PAX - Der Hexendämon - Åsa Larsson - E-Book

PAX - Der Hexendämon E-Book

Åsa Larsson

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Beschreibung

Alrik wird des Diebstahls verdächtigt – doch er ist unschuldig. Und er glaubt den wahren Schuldigen zu kennen: sein Bruder Viggo. Denn der hat nicht nur einen gefährlichen Hang zur Langfingerei, sondern ist auch ein Naturtalent als Zauberkünstler ... Was niemand ahnt: In Wahrheit ist ein finsteres Monster am Werk. Und von diesem Dämon droht weit größere Gefahr als harmloser Diebstahl!

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Åsa Larsson · Ingela Korsell

Der Hexendämon

Illustrationen von Henrik Jonsson

Aus dem Schwedischenvon Maike Dörries

KAPITEL 87Unruhige Träume

Als um zwei Uhr in der Nacht Viggos Wecker piepst, ist er schlagartig hellwach. Er hat sich die Uhr für ein wissenschaftliches Experiment gestellt.

Viggo hat nämlich in der Schule gehört, dass man sich in die Hose pinkelt, wenn man im Schlaf seine Finger in Wasser taucht. Und das muss er natürlich ausprobieren.

Wie praktisch, dass er mit seinem großen Bruder das Zimmer teilt. Der eignet sich hervorragend als Versuchskaninchen!

Viggo liegt ganz still da und lauscht. Nein, Alrik ist von dem Piepsen nicht wach geworden, er liegt leise schnorchelnd in seinem Bett. Sehr gut.

Viggo hat das Experiment vorm Einschlafen vorbereitet und zieht nun Frejas Trinknapf unter dem Bett hervor.

Alrik liegt auf dem Rücken, ein Arm hängt über die Bettkante, die perfekte Position.

Viggo hält den mit Wasser gefüllten Napf unter Alriks Finger. Das ist der riskanteste Teil des Experimentes. Sollte das Versuchskaninchen jetzt aufwachen, dann Gnade Viggo. Aber solche Risiken muss man als Wissenschaftler in Kauf nehmen.

Viggo wartet. Alriks Atmung wird unruhig, aber er wacht nicht auf. Aber in die Hose pinkelt er sich auch nicht, wie Viggo feststellt, als er die Decke hochhebt. Er wartet noch ein bisschen. Alriks Finger hängen weiter im Wasser.

Alrik träumt. Unruhige Träume, in denen er zu ertrinken droht. Er ist unter Wasser und kriegt keine Luft mehr, stößt sich nach oben ab. Als er die Oberfläche durchbricht, befindet er sich an einem fremden Ort.

Er schwebt unter der Zimmerdecke eines finsteren, kalten Raumes, in dessen Mitte eine Person steht oder eigentlich eher ein dunkler Schatten.

Die Schattengestalt umwickelt einen Knochen mit Wollfäden und Stoffbändern, bis es ein dickes Knotenknäuel ist.

Die Schattengestalt legt das Knäuel in einen Schuhkarton und murmelt etwas Unverständliches vor sich hin. Worte einer vergessenen Sprache. Beschwörungsformeln.

In seinem Traum schwebt Alrik näher an den Karton heran, neugierig darauf, was darin zu sehen ist.

Ein wirres Knäuel aus Wollfäden und Stoffbändern. Alrik streckt die Hand aus, um nach dem Fadengewirr zu greifen, hält aber mitten in der Bewegung inne, weil ihn der Mut verlässt. Das Knäuel liegt zwar ganz still da, aber Alrik spürt mehr, als dass er es sieht, wie es sich verändert.

Er spürt, dass es ihn sieht, obwohl es keine Augen hat. Er spürt, dass es lebt, obwohl es kein Herz hat. Es wartet ab und beobachtet Alrik. Wie ein Raubtier, das seine Beute belauert.

Dieses scheußliche kleine Etwas ist ganz frisch geboren. Und trotzdem scheint es genau zu wissen, wer Alrik ist.

Die Angst schießt wie ein Stromstoß durch seinen Körper.

Plötzlich befindet er sich an einem anderen Ort. Wie es eben in Träumen so ist. Er steht auf einem Dach und sieht Hunderte von Ratten das Haus verlassen, als ob es ein sinkendes Schiff wäre.

Sie haben Angst, denkt Alrik. Spüren sie die Nähe des Wollknäuels – oder was immer das ist – und fliehen darum in Panik? Alrik begreift instinktiv, dass er auch fliehen sollte. Er muss weg. Aber seine Arme und Beine sind wie gelähmt und er kommt nicht vom Fleck.

Viggo beobachtet Alrik. Er scheint einen Albtraum zu haben. Die geschlossenen Augenlider zucken und seine Beine zappeln unruhig. Vielleicht wird er ja von irgendwem verfolgt.

Da schnappt Alrik heftig nach Luft und richtet sich auf, packt Viggo am Pullover und starrt ihn wild an.

»Verdammt, was hast du denn geträumt?«, fragt Viggo und schiebt den Wassernapf unauffällig mit dem Fuß unters Bett.

Alrik denkt nach. Die finsteren Träume haben sich in Luft aufgelöst. Gerade waren sie noch so greifbar und real, jetzt sind sie verflogen. Zurück bleibt ein vages Unbehagen, seine Nackenhaare sträuben sich.

»Ich … kann mich nicht erinnern«, antwortet er. »Aber es war total unheimlich.«

»Soll ich mich zu dir legen?«, fragt Viggo.

Alrik nickt und rückt zur Seite. Viggo holt sein Kissen und kriecht zu seinem großen Bruder unter die Decke.

Es dauert nicht lange, bis Viggo eingeschlafen ist, aber Alrik kommt nicht zur Ruhe. Und wieso hat er eigentlich nasse Finger? Lutscht er etwa im Schlaf am Daumen? Wenn ja, kann er es vergessen, jemals bei Freunden zu übernachten.

KAPITEL 88Ich bin sterbenskrank

Alrik und Viggo sitzen beim Frühstück. Draußen ist es grau und kalt. Auf dem Küchentisch brennt eine Kerze. Anders hat warmen Haferbrei mit Apfelmus und Zimt gemacht. Laylah nippt an ihrem Kaffee. Alrik atmet genüsslich die Düfte ein. Zimt, brennende Kerzen und der Geruch der Morgenzeitung. Am liebsten würde er heute zu Hause bleiben.

Aber ausgerechnet heute veranstaltet die Mariefredsschule ihren Freilufttag.

»Ich geh lieber ins Gefängnis als zum Freilufttag«, verkündet Viggo. »Bitte Laylah, du musst in der Schule anrufen und mich krankmelden. Ich hab wirklich das Gefühl, sterbenskrank zu sein.« Er legt die Stirn auf die Tischplatte.

»Ich bin auch sterbenskrank«, schließt Alrik sich an und legt ebenfalls die Stirn auf den Tisch. »Die Zeit bei euch war schön, Laylah und Anders.«

»Ich denke, ihr wollt Golf spielen?« Laylah wuschelt Alrik durchs Haar. »Das macht doch Spaß.«

»Spaß?« Viggo streckt sich. »Golf soll Spaß machen?«

»Wir spielen nur deshalb Golf, weil die Gruppenverteilung stattgefunden hat, bevor wir auf die Mariefredsschule gekommen sind. Darum mussten wir die Gruppe nehmen, wo noch Plätze frei waren.«

»Das ist unfair«, sagt Viggo. »Ich würde lieber klettern. Golf ist öde. Laylah, kann ich nicht einfach heute mit dir zur Arbeit gehen? Du darfst auch in meinen Zähnen bohren. Ohne Betäubung. Alles lieber als Golf.«

Anders prustet los.

»Und ich wechsle lieber volle Windeln, als Golf zu spielen«, sagt Alrik.

»Ich wechsle lieber volle Windeln von ALTEN LEUTEN«, ruft Viggo. »Und putze ihre Gebisse!«

»Stopp!«, sagt Anders. »Wir frühstücken und mein Magen verträgt keine …«

»Und ich putze lieber die Gebisse und trink anschließend das Zahnputzwasser«, sagt Alrik. »Alles, nur kein Golf!«

»AUFHÖREN!«, ruft Laylah und lacht schallend. »Anders wird’s schlecht!«

»Ruf bei meiner Arbeit an und entschuldige mich«, sagt Anders und legt seine Stirn auf die Tischplatte. »Ich bin sterbenskrank.«

»Anders hat den Löffel abgegeben«, sagt Viggo todernst. »Laylah, das ist ganz allein deine Schuld. Hättest du dich ein bisschen besser um uns gekümmert, wäre das bestimmt nicht passiert.«

»Wir würden dich in dieser schweren Stunde ja gerne unterstützen«, sagt Alrik und steht auf. »Aber leider müssen wir Golf spielen, weil du dich weigerst, uns zu entschuldigen!«

»Ihr Armen«, sagt Laylah grinsend. »Seid doch bitte so gut und räumt die Teller in die Spülmaschine, jetzt, wo Anders den Löffel abgegeben hat. Und vergesst eure Regenklamotten nicht.«

»Besorg uns einen neuen Pflegevater, bis wir wieder nach Hause kommen«, sagt Viggo zu Laylah. »Am besten einen, der nicht schnarcht.«

»Ich schnarche gar nicht«, murmelt Anders ins Tischtuch.

»Schhh«, sagt Laylah und legt eine Hand auf Anders’ rasierten Kopf. »Tote widersprechen nicht.«

Viggo stopft seine Regensachen in den Rucksack.

Alriks Regenjacke hat ein Muster aus hellgrauen Streifen, die sich kreuz und quer über den schwarzen Untergrund ziehen. Als Laylah ihn gefragt hat, ob er mitgehen will, um Regenklamotten zu kaufen, hatte er keine Lust. Das bereut er jetzt. Er hätte lieber eine ganz schwarze Jacke gehabt, nicht so ein hässlich gemustertes Teil. Soll Laylah doch sagen, was sie will, aber die Jacke nimmt er nicht mit.

Es wird schon nicht regnen, denkt er.

Viggo und Alrik fahren mit dem Lastenrad zum Golfplatz. Alrik fährt, Viggo steht auf den Fußstützen.

Als sie das Rad am Golfplatz abstellen, fängt es natürlich an zu regnen.

»Typisch«, sagt Viggo. »Schlimmer geht’s nimmer.«

Aber da irrt er sich, denn exakt eine Sekunde später kommt es richtig dicke.

KAPITEL 89Golf ist ein Sport für Gentlemen

»Hallo, Jungs!«

Viggo und Alrik drehen sich um und stehen Simon und seinem Vater Thomas gegenüber, die jeder eine Golftasche über der Schulter tragen.

»Das hätte ich ja nicht gedacht, dass ihr Golf wählt«, sagt Werk-Thomas mit einem herablassenden Lächeln.

»Haben wir ja gar nicht …«, setzt Viggo an.

Simon fällt ihm ins Wort. »Ich bin ja mal gespannt, wie ihr ohne Golfschläger spielen wollt«, sagt er von oben herab.

Alrik und Viggo wechseln rasche Blicke und denken beide in dem Moment das Gleiche. Noch ätzender, als an einem verregneten Novembertag Golf zu spielen, ist ein verregneter November-Golf-Tag zusammen mit Mobber-Simon und seinem Idiotenvater.

»Dann wollen wir mal dafür sorgen, dass Alrik und Viggo auch spielen können«, sagt Werk-Thomas.

Er dreht sich um und winkt die anderen Schüler zu sich, die für den Freilufttag Golf gewählt haben. Sie stellen sich im Kreis um ihn herum auf.

Alle tragen Markenregenklamotten und Golfschuhe und jeder von ihnen hat sein privates Golfbag dabei.

Alrik und Viggo stellen fest, dass sie die einzigen Nicht-Golfer in der Gruppe sind.

»Herzlich willkommen bei unserem Golftraining«, begrüßt Thomas jetzt die Gruppe. »Jennifer und ich werden uns um euch kümmern. Sie müsste jeden Moment da sein.«

Alriks Laune wird gleich ein bisschen besser, als er den Namen seiner Klassenlehrerin hört. Jennifer ist in Ordnung.

»Wie die meisten von euch wissen, ist Golf ein Gentlemensport«, fährt Thomas mit wichtiger Miene fort. »Das bedeutet, dass wir nett zueinander sind und uns anständig benehmen.«

Letzteres sagt er mit einem auffordernden Blick auf Alrik und Viggo.

»Können wir jetzt endlich mal anfangen?«, sagt Simon ungeduldig.

»Ja, aber zuerst müssen wir Golfer uns um unsere Freunde ohne Schläger kümmern«, sagt Thomas.

Er hebt den Blick, als er Jennifer sieht, die auf sie zugelaufen kommt.

»Hallo, Jennifer!«, ruft er ihr laut entgegen. »Alrik und Viggo haben keine Golfschläger dabei. Gibt es noch irgendwelche Kinderschläger, die gerade nicht gebraucht werden? Wärst du so lieb, sie zu holen?«

Thomas mustert Alrik, der in seiner dünnen Jacke friert.

»Und wenn es noch eine liegen gebliebene Regenjacke für Alrik gibt, bring die doch auch gleich mit. Unmöglich, dass manche Eltern ihre Kinder so nachlässig gekleidet zum Freilufttag schicken.«

Alrik funkelt Thomas wütend an, hält aber wohlweislich den Mund. Er kann sich nicht noch mehr Ärger leisten. Heute will er sich am Riemen reißen. Egal, was passiert. Einfach nur die Ruhe bewahren.

»Kommt mit«, sagt Jennifer gut gelaunt und gibt Alrik und Viggo ein Zeichen, ihr zu folgen. »Dann könnt ihr gleich eure Rucksäcke wie die anderen in der Klubhütte abstellen.«

Eine Regenjacke treiben sie nicht auf, wofür Alrik äußerst dankbar ist. Es ist schon peinlich genug, mit den geliehenen, viel zu kurzen Schlägern zu spielen.

Er hätte auch gerne Markenklamotten und die richtigen Sachen.

Zuerst einmal üben sie den Abschlag auf der Driving Range, der großen Rasenfläche neben dem Golfplatz. Alle üben, den Golfball zu treffen und so weit und gerade wie möglich zu schlagen.

Simon und sein angeberischer Freund Anton stehen direkt neben Alrik und Viggo und schlagen einen Ball nach dem anderen ab. Das sieht total einfach aus.

Jennifer kümmert sich um Alrik und Viggo und zeigt ihnen, wie sie den Schläger halten und sich hinstellen müssen. Man muss auf ganz schön viele Dinge gleichzeitig achten. Alrik ist konzentriert bei der Sache, aber Viggo hört nur mit halbem Ohr zu und kickt die ganze Zeit den Ball mit der Schuhspitze gegen den Schlägerkopf. Er wird immer besser. Weltklasse, sozusagen.

Jennifer fordert sie auf, ihre Kinderschläger auszuprobieren.

Für Viggo läuft es mittelprächtig. Er schlägt die Bälle zwar ziemlich weit, aber sie fliegen unkontrolliert in alle Richtungen. Was Viggo nicht weiter stört. Aber bald hat er die Nase voll vom Abschlag und fängt an, den Schläger auf der Stirn zu balancieren.

»Alrik! Guck mal!«, ruft er.

»Ja, ja«, murmelt Alrik.

Da baut sich Thomas vor ihnen auf. »Viggo Delling!«, ermahnt er Viggo streng. »Hörst du wohl sofort mit den Kindereien auf. Wir sind hier auf dem Golfplatz und nicht auf einem Kinderspielplatz.«

»Entschuldigung«, sagt Viggo und balanciert den Schläger nun auf dem Fuß, als Thomas sich umdreht und geht.

Bei Alrik klappt der Abschlag überhaupt nicht, meistens trifft er nicht einmal den Ball. Ein paar Mal fliegt ihm sogar der Schläger aus der Hand. Und trifft er ausnahmsweise mal den Ball, fliegt er höchstens ein paar Meter.

»Na, Schwierigkeiten, den Ball zu treffen?«, sagt Simon schadenfroh, als kein Erwachsener in Hörweite ist. »Bist du betrunken?«

Alrik antwortet nicht, versucht, sich auf den Ball zu konzentrieren, ganz ruhig zu bleiben.

»Habt ihr von eurer Mutter gelernt, schon zum Frühstück Alkohol zu trinken?«, sagt Anton und schüttet sich aus vor Lachen.

Da kocht Alrik innerlich über.

KAPITEL 90Asoziales Gesocks

»Antworte schon, Alrik«, sagt Simon. »Hast du Händezittern vom Alkohol?«

Anton kriegt sich vor Lachen gar nicht mehr ein.

»Du hast so eine hässliche Visage, Simon«, sagt Viggo, ohne den Blick von dem Schläger zu nehmen, den er immer noch auf seinem Fuß balanciert. »Wenn mein Hund so aussehen würde wie du, würde ich ihm das Hinterteil rasieren und ihm beibringen, im Rückwärtsgang zu laufen.«

»An deiner Stelle würde ich das Maul nicht so voll nehmen«, kontert Simon und schubst Viggo. »Asoziales Gesocks.«

Alrik umklammert den Handgriff des zu kurzen Kinderschlägers und starrt auf den Boden. Der Puls an seinen Schläfen pocht heftig. Er hat vielleicht kein Talent, den kleinen Golfball zu treffen, aber Simons Kopf ist schließlich um einiges größer.

»Alrik!«, sagt Viggo mit vielsagendem Blick in eine bestimmte Richtung. Alrik folgt seinem Blick. Ein Stück entfernt steht Werk-Thomas und streckt den Hals. Er hat mitbekommen, dass sich da irgendwas zwischen den Jungs tut, und lässt sie nicht aus den Augen.

»Asoziales Gesocks, asoziales Gesocks, a-a-asoziales Gesocks«, summt Simon so leise vor sich hin, dass nur Viggo und Alrik es hören.

Ganz ruhig bleiben, denkt Alrik.

Ihm ist klar, dass Simon ihn nur dazu provozieren will zuzuschlagen, um ihn richtig in Schwierigkeiten zu bringen.

Aber Alrik lässt sich nicht provozieren. Er holt tief Luft und lässt den Golfschläger auf die Erde fallen.

»Ich hau ab«, sagt er zu Viggo. »Das ist mir zu blöd hier.«

»Wohin willst …«, sagt Viggo.

Aber da ist Alrik schon bei Jennifer. »Ist es in Ordnung, wenn ich nach Hause gehe?«, fragt Alrik zitternd. »Ich bin nass bis auf die Knochen und fühl mich ehrlich gesagt nicht ganz gesund.«

Sicherheitshalber hustet er ein paar Mal, um einen richtig kranken Eindruck zu machen.

Thomas kommt mit wichtiger Miene angelaufen. »Was ist hier los?«, fragt er.

Jennifer ignoriert Thomas, legt eine Hand auf Alriks Schulter und sagt, dass das völlig in Ordnung ist. Kalt und nass ist nicht gut, wenn man was ausbrütet.

»Geh nur«, sagt sie. »Aber vergiss nicht, deinen Rucksack aus der Klubhütte zu holen.«

Viggo schaut seinem großen Bruder nach, als er den Golfplatz verlässt. Soll er ihm hinterherlaufen? Er hat gemerkt, dass Simons Worte ihn hart getroffen haben.

»Und wie viele Schnäpse hast du zum Frühstück getrunken?«, fragt Simon.

Viggo dreht sich langsam zu ihm um. »Weißt du was, Schleimon, wenn ich Buchstabenkekse essen würde, würde ich intelligentere Dinge ausscheißen, als aus deinem Mund kommen.«

Ehe Simon kapiert, was Viggo da gesagt hat, pfeift Werk-Thomas auf einer Trillerpfeife.

»Und jetzt fangen wir an, richtig Golf zu spielen«, ruft er. »Wir machen eine 9-Loch-Runde. Und am Ende gibt es ein Turnier.«

Verdammt, denkt Viggo. Jetzt werde ich es Schleimon zeigen.

KAPITEL 91Das heißt Golfturnier

Die ersten acht Löcher sind fürs Training. Am neunten und letzten soll das Turnier ausgetragen werden.

Viggo hört genau zu, als Jennifer ihm Instruktionen gibt. Er albert nicht mehr mit dem Schläger rum, will wirklich was lernen.

»Die Füße etwa schulterbreit auseinanderstellen und die Knie leicht beugen«, sagt Jennifer. »Und jetzt den Schläger lang durchziehen.«

Simon und Anton sind natürlich viel besser als Viggo, er braucht viel mehr Schläge als sie, aber er hört weiter auf Jennifers Tipps. »Auf den Ball konzentrieren«, sagt sie. »Nur auf den Ball.«