Verlag: Perry Rhodan digital Kategorie: Fantasy und Science-Fiction Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2011

Perry Rhodan 1: Die Dritte Macht (Silberband) E-Book

Clark Darlton  

(0)
Bestseller

Erhalten Sie Zugriff auf dieses
und über 100.000 weitere Bücher
ab EUR 3,99 pro Monat.

Jetzt testen
30 Tage kostenlos

Sie können das E-Book in Legimi-App für folgende Geräte lesen:

E-Reader (w tym Kindle) für EUR 1,- kaufen
Tablet  
Smartphone  
Lesen Sie in der Cloud®
mit Legimi-Apps.
Warum lohnt es sich?
Hören Sie in der Cloud®
mit Legimi-Apps.
Warum lohnt es sich?
Seitenzahl: 619

Das E-Book kann im Abonnement „Legimi ohne Limit+“ in der Legimi-App angehört werden für:

Android
iOS
Hören Sie in der Cloud®
mit Legimi-Apps.
Warum lohnt es sich?

Das E-Book lesen Sie auf:

Kindle MOBI
E-Reader EPUB für EUR 1,- kaufen
Tablet EPUB
Smartphone EPUB
Computer EPUB
Lesen Sie in der Cloud®
mit Legimi-Apps.
Warum lohnt es sich?
Hören Sie in der Cloud®
mit Legimi-Apps.
Warum lohnt es sich?

Leseprobe in angepasster Form herunterladen für:

Sicherung: Wasserzeichen

E-Book-Beschreibung Perry Rhodan 1: Die Dritte Macht (Silberband) - Clark Darlton

Es ist das größte Abenteuer der Menschheit: An Bord der Rakete STARDUST starten der amerikanische Major Perry Rhodan und drei weitere Angehörige der US-Space-Force zum Mond. Anfangs verläuft der Flug nach Plan, doch bei der Umkreisung des Mondes kommt es fast zur Katastrophe. Den Astronauten gelingt mit letzter Not eine Bruchlandung. Als Rhodan und seine Begleiter die Umgebung erkunden, machen sie eine unglaubliche Entdeckung: ein mehrere Hundert Meter durchmessendes Raumschiff. Der Kontakt zu den Arkoniden, wie sich die menschenähnlichen Außerirdischen nennen, verändert die Geschichte. Als erster Mensch wird Perry Rhodan mit ihrem überlegenen Intellekt und ihrem für die Erdbewohner kaum begreiflichen Wissensstand konfrontiert. Doch auch die Fremden haben ihre Schwächen. Perry Rhodan erkennt, dass er mit der Technik der Arkoniden seinen Traum verwirklichen kann: Nur mit dieser kann er den drohenden Atomkrieg verhindern und die zerstrittene Menschheit vereinigen - als Terraner sollen die Bewohner der Erde in das Universum vorstoßen und seine Wunder kennenlernen ...

Meinungen über das E-Book Perry Rhodan 1: Die Dritte Macht (Silberband) - Clark Darlton

E-Book-Leseprobe Perry Rhodan 1: Die Dritte Macht (Silberband) - Clark Darlton

Nr. 1

Die Dritte Macht

Es ist das größte Abenteuer der Menschheit: An Bord der Rakete STARDUST starten der amerikanische Major Perry Rhodan und drei weitere Angehörige der US-Space-Force zum Mond. Anfangs verläuft der Flug nach Plan, doch bei der Umkreisung des Mondes kommt es fast zur Katastrophe. Den Astronauten gelingt mit letzter Not eine Bruchlandung. Als Rhodan und seine Begleiter die Umgebung erkunden, machen sie eine unglaubliche Entdeckung: ein mehrere Hundert Meter durchmessendes Raumschiff.

Der Kontakt zu den Arkoniden, wie sich die menschenähnlichen Außerirdischen nennen, verändert die Geschichte. Als erster Mensch wird Perry Rhodan mit ihrem überlegenen Intellekt und ihrem für die Erdbewohner kaum begreiflichen Wissensstand konfrontiert. Doch auch die Fremden haben ihre Schwächen.

Einleitung

Zum besseren Verständnis dieses Buches, das gleichermaßen einen neuen Leserkreis ansprechen und Freunden der PERRY-RHODAN-Romane eine Freude bereiten soll, erscheinen einige erklärende Bemerkungen unerläßlich. Die Romane, die in diesem Buch zusammengefaßt wurden (Unternehmen Stardust v. K. H. Scheer, Die Dritte Macht v. Clark Darlton, Die strahlende Kuppel v. K. H. Scheer, Götterdämmerung v. Clark Darlton und Atom-Alarm v. Kurt Mahr), erschienen erstmals im Jahre 1961 und bildeten den Auftakt für die größte SF-Romanserie, die jemals geschrieben wurde. Die Gesamtauflage der PERRY-RHODAN-Serie nähert sich der 500 Millionen-Grenze, und die Romane erscheinen unter anderem in Japan, Brasilien, Frankreich, Italien, Holland und den USA.

Mit diesem Buch halten Sie einen Klassiker der Science-Fiction-Literatur in den Händen und gleichzeitig den größten Erfolg, der auf diesem Gebiet jemals erzielt wurde. Wir haben lange darüber nachgedacht, in welcher Form wir Ihnen ein PERRY-RHODAN-Buch präsentieren sollten und uns schließlich für eine Bearbeitung entschieden, bei der Wiederholungen und Widersprüche beseitigt wurden, die Originaldaten aber erhalten blieben. Es wurde weder das Datum der Mondlandung PERRY RHODANs geändert, noch die sich daraus ergebenden Zeitangaben. So kommt es, daß dieser Zukunftsroman, an seinen Zeitangaben gemessen, in der »Vergangenheit« spielt.

Was die stilistischen Belange angeht, so wurde mit großer Behutsamkeit verfahren, denn trotz aller verbesserungswürdigen Passagen der Urfassung sollte dieses Buch den Originalen recht nahe kommen. Unvermeidlich war es, Überleitungen zu schreiben, die aus diesem Buch einen geschlossenen Roman machen.

Mein Dank gilt G. M. Schelwokat, der das fertige Manuskript durchsah; K. H. Scheer, der mir bereitwillig seine privaten Unterlagen zur Verfügung stellte; Christa Bauer, die die Bearbeitung in eine lesbare Form brachte, und allen PERRY-RHODAN-Freunden, ohne deren nun fast zwanzig Jahre währendes Interesse an unserer Arbeit dieses Projekt niemals realisierbar gewesen wäre.

William Voltz

Vorwort

In kosmischen Zeitmaßstäben gesehen, währt das Leben eines Menschen eine Millisekunde, und selbst die Dauer der gesamten menschlichen Existenz beträgt unter diesen Aspekten nicht mehr als einige Augenblicke. So ist es kein Wunder, daß die Ereignisse in unserem Universum einem menschlichen Beobachter chaotisch und sinnlos erscheinen müssen. Mit ihren begrenzten Sinnen, die ihnen nur einen winzigen Ausblick auf die Wirklichkeit erlauben, versuchen die Menschen kosmische Zusammenhänge zu begreifen und zu überschauen. Dieser ohnmächtige und vielleicht gerade deshalb bewunderungswürdige Versuch wird von den Menschen Wissenschaft und Forschung genannt. Gefangen auf seinem kleinen Planeten, den er in seinem Zwiespalt von Emotion und Ratio zu vernichten droht, ringt der Mensch um Erkenntnisse, die ihn letztlich nur vor immer neue und größere Rätsel stellen.

Dieses verbissene Suchen nach letzten Wahrheiten läßt die Menschen ahnen, daß ihre Welt nur Teil einer unüberschaubaren universellen Ordnung ist, in der es Mächte und Existenzformen gibt, die darin eine bestimmende Rolle spielen. Stellen wir uns vor, die Menschheit würde eines Tages durch Umstände, die wir uns mit unserem beschränkten Auffassungsvermögen noch nicht erklären können, in den Sog kosmischer Ereignisse geraten.

1.

Im Zentrale-Hauptbunker von Nevada-Fields, dem elektronischen »Nervensystem« des Raumhafens, herrschte die Hektik der letzten Startvorbereitungen.

Die Männer des für die Schiffselektronik verantwortlichen Ingenieurteams überprüften die Schaltungen innerhalb des Astro-Elektronischen-Rechengehirns, dessen Aufgabe in eventuellen Kurskorrekturen bestand.

Automat »B« Spezialrobot für Start, Stufentrennungs-Kontrolle und Fernlenkung, wurde ebenfalls durchgesehen.

E-Gehirn »C« Robotkoordinator für alle eingehenden Radarechos, gleichzeitig Kommandostation für die ferngelenkten Spezialkameras der Infraortung, funktionierte so einwandfrei, wie man es erwarten konnte. Die letzten Kontrollberechnungen stimmten bis zur zehnten Dezimalstelle.

Die drei Hauptautomaten der Start- und Fernlenkelektronik wurden vom Chefingenieur klargemeldet.

Es geschehen all die Dinge, die bereits bei vielen vorangegangenen Starts erprobt worden waren. Nur die herrschende Nervosität verriet dem erfahrenen Beobachter, daß es sich diesmal nicht um einen »normalen« Raketenstart handelte.

Die schwerbewaffneten Soldaten am nördlichen Eingang des Zentrale-Hauptbunkers salutierten lässig. Drei-Sterne-General L. Pounder, Befehlshaber des Nevada-Space-Port und Chef des Raumforschungskommandos, legte in solchen Augenblicken keinen großen Wert auf exakte Ehrenbezeigungen. Ihm genügte es, seine Männer mit wachen Sinnen auf dem Posten zu wissen.

Punkt 00 Uhr 15, genau nach Plan, betrat Pounder die Hauptschaltstation des Bunkers. In seiner Begleitung befanden sich der Chef des Stabes, Oberst Maurice, sowie der wissenschaftliche Leiter des Projekts, Professor Dr. F. Lehmann. Lehmann war in erster Linie als Direktor der seit 1968 bestehenden »California Academy of Space Flight« bekannt geworden.

Die verwirrende Geschäftigkeit innerhalb der Hauptzentrale erlitt durch den Eintritt der leitenden Persönlichkeiten keine Unterbrechung. Der General war eben da, das war alles.

Lesly Pounder, der für das kompromißlose Durchsetzen seiner Forderungen in Washington berüchtigt war, schritt auf den großen Kontrollbildschirm zu.

Pounder stützte sich mit beiden Händen auf die Lehne des schwenkbaren Sessels. Einige Augenblicke verharrte er in regloser Haltung. Professor Lehmann griff mit einer nervösen Geste an die randlose Brille. Seiner Meinung nach gab es nun andere Dinge zu tun, als in Begleitung des Chefs längst kontrollierte Dinge nochmals zu inspizieren. Er bedachte den Chef des Stabes mit einem beschwörenden Blick.

Oberst Maurice hob unmerklich die Schultern. Abwarten, hieß es. Pounder hatte offenbar noch einige Fragen auf dem Herzen.

»Atemberaubend schön und gewaltig«, sagte Pounder leise. Noch immer schaute er auf den großen Bildschirm.

»Etwas in mir fragt hartnäckig, ob wir nicht doch zu weit gehen. Die Fachleute der Raumfahrtbehörde halten es jetzt noch für Wahnsinn, den Start von der Erde aus zu riskieren. Wir haben nicht nur den Luftwiderstand zu überwinden! Wir haben auch noch zusätzlich jene Geschwindigkeit zu erreichen, die bei einem Abflug von der Raumstation überflüssig gewesen wäre. Das sind 7,08 Kilometer pro Sekunde oder 25.400 km pro Stunde.«

»Die Bahngeschwindigkeit der bemannten Raumstation«, erklärte Professor Lehmann hastig, »ist in unserem Fall nicht ausschlaggebend. Ich gebe nochmals die Schwierigkeiten zu bedenken, die sich beim Zusammenbau vorgefertigter Einzelteile im freien, schwerelosen Raum ergeben. Wir haben trübe Erfahrungen gesammelt. Es ist wesentlich einfacher, ein Raumschiff auf der Erde zu bauen, als 1730 Kilometer über der Erdoberfläche. Die eingesparten Kosten betragen pro Einheit mehr als 350 Millionen Dollar.«

»Damit haben Sie in Washington gewaltigen Eindruck gemacht«, spöttelte der General. »Na schön, jetzt läßt sich nichts mehr ändern. Wollen wir hoffen, daß die glänzenden Ergebnisse der Versuchsflüge den heutigen Einsatz rechtfertigen. Professor – an Bord dieses Schiffes werden meine vier besten Leute sein! Wenn etwas schiefgeht, hören Sie von mir.«

Lehmann erblaßte unter dem eisigen Blick.

Oberst Maurice, der kluge Taktiker, warf ein:

»Sir, ich möchte an die Pressekonferenz erinnern. Unsere Berichterstatter dürften wie auf heißen Kohlen sitzen. Ich habe noch keine näheren Informationen durchgeben lassen.«

»Muß das unbedingt sein, Maurice?« fragte Pounder unwillig. »Ich habe jetzt andere Sorgen.«

»Ich würde dazu raten, Sir.«

Der Astromediziner Dr. Fleeps hüstelte. Fleeps war verantwortlich für raummedizinische Fragen, desgleichen für den Gesundheitszustand der sogenannten »Risikopiloten«.

Pounder schmunzelte plötzlich.

»Also gut, dann wollen wir einmal. Aber über Bildsprechverbindung.«

Maurice war entsetzt. Die umstehenden Techniker grinsten. Das war wieder mal typisch für den Alten.

»Sir, um Himmels willen, die Leute erwarten Ihr persönliches Erscheinen. Das hatte ich zugesichert.«

»Dann machen Sie es rückgängig«, meinte Pounder unbeeindruckt.

»Sir, sie werden uns in den Leitartikeln durch den Fleischwolf drehen«, prophezeite der Chef des Stabes.

»Sie werden sich wieder beruhigen. Schalten Sie ein.«

Im kahlen Beobachtungsbunker erwachten die Lautsprecher zum Leben. Auf einem Bildschirm erschien Pounders Kopf. Er setzte sein Sonntagslächeln auf und wünschte einen »recht schönen guten Morgen«, da es bekanntlich schon nach null Uhr Ortszeit sei. Anschließend wurde der General dienstlich. Die verbissenen Gesichter der Reporter übersah er.

Kurz und bündig erklärte er:

»Gentlemen, das, was Sie seit einigen Minuten auf den Schirmen Ihres Bunkers sehen, ist eine dreistufige Rakete, deren Einzelzellen wesentliche Neuerungen enthalten. Der Start erfolgt in etwa drei Stunden, die letzten Vorbereitungen laufen. Die vier Risikopiloten liegen zur Zeit noch im nervenschonenden Tiefschlaf. Sie werden erst zwei Stunden vor dem Start geweckt.«

Noch blieben die Berichterstatter gleichmütig. Bemannte Raumflüge waren längst keine Seltenheit mehr. Pounders Augen verengten sich etwas. Er genoß es, seinen Trumpf überraschend auszuspielen.

»Das Raumforschungskommando hat unter Berücksichtigung gemachter Erfahrungen darauf verzichtet, das Raumschiff auf der Satellitenbahn zusammenzubauen. Die Schwierigkeiten und Fehlschläge früherer Versuche sind bekannt. So wird die erste Mondlanderakete direkt von hier aus starten. Das Schiff heißt STARDUST. Kommandant der ersten Mondlande-Expedition ist Major Perry Rhodan, Risikopilot der Space-Force, 35 Jahre alt, Astronaut und Kernphysiker, Nebengebiet atomare Strahltriebwerke. Sein Name dürfte hinreichend bekannt sein. Er ist der Mann, der als erster Pilot der Space-Force den Mond umkreiste.«

Pounder schwieg erneut. Befriedigt registrierte er das lautstarke Stimmengewirr.

Jemand brüllte um Ruhe. Es wurde wieder still in dem kahlen Raum.

»Vielen Dank«, sagte der General. »Sie waren etwas laut. Nein, bitte keine Rückfragen. Das erledigt mein Informationsoffizier direkt nach dem Start. Ich kann Ihnen nur kurze Hinweise geben. Meine Zeit ist begrenzt. Die STARDUST startet mit einem ausgesuchten Viermannteam. Außer Major Rhodan nehmen an der Expedition teil: Captain Reginald Bull, Captain Clark G. Flipper und Leutnant Dr. Eric Manoli. Es handelt sich um ein militärisch-wissenschaftliches Spezialteam. Jeder Risikopilot hat die Diplome für zumindest zwei abgeschlossene Studiengebiete in der Tasche. Es ist eine sogenannte Ergänzungsmannschaft. Alle Namen dürften bekannt sein. Die Männer gehören zu den besten Spezialisten der westlichen Welt. Sie sind fachlich und psychisch aufeinander eingespielt, der Raum ist ihre zweite Heimat geworden. Fotografien und andere Daten über die Risikopiloten erhalten Sie ebenfalls vom Informationsoffizier.«

General Pounder schien in der Tat nicht gewillt zu sein, die gebannten Zuhörer mit einer längeren Rede zu beglücken. Er blickte jetzt schon auf die Uhr.

»Bitte, Gentlemen, Ihre Rückfragen sind vergeblich«, unterbrach er den Lärm. »Sie erhalten von mir Tatsachen, das ist alles. Die STARDUST ist für einen vierwöchigen Mondaufenthalt ausgerüstet. Das Forschungsprogramm für unsere Leute liegt fest. Nach den gelungenen Fernsteuerlandungen unbemannter Sonden werden wir es heute riskieren. Gebe Gott, daß wir keine Fehler gemacht haben. Natürlich wissen Sie genau, daß dieser erdgebundene Start enorme Energien verschlingt, zumal die letzte Stufe mit eigener Kraft auf dem Mond landen und sich von dessen Oberfläche wieder erheben muß. Mit den herkömmlichen Triebwerken wäre das nicht möglich gewesen, wenigstens nicht mit einem nur dreistufigen Schiff von diesen relativ geringen Abmessungen.«

»Technische Daten!« schrie jemand erregt in die Übertragungsmikrophone.

»Die sollen Sie noch haben«, sagte der General. »Gesamtlänge des Schiffes beträgt 91,6 m. Die erste Stufe mit 36,5, Nummer zwei mit 24,7 und Nummer drei, das eigentliche Raumschiff, mit 30,4 Meter. Startgewicht vollgetankt einschließlich Nutzlast 6850 Tonnen. Nutzlast des Mondschiffs 64,2 Tonnen. Dennoch sieht die Mondrakete kaum größer aus als die üblichen Versorgungsschiffe. Ursache: Nur die erste Stufe besitzt noch chemische Flüssigkeitstriebwerke. Stufe zwei und drei arbeiten erstmals mit kernchemischen Atomstrahl-Triebwerken.«

Das war Pounders zweite Überraschung. Unbewegt fuhr er fort:

»Stufe eins arbeitet mit unserem besten chemischen Kraftstoffgemisch. Es handelt sich um N-Triäthyl-borazan als Brennstoffkomponente auf der Borwasserstoff-Basis. Als Sauerstoffträger fungiert Salpetersäure, die unter einem Mischungsverhältnis 1 : 4,9 die selbstzündende Reaktion ergibt. Der Schubwert beläuft sich auf 180 Prozent gegenüber dem Schub des alten Hydrazins.

Die erste Stufe erreicht ihren Brennschluß bei einer Endgeschwindigkeit von 10.115 km/h in 88 Kilometer Höhe. Dann fällt sie ab. Stufe zwei besitzt bereits das neue kernchemische Triebwerk, das unter Verwendung unserer neuen molekülverdichteten Legierungen mit einer Reaktor-Arbeitstemperatur von 3920 Celsius läuft. Wir haben die neuen Mikro-Reaktoren sehr gut unterbringen können. Sie arbeiten auf der Plutonium-Basis. Ihre rein thermische Arbeitsenergie geben sie über das Arbeitsmedium an die Wärmeaustausch- oder Expansionskammern ab. Als Strahlmedium, das erhitzt und durch die Düsen ausgestoßen wird, verwenden wir fast reinen, flüssigen Parawasserstoff. Nachdem wir Verdampfungsverluste vermeiden können, eignet sich Flüssigwasserstoff in hervorragender Weise als Strahlmedium. Es waren viele Probleme zu lösen, die nicht zuletzt mit dem extrem tiefen Schmelzpunkt des Wasserstoffs begannen. Flüssigwasserstoff beginnt bereits bei –252,78 Grad Celsius zu sieden. Das kernchemische Strahltriebwerk läuft mit einer Ausströmgeschwindigkeit von 10.102 m/sec. Das ist ein Wert, der mit einer chemischen Reaktion unter keinen Umständen erreichbar wäre. Weitere Daten erhalten Sie später.

Gentlemen, die STARDUST startet um drei Uhr. Sie wird nahe des Newcomb-Kraters, dicht beim Mond-Südpol, landen.«

Punkt ein Uhr stand Dr. Fleeps vor den vier schlafenden Männern. Sie ruhten nun seit 14 Stunden unter der Einwirkung des Psychonarkotins.

Fleeps zögerte noch einige Sekunden, ehe er mit einem Gefühl unbestimmbaren Mitleids die Schlafnarkose durch das Gegenmittel aufhob. Damit kehrten die Gedanken zurück, damit erwachte der Geist, und damit mußte all das auf die vier Männer einstürmen, was man unter größten Mühen von ihnen fernzuhalten wünschte.

Ein nervöser, unausgeschlafener, psychisch und physisch erschöpfter Pilot war ein wenig vorteilhafter Partner für seelenlose Rechenmaschinen und höchstbeanspruchte Triebwerke. Der menschliche Geist mußte klar bleiben, denn nur er konnte in letzter Konsequenz den Erfolg garantieren.

Dr. Fleeps wartete. Neben ihm standen Männer seines medizinischen Teams. Natürlich kamen jetzt noch die üblichen Testuntersuchungen. Etwa eine Stunde würden sie beanspruchen. Die letzte Stunde gehörte den Ausrüstungsingenieuren. Erst zehn Minuten vor dem Start würde man die Männer an Bord der STARDUST lassen. Sie hatten innerhalb der Kommandozentrale nichts mehr zu tun, als sich auf die Konturbetten zu legen.

Mit dem Start war die Entspannung ohnehin vorüber. Dann begann die Zerreißprobe für Körper und Verstand. Dann begann die Qual im engen Leib eines tobenden Ungeheuers aus MV-Stahl und Plastik.

Major Perry Rhodan, Chefpilot der US-Space-Force, öffnete die Augen. Er war nahezu übergangslos wach geworden.

»Sie haben mich zuerst behandelt?« fragte er. Es war mehr eine Feststellung als eine Erkundigung. Dr. Fleeps registrierte äußerst befriedigt die klare Reaktion des Kommandanten.

»Genau nach Plan, Sohn«, bestätigte er gedämpft.

Langsam, dabei tief durchatmend, richtete sich der Risikopilot auf. Jemand entfernte die dünne, atmungsaktive Decke. Rhodan trug ein weitgeschnittenes, hemdähnliches Schlafgewand.

Rhodans gemurmelte Verwünschung über die seltsame Bekleidung brachte die Männer zum Grinsen.

»Wenn ich Ihre bildschönen Waden hätte, Doc, ließe ich mir das zur Not noch gefallen«, stellte Rhodan trocken fest. Seine Augen blitzten. Dagegen blieb sein schmales, hageres Gesicht nahezu ausdruckslos.

Ein Röcheln ließ Rhodan seitwärts blicken. Interessiert beobachtete er das »Erwachungsmanöver« seines Sorgenkindes, das gleich ihm den Mond schon einmal umflogen hatte. Für Perry Rhodan war es jedoch nach wie vor rätselhaft, wie man diesen pausbäckigen Riesen mit der zarten Haut eines Säuglings und den roten Händen einer geplagten Scheuerfrau in die enge Sondenkapsel gebracht hatte.

Captain Clark G. Flipper, Fachgebiete Astronomie und Mathematik, Nebenzweig Physik, erwachte mit erheblicher Geräuschentwicklung.

»Ist mein Sohn schon angekommen?« dröhnte Flippers Stimme. »Wie ist das, Doc? Haben Sie sich um meine Frau gekümmert?«

Dr. Fleeps seufzte unterdrückt.

»Hören Sie, Sohn, wenn Sie Ihre Frau für ein anatomisches Wunder halten, so ist das Ihre Sache. Jedenfalls haben Sie noch gut drei Monate Zeit. Wenn Sie mich vorher nochmals fragen, dann ...«

»Es hätte ja sein können, oder?« unterbrach der Riese mit dem bartlosen Gesicht. »Die Unsicherheitsfaktoren im mathematisch unstabilen Gebilde eines menschlichen Körpers gehen in die Millionen.«

Der dritte Mann, Leutnant Dr. Eric Manoli, Mediziner und Geologe, war der unauffälligste, ruhigste und wahrscheinlich auch der beherrschteste Mann des Teams.

Nachdem er erwacht war, grüßte er knapp. Sein Blick ging zur Uhr. Natürlich befolgte Dr. Manoli das ungeschriebene Gesetz der Risikopiloten, das da klar und einfach lautete:

»Sprich niemals vom Start, ehe es nicht unbedingt sein muß. Du hast geschlafen, um Geist und Körper zu entspannen. Verringere die gute Wirkung nicht dadurch, indem du meinst, du müßtest dich augenblicklich mit dem Ernst der Dinge beschäftigen.«

Das war eine sehr einfache Formel. Sie hatte sich bewährt.

»Alles okay, Eric?« forschte Rhodan. »Wie ich sehe, hat dein enormer Bartwuchs auf die Schlafdroge gar nicht reagiert.«

»Ein Erbe meiner italienischen Vorfahren«, nickte Manoli bekümmert. »Was ist mit Bully los? Der Kerl schläft wie ein Murmeltier.«

Captain Flipper wälzte sich auf dem Lager herum. Seine Rechte landete klatschend auf den gut gepolsterten Schultern des kleineren, untersetzt gebauten Mannes mit dem offensichtlichen Hang zur Dickleibigkeit.

Wer Captain Reginald Bull jedoch kannte, der wußte, daß seine Polster mehr aus Muskelfleisch bestanden als aus Fett. Jedenfalls hatte »Bully« die vorgeschriebenen 18 Gravos in der Großzentrifuge besser überstanden als der kleine, drahtige Manoli.

»Hammel!« klang es aus dem Schaumgummikissen heraus. Ein breites, großflächiges Gesicht mit zahllosen Sommersprossen schälte sich aus dem Überzug. Wasserblaue Augen blinzelten zu Flipper hinüber.

»Ich bin seit einer Stunde wach«, behauptete Bully. »Für einen Mann wie mich war die Schlafdosis natürlich zu schwach.«

»Natürlich«, nickte Rhodan. »Ich bewundere deine Geduld. Um uns nicht zu stören, hast du sicherlich flacher geatmet als eine ägyptische Mumie.«

»Er kriegt einen Orden«, fiel Flipper ein. Prustend wälzte er seinen schweren Körper von dem flachen Lager herunter.

»Leidende Menschen und werdende Väter kommen zuerst dran«, betonte er. »Ich möchte überhaupt wissen, was es an uns noch zu untersuchen gibt.«

Flipper schwieg plötzlich. Verlegen sah er zu dem Kommandanten hinüber. Fast hätte er das ungeschriebene Gesetz gebrochen. Rhodan hörte darüber hinweg. Betont gleichmütig sagte er:

»Fangen Sie mit dem Baby an, Doc. Unser Kreislauf dürfte schätzungsweise in Ordnung sein. Mit den Neutralisationsspritzen warten Sie aber noch.«

Perry Rhodan lauschte in sich hinein. Er fühlte die bohrende Unruhe. Das sinnlos erscheinende Plappern der Männer war nichts anderes als der Versuch zur Selbstberuhigung.

Nur nicht über den Start reden. Doch Rhodans Gedanken eilten der Zeit voraus. Der Ritt auf dem tosenden Gasstrahl einer kernchemischen Atomrakete würde sich, was die entstehenden Beharrungskräfte betraf, nicht von dem Start mit einem Normalschiff unterscheiden.

Dennoch war er etwas ganz anderes. Die wahren Belastungen stellten sich in den kaum kontrollierbaren Tiefen des Geistes ein. Man hatte Angst. Niemand hatte es jemals abgestritten; aber diese Männer konnten sie überwinden. Nur das war wichtig.

Rhodan beobachtete scharf und unauffällig. Möglicherweise war Clark Flipper etwas unruhig. Er dachte zu oft an das erwartete Baby. Wenn es nach Perry Rhodan gegangen wäre, hätte man Flipper diesmal zu Hause gelassen. Jedoch durfte das sorgfältig aufeinander eingespielte Team nicht zerrissen werden. Ein fremder Testpilot konnte nicht so einfach in die Mannschaft aufgenommen werden. Er hätte nicht ins Gefüge gepaßt.

2.

Die Konturlager waren hydropneumatisch gesteuerte Konstruktionen von höchster Vollendung, deren automatische Niveauregler jede Gewichtsveränderung sofort ausglichen.

Beim Start der ersten bemannten Raumsonden hatte man die Piloten mitsamt den Raumanzügen auf die Konturlager gebettet. Teilweise waren die Männer sogar gezwungen gewesen, zusätzlich noch Druckhelme mit den transparenten Gesichtsscheiben zu tragen.

Natürlich hatte es bei den hohen Andruckbelastungen immer wieder kleinere Verletzungen gegeben. Der bedauerlichste Fall in der Geschichte der bemannten Raumfahrt hatte sich beim Bau des Satelliten ereignet. Ein nicht genau sitzender Druckhelm hatte bei einer Startbeschleunigung von 11,3 Gravos einen Genickbruch verursacht.

Perry Rhodan war niemals mit einem Raumanzug gestartet. Es war ein Privileg, das er auf sein Team ausgedehnt hatte. Die Techniker sahen es noch immer als Risiko an. Beim geringsten Riß an der Außenzelle des Schiffes mußte es zu einem explosiven Druckverlust kommen.

Rhodan hatte jedoch gute Erfahrungen gesammelt. Seine Kabinen waren niemals von Meteoren getroffen oder durch mechanische Startkräfte eingerissen worden.

So lagen die vier Männer in ihren zartblauen Uniformkombinationen auf den Konturlagern. Die Raumanzüge hingen griffbereit in den Spezialhalterungen. Rhodan hatte den Leuten damit eine qualvolle Belastung erspart, zumindest aber Quetschungen und schmerzhafte Druckstellen.

Die Kontrollschaltungen waren beendet. Draußen am Boden, mehr als 85 Meter entfernt, zogen sich die letzten Techniker zurück. Sie hatten nochmals die Flossenverankerung der ersten Stufe überprüft.

Captain Bull, Fachingenieur für atomare Strahltriebwerke, Nebengebiet Elektronik, hatte zur Überprüfung seiner Meßgeräte mehr Zeit benötigt als Rhodan für die Start- und Fernlenkautomatik.

Die Zeiger der Spezialuhr sprangen auf die nächste Zahl. Es war drei Uhr eins. In einer Minute würde der Start erfolgen.

Rhodan wandte den Kopf. Es war etwas mühevoll, da ihn die Servoautomatik mit der Schaumstoffauflage eingehüllt hatte.

»Alles okay bei euch?« fragte er. Flipper und Dr. Manoli ruhten hinter den beiden Hauptlagern. Sie hatten zur Zeit nichts zu tun. Die Kabine war eng, vollgepackt mit zahllosen Kabelsträngen, elastischen Rohrleitungen und eingebauten Gerätekästen. Unter der Zentrale gab es einen winzigen Aufenthaltsraum mit Miniaturküche und sanitärer Anlage. Mehr Platz hatte man den vier Risikopiloten nicht einräumen können. Beide Räume lagen dicht unterhalb der scharfen Raketennase.

Darunter lag das Magazin für die verstaute Nutzlast. Die anderen Räume sollten von den Männern möglichst niemals betreten werden. Hinter den isolierten Tanks mit dem flüssigen Wasserstoff kamen die Pumpanlagen und das zusätzliche Stromaggregat. Die dicke Strahlschutzwand bedeutete praktisch das Ende der »gesunden Zone«. Hinter ihr befanden sich der schnellaufende Plutonium-Reaktor, die Umformerbank zur Erzeugung des Arbeitsstroms und die monströs wirkende Expansionskammer mit ihren Hochdruckzuleitungen, Thermo-Rohrschlangen und Kühlsystemen. In ihr wurde der verdampfte Wasserstoff zur Expansion gezwungen.

Die STARDUST besaß nur eine einzige Hauptdüse neben vier kleinen, schwenkbaren Steuerdüsen. Die volle Schubleistung des Triebwerks belief sich auf 1120 Tonnen bei einer Ausstrahlgeschwindigkeit von 10.102 m/sec.

Rhodans Frage wurde mit einem Lächeln beantwortet. Alle hörten sie die knarrende Stimme des »Zählers«. Die letzte Minute war angebrochen. Viele Male hatten sie es gehört, und niemals hatten sie sich sonderlich darüber aufgeregt.

Nun war auch das anders geworden. Der Gedanke an das atomare Strahltriebwerk wurde zu einem Alptraum.

»... achtzehn – siebzehn – sechzehn – fünfzehn ...«

Rhodan schob das Mikrophon noch etwas dichter vor die Lippen. Seine Blicke konzentrierten sich auf die Anzeigen. Die eingeschwenkten Armaturentafeln hingen dicht über seinen Augen.

»Endmeldung STARDUST an Zentrale«, brach seine Stimme aus den Lautsprechern. Man hörte sie überall, auch im Pressebunker von Nevada-Fields.

»An Bord alles wohl. Wir melden uns ab bis zum Brennschluß von Stufe eins. Ende!«

»... drei – zwei – eins – zero – Feuer!«

Es war wie immer. Sie wußten, daß die Zelle eines Raumschiffs trotz aller Dämpfungen ein Resonanzkörper war. Daran änderte auch die mehrstufige Anordnung nichts.

Sie hörten das Gurgeln und Zischen der Turbopumpen tief unten im bauchigen Leib der ersten Stufe. Dann kam das erste, stotternde Dröhnen der Vorzündung, dem sofort darauf das Geräuschinferno reagierender Stoffe folgte.

N-Triäthyl-borazan als Brennstoff vermischte sich mit der als Sauerstoffträger fungierenden Salpetersäure. In den 42 Großbrennkammern der ersten Stufe begann der chemische Prozeß mit ungeheurer Gewalt.

Weißglühende Flammenzungen verdrängten die Düsternis der Nacht. Die Zündungsdruckwelle jaulte über das weite Gelände, bis sie vom betäubenden Tosen des kombinierten Riesentriebwerks übertönt wurde.

Die STARDUST hob auf den Sekundenbruchteil genau ab. Aus dem gemächlichen, majestätischen Emporgleiten wurde ein wildes Anrucken, ein beängstigendes Neigen des oberen Drittels. Es war der gefährlichste Augenblick beim Start. Es war der sekundenschnelle Kampf von Automatik und Triebwerk um die Stabilisierung des noch nahezu fahrtlosen Körpers.

Nur aus den huschenden Diagrammen des Fernlenk-Elektronengehirns ging hervor, daß die schwenkbaren Steuerbrennkammern augenblicklich den bedrohlichen Kippvorgang verhinderten.

Die Ausrufe der Berichterstatter gingen in dem dröhnenden Lärm unter.

Noch nicht einmal in den Bunkern waren die Worte der Männer zu verstehen. Wer keine schalldicht abschließenden Kopfhörer trug, war in diesen Augenblicken zur Taubheit verdammt.

Dann kam die STARDUST endgültig in Fahrt. Nach dem sekundenlangen Zögern und Vibrieren sofort nach dem Abheben erfolgte der jähe Sprung des Titanen.

Maßlos in ihrer Lärmentwicklung, schoß die STARDUST in den Nachthimmel. Der grelle Glutstrom ihrer Großbrennkammern konnte vom Abgasschacht nicht mehr aufgenommen werden. Mit enormer Wucht peitschten die Partikel auf das Material des Starttischs nieder, hieben auf den Betonbelag des Platzes, von dem sie abgelenkt und erneut emporgeschleudert wurden.

Momente später erfaßten die Kameras nur noch den weißglühenden Feuerball des startenden Giganten. Senkrecht, nun endgültig ausstabilisiert, schoß er empor, bis seine flammende Gassäule nur noch als schwacher Lichtpunkt erkennbar war, der schließlich inmitten des Sternenhimmels verschwand.

In der Lautsprecheranlage knackte es. Auf dem großen Bildschirm erschien Pounders Gesicht.

»Die STARDUST ist planmäßig um drei Uhr zwei gestartet«, gab er ruhig bekannt. »Keine besonderen Vorkommnisse, alles normal. Sie werden die Sprechfunkmeldung der Piloten mithören können. Die Abtrennung von Stufe eins steht kurz bevor. Die maximale Endbeschleunigung liegt bei 9,3 Gravos. Das zu Ihrer Information. In etwa drei Minuten kommt die STARDUST in den Tasterbereich der Raumstation. Von da an werden Sie das Schiff wieder einwandfrei sehen und die Abtrennung von Stufe zwei verfolgen können. Ich mache Sie nochmals darauf aufmerksam, daß Sie das Gelände der Nevada-Fields erst dann verlassen dürfen, wenn die STARDUST wohlbehalten auf dem Mond gelandet ist. Wir planen diesmal eine Überraschung. Das wäre alles. Ende!«

»Noch fünf Sekunden bis Trennung eins«, dröhnte die Stimme eines Technikers aus den Lautsprechern der Hauptschaltstation. »Funktion einwandfrei, keine Abweichungen ... zwei – eins – Kontakt!«

Die elektronische Vollautomatik schaltete präzise.

Aus den Lautsprechern der Geräusch-Fernübertragung kam das akustische Signal der vollzogenen Trennung.

Auf den Beobachtungsschirmen der Radar-Relieftaster wurden plötzlich zwei verschiedene Körper bemerkbar. Die Nebenschaltstation zur Landung der Startstufen übernahm die Fernlenkung des abgestoßenen Raketenteils.

Die Besatzung der STARDUST hatte acht Sekunden Zeit zur sogenannten »Intervallerholung«. Das elektronische Gehirn bereitete jetzt schon die Triebwerkszündung der zweiten Stufe vor.

Perry Rhodan meldete sich. Seine Stimme klang etwas gepreßt.

»Rhodan spricht. Keine Abweichung, Anzeigen normal, Vibrationen in Grenzwerten. Besatzung fertig zur Zündung zweite Stufe. Ende.«

Mehr hatte er nicht zu sagen. Es genügte den Wissenschaftlern und Technikern der Bodenstation.

Im antriebslosen Flug raste die STARDUST dem Raum entgegen. Rhodan warf noch einen raschen Blick in die Runde. Reginald Bull schien in Ordnung zu sein. Auch Flipper und Manoli hatten die 9,3 Gravos gut überstanden.

Nun kam das Atomtriebwerk der zweiten Stufe an die Reihe. Rhodan fühlte die Feuchtigkeit seiner Handflächen. Seine Sinne registrierten keine ungewöhnlichen Geräusche. Für einige Augenblicke war es still geworden.

Dann erfolgte das urplötzliche Anrucken, verbunden mit einem kreischenden Heulen, das jedes einzelne Molekül des Materials zu erschüttern schien.

Die Beschleunigung wuchs nach einigen Augenblicken auf acht Gravos an. Damit begann die schwere Belastung, zu deren Neutralisation es noch kein Mittel gab.

Rhodan fühlte die stabilisierende Wirkung des starken Kreislaufmittels. Noch hielt der Körper durch, nur das Atmen wurde zur Qual. Aus verschleierten Augen, unfähig, auch nur einen Finger zu rühren, stierte er auf die Kontrollbildflächen.

Es schien Ewigkeiten zu dauern, bis der mörderisch gewordene Andruck für sieben Sekunden auf den Normalwert von einem Gravo zurückging. Es war eine kurze Erholungspause, die man exakt eingeplant hatte.

Rhodan krächzte sein »Alles wohl!« in das Mikrophon. Die Antwort verstand er nicht. Nur seine Augen erfaßten das huschende Lichtsymbol. Dann kam die zweite Intervallbeschleunigung von Stufe zwei. Ihr Strahlmassenvorrat war noch nicht erschöpft.

Drei Sekunden nach der zweiten Schubzündung wurde die irdische Fluchtgeschwindigkeit überschritten. Die Fahrtmesser standen bei 11,5 km/sec.

Bei 20 km/sec erreichte die zweite Stufe ihren Brennschluß. Die Abtrennung erfolgte wieder so jäh, daß die eintretende Schwerelosigkeit wie ein Hammerschlag wirkte.

Die Männer wurden nach oben gerissen und gegen die breiten Gurte der Konturlager gedrückt.

Rhodan verlor für einige Augenblicke das Bewußtsein. Als er wieder die Augen öffnete, befanden sie sich längst im freien Raum.

Die Grobumlenkung von 43 Grad war bereits erfolgt. Weit hinter ihnen, auf den Schirmen nicht mehr erkennbar, wurde die zweite Stufe durch die Bodenkontrolle zum Wiedereintauchkurs gezwungen. Zu der Zeit hatte die STARDUST bereits die Kreisbahn der Raumstation überflogen, die sich im freien Fall 3250 km über der Erdoberfläche befand.

Nun hatten sie einige Minuten Zeit zur Erholung. Theoretisch reichte die Endgeschwindigkeit des Schiffes völlig aus, um es aus der zerrenden Gravisphäre der Erde zu befreien. Theoretisch hätte es nun jeden gewünschten Punkt des Alls ansteuern können.

Zwischen Theorie und Praxis klaffte jedoch ein gewaltiger Abgrund. So war die irdische Schwerkraft wohl bezwungen worden, aber sie war nach wie vor vorhanden und versuchte, die Fahrt des Raumschiffs zu bremsen.

Auch war es mit einem einfachen Weiterfliegen nicht getan. Zahlreiche Manöver, deren Daten noch nicht genau feststanden, waren noch erforderlich. Kursabweichungen waren zu berechnen und auszugleichen. Differenzen in den theoretischen Geschwindigkeits-Grenzwerten mußten ebenfalls korrigiert werden.

Rhodans Konturlager klappte in den beiden Scharnieren zusammen. Es entstand ein weichgepolsterter Sessel. Die Armaturen folgten der Bewegung.

Reginald Bull fluchte, um sich zu entspannen. Captain Flipper hustete. In seinen Mundwinkeln klebte verkrustetes Blut.

»Es war härter als sonst«, sagte Rhodan rauh. »Sie haben uns während der letzten Sekunden auf 25,4 Gravos gebracht. Damit sind wir durch die gefährlichen Strahlungsgürtel gerast. Flipp – was ist mit dir los?«

Clark G. Flipper war blaß. Die gesunde Röte seines pausbäckigen Gesichts hatte sich verloren.

Er verzog die Lippen und stöhnte:

»Ich sollte aussteigen, ehe ich noch mehr Dummheiten mache. Ich hatte noch bei sieben Gravos die Zungenspitze zwischen den Zähnen. Jedem Akademieschüler bringt man zuerst bei, daß er das tunlichst unterlassen soll. Und ausgerechnet ich ...«

Er schloß mit einem Schulterzucken. Sein Gesicht war schmerzverzerrt. Rhodan sah ihn prüfend an.

Bullys Magnetsohlen knallten auf die Metallfolie des Bodenbelags. Schwankend kämpfte er um sein Gleichgewicht. Solange das Triebwerk der STARDUST schwieg, war die Besatzung schwerelos. Wortlos, mit klackenden Magnetsohlen, stapfte Bully die wenigen Schritte zu Manoli hinüber.

Sein kurzer Griff an Doc Manolis Puls ließ ihn erleichtert nicken.

»Okay«, erklärte er knapp. »Ist gleich wieder da. Der Puls läuft wie ein Uhrwerk. Zeig die Zunge her, Flipp. Los schon, mach den Mund auf.«

Dunkelrotes Blut quoll hervor. Das war eine Sache für Dr. Manoli.

Während der Kommandant den Lautstärkeregler des Funksprechgeräts nach rechts schob und die verworrenen Geräusche endlich klarer wurden, erwachte Dr. Manoli.

Rhodan hörte das leise Zischen der Hydropneumatik. Manolis Liegebett wurde zum Sessel. Augenblicke später stand er neben Flipper.

»Glück gehabt«, sagte der Mediziner. »Nur angebissen. Ich brauche zehn Minuten, besser zwölf. Geht das?«

»Es geht. Fang an. Bully, nimm die neuen Werte vom Hauptautomaten auf Magnetband. Ich möchte eine Kontrollberechnung. Wir verschieben um zwölf Minuten. Gib mir die Ausgleichsberechnung herein. Ich schätze, wir werden den Verlust mit etwa vier Sekunden Vollschub ausgleichen können.«

Augenblicke später tauchte sein Gesicht auf den Riesenbildschirmen der Bodenstation auf. Pounder, nervös vor dem Mikrophon stehend, atmete auf.

»STARDUST an Nevada-Fields«, klang es lautstark durch die Hauptschaltstation. »Captain Flipper leicht verletzt. Bißwunde an der Zunge. Manoli stillt eben die Blutung. Der Riß kann geklebt und mit Plasmakonzentrat rasch verheilt werden. Ich brauche zwölf Minuten Aufschub. Ende.«

Pounder richtete sich auf. Sein Blick zu Professor Lehmann hinüber sagte alles. Der Wissenschaftler nickte kurz. Es war möglich. Mit solchen Komplikationen hatte man auf Nevada-Fields immer gerechnet.

Das elektronische Gehirn begann zu arbeiten. Augenblicke später lagen die Korrekturwerte vor. Sie gingen automatisch über eine Richtstrahlantenne an die STARDUST ab.

Vor Reginald Bull leuchtete das Diagramm auf. Die Rechenautomaten der STARDUST quittierten den Empfang. Praktisch gesehen, wurde eine Vielzahl sorgfältig auskalkulierter Ergebnisse im gleichen Augenblick ungültig gemacht. Neue Zahlen rasten in der Form von Funkimpulsen in den Raum. Eine großartige Planung wurde in wenigen Momenten umgeworfen und auf völlig neue Werte gebracht.

Bully gab die erhaltenen Grunddaten in die Tastatur. Rhodan übernahm die üblichen Routinemeldungen über Höhenstrahlung, Meßergebnisse, Temperaturwerte, Kabinendruck und Gesundheitszustand.

Manoli brauchte nur elf Minuten. Dann war Flipper wieder in Ordnung. Der tiefe Riß in seiner Zunge war sorgfältig verklebt.

Mit einem beschämten Ausdruck in den Augen sah er sich um.

»Nimm diesmal den Daumen, Baby«, meinte Rhodan. »Der hält mehr aus.«

Die Sessel klappten wieder zurück. Gleich darauf begann das kernchemische Atomstrahltriebwerk zu dröhnen, das in genau gleicher Ausführung innerhalb der zweiten Stufe so hervorragend gearbeitet hatte.

Das wilde Aufbrüllen und das harte Anrucken wiederholten sich. Der Wert stieg jedoch auf nur 2,1 Gravos; eine Belastung, die weder Rhodan noch den anderen Männern Schwierigkeiten bereitete.

Auf einem flammenden Strahl hocherhitzter Wasserstoffgase jagte das Raumschiff weiter ins All hinaus.

Rhodan lauschte auf das Tosen des Atomstrahltriebwerks. Im Nichts, dicht hinter dem Heck des Schiffes, hing die blauweiß leuchtende Gasflamme. Es war der in der atomar aufgeheizten Expansionskammer zur Ausdehnung gekommene Flüssigwasserstoff.

Die Reaktorfüllung reichte für ein gutes Jahr. Nur mit dem Strahlmedium galt es wesentlich vorsichtiger umzugehen. Der Vorrat war begrenzt. Wenn die Tanks leer waren und es nichts mehr auszustoßen gab, mußte der Atomreaktor versagen.

Während Rhodan schweratmend auf dem Konturlager ruhte und in genau bemessenen Abständen seine Kurzmeldungen an die Raumstation gab, dachte er flüchtig an dieses neugeschaffene Triebwerk.

Noch mußte man den Umweg über ein Strahlmedium wählen, um zu dem unerläßlichen Schub zu kommen. Ob man eines Tages das reine Atomstrahltriebwerk besitzen würde? Einen gewaltigen Motor, dessen Grenzen nahe der Lichtgeschwindigkeit lagen?

Rhodan verzog mühevoll die Lippen. Reginald Bull schien sich mit ähnlichen Gedanken zu beschäftigen. Er keuchte plötzlich.

»Flippy – wie geht es? Hältst du durch? Es dauert noch einige Minuten. Für fünf Sekunden gehen wir hoch auf 8,4 Gravos. Okay?«

»Okay«, schnaufte der Riese über die Bordsprechanlage. Sein Atem rasselte in den Muscheln der Kopfhörer. »Alles okay. Guter Gott, wir sind unterwegs! Eines Tages werde ich es meinem Jungen erzählen. Er wird Augen machen, rund und glänzend wie polierte Marmorkugeln.«

Flipper schwieg erschöpft. Übung und ein widerstandsfähiger Körper gehörten dazu, um bei einer Belastung von über zwei Gravos überhaupt noch klar sprechen zu können. Diese Männer konnten es. Nur Dr. Manoli verzichtete darauf. Dafür verriet die Andeutung eines Lächelns seine Gefühle.

Ja, sie waren unterwegs. Den Start hatten sie hinter sich. Was jetzt noch kam, war mehr eine Sache des Verstandes und der blitzschnellen Reaktion. Der grausame Andruck war fast vorbei. Sie hatten die Erde hinter sich gelassen, jenen riesigen, grünblauen Ball mit seinen Meeren, Kontinenten, aufgetürmten Wolkengebirgen und Milliarden Menschen.

Sie konnten sich erhaben fühlen über das erdgebundene Dasein.

Doch noch waren sie nicht da! Noch waren sie nicht gelandet, und noch waren sie nicht zur Heimkehr gestartet.

Diesmal sollten sie den Mond nicht umkreisen, sondern auf ihm landen. Das machte das Unternehmen so schwierig und gefährlich.

Nachdem die harten Andruckintervalle der Bremsbeschleunigung vorüber waren und die STARDUST mit einer leicht aufzuhebenden Restfahrt von 3,5 km/sec auf die errechnete Mondkreisbahn eingeschwenkt war, hatte Rhodan den Befehl erteilt, die Raumanzüge anzulegen.

Während die STARDUST unter Fernsteuerkontrolle des großen Raumstationscomputers planmäßig in immer engere Bahnen um den Mond gezwungen wurde, hatte die Besatzung die relativ leichten und doch so monströs wirkenden Gebilde angelegt. Sie waren absolut druckfest, hermetisch abgeschlossen, mit eigener Energieversorgung, Klimaanlage, Sauerstoffzufuhr und transparenten Kugelhelmen aus einem stahlfesten Kunststoff.

Rhodan hatte sogar die transparenten Kugelhelme schließen lassen. Nur die Ventile rechts und links der Aufsatzwülste waren noch geöffnet, damit die Männer die Kabinenluft atmen konnten. Die eingebaute Automatik würde die Ventile sofort schließen, sobald der Außendruck unter Normalwert abfiel.

Damit hatte Rhodan alles getan, um die Unfallchancen auf ein Mindestmaß zu reduzieren.

Die STARDUST flog mit dem Heck voran, damit die Triebwerksdüse ihren Schub gegen die Fahrtrichtung zur Wirkung bringen konnte. Die Bahn führte von Pol zu Pol. Damit entschwand das Schiff aus dem Wirkungsbereich der Fernsteuerung, sobald es hinter der für Funkwellen unerreichbaren Mondrückseite untertauchte. Dort übernahm die Bordautomatik den Steuervorgang, der nach der fünften Bremsellipse zur Landung führen sollte.

Diese fünfte Umkreisung war soeben angebrochen. Über der sichtbaren Vorderseite des Trabanten war die Sonne zu einem der langen Mondtage aufgegangen. Die rückwärtige Halbkugel lag bereits zu 60 Prozent im Dunkeln.

Nur die Radar-Relieftaster vermittelten ein sauberes Abbild der zerrissenen Oberfläche. Sie unterschied sich kaum von der bekannten Vorderseite, doch das waren längst bekannte Tatsachen. Der Mond barg in dieser Hinsicht keine Geheimnisse mehr.

Dann tauchten sie wieder aus dem Mondschatten auf. Ihre Höhe betrug noch knapp 90 Kilometer, die Fahrt war durch kurze Bremsstöße auf 2,3 km/sec gedrosselt worden.

Der Registrationsrobot begann schrill zu pfeifen. Die mächtigen Richtstrahler der Raumstation hatten das Schiff bereits wieder eingefangen. Die Zentralautomatik der STARDUST bekam neue Anweisungen. Bully gab den Kontakt für die Separatauswertung.

Auf dem Reliefschirm war die Rakete als grüner Punkt zu sehen. Er glitt genau auf der vorgezeichneten Linie der Landungsbahn entlang. Das Ende lag dicht am Mondsüdpol, kurz hinter dem Newcomb-Krater. Der rote Kreis bezeichnete die Landestelle. Es handelte sich um ein flaches, offenbar steiniges Gelände, das den großen Landetellern des Schiffes einen guten Aufsatzpunkt bieten mußte.

Ebenso klar wie die Lenkimpulse der Automatik war auch die Stimme des Projektchefs zu hören. Infolge der großen Entfernung entstanden zwischen den Meldungen sekundenlange Zwischenräume. Auch die lichtschnellen Ultrawellen benötigten schon einige Zeit, um die Distanz zu überbrücken.

Mit noch hoher Fahrt kam die STARDUST über den westlichen Ausläufern des Mare Nubium an. Direkt voraus tauchte der große Walter-Krater auf. Es war nicht mehr weit bis zum Landepunkt.

»Bodenkontrolle, General Pounder spricht«, klang es unter einigen Störgeräuschen aus den Lautsprechern. »Sie erreichen Ihren Umlenkpunkt in 72 Sekunden. Impulsgebung erfolgt unter Berücksichtigung der von den Funkwellen zu überbrückenden Entfernung. Wir schalten vorläufig ab, um Störungen zu vermeiden. Wir haben Sie klar auf den Tasterschirmen. Empfang gut, kaum Störungen. Haupt-Fernsteuerautomat läuft an. Wir werden Sie gut auf den Boden bringen. Fahren Sie die Landebeine aus. Erbitte Vollzugsmeldung. Ich antworte nicht mehr. Bis nach der Landung viel Glück – und laßt euch nicht unterkriegen. Ende.«

Rhodan schaltete. Die vier Teleskopbeine der STARDUST schoben sich auseinander, dabei im Winkel von fast 45 Grad von der Schiffshülle wegstrebend. Weiter und weiter preßte die Hydraulik die langen, vielfach abgestrebten Rohre auseinander. An den unteren Enden entfalteten sich die Auflageteller mit einer Kontaktfläche von vier Quadratmetern pro Einheit.

Kurz danach war der Kontaktpunkt erreicht. Die STARDUST befand sich noch immer auf der Fluglinie der Reliefkarte. Kleine Abweichungen waren korrigiert worden.

»Fertig, Kontakt kommt«, preßte Bully hervor. Es war ein Augenblick, auf den praktisch alles ankam. Das planmäßige Gelingen der Landung hing davon ab.

Urplötzlich schrillte es im Registriergerät auf. Der Impuls war angekommen.

Das Triebwerk wurde aktiviert. Es war ein nur kurzer, dafür aber ungemein harter Gegenschub mit zwölf Gravos, der die Restfahrt des Schiffes um weitere 50 Prozent drosselte.

Als es vorüber war und die errechnete Korrekturpause eintrat, atmeten die Männer keuchend. Beim nächsten Bremsstoß mußte die Umlenkung um 60 Grad kommen, danach die genaue vertikale Ausrichtung der Heckdüsen zur Bodenfläche.

Wenn das geschah, hatte das Schiff über dem Landepunkt zu stehen und auf dem eigenen Gasstrahl zu landen. Mit einer Fallgeschwindigkeit von höchstens vier Meter pro Sekunde. So schrieb es die Anweisung vor.

Blitzschnell huschten die einzelnen Daten durch Rhodans Hirn. Es hatte sich alles so einfach angehört, so unfehlbar. Nun, da er in dem zerbrechlichen Gebilde lag, erfaßte er mit einemmal die ungeheuren Schwierigkeiten.

Die STARDUST begann in einer flachen Parabel zu fallen. Nun machte sich die Gravitation des Mondes stark bemerkbar. Es wurde höchste Zeit zur Umlenkung. Die Düsen der Expansionskammer mußten nach unten gerichtet werden.

»Noch drei Sekunden – zwei – eins – Kontakt«, rief Bully.

Der Kontakt kam auch, jedoch mit einem derartigen Heulen, als stünde eine 1000-Kilowatt-Station direkt neben der Rakete.

Die Geräusche brachen aus den Kontroll-Lautsprechern wie eine Wasserflut. Ultrahohes Pfeifen und Schrillen traktierte die Ohren der Männer. Reginald Bull blickte für den Bruchteil einer Sekunde verständnislos drein. Dann verzerrte sich sein breites Gesicht.

Rhodan reagierte blitzschnell. Seine Rechte griff nach dem Katastrophenschalter. Zuschnappende Magnetbänder fesselten die Männer an ihre herumkippenden Sitze.

Niemand überhörte das Warnsignal der Automatik. Das eingebaute E-Gehirn der STARDUST meldete die Störung. Aufblitzende Lampen bewiesen, daß der erwartete Umlenkimpuls der irdischen Fernsteuer-Station nicht durchkam. Auch wenn die Maschine niemals individuell denken konnte, so hatte sie nach unerhört schnellen Rechenprozessen festgestellt, daß höchste Gefahr drohte.

Schon leuchteten die Diagramme auf.

»Abweichung!« schrie Bully. »Kein Zündimpuls. Wir fallen über den Landepunkt hinaus. Die Störungen verhindern den Empfang der Fernlenkimpulse. Wo kommen sie her? Sie liegen genau auf unserer Frequenz!«

Rhodan verzichtete darauf, in dieser Situation darüber nachzudenken. Die von der aufgegangenen Sonne hell erleuchtete Mondoberfläche kam rasend schnell näher. Er tat das, was er als Kommandant in solchen Fällen zu tun hatte.

Es war eine schnelle Reflexbewegung, die ihn den in der Armstütze eingebauten Hauptschalter umschlagen ließ. Damit war die STARDUST aus der erdgebundenen Fernkontrolle heraus.

Das Heulen in den Kontrollgeräten verstummte. Dafür begann eine Glocke zu schrillen. Die Tonbandstimme des Selbststeuer-Automaten ertönte.

»Zentralgehirn übernimmt Landungsautomatik. Berechnungen laufen, sind beendet. Landung wird eingeleitet, Notimpuls QQRXQ mit höchster Sendestärke auf Kanal 16 abgestrahlt. Landung beginnt.«

Das war alles, was ein Techniker vor dem Start auf das Band gesprochen hatte.

Es war nicht mehr als ein Verzweiflungsakt; ein Herunterholen des hilflos gewordenen Schiffes auf Biegen oder Brechen. Eine Fahrtaufnahme war in diesem Stadium nicht mehr möglich. Der Boden war schon zu nahe, die Fallgeschwindigkeit wieder über 2 km/sec angewachsen, und die erforderliche Umlenkung hätte zuviel Zeit beansprucht. Es war eine Notlandung, ganz egal, ob unter dem feuerspeienden Heck der STARDUST nun eine Ebene lag oder ein Kraterwall mit scharfen Felsspitzen und steil abfallenden Wänden.

Die Rakete wurde von den schwenkbaren Steuerdüsen so hart herumgerissen, daß sie schlagartig zur vertikalen Lage kam. Die scharfe Spitze wies nun in den tiefschwarzen Sternenhimmel.

Kreiselgeräte übernahmen die Einstabilisierung. Jemand schrie auf.

Rhodan verzichtete auf Befehle und Anweisungen. Sie wären sinnlos gewesen. Kein Mensch hätte hier noch etwas tun können, auch Rhodan nicht, der als »Sofortumschalter« bekannt war.

Die erforderlichen Berechnungen und Schaltungen konnte nur noch die Automatik ausführen. Jedes menschliche Hirn hätte hier versagen müssen.

Auf den Bildschirmen der Außenbord-Beobachtung tauchten die zackigen Ränder eines Walles auf. Der Bodenschirm gleißte in greller Weißglut. Dort tobten die Gewalten der expandierenden Gase.

Bully rief etwas. Es war mehr ein hilfloses Röcheln, und es war erstaunlich, daß er es bei 16 Gravos noch hervorbrachte.

Dann hörten sie Tosen und Bersten. Ein weiterer Stoß stieß sie in ihre Pneumobetten. Es knirschte in der Zelle, einzelne Armaturen zersprangen.

Ehe sich die Schwankungen ausglichen, wurde es so plötzlich still, daß die gemarterten Sinne kaum darauf reagierten.

Am Pendelmesser sahen die Männer, daß sich das Schiff bolzengerade aufrichtete. Dann hörten sie das Knacken und Knallen in den Verbünden der Gesamtzelle. Hochbeanspruchte Teile entspannten sich.

Über Perry Rhodan leuchtete die grüne Lampe auf.

In die Stille hinein tönte ein schrilles, hysterisches Gelächter.

»Captain Flipper!«

Rhodans Stimme war nicht laut, aber eindringlich. Die hohen Laute brachen ab.

Als Flipper verstummte, lockerten sich die harten Linien in Rhodans Gesicht. Ein milder Ausdruck erschien in den hellen Augen des Kommandanten.

»Okay. Flipp, vergiß es.«

Sein Blick streifte nochmals die grüne Lampe. Ihr Schein war beruhigend. Der Zentralerobot gab damit ein wortloses Signal: Die Rakete stand, offenbar kaum beschädigt.

Bully lächelte matt. Sein Verstand schien sich noch zu weigern, die Tatsache als gegeben zu nehmen. Dr. Manoli schwieg wie immer.

Perry Rhodan versetzte den Männern einen seelischen Nackenschlag. Selbstverständlich hatten sie nun eine Bemerkung über die erfolgreiche Notlandung erwartet, ganz selbstverständlich sogar! Jeder normale Mensch hätte so reagiert, und wenn es nur in Form eines kurzen Stoßseufzers gewesen wäre.

Rhodan reagierte anders.

»Flipp, du wirst sofort feststellen, wo der unbekannte Störsender steht. Die Unterlagen sind auf den Magnetbändern des Zentralgehirns. Ich möchte sehen, wie gut du als Mathematiker bist.«

3.

Der kleine, lebhafte Mann mit dem jung erscheinenden Gesicht unter einem gewaltigen Kahlkopf hieß Allan D. Mercant. Rein äußerlich erkannte man ihn sofort an dem schütteren Haarkranz, dessen goldblonder Farbton in der Schläfengegend von einem hellen Silberweiß unterbrochen wurde.

Allan D. Mercant gehörte zu den Naturen, die Regenwürmer, Raupen und Schnecken von den Gartenwegen räumen, nur damit die Geschöpfe nicht zertreten werden. Das war Mercants rein private Seite. Dienstlich betrachtet, war Mercant der mächtige Mann im Hintergrund. Er war der Chef der Internationalen Abwehr, einer von der NATO geschaffenen Geheimdienstorganisation mit der offiziellen Bezeichnung »International-Intelligence-Agency«. Mercant war nur der NATO-Vollversammlung verantwortlich. Er stand in engem Kontakt mit den nationalen Abwehr- und Geheimdiensten.

Als er in Begleitung eines älteren Mannes den großen Konferenzraum betrat, erlosch die gedämpfte Unterhaltung.

General Pounder, Chef der Space-Force, machte die Anwesenden miteinander bekannt. Es handelte sich um eine Geheimsitzung im 16. Stock des Department of Space in Washington.

Allan D. Mercant kam sofort auf sein Anliegen zu sprechen.

Er wies auf den Zeitungsberg auf einer Ecke des langen Tisches.

»Gentlemen, über diese Panne brauchen wir uns nicht mehr zu unterhalten. Ich sehe ein, General, daß Sie die Berichterstatter nicht für alle Ewigkeiten auf Nevada-Fields festhalten konnten. Es sind ohnehin einige handfeste Beschwerden eingelaufen, die Colonel Kaats jedoch abgebogen hat!«

Der ältere Mann an seiner Seite nickte bedächtig. Kaats gehörte zur Bundeskriminalpolizei. Er fungierte als Chef der Sonderabteilung »Innere Abwehr«.

»Wesentlich beunruhigender sind verschiedene Zeitungsmeldungen und Fernsehreportagen. Danach ist unsere STARDUST nicht nur verschollen, sondern regelrecht abgestürzt. Es werden teilweise so genaue Details gegeben, daß wir uns besorgt fragen, wie hoch der Wahrheitsgehalt ist. Noch wichtiger erscheinen mir die Quellen zu diesen Angaben. Dies nur zu Ihrer Information. Wir haben unsere Fühler ausgestreckt.« Mercant sah nachdenklich auf die Uhr. »Die STARDUST ist seit mehr als 24 Stunden verschollen. Bleiben wir bei dem Begriff, der noch alle Hoffnungen in sich birgt. Mich interessiert Ihre Meinung über die Leitartikel einiger führender Blätter, in denen klipp und klar behauptet wird, es wäre ein Notruf Ihres Raumschiffs aufgefangen worden. Es handelte sich um das Kurzsignal QQRXQ, das nach dem Kode der Space-Force soviel bedeutet wie Angriff, geplante Fernsteuerstörung und Einleitung zu einem Absturz. Wenn das so ist, so bitte ich um nähere Angaben.«

Allan D. Mercant nickte freundlich, dann setzte er sich. General Pounder erhob sich müde. Sein Gesicht wirkte zerfurcht und eingefallen. Seine Stimme klang brüchig.

»Sie haben recht. QQRXQ ist identisch mit diesen Begriffen. Es ist uns rätselhaft, wie einige Berichterstatter an den Kode kommen konnten. Ich habe unseren Sicherheitsdienst eingeschaltet. Ergebnislos bis jetzt, leider! Dagegen ist der Empfang der Kurzsignale weniger verwunderlich. Einige Großstationen waren auf das lunare Südpolargebiet eingerichtet. Wir hatten um die Unterstützung der großen Observatorien gebeten. Da kann etwas durchgesickert sein, womit natürlich noch nicht erklärt ist, woher man den Sinn von QQRXQ kennt. Mehr kann ich dazu nicht sagen.«

»Lassen wir es. Was ist nun wirklich mit Ihrem Schiff geschehen? Halten Sie eine ganz bewußte Störung Ihrer Fernsteuerimpulse für möglich? Wie mir von Fachleuten erklärt wurde, könnte das eigentlich nur durch eine auf dem Mond postierte Funkstation bewerkstelligt worden sein.«

Pounder neigte den Kopf. In seinen Augen glomm hilfloser Zorn. »Ja, so ist es. Es gibt keine andere Möglichkeit, so wahnwitzig es auch klingt. Wir haben während der vergangenen 24 Stunden unsere Geräte überprüft. Sie sind einwandfrei in Ordnung. Versager liegen auf keinen Fall vor. Wir sind zu zwei Endergebnissen gekommen, Sir.«

Pounder wischte sich mit einem riesigen Taschentuch über die schweißbedeckte Stirn. Schweratmend fuhr er fort:

»Entweder hat Major Perry Rhodan ein falsches Kodesignal ausgelöst, oder die Empfänger der STARDUST sind tatsächlich durch eine starke Überlagerungssendung ausgeschaltet worden. Was Major Rhodan betrifft, so halten wir es für ausgeschlossen, daß diesem Mann ein derartiger Irrtum unterlaufen ist. Außerdem beweisen unsere Berechnungen einwandfrei, daß die Rakete im entscheidenden Augenblick aus der Fernsteuerung geriet. Sie muß unter Berücksichtigung des bekannten Fallwinkels, der Mondgravitation und Schiffsmasse etwa 60 bis 70 Kilometer hinter der Polargegend auf den Boden gekommen sein. Es ist durchaus möglich, daß es sich um eine harmlose Bruchlandung handelt. Es kann auch ein Totalverlust eingetreten sein. Niemand weiß es.«

Mercants klare Augen hatten sich verengt. Colonel Kaats räusperte sich. Die Daten stimmten mit den Ermittlungen der Abwehr überein.

»Angenommen, General«, warf Mercant gedehnt ein, »angenommen, die Schiffsgeräte wären wirklich gestört worden: Was folgern Sie daraus?«

Pounder knurrte wie eine bissige Dogge. Sein Gesicht rötete sich.

»Wir hatten von Ihnen die Information erhalten, eine Rakete der asiatischen Föderation wäre zusammen mit der STARDUST gestartet. Wenn dieses Schiff eher oben ankam und wenn es dort landete, wo unsere Rakete aufsetzen sollte, dann kann es zu einer vorbereiteten Funkstörung auf unserer Frequenz gekommen sein.«

»Das setzt sehr genaue Kenntnisse voraus, meinen Sie nicht auch?« fragte Kaats skeptisch.

»Natürlich«, regte sich Pounder auf. »Das herauszufinden dürfte Sache der Geheimdienste sein. Ich bin ein Raketenmann, Colonel! Selbstverständlich lag unsere Planung seit Monaten fest. Ich betone jedoch nochmals, daß eine Funkstörung nur durch eine stationäre Mondanlage erfolgt sein kann, immer vorausgesetzt, es hat sich um einen Angriff gehandelt. Motive dürften genügend vorhanden sein, nicht wahr? Wir haben mit der stärksten Funkstation der Welt unsere Fernlenkimpulse abgestrahlt. Wenn man die Störung von der Erde aus versucht hätte, wären wir trotzdem noch durchgekommen. Der Sender kann nur oben stehen.«

Pounder setzte sich ruckartig. Er schien erschöpft zu sein.

Allan D. Mercant sah ihn wortlos an. Seine Stirn hatte sich gerunzelt.

»Wir übernehmen den Fall im Rahmen der Internationalen Abwehr«, entschied er. »Wir werden sehr bald wissen, ob dem STARDUST-Kommandanten ein Fehler unterlaufen ist, oder ob sich fremde Interessengruppen eingemischt haben. Es dürfte wohl außerdem noch einige andere Möglichkeiten geben. Ich denke an Versager an Bord der Rakete.«

Professor Lehmann hob den schmalen Schädel. Er suchte nach Worten, bis er aufgebracht erklärte:

»Sir, die STARDUST hat nicht versagt! Es führte zu weit, an dieser Stelle die zahllosen Beweise anzuführen. Wir hoffen jetzt nur noch, daß sich die Besatzung meldet. Wenn die Männer gesund auf den Boden gekommen sind, wird Rhodan einen Weg finden. Die Empfänger unserer Raumstation laufen. Wenn es Rhodan gelingt, die erforderliche Sichtverbindung zur Erde herzustellen, kann er auch funken. Bis dahin müssen wir warten. Es bleibt keine andere Wahl.«

»Wie lange wird es dauern, bis das Schwesterschiff der STARDUST startklar ist?« forschte der Geheimdienstchef.

»Wenigstens zwei Monate«, erklärte Pounder. »Wenn meine Leute jetzt noch leben, werden sie bis dahin erstickt sein. Ihr Sauerstoff reicht für bestenfalls fünf Wochen, bei äußerster Streckung vielleicht sechs Wochen. Das ist das Maximum. Sir, stellen Sie fest, welche Schweinerei da oben passiert ist. Wir werden notfalls eine unbemannte Sonde nahe des lunaren Südpols landen. Ob dieser Versorgungsflug gelingt, ist aber sehr fraglich. Schließlich müßte die Sonde von meinen Leuten gefunden werden. Sie sehen uns in einer verzweifelten Situation.«

Allan D. Mercant beendete die Sitzung sehr rasch. Im Augenblick gab es nichts mehr zu sagen. Die STARDUST war und blieb verschollen. Vor den Männern türmte sich ein Gebirge von Rätseln auf.

Ehe der Geheimdienstchef den Raum verließ, sagte er mit einem maskenhaften Lächeln:

»Meine Herren, es tut mir sehr leid, aber die bewußte asiatische Mondrakete ist kurz nach dem Start in der Luft explodiert!«

Pounder fuhr auf. Er starrte zu Mercant hinüber.

Der kleine Mann fuhr sich mit dem Handrücken über die Augen.

»Es tut mir schrecklich leid. Sie müssen also wohl oder übel nach einer anderen Ursache suchen. Es ist kein Schiff zusammen mit Ihrer STARDUST gestartet! Darf ich fragen, woher nun der stationäre Mondsender stammen soll? Hier erscheinen mir einige Dinge sehr unklar. Sie werden trotzdem bald von mir hören.«

Leiser fügte er hinzu:

»Wir glauben nämlich auch nicht an einen Irrtum des Schiffskommandanten. Wenn Sie die fehlerfreie Funktion der Raketeneinrichtungen einwandfrei nachweisen können, stehen wir einem gewaltigen Problem gegenüber. Ich bitte um baldige Eingabe der Unterlagen an das wissenschaftliche Team der Internationalen Abwehr. Wir müssen, was Sie bitte verstehen wollen, zu einem überzeugungskräftigen Ergebnis kommen.«

»Rhodan hat nicht versagt!« behauptete Pounder abermals. »Sie kennen unsere Männer nicht, Sir. Wir beweisen Ihnen, daß die Selbststeuerautomatik der STARDUST eingeschaltet worden ist. Das haben wir noch im letzten Augenblick an der jähen Änderung des Fallwinkels feststellen können. Wir können Ihnen mitteilen, mit welchen Schubwerten gearbeitet wurde. Wenn das nicht genügt ...«

Allan D. Mercant ging. Nachdenklich kletterte er auf dem Landedach des Department of Space in seinen Hubschrauber.

Er sah zum wolkenlosen Junihimmel über Washington hinauf.

»Wir gehen schweren Zeiten entgegen, Kaats«, murmelte er. »Man rühmt mir einen gewissen Instinkt nach. Er hat sich vor einigen Minuten gemeldet.«

4.

Sie hatten 24 Stunden warten müssen, bis die Boden-Radioaktivität unter der absorbierenden Einwirkung der ausgestäubten Chemikalien abgeklungen war.

Als die Zähler nur noch wenige Durchgänge anzeigten, hatte Perry Rhodan als erster Mann das Schiff verlassen. Es war still und ohne jeden lauten Jubel geschehen.

Sie hatten sich wortlos die Hände gereicht und einander in die Augen gesehen. Ganz gewiß waren sie die ersten Menschen, die den Mondboden jemals betreten hatten.

Landebein vier war beim harten Aufprall beschädigt worden. Sonst hatte die STARDUST keine ernsthaften Schäden davongetragen. Das Triebwerk konnte infolge der Strahlung noch nicht überprüft werden. Ein kurzer Probelauf hatte jedoch eine völlig einwandfreie Funktion ergeben. Die Halterungen schienen demnach nicht gebrochen zu sein.

Die große Strombank arbeitete ebenfalls einwandfrei. Der Reaktor lief präzis, und die kombinierte Lufterneuerungs- und Klimaanlage funktionierte tadellos.

Die Schäden an den Armaturen konnten beseitigt werden. Bitterer war die Deformierung am unteren Teleskoprohr von Stütze vier. Es mußte ausgebaut und mit Spezialgeräten bearbeitet werden. Reginald Bull schätzte die Dauer der Arbeiten auf wenigstens sechs Tage. Molverdinstahl war nun einmal ein schwierig zu bearbeitendes Metall.

»Wir kommen hin!« hatte er gesagt. »Es wird Schweiß und harte Arbeit kosten, aber wir kommen hin.«

Etwa 36 Stunden nach der Notlandung hatten sie den Kunstfaserballen des großen Pneumozelts aus dem Laderaum gebracht.

Der Inhalt einer kleinen Preßluftflasche hatte genügt, um das Spezialzelt zu einem stahlhart wirkenden Gebilde aufzublasen. Der fehlende Außendruck hatte auch seine Vorteile.

Nun stand die lange Halle sauber verankert auf dem felsigen Boden. Ihre hochglanzpolierte Außenseite reflektierte das ungetrübte Licht der Sonne. Sie waren dabei, die Klimaanlage zu installieren und die Luftschleuse einzubauen. Vorerst enthielten nur die Zwischenwände des Zeltes Luft. Diese Konstruktion war auf der Erde unter naturgetreu nachgeahmten Bedingungen geprüft worden. Nur Meteore konnten ihr gefährlich werden, sonst nichts.

Am einfachsten war die Berechnung ihres Standorts gewesen. Da infolge der zahlreichen Mondumkreisungen hervorragende Spezialkarten zur Verfügung standen, hatten sie die Ortsbestimmung einwandfrei vornehmen können.

Demnach war die STARDUST knapp 82 Kilometer hinter dem lunaren Südpol auf den Boden gekommen. Die Sonne war als Sichel zu sehen. Sie lugte eben noch über dem nahen Mondhorizont hervor.

Die Krater in der Umgebung des Landeorts waren bekannt und registriert. Desgleichen die kleine Hochebene zwischen zwei Ringwällen. Es war ein unwahrscheinlicher Zufall, daß die Rakete bei dem blinden Fall hier auf den Boden gekommen war. Ebensogut hätte sie zwischen den schroffen Felszacken der Ringgebirge niedergehen können. Dann wäre es wahrscheinlich vorbei gewesen.

Die Erde war nicht sichtbar. Sie hing weit jenseits des Horizonts, wonach an eine Funkverbindung nicht zu denken war. Rhodan hatte diese Schwierigkeiten mit einer Handbewegung abgetan. Niemand an Bord des Schiffes hatte resigniert. Nur Flipper war stiller geworden.

Rhodan hatte diese bedenkliche Tatsache stillschweigend registriert. Flipper dachte zu oft an seine Frau und an das erwartete Baby. Es war ein Grund zur Beunruhigung, wenn auch nicht zur krassen Besorgnis. Rhodan hatte sich vorgenommen, sein besonderes Augenmerk auf den Riesen zu richten.

Perry Rhodan wandte sich um. Er tat es langsam und vorsichtig, da er trotz der schweren Ausrüstung wesentlich weniger wog als auf der Erde. Hier hatte jeder Körper nur den sechsten Teil seines irdischen Gewichts.

Rhodan stand auf einem der zahlreichen Gipfel des Ringgebirges. Innen fielen die Wände steil und schroff zum flachen Kratergrund ab, dessen ebene Bodenfläche wiederum von zwei kleineren Trichtern aufgewühlt war. Es waren ganz typische Zeichen für Meteoreinschläge, denen der luftlose Himmelskörper ungeschützt preisgegeben war. Und das seit Jahrmillionen!

Etwa 400 Meter tiefer ragte die Spitze der STARDUST in den Raum. Die Sichel der über dem Horizont erkennbaren Sonne leuchtete grell. Auf der voll angestrahlten Vorderseite nahm das Gestein schon wieder die Wärme auf. Hier, nahe der Zwielichtzone, war es noch einigermaßen erträglich.

Rhodan machte sich um diese Dinge keine sonderlichen Sorgen. Man kannte die Gefahren und Schwierigkeiten sehr genau, also hatte man sich darauf eingerichtet. Die technische Perfektion erlaubte mehr und mehr Dinge, die 20 Jahre zuvor noch sehr bedenklich erschienen waren.

Rhodans Raumanzug war in Ordnung. Zufrieden richtete er den Blick auf die trostlose Landschaft.

Dieses Gebiet war nicht so zerklüftet und zerrissen wie andere Gegenden des Mondes. Dennoch gab es auch hier kein Leben. Der krasse Unterschied zwischen grellem Sonnenlicht und tiefer Dunkelheit zeichnete die Landschaft in alptraumhaften Konturen. Es gab keinen Schatten im Sinne des Wortes, keinen Übergang zwischen Sonnenlicht und milder Dämmerung.

Wo die Strahlung nicht mehr einfiel, wurde es übergangslos Nacht. Es fehlte die vermittelnde Lufthülle. Die Temperaturen waren extrem.

Weit entfernt, wegen des nahen Horizonts längst nicht mehr zu sehen, lagen die bekannten Umrisse der Polgegend. Es hatte seinen guten Grund, warum Perry Rhodan den aufgetürmten Ringwall erklommen hatte.

Von einem nicht in die Landschaft passenden Objekt war nichts zu bemerken. Die STARDUST und das wie ein Spiegel blinkende Druckzelt waren zwar ebenfalls Fremdkörper, aber damit war er vertraut. Sie gehörten nun dazu.

Ein unmerkliches Lächeln umspielte seine Lippen. Skeptisch fragte er sich, mit welchem Recht er diese Feststellung traf. Er kam zu dem Ergebnis, daß es sich wohl nur um eine gewisse menschliche Überheblichkeit handeln könne. Was der Mensch erobert hatte, das pflegte er auch als sein Eigentum zu betrachten. Also gehörte die STARDUST in die Landschaft!

Rhodan lachte leise auf, als er sich bei diesen Gedankengängen ertappte. Prompt begann es im kleinen Lautsprecher seines Kugelhelms zu knacken. Eine beunruhigte Stimme klang auf.

»Was ist los?« krachte es aus dem Gerät. »Perry, was gibt es? Hast du Schwierigkeiten?«

Rhodan schwieg.

»Perry, antworte doch! Was ist los?« schrie Bully lauter. Natürlich hatte er über die eingeschaltete Sprechanlage Rhodans Auflachen mitgehört.

Ein Fluch folgte, anschließend ein krächzendes Husten.

»Er steht auf einem Mondkrater, einsam und allein, und lacht«, sagte Bully empört. »Hast du das gehört, Flippy? Er steht da oben und lacht.«

»Immerhin etwas«, kam eine andere Stimme über die Anlage. »Ich bemühe mich seit einer halben Stunde verzweifelt, meinen ekelhaft juckenden Rücken mit allen zehn Fingern zu kratzen. Nichts zu machen, mein Lieber! Genau da, wo ich kratzen möchte, hängen die dreimal verdammten Sauerstoffflaschen.«

Rhodan drehte den Lautstärkeregler etwas zurück. Die Stimme Bullys hätte Tote erwecken können.

»Perry, wie ist die Luft da oben?«

»Es gibt ein Gewitter«, entgegnete Rhodan trocken.

Bully verstummte verblüfft. Rhodans eigenartiger Humor hatte es in sich.

»Weil auf dem Mond die Luft so stark aufgeladen ist«, fügte er hinzu.

»Aha, so etwas muß man wissen.«

»Genau das meine ich. Und da ich mich grundsätzlich bemühe, auch auf dem Mond eine korrekte Ausdrucksweise zu gebrauchen, werde ich jetzt nicht von einer Luftlinie, sondern von einer ›direkten Sichtlinie‹ sprechen. Also mein Freund – wie weit bin ich schätzungsweise in direkter Sichtlinie von euch entfernt?«

»852 Meter«, kam Dr. Manolis amüsiert klingende Stimme durch. »Ich sitze nämlich vor dem Radartaster, womit ich dich auf den Zentimeter genau angemessen habe. Tüchtig, was?«

»Mehr als das«, lachte Rhodan. »Okay, Bully, hier ist eine Aufgabe für dich. Ich bitte mir aus, daß sie sauber und exakt ausgeführt wird. Nimm deine MPi, schalte das Reflexvisier auf Vergrößerung zehnfach, Entfernung 850 und feuere ein halbes Magazin auf den großen Felsbrocken ab, der wie der Kopf eines Riesen aussieht. Etwa 50 Meter links von mir. Erkannt?«

Das war eine kurze Anweisung. Rhodan hielt nicht viel von überflüssigen Erklärungen.

»Erkannt«, bestätigte Bully knapp. »Darf man fragen, was der Scherz bedeuten soll?«

»Ich scherze selten mit ernsten Sachen. Ich will wissen, wie die Raketengeschosse in Miniaturausgabe wirken. Mich interessieren Aufschlagwucht und Sprengkraft. Fang an und paß genau auf, wie sich der Rückschlag unter den hiesigen Schwereverhältnissen auswirkt.«

»Überhaupt kein Rückschlag«, behauptete Bully. »Jedes Geschoß besitzt seine eigene Treibladung nach dem Rak-Prinzip. Es gibt keine Hülsen. Geschoß und Zündsatz zischen gemeinsam davon. Mündungsgeschwindigkeit 2480 km/sec. Es kann keinen Rückstoß geben. Ein genaues und sicheres Schießen. Ich habe mich ausführlich informieren lassen.«

»Tüchtig«, spöttelte Rhodan. »Fang an, aber verwechsel mich nicht mit dem Felsblock.«

Bully lachte. Flipper beobachtete ihn stumm, als er die schwere, wuchtig wirkende Waffe mit dem kurzen Schaft und dem überdimensional dicken Lauf vom Boden aufnahm. Rhodans klarer Befehl lautete dahingehend, daß die STARDUST nur mit einer Waffe verlassen werden durfte.

Reginald Bull stand vor dem halbfertigen Druckzelt. Weiter drüben, knapp 30 Meter entfernt, ragte die Rakete in den Mondhimmel.

Sorgfältig stellte er das Reflexvisier ein. Vergrößerung zehnfach. Entfernung 850 m.

Die rote Marke der elektrischen Treibsatzzündung leuchtete auf. Das erste Projektil glitt in die Zündkammer des Laufes. Die neuartigen Geschosse hatten ein relativ kleines Kaliber von sechs Millimetern. Sie waren fingerlang, und ihre Sprengkraft sollte enorm sein.

Bully zögerte für einige Augenblicke. Das Ziel war sehr weit entfernt, obwohl es im Leuchtvisier sprungartig näher rückte.

»Los schon!« drängte Rhodan. »Worauf wartest du? Stelle dir vor, dieser Steinklotz hätte unsere Fernsteuerung gestört. Na?«