinem et rem cuiusdam virginis, nomine Mathildis, secreto flagravit. Iam iamque latentis animi fervor erupit; et iniusto se hactenus multum peccasse conubio tandem professus, per affines legatosque suos filiam Theodrici et Reinildae ex Widicinni regis tribu exortam, [inter]pellat, ut sibi voluisset satisfacere. Et quia flexibilis est mulieris animus, et quia sciebat eum in cunctis eligantem, consensit, coniunctaque ei tam in divinis quam in humanis profuit.“ Thietmar von Merseburg, chronicon, Bd. I, c. 9, S. 12/13ff.

    45„Hic cum audisset aegrotare coepisse matrem imperatoris, mirae sanctitatis feminam, nomine Mahthildam, dumque eius expectat funus, proprio funere ipsius funus precedit. De cuius laude si aliquid dicere cupimus, deficimus, quia omne argumentum ingenioli nostri superat virtus tantae feminae. Quis enim digne possit explicare eius vigilantiam erga cultum divinum? Omnis nox omnibus modis et omni genere cellulam suam divinorum carminum melodia inplebat. Erat enim ei cellula ecclesiae proxima, in qua modice requiescebat, de qua omnibus noctibus consurgens intrat ecclesiam, nichilominus cantoribus et cantatricibus intra cellulam et pro foribus et in via triformiter constitutis, qui divinam clementiam laudarent atque benedicerent; ipsa intra ecclesiam in vigiliis et orationibus perseverans missarum sollempnia expectabat. Deinde infirmos ubicumque audivit in vicino visitavit, necessaria prebuit; deinde pauperibus manum porrexit; deinde hospites, qui semper aderant, cum omni largitate suscepit; neminem sine affatu blando dimisit, nullum fere sine munusculis vel necessariis adiumentis vacuum reliquit. Saepe viatoribus, quos longius de cella prospexit, necessaria transmisit. Talia opera licet valde humiliter diebus ac noctibus exerceret, tamen nichil de honore regio minuebat; et sicut scriptum est, quamvis sederet tamquam regina circumstante populo, semper et ubique tamen erat moerentium consolatrix. Domesticos omnes famulos et ancillas variis artibus, litteris quoque instituit; nam et ipsa litteras novit, quas post mortem regis lucide satis didicit. Ergo si omnes virtutes eius velim narrare, hora deficeret; facundia Homeri vel Maronis michi si adesset, non sufficeret. Igitur plena dierum, plena omni honore, plena operibus bonis et elemosinis, cunctis divitiis regalibus distributis servis Dei et ancillis ac pauperibus, secundo Idus Martias animam Christo reddidit.“ Widukindi monachi Corbeiensis rerum gestarum Saxonicarum, Bd. III, c. 74, S. 178/179ff.

    46„21. (11.) Et inclita venerabilis gesta Machtildis, quae post excessum senioris sui sumopere fecit, equidem paucis comprehendam ad imitationem bonam fidelibus cunctis; quia sancta est, ut scriptura docet, et salubris cogitatio, pro defunctis orare et elemosinis absolutionem [hiis] impetrare. Legimus, ut unius captivi vincula, [quem] uxor sua putans mortuum assiduis procuravit exequiis, tocies solverentur, quocies pro eo acceptabiles Deo patri hostiae ab ea offerrentur, ut ipse ei post retulit, cum domum suam liber revisit. Hoc exemplo domna Mahtildis, viro suimet vinculo momentaneae mortis depresso, succurrit, non solum pauperibus, verum eciam avibus victum subministrans. Congregationem [quoque] sanctimonialium in die tricesima in supra memorata urbe statuit et huic, quantum ad victus et sui vestitus necessaria suppetebat, ex sua proprietate, laudantibus hoc suimet filiis, concessit *et scriptis confirmavit. *Asserunt nonnulli eandem hoc sumopere diu enituisse, quod iunior filius suimet Heinricus patris sedem possideret. Sed hoc Deus, electos sibi ad unaquaeque semper preordinans, noluit, nec summatum optima pars consensit, sed racione prudenti et ideo facile suadenti [haec] merentis reginae animum paulo minus a proposito declinavit, et huic Bawarios ad tuendum apcius assignari, prehabito sibi nato maiori, consuluit.“ Thietmar von Merseburg, chronicon, Bd. I, c. 21 (11), S. 24/25.

    47„(…) et Willehelmus, de matre quamvis captiva et Sclavonica tamen nobili et rege predicto genitus, vice eius ordinatur anno dominicae incarnationis DCCCCLIIII.“ Thietmar von Merseburg, Bd. II, c. 35, S. 72/73; regesta imperii, II, Abt. 1, S. 33.