Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Butler Parker ist ein Detektiv mit Witz, Charme und Stil. Er wird von Verbrechern gerne unterschätzt und das hat meist unangenehme Folgen. Der Regenschirm ist sein Markenzeichen, mit dem auch seine Gegner öfters mal Bekanntschaft machen. Diese Krimis haben eine besondere Art ihre Leser zu unterhalten. Butler Parker ist seinen Gegnern, den übelsten Ganoven, auch geistig meilenweit überlegen. In seiner auffallend unscheinbaren Tarnung löst er jeden Fall. Bravourös, brillant, effektiv – spannendere und zugleich humorvollere Krimis gibt es nicht! »Mylady wünschen die Verfolgung aufzunehmen?« Butler Parker hatte die Hand am Schalthebel und gab seinem hochbeinigen Monstrum die Sporen. »So ist es, Mister Parker.« Agatha Simpsons Stimme tönte aus dem Fond des Wagens. »Ich werde mich am Ort des Geschehens vom Grund dieser Eile überzeugen.« Zwei Feuerwehrautos und ein Streifenwagen der Polizei hatten in halsbrecherischem Tempo Parkers schwarzen Kasten überholt. Zuckende Blinklichter und jaulende Sirenen rissen Lady Agatha aus ihrem Nickerchen. Parkers Wagen entwickelte das Temperament eines sportlichen Flitzers. Zitternd kletterte die Tachonadel höher. Mit quietschenden Reifen zog der Butler sein hochbeiniges Gefährt um die Ecke. Lady Agathas beeindruckende Körperfülle geriet dabei aus dem Gleichgewicht. Die ältere Dame lag quer auf dem Rücksitz, angelte verzweifelt nach einem Halt und zerrte an ihrem Hut, der ihr übers Gesicht gerutscht war. Dann hatte Parker sein Ziel erreicht: Pechschwarz stieg eine dicke Rauchsäule aus einer Seitenstraße und verdunkelte den blauen Nachmittagshimmel. Auf einem gepflasterten Platz, der den Abschluß einer kurzen Allee bildete, stand ein Lkw in hellen Flammen. Parker sah sofort: Hier gab es nichts mehr zu löschen. Das war auch den Feuerwehrmännern klar. Sie parkten ihre Fahrzeuge in respektvollem Abstand. »Vorsicht!« schrie plötzlich einer von ihnen und warf sich zu Boden, während seine Kameraden hinter ihren Fahrzeugen Schutz suchten. Mit dumpfem Knall barst der Tank des Lastwagens.
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 125
Veröffentlichungsjahr: 2021
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
»Mylady wünschen die Verfolgung aufzunehmen?« Butler Parker hatte die Hand am Schalthebel und gab seinem hochbeinigen Monstrum die Sporen.
»So ist es, Mister Parker.« Agatha Simpsons Stimme tönte aus dem Fond des Wagens. »Ich werde mich am Ort des Geschehens vom Grund dieser Eile überzeugen.«
Zwei Feuerwehrautos und ein Streifenwagen der Polizei hatten in halsbrecherischem Tempo Parkers schwarzen Kasten überholt. Zuckende Blinklichter und jaulende Sirenen rissen Lady Agatha aus ihrem Nickerchen. Parkers Wagen entwickelte das Temperament eines sportlichen Flitzers. Zitternd kletterte die Tachonadel höher. Mit quietschenden Reifen zog der Butler sein hochbeiniges Gefährt um die Ecke.
Lady Agathas beeindruckende Körperfülle geriet dabei aus dem Gleichgewicht. Die ältere Dame lag quer auf dem Rücksitz, angelte verzweifelt nach einem Halt und zerrte an ihrem Hut, der ihr übers Gesicht gerutscht war. Dann hatte Parker sein Ziel erreicht: Pechschwarz stieg eine dicke Rauchsäule aus einer Seitenstraße und verdunkelte den blauen Nachmittagshimmel.
Auf einem gepflasterten Platz, der den Abschluß einer kurzen Allee bildete, stand ein Lkw in hellen Flammen. Parker sah sofort: Hier gab es nichts mehr zu löschen. Das war auch den Feuerwehrmännern klar. Sie parkten ihre Fahrzeuge in respektvollem Abstand.
»Vorsicht!« schrie plötzlich einer von ihnen und warf sich zu Boden, während seine Kameraden hinter ihren Fahrzeugen Schutz suchten.
Mit dumpfem Knall barst der Tank des Lastwagens. Eine schmutzig-rote Flammensäule schoß in die Höhe. Im selben Moment brachen die Aufbauten des Lasters in sich zusammen. Ein Funkenwirbel fegte über den Platz.
Hinter dem brennenden Fahrzeug machte Parker ein kleines Hotel aus. Zahlreiche Menschen standen in der geöffneten Eingangstür. Ihre Gesichter waren starr vor Entsetzen.
Doch dann kam plötzlich Bewegung in die Gruppe. Zwei, drei junge Männer bahnten sich einen Weg nach draußen. Eine zierliche Frau folgte ihnen. Wie gelähmt blieben alle am Fuß der Freitreppe stehen und starrten fassungslos in die Flammen.
Mit einem Aufschrei sank die Frau auf die Knie, schlug die Hände vors Gesicht und brach in hemmungsloses Schluchzen aus. »Alles vorbei!« schrie sie und trommelte mit den Fäusten auf den Boden. »Alles vorbei! Vorbei! Vorbei!«
Josuah Parker machte einen Bogen um das immer noch brennende Fahrzeug und näherte sich gemessen der Gruppe.
»Darf man davon ausgehen, daß es sich bei den Herrschaften um die bedauernswerten Eigentümer dieses brennenden Fahrzeuges handelt?« sprach er einen jungen Mann mit strohigem Haar und dicker Nickelbrille an, der immer noch in die Flammen starrte, während die beiden anderen die junge Frau zu trösten versuchten.
»Wie bitte?« fragte der Brillenträger geistesabwesend zurück. Er hatte ein jungenhaftes Gesicht und schien kaum älter als zwanzig zu sein. Seine schlaksige Gestalt steckte in einem undefinierbaren Kleidungsstück, das seinem Großvater als Konfirmationsanzug gedient haben mochte. Allerdings waren die Jackenärmel herausgetrennt und die Revers mit schimmernden Perlmutt-Plättchen besetzt. Mit einem gewissen Befremden registrierte Parker einen großen goldenen Ohrring und ein silbernes Halskettchen mit bunten Steinen und Holzperlen.
»Ach, Sie meinen, ob das unser Laster war?« erkundigte er sich, als wäre Parkers Frage erst jetzt zu ihm durchgedrungen.
»So könnte man es in der Tat auch formulieren«, räumte der Butler ein.
»Ja«, antwortete der Junge dumpf, ohne den Blick von den schwächer werdenden Flammen zu wenden.
»Darf man sich denn in der gebotenen Bescheidenheit erkundigen, warum ›alles vorbei‹ ist, wie die junge Dame sich auszudrücken beliebte?« versuchte Parker, ein Gespräch in Gang zu bringen.
»Warum alles vorbei ist?« wiederholte der Blonde. »Sie können vielleicht Fragen stellen! Weil in dem Laster unsere gesamte Ausrüstung war. Alle Instrumente, Mikrofone, Verstärker, Boxen! Alles ist verbrannt! Und Samstag ist das große Festival!«
»Meiner bescheidenen Wenigkeit ist leider nicht bekannt, welche Art von Festival der Herr meint«, warf Parker ein.
»Sie scheinen aber nicht viel Ahnung von der Rockszene zu haben«, kommentierte sein Gegenüber. Bill Jefferson – so stellte sich der junge Mann später vor – sah auch durch seine dicken Brillengläser die Welt nur in schattenhaften Umrissen. Hätte er seinen Gesprächspartner wirklich gesehen (und nicht nur geahnt) – er hätte sich über Parkers lückenhafte Kenntnisse der britischen Rockmusikszene nicht gewundert.
Josuah Parker war ein Mann undefinierbaren Alters. Seine kräftige, kaum mehr als mittelgroße Gestalt steckte in einem altväterlich schwarzen Covercoat. Der steife Eckkragen, der Bowler auf dem Kopf und die schwarzledernen Handschuhe ließen unwillkürlich an einen hochherrschaftlichen Butler des 19. Jahrhunderts denken.
»Am Samstag ist doch das All-Britain-Festival im Battersea-Park«, erklärte Bill. »Die besten Nachwuchs-Bands der Insel treten gegeneinander an. Da geht voll die Post ab, sage ich Ihnen. Vor Zehntausenden von Zuschauern. Und der Sieger sahnt nicht nur einen dicken Plattenvertrag ab, sondern auch eine Vier-Wochen-Tournee durch die Staaten.«
Er legte eine kurze Pause ein und wischte an den Gläsern seiner Brille. »Und wir wären die haushohen Favoriten gewesen«, fuhr er fort. »Wir dachten, wir hätten den Vertrag schon in der Tasche.«
»Demnach darf meine bescheidene Wenigkeit davon ausgehen, daß die Herrschaften ihrem Lebensunterhalt als Musikanten nachgehen?«
»So kann man’s auch nennen«, bestätigte Bill. »Noch nie was von ›Red Pepper‹ gehört?«
Parker verneinte.
»Ist ja auch egal«, meinte Bill trübsinnig. »Jetzt sind wir sowieso aus dem Rennen. Das Festival läuft ohne uns ab. Am besten wären wir gleich zu Hause geblieben. Aber auf mich wollte ja keiner hören. Mir war schon klar, daß noch was kommen würde. Nach dem Drohbrief und der kaputten Bremsleitung.«
»Ein Drohbrief?« ließ Lady Agatha sich plötzlich vernehmen. Sie hatte sich in Parkers hochbeinigem Monstrum gelangweilt und war unbemerkt nähergekommen. »Wie interessant!« erklärte sie. »Und was hat die Polizei dazu gesagt?«
»Die Polizei? Gar nichts!« antwortete Bill. »Die haben wir natürlich aus dem Spiel gelassen. Wäre ja auch nicht okay: Erst Protestsongs gegen den Staat machen, und dann bei der ersten Kleinigkeit die Bullen rufen.«
Agatha Simpson nickte zustimmend, und Bill fuhr fort: »Auf uns sind die uniformierten Jungs sowieso nicht gut zu sprechen. Die haben wir mit unseren Texten ganz schön in die Pfanne gehauen.«
»Wie interessant!« stellte die passionierte Detektivin erneut fest. »Sie verfassen also respektlose Lieder auf unsere Polizei?«
»Das kann man wohl sagen«, bestätigte Bill. »Stört Sie das?« »Nicht so sehr, wie Sie vielleicht meinen könnten, junger Mann!« versicherte Agatha Simpson eilig. »Auch ich habe keine allzu hohe Meinung von den Hütern unserer staatlichen Ordnung. Nicht war, Mister Parker?«
»Diese Feststellung kann meine bescheidene Wenigkeit nur mit Nachdruck unterstreichen«, pflichtete der Butler ihr bei.
»Deshalb sollten Sie sich vertrauensvoll an mich wenden«, fuhr Agatha Simpson fort. »Solche Fälle sind meine Spezialität.«
»Ihre Spezialität?« fragte Bill Jefferson.
»Mister Parker wird Ihnen bereits von meinen außerordentlichen Erfolgen als Detektivin berichtet haben«, erklärte sie ohne falsche Bescheidenheit. »Gegen Lady Agatha Simpson hat auch der raffinierteste Verbrecher keine Chance.«
»Simpson? Simpson?« begann Bill in seinem Gedächtnis zu kramen. »Kann sein, daß ich den Namen schon mal gehört habe.«
»Nun, die breite Öffentlichkeit hat meine Taten noch nicht in geziemendem Ausmaß zur Kenntnis genommen«, erklärte die ältere Dame. »Überragende Geister werden meistens verkannt, weil sie ihrer Zeit voraus sind.«
»Und Sie wollen uns wirklich helfen?« kam der junge Musiker wieder zum Thema zurück.
»Ich will und ich werde«, versicherte Agatha Simpson feierlich. »Wer respektlose Lieder über unsere Polizei verfaßt, findet bei Lady Simpson immer ein offenes Ohr. Ich erwarte Sie gegen neunzehn Uhr in meinem Haus. Sie werden es nicht bereuen.«
»Okay«, stimmte Bill zu. »Wir kommen. Alle vier.«
In diesem Moment gingen die beiden Polizisten aus dem Streifenwagen über den Platz und begannen, den beiden anderen Musikern Fragen zu stellen. Auch die junge Frau, die sich wieder gefaßt hatte, wurde in die Vernehmung einbezogen.
Agatha Simpson hatte es plötzlich eilig. »Eine Detektivin meines Formats hat Wichtigeres zu tun, als die Neugier subalterner Beamter zu befriedigen«, erklärte sie und rauschte davon.
Josuah Parker steckte dem jungen Musiker noch unauffällig die Visitenkarte mit Lady Simpsons Anschrift zu. Dann schritt auch er zu seinem hochbeinigen Monstrum, um der älteren Dame beim Einsteigen behilflich zu sein.
*
»Und das Schönste ist: Sie verfassen respektlose Lieder, um die Polizei zu ärgern. Finden Sie das nicht köstlich, mein lieber Junge?« Lady Agatha kicherte in sich hinein und schob schnell noch ein Stück Sahnetorte nach. Sie saß in der geräumigen Wohnhalle ihres Hauses in Shepherd’s Market, wo Parker gleich nach der Rückkehr den Teetisch gedeckt hatte.
Ihr gegenüber hatte Mike Rander Platz genommen, der Anwalt mit dem blendenden Aussehen, den Mylady am liebsten mit ihrer attraktiven Gesellschafterin Kathy Porter verheiratet hätte.
Mike Rander betrieb eine florierende Kanzlei und verwaltete nebenher Lady Agathas nicht unbeträchtliches Vermögen. Parker war es, der Rander einst im Hause Simpson eingeführt hatte. Beide hatten gemeinsam einige Jahre in den USA verbracht, bevor sie sich in London niederließen.
»Respektlose Lieder, um die Polizei zu ärgern?« wiederholte der Anwalt grinsend. »Da könnte einem mancher gute Text einfallen... Wie heißt die Gruppe eigentlich? So ein bißchen kenne ich mich in dieser Art Musik schon aus.«
»Green Curry«, antwortete Mylady wie aus der Pistole geschossen. Daß der Name etwas mit einem Gewürz und einer Farbe zu tun hatte, daran erinnerte sie sich genau. Aber mit den feinen Unterschieden hatte sie ihre Schwierigkeiten, obwohl Parker ihr während der Rückfahrt alle Einzelheiten seines Gespräches mit Bill Jefferson berichtet hatte.
»Red Pepper‹, wenn man sich den bescheidenen Hinweis erlauben darf«, korrigierte der Butler vorsichtig.
»Was ist mit rotem Pfeffer?« Lady Agatha war etwas begriffsstutzig. Mag sein, daß das an dem guten Sherry lag, den sie sich zum Auftakt der Ermittlungen genehmigt hatte.
»Mylady mögen verzeihen, wenn meine bescheidene Wenigkeit sich undeutlich ausgedrückt hat«, antwortete Parker. »Aber der Name des Ensembles lautet ›Red Pepper‹, wenn man nicht einer völligen Täuschung anheimfällt.«
»Sagte ich das nicht?« gab die ältere Dame entrüstet zurück. »Sie sollten nicht ständig versuchen, mich zu korrigieren, Mister Parker! Ich weiß genau, was ich sage!«
»Dies anzuzweifeln, würde meine Wenigkeit nie wagen«, versicherte der Butler wahrheitsgemäß.
»Red Pepper?« schaltete Rander sich wieder ein. »Klar! Wer kennt die nicht! Äh – ich meine ...«, verbesserte er sich nach einem Blick auf Mylady und ihren Butler. »Ich meine, die Gruppe ist bei der Jugend sehr populär. Man sagt den vier Musikern eine große Zukunft voraus.«
»Das war mir sofort klar«, behauptete Agatha Simpson. »Für so etwas habe ich ein Gespür. Wenn jemand eine große Zukunft vor sich hat...«
»Die Mädchen in meinem Schreibbüro sind ganz verrückt nach Red Pepper«, erzählte Rander weiter, ohne auf Myladys Bemerkung einzugehen. »Sie wollen am Samstag alle in den Battersea-Park fahren und dabei sein, wenn Red Pepper den großen Festival-Sieg davonträgt.«
»Dem dürften im Moment allerdings noch einige Schwierigkeiten im Weg stehen, wenn man sich den Hinweis erlauben darf, Sir«, warf Parker ein.
»Stimmt«, bestätigte der Anwalt. »Was Mylady und Sie mir berichtet haben, klingt ja nicht gerade erfreulich. Da scheint jemand ein mächtiges Interesse daran zu haben, Red Pepper von der Bühne fernzuhalten.«
»Natürlich die anderen Musiker, die auch gewinnen wollen«, erklärte Agatha Simpson. »Darauf hätten Sie auch selbst kommen können, mein lieber Junge. Ich werde also die Mitbewerber einmal näher unter die Lupe nehmen müssen.«
»Das wird nicht so einfach sein«, wandte der Anwalt ein. »Wenn ich recht informiert bin, treten bei dem Festival sechs oder sieben Gruppen auf. Und jede will gewinnen. Das dürfte die Nachforschungen sehr zeitraubend machen. Und bis zum Festival sind es noch drei Tage.«
»Das ist kein Problem«, wischte Lady Agatha seine Bedenken vom Tisch. »Die Details erledigt sowieso mein Butler.«
»Aber etwas anderes wäre noch zu bedenken«, erklärte Rander. »Was hilft es den jungen Leuten, wenn wir bis Samstag denjenigen gefunden haben, der den Drohbrief geschrieben und vermutlich das Auto in Brand gesteckt hat – auftreten können sie trotzdem nicht. Und das ist doch das Wichtigste.«
»Sie haben recht, mein lieber Junge«, räumte Lady Agatha ein. »Blue Pepper muß auftreten, damit die Polizei sich schwarz ärgert. Da dürfen die jungen Leute aber nicht vergessen, sich noch schnell neue Instrumente zu kaufen.«
»Das werden sie wohl kaum können«, mutmaßte Mike Rander. »Die Gruppe steht erst am Anfang ihrer Karriere. Wahrscheinlich haben sie ihre letzten Pfennige in die teure Anlage gesteckt oder sich womöglich noch verschuldet.«
»Verschuldet?« fragte Lady Agatha. »Warum verschuldet?« Daß es Menschen gab, die sich nicht jeden Wunsch bar erfüllen konnten, überstieg ihr Vorstellungsvermögen.
»Die Instrumente, die bei dieser Art Musik verwendet werden, sind nicht gerade billig«, erklärte der Anwalt. »Dazu kommt noch die elektronische Ausrüstung mit Mikrofonen, Tonabnehmern, Verstärkern, Mischpulten, Lautsprecherboxen undsoweiter. Eine solche Anlage kostet schon ein Vermögen.«
»Ein Vermögen?« fragte Agatha Simpson ungläubig.
»Ein kleines Vermögen«, korrigierte sich der Anwalt. Ihm waren die Summen eingefallen, mit denen er bei der Verwaltung von Myladys Vermögen umzugehen hatte. »Für Sie, Mylady, wäre das natürlich eine Kleinigkeit«, setzte er hinzu. Allerdings machte Mike Rander sich nicht die Hoffnung, die ältere Dame könnte den Ball auffangen, den er ihr da zugespielt hatte. Dafür kannte er sie doch gut genug.
»Das tut mir aber leid für die jungen Leute«, erklärte sie kühl. »Ich würde ihnen ja gern helfen. Aber man muß eben auch an Notzeiten denken. Eine Dame meines Standes kann es sich nicht erlauben, in finanziell ungesicherten Verhältnissen zu leben.«
Rander wollte etwas einwenden, doch Parkers Herrin fuhr unbeirrt fort. »Außerdem verdirbt Geld den Charakter, wenn es einem mühelos in den Schoß fällt. Ich würde den jungen Leuten bestimmt keinen Gefallen tun, wenn ich ihnen das Geld schenken würde. Oder leihen«, setzte sie hinzu, um Mike Rander jeden denkbaren Wind aus den Segeln zu nehmen.
»Es wäre allerdings eine Investition ohne Risiko«, erklärte der Anwalt. »Wenn Red Pepper am Samstag gewinnt, können sie das Geld bar zurückzahlen. Und wenn sie auftreten, gewinnen sie auch. Daran zweifelt niemand.«
»Ich hoffe sehr, daß Sie im Moment nicht als mein Vermögensberater zu mir gesprochen haben«, tadelte Lady Agatha den Anwalt. »Ich müßte sonst an Ihrer Seriosität zweifeln, Mister Rander.«
»Der Vorschlag war ja auch nicht ernst gemeint«, versuchte der Anwalt sie zu beruhigen. Aber Lady Agathas gute Stimmung war dahin.
»Wenn ich einen ernsten Fall zu lösen habe, erwarte ich von Ihnen nur ernste Vorschläge«, wies sie ihn grollend zurecht. »Aber Sie können beruhigt sein, mein Junge. Mein Plan ist schon fix und fertig: Zunächst mache ich den Brandstifter dingfest. Und der muß dann natürlich den ganzen Schaden bezahlen. So einfach ist das.«
»Das hört sich in der Tat recht einfach an«, stimmte Rander zu und tauschte einen verstohlenen Blick mit Butler Parker.
»Geniale Ideen sind immer einfach«, bekräftige Lady Agatha. Bescheidenheit war eine Tugend, die sie nur an anderen Menschen schätzte. »Aber jetzt muß ich noch ein Stündchen meditieren, bevor die jungen Leute kommen«, setzte sie hinzu, und ihr Tonfall wurde wieder etwas gnädiger. »Sie werden heute abend doch auch dabei sein?«
»Gern«, sagte der Anwalt. »Ich freue mich schon darauf, die Red Pepper persönlich kennenzulernen.«
Mylady entschwand in ihre privaten Gemächer im Obergeschoß, und Rander ging mit Butler Parker zur Haustür.
»Wenn’s um Geld geht, ist Mylady unbarmherzig«, schmunzelte er.
»Das ist eine Feststellung, die meine bescheidene Wenigkeit aus leidvoller Erfahrung nur mit allem Nachdruck unterstreichen kann«, bestätigte Parker.
»Ich habe mir gleich gedacht, daß sie keinen einzigen Pfennig herausrücken würde, obwohl sie die jungen Leute offenbar ins Herz geschlossen hat«, sagte der Anwalt. »Deshalb werde ich morgen mein eigenes Konto erleichtern. Aber nichts verraten, Parker!«
