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Für den besseren Durchblick beim Mikroskopieren. Mithilfe dieses ePubs und der Zusatzoption "Mikroskopieren im Internet" ist schnell nicht mehr alles "nur noch Rosa". Nach Organsystemen gegliedert umfasst dieses ePub: - zahlreiche Schnittpräparate mit eindeutiger Beschriftung - so werden Zelltypen schnell erkannt - Fallbeispiele der häufigsten Erkrankungen mit Übersichts- und Detailbildern - so werden Befunde augenfällig - Darstellung der dazugehörigen Krankheitsbilder mit Ätiologie und Symptomatik - so werden Zusammenhänge verständlich und der Faszination Pathohistologie steht nichts mehr im Wege. Lunge oder Milchdrüse? Ösophagus oder Duodenum? Zahn oder Kralle? Zunächst sieht alles gleich aus# Doch Übung macht den Meister und dann wird es richtig spannend! Für das virtuelle Mikroskopieren benötigen Sie einen Internetzugang.
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Seitenzahl: 440
Veröffentlichungsjahr: 2012
Meiner geliebten Frau Angelika
und meinem Sohn Lars
mit großer Zuneigung gewidmet
Pathohistologie für die Tiermedizin
Herausgegeben von Wolfgang Baumgärtner Unter Mitarbeit von Andrea Gröne Achim D. Gruber Christiane Herden Marion Hewicker-Trautwein Peter Schmidt Peter Wohlsein 2., aktualisierte Auflage 324 Abbildungen 2 Tabellen
Die erste Auflage des Lehrbuches „Pathohistologie für die Tiermedizin” war überraschend schnell vergriffen, so dass eine unerwartet frühe und zeitnahe 2. Auflage dieses Lehrbuchs unumgänglich war. Die Zielaufgabe der Autoren für diese Auflage war es, erneut ein handliches Lehrbuch zu schaffen, das einerseits den Studierenden, aber auch dem bereits im Beruf stehenden Tierarzt als Lernhilfe, Weiterbildungsnachschlagewerk oder zur Auffrischung von Wissenslücken dient. Unter Beibehaltung des sehr bewährten Konzeptes mit theoretischen Einführungen und der erklärenden Einbeziehung der organtypischen Terminologie für die pathologischen Veränderungen mit Verweis auf charakteristische histologische Abbildungen wurde in der 2. Auflage eine überschaubare inhaltliche Erweiterung und Aktualisierung vorgenommen. Dies soll auch den klinisch Tätigen in die Lage versetzen, pathologisch-histologische Befunde entsprechend zu interpretieren und in eine zielgerichtete Therapie umzusetzen. Bei der sorgfältig konstruierten Verweis-Struktur des Buches wurde darauf geachtet, dass Krankheitsprozesse zusammenhängend dargestellt wurden und die Informationen über Einzelbefunde hinausgehen. Hierbei wurde besonderer Wert auf Pathogenese und Differentialdiagnosen gelegt.
Das Gesamtkonzept des Buches, das eine verständliche und nachvollziehbare Histopathologie – essentiell für eine gute pathologisch-anatomische und klinische Diagnostik – unter Einbeziehung ätiologischer und morphologischer Differentialdiagnosen beinhaltet, wurde konsequent auch in der 2. Auflage umgesetzt. Die primäre Zielrichtung des Buches ist nicht die Ausbildung von Histopathologen, sondern die Vermittlung der vorherrschenden zellulären und azellulären lichtmikroskopischen Veränderungen bei entzündlichen, degenerativen und neoplastischen Prozessen. Das Wissen um diese Alterationen, deren Zusammensetzung, Pathogenese und insbesondere die Beteiligung von unterschiedlichen Zelltypen und humoralen Faktoren am Krankheitsgeschehen bilden die Voraussetzungen für eine gute und nachvollziehbare Diagnostik. Dieser Ansatz, dass der Histopathologie eine Brücken- bzw. Vermittlerfunktion für das Verständnis der Pathogenese und bei der Formulierung der Diagnose zukommt, wurde auch in dieser Auflage nachhaltig berücksichtigt und verstärkt. Konzeptionell sollen später der diagnostisch tätige Tierarzt oder Forscher in der Lage sein makroskopische Veränderungen automatisch „virtuell” in ihre lichtmikroskopischen Bestandteile zu zerlegen. Diese virtuellen Mosaiksteine bilden die Basis für die Verwendung der richtigen Terminologie bei der Ausformulierung der Diagnosen und Differentialdiagnosen.
Der Herausgeber schätzt sich glücklich, dass für die Mitarbeit im Kapitel „Herz- und Kreislauforgane, Körperhöhlen” mit Prof. Dr. Peter Schmidt (Wien) und im Kapitel „Lymphatische Organe” mit Prof. Dr. C. Herden (Gießen) zwei ausgewiesene Experten für die jeweiligen Organ- und Gewebesysteme gewonnen werden konnten.
Der Herausgeber dankt allen Autoren für die loyale und kollegiale Mitarbeit. Dem Enke Verlag, vertreten durch Frau Dr. Maren Warhonowicz und Dr. Ulrike Arnold, gilt schließlich der besondere Dank für die verlegerische Betreuung des Werkes, Engagement und Unterstützung sowie hilfreiche konzeptionelle Hinweise.
Hannover, Herbst 2011 W. Baumgärtner
Obwohl sich in den letzten Jahrzehnten methodisch und konzeptionell sowohl in der Grundlagenforschung wie auch in der angewandten Tiermedizin sehr viel geändert hat, gilt nach wie vor, wenn auch in modifizierter Form, insbesondere in der Pathologie die von Rudolf Virchow aufgestellte Theorie der Zellularpathologie „Omnis cellula e cellula”. Dieses vor mehr als 100 Jahren von dem Gründer der modernen Pathologie formulierte Konzept weist in aller Deutlichkeit auf die Bedeutung hin, die dem Verständnis von zellulären Vorgängen zukommt. Die Pathohistologie ist einerseits die Grundlage und der goldene Standard bei der Diagnose von Krankheiten. Andererseits spielt das Wissen um die zellulären Veränderungen und deren formale und ätiologische Genese eine essenzielle Rolle bei der kompetenten Interpretation von morphologischen Befunden insbesondere in Bezug auf Pathogenese, Prognose und Epikrise.
Mit dem verstärkten Einsatz der Molekularbiologie wurde die kritische Frage nach der Bedeutung und Sinnhaftigkeit der Pathohistologie im Allgemeinen und insbesondere im Rahmen des Tiermedizinstudiums gestellt. Es bleibt daher umso bemerkenswerter festzuhalten, dass in den letzten Jahren eine Renaissance der licht- und elektronenmikroskopischen Untersuchungstechniken und ein zunehmender Bedarf an Spezialisten auf diesem Tätigkeitsfeld zu beobachten ist. Die Interpretation von festgestellten alternativen oder fehlenden molekularen Interaktionen auf Nukleinsäure- und Proteinebene in einem komplexen System wie der Zelle bzw. des Gesamtorganismus gestaltet sich allerdings ohne Hinzuziehung der zellulären Ebene als äußerst schwierig. Erst der Nachweis der Manifestation einer molekularen Entgleisung mittels morphologischen Methoden erlaubt eine weitergehende Interpretation in Bezug auf Signifikanz und Pathogenese von Krankheitsprozessen. Darüber hinaus führt der komplementäre Einsatz von morphologischen und molekularbiologischen Untersuchungsmethoden zu einem besseren Verständnis von Krankheitsprozessen in der Diagnostik und Pathogeneseforschung und bildet die Voraussetzung für die Formulierung von Therapieansätzen.
In Anbetracht des hohen Stellenwertes der Pathohistologie für die Diagnostik und die Bedeutung des Wissens um die zellulären Vorgänge für das Verstehen der Genese von pathologischen Prozessen und bei der Abklärung von morphologischen und ätiologischen Differenzialdiagnosen machte sich das Fehlen eines entsprechenden aktuellen deutschsprachigen Lehrbuches besonders schmerzlich bemerkbar. Diese Lücke soll durch das nun vorliegende Werk geschlossen werden. Bei der Erstellung des Buches wurde versucht, neuen Aspekten der pathohistologischen Diagnostik wie auch der formalen Genese von Krankheitsprozessen gerecht zu werden. Hierbei wurden die Bedürfnisse der Studierenden nach einem klar strukturierten neuzeitlichen Lehrbuch und des im Berufsleben stehenden Tierarztes oder des an der Pathohistologie interessierten Kollegen nach einem übersichtlich gegliederten Nachschlagewerk berücksichtigt.
Der besondere Dank der Autoren und des Herausgebers gilt Frau Dr. Vanja Paltian vom Institut für Pathologie der Tierärztlichen Hochschule Hannover für die Mitarbeit und Koordination der einzelnen Kapitel, graphischen Abbildungen und Korrekturhilfen. Großer Dank geht außerdem an Herrn Professor Gruber vom Institut für Tierpathologie an der Freien Universität Berlin und an seine Mitarbeiter Frau Dr. Kershaw und Herrn Rund für das Scannen der Präparate. Durch deren Hilfe ist es uns nun möglich, die im Buch abgebildeten Schnitte im Internet zur Verfügung zu stellen. Dem Enke Verlag, vertreten durch Frau Heike Listmann, Frau Yvonne Hagen und Frau Dr. Ulrike Arnold, gilt schließlich der besondere Dank für die verlegerische Betreuung des Werkes, Engagement, Unterstützung und hilfreiche konzeptionelle Hinweise.
Hannover, Sommer 2007
W. Baumgärtner A. Gröne A. D. Gruber
M. Hewicker-Trautwein P. Wohlsein
Teil 1 Grundlagen
1 Die pathohistologische Diagnose.
W. Baumgärtner
Färbetechniken und Nachweisverfahren
W. Baumgärtner, P. Wohlsein
2.1 Färbetechniken
2.2 Nachweisverfahren
3 Entzündung
W. Baumgärtner
3.1 Allgemeines
3.2 Akute Entzündung
3.3 Chronische Entzündung
3.4 Splendore-Hoeppli-Material
3.5 Altersbestimmung der Entzündung
3.6 Am Entzündungsprozess beteiligte Zellen
3.6.1 Erythrozyten
3.6.2 Thrombozyten
3.6.3 Granulozyten
3.6.4 Lymphozyten
3.6.5 Plasmazellen
3.6.6 Makrophagen
3.6.7 Mastzellen
3.7 Histologische Abbildungen
4 Tumoren
M. Hewicker-Trautwein, A. D. Gruber, P. Wohlsein
4.1 Definition und Terminologie der Tumoren
4.2 Kausale Tumorigenese
4.3 Dignität von Tumoren
4.4 Klassifikation von Tumoren
4.4.1 Epitheliale Tumoren
4.4.2 Mesenchymale Tumoren
4.4.3 Mischtumoren
4.4.4 Neuroektodermale Tumoren einschließlich der Neoplasien des pigmentbildenden Gewebes
4.4.5 Sonderformen
4.5 Tumormetastasierung
4.6 Makroskopische Beurteilung von Tumoren
4.7 Histologische Beurteilung von Tumoren
4.7.1 Zytomorphologie
4.7.2 Ausbildung einer extrazellulären Matrix
4.7.3 Verhalten von Tumorzellen im Gewebeverband
4.7.4 Beurteilung des Tumorstromas
4.7.5 Ausbildung einer Kapsel und Kompression des Nachbargewebes
4.7.6 Lokal invasives Wachstum, Folgen für das Nachbargewebe und Gefäßeinbrüche
4.7.7 Identifikation von Metastasen
4.7.8 Vollständige Entnahme
4.8 Prognose
4.9 Immunhistologische Tumordiagnostik
4.10 Tumorarten
4.10.1 Fibrom
4.10.2 Leiomyom
4.10.3 Fibrosarkom
4.10.4 Osteosarkom
4.10.5 Mastozytom
4.10.6 Malignes Melanom der Mundhöhle
4.10.7 Einfaches Adenom der Mamma
4.10.8 Einfaches Adenokarzinom der Mamma
4.10.9 Benigner Mammamischtumor
4.10.10 Plattenepithelkarzinom der Haut
4.10.11 Equines Sarkoid
4.10.12 Hämangiosarkom
4.10.13 Kanines kutanes Histiozytom
4.10.14 Lungenadenomatose
4.10.15 Seminom
4.10.16 Oligodendrogliom
4.10.17 Malignes Lymphom in der Leber
Teil 2 Pathohistologie der Organsysteme
1 Herz- und Kreislauforgane, Körperhöhlen
P. Wohlsein, P. Schmidt
1.1 Makroskopische Struktur
1.2 Histologischer Aufbau
1.3 Organspezifische pathohistologische Veränderungen
1.4 Erkrankungen
1.4.1 Maulbeerherzkrankheit
1.4.2 Lympho-histiozytäre Myokarditis bei Maul- und Klauenseuche
1.4.3 Valvuläre Endokarditis thromboticans
1.4.4 Fremdkörper-Perikarditis
1.4.5 Verminöse Endarteriitis thromboticans
1.4.6 Nocardiose
2 Lymphatische Organe
C. Herden, P. Wohlsein, W. Baumgärtner
2.1 Makroskopische Struktur
2.2 Histologischer Aufbau
2.3 Organspezifische pathohistologische Veränderungen
2.4 Erkrankungen
2.4.1 Yersiniose
2.4.2 Eitrige Lymphadenitis
2.4.3 Granulomatöse Lymphadenitis bei Tuberkulose
2.4.4 Post Weaning Multisystemic Wasting Syndrome (PMWS)
3 Respirationstrakt
M. Hewicker-Trautwein
3.1 Makroskopische Struktur
3.2 Histologischer Aufbau
3.3 Organspezifische pathohistologische Veränderungen
3.4 Erkrankungen
3.4.1 Stauungslunge
3.4.2 Chronische Peribronchitis und Bronchiolitis sowie chronisches, diffuses, alveoläres Lungenemphysem beim Pferd
3.4.3 Katarrhalisch-eitrige Bronchopneumonie
3.4.4 Fibrinöse Pneumonie
3.4.5 Interstitielle Pneumonie bei Staupe
3.4.6 Granulomatöse Pneumonie bei Tuberkulose
3.4.7 Mykotische Pneumonie bei Aspergillose
3.4.8 Verminöse Pneumonie bei der Lungenwurmkrankheit
4 Verdauungstrakt
A. D. Gruber
4.1 Makroskopische Struktur
4.2 Histologischer Aufbau
4.3 Organspezifische pathohistologische Veränderungen
4.4 Erkrankungen
4.4.1 Pansenazidose
4.4.2 Ulzerative Gastritis
4.4.3 Parvovirose
4.4.4 Paratuberkulose
4.4.5 Dysenterie des Schweines
4.4.6 Porzine proliferative Enteropathie.
5 Leber
P. Wohlsein
5.1 Makroskopische Struktur
5.2 Histologischer Aufbau
5.3 Organspezifische pathohistologische Veränderungen
5.4 Erkrankungen
5.4.1 Stauungsleber
5.4.2 Leberamyloidose
5.4.3 Degenerative Leberverfettung
5.4.4 Rabbit Hemorrhagic Disease (RHD)
5.4.5 Hepatitis contagiosa canis (HCC)
5.4.6 Equine Herpesvirus-Infektion (EHV-1)
5.4.7 Pyogranulomatöse Hepatitis bei Feliner Infektiöser Peritonitis (FIP).
5.4.8 Tyzzer’sche Erkrankung
5.4.9 Nekrobazillose
5.4.10 Salmonellose
5.4.11 Leberzirrhose
5.4.12 Gallengangskokzidiose
6 Pankreas
P. Wohlsein, A. Gröne
6.1 Makroskopische Struktur
6.2 Histologischer Aufbau
6.3 Organspezifische pathohistologische Veränderungen
6.4 Erkrankungen
6.4.1 Akute nekrotisierende Pankreatitis
6.4.2 Inselzellamyloidose
7 Niere
M. Hewicker-Trautwein
7.1 Makroskopische Struktur
7.2 Histologischer Aufbau
7.3 Organspezifische pathohistologische Veränderungen
7.4 Erkrankungen
7.4.1 Anämischer (ischämischer) Niereninfarkt
7.4.2 Hämoglobinurische Pigmentnephrose
7.4.3 Amyloidnephrose
7.4.4 Akute Tubulonephrose (Eichelvergiftung)
7.4.5 Membranoproliferative (mesangiokapillare) Glomerulonephritis (Typ I)
7.4.6 Chronische interstitielle Nephritis (Schrumpfniere)
7.4.7 Embolisch-eitrige Herdnephritis
8 Uterus
M. Hewicker-Trautwein
8.1 Makroskopische Struktur
8.2 Histologischer Aufbau
8.3 Organspezifische pathohistologische Veränderungen
8.4 Erkrankungen
8.4.1 Glandulär-zystische Hyperplasie des Endometriums
8.4.2 Chronische eitrige Endometritis (Pyometra)
9 Milchdrüse
M. Hewicker-Trautwein
9.1 Makroskopische Struktur
9.2 Histologischer Aufbau
9.3 Organspezifische pathohistologische Veränderungen
9.4 Erkrankungen
9.4.1 Mastitis acuta gravis
9.4.2 Chronische katarrhalisch-eitrige Galaktophoritis und Mastitis
10 Bewegungsapparat
A. Gröne, W. Baumgärtner
10.1 Makroskopische Struktur
10.2 Histologischer Aufbau
10.3 Organspezifische pathohistologische Veränderungen
10.4 Erkrankungen
10.4.1 Weißmuskelkrankheit
10.4.2 Eitrige Myositis
10.4.3 Fibrinös-eitrige Arthritis
10.4.4 Osteodystrophia fibrosa
10.4.5 Osteochondrose
11 Zentrales Nervensystem
W. Baumgärtner
11.1 Makroskopische Struktur
11.2 Histologischer Aufbau
11.3 Organspezifische pathohistologische Veränderungen
11.4 Erkrankungen
11.4.1 Zerebrokortikalnekrose (CCN)
11.4.2 Schweinepest-Enzephalitis
11.4.3 Staupeenzephalitis
11.4.4 Tollwut-Enzephalitis
11.4.5 Borna-Enzephalitis
11.4.6 Listerien-Enzephalitis
11.4.7 Fibrinös-eitrige Leptomeningitis
11.4.8 Ödemkrankheit
12 Haut
M. Hewicker-Trautwein
12.1 Makroskopische Struktur
12.2 Histologischer Aufbau
12.3 Organspezifische pathohistologische Veränderungen
12.4 Erkrankungen
12.4.1 Botryomykose
12.4.2 Demodikose
12.4.3 Hauträude (Sarkoptesräude)
12.4.4 Kollagenolytisches eosinophiles Granulom
12.4.5 Pyodermie
Literatur
Abbildungsverzeichnis
Sachverzeichnis
Prof. Dr. Wolfgang Baumgärtner, Ph.D., Ohio State Univ. Institut für Pathologie Tierärztliche Hochschule Hannover Bünteweg 17 30559 Hannover
Prof. Dr. Andrea Gröne, Ph.D., Ohio State Univ. Department Pathobiology Utrecht Universiteit Yalelaan 1 NL-3584 CL Utrecht
Prof. Dr. Achim D. Gruber, Ph.D., Cornell Univ. Institut für Tierpathologie Freie Universität Berlin Robert-von-Ostertag-Straße 15 14163 Berlin
Prof. Dr. Christiane Herden Institut für Veterinär-Pathologie Justus-Liebig-Universität Gießen Frankfurter Str. 96 35392 Gießen
Prof. Dr. Marion Hewicker-Trautwein Institut für Pathologie Tierärztliche Hochschule Hannovery Bünteweg 17 30559 Hannover
Prof. Dr. Peter Schmidt Veterinärmedizinische Universität Wien Institut für Pathologie und Gerichtliche Veterinärmedizin Department für Pathobiologie Veterinärplatz 1 1210 Wien, Österreich
W. Baumgärtner
Das vordergründige Ziel einer pathohistologischen Untersuchung ist die Erstellung einer Diagnose. Tatsächlich handelt es sich bei der Untersuchung nur um ein Mittel, den Krankheitsprozess bezüglich Ursache, Pathogenese und Prognose besser einschätzen und interpretieren zu können. Dies bedeutet, obwohl zum Zeitpunkt der Untersuchung nur eine Momentaufnahme des Krankheitsprozesses in Form einer Biopsie oder eines Sektionsbefundes vorliegt, dass Schlussfolgerungen über zurückliegende Ereignisse gezogen und mögliche zukünftige Entwicklungen auf der Basis der exakten Diagnose aufgezeigt werden können. Dies geschieht in der Epikrise. Dieser zusammenfassende, kritische Abschlussbericht über Ursache, Verlauf und mögliche Folgen eines Krankheitsprozesses beinhaltet auch Angaben und Begründungen für die Diagnosen und Differenzialdiagnosen.
Um dieses Ziel zu erreichen ist es wichtig, Begriffe wie
Befund,
pathohistologische Diagnose,
ätiologische Diagnose,
Ätiologie,
Pathogenese,
morphologische und ätiologische Differenzialdiagnosen,
Name der Krankheit
zu berücksichtigen, zu unterscheiden und definitionsgemäß umzusetzen.
Der Befund oder die histologische Beschreibung stellt eine objektive Darstellung der Veränderungen ohne eigene Interpretation dar. Es handelt sich hierbei in der Pathohistologie um eine vollständige Beschreibung aller objektiv nachweisbaren Veränderungen in den verschiedenen Kompartimenten und Substrukturen eines Gewebes oder Organs, das zur lichtmikroskopischen Beurteilung vorliegt. Im Detail sollte eine Befundbeschreibung neben einer hohen Präzision bei der Wiedergabe der Veränderungen, wie z. B. Verteilungsmuster und beteiligte Zelltypen, die korrekte anatomische und histologische Nomenklatur und den Ort der Alterationen berücksichtigen. Am Beispiel der Haut (►Abb. 1.1) bedeutet dies, dass z. B. eine Beurteilung von Epidermis, Korium, Subkutis, Haarfollikel, Talg- und Schweißdrüsen, Haar- und Hautmuskel sowie Gefäßen notwendig ist. Bei der Befunderhebung werden allerdings normale anatomische Strukturen in der Regel ebenso wenig berücksichtigt wie Artefakte. Eine gute Befunderhebung stellt eine neutrale Beschreibung der Veränderungen dar, die von jedem Untersucher unabhängig von der Diagnose akzeptiert werden kann. Zur Orientierung bei Größenangaben eignen sich besonders gut Erythrozyten, die einen ungefähren Durchmesser von 6 Mikrometer (μm) aufweisen und praktisch in jedem Gewebeschnitt nachweisbar sind.
Abb. 1.1 Äußere, unveränderte Haut mit verschiedenen Strukturelementen, die bei der histologischen Beurteilung zu berücksichtigen sind. Hierzu gehören die Epidermis (Ep) mit den verschiedenen Schichten, einschließlich des Stratum corneums (Str.c), sowie oberflächliches (oK) und tiefes (tK) Korium, Haarschäfte mit Haarfolllikeln (H) in verschiedenen Wachstumsstadien (anagen, katagen und telogen), Talg- (T) und Schweißdrüsen. HE, 5x. Balkenlänge ≈ 310 µm.
Abb. 1.2a und b Magenulkus als Beispiel für eine entzündliche Veränderung. Im Bildausschnitt findet sich im Bereich des Ulkus (U) Granulationsgewebe (G) und eine hochgradige, chronische, diffuse Entzündungszellinfiltration (I), bestehend aus neutrophilen Granulozyten, Lymphozyten und Makrophagen. Randständig zeigt sich noch intakte Magenschleimhaut (S).
a HE, 5x. Balkenlänge ≈ 310 µm.
b HE, 20x. Balkenlänge ≈ 80 µm.
Bei entzündlichen Veränderungen (►Abb. 1.2a und b) sollten folgende Kriterien bei der Befunderhebung besonders berücksichtigt werden:
Art (neutrophile Granulozyten, Lymphozyten, Makrophagen), Menge (einzelne, zahlreiche) und Verteilung (fokal, multifokal, disseminiert, diffus) der beteiligten Entzündungszellen
Lokalisation (z. B. im Interstitium, perivaskulär etc.)
Formen von Gewebe- und Zelluntergängen, Identifikation der betroffenen Struktur und deren Verteilungsmuster (z. B. Degeneration, Nekrose oder Apoptose etc.)
Kriterien, die auf das Alter der Veränderung schließen lassen (z. B. dominierender Entzündungszelltyp, Fibrose, Neoangiogenese etc.)
zusätzliche Befunde (z. B. Erregerstrukturen, Fremdmaterialien, Einschlusskörperchen und deren Lokalisation)
Quantifizierung der Veränderungen (z. B. gering-, mittel- oder hochgradig)
Ein gleichartiges Vorgehen gilt auch für degenerative Veränderungen (►Abb. 1.3).
Bei Neoplasien (►Abb. 1.4a und b) kommt der Beschreibung der Tumorzellen eine besondere Bedeutung zu. Insgesamt sind folgende Punkte bei einem neoplastischen Prozess zu beachten:
Grenze zum Gesunden, Lokalisation der Neoplasie in einem bestimmten Gewebebereich, Zellreichtum, Wachstumsformen und Verteilung der Zellen
infiltratives oder expansives Wachstum, Kapselbildung sowie Stromaanteile und deren Charakter, z. B. kollagenfaser- oder gefäßreich
Beschreibung der Tumorzellen unter Berücksichtigung von Form (rund- oder spindelzellig, oval, kubisch, hochprismatisch, polygonal, pleomorph), Größe (Variabilität, Anisozytose), Grenze und Zytoplasma
Beschreibung des Zellkerns unter Berücksichtigung von Form (rund, oval, länglich, spindelförmig), Lokalisation in der Zelle (zentral, basal, exzentrisch), Chromatinverteilung (grob oder fein verteilt), Nukleolus (Anzahl, Größe, Auffälligkeiten) und Variationen in Form und Größe (Anisokaryose)
mitotische Aktivität (Zahl der Mitosefiguren pro großem Gesichtsfeld, 40er Objektiv), Auftreten von bizarren oder atypischen Mitosefiguren und sonstige Veränderungen wie mehrkernige, atypische oder anaplastische Zellen
Hinweise auf ein malignes Verhalten, z. B. Gefäßeinbrüche und Infiltration von Tumorzellen in eine Bindegewebskapsel
Abb. 1.3 Tubulonephrose als Beispiel für eine degenerative Veränderung. Neben intakten Glomeruli (G) finden sich nekrotische (N) und vakuolär (V) degenerierte Tubulusepithelien. HE, 20x. Balkenlänge ≈ 80 µm.
Bei der pathohistologischen Diagnose handelt es sich im Gegensatz zur Befunderhebung um eine subjektive Zusammenfassung und Interpretation der Veränderungen. Bei der Formulierung einer Diagnose sind folgende formale Kriterien zu berücksichtigen. Diese richten sich nach den weltweit akzeptierten Vorgaben des Europäischen und Nordamerikanischen Berufsverbandes der Veterinärpathologen (European College of Veterinary Pathologists und American College of Veterinary Pathologists). Soweit möglich besteht eine vollständige pathohistologische Diagnose einer entzündlichen Läsion aus fünf Teilen:
Ausmaß oder Grad der Veränderung (hoch-, mittel-, geringgradig)
Alter (akut, subakut, chronisch)
Verteilungsmuster (diffus, disseminiert, multifokal, fokal)
Charakter (serös, fibrinös, diphtheroid, eitrig, lympho-plasmazellulär, nekrotisierend, granulomatös, eosinophil etc.)
Organdiagnose (Nephritis, Enzephalitis, Duodenitis etc.)
weitere Punkte: Nachweis von Erregerstrukturen, Einschlusskörperchen oder assoziierte Gewebeveränderungen (z. B. mit Kompressionsatrophie)
Beispiel für eine pathohistologische Diagnose bei einer Entzündung:
hochgradige, akute, multifokale, eitrige Hepatitis
Bei einer Neoplasie setzt sich eine pathohistologische Diagnose in der Regel aus dem betroffenen Organ und der Tumorart zusammen. Die anderen Parameter wie Alter, Grad und Verteilungsmuster der Veränderungen spielen hierbei im Gegensatz zur Entzündung keine Rolle.
Abb. 1.4 a und b Es handelt sich um ein in das angrenzende Bindegewebe (B) der Mundhöhlenschleimhaut infiltrativ wachsendes, mäßig pigmentiertes malignes Melanom (Pfeile) mit mittelgroßen, teils runden, teils polygonalen Zellen mit einem teilweise pigmentierten, deutlich begrenzten Zytoplasma. Die Zellen besitzen einen überwiegend runden, zum Teil zentral gelegenen Zellkern (1) mit einzelnen Nukleoli. Weiterhin lässt sich eine mäßige Anisokaryose und eine Mitoserate (2) von bis zu drei Mitosefiguren pro großem Gesichtsfeld nachweisen. Zusätzlich finden sich stark pigmenthaltige Melanomakrophagen (3).
a HE, 20x (oberes Bild). Balkenlänge ≈ 80 µm.
b HE, 40x (unteres Bild). Balkenlänge ≈ 40 µm.
Beispiel für eine pathohistologische Diagnose bei einer Neoplasie:
Kutanes Fibrosarkom bzw. Fibrosarkom der Haut
Während sich die pathohistologische Diagnose auf die morphologischen Befunde wie Charakter und Ausmaß der Entzündung oder die Histogenese der Neoplasie stützt, wird bei der ätiologischen Diagnose die Ursache im weiteren oder engeren Sinne berücksichtigt. Dies findet Niederschlag in Formulierungen wie bakteriell, viral, parasitär oder, falls möglich, in einer mehr präziseren Beschreibung wie tuberkulös.
Als Ätiologie wird die Lehre von den Krankheitsursachen bezeichnet, wobei diese belebte oder unbelebte Noxen beinhaltet.
Die Entstehungsweise einer Krankheit wird Pathogenese genannt. Bei der ätiologischen oder kausalen Pathogenese stehen ursächliche Aspekte wie Noxe und Disposition im Vordergrund. Die formale Pathogenese bezieht sich auf strukturelle morphologische Veränderungen im Verlauf einer Krankheit.
Während also ein Befund unabhängig vom Untersucher inhaltlich stets gleich ausfallen sollte, kann eine Diagnose in Abhängigkeit von der Interpretation durchaus Abweichungen aufweisen. Um dieser möglichen Variabilität Rechnung zu tragen, ist es wichtig andere Interpretationen im Rahmen der Diagnostik frühzeitig zu berücksichtigen. Daher ist es notwendig, bei allen Überlegungen, die einer Diagnose zugrunde liegen, von Anfang an morphologische und ätiologische Differenzialdiagnosen mit einzubeziehen. Dieses Vorgehen gilt besonders für die makroskopische, aber auch für die pathohistologische Diagnostik.
Mit „Name der Krankheit“ sind in der Regel historisch begründete Bezeichnungen für ein bestimmtes Krankheitsbild gemeint. So wird eine durch ein Morbillivirus induzierte Erkrankung beim Hund als „Staupe“ und eine bei der Katze durch ein bestimmtes Coronavirus verursachte Entzündung als „feline infektiöse Peritonitis“ bezeichnet.
Stichwortartige Gegenüberstellung der am häufigsten verwendeten Fachtermini im Zusammenhang mit der Diagnosestellung am Beispiel einer eitrigen Nierenentzündung bei einem Pferd in Folge einer Infektion mit Actinobacillus equuli, der so genannten Fohlenlähme des Pferdes:
Befund:
hochgradige Infiltration mit zahlreichen neutrophilen Granulozyten und Bakterienkolonien in den Nierenglomeruli
pathohistologische (morphologische) Diagnose:
hochgradige, akute, multifokale, eitrige Glomerulonephritis mit Bakterienkolonien
morphologische Differenzialdiagnose:
exsudative Glomerulonephritis
ätiologische Diagnose:
bakterielle Nephritis
Ätiologie:
Actinobacillus equuli
ätiologische Differenzialdiagnose:
virale oder immun komplexvermittelte Ursachen
Pathogenese:
bakterielle Infektion mit hämatogener Erregerstreuung
Name der Krankheit:
Fohlenlähme
W. Baumgärtner, P. Wohlsein
s. ►Tabelle 2.1.
Das Elektronenmikroskop ist ein Mikroskop, das mittels beschleunigter Elektronen im Vakuum Abbildungen und hohe Auflösungen kleinster Objekte erzeugt. Es gibt zwei Grundtypen von Elektronenmikroskopen, nämlich das Transmissionselektronenmikroskop (TEM) und das Rasterelektronenmikroskop (REM). Während man beim TEM ein Durchlichtelektronenbild erhält, wird im REM ein dreidimensionales Bild von Oberflächen erzeugt. Das beste Auflösungsvermögen bei modernen Lichtmikroskopen beträgt bestenfalls 200 nm, während beim REM 3 nm und beim TEM sogar 0,2 nm darstellbar sind.
Bei einer enzymhistochemischen Reaktion wird die im Gewebe vorhandene Aktivität eines bestimmten Enzyms nachgewiesen, indem ein spezifisches Substrat angeboten wird, das zu einem Farbniederschlag im Schnittpräparat führt. Für die enzymhistochemischen Reaktionen werden Schnitte tiefgefrorenen oder paraffineingebetteten Gewebes verwendet.
Bei histometrischen Untersuchungen werden quan titative Auswertungen bestimmter Gewebsstrukturen oder Färbungsergebnisse vorgenommen. Für diese Untersuchungen stehen heutzutage computergestützte Analyseprogramme zur Verfügung.
Eine Methode zur Detektion von Antigenen und Proteinen. Es gibt zahlreiche Verfahren mit unterschiedlicher Sensitivität. Eingesetzt werden mono- oder polyklonale Antikörper, die gegebenenfalls durch einen Brückenantikörper (auch Sekundärantikörper genannt) über ein enzymatisches Detektionssystem das gesuchte Antigen im Gewebe binden und mit einem Chromogen oder einem fluoreszierenden Farbstoff im Gewebeschnitt sichtbar machen. Exemplarisch seien die direkte, indirekte, Peroxidase-Antiperoxidase-(PAP-)Komplex-Methode und die (Strept-)Avidin-Biotin-Peroxidase-(ABC-)Komplex-Methodeerwähnt. Neuere Techniken verwenden ein mit Enzym molekülen gekoppeltes Dextranpolymer, an das ein primärer oder sekundärer Antikörper gebunden ist. Als Enzym findet vorwiegend die Meer rettichperoxidase oder die alkalische Phosphatase Anwendung. Häufig verwendete Chromogene sind 3,3’-Diaminobenzidin-Tetrahydrochlorid, Amino-9-Ethylcarbazol und 4-Chlor-1-Naphthol.
Eine Technik zur Detektion von Nukleinsäuren. Zum Nachweis einer stattgefundenen Hybridisierung kommen radioaktive und nicht radioaktive Methoden zum Einsatz. Weiterhin können direkte und indirekte Verfahren unterschieden werden. In einem ersten Schritt findet eine Inkubation mit einer gegenläufigen Nukleinsäure, die als Probe oder Sonde bezeichnet wird, statt. In Abhängigkeit von der zu detektierenden Nukleinsäure handelt es sich bei der Probe um eine DNS- oder RNS-Sequenz. In einem nachfolgenden Schritt wird die häufig mit Digoxigenin gekoppelte Sonde über Antikörper und nachfolgende Farbreaktion ähnlich wie bei der Immunhistologie nachgewiesen.
Kombination einer Polymerase-Kettenreaktion (PCR) und einer In-situ-Hybridisierung zur Darstellung von geringsten Mengen von Nukleinsäuremolekülen im Gewebeschnitt. Nach einer am Schnitt durchgeführten PCR folgt eine In-situ-Hybridisierung. Damit ist es möglich, definierte Nukleinsäuresequenzen in bestimmten Zellen und Zellkompartimenten nachzuweisen.
Durch Abbau des aus den Erythrozyten ausgetretenen Hämoglobins entstehen dunkelbraune, unregelmäßig verteilte, doppelbrechende Niederschläge, das sogenannte Formalinpigment. Dieses kann mit Hämosiderin oder anderen dunkelbraunen Pigmenten verwechselt werden. Mittels einer alkalischen Alkohollösung (Salmiakgeist, Lösung nach Kardasewitsch) wird es entfernt.
Es handelt sich hierbei um eine Methode der Lichtmikroskopie, bei der mittels eines speziellen Mikroskops einzelne Punkte im Untersuchungspräparat erfasst und nach vollständiger Auswertung am Computer zusammengesetzt werden. Es gibt verschiedene technische Varianten von konfokalen Mikroskopen.
Die laserbasierte Mikrodissektion erlaubt die gezielte Gewinnung von mikroskopisch kleinen Gewebearealen bzw. Zellen aus einem heterogenen Verband zur nachfolgenden molekularbiologischen Analyse oder Zellkultivierung. Die Isolierung des Zielgewebes basiert auf dem Prinzip der ablativen Photo-Dekomposition durch einen gepulsten Nitrogen-UV-A-Laserstrahl. Die Probe wird auf diese Weise kontaminationsfrei aus dem Gewebe getrennt oder entgegen der Schwerkraft in ein Sammelgefäß katapultiert.
W. Baumgärtner
Endogene (z. B. Gewebenekrosen, Überempfindlichkeits und Autoimmunreaktionen) und exogene Noxen (z. B. Bakterien, Viren, Traumata, chemische und physikalische Einwirkungen) können in allen Geweben eine komplexe zelluläre (z. B. Lymphozyten, Makrophagen und neutrophile Granulozyten) und humorale Reaktion (z. B. Antikörper, Komplement) hervorrufen, die als Entzündung bezeichnet wird. Bei der Entzündung handelt es sich nicht um ein eigenständiges Krankheitsbild, sondern eine ursachen- und gewebespezifische bzw. -stereotype Reaktion des Organismus auf eine Noxe. Diese hat zum Ziel, das auslösende Agens zu zerstören, abzugrenzen oder seine toxische Wirkung durch Verdünnungseffekte zu vermindern. Ein weiteres Ziel dieser den Organismus schützenden Reaktion besteht darin, die akute Irritation wie auch die Folgen so gering wie möglich zu halten.
Allerdings kann sich die Entzündung in Abhängigkeit vom Organ oder bei einer überschießenden Reaktion auch als schädlich für den Wirt darstellen. Dies gilt insbesondere für die Fälle, bei denen die Entzündung in der akuten Phase durch Ödematisierung (z. B. in der Lunge) oder bei chronischem Verlauf durch reparative Prozesse zu einer Beeinträchtigung der Organfunktion führt.
Gleichzeitig mit der Entzündung werden Prozesse initiiert, die unter dem Überbegriff Heilung zusammengefasst werden können. Das primäre Ziel der Entzündung ist, nach Beseitigung der Noxe, die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes (Regeneration, Restitutio ad integrum). Dies gelingt allerdings nur bei intermitotischem Gewebe („Mausergewebe“, continuously dividing oder labile tissues, z. B. Epidermis, Enterozyten, Knochenmark) oder mit Einschränkung bei postmitotisch reversiblem Gewebe (quiescent oder non-dividing oder permanent oder stable tissues, z. B. Leber und Niere). Falls eine Regeneration nicht möglich ist, zum Beispiel bei postmitotischem, fixiertem Gewebe (z. B. zentrales Nervensystem und Myokard) oder nach massivem Untergang von Parenchymzellen und Stroma von noch teilungsfähigem Gewebe, kommt es zur Reparation (Restitutio ad reparationem) mit Bildung von minderwertigem Ersatzgewebe (Narbe, meist Bindegewebe). Diese kann zu erheblichen Funktionsbeeinträchtigungen führen (z. B. Rektumstrikturen oder Gelenkankylosen). Die Folgen einer Entzündung hängen also zum einen vom betroffenen Gewebe und dem Ausmaß der Schädigung ab. Zum anderen werden sie davon beeinflusst, ob es dem Organismus gelingt, die auslösende Noxe zu eliminieren und ob anschließend eine Regeneration oder eine Reparation stattfindet.
Der Entzündungsprozess besteht funktionell und morphologisch aus Gefäß- und Zellreaktionen. Da sich die Mehrzahl der für die Abwehr notwendigen Faktoren (z. B. Antikörper und Leukozyten) im Blut befinden, spielen Veränderungen in der terminalen Strombahn (z. B. Vasodilatation, Hämostase und erhöhte vaskuläre Permeabilität) eine wichtige Rolle bei der akuten Entzündung. Neben einer Aktivierung der Endothelzellen, die zur Margination und Adhäsion von Entzündungszellen führt, findet eine Extravasation von Blutzellen am Ort der Schädigung (neutrophile und eosinophile Granulozyten, Lymphozyten und Monozyten) und eine Stimulation der extravaskulären, ortsständigen Zellen (Mastzellen und Fibroblasten) statt. Die Extravasation der Blutzellen in der terminalen Strombahn läuft in einer geordneten Kaskade ab. Diese beinhaltet Margination, Rolling (P- und ESelektin), Adhäsion (intracellular adhesion molecule, ICAM; vascular cell adhe sion molecule-1, VCAM-1), Transmigration (platelet endothelial cell adhesion molecule-1, PECAM-1) und Chemotaxis.
Bei der Entzündung spielen neben der extrazellulären Matrix, zu der Kollagen, Elastin, Fibronektin, Laminin und Tenascin gehören, zahlreiche Mediatoren (z. B. Histamin und Serotonin), das Komplement-, Kinin- und Gerinnungssystem, Arachidonsäure-Metaboliten, Zytokine, Chemokine, Stickstoffoxide, lysosomale Enzyme und freie Sauerstoffradikale eine wichtige Rolle.
Die bei der Entzündung dominierenden klinischen Veränderungen werden auch als Kardinalsymptome bezeichnet. Dies sind Rubor (Rötung), Tumor (Schwellung), Calor (Wärme), Dolor (Schmerz) und Functio laesa (Funktionsbeeinträchtigung).
In Abhängigkeit vom Alter und der Form kann man eine akute, subakute und chronische bzw. exsudative und proliferative (produktive) Entzündung unterscheiden.
Ätiologisch kommen Traumata sowie eine Vielzahl von Erregern und Noxen unterschiedlichster Genese in Frage. Die verschiedenen Entzündungsformen sind zwar hinweisend auf eine mögliche Ursache, es gibt aber keine für einen bestimmten Erreger oder eine bestimmte Noxe charakteristische Entzündungsreaktion.
Bei der akuten Entzündung wird eine seröse (katarrhalische), fibrinöse (kruppöse, diphtheroide, pseudomembranöse), eitrige (purulente, apostematöse, Empyem), ulzerative und hämorrhagische Form unterschieden. Häufig finden sich auch Übergangsformen. So kann sich aus einer serösen oder katarrhalischen eine fibrinöse und eitrige bis hin zu einer ulzerativen und diphtheroiden Entzündung entwickeln.
Das Auftreten der verschiedenen Entzündungsformen hängt auch davon ab, welche Organe und Gewebe betroffen sind. Seröse und katarrhalische Reaktionen finden sich besonders häufig auf Oberflächen wie äußere Haut, Schleimhaut bzw. Synovialis und Serosa. Die diphtheroide Entzündung zeigt sich ebenfalls vorwiegend auf Schleimhäuten.
Die akute Entzündung ist durch exsudative Prozesse gekennzeichnet. Allgemein sind histologisch Gefäßveränderungen, Ödem, Fibrin und hauptsächlich neutrophile Granulozyten, eine verstärkte Sekretionsleistung von Oberflächenepithelien und eine Zunahme der Becherzellen nachweisbar.
Die chronische Entzündung ist durch proliferative Prozesse gekennzeichnet. Sie stellt sich als ein über Wochen bis Monate andauernder Prozess mit Gewebezerstörung und -reparatur dar. Urschlich kommen persistierende Infektionen, lang anhaltende Exposition einer Noxe oder autoimmune Mechanismen in Frage. Die chronische Entzndung entsteht in der Regel aus einer akuten Form, allerdings sind die Übergänge (subakut) fließend. Es finden sich mononukleäre Zellen wie Makrophagen, Lymphozyten und Plasmazellen, Gewebezerstörung durch ein persistierendes Agens oder die Entzündungszellen sowie Heilungsversuche durch Bildung eines bindegewebigen Ersatzgewebes mit Gefäßproliferation und Fibrose. Morphologisch lassen sich vorwiegend zwei Formen unterscheiden: die granulomatöse Entzndung und das Granulationsgewebe.
Falls eine Noxe nicht durch die normale, hauptsächlich exsudative Entzündungsreaktion eliminiert werden kann, versucht der Organismus, sie mittels der granulomatösen Reaktion abzugrenzen, zu sequestrieren oder zu zerstören. Dies bedeutet, dass unlösliche, persistierende oder schwer degradierbare Noxen die typischen Stimuli für die Induktion einer granulomatösen Entzündung darstellen. Gleichartige Zellinfiltrate finden sich auch bei der Überempfindlichkeitsreaktion vom Typ IV. Eine granulomatöse Entzündung wird bei zahlreichen Prozessen wie der Tuberkulose, der felinen infektiösen Peritonitis, bei Parasiten, Pilzinfektionen, verschiedenen bakteriellen Infektionen und bei Fremdkörperreaktionen beobachtet.
Pathogenetisch werden Fremdkörper- und Immungranulome unterschieden. Fremdkörpergranulome werden durch schwere oder gar nicht degradierbare, inerte Fremdmaterialien (z. B. Talkum, Nahtmaterial, eingespießte Pflanzenteile) initiiert, die so groß sind, dass eine Phagozytose durch einen einzelnen Makrophagen nicht möglich ist und gleichzeitig keine spezifische Entzündungsreaktion der Immunantwort ausgelöst wird. Epitheloidzellen und Riesenzellen lagern sich direkt an das Fremdmaterial an. Als Ursache für Immungranulome kommen unlösliche Partikel, in der Regel Bakterien oder Parasiten, die eine zellvermittelte Immunantwort induzieren, in Frage. Hierbei kommt es nach Phagozytose des Fremdantigens durch Makrophagen und über die Antigenpräsentation zur Aktivierung von T-Lymphozyten. Diese produzieren IL-2 und IFN-γ. Bei der Tuberkulose findet sich der Prototyp des Immungranuloms. Bei dieser Erkrankung werden die Granulome als Tuberkel bezeichnet.
Da die granulomatöse Entzündung sich nicht durch charakteristische, makroskopische Befunde auszeichnet, ist eine Diagnose nur mittels Lichtmikroskopie möglich. Histologisch finden sich bei der granulomatösen Entzündung Makrophagen als der dominierende Zelltyp. Darüber hinaus sind B- und T-Lymphozyten, Plasmazellen, Fibroblasten und vereinzelt neutrophile Granulozyten nachweisbar. Bei sogenannten pyogranuloma tösen Entzündungsreaktionen wie der Botryomykose, Aktinomykose und Aktinobazillose kommt es, in Ergänzung zu einer von Makrophagen dominierten Zellinfiltration, auch zu einer deutlichen Zunahme der neutrophilen Granulozyten (►Abb. 3.11a und b).
In Abhängigkeit von der Ursache und dem Verlauf der Entzündung können sich verschiedene Differenzierungsformen der Makrophagen wie z. B. Epitheloidzellen und mehrkernigeRiesenzellen entwickeln. Letztere entstehen vorwiegend durch Zellverschmelzung (Synzytium) und nicht durch Kernteilung ohne Division des Zellleibs. Während bei den Langhans’schen Riesenzellen (nicht zu verwechseln mit der antigenpräsentierenden Zelle der Haut, der Langerhans’schen Zelle) Zellkerne eine hufeisenförmige, periphere Anordnung aufweisen, finden sich die Zellkerne bei den Fremdkörperriesenzellen zentral und ungeordnet.
Bei der granulomatösen Entzündung werden herdförmige und diffuse Reaktionsmuster unterschieden. Die herdförmige Form, bei der die nodulären Zellansammlungen auch als Granulom bezeichnet werden, stellt eine fokale Aggregation von Entzündungszellen mit geschichtetem Aufbau dar. Zentral findet sich eine Noxe mit oder ohne primärer oder sekundärer Gewebenekrose, die auch als Verkäsung bezeichnet wird. Peripher lässt sich ein Saum unterschiedlich differenzierter, aktivierter Makrophagen, Epitheloidzellen bzw. Riesenzellen, Lymphozyten, Plasmazellen und Fibroblasten nachweisen. Letztere bilden häufig die äußere Begrenzung des Granuloms. Als Druse werden die im Zentrum eines Granuloms nachweisbaren Erregerstrukturen angesprochen (nicht zu verwechseln mit der durch Streptococcus equi hervorgerufenen systemischen Infektionskrankheit des Pferdes gleichen Namens). Bei der diffusen Form finden sich die gleichen Zellinfiltrate, jedoch ist kein strukturierter Aufbau nachweisbar.
Die Bildung von Granulationsgewebe wird durch das orchestrierte Zusammenwirken verschiedener Faktoren, die häufig von Makrophagen und Thrombozyten stammen und bei der Zelldifferenzierung und -migration eine Rolle spielen, ermöglicht. So zum Beispiel der vascular endothelial growth factor (VEGF), fibroblast growth factor (FGF), platelet-derived growth factor (PDGF), epidermal growth factor (EGF), Interleukin-1 (IL-1) und Tumor-Nekrose-Faktor (TNF-α).
In Abhängigkeit vom Zell- und Gefäßreichtum und der Menge an Kollagen wird zwischen jungem und älterem Granulationsgewebe unterschieden. Mit zunehmender Reifung des Gewebes differenzieren einzelne Fibroblasten in kontraktile Zellen, die als Myofibroblasten bezeichnet werden. Diese besitzen morphologische und funktionelle Charakteristika von glatten Muskelzellen. Diesen Zellen kommt eine wichtige Rolle bei der Wundkontraktion zu. Makroskopisch zeichnet sich dieses Gewebe, das sich frühestens 3 – 5 Tagen nach dem entzündlichen Reiz entwickelt, durch eine blassrosarote Farbe und eine feingranuläre Oberfläche aus, für das auch der makroskopische Begriff der granulierenden Entzündung verwendet wird.
Histologisch besteht Granulationsgewebe aus Fibroblasten bzw. Fibrozyten und Kapillarsprossen. Jüngeres Granulationsgewebe zeichnet sich durch einen hohen Zellgehalt an Fibroblasten und Endothelzellen und einen geringen Kollagenfaseranteil aus (►Abb. 3.12a und b). Die neugebildeten Gefäße zeigen häufig ein auf die Noxe gerichtetes Wachstum. Beide Zellkomponenten lassen eine insbesondere für jüngeres Granulationsgewebe charakteristische räumliche Anordnung, in dem die Kapillarsprossen häufig im rechten Winkel zu den Fibroblasten und Fibrozyten angeordnet sind, erkennen. Das ältere Granulationsgewebe weist einen verminderten Zellgehalt und eine deutliche Zunahme der Kollagenfasern auf.
Eosinophile, homogene Ablagerungen, die sich um Erregerstrukturen vorwiegend bei bakteriellen oder mykotischen Entzündungen gruppieren, werden als Splendore-Hoeppli-Material bezeichnet (►Abb. 3.11a und b). Morphologisch findet sich ein unterschiedlich großer Saum von kranz- bis keulenförmigen Ablagerungen um einzelne Bakterien, Pilze oder Kolonien von Erregern. Es handelt sich um einen häufigen Befund bei verschiedenen Pilz- (z. B. Kokzidioidomykose) und Bakterieninfektionen wie der Aktinomykose und Aktinobazillose. Vermutlich handelt sich beim Splendore-Hoeppli-Material um Antigen-Antikörper-Komplexe, allerdings ist die tatsächliche Zusammensetzung und seine Funktion bisher nicht vollständig geklärt.
Das zeitlich geordnete Auftreten von Plasmabestandteilen und Blutzellen sowie die Proliferation und Differenzierung verschiedener Zellen werden zur histologischen Altersbestimmung von Entzündungsprozessen herangezogen. Die zeitliche Zuordnung erfolgt in der Pathohistologie nach morphologischen Kriterien und nicht nach klinisch feststellbaren oder anamnestisch überlieferten Zeitangaben. Daher kann es im Einzelfall durchaus zu Abweichungen zwischen Klinik und Pathologie bei der zeitlichen Bezeichnung eines Prozesses kommen. Weiterhin finden sich gewebespezifische Reaktionsmuster, die bei der Altersbestimmung berücksichtigt werden müssen. So stellen sich Entzündungen in einem stoffwechselaktiven und bradytrophen Organ oder Gewebe unterschiedlich dar. Häufig führen komplizierende Faktoren wie fehlende Ruhigstellung oder sekundäre Infektionen zu einem Wiederauftreten oder einer Persistenz der akuten Entzündung. Somit können bei einem rezidivierenden Verlauf akute und chronische Veränderungen gleichzeitig beobachtet werden.
Erythrozyten dienen in erster Linie dem Transport von Sauerstoff und Kohlendioxid und bilden mit ca. 98 % den Hauptanteil der korpuskulären Blutbestandteile (►Abb. 3.1).
(Zur Morphologie dieser Zellen: siehe Tabelle hintere Umschlagklappe)
Die Thrombozyten der Säugetiere sind keine echten Zellen, sondern Teile von den vorwiegend im Knochenmark vorkommenden Megakaryozyten (►Abb. 3.1). Diese auch als Blutplättchen bezeichneten, unregelmäßig geformten Strukturen liegen meist gruppenweise im Ausstrich zwischen Erythrozyten. Den Thrombozyten kommt eine wichtige Rolle bei der Initiation von Gerinnungsvorgängen nach Alterationen der Gefäßwand zu.
(Zur Morphologie dieser Zellen: siehe Tabelle hintere Umschlagklappe)
Als Granulozyten wird eine Gruppe von Leukozyten bezeichnet, die sich in ihrer Morphologie weitgehend ähneln, sich aber durch die spezifische Anfärbbarkeit ihrer im Zytoplasma gelegenen Granula unterscheiden. Die Namensgebung richtet sich nach der Anfärbbarkeit der Granula in der HE-Färbung. Man unterscheidet demnach neutrophile, eosinophile und basophile Granulozyten.
Als Abwehrzellen besitzen neutrophile und eosinophile Granulozyten die Fähigkeit zur Phagozytose insbesondere von kleinen Partikeln und zur amöboiden Beweglichkeit. Damit können sie die Blutbahn aktiv verlassen.
Neutrophile Granulozyten sind charakteristisch für das eitrige Exsudat und die Frühphase der Entzündung (►Abb. 3.2 und ►Abb. 3.3). Sie sind wichtig für die Immunantwort bei bakteriellen und mykotischen Infektionen und innerhalb weniger Stunden im Entzündungsgebiet nachweisbar. Ihre Hauptaufgabe besteht in der Phagozytose. Ihre Granula können mit Phagosomen fusionieren und Phagolysosomen bilden. Innerhalb der Granula finden sich zahlreiche unterschiedliche Enzyme, die nach Fusion der Granula mit der Zellmembran in den extrazellulären Raum abgegeben werden können. Dies kann zu einem erheblichen Gewebeschaden führen und eine sekundäre Entzündungsreaktion induzieren.
Eosinophile Granulozyten spielen eine wichtige Rolle bei parasitären und allergischen IgE-vermittelten Immunreaktionen (►Abb. 3.4). Diese Zellen werden besonders in der Spätphase der Überempfindlichkeitsreaktion vom Typ 1 beobachtet, wo sie nachhaltig die Entzündungsreaktion verstärken, ohne dass eine zusätzliche Antigenreizung notwendig ist. Zu den wichtigsten Stoffen in den Granula dieser Zellen gehören das major basic protein (toxisch für Parasiten und verursacht Lysis von Epithelzellen), Histaminase und die Arylsulphatase, die die Mastzellprodukte Histamin und slow reactive substance of anaphylaxis (Leukotriene C4, D4 und E4) inaktivieren.
Den basophilen Granulozyten wird, ähnlich den Mastzellen, eine Rolle bei allergischen Reaktionen und bei Überempfindlichkeitsreaktionen zugeschrieben. Sie enthalten in ihren Granula Heparin und Histamin und wie die Mastzellen besitzen sie auf der Oberfläche Rezeptoren für Immunglobulin (Ig) E. Infolge einer Antigenbindung, die zur Brückenbildung zwischen zwei IgE-Molekülen führt, kommt es nachfolgend zur Degranulation der Zellen.
(Zur Morphologie dieser Zellen: siehe Tabelle hintere Umschlagklappe)
Es können B-Lymphozyten und verschiedene TLymphozytensubpopulationen (z. B. Helfer-, Suppressor- und Regulatorzellen wie auch zytotoxische Zellen) unterschieden werden. Die Bezeichnung der verschiedenen Phänotypen erfolgt unter Berücksichtigung der nachweisbaren Moleküle unter Verwendung der Cluster-of-differentiation-(CD-)Nomenklatur. So werden z. B. Helferzellen als CD-4-Zellen und zytotoxische bzw. supprimierende Zellen als CD-8-Zellen bezeichnet. Trotz erheblicher funktioneller Unterschiede lassen sich die verschiedenen Lymphozytenpopula tionen lichtmikroskopisch nicht unterscheiden (►Abb. 3.5). Aufgrund verschiedener Oberflächenmoleküle ist jedoch mit bestimmten Nachweisverfahren (z. B. der Immunhistologie) eine Differenzierung dieser Zellen möglich.
B-Zellen entwickeln sich aus dem Knochenmark von Säugetieren oder der Bursa Fabricii von Vögeln. Sie spielen eine herausragende Rolle bei der Antikörperbildung (humorale Immunantwort). T-Zellen entwickeln sich im Thymus und sind für die zellvermittelte Immunantwort zuständig. B- und T-Lymphozyten gelangen nach ihrer Entwicklung in die sekundären lymphatischen Organe wie Lymphknoten, Milz und die gewebespezifischen lymphoretikulären Einrichtungen.
Eine Subpopulation von Zellen des Darmes, die gehäuft bei kleinen Wiederkäuern zu finden sind, werden als globule leukocytes bezeichnet. Während sie früher der Gruppe der Mastzellen zugerechnet wurden, sprechen neuere Untersuchungen dafür, dass es sich um large granular lymphocytes handelt.
(Zur Morphologie dieser Zellen: siehe Tabelle hintere Umschlagklappe)
Plasmazellen, die sich vorwiegend im Gewebe und in lymphatischen Organen befinden, entwickeln sich aus blastoiden B-Zellen (►Abb. 3.6 und ►Abb. 3.7). Jede Plasmazelle synthetisiert und sezerniert einen spezifischen Antikörper einer bestimmten Immunglobulinklasse. Die von Plasmazellen produzierten Immunglobuline sind für die humorale Immunantwort und verschiedene Formen der allergischen Sofortreaktion verantwortlich.
(Zur Morphologie dieser Zellen: s. Tabelle hintere Umschlagklappe)
Makrophagen sind die Primadonnen der chronischen Entzündung und die wichtigsten Vertreter des mononukleären Phagozyten-Systems (MPS). Dieses gewebeübergreifende Netzwerk gleichartiger Zellen wurde früher auch als retikuloendotheliales System (RES) bezeichnet. Dieser Begriff bezog sich aber nicht nur auf Makrophagen, sondern auch auf andere nicht professionelle phagozytäre Zellen wie Endothel- und Retikulumzellen. Das MPS besteht aus zahlreichen nah verwandten, vom Knochenmark abstammenden Zellen. Hierzu gehören Blutmonozyten und Gewebemakrophagen (z. B. Kupffer’sche Sternzellen in der Leber, Sinushistiozyten in lymphatischen Organen, Lungenmakrophagen, Osteoklasten und die Mikroglia im Gehirn). Bei einer Entzündung können sich die aus dem Blut stammenden Monozyten nach Extravasation über Zwischenformen weitergehend zu Epitheloidzellen, Langhans’schen Riesenzellen und Fremdkörperriesenzellen differenzieren. Letztere beiden zählen zu den mehrkernigen Riesenzellen und entstehen durch Fusion von Makrophagen.
Makrophagen können über eine Vielzahl von Stimuli wie z. B. IFN-γ (von T-Lymphozyten und NKZellen), Bakterienendotoxinen und anderen Mediatoren aktiviert werden (►Abb. 3.8 und ►Abb. 3.9). Dies führt zu einer Zunahme der Zellgröße, Aktivität der lysosomalen Enzyme und Phagozytosefähigkeit. Aktivierte Makrophagen sezernieren eine große Anzahl von biologisch aktiven Substanzen. Dies sind Proteasen, Elastasen, Prostaglandin-Metaboliten, Stickstoffoxide, Sauerstoffradikale sowie zahlreiche Wachstumsfaktoren.
(Zur Morphologie dieser Zellen: siehe Tabelle hintere Umschlagklappe)
Diese sich aus Knochenmarkvorläuferstadien entwickelnden Zellen finden sich in allen Organen, die reich an Bindegewebe sind (►Abb. 3.10a und b). Sie besitzen IgE bindende Fc-Rezeptoren an der Zelloberfläche, die allerdings nur mittels weitergehender immunologischer Methoden nachweisbar sind (z. B. Fluorescence activated cell sorting).
Die für die Mastzellen charakteristischen Funktionen im Rahmen der Entzündungsreaktion sind im Inhalt der Granula begründet. Die Degranulation erfolgt durch eine antigenvermittelte Brückenbildung von zwei IgE-Molekülen innerhalb von Sekunden. Zu den proentzündlichen, aus den Granula stammenden Produkten gehören Histamin und Heparin. Diese spielen eine wichtige Rolle bei der Erhöhung der Gefäßpermeabilität und als Antikoagulans. Mastzellen spielen eine wichtige Rolle bei der Typ 1-Überempfindlichkeitsreaktion (Anaphylaxie) und bei Parasitosen.
(Zur Morphologie dieser Zellen: siehe Tabelle hintere Umschlagklappe)
Abb. 3.1 Fokale Ansammlung von Thrombozyten (1) in einem Blutausstrich. Darüber hinaus sind zahlreiche Erythrozyten (2) nachweisbar. Pappenheim, 63x. Balkenlänge ≈ 25 µm.
Abb. 3.2 Zahlreiche neutrophile Granulozyten mit stabkernigen (1) und hypersegmentierten (2) Zellkernen, einer geringen Anzahl von Makrophagen (3) mit dem typischen bohnenförmigen Zellkern und Erythrozyten (4). HE, 100x. Balkenlänge ≈ 16 µm.
Abb. 3.3 Prominente Fibrinexsudation (1) und Ansammlung von neutrophilen Granulozyten (2) und einzelnen Makrophagen (3). HE, 63x. Balkenlänge ≈ 25 µm.
Abb. 3.4 Mittelgradige perivaskuläre Infiltration mit eosinophilen Granulozyten (1) zwischen Kollagenfasern. Weiterhin findet sich ein Gefäßanschnitt mit hypertrophen Endothelzellen (2) und intravaskulären Erythrozyten (3). HE, 100x. Balkenlänge ≈ 16 µm.
Abb. 3.5 Hochgradige follikelartige Infiltration von reifzelligen (1) und blastoiden (2) Lymphozyten und einzelnen Plasmazellen (3). HE, 100x. Balkenlänge ≈ 16 µm.
Abb. 3.6 Vorwiegend perivaskulär angeordnete Plasmazellen (1) mit charakteristischem, basophilem Zellleib und exzentrisch liegendem Zellkern. HE, 63x. Balkenlänge ≈ 25 µm.
Abb. 3.7 In einem Infiltrat aus zahlreichen Lymphozyten (1) und einzelnen Makrophagen (2) Nachweis einer Plasmazelle mit intrazytoplasmatischen, eosinophilen Einschlüssen, sogenannten Russelkörperchen (3). HE, 100x. Balkenlänge ≈ 16 µm.
Abb. 3.8 Neben einzelnen segmentierten neutrophilen Granulozyten (1) finden sich aktivierte Makrophagen (2) mit zum Teil prominentem vakuolisiertem Zytoplasma und eine prominente Fibrinexsudation (3). HE, 63x. Balkenlänge ≈ 25 µm.
Abb. 3.9 Zahlreiche aktivierte Makrophagen mit prominentem, teils vakuolisiertem Zytoplasma und bohnenförmigem Zellkern (1). Vereinzelt sind phagozytierter Zelldetritus (2) sowie Erythrophagozytose (3) erkennbar. Weiterhin sind Erythrozyten (4) und neutrophile Granulozyten (5) zu beobachten. HE, 100x. Balkenlänge ≈ 16 µm.
Abb. 3.10 a und b Fokale Ansammlung von Mastzellen (1) mit charakteristischen basophilen (HE-Färbung) und metachromatischen (Toluidinblau-Färbung) zytoplasmatischen Granula.
a HE, 100x. Balkenlänge ≈ 16 µm.
b Toluidinblau, 63x. Balkenlänge ≈ 25 µm.
Abb. 3.11 a und b Pyogranulomatöse Entzündungsreaktion infolge einer Infektion mit Actinomyces suis bei der so genannten Gesäugeaktinomykose des Schweines. Zentral findet sich eine basophile Bakterienkolonie (1) umgeben von eosinophilem Splendore-Hoeppli-Material (2). Daran anschließend zeigen sich zahlreiche neutrophile Granulozyten (3) und Epitheloidzellen (4).
a HE, 20x. Balkenlänge ≈ 80 µm.
b HE, 40x. Balkenlänge ≈ 40 µm.
Abb. 3.12 a und b Junges Granulationsgewebe mit Fibrinexsudation (1), zahlreichen Gefäßsprossen (2), Fibroblasten (3) und einer geringgradigen Infiltration von Lymphozyten und Makrophagen.
a HE, 10x. Balkenlänge ≈ 80 µm.
b HE, 20x. Balkenlänge ≈ 80 µm.
M. Hewicker-Trautwein, A. D. Gruber, P. Wohlsein
Unter Tumor (lat.: Schwellung) im engeren Sinne versteht man eine abnorme umschriebene Gewebemasse, die durch autonome, progressive und überschießende Proliferation körpereigener Zellen entsteht. Das Tumorwachstum hält auch dann noch an, wenn der auslösende Reiz anscheinend nicht mehr wirksam ist. Die Begriffe Tumor, Neoplasie (griech.: Neubildung) oder Blastom (griech.: Spross, Keim) können synonym verwendet werden. Unter dem Begriff „Krebs“ (engl.: cancer) werden bösartige (maligne) Geschwülste zusammengefasst.
Dieser Begriff beschreibt die Interaktion zwischen tumorverursachenden Faktoren (Karzinogene) und dem Organismus, die auf der Basis einer genetischen Schädigung zur Tumorentwicklung führt.
Chemische Karzinogene sind exogene (körperfremde) Chemikalien, die bei einem entsprechend exponierten Organismus die Wahrscheinlichkeit der Entstehung von Neoplasien erhöhen und die sich im Tierversuch als kanzerogen erwiesen haben (z. B. Steinkohlenteer, Teerdämpfe, Aflatoxin B1 und Nitrosamine).
Als physikalische Ursachen sind ionisierende Strahlen (z. B. Röntgenstrahlen, radioaktive Isotope) und Ultraviolettstrahlen zu nennen. Durch Einwirkung kurzwelliger UV-B-Strahlen bilden sich in der DNS der basalen Epidermiszellen Pyrimidindimere, die von den Zellen normalerweise wieder durch Reparaturmechanismen eliminiert werden können. Man nimmt an, dass bei einer exzessiven Exposition gegenüber UV-B-Strahlen die Reparaturkapazität überschritten wird, sodass aufgrund der Anwesenheit der Pyrimidindimere Fehler in der Transkription der DNS auftreten, die zu Hauttumoren führen können. Auch bei Tieren werden Zusammenhänge zwischen UV-Strahlung und der Entstehung von Tumoren an exponierten Hautstellen mit geringer Behaarung vermutet (z. B. Plattenepithelkarzinome im Bereich der unpigmentierten Ohrmuschelränder bei kurz- bzw. weißhaarigen Katzen).
Unter den onkogenen Viren, die bei Tieren als Ursache für Tumoren bekannt sind, wären zum einen die zu den RNS-Viren gehörenden Retroviren zu nennen. Retroviren der Subfamilie Orthoretrovirinae sind als Verursacher von Leukosen bzw. Lymphomen bei Huhn, Rind, Schaf und Katze nachgewiesen worden. Als ein Beispiel für onkogene DNS-Viren sei das zur Gruppe der Papovaviren gehörende Papillomavirus genannt, das Papillomatosen der Haut bzw. der Mundhöhle bei Rind, Hund und Kaninchen verursacht.
Zur Beurteilung der Dignität (lat.: Würde) von Tumoren, d. h. ihres biologischen Verhaltens am Entstehungsort, werden herangezogen:
Differenzierungsgrad
Proliferationsrate
lokales Wachstum
Verschleppung von Tumorzellen (Metastasierung), z. B. über den Lymph- und/oder Blutweg
Neoplasien gelten dann als gutartig (benigne), wenn sie langsam und expansiv, d. h. gleichmäßig nach allen Seiten und örtlich verdrängend wachsen, sodass die umgebenden, ortsständigen Zellen druckatrophisch werden. Demgegenüber wachsen bösartige (maligne) Tumoren üblicherweise schnell, dringen in die unmittelbare Tumorumgebung aggressiv ein (Infiltration) und zerstören deren histologische Ordnung (Destruktion). Des Weiteren neigen maligne Tumoren zur Metastasierung. Semimaligne Tumoren hingegen (z. B. das equine Sarkoid) wachsen örtlich destruktiv, metastasieren jedoch nicht.
Die Klassifikation von Tumoren beruht auf ihrer Dignität und ihrem Ursprungsgewebe. Man unterscheidet epitheliale, mesenchymale, neuroektodermale Tumoren einschließlich der Neoplasien des pigmentbildenden Gewebes, Mischtumoren sowie Sonderformen.
Epitheliale Tumoren entwickeln sich aus Geweben, die äußere oder innere Körperoberflächen auskleiden (z. B. Plattenepithel der Haut oder kutaner Schleimhäute, Schleimhautepithel, Übergangsepithel), oder aus exo- und endokrinen Drüsen, beispielsweise der Leber und Niere. Ter minologisch werden gutartige epitheliale Tumoren durch Angabe der Gewebeart und die Endsilbe -om bzw. -adenom oder -papillom bezeichnet, während bösartige epitheliale Tumoren durch Angabe der Gewebeart und die Endsilbe -karzinom ihren Namen erhalten.
Zu den gutartigen epithelialen Tumoren zählen unter anderem Papillome und Adenome. Papillome sind Tumoren, die vom Plattenepithel der Haut, der Schleimhäute oder vom Urothel ausgehen. Histologisch besitzen sie ein fingerförmig verästeltes Stroma mit Epithelüberzug und ähneln dem Muttergewebe weitgehend. Bei multiplem Auftreten in der Haut spricht man von einer Papillomatose. Adenome sind gutartige Tumoren, die vom Epithel endo- oder exokriner Drüsen oder von einem Organparenchym ausgehen. Hierzu gehören das Nebennierenrinden-, Schilddrüsen-, Talgdrüsen- und das Nierenadenom sowie das hepatozelluläre Adenom. Der histologische Aufbau der Adenome erinnert an das Muttergewebe, aus dem sie hervorgegangen sind (organoid). Als Wuchsformen unterscheidet man solide, alveoläre, tubuläre, zystische, trabekuläre, papilläre, polypöse und follikuläre Adenome. Zystadenome zeichnen sich durch sekretgefüllte Hohlraumbildungen aus. Auch das Seminom des Hodens und das Dysgerminom des Ovars zählen zu den epithelialen Tumoren.
Zu den bösartigen epithelialen Tumoren gehören unter anderem Plattenepithel-, Adeno- und Übergangszellkarzinome. Plattenepithelkarzinome zeigen unterschiedliche Differenzierungsgrade. Gut differenzierte, maligne Tumoren des Plattenepithels besitzen die Fähigkeit zur Hornbildung, während schlechter differenzierte Varianten hierzu nicht in der Lage sind. Adenokarzinome gehen von den Epithelien exo- und endokriner Drüsen aus. Es gibt solide, azinäre, tubuläre, zystische, trabekuläre, papilläre und schleimbildende Wuchsformen. Übergangszellkarzinome gehen vom Übergangsepithel der ableitenden Harnwege (Urothel) aus. Undifferenzierte (anaplastische) Karzinome lassen keine Differenzierungserscheinungen eines Muttergewebes und somit keinerlei Organähnlichkeit mehr erkennen. Anaplastische Kar zinome werden entsprechend dem Verhältnis epithelialer Tumoranteile zum bindegewebigen Stroma in drei Typen eingeteilt. Beim Carcinoma solidum medullare sind die epithelialen Tumorzellen in Form von Strängen oder Inseln angeordnet, zwischen denen nur ein spärliches, bindegewebiges Stroma ausgebildet ist. Das Carcinoma scirrhosum ist durch Vorhandensein von massenhaft kollagenem Bindegewebe gekennzeichnet, in dem sich Nester und Stränge epithelialer Tumorzellen befinden. Beim Carcinoma solidum simplex sind Tumoranteile und Stromaanteile zu gleichen Teilen vorhanden.
Diese Neoplasien bestehen aus Geweben, die sich embryologisch vom mittleren Keimblatt (Mesoderm), insbesondere vom pluripotenten Stützgewebe (Mesenchym) herleiten. Gutartige Tumoren des Binde-, Gefäß- und Stützgewebes werden durch Angabe der Gewebeart und die Endsilbe -om bezeichnet. Maligne mesenchymale Tumoren erhalten durch Angabe der Gewebeart und die Endsilbe -sarkom ihren Namen.
Zu den gutartigen mesenchymalen Tumoren gehören unter anderem Fibrome, Myxome und Osteome. Das Fibrom besteht aus Elementen des fibrösen Bindegewebes (Fibrozyten, Fibroblasten, kollagene Fasern). Je nach Fasergehalt unterscheidet man das Fibroma molle, das relativ wenige Kollagenfasern und reichlich Extrazellularsubstanz enthält, und das Fibroma durum, das reichlich dicht gepackte Kollagenfasern enthält. Das Myxom ist aus Zellelementen vom Aussehen embryonaler Bindegewebszellen mit reichlich faserfreier Grundsubstanz aufgebaut. Das Osteom enthält reifes Knochengewebe. Das Chondrom besteht aus Knorpelgewebe (Chondrozyten, Knorpelmatrix). Das Lipom ist aus Läppchen von Fettgewebszellen (Adipozyten) aufgebaut. Das Rhabdomyom ist ein Tumor der quergestreiften Muskulatur. Das Leiomyom stammt histogenetisch von der glatten Muskulatur ab. Das Hämangiom stellt eine gutartige Neoplasie der Blutgefäßendothelzellen dar, die als kapilläre oder kavernöse Variante auftreten kann. Das Lymphangiom ist ein Tumor des lymphgefäßbildenden Gewebes.
Zu den bösartigen mesenchymalen Tumoren gehören unter anderem Fibro-, Osteo-, Chondro-, Lipo-, Myxo-, Rhabdomyo-, Leiomyo-, Hämangio-, Lymphangiosarkome. In diesen Tumoren sind neben unreifen Tumorzellen auch noch Zellelemente vorhanden, die den Charakter des Muttergewebes aufweisen, beispielsweise kollagene Fasern, Knochen- und Knorpelgrundsubstanz, Fettzellen, muzinreiche, interzelluläre Grundsubstanz, quergestreifte und glatte Muskelzellen sowie Blut- und Lymphgefäße.
Bei den undifferenzierten Sarkomen ist ein Vergleich mit der Ausgangszelle bzw. dem Muttergewebe und die Ableitung der histogenetischen Herkunft nicht mehr möglich. In derartigen Fällen kann mit den Begriffen „spindelzelliges“ (Sarcoma fusicellulare), „rundzelliges“ (Sarcoma globocellulare), „riesenzelliges“ (Sarcoma gigantocellulare) oder „gemischtzelliges“ Sarkom (Sarcoma mixtocellulare) die Neoplasie deskriptiv näher charakterisiert werden.
Systemische, neoplastische Proliferationen von Blutzellen bzw. deren Vorstufen, die ebenfalls zu den mesenchymalen Geweben zählen, werden unter der Bezeichnung Leukose zusammengefasst. Die Einteilung basiert auf dem Zelltyp, nach dem man die lymphatische Leukose (malignes Lymphom, Lymphosarkom) und die myeloische Leukose unterscheidet. Beim malignen Lymphom erkranken besonders Lymphknoten, Milz, Thymus, Knochenmark und Leber. Oft sind jedoch auch Labmagen, Darm, Herzmuskel (Rind, Schaf) und Niere (Katze) betroffen.
Kommen in Tumoren sowohl epitheliale als auch mesenchymale Gewebsbestandteile vor, spricht man von Mischtumoren. Entsprechend ihrer Dignität werden gutartige Mischtumoren und Karzinosarkome unterschieden. Mischtumoren sind besonders häufig unter den Mammatumoren des Hundes zu finden, treten aber auch in der Schilddrüse und den apokrinen Schweißdrüsen auf.
Unter den neuroektodermalen Tumoren des ZNS spielen Gliome (Oligodendrogliome, Astrozytome, Oligoastrozytome) die Hauptrolle, während von Nervenzellen ausgehende Tumoren (Neuroblastome) wesentlich seltener auftreten. Ebenfalls selten ist das Ästhesioneuroblastom, das vor allem bei älteren Hunden und Katzen vorkommt und von der Riechzelle seinen Ursprung nimmt. Vom Ependym der Hirnventrikel oder des Rückenmarkkanals ausgehende Tumoren (Ependymome) treten vorwiegend bei Kalb und Hund auf. Weiterhin wäre das von den Plexus chorioidei der Ventrikel ausgehende Plexuspapillom bzw. -karzinom zu nennen.
Melanozyten sind auch Abkömmlinge des Neuroektoderms und die gutartigen Tumoren, die sich von den melaninbildenden Zellen (Melanozyten) ableiten, werden als benigneMelanozytome oder Melanome bezeichnet. Diese Neoplasien sind braun bis schwarzbraun gefärbt und bestehen aus melaninhaltigen Tumorzellen. Die malignen Melanome werden entsprechend dem jeweils vorherrschenden Zelltyp in epitheloidzellige, spindelzellige, dendritische und klarzellige Typen eingeteilt.
Teratome sind Tumoren, die aus pluripotenten Ausgangszellen entstehen und Differenzierungsprodukte aller drei Keimblätter, nämlich des Ento-, Meso- und Ektoderms, enthalten. Sie treten beispielsweise in Ovarien oder Hoden auf.
Hamartome stellen nicht neoplastische, tumorartige, überschießende Fehlentwicklungen von Geweben dar, die prinzipiell überall im Körper auftreten können.
Choristome sind aus normalem, ausgereiftem Gewebe zusammengesetzt, befinden sich aber an einer ektopischen Lokalisation, beispielsweise sei das Dermoid im ZNS genannt.
Embryonale Tumoren gehen im Gegensatz zum Teratom aus einer noch nicht differenzierten Organanlage hervor. Zu ihnen zählen unter anderen das Chordom, das sich aus Resten der zurückgebildeten Chorda dorsalis entwickelt, oder das Kraniopharyngeom, das sich aus Resten der embryonalen Kiemengangsauskleidung (Rathke’sche Tasche) herleitet.
Unter Metastasierung versteht man die Verschleppung von Tumorzellen und ihr An- und Weiterwachsen in entfernteren Körperlokalisationen (Metastase).
Der Einbruch maligner Tumorzellen in das Lymphgefäßsystem, deren anschließende Verschleppung (Tumorzellembolus) auf dem Lymphwege und ihre Ansiedelung an einem anderen Ort wird als lymphogene Metastasierung bezeichnet. Diese Art der Metastasierung wird besonders bei malignen epithelialen Tumoren gesehen. Bei günstigen Strömungsbedingungen im jeweiligen Lymphgefäß vermehren sich die Tumorzellen bereits in den Lymphgefäßen, verstopfen sie und wachsen an ihnen entlang (Lymphangiosis carcinomatosa). Nach Verschleppung in die regionären Lymphknoten werden diese tumorös durchsetzt (Nahmetastasen). Von dort aus können sie schließlich in den Ductus thoracicus gelangen, durch den die Tumorzellen entfernte Lymphknoten, die Blutbahn und andere Organe erreichen. Ein wichtiges Beispiel hierfür sind Mammakarzinome bei Hund und Katze, bei denen Metastasen in regionären Lymphknoten und lymphohämatogen in der Lunge entstehen.
Nach Einbruch von Tumorzellen in Blutgefäße können Einzelzellen oder Zellkomplexe mit dem Blutstrom abgeschwemmt werden (Tumorzellembolus) und in anderen Organen oder Geweben weiterwachsen (hämatogene Metastasierung). Das Verteilungsmuster der hämatogenen Metastasen hängt von der Lokalisation des Primärtumors ab. Die kavitäre Metastasierung entsteht dadurch, dass Tumorzellen in Bauch- oder Brusthöhle, Herzbeutel oder Liquorräume einbrechen und nach Verschleppung an anderer Stelle des Hohlraumes weiterwachsen (Implantationsmetastasen). Beispielsweise kann ein Magenkarzinom die Serosa durchbrechen und es kommt zur Aussaat von Tumorzellen mit der Peritonealflüssigkeit. Unter kanalikulärer Metastasierung versteht man die Ausbreitung maligner Tumoren innerhalb anatomisch vorgegebener, epithelial ausgekleideter Kanalwege wie Bronchien, Milchgänge und ableitende Harnwege.
Tumoren können exophytisch über die Organoberfläche hinauswachsen oder sie können ein endophytisches Wachstumsverhalten zeigen, d. h. sie wachsen in das Organ hinein. Exophytisches Wachstum tritt vor allem in Haut, Schleimhäuten, serösen Häuten und in Drüsengängen auf. Dabei können knotige (noduläre), mit einem dünnen Stiel der Unterlage aufsitzende (polypöse) oder warzenartige (papillomatöse) Umfangsvermehrungen auftreten. Papillome wachsen zum Beispiel pinsel-, blumenkohl- oder korallenstockartig über die Oberfläche hinaus und sitzen der Unterlage breitbasig oder nur mit einem dünnen Stiel auf. Endophytisch wachsende Tumoren können einerseits als gut abgegrenzte, innerhalb des Organs gelegene Knoten in Erscheinung treten. Ein derartiges Wachstum wird meist bei gutartigen Tumoren, beispielsweise einem inversen, endophytisch wachsenden Papillom beobachtet. Andererseits können endophytische Neoplasien zur lokalen oder diffusen Durchsetzung des Organs bzw. Gewebes (Infiltration) führen. Dieses Proliferationsverhalten tritt vor allem bei malignen Blastomen auf. Häufig ist in Tumoren die Bildung von Zysten oder zystenartigen Hohlräumen zu beobachten, insbesondere in Tumoren, die vom Drüsenepithel ausgehen (Adenome, Adenokarzinome). Bei schnell wachsenden, bösartigen Tumoren kommt es zur Entstehung von Nekrosen. Infolge dieser Gewebeeinschmelzung im Zentrum eines Tumorknotens entsteht ein Gewebekollaps mit Einsenkung der Oberfläche, der als „Krebsnabel“ bezeichnet wird.
Das wesentliche Ziel der histologischen Beurteilung von Tumoren ist, deren Art bzw. Herkunft (Histogenese) zu ermitteln und festzustellen, ob es sich um einen gutartigen oder bösartigen Tumor handelt. Weiterhin ist von Bedeutung, ob die Neoplasie vollständig entfernt wurde, da dieses Kriterium für die Prognose, Therapie und Nachsorge von besonderer Wichtigkeit ist. In Tabelle 4.1 sind die wichtigsten histologischen Parameter für gutartige und bösartige Tumoren zusammengefasst. Die in der Tabelle dargestellte Zuordnung ist als Anhaltspunkt zu sehen, zu dem es auch Ausnahmen geben kann. Insbesondere für die zytomorphologischen Kriterien ist zu beachten, dass die Grenze zwischen Gut- und Bösartigkeit oft fließend ist.
Zur Beurteilung der Zytomorphologie
