Parker geht auf Schnitzeljagd - Günter Dönges - E-Book

Parker geht auf Schnitzeljagd E-Book

Günter Dönges

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Beschreibung

Butler Parker ist ein Detektiv mit Witz, Charme und Stil. Er wird von Verbrechern gerne unterschätzt und das hat meist unangenehme Folgen. Der Regenschirm ist sein Markenzeichen, mit dem auch seine Gegner öfters mal Bekanntschaft machen. Diese Krimis haben eine besondere Art ihre Leser zu unterhalten. Butler Parker ist seinen Gegnern, den übelsten Ganoven, auch geistig meilenweit überlegen. In seiner auffallend unscheinbaren Tarnung löst er jeden Fall. Bravourös, brillant, effektiv – spannendere und zugleich humorvollere Krimis gibt es nicht! Josuah Parker verzog keine Miene, als man ihn fotografierte. Er saß am Steuer seines hochbeinigen Monstrums und wartete auf den Wechsel der Ampelfarben. Er befand sich in der Innenstadt und war auf dem Rückweg nach Shepherd's Market. Der Butler hatte Einkäufe getätigt und ignorierte den etwa vierzigjährigen Mann, der vom Rücksitz eines Taxis in schneller Folge ein Bild nach dem anderen schoß. Der Fotograf fühlte sich wohl unbeobachtet und wollte sicher die einmalige Gelegenheit nutzen, einen authentischen englischen Butler auf den Film zu bannen. Dazu hatte er kein schlechtes Modell gewählt. Parker war in der Tat das Urbild eines solchen Dieners. Das Licht der Ampel hatte gewechselt. Parker ließ seinen Wagen anrollen und passierte das Taxi. Den aufdringlichen Fotografen, der wohl Ausländer war, hatte er bereits vergessen. Parker näherte sich seinem Ziel. Das breite Tor in der Mauer aus Backsteinquadern kam bereits in Sicht. Er bremste und querte den Verkehrsstrom. Als er durch das geöffnete Eisengitter-Tor fuhr, wurde er jäh wieder an den Vorfall auf der Straße erinnert... Am rechten Torpfosten stand ein schlanker Mann, der karierte Hosen und einen Parka trug. Der etwa Dreißigjährige hielt eine Filmkamera in Händen und fotografierte den passierenden Wagen. Dabei richtete er das Objektiv ganz eindeutig auf ihn. Als Parker in seiner bekannt höflichen Art die schwarze Melone grüßend lüftete, wandte der junge Mann sich hastig ab und ging mit schnellen Schritten zu dem am Straßenrand parkenden Wagen zurück. Josuah Parker wunderte sich ein wenig. Sein Aussehen war hier in London nicht gerade eine Sensation.

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Seitenzahl: 124

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Butler Parker – 224 –Parker geht auf Schnitzeljagd

Günter Dönges

Josuah Parker verzog keine Miene, als man ihn fotografierte. Er saß am Steuer seines hochbeinigen Monstrums und wartete auf den Wechsel der Ampelfarben. Er befand sich in der Innenstadt und war auf dem Rückweg nach Shepherd’s Market.

Der Butler hatte Einkäufe getätigt und ignorierte den etwa vierzigjährigen Mann, der vom Rücksitz eines Taxis in schneller Folge ein Bild nach dem anderen schoß. Der Fotograf fühlte sich wohl unbeobachtet und wollte sicher die einmalige Gelegenheit nutzen, einen authentischen englischen Butler auf den Film zu bannen.

Dazu hatte er kein schlechtes Modell gewählt. Parker war in der Tat das Urbild eines solchen Dieners.

Das Licht der Ampel hatte gewechselt. Parker ließ seinen Wagen anrollen und passierte das Taxi. Den aufdringlichen Fotografen, der wohl Ausländer war, hatte er bereits vergessen. Parker näherte sich seinem Ziel. Das breite Tor in der Mauer aus Backsteinquadern kam bereits in Sicht. Er bremste und querte den Verkehrsstrom. Als er durch das geöffnete Eisengitter-Tor fuhr, wurde er jäh wieder an den Vorfall auf der Straße erinnert...

Am rechten Torpfosten stand ein schlanker Mann, der karierte Hosen und einen Parka trug. Der etwa Dreißigjährige hielt eine Filmkamera in Händen und fotografierte den passierenden Wagen. Dabei richtete er das Objektiv ganz eindeutig auf ihn. Als Parker in seiner bekannt höflichen Art die schwarze Melone grüßend lüftete, wandte der junge Mann sich hastig ab und ging mit schnellen Schritten zu dem am Straßenrand parkenden Wagen zurück.

Josuah Parker wunderte sich ein wenig.

Sein Aussehen war hier in London nicht gerade eine Sensation. In der City waren Dutzende von Männern zu sehen, die schwarze Zweireiher, Bowler und Regenschirme trugen. Sie gehörten zum selbstverständlichen Bild der Millionenstadt. Warum man ausgerechnet jetzt ihn so kurz hintereinander auf einen Filmstreifen bannte, konnte er sich nicht erklären.

Das Haus der Lady Simpson beherrschte den Platz hinter der Mauer. Links und rechts davon waren ebenfalls alte Fachwerkbauten zu sehen, die diesem Platz ein geschlossenes Aussehen verliehen. Inmitten der hektischen Großstadt war das hier eine Oase der Ruhe und des Friedens, wenigstens auf den ersten Blick. Das alles war Privateigentum der älteren, immens vermögenden Dame.

Der Butler ließ seinen Wagen vor dem säulengetragenen Vorbau des Hauses stehen, betrat das Innere und begab sich sofort in den hinteren Wirtschaftsteil des Hauses. Er hatte die große Wohnhalle noch nicht ganz durchquert, als er Myladys bemerkenswerte Stimme hörte.

Die Hausherrin, die den sechzigsten Geburtstag schon seit einigen Jahren feierte, stand oben auf der Galerie. Ihre baritonal gefärbte Stimme erfüllte die Halle.

»Man hat sich nach Ihnen erkundigt, Mister Parker«, rief sie nach unten. »Man fragte nach Ihrem Vornamen.

»Darf man in Erfahrung bringen, Mylady, wer der Anrufer war?« gab der Butler zurück.

»Dieser Lümmel am Telefon legte auf, als ich ihn nach seinem Namen fragte«, antwortete Agatha Simpson, deren majestätische Fülle an die einer bereits leicht betagten Bühnen-Heroine erinnerte.

»Die Manieren mancher Menschen sind ausgesprochen beklagenswert, Mylady«, meinte Parker.

»Unsinn, Mister Parker«, dröhnte Myladys Stimme nach unten. »Hier haben wir es nicht mit schlechten Manieren zu tun, sondern mit einem Lümmel, der seinen Namen aus guten Gründen nicht nennen will.«

»Mylady sind bereits zu gewissen Schlüsseln gekommen?« fragte Josuah Parker.

»Selbstverständlich«, lautete ihre Antwort. »Irgendwer ist hinter Ihnen her. Aber Sie brauchen sich nicht zu sorgen. Ich werde schon auf Sie aufpassen.«

Der Butler hielt diese Ankündigung für besonders gefährlich. Er kannte das ungezügelte Temperament seiner Herrin, die stets für Ordnung sorgen wollte und das reine Chaos schuf.

*

Josuah Parker befand sich in der großen Küche des Hauses, die im Souterrain untergebracht war. Er hatte das Telefon nach unten durchgestellt, damit Lady Agatha nicht erneut gestört werden konnte.

Der Butler war damit beschäftigt, Lamm-Koteletts im Teigmantel vorzubereiten. Dazu wollte er frische grüne Bohnen und eine Kräutersauce reichen. Die ältere Dame aß für ihr Leben gern, wenngleich sie sich auch einbildete, strenge Diät zu halten.

Als das Telefon läutete, nahm Parker sich Zeit, reinigte seine Hände und hob ab.

»Bei Lady Simpson«, meldete er sich.

»Eine Frage«, hörte er eine Stimme mit amerikanischem Akzent. »Haben Sie mal vor Jahren in den Staaten gearbeitet?«

»Ihr Interesse schmeichelt meiner bescheidenen Wenigkeit«, erwiderte Josuah Parker. »Mit wem hat man die Ehre?«

»Mein Name tut nichts zur Sache«, erwiderte der Mann am anderen Ende der Leitung. »Sie waren damals doch mit einem gewissen Anwalt Mike Rander zusammen, oder?«

»Fragen zu meiner Person sollten Sie korrekterweise schriftlich einreichen«, schlug der Butler gemessen vor. »Dabei sollten Sie nicht vergessen, Ihren Namen beizufügen.«

»Klar doch, Sie sind der Parker, den ich meine«, hörte der Butler. »So komisch wie Sie haben Sie sich damals in den Staaten auch schon ausgedrückt.«

»Man erlaubt sich, Ihnen einen noch mehr oder weniger schönen Abend zu wünschen.« Parker legte auf und kehrte an den Arbeitstisch zurück. Natürlich machte er sich Gedanken über den Anruf. Wer mochte sich für seine Zeit drüben in den USA interessieren? Und warum hatte der Anrufer darauf verzichtet, seinen Namen zu nennen?

Das Telefon läutete erneut.

Parker hob wieder ab, nannte diesmal aber seinen Namen.

»Hier Rander«, hörte er auf der anderen Seite der Leitung. »Komische Sache, die da eben passierte, Parker.«

»Darf man davon ausgehen, Sir, daß man Sie anrief und sich nach meiner Wenigkeit erkundigte?« fragte Parker aus einer plötzlichen Eingebung heraus.

»Genau das, Parker«, entgegnete der Anwalt. »Irgendein Bursche, der seinen Namen nicht nannte, fragte nach Ihrem Vornamen und wollte wissen, ob Sie nicht seinerzeit zusammen mit mir in den Staaten gewesen seien.«

»Eine ungewöhnliche Frage, Sir, wenn man so sagen darf.«

»Woher haben Sie von diesem Anruf gewußt?«

»Meine Wenigkeit nahm einen ähnlich gelagerten Anruf vor wenigen Augenblicken entgegen, Sir.«

»Sehr eigenartig, Parker. Klar, daß ich diesem Kerl keine Auskunft gegeben habe, aber immerhin. Was soll das?«

»Diese Frage, Sir, stellte sich bereits Mylady, die ebenfalls angerufen wurde.«

»Mysteriös, Parker. Was könnte das bedeuten?«

»Man wird sicher bald mehr wissen, Sir.«

»Hier bahnt sich doch was an«, unkte der Anwalt, der von seiner Praxis in der nahen Curzon Street anrief. Parker hörte im Hintergrund das diskrete Läuten der Kaminuhr, das er sofort erkannte.

»Möglicherweise handelt es sich um eine Massierung von Zufällen, Sir.

»Hoffentlich«, antwortet Mike Rander. »Wir sollten gleich während des Dinners mal ausführlich darüber reden.«

»Unter Umständen ergibt sich bis dahin ein zusätzlicher Tatbestand, Sir«, meinte Josuah Parker höflich. Er wechselte noch einige Worte mit dem Anwalt, legte auf und widmete sich wieder den Lamm-Koteletts und dem Blätterteig, der die Fleischstücke umhüllen sollte. Es war nur zu verständlich, daß er dabei an seine Zeit in den Staaten dachte.

Zusammen mit Anwalt Mike Rander hatte er dort eine Reihe von Abenteuern erlebt, die bemerkenswert waren. Er hatte sich mit kleinen und großen Gaunern herumgeschlagen, mit Gangstern und Killern und mit den Spezialisten der Mafia. Damals war Parker noch der Butler des Anwalts gewesen, bis er dann zu Lady Simpson wechselte.

Inzwischen war Mike Rander auf die Insel zurückgekommen und verwaltet zusammen mit Kathy Porter das Vermögen der älteren Dame. Das Verhältnis zwischen den beiden Männern war nach wie vor ausgezeichnet. Man mochte sich schlicht und einfach und respektierte sich.

Das Telefon klingelte wieder. Diesmal dachte der Butler sofort an den Anrufer, als er seinen Namen nannte.

»Hier is’ Butch Friday«, meldete sich eine rauhe Stimme. »Hören Sie, Mister Parker, hier war vor ’n paar Minuten ’ne komische Type und fragte nach Ihnen. Er wollte ’ne Menge über Sie wissen.«

»Meine Wenigkeit fürchtet, Mister Friday, daß Sie sich nicht ausgesprochen vornehm verhalten haben«, meinte der Butler.

»Darauf können Sie einen trinken, Mister Parker«, lautete die Antwort. »Ich hab’ die Type rausgeworfen. Kann schon sein, daß dem jetzt ’n Schneidezahn fehlt. Hören Sie, hab’ ich was falsch gemacht?«

»Wenn, dann nur in Grenzen, Mister Friday«, gab der Butler zurück. »Es wäre vielleicht ein wenig klüger gewesen, wenn Sie die Person festgehalten hätten.«

»Das stimmt allerdings, Mister Parker.« Auf der Gegenseite wurde gelacht. »Aber ich bin ja kein Anfänger. Ich hab’ da ’nen Spürhund auf seine Fährte gesetzt. Was sagen Sie jetzt?«

»Sie rechtfertigen damit grundsätzlich das in Sie gesetzte Vertrauen, Mister Friday«, entgegnete der Butler. »Hoffentlich übersieht der Fragesteller seinen Verfolger.«

*

Nachdem Lady Agatha einige Fruchttörtchen verspeist hatte, die ausgiebig mit Sahne versehen waren, blickte sie munter und unternehmungslustig in die Runde.

»Mylady waren mit dem Dinner andeutungsweise zufrieden?« fragte der Butler, der vorgelegt hatte.

»Nun ja, ich bin schließlich ein genügsamer Mensch«, behauptete die ältere Dame von sich, während Kathy Porter und Mike Rander amüsierte Blicke tauschten, »aber jetzt brauche ich ein wenig Bewegung, Mister Parker.«

»Mylady haben bereits bestimmte Vorstellungen?« Josuah Parker servierte den abschließenden Mokka.

»Machen Sie mir ein paar hübsche Vorschläge«, ermunterte die Hausherrin ihren Butler. »Wer ist dieser Mister Sunday, von dem Sie eben gesprochen haben?«

»Mister Butch Friday, Mylady«, korrigierte Parker höflich. »Er betreibt einen Pub im Osten der Stadt.«

»Und bei ihm hat man sich ebenfalls nach Ihnen erkundigt«, redete Agatha Simpson weiter. »Ich sagte Ihnen doch gleich, daß sich da ein neuer Kriminalfall ankündigt.«

»Man sollte die Dinge vielleicht nicht dramatisieren, Mylady.«

»Unsinn, es geht um Ihr Leben. Und um meines natürlich ebenfalls. Im Grund meint man mich, Mister Parker, das müßten Sie längst begriffen haben. Man will mich wieder mal umbringen.«

»Eine Absicht, Mylady, die es zu vereiteln gilt.«

»Butch Friday hat den Fragesteller verfolgen lassen, Mister Parker«, schickte Kathy Porter voraus, »und dieser Mann muß gewußt haben, daß Friday Sie recht gut kennt.«

»Eine Schlußfolgerung, Miß Porter, die sich förmlich aufdrängt«, antwortete Parker. Er nickte Kathy Porter andeutungsweise zu. Sie war etwa dreißig, eine bemerkenswerte junge Dame, groß, schlank und attraktiv. Sie hatte kastanienbraunes Haar mit einem Rotstich und ein exotisch geschnittenes Gesicht, wozu ihre ein wenig mandelförmig geschnittenen Augen noch beitrugen.

Kathy Porter war die Gesellschafterin und Sekretärin der älteren Dame und wurde von ihr wie eine Tochter behandelt. Kathy arbeitete längst fast ausschließlich nur noch für Mike Rander. Und Lady Agatha tat alles, um die beiden jungen Menschen miteinander zu verheiraten. Sie genierte sich nicht, dabei mehr als deutlich zu werden.

Mike Rander erinnerte, was sein Aussehen betraf, an einen bekannten James Bond-Darsteller, war um die Vierzig und zeichnete sich durch Lässigkeit aus. Sein stets gepflegtes Aussehen täuschte darüber hinweg, daß er sich in eine Kampfmaschine verwandeln konnte, wenn die Lage es erforderte.

»Nun, Mister Parker, wissen Sie inzwischen, was ich vorhabe?« fragte Agatha Simpson, als sie ihren Mokka getrunken hatte. Sie stand auf und war ein Energiebündel.

»Mylady planen, Mister Friday einen Besuch abzustatten«, gab Josuah Parker zurück.

»Sehr richtig«, meinte sie und nickte wohlwollend. »Ich denke, ich werde für etwas Unruhe sorgen, Mister Parker. Man soll sich nicht einbilden, daß man eine Lady Simpson mit rätselhaften Telefonanrufen belästigen darf.«

*

Schon nach wenigen Augenblicken wußte Parker, daß man seinem Wagen folgte. Er saß am Steuer des hochbeinigen Monstrums, wie das ehemalige Taxi von Eingeweihten spöttisch anerkennend genannt wurde.

Dieser hochbeinige, eckige Wagen sah betagt aus und schien sich nach einem Verkehrsmuseum zu sehnen. Tatsächlich aber war der Wagen nichts anderes als eine Trickkiste auf Rädern. Er war nach den eigenwilligen und sogar skurrilen Vorstellungen des Butlers technisch völlig neu gestaltet worden.

Am Heck dieses Wagens klebte mit auffälliger Hartnäckigkeit ein Austin, an dessen Steuer ein älterer Mann saß. Mit Sicherheit war er kein versierter Verfolger.

Parker, der mit ihm ein wenig Katz und Maus spielte, fand schnell heraus, daß der Fahrer immer wieder Schwierigkeiten hatte, ihm zu folgen. Dabei wäre es in einem Fall fast zu einer Kollision mit einem entgegenkommenden Fahrzeug gekommen.

»Ich werde hoffentlich verfolgt, Mister Parker?« stellte Lady Agatha ihre Standardfrage.

»Mit letzter Sicherheit, Mylady«, gab der Butler zurück. »Deutlicher könnte eine Beschattung nicht ausfallen.«

»Und was schließe ich daraus, Mister Parker?«

»Man legte es augenscheinlich darauf an, daß Mylady sich ausschließlich um den Austin kümmern soll.«

»Aha.« Sie räusperte sich explosionsartig. »Man will mich also ablenken, Mister Parker?«

»So kann man es natürlich auch ausdrücken, Mylady.«

»Finden Sie heraus, wer mich tatsächlich verfolgt«, verlangte sie umgehend. »Aber sorgen Sie dafür, daß der Austin dabei Schaden nimmt. Genieren Sie sich nicht!«

Parker kannte die verbale Aggressivität seiner Herrin und verzichtete auf jeden Kommentar. Er lockte den Verfolger allerdings nach dem Passieren der City in einen Stadtteil, der vom Durchgangsverkehr ausgespart wurde.

Der ältere Mann am Steuer mühte sich redlich ab, ihn weiter zu verfolgen. Parker lotste ihn in die Nähe einiger Betriebe und wählte schließlich die Zufahrtsstraße zu einem Heizwerk. Hier bremste er plötzlich und wartete auf die Reaktion des Verfolgers.

Der ältere Mahn hielt ebenfalls und öffnete unverzüglich die Fahrertür. Er schob sich etwas steifbeinig aus dem Wagen und winkte dem Butler, der die Wagentür öffnete. Dann langte er in seine Brusttasche und ... zog einen Brief hervor, den er hochhielt.

»Was soll denn das?« wunderte sich Agatha Simpson. Ihre Stimme klang verärgert. »Passen Sie auf, Mister Parker, das ist eine Falle! Er wird gleich eine Schußwaffe ziehen.«

Josuah Parker stieg ebenfalls aus und nahm dabei seinen Universal-Regenschirm mit. Er hob leicht die Spitze und war bereit, sofort einen Pfeil abzuschießen. Sein Gefühl sagte ihm jedoch, daß solche Vorsicht nicht angebracht war. Der ältere Mann machte einen naiv-harmlosen Eindruck.

»Ich habe einen Brief für Sie«, rief ihm der Fahrer des Austin zu. »Ich dachte schon die ganze Zeit über, Sie hätten mich abgehängt.«

Parker hielt Ausschau nach einem zweiten Wagen, der sich vielleicht näherte, doch weit und breit war nichts zu sehen. Es gab nur einen Fahrradfahrer, der plötzlich aus einer Seitenstraße kam, aber mit diesem Treffen unmöglich etwas zu tun hatte.

»Und von wem stammt dieser Brief, wenn man fragen darf?« erkundigte sich Parker, als der Mann ihn erreichte.

»Von einem Passanten, Sir«, lautete die Antwort. »Ich habe fünfzig Pfund bekommen. Ich soll Ihnen diesen Brief hier geben.«

»Sie dürften ein äußerst zuverlässiger Mitbürger sein«, stellte der Butler fest. »Wann wurde Ihnen das Schreiben ausgehändigt?«

»Als Sie losfuhren«, erwiderte der Mann eifrig. »Ich weiß auch nicht, warum der Mann Ihnen den Brief nicht selbst übergab. Aber wer fragt schon bei fünfzig Pfund, das ist schließlich ’ne Menge Geld.«

Parker nahm den Brief entgegen, der seine Anschrift trug.

»Brauchen Sie mich noch?« erkundigte sich der Mann. »Es ist doch alles in Ordnung, oder?«

»Seien Sie meines tiefen Dankes versichert«, erwiderte Parker und wartete, bis der Mann wieder im Austin saß, den Wagen gedreht hatte und davonfuhr. Erst jetzt öffnete er vorsichtig den oberflächlich zugeklebten Umschlag und zog einen Bogen Papier hervor.

Er war unbeschrieben ...

*

Butch Friday war groß, muskulös und zählte schätzungsweise fünfzig Jahre. Sein Pub wurde von handfesten Schauerleuten frequentiert, die in den nahen Docks arbeiteten. In dem Lokal ging es laut und ungeniert zu.

Als Mylady und Butler Parker die Kneipe betraten, entstand sofort eine bedeutungsvolle Stille. Man drehte sich zu den beiden Neuankömmlingen um und staunte nur. Parker lüftete höflich die schwarze Melone, Agatha Simpson verschenkte ein leutseliges Lächeln.