Parker entsorgt die Müllabfuhr - Günter Dönges - E-Book

Parker entsorgt die Müllabfuhr E-Book

Günter Dönges

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Beschreibung

Butler Parker ist ein Detektiv mit Witz, Charme und Stil. Er wird von Verbrechern gerne unterschätzt und das hat meist unangenehme Folgen. Der Regenschirm ist sein Markenzeichen, mit dem auch seine Gegner öfters mal Bekanntschaft machen. Diese Krimis haben eine besondere Art ihre Leser zu unterhalten. Butler Parker ist seinen Gegnern, den übelsten Ganoven, auch geistig meilenweit überlegen. In seiner auffallend unscheinbaren Tarnung löst er jeden Fall. Bravourös, brillant, effektiv – spannendere und zugleich humorvollere Krimis gibt es nicht! »Mylady sind zufrieden?« erkundigte sich Josuah Parker bei seiner Herrin. Man befand sich in einem bekannten Restaurant, das erst kürzlich umgebaut worden war. Die Inhaber hatten sich zur Feier der Neueröffnung erlaubt, einige ausgesuchte Stammgäste einzuladen. Lady Agatha hatte gegrillte Scampis in Knoblauchsoße zu sich genommen und erwartete das Hauptgericht, eine Languste, die sich noch vor wenigen Stunden ihres Lebens erfreut hatte und damit durchaus das häufig mißbrauchte Prädikat "frisch" verdiente. »Nun, die Scampis waren nicht schlecht, Mister Parker.« Der Butler war über dieses Lob beglückt, wenn er es auch nicht zeigte. Er kannte nämlich die Chefs persönlich. »Ihre Languste, Mylady«, sagte in diesem Augenblick Luigi Mancano, einer der beiden Inhaber, der es sich nicht nehmen ließ, Lady Agatha selbst zu bedienen. Die ältere Dame musterte wohlgefällig die Platten und Behälter, die der rundliche Mann auf den Tisch stellte. Mancano legte geschickt vor und wünschte guten Appetit, doch Parkers innere Alarmanlage meldete sich. Der Butler rechnete mit gewissen Überraschungen und sah unbewegt zur Tür. Plötzlich flog sie mit einem Krachen auf. Ein großer, grauer Behälter auf quietschenden Rädern schob sich in das Vestibül Blumenkübel kippten um und verteilten ihren Inhalt auf dem Teppich. Ein in vergoldetem Rahmen steckendes Gemälde fiel von der Wand und wurde von den Rädern des Ungetüms überrollt. Der Müllcontainer verhielt einen Moment vor der gläsernen Zwischentür, die den Vorraum vom Lokal trennte, dann setzte er sich wieder in Bewegung, zersplitterte die Tür, rumpelte in das Restaurant und stieß links und rechts die Tische an. Speisebehälter und Gläser kippten um und ergossen ihren Inhalt über kostbare Damastdecken. Die Gäste sahen erschrocken auf und starrten ungläubig auf das bedrohlich wirkende Gefährt. Das Orchester spielte noch einige Takte und brach dann mit einer Dissonanz ab.

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Seitenzahl: 111

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Butler Parker – 285 –Parker entsorgt die Müllabfuhr

Unveröffentlichter Roman

Günter Dönges

»Mylady sind zufrieden?« erkundigte sich Josuah Parker bei seiner Herrin.

Man befand sich in einem bekannten Restaurant, das erst kürzlich umgebaut worden war. Die Inhaber hatten sich zur Feier der Neueröffnung erlaubt, einige ausgesuchte Stammgäste einzuladen.

Lady Agatha hatte gegrillte Scampis in Knoblauchsoße zu sich genommen und erwartete das Hauptgericht, eine Languste, die sich noch vor wenigen Stunden ihres Lebens erfreut hatte und damit durchaus das häufig mißbrauchte Prädikat „frisch“ verdiente.

»Nun, die Scampis waren nicht schlecht, Mister Parker.«

Der Butler war über dieses Lob beglückt, wenn er es auch nicht zeigte. Er kannte nämlich die Chefs persönlich.

»Ihre Languste, Mylady«, sagte in diesem Augenblick Luigi Mancano, einer der beiden Inhaber, der es sich nicht nehmen ließ, Lady Agatha selbst zu bedienen. Die ältere Dame musterte wohlgefällig die Platten und Behälter, die der rundliche Mann auf den Tisch stellte.

Mancano legte geschickt vor und wünschte guten Appetit, doch Parkers innere Alarmanlage meldete sich. Der Butler rechnete mit gewissen Überraschungen und sah unbewegt zur Tür.

Plötzlich flog sie mit einem Krachen auf. Ein großer, grauer Behälter auf quietschenden Rädern schob sich in das Vestibül Blumenkübel kippten um und verteilten ihren Inhalt auf dem Teppich. Ein in vergoldetem Rahmen steckendes Gemälde fiel von der Wand und wurde von den Rädern des Ungetüms überrollt.

Der Müllcontainer verhielt einen Moment vor der gläsernen Zwischentür, die den Vorraum vom Lokal trennte, dann setzte er sich wieder in Bewegung, zersplitterte die Tür, rumpelte in das Restaurant und stieß links und rechts die Tische an.

Speisebehälter und Gläser kippten um und ergossen ihren Inhalt über kostbare Damastdecken. Die Gäste sahen erschrocken auf und starrten ungläubig auf das bedrohlich wirkende Gefährt.

Das Orchester spielte noch einige Takte und brach dann mit einer Dissonanz ab.

Kellner, auf dem Weg zu ihren Gästen, verhielten mitten im Schritt und schienen zu der sprichwörtlichen Salzsäule zu erstarren.

Luigi Mancano, der sich gerade mit einem silberhaarigen, distinguiert wirkenden Gentleman unterhielt, hörte mitten im Satz auf und starrte aus hervorquellenden Augen auf den schmutzigen Müllcontainer im Hauptgang seines Schlemmerlokals. Von den Wänden des Behälters tropfte es auf den teuren Teppich und versickerte dort. Der Geruch konnte nur als atemberaubend bezeichnet werden und überlagerte die im Raum herrschenden appetitlichen Düfte.

Zwei Männer in orangefarbenen Overalls standen links und rechts hinter dem Container und grinsten. Ein dritter Mann in normalem Straßenanzug sah sich spöttisch um.

»Mahlzeit!« brüllten die Overallträger und brachen in lautes Gelächter aus.

Agatha Simpson ließ irritiert das Besteck sinken. Der Vorfall störte sie entschieden und beeinträchtigte ihr kulinarisches Vergnügen. Sie wandte sich an ihren Butler.

»Was ist das für ein widerlicher Gestank, Mister Parker?« begehrte sie zu wissen. »Und warum spielt die Musik nicht mehr? Ich fand es eigentlich ganz hübsch.«

Ihre baritonal gefärbte Stimme trug fast bis in den letzten Winkel des Lokals. Einige Gäste begannen nervös zu kichern, als sie die Bemerkung hörten, andere drehten sich verstohlen um und warteten auf die Reaktion der Müllwerker. Man witterte eine Sensation.

»Die Müllabfuhr macht ihre Aufwartung, Mylady«, informierte Josuah Parker seine Herrin, ohne eine Miene zu verziehen. »Allerdings scheinen sich die Herren in der Tür geirrt zu haben.«

Lady Agatha musterte den großen Behälter ungeniert. »Sagte ich schon, daß es hier auf einmal entsetzlich stinkt, Mister Parker?« äußerte sie dann. »Sind diese Leute etwa schuld daran?«

»Davon sollte man ausgehen, Mylady«, gab Parker gemessen zurück. »Wie meine Wenigkeit bemerkt haben dürfte, muß es sich um einen bedauerlichen Irrtum handeln. Die Herren scheinen die Hofeinfahrt verpaßt zu haben.«

Die Overallträger sahen sich an und grinsten erneut. Dann legten sie ihre Hände um die angeschweißten Griffe an den Seiten des Containers und ... kippten diesen einfach um.

Krachend legte er sich auf die Seite. Die als Verschluß dienende Klappe schob sich hoch und gab dem Inhalt Gelegenheit, sich auf den Teppich zu ergießen.

Eine Sturzflut von Unrat prasselte heraus und häufte sich zu einem im wahrsten Sinn des Wortes zum Himmel stinkenden Berg.

»Mister Parker, ist das ein Happening, oder wie nennt man neumodische Künstlerauftritte heutzutage? Ich muß schon sagen, es gefällt mir auf keinen Fall. Beordern Sie den Geschäftsführer herbei, ich möchte ihm meine Meinung sagen.«

»Es dürfte sich keinesfalls und mitnichten um eine künstlerische Darbietung handeln, Mylady«, bedauerte Josuah Parker. »Auch der Geschäftsführer könnte von dieser Demonstration überrascht worden sein.«

»Na schön, und wer sind diese Leute sonst?« wollte sie wissen und sah die Müllwerker und den Mann im grauen Straßenanzug scharf an.

»Die Herren tauchen bewußt zu diesem Zeitpunkt hier auf und produzieren sich in dieser Form«, gab Parker seiner Vermutung Ausdruck. »Man sollte davon ausgehen, daß sie dem kriminellen Milieu zuzuordnen sind.«

Die Müllwerker sahen sich an und wirkten plötzlich sehr ernst. Auch der Mann im grauen Straßenanzug, der bisher einen desinteressierten Eindruck gemacht hatte, wurde munter und starrte den Butler verblüfft an.

Josuah Parker hatte seine Vermutung in ruhigem Ton geäußert. Durch die Stille im Lokal trug seine Stimme jedoch weiter als sonst und erreichte mühelos die Ohren der Müllwerker und des Mannes im Anzug.

»Also Gangster«, stellte die ältere Dame lapidar fest und nickte erfreut. Sie schob ihren Teller zur Seite, griff nach ihrem Pompadour, der neben ihr auf der Bank lag, und kramte darin. Sekunden später hielt sie ihre Lorgnette an die Augen und musterte die Männer hinter dem Müllcontainer. Sie vermittelte dabei den Eindruck einer eifrigen Zoobesucherin, die sich besonders interessante Raubtiere ansieht.

»Nun, genauso sehen die Lümmel auch aus«, stellte sie schließlich fest und ließ die Lorgnette sinken. »Sie können darüber denken, wie Sie wollen, Mister Parker, aber man sieht es den Leuten sofort an, zu welcher Kaste sie gehören.«

»Vor allem, wenn man wie Mylady den typischen Blick dafür hat«, stimmte Josuah Parker höflich zu.

Die Eindringlinge hatten eine Entscheidung getroffen. Sie suchten Augenkontakt und setzten sich nahezu gleichzeitig in Bewegung. Ihr Ziel war eindeutig der Tisch, an dem die ältere Dame saß. Ihre Mienen verhießen nichts Gutes und konnten nur als drohend bezeichnet werden.

Lady Agatha seufzte und griff nach ihrem Weinglas. Sie setzte an und leerte es, dann blickte sie Parker an und deutete auf ihr Glas.

»Ich denke, ich nehme noch eine Karaffe Wein, Mister Parker«, meinte sie. »Und wenn sich die übelriechenden Strolche verzogen haben, könnte ich das Dessert nehmen.«

»Wie Mylady zu wünschen geruhen.« Auch Parker schien die drei Männer ignorieren zu wollen. Er verbeugte sich vor Lady Agatha und machte sich auf den Weg, um die Bestellung aufzugeben. Er kam allerdings nicht weit. Die Müllwerker hatten den Tisch erreicht und blockierten ihn. Sie verschränkten die Arme vor der Brust und sahen dem Butler hämisch grinsend entgegen.

*

»Na, Alterchen, wohin des Weges?« erkundigte sich der Stämmige und entblößte ein Gebiß, das nach der ordnenden Hand eines Zahnarztes schrie.

»Wenn Sie freundlicherweise den Weg freigeben würden, Sir?« bat Josuah Parker höflich.

»Du hast meine Frage nicht beantwortet«, stellte der Mann im orangefarbenen Overall fest. »Das hab’ ich nicht gern, ehrlich gesagt.«

»Sie sind der Meinung, daß meine bescheidene Wenigkeit auskunftpflichtig wäre?« hakte der Butler nach.

»Na klar, und weißt du auch, warum?«

»Sie werden es meiner Wenigkeit sicher umgehend mitteilen«, ahnte Josuah Parker.

»Weil ich der Stärkere bin, kapiert?« Der Stämmige streckte die Hand aus und tippte Parker auf die gestreifte Weste.

»Wie Sie zu meinen geruhen, Sir«, zeigte sich Parker unerschütterlich. »Wenn Sie nun freundlicherweise den Weg freigeben würden?«

»Nein.« Der Müllwerker zeigte sich nicht konzessionsbereit und grinste.

»Ihr Benehmen läßt einen gewissen Schliff vermissen«, stellte Josuah Parker bedauernd fest. »Der Herr scheint die vielzitierte Kinderstube – mit Verlaub – durcheilt zu haben.«

»Häh?« Der Mann im Overall runzelte nachdenklich die Stirn und versuchte hinter den Sinn von Parkers Satz zu kommen. Dabei unterlief dem Butler ein bedauerliches Mißgeschick.

Sein Universal-Regenschirm sauste mit der Spitze voran nach unten. Zufällig befand sich an der Aufschlagstelle der linke Fuß des Müllwerkers.

Die Schirmspitze hatte keine Mühe, das Oberleder des Schuhs zu durchdringen und durch die Nylonsocke den Fuß des Mannes zu erreichen.

Der Müllwerker mochte das keineswegs. Er schrie und japste nach Luft. Sein Gesicht wechselte wie ein Chamäleon die Farbe von Tiefrot auf Leichenblaß.

Josuah Parker hatte den Schirm wieder über den angewinkelten Unterarm gehängt, lüftete andeutungsweise seine Melone und entschuldigte sich gemessen und würdevoll.

»Man bedauert das kleine Mißgeschick ungemein, Sir«, versicherte er dem nach wie vor unter Atemnot leidenden Müllwerker. »Man hofft, daß Sie einem müden, alten und relativ verbrauchten Mann diese Ungeschicklichkeit nicht nachtragen werden. Wenn man Ihnen einen Platz zum Verweilen anbieten darf?«

Der Butler ergriff einen Arm des Angegriffenen und führte ihn zu Lady Agathas Tisch. Dort zog er ihm fürsorglich einen Stuhl heran und drückte ihn nieder.

»Was hat der Mann denn, Mister Parker?« erkundigte sich Lady Agatha neugierig.

»Eine kleine Unpäßlichkeit, die jedoch umgehend behoben sein dürfte, Mylady«, informierte Parker sie. »Man hofft, daß Mylady mit der vorübergehenden Unterbringung an diesem Tisch einverstanden sind.«

»Ich will mal nicht so sein, Mister Parker. Sie wissen ja, wie hilfsbereit ich bin.«

Die ältere Dame nickte energisch und wandte sich an den leise schluchzenden Müllwerker. »Nun haben Sie sich nicht so, guter Mann, es hätte schlimmer kommen können«, gab sie zu bedenken.

»Lassen Sie mich doch in Ruhe, verdammt!« lautete die ein wenig rüde Antwort.

Josuah Parker war längst wieder auf dem Weg zum Tresen, wo er Myladys Bestellung aufzugeben gedachte. Er hatte bereits die wie versteinert stehenden Kollegen des Müllwerkers passiert, als Leben in die Leute kam.

Der Mann im grauen Anzug reagierte zuerst. Seine Hand fuhr unter Jackett und kam mit einem Messer zum Vorschein. Er vertrat Parker den Weg und streckte ihm die Klinge entgegen.

»Kann man etwas für Sie tun, Sir?« erkundigte sich Parker höflich.

»Du kommst dir wohl ganz groß vor, wie?« preßte der Messerheld durch die Zähne. »Jetzt ist aber Schluß, Mann. Mach, daß du an deinen Tisch zurückkommst!«

»Es dürfte meiner Wenigkeit ein Vergnügen sein, Sir«, stimmte Parker überraschenderweise zu. »Sobald Myladys Bestellung aufgegeben ist.«

»Hier wird jetzt nichts bestellt«, beharrte der Mann mit dem Messer auf seiner Forderung. »Los, zurück, aber ’n bißchen dalli!«

»Pardon, Sir. Man ist bedauerlicherweise nicht in der Lage, Ihrer freundlichen Aufforderung Folge zu leisten«, widersprach Parker höflich.

Der Messerheld sah ihn perplex an, dann verfärbte sich sein Gesicht, und er riß den Arm mit dem Messer hoch. Er zielte auf die Brust des Butlers.

Einen Moment später schrie er entsetzt auf. Das Messer fiel ihm aus der Hand und landete auf dem Teppich.

Josuah Parker nickte kühl und setzte seine Melone wieder auf. Einen Augenblick zuvor war die Messerspitze gegen die stahlblechgefütterte Wölbung der Kopfbedeckung geprallt und daran abgeglitten. Die Hand des Mannes verstauchte sich ein wenig und veranlaßte den Besitzer, die Waffe fallen zulassen.

Parker war gerade dabei, für den korrekten Sitz seiner Kopfbedeckung zu sorgen, als sich sein Gegenüber auf den Butler warf. Er glaubte ihn abgelenkt und wollte überraschend das Blatt zu seinen Gunsten wenden.

»Pardon, Sir«, entschuldigte sich Parker im voraus, lüftete erneut die Melone und ließ sie mit der Wölbung gegen die Stirn des Angreifers prallen. Es gab einen dumpfen Laut, dann sah der Mann im grauen Anzug einen Reigen bunter Sterne, und einen Moment später knickten ihm die Knie ein.

Josuah Parker fing ihn erstaunlich mühelos auf, hob ihn auf seine Arme und nickte dem zweiten Müllwerker zu. »Wenn Sie meine Wenigkeit freundlicherweise vorbeiließen, um diesen Gentleman ablegen zu können?«

Die Bitte wurde ihm gewährt. Parker steuerte zielsicher auf den Container zu und legte den Mann im grauen Anzug daneben. Dann bückte er sich, richtete den schweren Behälter auf und ließ den Bewußtlosen hineingleiten. Parkers Ansicht nach war dies durchaus ein angemessener Aufenthaltsort.

Der zweite Müllwerker schnappte vernehmlich nach Luft und beobachtete die Szene aus hervorquellenden Augen. Er konnte und wollte nicht glauben, was er sah. Dann riß er einen Schlagstock aus seinem Overall und stürzte sich hinterrücks auf den Butler.

Er kannte das Improvisationstalent der älteren Dame nicht. Lady Agatha hatte bereits ungeduldig auf eine Möglichkeit zum Eingreifen gewartet. Jetzt war es soweit.

Sie nahm das Krustentier von ihrem Teller, visierte kurz an und schickte es auf die Reise. Die Languste durchmaß das ihr ungewohnte Medium in bemerkenswertem Tempo und legte sich liebevoll auf den Stiernacken des Müllwerkers, Der zuckte erschrocken zusammen und verharrte im Schritt. Lady Agatha hatte bereits ein zweites Wurfgeschoß aktiviert. Sie hatte die Weinflasche aus dem silbernen Behälter genommen und diesen kurzerhand umfunktioniert.

Der Kübel zischte auf den Schädel des Müllwerkers, verharrte einen Augenblick über der schütteren Frisur und senkte sich dann mit der Öffnung nach unten.

Einen Moment später wurde es Nacht um den Mann.

»Man wird Ihnen umgehend helfen«, bot Josuah Parker ihm an und führte ihn zum Container. Formvollendet half er ihm hinein. Anschließend lüftete der Butler die Melone in Richtung des verbliebenen Müllwerkers, der wie erstarrt an Myladys Tisch saß.

»Wenn man bitten darf, Sir!« forderte er ihn freundlich auf.

Der Mann war nicht in der Lage, sich zu rühren, doch Lady Agatha schaffte Abhilfe.

Sie entfernte eine Haarnadel aus ihrer Frisur. Diese Nadel erinnerte in ihrer Größe an einen mittleren Bratspieß.

Der Mann sprang wie von der Tarantel gestochen auf, als sich dieser Bratspieß in seine linke Gesäßhälfte bohrte. Er rannte davon, wurde von Josuah Parker aber bereits erwartet. Einen Augenblick später hatte auch der verhinderte Flüchtling im Container Platz genommen.