Parker hilft den Illegalen - Günter Dönges - E-Book

Parker hilft den Illegalen E-Book

Günter Dönges

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Beschreibung

Exzellent – das ist er im wahrsten Sinne des Wortes: einzigartig, schlagfertig und natürlich auch unangenehm schlagfähig. Wer ihn unterschätzt, hat schon verloren. Sein Regenschirm ist nicht nur sein Markenzeichen, sondern auch die beste Waffe der Welt. Seinem Charisma, Witz und Charme kann keiner widerstehen. Der exzellente Butler Parker ist seinen Gegnern, den übelsten Ganoven, auch geistig meilenweit überlegen. In seiner auffallend unscheinbaren Tarnung löst er jeden Fall. Bravourös, brillant, effektiv – spannendere und zugleich humorvollere Krimis gibt es nicht! Die Ampel sprang auf Grün, und Josuah Parker setzte seinen Privatwagen in Bewegung. Genau in diesem Moment passierte es. Ein junger Farbiger warf sich direkt vor Parkers Wagen. Der Butler reagierte blitzschnell und bremste scharf. Eine Handbreit vor dem vermeintlichen Selbstmörder kam das hochbeinige Monstrum, wie Parkers Wagen von Freund und Feind genannt wurde, zum Stehen. »Ich muß doch sehr bitten, Mister Parker! Was soll das?« grollte Lady Agatha aus dem Fond, als sie unsanft aus ihrem Nickerchen gerissen wurde. Die ältere Dame befand sich auf dem Rückweg nach Shepherd's Market. Parkers Bremsmanöver hatte sie abrupt aus einem angenehmen Traum geholt, in dem ihr der schwedische König gerade den Nobelpreis für Literatur für ihre Verdienste um den englischen Kriminalroman verliehen hatte. Bevor Parker sich entschuldigen konnte, eskalierten die Dinge. Der Farbige glaubte ein Taxi vor sich zu haben, kam um den Wagen herum, öffnete die Beifahrertür und warf sich auf den Sitz. »Schnell«, keuchte er mit fliegendem Atem. »Fahren Sie irgendwohin – nur weg von hier!« »Eine mehr als vage Zielangabe«, bemerkte Parker höflich, ohne seinen Gast darauf hinzuweisen, daß er sich keinesfalls in einem Taxi, sondern in einem Privatwagen befand. Er fuhr gerade langsam an, als die hintere Tür aufgerissen wurde und zwei weitere Fahrgäste hereindrängten. Sie schoben Lady Agatha im Fond unsanft zur Seite und richteten schwere Pistolen auf Parker. »Einfach weiterfahren, Mann, wir sagen Ihnen dann schon, wie die Route ist.«

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Der exzellente Butler Parker – 10 –

Parker hilft den Illegalen

Günter Dönges

Die Ampel sprang auf Grün, und Josuah Parker setzte seinen Privatwagen in Bewegung. Genau in diesem Moment passierte es.

Ein junger Farbiger warf sich direkt vor Parkers Wagen. Der Butler reagierte blitzschnell und bremste scharf. Eine Handbreit vor dem vermeintlichen Selbstmörder kam das hochbeinige Monstrum, wie Parkers Wagen von Freund und Feind genannt wurde, zum Stehen.

»Ich muß doch sehr bitten, Mister Parker! Was soll das?« grollte Lady Agatha aus dem Fond, als sie unsanft aus ihrem Nickerchen gerissen wurde. Die ältere Dame befand sich auf dem Rückweg nach Shepherd’s Market. Parkers Bremsmanöver hatte sie abrupt aus einem angenehmen Traum geholt, in dem ihr der schwedische König gerade den Nobelpreis für Literatur für ihre Verdienste um den englischen Kriminalroman verliehen hatte. Bevor Parker sich entschuldigen konnte, eskalierten die Dinge. Der Farbige glaubte ein Taxi vor sich zu haben, kam um den Wagen herum, öffnete die Beifahrertür und warf sich auf den Sitz.

»Schnell«, keuchte er mit fliegendem Atem. »Fahren Sie irgendwohin – nur weg von hier!«

»Eine mehr als vage Zielangabe«, bemerkte Parker höflich, ohne seinen Gast darauf hinzuweisen, daß er sich keinesfalls in einem Taxi, sondern in einem Privatwagen befand. Er fuhr gerade langsam an, als die hintere Tür aufgerissen wurde und zwei weitere Fahrgäste hereindrängten. Sie schoben Lady Agatha im Fond unsanft zur Seite und richteten schwere Pistolen auf Parker.

»Einfach weiterfahren, Mann, wir sagen Ihnen dann schon, wie die Route ist.«

Der Farbige neben dem Butler stöhnte und starrte aus angsterfüllten Augen in den Rückspiegel.

»Du hast wohl schon gedacht, du hättest es geschafft, was, Gary?« erkundigte sich einer der beiden im Fond Sitzenden und lachte hämisch. »Aber du hast die Rechnung ohne uns gemacht, mein Junge, uns hängt man so leicht nicht ab.«

Lady Agatha räusperte sich und hob ihre Lorgnette, die an einer Kette vor ihrem Busen hing, an die Augen. Ungeniert musterte sie die Männer neben sich.

Angst war etwas, was die Lady grundsätzlich nicht kannte.

»Was soll das, Sie Lümmel?« grollte sie. »Wie kommen Sie dazu, sich so einfach in meinen Wagen zu drängeln und mich zu belästigen? Ich hoffe, Sie haben eine Erklärung abzugeben.«

Einer der beiden brutal aussehenden Männer drehte sich grinsend um und sah sie verächtlich an. »Reg dich nicht auf, altes Mädchen, du bist uns bald wieder los. Wir wollen nur unseren Schützling da vorn zurückholen, der Junge hat sich ohne unsere Erlaubnis aus dem Staub gemacht und wollte verschwinden. Am besten, du vergißt uns gleich wieder, dann gibt es auch keinen Ärger.«

»Die Herren sind so etwas wie die Aufpasser des jungen Mannes hier?« erkundigte sich Parker gemessen, während seine Hände rasch und routiniert über das reichhaltig ausgestattete, an das Cockpit eines modernen Jets erinnernde Armaturenbrett fuhren und unauffällig diverse Hebel umlegten.

»So in etwa.« Der zweite Mann im Fond beugte sich vor und hielt dem farbigen Beifahrer eine Pistole an den Hinterkopf.

»Dieser Hitzkopf ist aus unserer... äh... Obhut abgehauen und dachte, er könnte auf Nimmerwiedersehen verschwinden. Ehrlich gesagt, haben wir das gar nicht gern.«

»Warum steht der junge Mann unter Ihrer Obhut, wenn man fragen darf?« wollte Josuah Parker wissen.

»Das geht dich nichts an, Alterchen. Was du nicht weißt, kann dir nicht gefährlich werden.«

»Die wollen mich umbringen«, meldete sich der Farbige mit zitternder Stimme zu Wort. »Das sind Killer, Sir, Sie müssen mir helfen.«

»Der Opa da?« Einer der Pistolenträger aus dem Fond lachte spöttisch. »Der ist doch froh, wenn ihm keiner was tut, was, Alter?«

»In etwa, Sir.« Parker blieb gelassen, es schien, als wäre ihm die Brisanz der Situation nicht bewußt. In Wirklichkeit hatte er die Lage im Griff, was allerdings weder der eingeschüchterte Farbige auf dem Beifahrersitz noch die Männer im Fond ahnten.

»Da sehen Sie mal wieder, wie Sie von anderen eingeschätzt werden, Mister Parker«, meldete sich Lady Agatha fast schadenfroh zu Wort.

»Du bist doch wohl noch älter«, bemerkte einer der Pistolenmänner gehässig, »und hast dir bestimmt schon den Sarg ausgesucht, oder?«

»Das war doch wohl eine ausgemachte Beleidigung, Mister Parker?« Aus Myladys Stimme klangen eine gewisse Vorfreude und Erwartungshaltung.

»Ein Eindruck, Mylady, dem meine bescheidene Wenigkeit leider vollinhaltlich zustimmen muß«, bemerkte Parker mit einem gewissen Bedauern über das rüde Benehmen der ungebetenen Fahrgäste.

»Ihr beide seid wohl nicht ganz bei Trost, wie?« stieß einer ungläubig hervor, »oder habt ihr immer noch nicht gecheckt, was hier abläuft? Das ist ’ne geladene Pistole, altes Haus, und wenn ich abdrücke, biste mausetot, klar?« Der Mann neben Lady Agatha fuchtelte ihr mit seiner Waffe vor der Nase herum und sah sie wütend an.

»Ach wirklich? Wie interessant!« Lady Agathas Hand schoß blitzschnell vor und umklammerte die Waffe. Der Gangster war einen Augenblick zu überrascht, um sich zu wehren. Dann versuchte er hastig, die Pistole zurückzuziehen. Aber er hatte nicht mit Agatha Simpsons Kraft gerechnet.

Da die ältere Dame ausgiebig dem Golf- und Bogensport huldigte, verfügte sie für eine Frau ihres Alters über erstaunliche Körperkräfte. Mühelos entwand sie dem verdatterten Mann die Waffe und untersuchte sie scheinbar ungeschickt.

Die passionierte Detektivin drehte sie in ihren Fingern, fummelte an Sicherung und Abzug herum und richtete die Mündung wie zufällig auf den Mann neben ihr, der entsetzt zur Seite drängte und sich seinem Partner fast auf den Schoß setzte.

»Ich wollte so was schon immer mal ausprobieren«, teilte die Lady erfreut mit.

»Vorsicht! Das Ding ist durchgeladen, und Sie haben eben entsichert«, stöhnte der entwaffnete Mann neben ihr und wischte sich mit dem Ärmel über die Stirn, auf der sich dicke Schweißtropfen gebildet hatten.

*

Der zweite Mann im Fond wollte seinem entwaffnetem Kollegen zu Hilfe eilen und griff in die Innentasche seines Sakkos, um einen Schalldämpfer hervorzuholen. Schnell und routiniert schraubte er ihn auf den Lauf seiner Pistole und richtete diese dann auf Lady Agatha, die noch nichts von der drohenden Gefahr mitbekommen hatte.

Parker, der das Geschehen auf dem Rücksitz aufmerksam im Spiegel beobachtete, hielt die Zeit zum Eingreifen für gekommen und preßte seinen Fuß auf einen Gummiball neben den Pedalen. Daraufhin sprang der Pistolenmann urplötzlich hoch und quiekte. Er ließ vor Schreck die Pistole fallen und griff nach seinem Hinterteil, das die Bekanntschaft mit einem spitzen Gegenstand gemacht hatte.

»Mann, Ihre Klapperkiste gehört wirklich auf den Schrottplatz«, beschwerte er sich, nachdem er auf den Sitz zurückgeplumpst war und seine Waffe wieder aufgehoben hatte. »Da kommen ja bereits die Federn durch die Polsterung.«

»Mein bescheidener Privatwagen ist tatsächlich nicht mehr der jüngste«, bemerkte Parker gemessen, »aber er hat mich viele Jahre meines Lebens begleitet, so daß ich ihn nicht so einfach der Schrottpresse überantworten möchte.«

Der Pistolenmann lehnte sich in die Polster zurück und schloß die Augen. »Irgendwie fühle ich mich auf einmal müde«, gähnte er. »Ich denke, ich werde ein Nickerchen machen.«

»Ein ausgezeichneter Einfall, Sir«, gab ihm Parker umgehend recht. »Man wird Sie zu gegebener Zeit rechtzeitig wecken.«

Sein entwaffneter Komplice starrte ihn ungläubig an. »He, was soll das, Jack, du kannst doch jetzt nicht pennen, Mensch?!«

»Warum nicht, wenn er müde ist?« reagierte Agatha Simpson freundlich, während sie nach ihrer seltsamen Hutschöpfung tastete. »Auch Sie werden gleich sehr müde werden.«

»Wie... wie meinen Sie das?« Der Mann wandte sich von seinem inzwischen im Tiefschlaf liegenden Partner ab und blickte die Lady mißtrauisch an.

Die Detektivin hatte die Pistole des Gangsters beiseite gelegt und hielt jetzt ihre Haarnadel in der Hand, die an einen Bratspieß erinnerte und nicht ungefährlich aussah.

Der Gangster bemerkte die neben der Lady auf dem Sitz liegende Pistole und hielt seine Chance für gekommen. Er warf sich über die ältere Dame und wollte nach seiner Waffe angeln. Doch er hatte die Rechnung ohne Mylady gemacht. Sie schob ihren Oberkörper etwas vor und verengte so den Innenraum im Fond des ehemaligen Taxis beträchtlich. Der eben noch muntere Ganove litt plötzlich unter einem Anfall akuter Atemnot, als er von Lady Agatha förmlich gegen die Vordersitze genagelt wurde.

»Na, lieber Freund, wer wird denn so stürmisch sein?« erkundigte sich die Detektivin freundlich und... rammte ihm die Haarnadel genüßlich in den Oberschenkel.

Trotz der Atemnot reichte es dem eingeklemmten Gangster noch zu einem Aufschrei, als sich die Nadel in sein Fleisch bohrte. Lady Agatha gab ihn frei und schob ihn mit fast mütterlicher Fürsorge in seinen Sitz.

»Haben Sie sich etwa weh getan?« fragte sie freundlich, während sie ihn musterte. »Keine Angst, das wird gleich vorbei sein. Das Gift beginnt jeden Augenblick zu wirken.«

»Gift? Aber... wieso denn? Was soll das heißen?« keuchte der Gangster und starrte sie anklagend an.

»Nun, die Nadel, die Sie eben gespürt haben, war natürlich vergiftet, mein Bester«, gab Lady Agatha bereitwillig Auskunft. »Wie heißt doch noch die Substanz, die Sie dafür besorgten, Mister Parker?« wandte sie sich an ihren Butler.

»Es handelt sich hierbei um ein besonders in Südamerika weitverbreitetes und sehr beliebtes Gift, Mylady«, gab Parker höflich zurück. »Man kennt es dort unter der Bezeichnung Curare.«

»Aber ... aber ... das ist doch tödlich ...«

Der von Myladys Haarnadel Behandelte konnte es nicht fassen und stierte entsetzt um sich. Er griff sich mit den Händen an die Kehle und schien unter Luftknappheit zu leiden, obwohl dies mit Sicherheit nur Einbildung war. Die Substanz, mit der Myladys Haarnadel präpariert war, stammte aus Parkers Privatlabor und war selbstverständlich absolut unschädlich, worauf der Butler bei der Wahl seiner Mittel grundsätzlich zu achten pflegte.

Das Präparat sorgte lediglich für einen traumlosen Schlaf, aus dem der Behandelte erfrischt und schmerzfrei erwachen würde. Mit dem gleichen Mittel waren natürlich auch die Nadeln behandelt, die Parker durch Niedertreten des Gummiballes neben den Pedalen aktivieren konnte und von denen der zweite Mann im Fond außer Gefecht gesetzt worden war.

Der Farbige auf dem Beifahrersitz wollte die Gelegenheit nutzen und sich absetzen. Er rüttelte heftig am Türgriff und verstand nicht, warum sich die Tür nicht öffnen ließ. Er ahnte nicht, daß Parker seinen Wagen vom Armaturenbrett aus zentral verriegelt hatte und die Sperre nur durch ihn gelöst werden konnte.

»Sie wollen uns bereits verlassen, Sir?« erkundigte sich Parker höflich, nachdem der junge Mann neben ihm seine Bemühungen entnervt eingestellt hatte.

»Bitte, Sir, lassen Sie mich gehen, damit ich untertauchen kann. Wenn die beiden da wieder aufwachen und mich erwischen, machen sie mich fertig, dann ist mein Leben keinen Pfifferling mehr wert... Es war sehr nett von Ihnen, mich mitgenommen zu haben, aber jetzt ist es wirklich besser, wenn ich verschwinde, glauben Sie mir. Außerdem würden auch Sie nur Ärger bekommen, wenn ich noch länger bei Ihnen bleibe.«

»Haben Sie den Eindruck, daß die beiden Herren noch sehr gefährlich sind?« fragte Parker freundlich, während er seinen Privatwagen bereits in die Zufahrt Shepherd’s Market lenkte.

»Ich weiß nicht, wie Sie die beiden zum Schlafen veranlaßt haben, aber eines ist sicher: Sobald die Kerle aufwachen, werden Sie mächtigen Ärger bekommen, und mich werden sie umlegen, wenn ich dann noch da bin. Also lassen Sie mich bitte gehen.«

Er sah Parker und Lady Agatha flehend an und blickte dann scheu auf die leise schnarchenden Gangster.

»Unsinn, junger Mann, von den beiden haben Sie nichts mehr zu befürchten«, dröhnte Lady Agatha aus dem Fond. »Sie haben Glück, daß Sie mir begegnet sind, ab sofort stehen Sie unter meinem ganz persönlichen Schutz. Ihre Sorgen können Sie getrost vergessen, die existieren bereits nicht mehr. Ist es nicht so, Mister Parker?«

»In der Tat, Mylady!« bestätigte Parker würdevoll. »Mylady werden sich umgehend des neuen Falles annehmen und in der Mylady eigenen, souveränen Manier in kürzester Zeit lösen.«

»Da hören Sie es!« Agatha Simpson nickte triumphierend und sah die schlafenden Gangster an. »Ich werde die Lümmel einem strengen Verhör unterziehen, Mister Parker, aber erst nach einem kleinen Imbiß. Sie dürfen dem jungen Mann hier auch eine Tasse Tee anbieten, sozusagen als Willkommenstrunk. Ich hoffe, daß man mir einen interessanten Fall zu bieten hat, ich begann bereits, mich etwas zu langweilen.«

»Sie wissen ja nicht, worauf Sie sich da einlassen. Lassen Sie die Finger davon!« flehte der junge Farbige auf dem Beifahrersitz. »Sie haben es mit hartgesottenen Gangstern zu tun, denen es auf einen Mord mehr oder weniger nicht ankommt. Lassen Sie mich gehen und beten Sie, daß die beiden Totschläger hier vergessen, daß Sie mir geholfen haben, sonst müssen Sie sich auf Schlimmes gefaßt machen.«

»Ich liebe die Abwechslung, junger Mann, und hoffe, daß Sie mir nicht zuviel versprochen haben.« Lady Agatha fühlte sich animiert und sah sich bereits wieder im Mittelpunkt eines spannenden Kriminalfalles. Sie gedachte, ihn voll und ganz zu genießen.

*

»Fassen wir noch einmal zusammen«, bat Mike Rander, der Anwalt und Vermögens Verwalter der Lady, der mit Kathy Porter, Lady Agathas Sekretärin und Gesellschafterin, an dem Gespräch in der großen Halle des alten Fachwerkhauses in Shepherd’s Market teilnahm. »Sie sind von einer Menschenschmuggelorganisation nach England gebracht worden und arbeiteten seitdem nahezu ohne Lohn in einem Konfektionsbetrieb, zusammen mit rund fünfzig anderen Farbigen aus Commonwealth- oder ehemaligen Commonwealth-Ländern. Ist das richtig?«

»Stimmt, Sir.« Der junge Farbige, der zwei Stunden zuvor Parkers Privatwagen mit einem Taxi verwechselt hatte, saß in einem großen Ledersessel in der Halle und hielt ein Glas in der Hand, das ihm Parker serviert hatte. Gary Malenka hatte sich ein wenig beruhigt und in knappen Sätzen seine Geschichte erzählt.

»Und heute sind Sie dann trotz strenger Bewachung geflohen und wollten sich bei der Polizei melden?« erkundigte sich Kathy Porter.

»Ja, das stimmt. Ich dachte, von der Polizei eingesperrt zu werden wäre immer noch besser, als von diesen Blutsaugern ausgebeutet zu werden. Aber leider haben die gemerkt, daß ich verschwunden war. Sie haben sofort ihre Wächter hinter mir hergeschickt, um mich zurückzuholen und zu töten.«

»Sind Sie sicher, daß man die Absicht hatte, Sie zu töten, Sir?« wollte Parker wissen, obwohl er keinen Augenblick an der Darstellung des jungen Mannes aus Gambia zweifelte. »Schließlich hätte man sich damit um eine junge und billige Arbeitskraft gebracht, wenn Sie mir diesen etwas respektlosen Hinweis Ihnen gegenüber gestatten.«

»Absolut, Sir.« Der Gambier Gary Malenka sah Parker ernst an. »Vor mir hat es bereits ein junger Inder versucht. Sie haben ihn nach zwei Stunden wiedergehabt und zur Abschreckung vor allen anderen erschossen. Diese Leute gehen über Leichen, die sind absolut skrupellos. Meine Schwester haben sie auch, die werden sich mit Sicherheit an ihr rächen.« Er barg sein Gesicht in den Händen und begann leise zu schluchzen. »Dabei wollten wir nur nach England, um hier ein besseres Leben anzufangen.«

Lady Agatha räusperte sich und blickte verlegen auf den jungen Mann. »Ist ja schon gut, jetzt sind Sie bei mir, junger Mann, und ich werde Ihnen und den anderen helfen.«

Sie sah Parker an. »Ich erwarte von Ihnen, Mister Parker, daß Sie umgehend die Details ausarbeiten, um die Bande unschädlich zu machen.«

»Wie Mylady wünschen.« Parkers Gesicht blieb ausdruckslos. Er verbeugte sich höflich. »Mylady denken sicher daran, Mister Malenka für unbestimmte Zeit aufzunehmen und die Verfolger einem strengen Verhör zu unterziehen.«

»Worauf Sie sich verlassen können, Mister Parker. Die beiden Lümmel werden nichts zu lachen haben, dafür garantiere ich! Nach dem Verhör werden Sie sie natürlich aus dem Haus entfernen, ich habe nicht die Absicht, kriminelle Elemente durchzufüttern. Meine Mittel sind beschränkt, ich muß mit jedem Penny rechnen.«

Bevor Parker eine Antwort geben konnte, meldete sich die Türglocke. Parker begab sich gemessen zu einem kleinen Wandschrank neben dem verglasten Vorflur und öffnete die Klappe. Dahinter kamen ein Fernsehmonitor sowie eine Schalttafel mit diversen Knöpfen zum Vorschein. Der Butler betätigte eine Taste, und der Monitor begann aufzuleuchten. Gestochen scharf lieferte er das Bild zweier seriös wirkender, etwas verkniffen blickender Anzugträger, die von den Überwachungskameras des alten Fachwerkhauses übertragen wurden.

»Sie wünschen bitte?« erkundigte sich Parker über die Gegensprechanlage.

Die Besucher griffen fast synchron in ihre Taschen und brachten kleine Plastikhüllen zum Vorschein, die sie wohl nach dem Öffnen der Tür vorweisen wollten. »Wir sind von der Einwanderungsbehörde, Inspektor Collins und Sergeant Warner. Wir würden gern mit der Hausbesitzerin sprechen«, erklärte der Ältere der beiden, während er ungeduldig von einem Fuß auf den anderen trat.

»Wer stört?« fragte Agatha Simpson ihren Butler, der die beiden Besucher bereits eingelassen hatte und in die Halle führte.

»Inspektor Collins und Sergeant Warner von der Einwanderungsbehörde«, stellte Parker vor und registrierte zufrieden, daß der junge Gambier sich nicht mehr in der Halle aufhielt. Mike Rander hatte ihn vorsichtshalber in einen Nebenraum geführt und kehrte gerade wieder zurück.