Outback Lovestory: Ein Sommer in Australien - Jessica Adams - E-Book

Outback Lovestory: Ein Sommer in Australien E-Book

Jessica Adams

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Beschreibung

Niemand hat gesagt, die Suche nach Mr Right sei leicht: Die australische Liebeskomödie »Outback Love Story« von Jessica Adams als eBook bei dotbooks. Es kann doch nicht nur an ihr liegen, oder? Die junge Werbetexterin Victoria hat schon wieder Schiffbruch in Sachen Liebe erlitten – spinnen die Männer in Sydney eigentlich alle? Zum Glück ist Australien ein großes Land, und so beschließt Victoria, ihren Traumprinz nicht mehr nur in der Nachbarschaft zu suchen, sondern via Internet. Womit sie nicht rechnet: Am nächsten Morgen wird ihr Posteingang regelrecht geflutet! Vom charmanten Schönling bis zum niedlichen Nerd ist wirklich alles dabei, sogar – oh, là là! – ein Franzose aus Paris, der Stadt der Liebe. Halten die Bewerber, was sie blumig versprechen? Vor Victoria liegt ein aufregender Sommer voller Dates, jeder Menge Chaos und ungeahnter Überraschungen … aber wartet am Ende wirklich das große Glück auf sie? »Sexy, turbulent und hinreißend! Für jeden, der jemals ein Single war – oder gerade ist.« Cosmopolitan »Herrlich witzig – und so richtig wahr!« Daily Telegraph Jetzt als eBook kaufen und genießen: Die unterhaltsame Feel-Good-Liebeskomödie »Outback Love Story« von Jessica Adams. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks – der eBook-Verlag.

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Seitenzahl: 552

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Über dieses Buch:

Es kann doch nicht nur an ihr liegen, oder? Die junge Werbetexterin Victoria hat schon wieder Schiffbruch in Sachen Liebe erlitten – spinnen die Männer in Sydney eigentlich alle? Zum Glück ist Australien ein großes Land, und so beschließt Victoria, ihren Traumprinz nicht mehr nur in der Nachbarschaft zu suchen, sondern via Internet. Womit sie nicht rechnet: Am nächsten Morgen wird ihr Posteingang regelrecht geflutet! Vom charmanten Schönling bis zum niedlichen Nerd ist wirklich alles dabei, sogar – oh, là là! – ein Franzose aus Paris, der Stadt der Liebe. Halten die Bewerber, was sie blumig versprechen? Vor Victoria liegt ein aufregender Sommer voller Dates, jeder Menge Chaos und ungeahnter Überraschungen … aber wartet am Ende wirklich das große Glück auf sie?

»Sexy, turbulent und hinreißend! Für jeden, der jemals ein Single war – oder gerade ist.« Cosmopolitan

»Herrlich witzig – und so richtig wahr!« Daily Telegraph

Über die Autorin:

Jessica Adams deutet als Astrologin für Marie Claire und The Australian Women’s Weekly die Sterne. Im Laufe ihrer Karriere hat sie außerdem schon für etliche weitere Frauenmagazine wie Elle, Vogue, Cosmopolitan und Harper’s Bazaar gearbeitet. Ihre Horoskope-Webseite zieht jährlich über 2,8 Millionen Besucher an.

Von Jessica Adams erscheint bei dotbooks auch:

Immer Ärger mit der Liebe

Die Website der Autorin: www.jessicaadams.com

***

eBook-Neuausgabe Februar 2019

Dieses Buch erschien bereits 2001 unter dem Titel Er küsst mich, er küsst mich nicht bei Wilhelm Goldmann Verlag, München, in der Verlagsgruppe Random House GmbH

Copyright © der englischen Originalausgabe 1998 by Jessica Adams

First published by Black Swan Books, Transworld Publishers Ltd., London, a division of The Random House Group, Inc.

Die englische Originalausgabe erschien 1998 unter dem Titel Single White E-m@il.

Copyright © der deutschen Ausgabe 2001 by Wilhelm Goldmann Verlag, München, in der Verlagsgruppe Random House GmbH

Copyright © der Neuausgabe 2019 dotbooks GmbH, München

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Titelbildgestaltung: Nele Schütz Design unter Verwendung von shutterstock/Dean Robot, kwest

eBook-Herstellung: Open Publishing GmbH (aks)

ISBN 978-3-96148-245-0

***

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Jessica Adams

Outback Love Story - Ein Sommer in Australien

Roman

Aus dem Englischen von Antje Althans

dotbooks.

Für Bendenn versprochenist versprochen.

Danksagung

Dieses Buch wäre überhaupt nicht entstanden, wenn Cate Paterson nicht zum Lunch gekommen wäre und gesagt hätte: »Wieso versuchst du es nicht mal mit einem Roman?« Ich möchte ihr dafür danken, dass sie das Risiko auf sich genommen hat und so voller Leidenschaft über das Endergebnis ist. Die perfekte Verlegerin.

Elvis Presley hat gesagt, man braucht immer jemanden, der die Dinge in die Hand nimmt. Ich schätze mich glücklich, Sophie Lance bei Hickson Associates gefunden zu haben. Als Widder mit dem Mond in den Zwillingen war sie so gut darin, dass ich es sogar geschafft habe, dieses Buch zu Ende zu schreiben.

Kapitel 1

Anderer Mann, andere Frisur. Komisch, dass wir immer dasselbe machen, jedes Mal wieder, wenn wir uns von jemandem trennen. Ich bin ja nicht blöd, ich weiß, dass es da ein Muster gibt. Ich muss mir bloß meine Fotoalben ansehen:

Jahr: 1985

Der Mann: Greg Daly, Buschcamper.

Das Problem: Annalise Irgendwer, eine deutsche Austauschstudentin, ebenfalls Buschcamperin.

Zwei Monate später: Die zottige Bananarama-Frisur.

Jahr: 1987

Der Mann: Phillip Zebruscki, der gern zwei bis drei Mal am Tag Sex hatte.

Das Problem: Er fand, dass ich zu sehr klammerte.

Vier Tage später: Die Prinzessin-Diana-Föhnfrisur.

Jahr: 1990

Der Mann: Jamie Streeton, baseballverrückter Amerikaner.

Das Problem: Ich war ihm zu kalt.

Vier Tage später: Die unglückselige Heimdauerwelle.

Jahr: 1993

Der Mann: Leon Mercer, radikaler Student im fortgeschrittenen Alter.

Das Problem: Riesenkrach, weil ich mir Geld aus der Tombolabüchse der Socialist Workers Party geborgt hatte, um Toblerone zu kaufen.

Ein Monat später: Der Do it yourself-Schnitt mit der Küchenschere.

Jahr: 1994

Der Mann: Anthony Anderson, »Partner«, potenzieller Zukünftiger.

Das Problem: Er spielte an der Fernbedienung des Fernsehers herum, verbrachte mehr Zeit vorm Spiegel als ich, fragte mich immer, wie er aussah, bevor er aus dem Haus ging, konnte sich nie die Namen meiner Freundinnen merken und wusch seine geblähten, sportlichen Winterjacken mit Tennisbällen in der Maschine, damit sie gebläht blieben. Verbrachte außerdem seine ganze Zeit damit, zu tauchen, übers Tauchen zu reden und Tauchkalender an die Wand zu hängen. Hatte außerdem einen Aufkleber am Auto, auf dem stand: »Taucher tun's mit Tiefe.« Eine totale Lüge, außerdem ein schlechter Aufkleber.

Eine Woche später: Der Linda-Evangelista-Bob.

Wenn ich ganz ehrlich zu mir bin, kann ich nicht sagen, dass irgendeine dieser neuen Haarlook-Taktiken je funktioniert hat. Als ich den Prinzessin-Diana-Pony hatte, nachdem Phillip Zebruscki mich verließ, wurde ich nur noch deprimierter. Ich stank nach Haarschaum. Mir kam monatelang niemand näher.

Als ich den Linda-Evangelista-Bob hatte, nachdem ich Anthony Anderson, den Scheißkerl von Taucher, und unsere kleine Doppelhaushälfte verlassen hatte, bin ich ganze zwei Jahre mit niemandem ausgegangen. Wie dem auch sei, ich brauche jetzt eine neue Frisur. Ich muss mich wieder neu fühlen. Und wie alle Frauen, die in der Liebe eine Bruchlandung gemacht haben, brauche ich all meine kleinen vertrauten Rituale um mich herum. Eine neue Frisur, ein neues Leben, man weiß ja, wie es läuft..

Ich glaube, ich brauche auch eine neue Haarfarbe. Ich will es diesmal sehr kurz und sehr rot. Alles, was es letztes Mal nicht war. Vielleicht wirke ich dadurch zur Abwechslung sogar mal hart, denn diese Art von Selbstschutz werde ich benötigen, wenn ich Dan je zufällig auf der Straße begegne. Oder Dan mit einer Neuen. O Gott. Der Gedanke, Dan mit einer Neuen zu begegnen ...

Das muss das Schlimmste an einer Trennung sein. Die atemberaubende Leichtigkeit, mit der man sich vorstellen kann, wie jemand, der noch vor wenigen Wochen an deinem Arm hing, jetzt seine Zunge in den Mund deiner Nachfolgerin steckt. Und ich muss sagen, der einzige Grund, weshalb ich es so einfach finde, es mir vorzustellen, ist, dass es wirklich passiert ist. Es passiert immer. Mir, meinen Freundinnen. Es ist einfach eine traurige Tatsache des Singlelebens.

Jemand hatte Anthony, den Scheißkerl von Taucher, nur ein paar Monate, nachdem ich aus unserer Wohnung ausgezogen war, mit einer nach einer Riesenanwaltsfirma aussehenden Frau erwischt. Und es dauerte etwa fünf Minuten, bis ich dieses pseudo-glückliche Single-Image, das ich so sorgfältig kultiviert hatte, wieder verlor.

Bis zu diesem Augenblick hatte ich alles im Griff. Ich ging abends öfter aus, gab mir mehr Mühe und nahm mir morgens mehr Zeit für mein Make-up, weil man das kann, wenn man Single ist. Doch dann sah ihn eines Abends jemand mit der nach einer Riesenanwaltsfirma aussehenden Frau, und die Eifersucht fraß mich fast auf. Damals dachte ich sogar, ich würde davon Krebs bekommen.

Und obwohl ich wusste, dass Anthony und ich nicht gut für einander waren, und obwohl ich Gott weiß wie lange Telefongespräche geführt und mich bei meinen Freundinnen über ihn ausgejammert hatte, und obwohl ich ihn, als ich ihn verließ, so sehr hasste, dass ich seinen Schnorchel von einem Ende des Schlafzimmers zum anderen schleuderte ... als er anfing, auf der Straße mit der nach einer Riesenanwaltsfirma aussehenden Frau Händchen zu halten, habe ich Anthony, den Scheißkerl von Taucher, in meinem ganzen Leben nicht so sehr begehrt wie in diesem Moment, glaube ich.

Ich habe alles durchexerziert. Angerufen, dann den Hörer wieder aufgeknallt. Die langweiligsten und unpersönlichsten Gegenstände, wie zum Beispiel Anthonys Kreditkartenrechnungen, gefunden und mit zur Arbeit genommen, damit ich in der Mittagspause darüber schmachten konnte. Und wissen Sie, was? Das alles habe ich wieder vor mir. Denn wenn ich eines über Dan weiß, meinen Geliebten, meine einzige Liebe, dann das: Er ist nicht fähig, emotionale Dinge länger als eine Woche zu verarbeiten. Jetzt, wo ich weg vom Fenster bin, wird eine andere da sein. Es ist wirklich nur eine Frage der Zeit, bis jemand sie zusammen sieht und mich anruft, um es mir auf die Nase zu binden. Oder – der schlimmstmögliche Fall: Ich sehe ihn selbst.

Beim Friseur ist es heute brechend voll und hinter mir sitzt sogar eine Braut, die ihre Haare gemacht bekommt. Es ist erstaunlich – alle Angestellten des Salons scheint es dorthin gezogen zu haben. Ein Teil von mir will zu ihr rüber gehen und fragen, wie, zum Teufel, sie das geschafft hat, und ein Teil von mir – ich schäme mich, es zuzugeben – will vom Stuhl aufstehen und auf ihre weißen Velourslederschuhe kotzen.

Ich frage mich, ob Dan wirklich meine letzte Chance war. Statistisch gesehen weiß ich, dass es nicht so ist. Bei der gegenwärtigen Scheidungsrate (und Hilary, die wie ich Single ist, hat gestern Abend Stunden damit verbracht, es für mich auszurechnen) hat jede Singlefrau zwischen dreißig und achtunddreißig eine Chance von eins zu drei, sich einen verzweifelten, geschiedenen Mann zu schnappen, der auf Mitte vierzig zusteuert.

Vielleicht sollte ich mich in Socken auf den schwarzen Drehstuhl stellen und all den Singlefrauen beim Friseur die gute Nachricht verkünden. Und das schließt auch die gesträhnte Blondine mit Folie im Haar ein, die ganz offensichtlich gelogen hat, als sie der Friseuse erzählte, sie hätte heute Abend eine Verabredung, und auch die Brautjungfer, die die Braut in der Ecke zur moralischen Unterstützung begleitet hat. Und ich weiß auch, was die Brautjungfer denkt: Werde ich das auch einmal erleben? Jemals? Selbst, wenn's erst im Jahr 2040 ist? Gibt es auch ein Paar weiße Velourslederschuhe für mich?

Ich weiß, dass Hilary Recht damit hat, dass es irgendwo da draußen einen geschiedenen Mann über vierzig für mich gibt. Als Bibliothekarin hat sie mit Statistiken meistens Recht. Was mir Sorgen macht, ist, dass ich mich nicht in ihn verlieben kann, wenn wir uns schließlich treffen. Oder in irgendeinen von ihnen. In Dan dagegen war ich ganz eindeutig verliebt. Und bin es immer noch. Wie alt muss man eigentlich werden, bis man lernt, sich schneller wieder zu erholen?

Hilary will, dass ich ihn das Anwaltsarschloch aus Leichhardt nenne, weil ein Spitzname, den man so ausspeien kann, einem immer den Schmerz nimmt. Aber das funktioniert nicht. Oder vielleicht muss sie dabei sein, damit ich üben kann. Doch in diesem Moment, hier im Salon, ist er einfach nur Dan für mich. Und genau wie am Anfang will ich mit Kuli seinen Namen in riesigen verrückten Großbuchstaben auf Zettelchen schreiben und Herzen drum herum malen wie eine liebeskranke Vierzehnjährige.

Bis jetzt habe ich noch nicht geweint, was eine Premiere sein muss. Ich war auf meiner Geburtstagsparty so sturzbesoffen, dass ich dachte, ich hätte es vielleicht getan, aber nein. Vielleicht lag es daran, dass es alle von mir erwartet haben. Die Leute haben praktisch einen Präventivschlag durchgeführt, mir die Hand gedrückt, Bemerkungen gemurmelt, wie zum Beispiel: was für einen schlechten Zeitpunkt Dan sich ausgesucht hat und dass (ja, wir wissen es, gähn) alle Männer Scheißkerle sind und dass ich mich besser fühlen würde, wenn ich mich richtig ausweinen würde. Und in der ganzen Zeit stopfte ich, wie ich noch weiß, ganz ruhig Nachos in mich rein und kippte Wodka mit Tonic runter – und empfand nichts. Nur zur Information.

Aber ich erinnere mich, dass ich stark geschwitzt habe, trotz der ausbleibenden Tränen. Vielleicht ließen die Riesenmengen Alkohol, die ich zu mir nahm, mir die Tränen aus den Achselhöhlen strömen.

Ich erinnere mich auch noch an etwas anderes, worüber ich volltrunken mit Hilary debattierte, nachdem Dan Schluss gemacht hatte, nachdem er die Party verlassen hatte, nachdem er weggefahren war, nämlich darüber, wie beschränkt die Natur ist. Wieso besteht die Liebe weiter, wenn sie der Menschheit nicht die geringste Hilfe ist? Im Moment kann ich der Weiterentwicklung der Spezies überhaupt nicht dienen. Ich nutze meine Fortpflanzungsorgane nicht. Und weil ich immer noch in Dan verliebt bin und nicht im Geringsten verliebt in irgendeinen der verfügbaren Männer der Liga geschiedener Vierzigjähriger, sieht es nicht so aus, als würde sich das bald ändern. Ich empfinde das große Gefühl der Paarbindung, wie es die Natur vorgesehen hat, und habe niemanden, an den ich mich binden kann. Also wozu, zum Teufel, ist das gut?

Ich weiß, es ist erst achtundvierzig Stunden her, dass Dan mich verlassen hat, aber die Symptome sind immer noch da. Ich springe auf, wenn das Telefon klingelt, flitze sogar nackt aus der Dusche wie ein Kricket-Fan in den siebziger Jahren, um Dans Anrufe entgegenzunehmen, nur um festzustellen, dass am anderen Ende nicht er ist und es auch nie sein wird. Weil er es nie ist. So lauten die Trennungsregeln, stimmt's? Für jedes Herzklopfen, das man bei sich registriert, wenn das Telefon klingelt, registriert man eine Minute totaler Gleichgültigkeit von ihm, wo er auch gerade ist. Man keucht und rast zum Telefon, er rührt sich irgendwo am anderen Ende der Stadt ganz langsam noch ein Stück Zucker in den Kaffee.

Man kritzelt seinen Namen hinten auf das Flugblatt des Pizza-Service, man führt endlose Diskussionen über ihn mit Leuten, die ihn erst zweimal gesehen haben und unruhig werden, wenn sie merken, dass man wieder von ihm anfangen wird. Und er ... macht nichts. Macht dasselbe wie vorher. Denkt einfach nicht viel an einen, das ist alles.

Ich habe mir auch vorgestellt, wie Dan einer Anwältin den BH auszieht. Ganz langsam und liebevoll. Gott steh mir bei, ich kann sogar den BH sehen. Er hat Schottenkaros und einen weißen Rüschenrand. Die Anwältin ist intelligenter als ich. Sie trägt Größe 38, seit sie sechzehn war. Sie hat ein eigenes Haus. Sie ist Mitglied in einem Fitnesscenter.

Ich muss mich beherrschen, ich weiß, oder mir wird es so ergehen wie Hilary in ihrem Wahnsinnsmonat. Den hat sie im August letzten Jahres absolviert, als einer ihrer Bibliothekarskollegen (es handelte sich um eine Romanze zwischen Erwachsenenbücherei und Kinderbücherei) mit ihr Schluss gemacht hat.

Eigentlich war er zu nett, um Schluss zu machen. Er hat mit ihr eine Mitternachtswanderung durch den Zoo gemacht und gesagt, er hoffe wirklich, dass sie sich weiterhin jeden Tag über das interne Bibliothekstelefon unterhalten könnten, weil ihm das solchen Spaß machte, und dass er auch wirklich mit ihr befreundet sein wollte, weil sie ihm ehrlich, ganz ehrlich viel bedeutete und sie ein so großartiger Mensch sei. Dann ließ er sie tränenüberströmt davonlaufen und sich ein Taxi suchen, wobei sie fast überfahren wurde.

Das Ergebnis all dessen war Hilarys Wahnsinnsmonat. Der leitende Kinderbibliothekar musste ihr sogar durch Kurier eine Nachricht schicken, weil er telefonisch nicht durchkam. Es stellte sich heraus, dass Hilary all ihre Urlaubstage auf einen Schlag genommen hatte, im Bett geblieben war und alle Telefonwahrsagerinnen angerufen hatte, deren Anzeigen in Frauenzeitschriften zu finden waren (die sie, wie sich herausstellte, aus der Bücherei geklaut hatte). Sie hat mir später die Kreditkartenrechnung gezeigt. Dreihundertachtzig Dollar, um von zehn verschiedenen Wahrsagerinnen prophezeit zu bekommen, dass der Erwachsenenbibliothekar nicht zurückkommen würde.

Ich erinnere mich sogar daran, dass ich eines Tages bei ihr vorbeigeschaut habe und feststellte, dass sie ihren rosafarbenen Frotteemorgenmantel so lange getragen hatte, dass er am Kragen bereits braun wurde. Außerdem hatte die Arme von diesen kleinen runden Keksen mit Schokolade darauf die Glasur abgepult, die Marshmallowschicht abgelutscht und den Keksboden weggeworfen.

Das war also der Wahnsinnsmonat. Bei mir sind's Frisuren, bei Hilary Telefonwahrsagerinnen. Meine anderen Freundinnen machen alles Mögliche, von Gesprächen darüber, Krabben in seine Gardinenstangen zu stecken, bis hin zu Plänen, nach Amerika zu fliegen, um an Männer sind vom Mars, Frauen von der Venus-Seminaren teilzunehmen. Ich weiß nicht, was Jodie macht, wenn sie sich von jemandem trennt. Vielleicht haben sie dafür irgendein Netzwerk zur Lesbenselbsthilfe, denn für alles andere scheinen sie ja auch eines zu haben.

Eine Erinnerung, die ich an die Party habe, besteht darin, dass ich Jodie in eine Ecke geschleift und sie allen Ernstes gefragt habe, ob sie glaube, ich könne je zum »anderen Ufer« wechseln.

Viele lesbische Frauen hätten mich in dem Moment vielleicht geschlagen, aber ich weiß nur noch, dass Jodie mich mit ihren leicht fischgesichtigen Augen anblinzelte und dann verschwand, um mir noch etwas zu trinken und einen Teller Maischips zu holen.

Obwohl ich betrunken war und Witze machte, meinte ein Teil von mir die Frage wahrscheinlich sogar ernst. Jodie hat wirklich das perfekte Leben. Sie geht immer zu Tanzpartys. Sie hat eine heißblütig aussehende Freundin, die großartige vegetarische Pasta macht. Wenn Jodie eine Anwältin braucht, kriegt sie eine von der Lesbenmafia. Wenn sie umziehen will, kann sie das Wohngemeinschaftsregister nur für Frauen nutzen. Sie haben ihr sogar einen Job als Naturheilkundlerin in einem Frauengesundheitszentrum besorgt. Es ist unglaublich. Lesbisch zu sein ist so, wie in die Marine einzutreten oder Ähnliches. Sie regeln dein ganzes Leben.

Selbst als sie solo war, hat Jodie nie einen einsamen Samstagabend zu Hause verbracht. Alles, was sie tun musste, war, sich freiwillig für etwas zu melden wie das Korbballnacktteam oder Lesben auf Vespas, und ihr gesamtes Privatleben war einen Monat im Voraus verplant.

Leider haben meine Eltern mit mir alles falsch gemacht. Obwohl sie sich scheiden ließen und so den Weg für ein wenig Verwirrung geebnet haben, was die alten Geschlechterrollen betrifft, bin ich trotzdem ein langweiliger Hetero.

Ich glaube, man weiß so etwas auch, wenn man sich die Haare machen lässt. Irgendein Instinkt sagt einem, dass man nicht auf das Bild von k. d. lang deutet, wenn die Friseuse einen fragt, was man will. Ich hätte schon vor Jahren merken müssen, dass ich nie zur Lesbierin werden könnte. Ja, es würde all meine Probleme lösen. Nein, ich kann es nicht. Was stellen die eigentlich im Bett an, ohne dafür eine ganze Wagenladung schweineteurer Ausrüstung zu brauchen?

Es ist schon komisch. Jodie und Hilary haben beide gesagt, sie würden heute Morgen beim Friseur vorbeischauen, um Hallo zu sagen – das heißt, sich zu vergewissern, dass ich nicht überm Waschbecken einen post-traumatischen Nervenzusammenbruch bekomme. Bisher ist keine von beiden aufgekreuzt, was vermutlich bedeutet, dass sie in einem Coffee-Shop gelandet sind und über mich reden. Das ist schon okay. Es macht mir nichts aus. Dafür sind Freundinnen schließlich da, für Therapie hinter deinem Rücken. Das Einzige, was die beiden gemeinsam haben, bin ich, also können sie genauso gut ein bisschen davon profitieren.

Ich kann es förmlich vor mir sehen. Hilary wird ihr Freizeitoutfit tragen, das heißt, denselben marineblauen Pulli, den sie schon die ganze Woche getragen hat, plus eine Trainingshose und große baumelnde Ohrringe. Und Jodie wird ihren Lidstrich völlig schief gezogen haben, wie sie es immer tut, wenn sie einen Kater hat, und ihr John-Travolta-T Shirt tragen. Hilary wird Cappuccino trinken und Rosinentoast essen, und Jodie wird Pfefferminztee trinken und nichts essen. Und Hilary wird sagen: »Ich habe Dan vom ersten Augenblick an nicht getraut«, und Jodie wird sagen: »Arme Victoria, sie steht immer auf Bindungsphobiker«.

Trotzdem, Jodie mochte Dan sogar ganz gern. Nicht, dass sie es in dieser entscheidenden Phase des Gesprächs von Frau zu Frau Hilary gegenüber zugeben wird, aber ich habe Jodie mal an einem Samstagnachmittag mitgeschleppt, um ihm beim Fußballspielen zuzusehen, und sie hat sogar gesagt, er hätte Stehvermögen. Ein ziemliches Kompliment, wenn es von ihr kommt.

Ich muss sagen, es gibt – Entschuldigung, gab – nichts Sexieres als Dan direkt nach dem Fußball. Er hatte immer nasse Haare vom Duschen, eine gesunde rosa Farbe, war frisch gewaschen und roch nach Zitronengel. Nach einem Spiel war er immer so müde und voll blauer Flecken, dass er direkt in mich rein fiel. Es war das erstaunlichste Gefühl überhaupt.

Hinfort ihr bösen Gedanken! Ich muss wirklich damit aufhören. Es ist nur, dass ich außer ihm nichts anderes habe, worüber ich nachdenken kann. Die blöde Braut hat sich alle anständigen Zeitschriften unter den Nagel gerissen, und für mich ist nur ein Ikea-Katalog mit abgeschnittenen Haaren drauf übrig geblieben.

Ich. mache mir auch langsam Sorgen über meine Kopfhaut. Sie fängt an zu jucken, und auf meinem Ohr ist rote Farbe, die zu einem dauerhaften Fleck werden kann, wenn nicht bald jemand kommt und sie wegwischt.

Beim Friseur sollte man wirklich für Notfälle eine Leuchtrakete haben, die man abschießen kann, wenn so was passiert. In einer Cafeteria kann man wenigstens mit seinem Tablett auf die Theke hauen oder auf die kleine runde Klingel an der Registrierkasse schlagen. Wenn ich vielleicht heftig mit dem Kopf wackle? Wenn ich vielleicht zu weinen anfange?

Nach all dem hier sollte ich mich wirklich auch noch zur Arbeit schleppen. Am Freitag war ich ja zu nichts zu gebrauchen. Verkatert, mit gebrochenem Herzen, alles auf einmal. Wir haben einen neuen Auftrag, an dem wir arbeiten müssen, für die Frühstückscerealienleute von Breakfast Grits. Sie wollen an ihre Kunden ein Gratisfrisbee verschenken, in Form eines Breakfast Grit als Packungsbeilage. Das ist einer von diesen dummen kleinen Aufträgen, die ich in zehn Minuten vom Tisch haben sollte. Aber am Freitag fiel es mir so schwer, einen Werbetext für Breakfast-Grits-Frisbees zu verfassen, als hätte man mich gebeten, Krieg und Frieden zu schreiben.

Manchmal ist das Leben einfach dumm und grausam. Ich kann nicht glauben, dass ich an einem Samstagnachmittag an der Arbeit vor einem Computer sitzen und mir Dinge ausdenken muss, die sich auf Grit reimen, was nicht nur Haferkorn, sondern auch Staub heißen kann, während das Reinigungspersonal um mich herum Staub saugt. Und mein Anrufbeantworter ist auch kaputt. Gerade jetzt, wo ich ihn am meisten brauche. Selbst wenn Dan eine 48-Stunden-Kehrtwende vollziehen würde (und ich muss langsam aufhören, darauf zu zählen), wäre er nicht in der Lage, mich zu erreichen.

Ich finde, jeder, der abserviert worden ist, sollte einen Anrufbeantworter haben. Die Qualen, die man ohne einen aussteht, sind einfach zu schrecklich. Ich weiß noch, wie Hilary wochenlang am Telefon gesessen und darauf gewartet hat, dass irgendein Inder sie anruft, mit dem sie einen Curry-Meisterkurs gemacht und etwas angefangen hatte.

Es war nie er, wenn das Telefon klingelte. Deshalb hat sie es irgendwann aufgegeben und einen neuen Abendkurs angefangen, Yoga oder so was. Dann, eines Abends, als sie weg war, rief er an. Nicht nur einmal, sondern dreimal. Und dann beschloss er, dass es ein Hinweis war, ein Omen, ein Zeichen, sie zu meiden, und schrieb die Beziehung für immer ab.

Das mit den drei Anrufen erfuhr sie ein Jahr später, als sie ihm auf einer Party über den Weg lief. Er war inzwischen verlobt. Und sie war noch Single. Danach fand ich auf einem Marktstand einen gebrauchten Anrufbeantworter und schenkte ihn ihr zu Weihnachten.

Die andere blöde Sache an der Trennung von einem Mann ist, dass man plötzlich merkt, dass man niemanden hat, der Dinge für einen repariert. Und ich weiß, dass Jodie das für verabscheuungswürdiges Geschwätz hält, aber das ist mir egal. Ich kann keine Autos reparieren, ich kann den Fernseher nicht programmieren, ich verstehe nichts von Ofenventilatoren, und ich weiß nicht, wie man eine Stereoanlage anschließt.

Meine einzige Hoffnung, jetzt, wo Dan weg ist, ist wahrscheinlich Bill, der Computerblindgänger, der gerade in die Wohnung über mir gezogen ist. Schließlich hat er etwas gemurmelt wie, dass er sich mal meinen Mixer ansehen wollte, der falsch herum auf dem Küchentisch lag und in dem ein halber Marsriegel steckte, als er vorbeischaute.

Ich vermute, Bill ist auch fähig, was Anrufbeantworter betrifft. Er sieht so aus. Aber ich muss Bill den Blindgänger mit Samthandschuhen anfassen. Ich kann ihm pro Monat nur einen kaputten Gegenstand geben, sonst könnte diese kameradschaftliche neue Nachbarschaft schnell wieder zerbrechen.

Aber ich bin mir sicher, dass er mir mit meinem neuen Computer helfen wollen wird. Wie eigentlich vorauszusehen war, hat Dad vergessen mit dem Karton auch die Bedienungsanleitung zu schicken. Der kam aus irgendeinem High-Tech-Kaufhaus in Los Angeles, mit einer für Dad typischen vagen Mitteilung auf der Geburtstagskarte, dass er denkt, ich sollte international werden, ins Internet gehen und eine Frau der Neunziger werden, und das war alles.

Das ist noch etwas, das ich von meinen Eltern geerbt habe, abgesehen von der langweiligen Heterosexualität: totale Unfähigkeit, was Technologie betrifft. Ich beschwere mich nicht über den Laptop. Auf der Party waren alle ganz schön neidisch, als ich ihn auspackte. Einen kurzen Moment lang dachte Dan wahrscheinlich sogar, er wäre es wert, noch ein oder zwei Monate länger bei mir zu bleiben.

Es ist nur so, dass Computer mir Angst machen. Wir haben diese technische Idiotie in der Familie, was bedeutet, dass keiner irgendwas kann – nicht mal die Taschenlampenbatterien richtig herum einlegen. Als die Agentur mir meinen ersten Computer zur Verfügung stellte, habe ich immer den Stecker rausgezogen, um ihn abzuschalten, und mich dann gewundert, wieso nichts von dem, was ich geschrieben hatte, beim nächsten Mal noch da war.

Glücklicherweise ist meine Mutter– die Haupttechnikidiotin in der Familie – inzwischen reich genug, um einen Handwerker bezahlen zu können, der sich um alles kümmert. Selbst um die Glühbirnen, die sie einfach hängen ließ, wenn sie durchgebrannt waren. Aber Dad kann nicht mal das Jet-Ski seiner Freundin bedienen. Einmal hat er mir aus L. A. ein anderes Geburtstagsgeschenk geschickt – eine Art grüne Plüschkugel mit einem Wecker drin. Sie lag zwei Jahre unter meinem Bett, noch in der Verpackung, bis Dan sie eines Tages nahm und aus dem Fenster kickte.

Ich denke, mein neuer Computer wird mich wenigstens ablenken. Eine Methode, auf andere Gedanken zu kommen (wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, Dad hätte die ganze Sache von L. A. aus eingefädelt). Jodie wollte sowieso schon immer für ihr Leben gern mal ins Internet, also kann sie jetzt die Ellen-de-Generes-Home-Page suchen. Und es bedeutet auch, dass ich Hilary den ganzen Tag E-Mails schicken kann (viel besser als Telefonanrufe, keine finsteren Blicke mehr vom Chefbibliothekar.)

Nach ihrem Nichtaufkreuzen zu schließen, haben sich sowohl Jodie als auch Hilary inzwischen verlaufen. Entweder das, oder sie haben beschlossen, zu Dans Fußballspiel zu gehen und sich persönlich mit ihm anzulegen. Ich erinnere mich vage an irgendeine Saufparty, ganz am Anfang der Dan-Sache, als Hilary schwor, wenn diesmal irgendwas schief liefe, würde sie ihm höchstpersönlich die Eingeweide rausnehmen. Ich weiß sogar noch, dass sie etwas wirklich so Peinliches sagte wie: »Victoria. Du bist oft genug verletzt worden!«

Das ist süß. Wir sagen uns dauernd solche Sachen. Aber mit dreißig sind wir alle oft genug verletzt worden. Realistisch gesehen hatte Dan keine größere Chance, »der Richtige« für mich zu sein, als all die anderen. Man muss nur die Wahrscheinlichkeit berechnen. Ich bin eine allein stehende, berufstätige, weiße Frau. Ich bin eine von denen, die nie geheiratet haben. Es ist, als würde man beim Cluedo zum ersten Mal würfeln und gleich auf zwei Sechsen hoffen, mein Gott.

Ich finde es auch klasse, wenn mein Vater mich aus L. A. anruft und mir Beziehungstipps gibt. »Victoria, du darfst nicht immer nach Perfektion suchen. Die gibt es nicht. Such dir einfach einen netten Jungen, mit dem du glücklich sein kannst, bla bla bla.« Das ist besonders toll, weil es von einem Mann kommt, der seine Ehe nicht mal lang genug zusammenhalten konnte, bis die Kinder aus dem Haus waren. Oder das Kind, sollte ich sagen. Ich.

Worüber Dad sich nicht im Klaren ist, ist der gesellschaftliche Druck. Ich bin mir sicher, der ist heute viel schlimmer als in den Fünfzigern oder im späten vierzehnten Jahrhundert, oder wann es auch war, als er und Mum das Unheil anrichteten. Seit meinem vierten Lebensjahr ging es immer darum, glücklich und zufrieden zu leben, bis dass der Tod uns scheidet. Nicht allein. Niemals allein. Sondern mit ihm. Mit dem Märchenprinzen.

Ich erinnere mich nicht, je ein Kinderbuch mit einem schönen Märchen über eine wunderschöne Werbetexterin bekommen zu haben, die sich von jeder Menge Männern trennt und dann beschließt, den Rest ihres Lebens in serieller Monogamie zu verbringen, unterbrochen von Phasen der Enthaltsamkeit und gelegentlicher Masturbation.

Es hat sich aber auch nichts geändert. Alle paar Monate bekommen wir in der Agentur einen Auftrag für irgendeine Bankkampagne. Und ich muss damit klar kommen, dass der Marketing Director (der seine Frau betrügt) und der Art Director (der sich gerade von seiner zweiten Scheidung erholt) mir Fotos von lächelnden Paaren zeigen. Wir sehen uns männliche und weibliche Models an, engagieren sie, sagen ihnen, sie sollen so tun, als seien sie verheiratet, stellen sie dann vor die Eingangstür eines Hauses mit einem VERKAUFT-Schild davor, machen ein Foto und stecken es in einen Bankprospekt über Zinssätze.

Es muss Liebe sein. Und es muss die Ehe sein. Auf dieser Welt ist alles andere anscheinend nicht ausreichend. In der Agentur besetzen wir nur Singlefrauen, wenn wir Werbung für Abführmittel machen, und dann nehmen wir immer eine, die deprimiert aussieht.

Wenn ich ehrlich bin, muss ich zugeben, dass ich genauso darauf reingefallen bin wie alle anderen. Als Mrs. Goble uns in der zweiten Klasse an der Littlewood-Grundschule Geschichten vorlas, habe ich immer fest die Beine übereinander geschlagen und es lieber riskiert, auf den Teppich zu pinkeln, als zu verpassen, wie am Schluss von »Aschenputtel« der gut aussehende Prinz angeritten kommt.

Wenn man auf der High-School keinen Freund hatte, war man ein Nichts. Ich erinnere mich noch an Eva, das Mathegenie. Sie bekam immer für alles fünfundzwanzig Punkte von fünfundzwanzig, und der einzige Junge in der ganzen Klasse, der sie zu mögen schien (natürlich ein Genie in den Naturwissenschaften), wagte sich nie an sie ran, weil ihn dann jeder zweite Junge in der Klasse geächtet hätte. Eva war eigentlich ganz nett. Das Einzige, was an ihr komisch war, wenn ich so zurückdenke, ist, dass ihre Wangen ständig rot waren.

Sie war die Einzige an der ganzen Schule, die sich für einen Medizin-Studienplatz qualifizierte. Sie war das einzige Mädchen, das bei Schwimmfesten je etwas gewann (der Rest von uns rauchte). Aber ich weiß noch, wie sie auf dem jährlichen Campingausflug der Schule leise in ihrem Zelt geweint hat. Wir hatten spätabends alle Flaschendrehen gespielt, und als die Flasche auf sie zeigte, hatte sie jemand gefragt, ob sie je jemanden küssen würde. Das lässt mich heute erschaudern. Aber jetzt mit dreißig ist es noch genau dasselbe wie mit dreizehn. Kein Freund, kein gar nichts.

Ich weiß, dass meine einzige Schulfreundin, die verheiratet ist, Helena Chettle, noch nie so langweilig war wie jetzt, im fünften Jahr ihres babygekrönten Eheglücks. Ich weiß, dass eine von drei Ehen geschieden wird und es eine totale Katastrophe ist. Ich weiß das alles, ich weiß es. Aber von Kinderbüchern bis hin zu Bankbroschüren scheine ich darauf reingefallen zu sein. Für mich muss es schon ein weißer Schleier sein und ein Kind im Schottenrock, etwas anderes tut's nicht.

Vielleicht sollte ich die Friseuse mit einem versteckten Mikrofon und einer Reihe Fragen rüber zur Braut in der Ecke schicken. Jemand muss mir einfach sagen, wie es funktioniert. Gott weiß, dass meine Eltern es nicht konnten.

Erste Frage: Sag mir, o Braut, woher wusstest du, dass er der Richtige war?

Zweite Frage: Oder tust du nur so, um der Hypothek willen?

Dritte Frage: Woher willst du wissen, dass ihr bis zu eurem Tod (Statistik: Hilary) im Durchschnittsalter von achtzig Jahren Sex miteinander haben wollt? Vierte Frage: Wenn er eine Affäre hat, wirst du ihn verlassen oder kannst du damit umgehen?

Fünfte Frage: Wieso haben Bräute eigentlich immer weiße Schuhe? Wenn man Doc Martens trägt, zieht das automatisch die Scheidung nach sich?

Die andere Frage, die ich wirklich gern stellen will, was die Braut mir jedoch in einer Million Jahren nie sagen würde, ist: Was tut man, wenn man glaubt, den Richtigen gefunden zu haben, und er liebt einen nicht? Denn mit Dan ist mir das passiert. Es macht mir Angst, aber es ist wahr. Es ist diesmal überhaupt nicht wie bei Anthony, dem Scheißkerl von Taucher. Und ich glaube, das habe ich alles rausgefunden, als ich auf den Hund von Dans Mutter aufgepasst habe.

Es klingt blöd. Aber ehrlich gesagt ist es normalerweise genau das, was den Weg für eine Katastrophe ebnen würde. Letzten Endes wäre die Hunde-Episode Teil einer Litanei von Gründen geworden, Dan zu verlassen. Ich konnte mir vorstellen, wie ich Hilary und Jodie alles darüber erzähle: »Er war einfach so egoistisch, hat mir all seine Familienverpflichtungen aufgehalst, bla bla bla.« Die Tatsache, dass Dan mich gebeten hatte, auf den Hund seiner Mutter aufzupassen, während sie alle zu einem Familienurlaub nach Bali abzogen, wäre das Kernstück einer umfassenden Psychoanalyse seines Ödipuskomplexes geworden. Oder so was in der Art.

Doch stattdessen fühlte ich mich geschmeichelt. Ich konnte nicht schnell genug ja sagen. Die Verantwortung für – ich kann es kaum aussprechen: Pistachio – übertragen zu bekommen war, wie in die Familie aufgenommen zu werden. Und ich wollte wirklich dazugehören. Ich wollte, dass mein Foto auf dem Klavier stand, neben all den anderen Frauen, die letztendlich mit Dans Vielzahl von Brüdern in den Hafen der Ehe einzulaufen schienen. Als der Hund zu mir kam (und ich kann kläffende weiße Pudel mit braunen Hinterteilen nicht ausstehen), freute ich mich sogar darauf, ihn auszuführen, weil es fast so war, wie mit Dan zusammen zu sein. Als er aus Bali anrief und seine Mutter über seiner Schulter hing, nahm ich den Hund sogar hoch und ließ ihn ins Telefon schnüffeln, damit sie alle hören konnten, wie er Hallo sagte. Ich nehme an, ich werde erst wissen, dass ich die Sache mit Dan wirklich überwunden habe, wenn mir beim Gedanken daran schlecht wird. Aber im Moment klingt es noch wahr. Peinlich, aber wahr.

Und da waren noch all die anderen Sachen. Da waren seine alten Schulfreunde, die zu mögen ich mir richtiggehend antrainierte, obwohl sie fast allesamt Wichser waren. Und dann dieses Essenklauen in Restaurants – im Grunde hat er sich ohne Sinn und Verstand alles genommen, was sich auf meinem Teller befand –, weshalb Hilary die Augen verdrehte, was ich aber mit der Zeit lieben lernte. Und sein grässlicher Geschmack, was Schuhe betraf (fluoreszierende Masseursandalen! Neiiiiin! ), bei dem ich mich zwang, so zu tun, als sei er unwichtig. Und seltsamerweise war letztendlich auch nichts davon mehr wichtig. Ich liebte einfach alles an ihm – den Hund der Mutter, die schrecklichen Freunde, den Restaurantdiebstahl, die Masseursandalen, alles.

Ich denke, bei Dan habe ich getan, was ich bei keinem der anderen konnte, nämlich mir jeden Fehler, jede Pore, jedes Ärgernis und jede traurige und unvermeidbare Realität unter die Haut gehen zu lassen. Ich wusste, dass Dan es nie in eine große Anwaltsfirma schaffen würde. Das machte mir nichts aus. Ich wusste, er würde seinen Komplex wegen seines unterbelichteten Vaters nie überwinden. Kein Problem. Zum ersten Mal im Leben hörte ich diesen Billy-Joel-Song im Radio – »I love you just the way you are« (Ich liebe dich so, wie du bist) oder so –, und anstatt das Bedürfnis zu haben, die Radioantenne aus ihrer Fassung zu reißen und darauf rumzuspringen, konnte ich sogar verstehen, was er meinte. Ich konnte mich in einen Billy-Joel-Song einfühlen!

Und als Gegenleistung für all das, nichts. Dan konnte nicht mal warten, bis die Party an meinem dreißigsten Geburtstag offiziell vorbei war, bis er mich verließ. Er schien die ganze Sache sogar geplant zu haben. Eine Karte, die er mit einer Menge Blödsinn über Respekt und Zuneigung vollgekritzelt hatte, und dass ich einmal eine großartige alte Dame abgeben würde und dass er mich auch in dreißig Jahren noch kennen wollte, und ein antikes Armband, von dem er wusste, dass ich es mir wünschte.

Es war eine dieser Geburtstagskarten, wo man zwischen den Zeilen liest. Und das habe ich getan.

Zwanzig Minuten bevor er mir die Geburtstagskarte überreichte, war er der mögliche Zukünftige, derjenige, mit dem ich in die Zukunft blinzeln konnte, derjenige, von dem ich mir vorstellen konnte, dass er die Rugbystiefel seines Sohnes zuschnürte oder sich von seiner Tochter etwas auf den Kopf hauen ließ. Grundsätzlich dachte ich, er wäre der Richtige. Zwanzig Minuten nach der Karte war mir ganz anders. Er mochte zwar der Richtige für mich gewesen sein, doch ich bedeutete ihm ganz klar etwas völlig anderes. Ich frage mich, was. Eine Bettgeschichte? Eine Freundin? Jemand, der beim Trivial Pursuit die Unterhaltungsfragen abdeckte, während er alle Sportfragen beantwortete?

»Danke, Dan. Nicht gerade sehr leidenschaftlich, was?«

»Tja. Was willst du denn?«

Die Antwort darauf hätte die ganze Nacht in Anspruch genommen. Aber es ist seltsam, dass wir so was nie sagen können. Aber ich habe das gesamte Gespräch im Kopf.

»Ich will etwas mehr von dir als diese Scheiße auf der Karte darüber, dass ich mal eine großartige alte Dame werde, das ist es, was ich will.«

Oder: »Ich will, dass du einen Schritt weiter gehst. Wir sind jetzt seit sechs Monaten zusammen – oder nicht –, und wir sind, verdammt noch mal, beide über dreißig.«

Oder (ehrliche, aber klägliche Antwort): »Ich will, dass du mir sagst, dass du mich liebst.«

Ich muss mich zwingen, Dan als das Anwaltsarschloch aus Leichhardt zu sehen, ich muss. Aber was, wenn er mir mit meinen roten Haaren vorm Friseurladen über den Weg läuft, mich in eine enge Gasse zerrt und mich so heftig küsst, dass ich keine Luft mehr bekomme, und sagt, es war alles ein furchtbarer Fehler, und er kann nicht mehr essen, nicht mehr schlafen?

Ich weiß nicht, wie – statistisch gesehen – die Chancen dafür stehen, aber es muss sie geben. Es muss eine Chance geben. Und was, wenn er eines Abends betrunken anruft, wenn ich nicht da bin, um mir zu sagen, dass er ein Idiot war und nicht mehr aufhören kann, an mich zu denken?

Ich komme nicht umhin, mir vorzustellen, dass dann all die Energie, die ich dafür aufzubringen versuche, ihn zu hassen, umsonst gewesen sein wird. Es scheint immer die Gefahr zu bestehen, dass man sich so erfolgreich einreden kann, jemanden zu hassen, dass man, wenn er schließlich zurückgekrochen kommt, alles abgetötet hat. Und was, wenn Dan wirklich meine letzte Chance war, was dann?

Das reicht, um davon Kopfschmerzen zu kriegen, auch wenn mir nicht Haarspraywolken aus der Brautecke in die Nase steigen und sowieso schon dafür sorgen würden.

Wenigstens muss meine neue Frisur bald fertig sein. Wir sind inzwischen bei der Haartrocknerphase angelangt, auch wenn mein Kopf immer noch aussieht wie das Fell einer Katze nach einer Bauchoperation: feucht, stachelig, seltsam.

Jodie hat mir einmal diese positive Visualisationsübung beigebracht, wo man sich selbst in eine rosafarbene Seifenblase steckt. Dann stellt man sich vor, wie man in der Seifenblase ein tolles neues Leben führt.

Ich sehe mich jetzt in dieser erstaunlich engen Lederhose. Ich bin ins Fitness-Studio gegangen und habe sogar Lücken zwischen den Oberschenkeln. Ich bin auf einer Party, es ist Weihnachten im Jahr 2010, und aus den Augenwinkeln sehe ich Dan. Er ist allein. Er sieht älter aus, fetter, müde, ein bisschen traurig. Er hat Tränensäcke unter den Augen.

Ich habe eine kleine Menschenmenge um mich und bin sagenhaft unterhaltsam und witzig. Ein Mann schiebt sich durch die Menschenmenge. Er hat eine sexy Stachelfrisur wie ich. Außer dass er blond ist. Dan hat einen Bauch wie Winston Churchill und nur noch wenig Haare. Der stachlig blonde Mann und ich verschwinden zusammen in einer Ecke, um einen Moment allein zu sein. Wir lachen zusammen, dann küssen wir uns.

Ohne einen Laut dreht Dan sich um und verlässt den Raum. Ich bemerke es nicht einmal. Als er draußen auf der Straße in sein Auto steigt, kann er durchs offene Fenster mich und den blonden Mann lachen hören. Gequält lässt er den Kopf aufs Lenkrad sinken und stöhnt. Dann fährt er nach Hause, legt eine alte Smith-Platte auf und erhängt sich.

Ich frage mich, ob es falsch ist, sich in der rosafarbenen Seifenblase schlechte Dinge für andere Leute auszudenken? Andererseits, wen interessiert das?

Jodie und Didi haben mich sogar gebeten, ihrer Diskussionsrunde Frauenzirkel beizutreten, wo sie offensichtlich rumsitzen und die ganze Zeit die Übung mit der rosafarbenen Seifenblase machen. Ich weiß, dass Hilary sagte, sie würde mitkommen, aber ich glaube nicht, dass ich mich dazu überwinden kann. Ich habe vor ein paar Jahren bei einer dieser Sachen von Jodie mitgemacht. Wir mussten uns einen neuen Namen für unsere geheimen weiblichen Körperteile ausdenken. Anscheinend hatten die Männer ihnen in der Vergangenheit zu viele scheußliche Namen gegeben, deshalb ging es darum, unsere Körperteile zurückzuerobern, indem wir uns irgendeine poetische, neue Bezeichnung für sie ausdachten. Jodie dachte, sie könnte ihre »Zentrum für Lust und Leidenschaft« nennen. Ich weiß nicht. Ich weiß nicht, ich konnte es einfach nicht. Breakfast Grits-Kampagne – ja. Neuer Name für meine Labia – nein.

Sie machen jetzt andere Sachen im Frauenzirkel, sagt Jodie mir. Sie schreiben die Namen von Leuten, die ihnen wehgetan haben, auf Post-it-Zettel, und dann mieten sie sich alle ein Boot und fahren zusammen raus aufs Meer (ihre Frauengruppe ist voll von Leuten mit außergewöhnlichen Fähigkeiten wie Navigation), reißen sie in kleine Fetzen und werfen sie in die Wellen. Das könnte ich mit dir versuchen, Dan, aber es würde nichts ändern. Ich könnte dich über die Bass-Straße verstreuen oder gar ins Friseurwaschbecken. Aber ich weiß – genau wie ich es bei all den anderen wusste –, dass es Jahre dauern wird, um über dich hinwegzukommen.

Das ist es, was ich an serieller Monogamie hasse. Es ist alles so vorhersehbar. Man weiß, wenn man derjenige ist, der dem anderen den Laufpass gibt, stehen einem Schuldgefühle und einsames Teetrinken bevor. Und wenn man selbst den Laufpass bekommt, stehen einem Wut, Verleugnung, Angst und einsames Teetrinken bevor.

Ich kann meine Exfreunde, ob ich nun sie verlassen habe oder sie mich, an beiden Händen abzählen. Aber ich frage mich, ob ich meine linke Hand – machen wir uns nichts vor, die Hand mit dem Eheringfinger – denen, die ich habe fallen lassen, oder denen, die mich haben fallen lassen, zuteilen soll? Es ist interessant, dass Gott uns nicht mit einer dritten Hand ausgestattet hat, damit wir diejenigen an den Fingern abzählen können, die sich am gegenseitigen Laufpassgeben beteiligt haben. Vielleicht, weil das nie passiert. Ha.

Ich rede mir ein, dass es sich ganz gut ausgleicht. An den Fingern meiner linken Hand, der Hand für diejenigen, denen ich den Laufpass gegeben habe, kann ich Leon Mercer und Anthony Anderson abzählen. An meiner rechten Hand, bestimmt für diejenigen, die mir den Laufpass gegeben haben, kann ich Greg Daly, Phillip Zebruscki, Jamie Streeton und Daniel Hawker abzählen. Wenn ich mit den Greg- und Jamiefingern wackele, empfinde ich natürlich nichts. Aber wenn ich mit dem Danielfinger wackle, würde ich am liebsten den gesamten Friseursalon mit Tränen unter Wasser setzen.

Ich muss sagen, dass eine andere Sache, die immer, immer passiert, wenn ich mich von jemandem trenne, die, ist, dass jede Anspielung auf die Beziehung zwischen Mann und Frau – in der Musik, in Kinofilmen, im Fernsehen – einem plötzlich ins Auge springt und unglaublich bedeutungsvoll wird. Gerade läuft wieder so ein verkaterter Song im Radio (wieso läuft bei Friseuren immer dieselbe Radiostation, und zwar die mit der Werbung für Schalldämpfer?). Es klingt, als würde Billy Joels jüngere Schwester singen. Und es ist die Art nichts sagender Ballade, die mir normalerweise nicht mal auffallen würde. Es klingt, als würde weiße Schokolade in einen Eimer geschleimt. Aber jetzt ist jede Zeile des Songs voll mit so was wie einer tief empfundenen Philosophie. Er hat mir sogar was zu sagen. Gott steh mir bei, ich strenge mich an, jedes Wort mitzukriegen.

Ich hätte Jodie anrufen und sie bitten sollen, mir irgendeinen Kräutertrank für meine Rückenschmerzen mitzubringen. Das ist noch etwas, das mir nach vierzehn Jahren der Trennungen aufgefallen ist. In den ersten Tagen schmerzt der ganze Körper, als wäre man gerade einem schweren Autounfall entronnen.

Man sollte wirklich einen Krankenhausflügel dafür einrichten. Einfach einen stillen Ort, wo man eingeliefert wird, wo sie einem Schmerzmittel geben und dann Elektroden an die Teile des Gehirns hängen, die noch alle Daten über ihn speichern. Wenn ich je reich werde, vermache ich mein ganzes Geld einem Fonds, der so etwas einrichtet. Sie können ihn den Victoria-Shepworth-Beziehungskatastrophenflügel nennen.

Alles, was man tun müsste, nachdem er einen verlassen hat, wäre, eine Notrufnummer zu wählen, und eine Art Liebeskrankenwagen würde vor der Tür vorfahren, mit Krankenpflegern, die bereit sind, einen abholen. Sie würden einen mit einer gigantischen Spritze außer Gefecht setzen, dann ... nichts. Wenn man wieder aufwachen würde, hätte man vergessen, dass man den Mann je gekannt hat. Man könnte sich nicht mal erinnern, wie sein Hintern aussah. Perfekt.

Ehrlich, ich habe wirklich das Gefühl, als würde ich verrückt. Ich sehe schon Hilarys Wahnsinnsmonat auf mich zukommen. Ich frage mich, ob diese rote Haarfarbe meinem Gehirn schadet. Anscheinend kann sie durch die Hautporen sickern und einen bleibenden Schaden verursachen. Wie alles andere auf der Welt, wie das Marsriegelmilchshake, das ich mir gestern Abend machen wollte, und die Tasse Kaffee, die die Friseuse mir geben wollte, was sie aber noch nicht getan hat.

Die Braut sieht langsam aus wie eine Braut. Die Brautjungfer reicht der rangniederen Friseuse Schleierkrautzweige, die dann mit einer Nagelschere alle Blüten abschneidet und sie der dienstälteren Friseuse gibt. Die auch mir zugewiesen ist.

Ich frage mich, ob ich einfach rüberstapfen und dabei eine Spur blutroter Farbe auf dem Boden hinterlassen soll. Und wo, zum Teufel, sind Jodie und Hilary?

Atme. Denk an die rosafarbene Seifenblase. Atme. Vielleicht sollte ich doch mit Hilary zusammen zu Jodies Frauenzirkel gehen. Vor mir liegen jetzt viele freie Freitag- und Samstagabende, und ich werde etwas brauchen, womit ich sie füllen kann. Was gibt es sonst noch? Hilary sammelt ganze Berge von Broschüren über verschiedene Vorträge und Kurse. »Der Steinzeitmensch und was wir von ihm lernen können« (absolut nichts). »Kochen für ein glückliches, gesundes Herz« (schließt das Marsriegelmilchshakes ein?). »Abende für Jazzfreunde« (O mein Gott, die Liga geschiedener Vierzigjähriger).

Samstagabende sind für Singles ein Albtraum. Wenn man mit einem Harry und Sally-Video für vier Dollar pro Abend zu Hause bleibt, kommt man sich immer leicht blöd vor. Als würde man sich selbst verarschen und gleichzeitig ein Date mit sich selbst haben. Was man ja eigentlich auch tut. Wenn man ausgeht, dann immer mit befreundeten Frauen, sodass man wirkt wie eine verzweifelte herumstreunende Meute auf Beutezug.

Samstagabende sind was für Paare, das weiß jeder. Genau wie Sonderpreise für Flüge nach Bali, Heizdecken mit Doppelschaltern und Haushypotheken sind Samstagabende was für Paare. Und was mache ich heute Abend? Überhaupt nichts. Die Freunde, die am Donnerstag auf der Party waren und Dans Abgang miterlebt haben, hatten zu viel Angst, um mich anzurufen. Im Fernsehen kommt nichts außer einem blöden Marlene-Dietrich-Special. Hilary wird »Makrameespinnerei der Äußeren Mongolei« haben oder so was, und Jodie ihre Freundin und vegetarische Pasta.

Also, Samstagabend. Willkommen in der Welt der unvermittelt Alleinstehenden.

Kapitel 2

Dan ruft am Sonntagabend spät an, kurz bevor ich den Recycling-Eimer mit all dem Geschenkpapier, das noch von der Party übrig war, raus gestellt habe, kurz nachdem ich aus Versehen all die Styroporkügelchen aus der Computerschachtel auf die Straße gekippt habe. Ich versuche, nicht zu weinen, als ich seine Stimme wieder höre, verliere aber schon in den ersten fünf Sekunden die Beherrschung.

»Bist du okay?«

»Sag das nicht! Natürlich bin ich nicht okay.«

»Es tut mir Leid, dass es gerade dann enden musste.«

»Tja, du hast doch alles auf der Geburtstagskarte geschrieben, oder? Kannst es jetzt genauso gut offen sagen. Ich bin dir egal, was?«

»Das habe ich nie gesagt.«

»Tja, dann kannst du dich verpissen.«

O klasse, Victoria, gut gemacht. Ich greife nach dem nächsten Taschentuch, um mir die Nase zu putzen, und peng, weg ist er. Ein leises Klicken, gerade als ich den Hörer wieder hoch nehme für die nächste Runde.

Als ich ihn zurückrufe, ist besetzt. Was vielleicht bedeutet, er versucht, mich noch mal anzurufen, und Gott, ich hoffe, dass er das tut. Aber ... fünfzehn Minuten später stellen auch alle anderen im Haus ihre Recyclingeimer raus, und das Telefon schweigt immer noch. Er muss mit einem seiner Vielzahl von Brüdern über mich sprechen. Oder vielleicht hat er nur flüchtig sein Adressbuch durchgeblättert und eine Frau gefunden, mit der er reden kann, ohne dass sie ihm ins Ohr schnieft oder ihm in den ersten fünf Minuten sagt, dass er sich verpissen soll.

Es tut mir Leid, sagen zu müssen, dass dieser dumme, kleine Streit ausreicht, um mich für den Rest der Nacht zu beschäftigen. Eigentlich bis gegen drei Uhr morgens, als ich schließlich tue, was Hilary mir seit Tagen erzählt hat (»Ruf einfach an. Jederzeit.«), nur um sie im Halbschlaf, gereizt, benommen und verwirrt anzutreffen.

»Ich hab's vermasselt, Hil.«

»Wie?«

»Ich hab einen neuen Streit vom Zaun gebrochen. Du weißt schon. Ich war einfach aufgewühlt.«

Sie kann nicht viel dazu sagen, und das ist keine Überraschung. Ich habe mir schon Hotelzimmer mit Hilary geteilt, und sie schläft wie ein Büffel im Koma. Die vage Hoffnung, die ich vielleicht gehegt habe, dass ich mich nach einem kurzen Gespräch besser fühlen würde, schwindet spätestens, als ich sie gähnen höre. Ich langweile sie. Vier Tage nachdem alles vorbei ist, und ich langweile sie bereits.

Die Laken sind zu warm. Dann sind meine Füße zwischen Matratze und Decke eingequetscht. Dann döse ich fast ein, stelle aber fest, dass ein Fuß aus dem Bett hängt und taub wird. Ich denke an die rosafarbene Seifenblase und versenke mich in der Fantasie mit der Lederhose, dem stachlig-blonden Mann und Dans Winston-Churchill-Bauch. Es funktioniert eine Weile, wird dann aber von einer realistischeren Vision abgelöst: Dan, wie er am Hals der Anwältin schnuppert, Dan, der ihr den Schottenkaro-BH mit dem weißen Rüschenrand auszieht.

Danach ist die Breakfast Grits-Frisbee-Kampagne dran. Das beschäftigt mich von etwa drei Uhr morgens bis sechs Uhr morgens, als ich höre, wie Bill der Blindgänger die Treppe runtertorkelt, um Joggen zu gehen, oder was er auch immer zu dieser unchristlichen Zeit tut. Es ist komisch, wenn in der Wohnung über einem ein neuer Mieter einzieht. Da gibt es eine ganze Reihe neuer Geräusche und täglicher Gewohnheiten, an die man sich gewöhnen muss. Vor Bill war es ein japanisches Paar, das immer Klopfgeräusche machte, wenn es seinen Futon aufrollte – unter anderem. Bei Bill sind es nur ab und zu eine Dusche, zeitweiliges Elvis-Costello-Geschmetter und die verlässlichen Geräusche kräftiger Morgengymnastik.

Breakfast Grits, Breakfast Grits. Vielleicht geht es leichter, wenn ich mich auf den Rücken lege. Werf dich in die Breakfast Grits! (Nein, zu plump.) Komm zurück zu Breakfast Grits, und ihr Frisbee kommt zurück zu dir! (Meine Güte, Victoria.)

Das Blöde daran ist, als ich aufwache, ist alles, was ich will, eine große Schüssel davon. Widerliche, große, braune, zuckrige Getreideflocken. Ich betrachte meine Augen im Spiegel. Ich brauche genauso viel Grundierung, wie sie für Eva Perons Leiche gebraucht haben. Auf dem Weg zur Arbeit bemerke ich kaum, dass ich während der ganzen Zugfahrt gestanden habe, obwohl alte Männer Platz für mich gemacht haben. Kurz gesagt, ich bin wirklich und ehrlich unzurechnungsfähig.

Mein Büro ist eines von diesen Großraumbüros, die sie durch Trennwände abteilen und dann so tun, als wäre es ein richtiges Zimmer. Kylie, die Werbetexterin, die sie aus Queensland hergeschleift haben, sitzt neben mir. Sie hat das ganze kleine Stück Glas, das uns voneinander trennt, mit Plüschtieren mit Saugnäpfen an den Füßen beklebt, was bedeutet, dass ich immer, wenn ich den Kopf drehe, um ihr über die Trennwand etwas zuzuschreien, nur seltsame Teile von blauen und grünen Plüschmonsterfüßen und runde Plastiktupfer sehe. Auf meiner Seite habe ich nur ein Foto von Dan, das ich den ganzen Freitag absichtlich noch hängen gelassen habe, nur für den Fall, dass er noch rechtzeitig bis Montag zu mir zurückkäme.

Kylie war auf der Party. Sie weiß Bescheid.

»Bist du okay, Vicky? Hey, mir gefällt deine neue Frisur.«

Gott, ich wünschte, sie würde mich nicht Vicky nennen.

»Ja, ich bin okay. Ich frage mich nur gerade, ob ich dieses Bild abnehmen soll.«

»Reißwolf steht da drüben.«

Es stellt sich heraus, dass sie ebenfalls auf die Breakfast-Grits-Frisbee-Kampagne angesetzt worden ist. Geplant ist, was Kylie einen Angriff mit drei Spitzen nennt. Zuerst die Radiowerbung. Dann spezielle kleine Coupons (sie muss die jämmerlichen zehn Sätze auf jedem Coupon schreiben). Dann die Rückseite der Cornflakes-Packung (meins, alles meins).

»Arbeitet das Miststück auch daran mit?«

Das ist die Grafik-Designerin, die wir alle mit Hingabe hassen.

»Nee, kriegen jemand anders dafür.«

»Tja, das ist ja wenigstens was. Cappuccino?«

»Ja gern, Vicky«, sagt sie fröhlich und höflich.

Das Alberne an den Trennwänden ist, dass sie, wenn wir aus, na ja, beruflichen Gründen miteinander reden wollen, nicht da zu sein scheinen. Aber wenn wir telefonieren (wie Kylie eines denkwürdigen Tages mit der Abtreibungsklinik), sollen sie plötzlich eine Rolle spielen. Wie irgendein Kraftfeld um Batman herum sind sie da und wieder nicht. Wir sehen was, wir sehen nichts. Wir hören was, wir hören nichts.

Ich weiß, verdammt noch mal, genau, wenn Jodie mich jetzt anruft, um mit mir ein kleines therapeutisches Gespräch über Dan zu führen, wird Kylie, abgetrennt durch eine Wand mit kleinen Plüschtierfüßen und Plastiktropfen, dezent am Computer an ihren Breakfast-Grits-Coupons arbeiten, während sie jedes Wort mithört. Also tue ich was Verbotenes. Ich nehme das Gemeinschaftshandy der Werbetexter (»Es darf dieses Büro nie verlassen, Leute. Ist das allen klar? Niemals!«), verpisse mich damit in den Coffee-Shop und quatsche, während ich auf die beiden normal großen Montagmorgen-Cappuccini in Styroporbechern warte.

»Jodie. Ich bin's.«

»O hi. Es tut mir wirklich Leid wegen Samstagmorgen, ich hab am Sonntag versucht, dich anzurufen, aber du hattest den Hörer nicht richtig aufgelegt. Was ist passiert?«

»Ich war weg, deshalb hab ich ihn daneben gelegt.«

»Oh, dann hast du ihn absichtlich daneben gelegt?«

»Mein Anrufbeantworter ist im Arsch. Ich wollte nicht, dass Dan mich am Sonntag anruft, wenn kein Anrufbeantworter dran ist.«

»Oh. Also hat er nicht angerufen. Bist du okay?«

»Ja. Nein. Er hat angerufen. Ich habe Hilary um drei Uhr morgens aus dem Bett geklingelt.«

»Wow. Klingt, als hättest du eine schlimme Nacht gehabt.«

»Ja. Ach Scheiße. Ich muss Schluss machen. Der Kaffee ist da.«

»Wie sind deine Haare geworden?«

»Ach, ganz gut. Du weißt schon. Wie 'ne Annie-Lennox-Frisur in Rot. Sie sind kurz. Bis bald.«

Leider hat Jodie vor ein paar Tagen einen dieser Frauengruppen-Therapiekurse mitgemacht, von der Sorte, wo man den Leuten alles nachplappert. Normalerweise vergesse ich das, bis ich irgendwelche Probleme habe und merke, dass ich therapiert werde.

Sie meint es ja gut, es ist bloß, dass sie es ohne nachzudenken immer wieder macht. Man könnte eines Nachts bei Jodie antanzen, sie und Didi aus dem Bett holen und ihnen erzählen, dass man sich mit dem Hackbeil den Arm abgehauen hat, und Jodie würde sagen:

»Du hast dir also mit dem Hackbeil den Arm abgehauen, wie fühlst du dich dabei?«

Das regt mich manchmal auf, das ist alles. Im Moment will ich, glaube ich, nur jemanden, der mit mir weint, mit mir flucht oder gemeinsam mit mir einen Schwall von Beschimpfungen auf Dan loslässt.

Obwohl mich, wie vorauszusehen, heute alles aufregen könnte. Und das hat wirklich nichts mit Jodie zu tun. Allein, dass sie die Cappuccinobecher bis zum Rand gefüllt haben, reicht zum Beispiel schon, um mich aufzuregen. Dass all das weiße flockige Zeug aus dem Schlitz im Deckel tropft. Dass, als ich auf dem Weg zurück in den dritten Stock nur mal kurz aufs Klo gehe, der Bindenbehälter (das blaue Ding, das aussieht wie kein anderer Gegenstand auf der Erde) schon wieder voll mit dem monatlichen Grauen anderer Frauen ist.

Und außerdem die Tatsache, dass Kylie, als ich zurück ins Büro komme, irgendeinen Freiberufler zu sich in ihre Zelle gequetscht hat und mir den Rücken ein paar entscheidende Sekunden länger als nötig zudreht, damit ich sehe, dass sie einen Mann bei sich hat und dass da was Interessantes abgeht und dass sie wirklich was ganz Besonderes und Wichtiges ist. Die anderen sollen das auch mitkriegen. Kylies Gelächter, das über die Trennwände schwebt, erfüllt einen Zweck.

Es ist jämmerlich, was unerbittliche tägliche Langeweile anrichten kann. Bei mir genauso wie bei ihr. Aber trotzdem tut sie schließlich so, als würde sie bemerken, dass ich mit dem Kaffee da bin, und dreht ihren Stuhl gerade weit genug herum, um sicherzugehen, dass der Freiberufler Körperkontakt mit der oberen Hälfte ihres Samtminirocks hat.

»Oh, danke Vicky. Das ist Liam. Er wird ein paar Wochen mit uns zusammenarbeiten.«

Liam hat Ringe unter den Augen wie alle künstlerischen Freiberufler. Aber er ist sexy. Ein sehr dunkler, intensiver Blick. Ein nettes Lächeln. Kleiner als ich, wenn auch nur eine Spur. Aber er hat was.

»Hast du schon rausgefunden, was sich auf Grit reimt?«, sagt er.

»Das ist komisch. Ich hab letzte Nacht darüber nachgedacht.«

»Kylie sagte gerade, du bist Teil des Angriffs mit drei Spitzen.«

(Gut. Er weiß, wie man Leute verarscht.)

»Ja. Das stimmt. Ich bin eine von den Spitzen.«

Ein kleines Lächeln. Kylies Arm schießt nach vorn, um sich den Kaffee zu greifen – eine Geste, die besagt: »Zurück hinter deine Absperrung, Weibstück!« Aber Liam hat was. Er ist interessant oder so; genug, um mich ein paar Minuten von Dans Foto abzulenken.

Als er weg ist, hänge ich das Foto schnell wieder auf, nur um zu sehen, ob sich irgendwas geändert hat. Nein. Nichts hat sich geändert. Dan sieht immer noch lebendig aus (wie albern, Victoria, er ist nur weg, nicht tot), und ungefähr vom unteren Hals bis unterm Brustkorb sitzt ein blöder Schmerz, der besagt, dass ich ihn immer noch brauche. Die Art körperlichen Schmerzes, die in meinen Träumen bedeuten würde, dass bald der Liebeskrankenwagen kommen und ich auf eine Tragbahre geworfen würde.

»Liam ist irgendwie süß, oder?«

»Ja, ja.«

Kylie dreht sich mit ihrem Stuhl wieder herum, zurück zum Computer. Ich kann auch sehen, was sie gerade macht. Sie schreibt einen Brief an ihre Mutter in Brisbane.

Auf meinem Bildschirm ist was Schreckliches aufgetaucht, während Liam hier herumgestanden hat: Noch so eine Hypothekenbroschüre, die ich ganz vergessen hatte. Sie wollen, dass ich noch mehr Text dafür schreibe, weil sie das Gesicht der Pseudo-Ehefrau nicht so sehr vergrößern können, dass es den restlichen Platz ausfüllt. (Hat wahrscheinlich zu viele Falten unter den Augen oder so, und sie wollen es nicht retouchieren, falls sie dann nicht mehr echt wirkt.)

O je, mein Job. Guter Gott. Mehr Text schreiben zu müssen, um Platz zu füllen, weil ein extra angeheuertes Model, das sich als Ehefrau ausgeben soll, ein Gesicht haben muss, das echt aussieht, aber nicht zu echt. Mir fällt auf, dass der Ehemann, den sie diesmal engagiert haben, ein rotes Hemd trägt. Das ist ziemlich gewagt. Normalerweise ist es blauer Gingan. Aber egal, los geht's. Denk an die Ehe. Denk an eine glückliche Ehe. Denk »Oh, wie sehr wir die Bank lieben, weil sie uns eine 25-Jahres-Hypothek gegeben hat.« Denk an Sicherheit, denk an Paare, denk an gebohnerte Dielen.

Ich muss ungefähr zehn Mal an meinem Cappuccino schlürfen, bis ich feststelle, dass es nicht funktionieren wird. Ein Grund dafür, dass es nicht funktionieren wird, ist der Ehemann vorn auf der Broschüre. Er kam letztes Jahr mit einer Pfauenfedermaske zu unserer Weihnachtsparty und war, wie meine Mutter sagen würde, »leicht tuntig«. Zwar engagieren sie hier durchaus schwule Models, hauptsächlich um sich das zu sichern, was die Finanzabteilung immer trübsinnig »den rosafarbenen Dollar« nennt. Aber dieser Typ sieht anscheinend zu maskulin aus. Deshalb mussten sie ihn für die Werbung mit den stämmigen, lächelnden Ehemännern einsetzen. Er hat diese großen, starken Arme, die immer am richtigen Ort zu sein scheinen, wenn sie um die Schultern einer Frau gelegt sind.

In einer der Zellen links von mir bewegt sich etwas, und mein peripheres Sehvermögen sagt mir, es könnte Liams Kopf sein. Noch einen Blick wert. Also lasse ich meine Augen hinüber schweifen, vorbei an den grünen Plüschmonsterfüßen und Plastiktropfen, nur um festzustellen, dass Kylie in dieselbe Richtung sieht. Sehr deprimierend. Liam scheint die Mädels aus der Finanzabteilung auf der anderen Seite der Etage zu bezirzen. Cleverer Schachzug für einen Freiberufler. Mir ist gerade aufgefallen, dass Liam dieselbe Wildlederjacke trägt, die Dan sich vor ein paar Monaten kaufen wollte.

»Komm nach Hause zu der Bank, die zu dir nach Hause kommen will.« Nein. Leider ist das zu sehr wie zu dem Breakfast Grit zurückzukommen, das zu dir zurückkommt. Immer, wirklich immer, wenn ich irgendeinen Werbetext schreiben will, geht es um Leute, die zurückkommen. Seltsame Sache.

Dan ist jetzt an der Arbeit. Wahrscheinlich immer noch mit der fiesen Versicherungsfirma beschäftigt, die er in einer Sache vertritt, wo ihm keiner ein Wort glaubt. Ich war seinem Schlafpensum an diesem Wochenende auch nicht gerade zuträglich. Ich schulde ihm eine Entschuldigung. Armer Dan. Können wir nicht Freunde bleiben?