Parker sargt den Teufel ein - Günter Dönges - E-Book

Parker sargt den Teufel ein E-Book

Günter Dönges

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Beschreibung

Butler Parker ist ein Detektiv mit Witz, Charme und Stil. Er wird von Verbrechern gerne unterschätzt und das hat meist unangenehme Folgen. Der Regenschirm ist sein Markenzeichen, mit dem auch seine Gegner öfters mal Bekanntschaft machen. Diese Krimis haben eine besondere Art ihre Leser zu unterhalten. Butler Parker ist seinen Gegnern, den übelsten Ganoven, auch geistig meilenweit überlegen. In seiner auffallend unscheinbaren Tarnung löst er jeden Fall. Bravourös, brillant, effektiv – spannendere und zugleich humorvollere Krimis gibt es nicht! »Drogenhandel, Mister Parker«, sagte Agatha Simpson im baritonalen Brustton tiefer Abscheu, »ist ein nichtswürdiges Geschäft, besonders wenn Jugendliche verführt und in den Sog der Abhängigkeit gezogen werden.« Mylady legte ihre Morgenlektüre, die altehrwürdige TIMES, vor sich auf den Tisch im kleinen Salon. Butler Parker, der noch nicht dazu gekommen war, die abonnierte Zeitung zu lesen, da seine Herrin nach dem konservativen Blatt verlangt hatte, verlieh gleichfalls seiner Entrüstung Ausdruck. »Die Ansicht meiner bescheidenen Wenigkeit geht dahin, daß man dem skrupellosen Treiben ein Ende setzen muß und soll.« »Was habe ich denn gemeint? Man muß mit eisernem Besen kehren und dem Verbrechen den entschiedenen Kampf ansagen, Mister Parker. Ich selbst werde mir zur Aufgabe machen, die Hintermänner zu entlarven. Und wie werde ich dabei vorgehen, Mister Parker?« »Myladys Ruf, leidenschaftliche Kriminalistin zu sein, ist weit verbreitet«, gab Josuah Parker zu bedenken. »Sollten Mylady beabsichtigen, sich selbst in den Kampf gegen das Drogenunwesen zu stürzen, ist allerdings davon abzuraten.« »Wieso, Mister Parker? Das verstehe ich nicht.« Josuah Parker trat in gewohnter Vertraulichkeit einen Schritt näher. »Myladys Physiognomie entspricht nicht gerade der völligen Unauffälligkeit, wie sie bei detektivischer Arbeit, insbesondere bei der Verfolgung von Rauschgiftverteilern, wünschenswert wäre.« »Wollen Sie damit sagen, ich wäre zu dick, Mister Parker?« Agatha Simpson drückte unauffällig einen Fischbeinstab ihres Korsetts beiseite, der sie im Sitzen zwickte. »Myladys Figur ist von imposanter Stattlichkeit«, schwächte Josuah Parker ab.

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Seitenzahl: 123

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Butler Parker – 213 –Parker sargt den Teufel ein

Günter Dönges

»Drogenhandel, Mister Parker«, sagte Agatha Simpson im baritonalen Brustton tiefer Abscheu, »ist ein nichtswürdiges Geschäft, besonders wenn Jugendliche verführt und in den Sog der Abhängigkeit gezogen werden.« Mylady legte ihre Morgenlektüre, die altehrwürdige TIMES, vor sich auf den Tisch im kleinen Salon.

Butler Parker, der noch nicht dazu gekommen war, die abonnierte Zeitung zu lesen, da seine Herrin nach dem konservativen Blatt verlangt hatte, verlieh gleichfalls seiner Entrüstung Ausdruck. »Die Ansicht meiner bescheidenen Wenigkeit geht dahin, daß man dem skrupellosen Treiben ein Ende setzen muß und soll.«

»Was habe ich denn gemeint? Man muß mit eisernem Besen kehren und dem Verbrechen den entschiedenen Kampf ansagen, Mister Parker. Ich selbst werde mir zur Aufgabe machen, die Hintermänner zu entlarven. Und wie werde ich dabei vorgehen, Mister Parker?«

»Myladys Ruf, leidenschaftliche Kriminalistin zu sein, ist weit verbreitet«, gab Josuah Parker zu bedenken. »Sollten Mylady beabsichtigen, sich selbst in den Kampf gegen das Drogenunwesen zu stürzen, ist allerdings davon abzuraten.«

»Wieso, Mister Parker? Das verstehe ich nicht.«

Josuah Parker trat in gewohnter Vertraulichkeit einen Schritt näher. »Myladys Physiognomie entspricht nicht gerade der völligen Unauffälligkeit, wie sie bei detektivischer Arbeit, insbesondere bei der Verfolgung von Rauschgiftverteilern, wünschenswert wäre.«

»Wollen Sie damit sagen, ich wäre zu dick, Mister Parker?« Agatha Simpson drückte unauffällig einen Fischbeinstab ihres Korsetts beiseite, der sie im Sitzen zwickte.

»Myladys Figur ist von imposanter Stattlichkeit«, schwächte Josuah Parker ab. »Die Gegenseite könnte sich Myladys markantes Profil zunutze machen und Beschreibungen an die Mittelsmänner herausgeben, so daß Myladys. Ermittlungen an den Tatorten nur unbefriedigende Erfolge zeitigen.«

»Plane ich etwa, mich mit unbedeutenden Klein-Dealern abzugeben, Mister Parker?«

»Keinesfalls, Mylady.«

»Sondern...?«

»Mylady folgen dem genialen Einfall, den Kopf der verbrecherischen Organisation unschädlich zu machen.«

»Das will ich auch meinen, und wenn Sie schon dahintergekommen sind, wie solche Dinge laufen, brauche ich Ihnen nicht weiter zu erklären, wie ich vorgehen werde. Ich halte es für meine Pflicht, meine kriminalistische Begabung der Allgemeinheit und besonders dem Wohl der gefährdeten Jugend zur Verfügung zu stellen. Womöglich ist auf die Ergreifung des Drogenkönigs eine hohe Belohnung ausgesetzt? Ich werde das Geld selbstverständlich für mich beanspruchen.«

»Sehr wohl, Mylady«, sagte Parker mit einer knappen Verbeugung. Er trat vollends an den Tisch und gedachte, die »TIMES« zusammenzufalten und an sich zu nehmen, doch Lady Agatha hinderte ihn daran.

»Lassen Sie bitte meine Zeitung liegen, Mister Parker. Ich überlasse Ihnen das Blatt, wenn ich die Berichte, die mich interessieren, gelesen habe. Im Feuilleton steht etwas über den ehrenwerten Mister Pitcher. In wahrhaft altruistischer Weise habe er den öffentlichen Waisenhäusern dieser Stadt eine noble Spende zukommen lassen.«

»In der Tat, Mylady? Mister Pitcher soll es aus kleinsten Anfängen zu einem bemerkenswerten Vermögen gebracht haben. Vielleicht hält Mister Pitcher es für seine moralische Pflicht, im Wohlstand die Ärmsten nicht zu vergessen, die elternlos Heranwachsenden.«

»Unsinn, Mister Parker. In meinen Augen ist Pitcher ein seltsames Individuum. Welcher klardenkende Mensch trennt sich freiwillig auch nur von einem Penny ... Ich will Ihnen mal was sagen: dieser Saul Pitcher hat etwas zu verbergen! Natürlich interessiert mich die dunkle Stelle seiner Vergangenheit, die er mit solch lächerlicher Spende kaschieren will. Heute nachmittag erwarte ich von Ihnen Pitchers Dossier und einen lückenlosen Bericht über seinen zweifelhaften Werdegang, Mister Parker.«

»Man wird sich bemühen, Myladys Wünsche zu erfüllen«, erwiderte der Butler. »Indessen mag jedoch zu bedenken sein, daß Mister Pitcher gerade aus seiner derzeitigen Lage heraus Vorkehrungen getroffen haben wird, um die Makel der Vergangenheit unkenntlich zu machen. Es wird möglicherweise etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen, a\s bis zu den Nachmittagsstunden bleibt, Mister Pitcher umfassend zu durchleuchten, Mylady.«

»Das ist Ihre Sache, Mister Parker. Schaffen Sie mir auf jeden Fall alles herbei, was Sie über Saul Pitcher bekommen können, besonders die heiklen Punkte seines Aufstiegs aus den Slums. Ich möchte wissen, was den Mann dazu bringt, sein sauer verdientes Geld unters Volk zu werfen.«

*

Josuah Parker war Aufträge dieser Art gewohnt und mit der prompten Erledigung vertraut. Er suchte diverse Pressearchive auf, machte sich Notizen und erwarb gegen Kostenbeitrag einige Fotoabzüge der Person seines befohlenen Interesses.

Die Ausbeute an Informationen über Saul Pitcher hielt sich jedoch in Grenzen. Der Butler besuchte daher auch noch das Somerset House, in dem sämtliche Testamente, Hinterlassungsurkunden und Legate des Vereinigten Königreiches aufbewahrt wurden.

Bei Nachweis erlaubten Interesses und gegen Zahlung einer geringen Gebühr wurde einem begrenzten Personenkreis Einsicht in spezifische Unterlagen gewährt. Josuah Parker gab sich – nicht ganz zu Unrecht und in diesem Fall lediglich ohne Wissen des Betreffenden – als Bevollmächtigter des Anwaltes und Vermögensberaters Mike Rander aus. Man akzeptierte Parkers Vorgabe, da er schon mehrfach für Mister Rander im Somerset House tätig gewesen und dem Verwaltungspersonal bekannt war.

Da er strikt untersucht war, von den Urkunden Notizen zu machen oder gar Kopien anzufertigen, mußte Parker sich auf sein fabelhaftes Gedächtnis verlassen, als ihm nach einer gewissen Wartezeit der gebündelte Akt Pitcher vorgelegt wurde.

Bei Durchsicht der Unterlagen traf Parker die Feststellung, daß seine Herrin sich bezüglich der Herkunft aus den Slums geirrt hatte. Saul Pitcher, dritter von fünf Söhnen eines Corporals, der in Indien gedient hatte und früh verstorben war, hatte günstigere Startchancen gehabt.

Zurück im herrschaftlichen Haus am Shepherd’s Market trug Butler Parker die gewonnenen Erkenntnisse säuberlich und gemäß der normalen Zeitabfolge ein, so daß sich schließlich doch ein informativer Lebenslauf jener Person ergab, die Mylady schnöde als Emporkömmling bezeichnet hätte: Saul Mundrago Pitcher.

Später als die Besitzerin des viktorianischen Fachwerkhauses geruhte, die Arbeitsergebnisse ihres Butlers entgegenzunehmen, erfolgte durch Parker noch ein mündlicher Hinweis.

»Das vorliegende Dossier beinhaltet das gesamte erreichbare Material über Mister Pitcher, Mylady. Meiner Wenigkeit war leider verwehrt, Einblick in die etwa angelegten Strafregisterauszüge zu nehmen. Myladys freundschaftliche Kontakte zu hohen Chargen von Scotland Yard werden es jedoch möglich machen, auch diese Informationen zu gewinnen.«

»Wenn Sie mit den ›hohen Chargen‹ etwa Mister McWarden meinen, bleibt mir nichts anderes übrig, festzustellen, daß der Chief-Superintendent starrköpfig ist. Natürlich habe ich mich mit ihm als erstem in Verbindung gesetzt, aber McWarden schweigt wie eine Auster.«

»Das läßt den Schluß zu, Mylady, daß gegen Mister Pitcher entweder nicht das mindeste vorliegt – oder daß der Gegenstand von Myladys Mißtrauen bei der Polizei keine unbekannte Größe ist.«

»Dieser Pitcher ist mir höchst suspekt, Mister Parker. McWardens Verschlossenheit ist für mich Beweis genug, daß Pitcher sein Vermögen nicht auf redliche Weise erworben hat. Mich sollte nicht wundern, wenn sich herausstellt, daß Pitcher auch im Drogenhandel mitwirkt. Zeigen Sie mal her, was Sie an Nebensächlichkeiten über diesen Betrüger zusammengebracht haben. Ich brauche Sie dann nicht mehr. Miß Kathy soll zu mir kommen. Ich begebe mich in mein Studio und möchte in den nächsten Stunden nicht gestört werden. Stellen Sie auch das Telefon um, Mister Parker. Ich habe mit meiner Sekretärin zu arbeiten.«

»Sehr wohl, Mylady.«

Josuah Parker gestattete sich nicht, die Auslagen zu erwähnen, die in Verbindung mit den Recherchen erforderlich waren. Agatha Simpson konnte geradezu ausfallend werden, wenn es sich um den Ausgleich einmal unumgänglicher Verbindlichkeiten handelte.

*

Kathy Porter erging sich im Garten hinter dem Haus. Josuah Parker war genötigt, die Sekretärin und Gesellschafterin seiner Herrin draußen aufzusuchen. Die Möglichkeit, sich aus dem Fenster zu beugen und nach Miß Porter zu rufen, erschien ihm taktlos.

Der Butler schritt gemessen und würdevoll zu den sonnigen Außenanlagen, erlaubte sich, den Duft von blühendem Jasmin bewußt wahrzunehmen, und näherte sich der attraktiven Dreißigerin.

Man sah von der hochgewachsenen und selbstbewußten jungen Dame nur einen Teil der Rückenpartie. Kathy schien sich mit der schmiedeeisernen Gartenbank zu unterhalten.

Diskret blieb Josuah Parker stehen. Dennoch konnte er ungewollt ein paar hastige Worte mit anhören.

»... es geht nicht, und ich will auch nicht.« Dies war Kathy Porters Stimme.

»Nur ein paar Pfund, verdammt noch mal. Du hast doch Geld, Mädchen. Oder ist die alte Fregatte dir noch Lohn schuldig?«

»Das geht Sie nichts an, Mister. Lassen Sie mich los ...«

Parker gab seinen ungewollten Lauschposten auf, um der Bedrängten zu Hilfe zu eilen. »Miß ...?«

»Gut daß Sie gekommen sind, Mister Parker. Dieser Mann belästigt mich. Ich fand ihn auf der Gartenbank, wo er schlief.«

Der ungepflegte Eindringling lachte meckernd. »Wer schläft, sündigt nicht. Hab’ ich recht, du alter Pinguin?« Er blickte Parker aus wäßrigen Augen an.

Der Butler nahm Kathy Porter beiseite. »Lady Agatha verlangt nach Ihnen, Miß Porter. Sie finden Mylady im Studio.»

Die junge Frau eilte dem Haus zu. Josuah Parker faßte die unangenehme Erscheinung des offensichtlichen Penners näher ins Auge. »Stehen Sie auf, Mister, und verlassen Sie widerstandslos das Grundstück!«

»Du hast mir nichts zu sagen, du steifes Gestell.« Der Bursche griff nach Parkers Ärmel und rieb den schwarzen Kammgarnstoff prüfend zwischen Daumen und Zeigefinger. »Beste Qualität, Mann. Du mußt reich sein. Gib mir ein paar Pfund, und ich verschwinde. Bei deiner Lady war ich schon am Vormittag. Das aufgeschwemmte Suppenhuhn hat mich die Vortreppe runtergeschmissen. Mich! Dabei war ich mal Nummer eins in einem stinkvornehmen Laden.«

»Mister Unbekannt, Sie beleidigen Mylady und Myladys Gesellschafterin und haben eine rüde Sprache. Gehen Sie jetzt, oder Sie haben mit Konsequenzen zu rechnen.«

»Von dir doch nicht.« Der Heruntergekommene schielte von unten herauf nach Parkers unbewegtem Gesicht. »Wo willst du die Kerle hernehmen, um mich zu verjagen? Ich fühl’ mich hier verdammt wohl.«

»Mister Parker!« Myladys Bariton erklang rächend wie am Jüngsten Tag aus den oberen Gemächern des Hauses. »Ich verlange, daß Sie auf der Stelle dieses Subjekt zum Teufel jagen.«

»Sehr wohl, Mylady«, gab Parker zurück.

»Sehr wohl, Mylady«, äffte ihn der Penner nach. »Was machst du jetzt, du verknöcherter Pavian?«

»Es tut meiner bescheidenen Person außerordentlich leid, Ihnen Ungemach zufügen zu müssen«, erwiderte Parker, beförderte den Promille-Belasteten mit gekonntem Judogriff in die Luft und nahm ihn in Empfang, um ihn über die Auffahrt bis zur Nebenstraße hinunter abzuführen.

»Nicht schlecht«, sagte der plötzlich ernüchterte Vagabund. Man befand sich außerhalb der Reichweite von Myladys Adleraugen. »Ich muß Sie sprechen, Parker. Sie scheinen nachgelassen zu haben, daß Sie mich nicht wiedererkannt haben.«

»Sir...?«

»Keine Übertreibungen, Parker.« Der mysteriöse Gentleman entfernte die Haftschalen von den Pupillen, die nun nicht mehr tränten und von einem tiefen Blau waren. »Nun, weckt das nicht Ihre Erinnerung, Parker? Denken Sie sich noch den tagealten Bart weg und die Fetzen, deren Beschaffung mich einige Mühe gekostet hat.«

Josuah Parker schüttelte sein Haupt. »Wären Sie geneigt, Sir, Umstände wie Ort und Zeit jenes angeblich früheren Zusammentreffens zu nennen?«

»Sie sind immer noch der alte, Parker. Denken Sie mal an die Zeit, bevor Sie nach Amerika gegangen sind, um den Junggesellenhaushalt meines Freundes Mike Rander auf Vordermann zu bringen. Mehr Hilfen darf ich Ihnen nicht geben, sonst verliere ich meine Wette. Es geht um eine Kiste Champagner, die der gute Rander an mich verliert, falls Sie nicht herausfinden, wer ich bin.«

»Sie heißen Jan O’Reely, Sir«, sagte Parker wie aus der Pistole geschossen. »Sie haben als Flieger einen hervorragenden Namen, sind jedoch als Privatdetektiv tätig und arbeiten praktisch weltweit. Meine bescheidene Wenigkeit hat sie sofort erkannt, Sir. Nähere Nachfragen dienten lediglich der Feststellung, ob sie tatsächlich den Wunsch hatten, wiedererkannt zu werden.«

»Dann hätte ich mir den Aufzug sparen können, Parker. Ich bin immer noch, wenn Sie so wollen, in Berufskleidung. Mike Rander, bei dem ich wohne, so lange ich in London zu tun habe, ist außer sich über meine Verkommenheit. Schätzungsweise war es ihm das Risiko einer Kiste Champagner wert, mich wieder in bürgerliche Normen zurückzuzwingen.«

»Sie haben ihre Verkörperung eines Londoner Stadtstreichers übertrieben, Sir. Keiner dieser Vagabunden würde es wagen, gleich ein paar Pfund zu fordern. Auch halten sich solche Subjekte von privaten Grundstücken fern.«

»Ich mache Fehler über Fehler, wie? Nun, ich bin selbst froh, wenn ich dieses Lumpenzeug ausziehen kann. Um ehrlich zu sein, es war nicht allein meine Wette mit Mike Rander, die mich hergeführt hat. Ich wollte auch Kathy kennenlernen, zugegeben auf unübliche Weise. Es ist doch so, daß man sich vor einem alten Säufer nicht verstellt, nicht wahr, Parker? Kathy, eine wirklich erfreuliche Erscheinung, hat es jedenfalls nicht getan, und Sie, Parker, haben auch kein Jota Ihrer Würde preisgegeben, obwohl ich mir redlich Mühe gegeben habe, Sie auf die Palme zu bringen.« O’Reely lachte. »Aber im Ernst, Parker, es gibt noch einen dritten Grund, weshalb ich hier bin. Ich arbeite an einem Fall, bei dem ich Ihre Unterstützung brauche. Wenn Sie es irgendwie einrichten können, sollte Ihre Herrin nichts davon erfahren.«

»Dies, Sir, ist ein Ding der Unmöglichkeit«, erwiderte Josuah aus leidvoller Erfahrung. »Wie Blumenkelche sich zur Sonne hin öffnen, so tun sich auch Verschwiegenheiten und Geheimnisse auf, sobald Mylady daran rührt.«

»Pech ist, daß Ihre Herrin uns zusammen gesehen hat, Parker. Aber wiederum gut, daß ich nicht im Straßenanzug erschienen bin. Ist wenigstens auf Kathy Porter Verlaß?«

»Absolut, Sir. Es ist auch ein Vergnügen, Myladys Haushalt vorzustehen, Sir. Dies sei für den Fall erwähnt, daß Sie die Äußerungen meiner Person bezüglich der Wahrung von Geheimnissen gegenüber Mylady nicht in dem Sinne deuteten, wie sie gemeint waren, Sir.«

»Loyal bis zum letzten Atemzug, wie, Parker? Na, das ehrt Sie. Ein Jammer, daß Sie nicht frei sind! Ich könnte einen Butler wie Sie phantastisch gebrauchen. Sie fahren einmalig gut, Parker, besitzen eine Pilotenlizenz für alle Klassen, einschließlich Jet, und – wenn ich nicht irre – haben Sie sogar das Offizierspatent für Submarines.«

»Nur in einer bescheidenen Klasse, Sir, Atom-U-Boote sind vor meiner Person sicher.«

»Wenigstens diese Disziplin beherrschen Sie mal unzureichend. Das tröstet mich, Parker. Dienste auf oder unter Wasser werden von Ihnen auch nicht erwartet, wenn ich Sie bitte, mich in meinem aktuellen Fall zu unterstützen.«

»Darf man fragen, worum es sich diesmal handelt, Sir?«

»Eine ganz übliche Geschichte, Parker. Das Übel macht sich auf allen Kontinenten breit, nur merry old England blieb durch seine splendid isolation bisher einigermaßen verschont. Es handelt sich um das epidemische Auftreten von Hepatitis B, oder, wie der Name schon sagt, der Hepatitis epidemica, die durch Viren hervorgerufen wird.«

»Sind Sie unter die Mediziner gegangen, Sir?«

»Ich arbeite immer noch als Schnüffler, Parker. Das soll auch so bleiben. Meine Auftraggeber spielen eine tragende Rolle in der besseren Gesellschaft von San Francisco. Um die beiden hoffnungsvollen Söhne aus dem sündigen California zu entfernen, haben sich die Eltern entschlossen, sie nach England auf Colleges von der Art zu geben, für die man entweder von uraltem Adel sein muß – oder mehrfacher Dollarmillionär.

Die beiden Knaben sind nun hier, der eine in Oxford, der andere in Cambridge. Das erste, was die beiden Sprößlinge taten, war, sich eine böse Leberentzündung einzuhandeln, eben jene Hepatitis epidemica. Meine Auftraggeber in Frisco waren außer sich.«

Sehr verständlich, Sir. Anzunehmen ist, daß Sie, Sir, die wahren Schuldigen ermitteln und dem Gang der Gerechtigkeit anheimgeben sollen.«

»Exakt, Parker. Wissen Sie, wodurch vor allem Hepatitiserreger übertragen werden?«