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Aus einer Laune heraus sucht der anonyme Protagonist ein Etablissement auf und lernt dort eine Frau kennen, die durch ihre auffallende Bescheidenheit und Zuvorkommenheit besticht. Er beschließt, sie aus ihrem Elend zu erlösen und wagt dazu einen überaus kühnen Schritt
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Seitenzahl: 25
Veröffentlichungsjahr: 2015
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kristian winter
P.S.
etwas ganz und gar Unromantisches
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Inhaltsverzeichnis
Titel
P.S.
Impressum neobooks
Übrigens, was ich noch sagen wollte – es ist vorbei. Ich weiß, was du jetzt denkst, doch spar dir deinen Kommentar, so ist es nicht, war es nie! Woher ich das weiß? So was weiß man eben, oder besser, fühlt man. Vorhin erst habe ich ihr Bild zerrissen und kurz darauf wieder zusammengefügt. Ist das etwa gefühllos? Und als ich gestern ihren Brief las, diesen kurzen, abgerissenen Zettel, kamen mir fast die Tränen. Reagiert so ein Eisblock? Wirst mir schon was erzählen, du mit deiner Weitsicht. Von wegen gefühllos. Was weißt du schon. Selbst als ich zum ersten Mal dorthin ging – verdammt noch mal! - geschah das aus einem Gefühl heraus, wenn auch aus einem schlechten, das gebe ich zu. Ich wollte Spaß ohne tiefere Gedanken. Daran ist doch nichts Schlimmes? Wie hätte ich es also verhindern können, und selbst wenn, woher sollte ich wissen, ob ich es überhaupt verhindern wollte? Wenn man erst einmal dort ist, wo ich war - und ich war dort, das sage ich dir und das mit ganzem Herzen - kann man nicht mehr zurück.
Wie es angefangen hat, weiß ich nicht. Alles kam so unerwartet, dass ich es selbst nicht recht verstand. Ich fuhr nach Mitte, obwohl ich Mitte eigentlich hasse, nicht nur wegen des Lärms und der bedrückenden Enge. Ich wollte zur Museumsinsel und mich kulturell bilden - das tue ich öfter, wenn ich mich sammeln will -, landete jedoch, weiß der Teufel warum, in der Oranienburger. Na, du weißt schon. Dort war dieser Schuppen, dieses ’Vis-à-vis’, verräuchert, schmierig, unromantisch. Was ich dort suchte, kann ich nicht sagen. Vielleicht erhoffte ich mir ein Stück Illusion, eine Art Aufwertung und Selbstbestätigung meiner Virilität – nichts ist schlimmer als ein Mangel daran, vor allem, wenn man sich innerlich sammeln will und es nicht kann.
Was heißt hier Unmoral? Hältst du dein braves Händchenhalten und laues Süßholzraspeln in deiner doch reichlich in die Jahre gekommenen Beziehung etwa für Moral? Den einzigen Vorwurf, den ich gelten lasse, ist jenen der Leichtfertigkeit gegenüber dem eigenen Stolz. Es ist nämlich quälend, etwas zu tun, was man eigentlich nicht nötig hat und doch nicht anders kann. Natürlich bleibt es paranoid, das tiefste Gefühl erst herauszufordern, um dann vor ihm zurückzuschrecken, zumal man einen Teil von sich – leider den besten – dafür aufgibt. Und doch kann es nur so funktionieren, anderenfalls sähe es so aus, als habe man tatsächlich etwas nötig, und wer gäbe das schon gerne zu.
