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Erwachsene können noch nicht einmal den Beipackzettel einer Arznei lesen und verstehen. Sie müssen bei Streitigkeiten um das alljährliche "Grenzbaumlaub" oder "Grenzbaumobst" die Justiz bemühen. Pädagogische und bildungspolitische Vorgaben hingegen verlangen von Kindern, dass sie sich selbstbildend mittels situationsorientiertem und projektorientiertem Handeln bis hin zu komplexen und gerechten Konfliktlösungen alles selbst beibringen. Die PISA-Studien verstärken dieses "pädagogische Erfolgsmodell" sogar noch dahingehend, dass sie eine flächendeckende Gemeinschafts- wie Gesamtschullandschaft mit ihren Ganztagsangeboten als bildungspolitisch "alternativlose", sprich als einzig wahre Erfolgsgarantie à la Nürnberger Trichter suggerieren - Kuschelnoten, Notenschutz und "Discountabitur" inklusive! Dass jeder zweite Schulabgänger noch nicht ausbildungsfähig und jeder dritte Abiturient als nicht studierfähig eingestuft wird, ist nur eine der bekannten Nebenbedingungen dieser Auffassung, welche Handwerksbetriebe und Hochschulen beklagen. Mit der allseits beliebten These des spielerischen Lernens vermag der versierte Pädagoge aus allen Kindern, egal, welcher Herkunft und welchen persönlichem Lernvermögens, die politisch geforderte "PISA-Elite" heranzubilden. Und da das Motto "Bildung von Anfang an" lautet, fängt das Heranbilden dieser PISA-Elite selbstverständlich bereits in der Kinderkrippe an. Die unter der pädagogischen Ladentheke gehandelten Menschenbilder dürften, wenn überhaupt, natürlich nur den absolut eingefleischten Insidern bekannt sein. Oder doch nicht?
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Seitenzahl: 133
Veröffentlichungsjahr: 2014
Hermann M. Schulz
Pädagogendämmerung oder die sieben Irrtümer in der Pädagogik
Autor: Hermann M. Schulz, Jahrg. 1964, Diplom-Pädagoge (Univ.) und Mediator (FH) arbeitet als Dozent an einer berufsbildenden Schule sozialpädagogischer Ausrichtung in Lübeck. Er unterrichtet an der Fachschule für Sozialpädagogik und am berufsbildenden Gymnasium die Unterrichtsfächer Erziehungswissenschaften, Pädagogik, Psychologie, Sozialpädagogik, Recht und Verwaltung, Wirtschaftspolitik und Evangelische Religion.
Hermann M. Schulz
Pädagogendämmerung oder die
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
© 2014 Hermann M. Schulz
2. Auflage
Autor: Hermann M. Schulz
Umschlaggestaltung: Hermann M. Schulz
Verlag: tredition GmbH, Hamburg
ISBN: 978-3-8495-7743-8
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Inhaltsübersicht
Vorbemerkungen
Sieben – eine magische Zahl?
Die sieben Irrtümer
Irrtum I: Der autonome Bauplan-Mensch
1. Darf’s ein bisschen weniger sein? – Die mp-3-Generation.
2. Die Auserwählten in der „Titelmühle”
3. Notenkosmetik, was sonst?
4. Das Versetzungskarussell
5. Wer oder was bin ich?
6. Erfahrung schützt vor Bildung nicht
Irrtum II: Gut gespielt ist halb gewonnen
1. Schlecht gespielt – nichts gelernt
2. Lernen und nicht spielen
Irrtum III: Pädagogisierung – das verdeckte Schlüsselwort unserer Zeit
1. Die schleichende Pädagogisierung der Menschen
2. Gebastelt und gebildet
3. Materiale und formale Bildung
4. Allgemeinbildung und Berufsbildung
Irrtum IV: Reformpädagogische Ableger als Garant für optimale Bildung – Partizipation, Projektarbeit & Co
1. Relativer Realismus – aber bitte realistisch relativ
2. Patentrezept Projektarbeit
3. Würdevolle Verirrungen
4. Konstruktivismus – alles geht von selbst!
5. Kinder wissen, was sie wollen!
Irrtum V: Empirik als Garant für zukunftsweisende bildungspolitische Entscheidungen
1. Die Empirik und das Schulsystem
2. Der Glaube an die selbstgefälschten Statistiken
Irrtum VI: Elitebildung durch Qualitätsoffensiven und mustergültige Standardschüler
1. Bildungseinstellungen von Schülern
2. Der Qualitätsschüler
3. Prädikatsabschluss dank Notenschutz
Irrtum VII: Das „wahre” Menschenbild in der Pädagogik
1. Die Frage nach dem Menschenbild
2. Tugenden und Menschenbilder
Literaturverzeichnis
Bildverzeichnisse
Abbildungen
Abbildung 1 - Behavioristisches Modell
Abbildung 2 - Schule, aus: www.Bilderkiste.de
Abbildung 3 - Halbwertszeit des schulischen Wissens
Abbildung 4 - Deduktives Vorgehen
Abbildung 5 - Induktives Vorgehen
Abbildung 6 - Materiale und formale Bildung
Abbildung 7 - Der Nürnberger Trichter
Abbildung 8 - Politische Wunschvorstellung schulischer Bildung.
Abbildung 9 - Realität in unseren Bildungseinrichtungen
Abbildung 10 - Erforderlicher Zeithorizont
Vorbemerkungen zum Buch
In der Diskussion um die „richtige” Bildung hat man sich hierzulande schon längst vom einstigen humanistisch geprägten Bildungsbürger zu einem partei- und verbandspolitisch ausgerichteten Gesinnungsbürger verabschiedet.
Zudem wird mit fragwürdiger Systematik, anstatt die bestehende Schulstruktur effektiv zu nutzen, schon seit Jahren mit unterschiedlich neu konzipierten Schultypen mehr oder weniger erfolglos experimentiert. Hierzu muss man noch nicht einmal die Reformschule der nicht mehr jedem bekannten Sängerin Nena hervorheben, die mit ihrem Kuschelecken- und Freiwilligkeitsprinzip kläglich gescheitert ist.
Mit dem handlungsleitenden Idealbild einer Schule für alle, werden sämtliche erfolgsversprechenden Bemühungen, das differenzierte Schulwesen in Deutschland in Sinne differenzierter Förderung zu optimieren, mit politischen Platituden disqualifiziert und zerredet.
Sogar Kinderkrippen und Kindergärten werden unter das recht oberflächlich und populistisch durchdachte Leitmotto „Bildung von Anfang an” gestellt. Diese Mentalität wird zudem noch durch etliche Publikationen zum Thema gestützt und vorangetrieben.
Heutzutage bekommt man ein pädagogisches Konzept nach dem anderen auf den Markt geworfen. Waren es insbesondere in der Schule Gruppenarbeit, handlungsorientierte und offene Konzepte, so fokussiert man gegenwärtig mit patentierter Sicherheit auf das konstruktivistisch verzierte projektorientierte Arbeiten, das als Garant zur Verwirklichung der bundesweit installierten Bildungsleitlinien in keiner Konzeption fehlen darf. Verschiedene pädagogische und methodische Arbeitsansätze in der sozialpädagogischen Arbeit werden von Erziehern und Pädagogen schon fast fetischistisch verschlungen, nur um als modern und zeitgemäß zu gelten.
Politiker, die sich selbst beweihräuchernd in der Bildungspolitik vermeintlich für kompetent halten, verkünden fulminant mit voller Überzeugung die als modern und statistisch gesichert geltenden pädagogischen Rezepte, welche unverzüglich angewendet, sämtliche Erziehungs- und Bildungsprobleme lösen können – selbstverständlich binnendifferenziert und inklusiv. Der pädagogische und politische Optimismus hierzu ist allgegenwärtig.
Die „hilfesuchenden” Pädagogen und pädagogischen Fachkräfte in den Erziehungs- und Bildungseinrichtungen greifen unvermittelt nach den die Erfüllung und Erfolg suggerierenden Konzepten.
Doch kommt es bekanntlich manchmal anders, als man denkt.
Schüler, die trotz umfangreicher pädagogischer Bemühungen doch nicht lernen wollen, stechen dessen ungeachtet aus der Masse heraus.
Die pädagogischen und politischen Patentrezepte sind dann wohl offensichtlich doch nicht so angekommen, wie erhofft. Von den stets wachsenden Verhaltensauffälligkeiten, den Erziehungsschwierigkeiten und der als stetig steigend empfundenen Jugendkriminalität einmal ganz abgesehen. Die „Null-Bock-Haltung” soll mit „spielerischem Lernen” abgefedert, die Verhaltensprobleme und das elterliche Unvermögen an andere Erziehungsinstitutionen abgegeben werden. Mit platten Sprüchen wie „die Gesellschaft ist an allem schuld” (‘68er-Generation lässt grüßen) und „die Erziehung ist Aufgabe der Eltern” manövriert man sich geschickt aus der pädagogischen Situation.
Die federführende Leitmaxime heißt kurz und knapp: Eloquenz statt Kompetenz. Gemäß der sozialpädagogischen Devise: Lasst uns erst einmal darüber reden! Und dabei wäre es mehr als notwendig, auf die offenkundig und erkennbar ausgeprägten Probleme zu reagieren.
Doch wie sieht die Reaktion aus?
Der Mensch wird sich selbst überlassen. Schließlich trägt der heranwachsende Mensch alles für eine gelungene Entwicklung seiner Person in sich selbst. Der Pädagoge braucht diese genetisch mitgegebenen und umfassend vorhandenen Fähigkeiten und Fertigkeiten nur durch geeignete Umweltbedingungen spielerisch anzuregen.
Der Mensch als Akteur seiner selbst, der sich mit bereits mitgebrachten wünschenswerten und erforderlichen Kompetenzen zum mündigen und gebildeten Menschen weiterentwickeln kann, ist zudem ein interessanter Ansatz im Hinblick auf die Herausforderungen und das Menschenbild unserer Zeit.
Doch wird die Realität damit auch realistisch wahrgenommen? Bei näherem Hinsehen erübrigt sich eine Antwort.
Nicht nur das vergleichsweise schwache Abschneiden bei den vielbeschworenen, aber auch umstrittenen PISA-Tests, sondern darüber hinaus die permanenten Klagen der Ausbildungsbetriebe in Handwerk und Industrie, wonach der Großteil der Schulabgänger weder ausbildungsfähig noch ausbildungswillig sein soll, schreien förmlich nach „neuen” Erziehungs- und Schulkonzepten.
Womöglich auch deshalb, weil das stets quotiert eingeforderte Abitur als Indikator für einen studierfähigen Bildungsbürger nicht mehr die erforderliche Qualität aufweist. Ein Quotenabitur ist also auch nicht das Maß aller Dinge. Und natürlich sind in erster Linie die soziale Herkunft und das Schulsystem an allem schuld, dem man im Laufe der Jahre die Berechtigung der Auswahl und Zuweisung stillschweigend zugunsten ausschließlicher Qualifikationsbemühungen bildungspolitisch entzogen hat. Doch zwischen allen Konzepten steht der Mensch mit seinen Eigenarten und Eigenwilligkeiten.
Die Pädagogik hat schon seit jeher einen Spagat zwischen den mit Eigenwillen ausgestatteten zu erziehenden Menschen und den verschiedenartigen Einflüssen politischer und pädagogischer Provenienz leisten müssen. Eines konnte jedoch nicht aufgelöst werden:
Das pädagogische Verhältnis zwischen dem heranwachsenden Menschen und dem ihn zur Seite gestellten Erzieher. Dieses Verhältnis ist geprägt und bestimmt von dem jeweiligen Menschenbild des Pädagogen.
Allein diese Aussage stellt an sich schon eine Herausforderung permanenter Reflexion über das eigene Sein und Verhalten dar. Wenn es dann noch eine komplexe Erziehungssituation zu erfassen und zu bewältigen gibt, sind jedoch die Grenzen mancher pädagogischer Akteure und nicht zuletzt der heutigen Eltern schnell erreicht.
Deshalb ist es schlicht ein Irrtum, anzunehmen, dass pädagogische Konzepte, Institutionsformen und idealtypisch unterstellte und installierte pädagogische Menschenbilder die diagnostizierten Probleme und Herausforderungen unserer Zeit lösen können. Zumal, wenn häufig das hierfür zu formulierende Ziel in einer offenen und sich plural verstehenden Gesellschaft an sich überhaupt nicht mehr praktikabel und abschließend erreichbar ausformuliert werden kann. Schön, wenn es dem einen oder anderen Pädagogen hierzu vielleicht etwas „dämmert” - oder war da noch ein „Ja, aber…” zu hören?
Das Buch richtet sich demnach an all jene, die sich in unterschiedlichen Feldern der Bildungs- und Sozialarbeit ausbilden lassen bzw. darin tätig sind.
Insbesondere soll das Buch provozierende Impulse für eine kritische Auseinandersetzungen im Unterricht an Fachschulen, Berufs- und Fachakademien liefern.
Ferner eignet sich das Buch für Seminarveranstaltungen an Hochschulen, um einen diskursiven Gedankenaustausch zum Thema „Bildungspolitik” und „pädagogische Profession” führen zu können.
Aber auch der interessierte „pädagogische Laie” kann das Buch einfach als pädagogisches Lesebuch verwenden, da einschlägige und erforderliche Fachbegriffe kurz erklärt werden
Abschließend sei noch angemerkt: Die im Buch verwendete Bezeichnung „Erzieher” wird als Sammelbezeichnung für die im außerschulischen Bereich tätigen „staatlich anerkannten Erzieherinnen und Erzieher” und für die auf hochschulebene ausgebildeten „sozialpädagogischen Fachkräfte” verwendet. Die Bezeichnung „Pädagoge” steht vorwiegend für akademisch ausgebildete, in schulischen Bildungsbereichen tätige Lehrkräfte.
Sieben – eine magische Zahl?
„Der Titel kommt mir doch irgendwie bekannt vor”, wird sich so mancher fragen, der eben mal kurz das Buch in die Hände genommen hat. Tatsächlich ist der Titel „Pädagogendämmerung” eine „leichte” Abwandlung der von Richard Wagner 1876 uraufgeführten Oper „Götterdämmerung”, eine Inszenierung auf der Grundlage der Nibelungensage.
Man könnte hier auch sagen, die Mischung macht’s. Anmutig beschriebene Mystik, gepaart mit heroischem Mut, für seine Werte und vor allem für die Liebe einzustehen, hat Menschen schon seit jeher gefesselt. Wie enttäuschend ist doch dann das Ende und das nüchterne Erwachen, wenn man sich danach in der nicht annähernd so gestrickten Realität wiederfindet. So manchem Pädagogen dämmert es im Laufe seiner Berufsjahre, dass sich die pädagogische Realität doch etwas anders präsentiert, als er sich nach dem Eintauchen in seine idealistische Vorstellung einer „besseren Welt” vorgestellt hat. Aber Irren ist ja bekanntlich menschlich. Ob es denn nun genau „sieben Irrtümer” sein müssen, darf jeder selbst entscheiden. Literaturgeschichtlich ist jedenfalls davon auszugehen, dass einiges für die „sieben Irrtümer” spricht.
Es war deshalb sicher nicht unbeabsichtigt, dass Aristoteles die mündliche Überlieferung von einem der „sieben Weisen” der griechischen Philosophie, Thales von Milet (ca. 625-545 v. Chr.) zu Papier brachte. Hatte er doch für das Jahr 585 eine Sonnenfinsternis vorausberechnet. Nicht nur seine Erkenntnisse um die rechte Anschauung wurden für John Locke (1632-1704) als Inspiration für seine Erkenntnistheorie verwendet. Mit der Entdeckung der „seven phenomena” stellte er fest, dass sich der Mensch aus einer größeren Anzahl kurz präsentierter Gegenstände sieben davon zu fast 100 % merken kann.
Zum Glück hatte John Locke den „Siebenjährigen Krieg” nicht mehr mitbekommen müssen, welcher auch als Begriff in die Geschichte eingegangen ist.
Die Woche hat sieben Tage, welche auch durch den siebenarmigen Leuchter, die Menora der Juden, symbolisiert wird.
In der christlichen Religion gibt es tatsächlich auch noch sieben Tugenden, angeführt von Glaube, Liebe, Hoffnung, gefolgt von Klugheit, Tapferkeit, Gerechtigkeit und Mäßigung. Der Nostradamus-Effekt mit seinen prophetisch verklausulierten sieben Siegeln soll hier aber außen vorgelassen werden.
Aber auch das typische verflixte siebte Jahr, das manche Ehen und Partnerschaften zur Verzweiflung führt oder besonders fest zusammenschweißt, kann in einem Atemzug angefügt werden.
Apropos Verzweiflung: Wer hat sich noch nicht mit den sieben Perioden des aus der Chemie bekannten Periodensystems auseinandergesetzt? Registriert man dann noch die sieben verschiedenen Arten von Dreiecken und die sieben Hauptebenen der taxonomischen Klassifikation in der Biologie, wird man sich sinnierend in seinen Sessel zurückfallen lassen und sieben Mal bewusst ein- und ausatmen.
Nicht zu vergessen die sieben Weltwunder der Antike, die auch heute noch Menschen fesselnd, in den Bann ziehen können. Man weiß zwar nicht mehr so genau, wie viele es denn nun tatsächlich gewesen sein mögen, jedoch werden eindrücklich Schlussfolgerungen von dem einzig noch erhaltenen Weltwunder, der Cheops-Pyramide, zu den anderen überlieferten Weltwundern gezogen.
Sogar in manchen Asterix-Folgen wurden die Hängenden Gärten der Semiramis, die Zeus-Statue in Olympia, der Tempel der Artemis, das Grabmal des Mausolos, der Koloss von Rhodos oder der Leuchtturm von Alexandria erwähnt, sodass der interessierte Leser bzw. Zuschauer zumindest Kenntnis davon bekommen hat.
Wem das zu altertümlich ist, kann sich ja mit den sieben Weltwundern der Moderne beschäftigen und beispielweise zur Christus Statue nach Rio oder nach China zur Chinesischen Mauer fliegen.
Selbst bei Märchen spielt die Zahl Sieben eine nicht unbedeutende Rolle. So beispielsweise bei „Der Wolf und die sieben Geißlein”, „Sieben auf einen Streich” oder auch das von bekannten Komikern aufgegriffene Märchen „Schneewittchen und die sieben Zwerge” (hinter den sieben Bergen wohlgemerkt)!
Und dann gibt es tatsächlich noch die sieben Todsünden, welche nicht nur ein Vokabular der Kirche darstellen: die sieben Todsünden des Managements, die sieben Todsünden der Kommunikation, die sieben Irrtümer (Todsünden) der Männer oder auch die sieben Todsünden der EU, welche es unter dem Maßstab parteipolitischer Betrachtung auszumerzen gilt!
Die Zahl Sieben hat es jedenfalls nicht wenigen Menschen irgendwie angetan.
So gesehen ist der Titel „Sieben Irrtümer in der Pädagogik” nicht ganz ohne Hintergedanken formuliert worden. Auch der Pädagogik kommt hin und wieder der Touch des Magischen zu, betrachtet man am Ende eines langen Erziehungsprozesses schließlich ein Ergebnis, welches sich zweifelsohne nicht immer mit einer Punktlandung an den ursprünglichen Erwartungen ausrichtet. Wenn sich dann noch parteipolitisch durchflutete Bildungspolitik hinzu mischt, dürfte der pädagogische Cocktail am Ende einer langen Prozedur nicht weniger überraschend schmecken.
Dem empfänglichen Leser dürfte jedenfalls nicht nur der hoffentlich informative und unterhaltsame Teil des Buches auffallen, sondern auch der Tenor, welcher zwischen den Zeilen zu finden sein wird. Vielleicht bietet es der einen oder anderen pädagogischen Auseinandersetzung ausreichend Stoff für einen diskursiven Gedankenaustausch.
