Perry Rhodan 3: Der Unsterbliche (Silberband) - Clark Darlton - E-Book

Perry Rhodan 3: Der Unsterbliche (Silberband) E-Book

Clark Darlton

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Beschreibung

Mit aller Kraft stehen Perry Rhodan und seine Gefährten den Bewohnern des Wega-Systems bei, die rund 27 Lichtjahre von der Erde entfernt leben und von den echsenhaften Topsidern angegriffen werden. Immer wieder stoßen sie auf ein geheimnisvolles "galaktisches Rätsel" und auf Berichte über uralte Wesen, "die länger als die Sonne leben". Die Spur führt angeblich zum mysteriösen Planeten des ewigen Lebens. Der Weg dorthin ist aber mit tödlichen Gefahren gepflastert, die zu überwinden den ganzen Mut und alle Intelligenz der irdischen Raumfahrer in Anspruch nimmt. Die Reise mit der STARDUST II geht unter anderem in ferne Vergangenheit, auf eine Welt mit energiesaugenden Wesen und auf den Planeten Tramp - dort schmuggelt sich ein kleiner, frecher Mausbiber namens Gucky an Bord des terranischen Raumschiffes. Zuletzt erreichen Rhodan und seine Begleiter die seltsame Welt Wanderer, die sich als Heimat eines Unsterblichen erweist. Perry Rhodan wird mit einer unheimlichen Existenzform konfrontiert und muss Gefahren überstehen, die Zeit und Raum umspannen ...

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Nr. 3

Der Unsterbliche

Mit aller Kraft stehen Perry Rhodan und seine Gefährten den Bewohnern des Wega-Systems bei, die rund 27 Lichtjahre von der Erde entfernt leben und von den echsenhaften Topsidern angegriffen werden. Immer wieder stoßen sie auf ein geheimnisvolles »galaktisches Rätsel« und auf Berichte über uralte Wesen, »die länger als die Sonne leben«. Die Spur führt angeblich zum mysteriösen Planeten des ewigen Lebens.

Der Weg dorthin ist aber mit tödlichen Gefahren gepflastert, die zu überwinden den ganzen Mut und alle Intelligenz der irdischen Raumfahrer in Anspruch nimmt. Die Reise mit der STARDUST II geht unter anderem in ferne Vergangenheit, auf eine Welt mit energiesaugenden Wesen und auf den Planeten Tramp – dort schmuggelt sich ein kleiner, frecher Mausbiber namens Gucky an Bord des terranischen Raumschiffes.

Einleitung

Die Unsterblichkeit, um die es (wie schon der Titel sagt) in diesem dritten PERRY-RHODAN-Buch geht, bewegt seit jeher Gedanken und Gefühle der Menschen und gehört wohl aus diesem Grund auch zu den zentralen Themen der Science-fiction. PERRY RHODAN, der Held dieses Romans, hat die Unsterblichkeit längst in doppelter Hinsicht erlangt: als agierende Figur innerhalb der Romanhandlungen und als Institution in der Science-fiction-Literatur, aus der er seit nunmehr fast zwanzig Jahren nicht mehr wegzudenken ist. Wer sich über Erfolg und Faszination der PERRY-RHODAN-Romane Gedanken macht, findet die Antworten auf die Fragen danach leichter, wenn er diese klassischen Romane liest, aus denen dieses Buch zusammengestellt wurde. (Es sind in der Reihenfolge ihres ehemaligen Erscheinens, unberücksichtigt der notwendigen Kürzungen und bearbeiteten Passagen: Das Geheimnis der Zeitgruft von Clark Darlton; Die Festung der sechs Monde von K. H. Scheer; Das galaktische Rätsel von Clark Darlton; Die Spur durch Zeit und Raum von Clark Darlton; Die Geister von Gol von Kurt Mahr; Planet der sterbenden Sonne von Kurt Mahr; Die Rebellen von Tuglan von Clark Darlton und Der Unsterbliche von K. H. Scheer.) In diesen, in den frühen sechziger Jahren entstandenen Geschichten wird deutlich, dass die PERRY-RHODAN-Handlung eine wirkliche Geschichte der Menschheit in der Zukunft ist. Die kosmische Bestimmung des Menschen wird in diesen Bänden zum ersten Mal angesprochen. Heute, nachdem allein in der deutschsprachigen Erstauflage über neunhundert Romane erschienen sind (die Gesamtweltauflage von PERRY RHODAN – die Serie erscheint in sieben Sprachen – liegt bei 500 Millionen Exemplaren), ist diese kosmische Bestimmung das Thema, um das die Handlung kreist. Die für dieses Buch bearbeiteten acht Romane bilden sozusagen den Grundstein für die spätere Weiterentwicklung der Handlung. Schon aus diesem Grund war es notwendig, die komplexe, ursprünglich in acht Bände verteilte, Geschichte in einem Buch aufzunehmen. Dazu wurden Wiederholungen, Nebensächlichkeiten und Widersprüche gestrichen, ohne dass dabei der Reiz der Originalromane zerstört wurde.

Vorwort

Die Suche nach letzten Wahrheiten lässt die Menschen ahnen, dass ihre Welt nur Teil einer unüberschaubaren universellen Ordnung ist, in der es Mächte und Existenzformen gibt, die darin eine bestimmende Rolle spielen. Stellen wir uns vor, die Menschheit würde eines Tages durch Umstände, die wir uns mit unserem beschränkten Auffassungsvermögen noch nicht erklären können, in den Sog kosmischer Ereignisse geraten.

Ein neuer Abschnitt menschlicher Geschichte würde dann beginnen, die Geschichte des Menschen in der Zukunft.

Für Perry Rhodan und die Menschheit begann diese Geschichte am 19. Juni 1971, dem Tag, an dem er zusammen mit seinen Freunden an Bord der STARDUST auf dem Mond landete und dort ein havariertes Forschungsraumschiff der Arkoniden entdeckte. Perry Rhodan lernte die stolze Arkonidin Thora kennen und den Wissenschaftler Crest, der sich zu einer Zusammenarbeit mit der Menschheit bereit fand. Mit Hilfe der arkonidischen Supertechnik gelang es Perry Rhodan, einen atomaren Weltkrieg auf der Erde zu verhindern. Perry Rhodan gründete einen Stützpunkt in der Wüste Gobi und nannte den neuen kleinen Staat die »Dritte Macht«.

1.

Die Sonne Wega besaß zweiundvierzig Planeten. Der achte davon, Ferrol, hatte die raumfahrende Zivilisation der Ferronen hervorgebracht. Es lebten jedoch kaum noch Ferronen auf Ferrol, denn während der Invasion des Wega-Systems durch die Topsider waren die Einheimischen gezwungen gewesen, auf ihrem Kolonialplaneten Rofus Zuflucht zu suchen. Die Ferronen waren Humanoide mit untersetzter Gestalt, blassblauer Haut und kupferfarbenen Haaren. Ihre kleinen Augen lagen tief in den Höhlen unter einer vorgewölbten Stirn. Auch ihr Mund war klein und verlieh ihnen einen Ausdruck von Harmlosigkeit.

Auf Rofus warteten die Ferronen darauf, dass ihre neuen Verbündeten, die sie für Arkoniden hielten, endlich zurückkehren und ihnen im Kampf gegen die echsenhaften Topsider helfen würden. Die Ferronen besaßen Materietransmitter, die auf fünfdimensionaler Basis arbeiteten und mit deren Hilfe sie sich über große Entfernungen hinweg versetzen konnten. Dass ihre Raumfahrt dagegen noch in den Kinderschuhen steckte, stand dazu in krassem Widerspruch und war eines der Rätsel der ferronischen Zivilisation.

Den achtundzwanzigsten Planeten der Sonne Wega umkreiste ein Mond. Die Atmosphäre hatte sich vor undenklichen Zeiten niedergeschlagen und den Trabanten in eine Eiswüste mit riesigen Gebirgen verwandelt. Kein Lebewesen konnte in dieser Hölle existieren, und doch war Iridul nicht tot.

Tief im Innern eines der Gebirge lag eine Höhle verborgen, deren glatte Wände noch frische Schmelzspuren zeigten. Ein geräumiger Tunnel führte an die Oberfläche des Mondes, und durch eine eingebaute Schleuse konnten John Marshall oder Dr. Haggard mit einer der beiden Jagdmaschinen jederzeit die Höhle verlassen, um Erkundungsflüge durchzuführen.

Gut verkleidet stand das Fundament des Hyperfunksenders im ewigen Eis. Daneben befanden sich die Plastikbehausungen der beiden Männer und der Ferronen. Generatoren sorgten für Licht und Wärme, Lufterneuerungsanlagen machten das Leben unter der Eisdecke erträglich.

John Marshall, Telepath und Mitglied des Mutantenkorps, machte sich zum Erkundungsflug fertig. Haggard half ihm dabei.

»Ich habe Sehnsucht nach Bully«, sagte John wehmütig. »Wie ich mich darauf freue, sein pausbäckiges Gesicht wiederzusehen.«

»Man nimmt eben alles in Kauf, nicht mehr einsam zu sein«, sagte Dr. Haggard und nickte verständnisvoll. »Wenn Bully aufkreuzt, sind auch Rhodan, Crest und Thora nicht mehr fern. Das dürfte wohl der psychologische Hintergedanke Ihrer Sehnsucht sein.«

»Besonders Thora«, gab John zu und justierte seinen Helmsender. »Sie ist eine hübsche Frau.«

»Kälter als das Eis von Iridul.« Haggard schüttelte sich und grinste. »Wenn Sie etwa mit dem Gedanken spielen ...«

»Keine Sorge. Ich möchte Rhodan nicht ins Gehege kommen.«

Schweigend sah der Arzt zu, wie John Marshall in die Maschine kletterte und die Luke schloss. Er trat an die Schalttafel neben dem Hyperfunksender und zog einen Hebel herab. Gleichzeitig aktivierte er das Normalfunkgerät, um mit dem Piloten in Verbindung stehen zu können.

»Fertig?«, erkundigte sich Marshall.

Haggard nickte. »Sie können starten. Viel Glück.«

Der Jäger glitt auf Antigravkufen davon, hinein in den nun hell erleuchteten Tunnel. Die Schleuse schloss sich hinter ihm. Das Summen der Pumpen setzte ein. Dann öffnete sich vor ihm das Tor. John bewegte den Fahrthebel, dann schoss die kleine Maschine, in deren Kabine gerade ein Mann bequem Platz fand, in das matte Sonnenlicht hinaus.

Wega war viel zu weit entfernt, um den glitzernden Eiskristallen, aus denen die kleine Welt bestand, richtigen Glanz zu verleihen. Das Fehlen jeglicher Atmosphäre ließ jedoch die weiten Schneeflächen das Licht der Wega reflektieren.

John zog die Maschine hoch, beschleunigte aber noch nicht. Fast gemütlich stieg er schräg in den sternenübersäten Himmel hinein und genoss den Anblick. Seine Augen suchten ein ganz bestimmtes Sternbild, das er von der Erde her kannte. Er fand es sofort. Die Konturen waren ein wenig verschoben, und ein völlig neuer Stern stand fast im Zentrum der wohlvertrauten Formen. Er leuchtete gelblich und war nicht sehr hell: die Sonne. Sie war siebenundzwanzig Lichtjahre entfernt. Als ihr Licht, das er in dieser Sekunde erblickte, seine lange Reise angetreten hatte, war John Marshall gerade vier Jahre alt gewesen.

Er kam nicht mehr dazu, weitere philosophische Betrachtungen anzustellen, denn etwas erweckte seine Aufmerksamkeit.

Er schwenkte den Jäger herum und erhöhte die Geschwindigkeit. Einen Angriff fürchtete er nicht, denn er wusste, dass er viel schneller beschleunigen konnte als die Topsider.

Es war durchaus möglich, dass die Invasoren sich inzwischen von ihrer Niederlage erholt hatten. Der Verlust des großen Kugelkreuzers hatte sie sicherlich schwer getroffen, aber sie besaßen noch eine kampfkräftige Flotte überlichtschneller Raumschiffe.

Da war es wieder.

John schaltete den Hypertaster ein. Sekunden später schwenkte der Bug des Jägers ein wenig zur Seite und zeigte genau auf ein langsam dahinziehendes Objekt.

Ein Schiff der Topsider.

John überlegte blitzschnell. Es war sinnlos, sich auf eine Auseinandersetzung einzulassen, denn Rhodan hatte ausdrücklich verboten, die Topsider anzugreifen. Man sollte ihnen aus dem Weg gehen, bis Rhodan mit der STARDUST II zurückkehrte.

Immerhin war allein die Feststellung, dass die Topsider sich zu rühren begannen, interessant genug. Sie schienen ihre Macht im Wega-System sichern zu wollen und waren dabei, die äußeren Planeten zu erkunden. Es bestand jedoch keine Gefahr, dass der Mond Iridul ihnen verdächtig erscheinen würde.

John änderte erneut den Kurs und gab dann einen kurzen Bericht an Haggard durch, um diesen zu warnen. Es war jetzt besser, wenn niemand die schützende Höhle verließ.

John beschleunigte die Maschine und erreichte sehr bald Lichtgeschwindigkeit. Bei den Ausmaßen dieses Systems hätte er sonst Tage gebraucht, um den neunten Planeten zu erreichen.

Rofus erinnerte lebhaft an die Erde, nur fehlten hier die riesigen Städte. Die Ferronen hatten den Planeten schon lange besiedelt und waren nun froh, ihn als Zuflucht benutzen zu können. Auf Ferrol waren genügend Einwohner zurückgeblieben, in der Hauptsache die im Gebirge lebenden Sichas, ein kriegerischer Stamm der Ferronen. Sie machten den Topsidern schwer zu schaffen.

John überquerte die Planetenbahnen und verlangsamte den Flug, als der elfte Planet vorüberglitt. In wenigen Minuten kam der neunte Planet in Sicht. Er umkreiste ihn mehrmals, um ganz sicher zu sein, dass keine Spähschiffe der Topsider in der Nähe waren, dann landete er in der Hauptstadt des Planeten Rofus, Tschugnor.

Er erwartete nicht, besonders beachtet zu werden, denn fast täglich besuchten er oder Haggard den Thort von Ferrol. Der ins Exil geflüchtete Herrscher, der alle seine Minister und Mitarbeiter mitgenommen hatte, residierte in Tschugnor und stand durch Transmitter in ständiger Verbindung mit Agenten auf der vom Feind besetzten Heimatwelt. Der Funkverkehr war eingestellt worden, ebenso verließen die unterirdisch verborgenen Raumschiffe ihre Verstecke nicht mehr. Ferronen oder Nachrichtenkapseln wechselten zwischen dem achten und neunten Planeten nach dem gleichen System, nach dem auch die STARDUST II ihren Raumsprung durchgeführt hatte. Niemand aber, so wusste John, kannte das Geheimnis dieser Teleporteranlagen.

So schnell er konnte, eilte Marshall zur Residenz des Thort. Er saß bald dem Herrscher der Ferronen gegenüber.

Der kleine Mann, der seine königliche Würde restlos abgelegt hatte, griff hilfesuchend nach den kräftigen Fäusten Johns. John verstand den Ferronen dank seiner telepathischen Fähigkeiten auch ohne Translator und konnte ihm sogar leidlich antworten.

»Herr, wir schweben in größter Gefahr«, begann der Thort verzweifelt. »Wenn Rhodan nicht hilft, sind wir alle verloren.«

»Rhodan ist bereits unterwegs«, log John, um den anderen zu beruhigen. »Was ist geschehen? Sie tun so, als hätten die Topsider einen Angriff gestartet.«

»Das kann jeden Augenblick geschehen. Bisher haben sie sich auf Ferrol ruhig verhalten, aber nun häufen sich die Berichte über ihre Vorbereitungen, auch Rofus zu erobern.«

»Dafür gibt es keine Beweise«, sagte John kopfschüttelnd.

»Doch, es gibt sie. Unsere Agenten berichten, dass sich die Flotte der Echsen bereitmacht, Rofus anzugreifen. Viele Ferronen auf Ferrol wurden verhaftet, in die Gefängnisse geworfen oder gar getötet. Die Topsider haben ihren Schock überwunden, der durch das Auftauchen Perry Rhodans verursacht wurde. Sie werden kommen, um sich zu rächen. Und dann müssen wir für etwas büßen, das wir nicht getan haben. Die Arkoniden sind verpflichtet, uns zu helfen.«

Das klang nicht mehr nach Dankbarkeit für die erhaltene Unterstützung, aber John konnte den verzweifelten Thort verstehen.

»Haben Sie Anhaltspunkte, wann mit der neuerlichen Invasion zu rechnen ist, Thort?«

»Nein. Aber ich rechne täglich damit. Wir haben nur unsere angeschlagene Flotte, die wir ihnen entgegensetzen können.«

»Das würde nicht viel helfen«, gab John sinnend zu. Er ahnte, dass nun der Augenblick des Handelns gekommen war. Rhodan hatte ihn hier zurückgelassen, um das Verhalten der Topsider zu beobachten. Wenn sie ihren Schock überwunden hatten und erneut angriffen, musste John sofort Alarm geben. Rhodan würde die Ausbildung seiner Mannschaft abbrechen und sofort starten. Wie lange er brauchte, um die nötigen Versorgungsgüter aufzunehmen und den Start vorzubereiten, wusste John zwar nicht, aber er konnte sich denken, dass es nicht mehr als einige Tage dauern würde. Es war seine Pflicht, den verabredeten Funkspruch an Rhodan sofort abzusenden.

»Ich benötige einen stichhaltigen Beweis, Thort«, sagte er.

»Genügt es Ihnen nicht, dass die Echsen sich rühren? Bisher verhielten sie sich ruhig und blieben auf Ferrol. Nun aber beginnen sie mit Patrouillenflügen durch das ganze System.«

Das stimmte. John hatte selbst ein solches Patrouillenschiff in der Nähe des achtundzwanzigsten Planeten gesichtet.

Er nickte und stand auf. »Gut, Thort. Ich werde Rhodan sofort benachrichtigen, damit er sich beeilt. Halten Sie Ihre Flotte in Bereitschaft. Es ist möglich, dass Sie den ersten Überfall der Topsider noch selbständig abwehren müssen. Bilden Sie Truppen aus, die mit den Materietransmittern nach Ferrol gebracht werden können, um dort im Rücken des Feindes Verwirrung zu stiften. Wenn Rhodan eintrifft, führen wir den entscheidenden Schlag. Sie dürfen mir glauben, dass die Topsider aus dem System der Wega vertrieben werden.«

»Hoffentlich existieren wir dann noch«, seufzte der Herrscher. Aber dann reckte er seine kleine und gedrungene Gestalt. Der winzige Mund war zusammengekniffen und gab seinem Gesicht einen entschlossenen Ausdruck. »Wir müssen die Topsider schlagen. Ich will mein unterdrücktes Volk auf Ferrol befreien. Zwar konnten viele nach Rofus entkommen, aber die Besten blieben zurück.«

Minuten später war John auf dem Rückweg zu seinem Jäger. Er ging zu Fuß, um noch einige Eindrücke zu sammeln und über das Gespräch nachzudenken. Richtig schlau wurde er aus den Ferronen nie. Sie hatten die Raumfahrt entwickelt und waren buchstäblich in den Anfängen stehengeblieben. Den siebenten und neunten Planeten hatten sie besiedelt, aber weiter reichte ihr Ehrgeiz nicht. Und trotzdem besaßen sie eine Methode, Materie zu entmaterialisieren und über weite Strecken zu transportieren. Durch die fünfte Dimension und ohne jeden Zeitverlust. Dazu gehörten technische und mathematische Voraussetzungen, die die Ferronen zweifellos nicht besaßen. John war sogar davon überzeugt, dass sie nicht einmal einen solchen Transmitter konstruieren konnten.

Hatten die Ferronen einst Kontakt mit einer überlegenen Zivilisation gehabt und es vergessen?

John kam zu keinem Ergebnis. Er wusste, dass auch Rhodan sich mit diesem Problem befasst und keine Antwort erhalten hatte. Vielleicht bildete es sogar den Schlüssel zu einem Geheimnis, dessen Lösung die Beantwortung mancher Frage bedeutete. Es fiel John leicht, die Absichten der vorbeieilenden Ferronen zu erraten. Sie waren auf der Flucht und verließen die Hauptstadt, um in den Gebirgen Schutz vor dem bevorstehenden Angriff der Topsider zu suchen.

2.

Die STARDUST II materialisierte am Rand des Wega-Systems. Kaum dass Perry Rhodan Marshalls Hilferuf erhalten hatte, war er mit dem achthundert Meter großen Kugelraumer von der Erde aufgebrochen. An Bord befanden sich zusätzlich zweihundertfünfzig Besatzungsmitglieder, die in Hypnoschulungen gelernt hatten, die Technik dieses arkonidischen Großraumers zu beherrschen. Zwei Jägergeschwader, die unter dem Kommando der Majore Deringhouse und Nyssen standen, waren in die Hangars der STARDUST II gebracht worden. Diese aus einhundertacht Maschinen bestehenden Geschwader waren in den neuen Großwerften der Erde gebaut worden. Dort würden auch bald die ersten großen Kugelraumschiffe von Band laufen. Perry Rhodan hatte keinen Grund, über die augenblickliche Entwicklung auf der Erde enttäuscht zu sein. Die Menschheit, die wusste, dass seine Freunde und er sie vor einem alles vernichtenden Atomkrieg bewahrt hatten, stand hinter ihm. Er hatte vier Beiboote der STARDUST II zum Schutz Terras zurückgelassen.

Rhodan unterbrach seine Gedanken und konzentrierte sich auf die neue Umgebung. Es bestand bereits Funkkontakt mit dem Stützpunkt auf Iridul. Rhodan befahl, ein Geschwader Raumjäger auszuschleusen, das voranfliegen und die Topsider verwirren sollte.

»Wo werden wir landen?«, erkundigte sich Bully, während er Deringhouse seine Anweisungen gab. »Auf Iridul?«

»Nein, auf Rofus. Von dort aus können wir besser operieren. Ich nehme auch an, dass der neunte Planet am gefährdetsten ist.«

»Warum greifen wir nicht Ferrol direkt an? Mit der STARDUST könnten wir uns das erlauben.«

»Ich habe meine Gründe, es nicht zu tun«, antwortete Rhodan ernst. »Es genügt, wenn die Topsider Hals über Kopf fliehen und davon überzeugt sind, dass es gegen uns keine Gegenwehr gibt. Mit Panik im Herzen sollen sie an ihr Abenteuer im Wega-System zurückdenken.«

Während die kleinen, wendigen Raumjäger ihre Hangars verließen und in geordneter Formation dem Riesenschiff vorauseilten, kamen Haggard und Marshall an Bord. Die verbündeten Ferronen blieben vorerst auf Iridul zurück. Rhodan begrüßte die beiden Freunde herzlich.

»Ich bin auf die Einzelheiten gespannt«, sagte er, nachdem die Aufregung des ersten Wiedersehens sich gelegt hatte. »Ihr Funkspruch war nur kurz. Was ist geschehen?«

»Noch nicht sehr viel, aber der Thort wurde unruhig«, sagte Marshall. »Er glaubte sich verraten, vertraute aber meinen Ratschlägen und stellte selbst eine kleine Kampfeinheit auf. Immerhin konnte er damit einen Angriff der Topsider abschlagen, der sicherlich nur dazu diente, die Stärke des Widerstands auf Rofus zu prüfen. Die Moral der Ferronen erhielt durch den Scheinsieg immerhin einen gewissen Auftrieb. Ich fürchte jedoch, dass die Topsider bei einem ernsthaften Versuch ...«

»Soweit darf es nicht kommen«, unterbrach Rhodan. »Die Echsen werden bald wissen, dass wir zurückgekehrt sind. Die Jäger haben den Auftrag, sie zu verwirren, damit wir ungestört auf Rofus landen können. Gibt es dort einen unterirdischen Hangar, der groß genug ist, um die STARDUST aufzunehmen?«

»Sicherlich«, erwiderte Marshall. »Aber – wollen wir uns wieder verkriechen? Wir sollten diesen Topsidern zeigen, wer hier der Herr ist.«

»Das werden wir auch.« Rhodan lächelte und warf Bully einen Seitenblick zu. »Wozu haben wir das Korps der Mutanten? Unter Bullys Leitung wird das Korps den Topsidern die Hölle so heiß machen, dass sie die Kälte des Weltraums einem Verbleiben hier vorziehen.«

»Ich werde ...«, begann Bully begeistert, aber Rhodan unterbrach ihn.

»Du wirst jetzt noch gar nichts, alter Freund. Wenn wir auf Rofus gelandet sind, sprechen wir weiter. Im Augenblick hast du nichts anderes zu tun, als den Topsidern auszuweichen. Sind alle Ortungsgeräte eingeschaltet?«

»Mir entgeht keine Fliege«, behauptete Bully ernsthaft und widmete sich seiner eigentlichen Aufgabe. Um Rhodan oder Marshall kümmerte er sich nun nicht mehr. Rhodan nickte befriedigt und wandte sich wieder an Marshall.

»Sonst noch Neuigkeiten?«

»Eigentlich nicht, Rhodan, aber da wäre etwas, das mich doch nachdenklich stimmt.«

Lichtstunden voraus trafen Deringhouses Raumjäger auf die ersten Schiffe der Topsider. Befehlsgemäß verwickelten sie diese in heftige Scheingefechte und lockten sie in rasendem Flug auf die andere Seite der Wega.

»Der Thort«, fuhr Marshall fort. »Ich habe viel mit ihm gesprochen und hatte somit Gelegenheit, ein wenig in seinen Gedanken zu forschen. Er ist ehrlich, das stimmt. Und er ist auch sehr dankbar für unsere Unterstützung. Aber in einem einzigen Punkt verschweigt er uns etwas. Es handelt sich dabei um die Materietransmitter.«

»Aha«, machte Rhodan. »Und was verschweigt er uns?«

»Die Transmitter sind keine Eigenentwicklung der Ferronen.«

»Das vermutete ich bereits, mein Freund. Aber es ist interessant zu erfahren, dass auch der Thort davon weiß. Was fanden Sie heraus?«

»Es existiert auf Ferron eine versiegelte Gruft. Fünfdimensionale Schlösser versperren den Zutritt. Nur der Thort weiß, wie sie zu öffnen sind, ohne dass er ihren Sinn kennt. Es ist eine Überlieferung über Generationen hinweg. Mir kommt es so vor, als seien die Transmitter ein Geschenk Fremder, denen die Ferronen in grauer Vorzeit einen Gefallen taten. In dieser Gruft sollen sich die genauen Pläne zur Herstellung der Transmitter befinden. Der Thort dachte daran, diese Pläne zu studieren, um selbst solche Transmitter zu bauen.«

»Auch das wundert mich nicht«, sagte Rhodan ohne Erstaunen. Er sah Marshalls Enttäuschung. »Sie haben mir mit Ihrer Nachricht einen unschätzbaren Dienst erwiesen, denn Gewissheit ist immer besser als bloße Vermutung. Die Ferronen konnten niemals die geistigen Urheber von Transmittern sein. Ich möchte nur gern wissen, wer sie baute.«

»Auch da gab es einen Hinweis.« Der Telepath strahlte über das ganze Gesicht. »Der Thort dachte an ›Wesen, die länger als die Sonne leben‹. Sagt Ihnen das etwas?«

Rhodan war zusammengezuckt. Bully, der mit halbem Ohr zugehört hatte, saß plötzlich wie erstarrt hinter seinen Apparaturen. Langsam wandte er den Blick und sah Rhodan in die Augen.

Marshall hatte die Wirkung seiner Worte beobachtet und lächelte nun zufrieden.

»Es tut gut«, sagte er, »Sie beide einmal verblüfft zu sehen. Das allein lohnt den einsamen Aufenthalt auf Iridul. Ja, Wesen, die länger als die Sonne leben, haben den Ferronen einst das Geheimnis der Materietransmitter überlassen. Zu meinem Bedauern ist zu sagen, dass die Ferronen damit nicht viel anzufangen wussten.«

»Sagen Sie, Marshall, erhielten Sie einen Hinweis, wo diese Wesen beheimatet sind, die länger als die Sonne leben?«

»Im Wega-System«, erwiderte Marshall und erlebte zum zweiten Mal die Freude, Rhodan fassungslos zu sehen. »Wenigstens waren sie das vor einigen Jahrtausenden, als die Ferronen noch Verbindung mit ihnen hatten. Mehr konnte ich leider auch nicht erfahren. Ich glaube, der Thort weiß selbst nicht genau Bescheid.«

Rhodan saß minutenlang schweigsam in seinem Sessel und starrte vor sich hin. Wesen, dachte er, die länger leben als die Sonne. Wie lange lebt eine Sonne? Eine Ewigkeit? Lebten diese unbekannten Wesen ewig? Kannten sie den Tod nicht? Wenn das so war, warum begegnete man ihnen niemals?

»Wir werden mit dem Thort reden müssen, wenn hier alles vorüber ist. Mehr denn je interessiert mich nun das Geheimnis der Transmitter. Und diese Gruft, von der Sie sprachen, Marshall, wo soll sie sein?«

»In den Gewölben des Roten Palastes auf Ferrol. Die Zugänge sind nur dem Thort bekannt.«

»Also der Thort«, murmelte Rhodan. »Er ist der Schlüssel.«

Marshall fragte: »Der Schlüssel? Wozu?«

»Der Schlüssel zum ewigen Leben«, sagte Rhodan versonnen.

Bully landete die STARDUST auf Rofus und manövrierte sie in die gewaltige Höhle eines neu geschaffenen Hangars. Rhodan erließ seine Anordnungen, und zehn Minuten nach Beendigung des Landemanövers saß er bereits dem Thort gegenüber, dessen Erleichterung unverkennbar war.

»Ich bin sehr froh, dass Sie so schnell meinem Ruf gefolgt sind«, begann er das Gespräch. Rhodan war in Begleitung von Bully, Crest, Thora und Marshall gekommen. »Die Topsider bereiten die Invasion auf diese Welt vor, und wir wissen nicht, wie wir sie abwehren sollen. Sie mit Ihrem Kugelschiff ...«

»Wir werden die Topsider schlagen, ohne das Schiff einzusetzen«, sagte Rhodan gelassen. Er achtete nicht auf das Erstaunen des ferronischen Herrschers, sondern fuhr fort: »Ich habe von meinem Heimatplaneten eine Spezialtruppe mitgebracht, die von nun an den Krieg gegen die Feinde führen wird. In wenigen Tagen oder Wochen schon werden Sie nach Ferrol zurückkehren können.«

»Meine Kampfflotte steht zu Ihrer Unterstützung bereit.«

»Danke, ich werde sie entsprechend einsetzen. An sich habe ich keinen offenen Kampf gegen die Topsider vor. Wenn man uns dazu zwingen sollte, werden wir natürlich nicht ausweichen, aber ich möchte, dass soviel Topsider wie möglich in ihr Heimatsystem zurückkehren und berichten, was sie erlebten. Das wird ihnen für immer die Lust nehmen, Wega oder Sol anzugreifen.«

»Sol?«, fragte der Thort eifrig. »Das ist Ihre Sonne?«

»Ja«, erwiderte Rhodan, der das plötzliche Interesse des Ferronen sehr wohl bemerkte, »das ist unsere Sonne.« Er wechselte das Thema. »Die Materietransmitter nach Ferrol funktionieren noch?«

»Zu den Sichas haben wir eine ständige Verbindung. Kekéler leitet den Widerstand auf Ferrol.«

»Ausgezeichnet«, sagte Rhodan. »Dann werden wir dort unseren Hebel ansetzen. Was uns mit der Eroberung des Arkonidenschiffs gelang, wird uns nun um so leichter fallen. Wir werden den Widerstand der Invasoren brechen, und zwar direkt an der Wurzel.«

»Sie meinen ...«

»Ich meine, dass ich noch heute meine Leute nach Ferrol schicken werde. Bully, du leitest diese Aktion. Crest, haben Sie noch Vorschläge?«

Der Arkonide schüttelte langsam den Kopf.

»Ich ahne, was Sie beabsichtigen, und finde keine bessere Lösung. Ihre Mutanten sind die richtigen Leute, um den Topsidern einen Schrecken einzujagen. Ich bin einverstanden.«

Der Thort nickte wortlos.

»Also gut«, sagte Rhodan befriedigt. »Dann stellen Sie Transportwagen bereit, Thort, die mein Mutantenkorps zu den Transmittern bringen. Ich werde den Einsatz bis nach dort leiten. Dann übernimmt Reginald Bull das Kommando. Bully, du weißt, was du zu tun hast?«

»Ich ahne es nur«, gab Bully zu und grinste schwach.

Rhodan erhob sich und beendete damit die kurze Sitzung. »Noch etwas, Thort: Ich möchte von Ihnen in allen Einzelheiten wissen, was vor einigen Jahrtausenden auf Ferrol geschah. Besitzen Sie Aufzeichnungen Ihrer Geschichte?«

Der Thort war blass geworden und starrte Rhodan fassungslos an. Sein kleiner Mund war weit geöffnet. In den Augen war ein hektisches Flackern. John Marshall beobachtete den Herrscher der Ferronen aufmerksam. Seine forschenden Gedankenfühler drangen ein und versuchten, die Mentalimpulse des Thort aufzunehmen. Aber er traf nur auf Bestürzung. Endlich sagte der Thort: »Unsere Geschichte? Was interessiert Sie unsere Geschichte, Rhodan? Was hat sie mit dem Krieg gegen die Topsider zu tun?«

»Vielleicht nichts, vielleicht auch sehr viel, Thort. Kann ich Ihre Vergangenheit studieren, oder soll die Geschichte der Ferronen ein ewiges Geheimnis bleiben?«

»Nein«, stotterte der immer noch überraschte Thort. »Warum sollte sie das? Wir sind doch Freunde, und Freunde haben keine Geheimnisse voreinander. Sie verraten mir die galaktische Position Ihres Heimatsystems, und ich erzähle Ihnen dafür ein wenig über unsere Vergangenheit.«

»Auch über jene Wesen, die länger leben als die Sonne?«

Diesmal erschrak selbst Rhodan über die Veränderung, die mit dem Thort vor sich ging. Der Ferrone verlor völlig seine bläuliche Gesichtsfarbe und wurde grauweiß. Er begann am ganzen Körper zu zittern.

»Was wissen Sie davon?«

»Ich weiß es eben«, ging Rhodan mit einer wegwerfenden Handbewegung darüber hinweg. »Nun, werden Sie mir berichten, was mit diesen Wesen ist und wo sie leben?«

Der Thort schüttelte den Kopf. »Selbst wenn ich wollte, könnte ich es nicht. Es ist schon zu lange her, und die Berichte darüber verlieren sich in der Vorzeit. Ich bin bereit, die Unterlagen darüber zu beschaffen, und dann können wir darüber sprechen. Aber ich glaube nicht, dass ich Ihnen helfen kann.«

»Ich schon«, sagte Rhodan und sah Bully an. »Verlieren wir keine Zeit mehr. Wir haben schon viel zu lange gewartet.« Wieder an den Thort gewandt, fuhr er fort: »Ich werde Ihre Zusage nicht vergessen. Halten Sie es nicht für eine Laune von mir, aber wenn die geheimnisvollen Wesen tatsächlich länger als die Sonne leben, dann müssen sie noch heute existieren. Denn auch die Sonne lebt ja noch.«

Kekéler trat auf Rofus aus dem Transmitterkäfig. Eine Depesche hatte ihn hinbeordert. Rhodan erwartete ihn mit Bully und dem Mutantenkorps.

Rhodan gab dem farbenprächtig gekleideten Sicha freundschaftlich die Hand.

»Ich freue mich, meinen Verbündeten wiederzusehen«, sagte er. »Wie steht es mit eurem Freiheitskampf?«

»Er fordert seine Opfer und bringt uns keinen Schritt weiter«, gab Kekéler zu. »Die Topsider werden von Tag zu Tag misstrauischer, haben fast alle eingeborenen Hilfskräfte entlassen und die Wachen überall verdoppelt. Wir haben die Verbindung zu mehreren Widerstandsgruppen hergestellt und den Kampf mehr organisiert, dafür werden die Vergeltungsmaßnahmen der Topsider härter. Erst kürzlich wurde ein Dorf der Ferronen zerstört. Alle Bewohner wurden getötet, weil man unter ihnen Freiheitskämpfer vermutete.«

»Es sind die gleichen Methoden, wie man sie auch auf der Erde kannte«, murmelte Rhodan verbittert. Eine steile Falte stand auf seiner Stirn. »Weiter, Kekéler. Neuigkeiten?«

»Keine, Rhodan. Wir werden weiterkämpfen, bis der Thort nach Ferrol zurückkehren kann, oder bis wir ...« Er stockte, dann schluckte er und fügte hinzu: »... alle tot sind.«

»Keine Sorge, das wird nicht geschehen. Ich habe Verstärkung mitgebracht. Einige Angehörige des Mutantenkorps sind den Sichas ja bereits bekannt. Tako Kakuta, zum Beispiel. Auch an Wuriu Sengu wird man sich erinnern. Aber wie sie auch heißen mögen, sie sind die Freunde der Ferronen und damit der Sichas. Das Hauptquartier des Widerstands wird nach Sic-Horum, der Hauptstadt im Gebirge, verlegt. Von dort aus wird Reginald Bull die einzelnen Mutanten je nach Bedarf einsetzen.«

»Es ist alles für eine Aufnahme vorbereitet«, sagte Kekéler.

»Danke. Ich habe mit Bull alle Einzelheiten der Aktion durchgesprochen, und er weiß Bescheid. In drei Tagen werde ich selbst nach Sic-Horum kommen und mich um die letzte Phase des Befreiungskampfes kümmern. Und nun – lebt wohl. Viel Erfolg.«

Kekéler zögerte, dann fragte er: »Uns fehlen Waffen, Rhodan. Ohne Waffen ...«

»Waffen?«, fragte Rhodan erstaunt, dann lächelte er verstehend. »Oh, das hätte ich fast vergessen zu erwähnen. Wir brauchen ab sofort keine Waffen mehr. Von dieser Sekunde an ist der Krieg gegen die Invasoren ein Krieg des Geistes. Unsere Waffe ist das Gehirn. Und ich glaube, unser Gehirn ist besser als das der Topsider.«

3.

Trker-Hon saß seinem Oberbefehlshaber, dem Admiral Chrekt-Orn, gegenüber. Vor wenigen Wochen war Trker-Hon schon so gut wie tot gewesen, als sein Flaggschiff beim Kampf gegen den Arkonidenraumer zerstört wurde. Ein versprengtes Schiff hatte ihn rein zufällig im Raum treibend gefunden und aufgefischt. Die beiden Echsenabkömmlinge wirkten aufgeregt. Das zeigte sich im Ausdruck ihrer breiten Froschgesichter mit den schwarzen, hervorstehenden Augen.

»Die Offensive wird morgen beginnen«, sagte Chrekt-Orn mit Nachdruck. »Wir können damit rechnen, dass der gestohlene Arkonidenkreuzer einen Unfall erlitten hat. Wahrscheinlich wurden die Ferronen nicht fertig mit ihm und verschwanden auf Nimmerwiedersehen im Hyperraum. Somit erhöhen sich unsere Chancen, einen schnellen Sieg über den Gegner zu erringen und das gesamte System in Besitz zu nehmen. Dabei werden wir auch jenes Schiff finden, das den Hilferuf ausschickte, der uns hergelockt hat.«

»Manchmal meine ich«, sagte Trker-Hon sinnend, »dass wir uns irrten und in einem falschen System gelandet sind. Bei der großen Entfernung ist eine Fehlrechnung durchaus möglich.«

»Die Astronomen des Despoten irren sich nie«, erklärte der Admiral streng und erinnerte seinen Untergebenen daran, dass Vorgesetzte niemals Fehler machen. »Dies ist das richtige System, und wir werden das havarierte Schiff der Arkoniden finden und damit einen Ersatz für das verlorengegangene erhalten. Oder wollen Sie ohne ein Arkonidenschiff nach Topsid zurückkehren? Sie wissen, was Sie dort erwartet.«

Das allerdings wusste Trker-Hon sehr gut.

»Der Despot ist ein Narr«, sagte Trker-Hon seelenruhig. »Er ist ein grausamer und zugleich dummer Kerl.«

Der Admiral starrte den Mann fassungslos an und ließ ein zischendes Pfeifen maßloser Überraschung hören. Die Schuppen in seinem Gesicht verfärbten sich.

»Was?«, stieß er hervor und schnappte nach Luft. Bisher hatte noch nie jemand gewagt, derartige Beleidigungen auszustoßen. Es war seine Pflicht, den jungen Offizier sofort vor ein Ehrengericht zu stellen und verurteilen zu lassen. Es gab nur ein Urteil: Tod. »Was sagten Sie?«

»Außerdem sind auch Sie ein Narr, Admiral! Sehen Sie denn nicht, wie ungerecht wir vorgehen? Die Ferronen sind freundliche Wesen, die ein Anrecht auf ihren Heimatplaneten haben. Es ist nicht recht von uns, ihre Welt zu besetzen. Ich wiederhole also: Sie sind ein Narr, weil Sie die Befehle unseres Despoten so widerstandslos ausführen. Das wird Sie später nicht von der Verantwortung befreien, wenn man Sie vor Gericht stellt.«

Der Admiral versuchte, seine in Aufruhr geratenen Gedanken zu beruhigen. Das war ihm in seiner ganzen Laufbahn noch nicht passiert, dass ein Offizier in seiner Gegenwart einfach zu meutern begann. Der Kerl musste den Verstand verloren haben.

»Trker-Hon! Im Namen des Despoten verhafte ich Sie!« Er drückte auf den Knopf seines Nachrichtengeräts und wartete, bis eine Ordonnanz eintrat. »Hjera, holen Sie die Wache! Trker-Hon ist seines Offiziersrangs entkleidet und sämtlicher Ämter enthoben. Er wird vor Gericht gestellt.«

»Sie sind wohl nicht ganz in Ordnung«, sagte die Ordonnanz und rührte sich nicht vom Fleck. Der Admiral hatte das Gefühl, ihn habe der Schlag getroffen. Eine Welt stürzte in ihm zusammen. Sein Volk kannte seit Beginn der Zeiten nur Gehorsam. Das geringste Anzeichen einer Rebellion wurde stets mit entsprechenden Mitteln unterdrückt. Und nun ...

Er gab Alarm. Bewaffnete Posten stürzten ins Zimmer. In ihren Händen trugen sie gefährliche Strahlenwaffen.

»Nehmt die beiden fest!«, keuchte Chrekt-Orn atemlos. »Sie verhöhnen den Despoten. Vor Gericht mit ihnen! Sie sollen ...«

Er fand keine Worte mehr und sank hinter seinem Tisch zusammen. Er war zu alt, diese Ungeheuerlichkeit länger zu ertragen. Schweigend entwaffneten die Posten die beiden Übeltäter, in deren Gesichtsausdruck sich plötzlich nichts als maßlose Überraschung zeigte. Völlig überrumpelt ließen sie sich abführen.

»Was ist denn geschehen?«, konnte Trker-Hon nur murmeln, aber er bekam keine Antwort auf seine Frage.

Doch das war nur der Anfang der Offensive der Mutanten.

Bully hatte den Einmanntransmitter im Roten Palast wieder in Betrieb genommen und hatte somit die Möglichkeit, seine Leute einzeln direkt in die Zentrale der Topsider zu schicken. Der Empfangskäfig stand in einem Geheimfach zwischen Hohlwänden und war vom Gegner bisher noch nicht entdeckt worden. Ein enger Gang verzweigte sich und führte zu verschiedenen Räumen, Kammern und Korridoren. Diese Einrichtung ermöglichte es Bullys Leuten, jederzeit überall im Palast unerwartet aufzutauchen und wieder zu verschwinden. Die Erbauer hatten wirklich an alles gedacht, aber sicherlich niemals geahnt, dass ihre weise Voraussicht einmal dazu dienen würde, eine Invasion Fremder abzuwehren.

Wuriu Sengu war wieder einmal die Schlüsselfigur. Zusammen mit Bully hockte er in einer Ecke der Hohlmauer und ließ seine unglaubliche Fähigkeit spielen. Der kräftig gebaute Japaner war der »Seher« des Mutantenkorps. Feste Materie bedeutete für seine Augen kein Hindernis. Er sah durch alles hindurch und konnte jeden Gegenstand erkennen, auf dessen Atomstruktur er sich einstellte.

»Was ist?«, flüsterte Bully gespannt. Ihm machte dieser Kleinkrieg mitten im Hauptquartier der Echsen großen Spaß. Seine angeborene Lust, die Dinge zu komplizieren, verhinderte, dass er einfach die Mutanten losließ und ihnen befahl, die Armee der Topsider meutern zu lassen. Nein, wenn schon, dann wollte er auch seine Freude an der Geschichte haben. Die Topsider sollten ihr Leben lang an diesen Kriegszug zurückdenken.

Der Japaner flüsterte zurück: »Der Admiral hat den Offizier und die Ordonnanz verhaften lassen. André Noir hat seine Sache ausgezeichnet gemacht.«

In der anderen Ecke kicherte der in Japan geborene Franzose befriedigt. Er wurde als »Hypno« bezeichnet und konnte fremden Menschen seinen Willen aufzwingen. Aber nicht nur Menschen, sondern auch außerirdischen Intelligenzen, wie sich gerade erneut bewiesen hatte.

»Ist das ein Spaß! Ich habe diesen Trker-Hon soeben aus dem Bann entlassen. Er kann sich natürlich an nichts erinnern und wundert sich, warum der General ihn verhaften ließ.«

»Admiral«, verbesserte ihn Sengu sanft.

»Ist doch egal, Wuriu. Hauptsache ist, der Echsenhäuptling sieht die Disziplin seiner Leute schwinden. Er wird sich das nicht erklären können und an seinem Verstand zu zweifeln beginnen. Das beste wird sein, er beginnt allmählich an Geister zu glauben.«

»Das wird kaum ausbleiben.« Bully grinste im Schein der schwachen Lampe. »Die gesamte Streitmacht der Topsider soll an Geister glauben. So möchte es Rhodan.«

Sengu starrte gegen die Wand.

»Die Posten bringen die beiden Gefangenen in ein Gefängnis und sperren sie darin ein. Ich bin gespannt, was der Admiral nun tun wird. Ob er seinen besten Mitarbeiter zum Tode verurteilen lässt?«

»Die Moral der Echsen lässt keine andere Möglichkeit zu«, erwiderte Bully nickend. »Eine verrückte Rasse.«

»Warum?«, fragte André Noir ernst. »Ich kann mich entsinnen, dass es auch auf Terra einst eine Zeit gab ...«

»Still!«, rief Anne Sloane, die sich bisher nicht bemerkbar gemacht hatte. Die zierliche Amerikanerin war eine Telekinetin. Sie konnte auf große Entfernungen hin jeden Gegenstand kraft ihres Geistes anheben und transportieren. Ihre rechte Hand lag fest in der Sengus.

Der Seher flüsterte ihr zu: »Der Admiral kommt wieder zu sich. Er spricht in den Kommunikator. Ich kann natürlich nicht verstehen, was er sagt.«

»Aber ich«, warf Marshall, der Telepath, ein. »Er gibt den Befehl zur Einberufung einer außerordentlichen Einsatzbesprechung. Alle Kommandanten der nicht im Einsatz befindlichen Schlachtkreuzer sind eingeladen. Gleichzeitig hat er angeordnet, dass die Hypersendegeräte vorbereitet werden. Er will nach der Konferenz eine Direktverbindung zum Despoten auf Topsid herstellen. Donnerwetter, das sind über achthundert Lichtjahre. Da bin ich aber gespannt.«

»Die Nase kann er doch wohl noch nicht voll haben«, meinte Bully. Seine Stimme klang so enttäuscht, dass Anne unwillkürlich lachen musste. »Er soll doch richtige Angst bekommen, ehe er ...«

»Keine Sorge«, unterbrach ihn Marshall. »Ganz im Gegenteil! Er will vom Despoten die Erlaubnis zur Aufgabe des achten Planeten erhalten und gleichzeitig die Genehmigung, Ferrol zu zerstören. Dann sagte er noch etwas, als er das Gerät abschaltete, aber ich begreife nicht, was er damit meint.«

»Was war das?« Bully wurde hellhörig.

»So ähnlich wie: ›die falsche Welt, aber ich werde die richtige schon finden‹.«

»Er meint die Erde«, sagte Sengu bestürzt.

»Leben wir auf der Erde länger als die Sonne?«, meinte Noir.

Bully schoss aus seiner Ecke hoch.

»Was?«, keuchte er erregt. »Sagen Sie das noch einmal!«

Marshall lächelte triumphierend. »Habe ich Sie endlich einmal aus Ihrem Phlegma aufgeschreckt? Ja, das murmelte der Admiral. Er murmelte von der richtigen Welt, deren Bewohner länger als die Sonne leben.«

»Rhodan wird es sehr interessieren«, meinte Bully und sank wieder auf seinen Platz zurück. »Wann ist die Konferenz?«

»In einer Stunde. Danach das Gespräch mit Topsid.«

Bully fingerte an seinem winzigen Funkgerät herum, das er am Armband trug.

»Die können sich auf einiges gefasst machen«, prophezeite er.

Als Admiral Chrekt-Orn den kleinen Sitzungssaal betrat, verstummten die Gespräche der versammelten Offiziere. Chrekt spürte die gespannte Atmosphäre und das ihm entgegenschlagende Befremden.

Er grüßte knapp und bat, Platz zu nehmen. Dann, als gäbe es nichts Selbstverständlicheres, stieß der ehrwürdige Admiral mit den bereits erblassten Schuppen ein merkwürdiges Krähen aus, breitete die Arme aus, wedelte damit und stieg dann schwerelos zu den wuchtigen Beleuchtungskörpern empor, wo er sich bequem zwischen den metallenen Armen niederließ. Von hier aus sah er auf die völlig Fassungslosen hinab und begann mit seiner Ansprache.

»Meine Herren Offiziere! Unsere Feinde, die Ferronen, bedienen sich der abscheulichsten Mittel, unsere Herrschaft zu brechen. Noch vor wenigen Minuten beschimpfte Trker-Hon in meinem Beisein unseren Despoten. Er nannte ihn einen Narren, was meiner Meinung nach viel zu gelinde ausgedrückt ist. Aus diesem Grund ließ ich ihn verhaften und werde ihn zum Tode verurteilen. Es geht nicht an, dass ...«

Weiter kam er nun doch nicht. Jemand stieß ein schrilles Pfeifen aus, wandte sich auf der Stelle um und huschte aus dem Saal. Einige ebenfalls weniger beherzte Echsen folgten. Lediglich ein älterer Offizier erfasste seine Chance, auf die er lange genug hatte warten müssen.

»Ruhe!«, rief er mit voller Lautstärke. »Die Fremden, die den Ferronen helfen, arbeiten mit Geisteskräften. Lasst euch nicht irremachen! Bleibt ganz ruhig und gefasst und nehmt euch an mir ein Beispiel. Wir müssen den Gegner ...«

Weiter kam er nicht. Weil diesmal André Noir nicht eingriff und ihm eine Illusion vorgaukelte, erlebte er alles bei vollem Bewusstsein mit, genauso wie die restlichen im Saal anwesenden Topsider. Er verlor plötzlich den Boden unter den Füßen und segelte schräg zur Decke empor, auf den zwischen den Lampen hockenden Admiral zu. Bald saßen beide Topsider eng aneinandergeklammert auf dem schmalen Platz und starrten verwundert und mit gesträubten Schuppen auf das Chaos unter ihnen.

Die anwesenden Echsen hatten genug gesehen. Ihre beiden Senior-Offiziere standen mit dem Bösen in Verbindung und wollten sie alle verderben. Da kämpfte man schon lieber mit den Ferronen, die man leichter besiegen konnte. In wilder Flucht wurde der Saal geräumt. Zurück blieben nur der Admiral und sein ältester Offizier und warteten, dass jemand sie von der Decke herabholte.

Eine knappe Stunde darauf erhielt der Despot aus Topsid einen ausführlichen, aber doch recht konfusen Bericht von den Ereignissen im System der Wega. Er gab Befehl, den besetzten Planeten unter allen Umständen zu halten, bis die sofort in Marsch gesetzte Prüfungskommission einträfe. Er setzte einen neuen Oberbefehlshaber ein und stattete ihn mit allen Vollmachten aus.

Der neuernannte Kommandant, Rok-Gor, begann seine Laufbahn damit, dass er sofort den Befehl erließ, mit einem starken Kampfgeschwader den Planeten Rofus anzugreifen und die dort stationierten Truppen der Ferronen zu vernichten.

Leider beging er damit den Fehler, die für ihn und sein Volk so verhängnisvolle Entwicklung nur zu beschleunigen, aber das konnte er natürlich nicht wissen.

Bully schüttelte in seinem Versteck energisch den Kopf.

»Nein, Rhodan hat befohlen, dass wir sie in Ruhe lassen. Sie sollen angreifen. Deringhouse ist mit seinem Jagdgeschwader auf der Hut. Ras Tschubai ist bei ihm. Wie die beiden das in der engen Kabine des Raumjägers aushalten, ist mir ein Rätsel. Ich kann mir aber vorstellen, was passieren wird. Schließlich bin ich ja ein Mann mit Phantasie.«

Er hatte sich überschätzt, denn das, was wirklich geschah, hatte er sich nicht träumen lassen.

Deringhouse saß vor den Steuerkontrollen seines kleinen Schiffes, dessen Kabine gerade groß genug war, bequem einen Mann zu halten. Ras Tschubai, der Afrikaner, besaß eine kräftige Statur. Er saß eingepfercht in der anderen Ecke der Kabine und versuchte, aus einer Sichtluke zu schauen. Es gelang ihm, einen Großteil des sie umgebenden Weltraums zu beobachten. Ras war einer der Teleporter des Mutantenkorps. Er vermochte sich kraft seines Willens an einen anderen Ort zu versetzen.

Über die Zentralstation auf Rofus stand Deringhouse mit Rhodan in direkter Verbindung. So erfuhr er von der Annäherung der Flotte, die den Auftrag hatte, den Planeten Rofus anzugreifen.

Die übrigen dreiundfünfzig Maschinen schwärmten ständig aus, um eventuelle Vorpostenschiffe der Topsider irrezuführen. Die Jäger hielten sich genau zwischen Rofus und Ferrol auf.

Der inzwischen wieder freigelassene Trker-Hon führte das Geschwader der Topsider. Zwar konnte er sich die jüngsten Vorfälle auch nicht erklären, aber er schüttelte die heimliche Angst, die in seinem Nacken lauerte, energisch ab und war fest entschlossen, die Quelle allen Unheils – Rofus, wie er dachte – auszuschalten. Dass der unheimliche Feind ausgerechnet im eigenen Hauptquartier zu suchen war, konnte er natürlich nicht ahnen.

Die zwanzig Wulstkreuzer kamen aus dem Planetenschatten Ferrols hervor und glitten hinein in die strahlende Lichtfülle der Wega. Ihre Ortungsgeräte spürten die Raumjäger sofort auf, und Trker-Hon gab den Befehl zum Angriff.

Er hockte in halb liegender Haltung hinter den Kommandogeräten und starrte durch die breiten Sichtluken auf den verhassten Gegner, von dem er wusste, dass er schneller war als alle Schiffe der Topsider. Um so erstaunlicher schien es ihm, dass die mehr als fünfzig kleinen Schiffe keine Anstalten machten, zu entkommen. Wollten sie sich dem konzentrierten Angriff der zwanzig Kreuzer stellen?

Über Telekom stand er mit den Kommandanten der anderen Kreuzer in ständiger Verbindung. Eine leise Hoffnung schwang in seiner Stimme, als er den geringfügigen Kurswechsel und somit den Angriff auf das feindliche Geschwader befahl. Er würde es den Arkoniden und ihren Freunden, die sicherlich mit ihnen verwandt waren, schon zeigen. Für ihn jedenfalls waren sie alle Arkoniden und gehörten somit zu jenen, die die Galaxis zu beherrschen versuchten; eine Aufgabe, die nur den Topsidern zustand.

Der Erste Offizier des Flaggschiffs trat in die Zentrale. Als er genau in der Mitte des Raumes stand und sich bei dem Kommandanten melden wollte, geschah etwas sehr Merkwürdiges. Trker-Hon konnte es genau beobachten, denn er hatte sich umgedreht.

Die Luft neben dem Ersten Offizier begann zu flimmern, als sei sie plötzlich stark erhitzt worden. Irgend etwas schob die stehende Echse mit einem plötzlichen Ruck ein Stück zur Seite – und wurde dann sichtbar. Mitten in der Zentrale, direkt neben dem Topsider, materialisierte Ras Tschubai.

Er grinste über das ganze Gesicht, als er den Schreck der beiden Topsider bemerkte. Die Augen der Echsen quollen noch weiter vor, als das ohnehin schon der Fall war. Die Schuppen standen fast senkrecht ab. Dann verfärbten sie sich und wechselten von Rosa ins Grünliche.

Ras nahm dem erstarrten Ersten Offizier den Strahler aus dem Gürtel und richtete ihn in aller Gemütsruhe gegen die Schalttafel. Er betätigte den Feuerknopf. Der feine Energiefinger verwandelte die blitzenden Instrumente in eine glühende und tropfende Masse, die unter ungeheurer Hitzeentwicklung verdampfte.

Trker-Hon begriff zwar nichts, aber er handelte wenigstens.

Mit einem Satz rutschte er von seinem Sitz und stürzte sich auf den dunkelfarbigen Geist, aber ehe er zupacken konnte, war dieser spurlos verschwunden. Nur die unbefugt benutzte Strahlwaffe polterte hart auf den Metallboden. Kommandant und Erster Offizier waren wieder allein in der demolierten Zentrale.

Ras Tschubai, der afrikanische Teleporter, versetzte sich in einen anderen Teil des großen Schiffes, riss einige Geschütze aus den Halterungen, jagte die völlig verblüfften Echsen in die Flucht, öffnete die Luftschleuse und entmaterialisierte.

Trker-Hon stellte mit einem Blick fest, dass der Schuss des Eindringlings nur nebensächliche Einrichtungen zerstört hatte. Die Verbindung zu den anderen Schiffen bestand noch, auch konnte er von hier aus rechtzeitig die Luftschleuse wieder schließen. Doch gerade dieser Umstand gab ihm zu denken. Hatte das schwarze Wesen sein Schiff durch die Schleuse verlassen? Dann konnte es also im Vakuum existieren?

Ein kalter Schauder rann über seine gezackten Rückenschuppen. Dann war es auch kein Arkonide gewesen, sondern der Angehörige eines fremden Volkes. Daher vielleicht die unerklärlichen Fähigkeiten?

Ein Blick auf die Bildschirme bestätigte ihm, dass die kleinen Feindschiffe den Abstand hielten. Ob man sich ihnen näherte oder sich von ihnen zu entfernen versuchte, der Abstand blieb unverändert. Trker-Hon rief die anderen Kreuzer.

»Kurs auf den neunten Planeten! Wir lassen uns nicht davon abhalten, den Befehl Rok-Gors auszuführen. Der rechte Flügel ...«

Er stockte. Das Wort blieb ihm im Hals stecken. Auf dem kleinen Bildschirm, der die Zentrale des Schiffes sieben zeigte, geschah etwas. Es erinnerte Trker verzweifelt an das, was er vor wenigen Sekunden selbst erlebt hatte.

Hinter dem Kommandanten von Nummer sieben materialisierte das schwarze Gespenst. Trker war nicht fähig, dem ahnungslosen Topsider eine Warnung zuzurufen, so faszinierte ihn der Vorgang, der nun auch von den meisten anderen Kommandanten beobachtet werden konnte, da Ras genau vor der Linse des Telekomgeräts gelandet war.

Trker sah, wie der Geist – oder was immer es auch war – dem Offizier auf die Schulter tippte. Der Topsider fuhr herum, eine so respektlose Handlungsweise nicht gewohnt. Er erstarrte mitten in seinen Bewegungen, als er Ras sah.

Nun fand Trker endlich seine Stimme wieder.

»Den Strahler – sofort töten!«, krächzte er. »Schnell!«

Wenn der Kommandant von Schiff Nummer sieben den Befehl auch hörte, so verriet er es mit keiner Bewegung. Wie hypnotisiert hockte er halb umgedreht auf seinem Sitz und rührte sich nicht.

Ras Tschubai grinste und ging zur Instrumententafel. Wahllos zog er einige Hebel vor, drückte Knöpfe ein und drehte einige Schalter. Der Kommandant folgte seinen Bewegungen nur mit den Augen. Rühren konnte er sich nicht.

Noch während Ras entmaterialisierte, um in Schiff Nummer drei aufzutauchen und die Mannschaft des Maschinenraums in Angst und Schrecken zu versetzen, begann Schiff Nummer sieben auf die veränderten Einstellungen zu reagieren und verrückt zu spielen.

Es schoss quer aus dem Verband der Flotte heraus, vollführte sinnlose Manöver und schlingerte dann in völliger Querlage und mit aus allen Rohren feuernden Geschützen auf die hellstrahlende Wega zu. Trker verlor es bald aus den Augen und erhielt keine Antwort mehr.

Ihm blieb auch keine Zeit, länger über den Vorfall nachzudenken, denn es geschah nun etwas anderes, eigentlich noch viel Unglaublicheres.

Die kleinen Raumjäger des Gegners griffen an. Sie kamen mit irrsinniger Beschleunigung herangeschossen, streiften die schwerfälligen Kreuzer fast, brachten die Formation vollkommen durcheinander und zogen sich dann völlig unmotiviert wieder zurück, um das Spiel nach wenigen Minuten erneut zu wiederholen.

Trker befahl den Einsatz der schweren Strahler, musste aber bald feststellen, dass sie nur ihre kostbare Energie verschwendeten. Die kleinen Raumjäger waren viel zu wendig und schnell, als dass die Topsider auch nur einen einzigen Treffer anbringen konnten.

Und dann passierte es.

Kreuzer Nummer dreizehn glitt plötzlich der Formation voraus, wendete und versperrte mit seiner Breitseite der nachfolgenden Flotte den Weg. Auf den Bildschirmen der anderen Schiffe erschien das Gesicht des Kommandanten von Kreuzer Nummer dreizehn.

»Ich übernehme das Kommando über das Geschwader! Rückkehr nach Ferrol! Sofort wenden, ich eröffne das Feuer!«

Noch ehe Trker überhaupt begriff, was geschah, schossen die blassen Energiefinger der Strahlgeschütze auf die anderen Kreuzer zu. Alle Schutzschirme absorbierten die überraschende Energiezufuhr reibungslos, nur Kreuzer Nummer neun musste für einen Augenblick abgeschaltet haben. Er verschwand. An seiner Stelle trieb eine leicht phosphoreszierende Wolke im Raum, die sich schnell ausdehnte und allmählich unsichtbar wurde.

Der rebellierende Kreuzer dreizehn aber ordnete sich ohne Kommentar wieder ein und tat so, als sei nichts geschehen. Lediglich fragte der Kommandant nach einigen Sekunden, wo Kreuzer Nummer neun geblieben sei. Trker-Hon zitterte an allen Gliedern, als er versuchte, eine Antwort zu geben. Er wusste, dass der Offizier auf Nummer dreizehn nicht aus eigenem Willen heraus so gehandelt hatte, sondern dass er der gleichen bösen Macht erlegen war, die auch ihn, Trker, fast ins Unglück gestürzt hätte. Diese Arkoniden und ihre unbekannten Freunde mussten Machtmittel besitzen, von denen sich niemand eine klare Vorstellung machen konnte.

In dieser Sekunde spürte er den fremden Geist, der in sein eigenes Gehirn eindrang. Aber es war ganz anders als damals. Diesmal erlosch sein Bewusstsein nicht völlig, sondern blieb zu einem Bruchteil erhalten. Zwar hatte er die Macht über seine Entschlusskraft verloren, aber er war immer noch fähig, das Fremde, Unerklärliche, das nun in seinem Gehirn hauste, zu verstehen, wenn auch nicht zu begreifen.

»Wir können euch vernichten«, sagte eine Stimme, die er nicht hörte, aber doch verstand. »Und wir werden es auch tun, wenn ihr den nutzlosen Kampf nicht aufgebt. Kehrt sofort um, Trker-Hon! Berichtet Rok-Gor von eurem missglückten Angriff auf Rofus. Zieht euch aus dem System der Wega zurück, oder keines eurer Schiffe wird die Heimat Topsid wiedersehen.«

Trker spürte den Druck nachlassen und seine eigene Denkfähigkeit zurückkehren. Er starrte auf das Mikrophon des Telekoms. Seine Krallenfäuste schossen vor und umklammerten es. Mit krächzender Stimme rief er seinen Kommandanten zu: »Planet neun wird angegriffen und vernichtet! Lasst euch durch nichts abhalten! Und wenn ich gegenteilige Befehle erlasse ...«

Weiter kam er nicht. Er fühlte, wie das Fremde erneut eindrang und sein Bewusstsein nun völlig ausschaltete. Vor seinen Augen wurde es schwarz. Aber die Unterbrechung dauerte nur eine einzige Sekunde. Dann sprach er weiter, und es war die gleiche krächzende Stimme wie zuvor.

»... so hat das seine Gründe. Wir fliegen sofort nach Ferrol zurück und geben den Angriff auf. Verstanden?«

Niemand verstand. Aber die Schiffe wendeten gehorsam und nahmen Kurs auf Ferrol. Und niemand ärgerte sich später mehr darüber als Trker-Hon selbst, als er vor Rok-Gor stand und keine vernünftige Erklärung wusste.

»Schon gut«, sagte der Oberbefehlshaber und starrte gegen die Decke. »Berichten Sie in den nächsten Tagen der Prüfungskommission von Ihrem Erlebnis. Sie hat Ihre Ankunft bereits gemeldet.«

In Sic-Horum, der Hauptstadt der Sichas, nahm Perry Rhodan die Berichte seiner Leute und der ferronischen Agenten entgegen. Gloktor, Chef der Widerstandsgruppen gegen die Topsider auf dem besetzten Planeten, sprach in seiner knappen, trockenen Art. Er ähnelte in seiner äußeren Form den Menschen, wenn auch der Mund ein wenig zu klein geraten schien. Tief lagen die klugen Augen in den Höhlen. Seine Hautfarbe war, wie bei allen Ferronen, durch die Einwirkungen der Wega bläulich. Haare bedeckten den Kopf und das halbe Gesicht.

»Die Gruppen in Thorta sind aktiver geworden. Allein in den vergangenen drei Tagen wurden vier Wachtposten der Topsider getötet und mindestens zwanzig gefangen genommen. Zwei Transportfahrzeuge konnten durch Sprengung vernichtet werden.«

»Ausgezeichnet.« Rhodan nickte zufrieden. »Was unternehmen die Topsider dagegen?«

»Sie haben nun endgültig alle Hilfskräfte entlassen und beschäftigen keine Ferronen mehr, da sie ihnen zu unzuverlässig erscheinen. Das hat natürlich gewisse Nachteile ...«

»... die wir schon genügend ausgleichen«, unterbrach ihn Rhodan. »Sie werden ja wissen, dass wir unsere Augen und Ohren überall haben.«

»Ich hörte es.« Der Sicha grinste belustigt. »Überall in Thorta spricht man davon, dass es spukt. Die Geister stehen jedoch auf der Seite des Rechts.«

»Das tun sie allerdings. Danke, Gloktor, das wäre alles. Sie werden Ihre Tätigkeit auch weiter fortsetzen, damit der Feind keine Ruhepause erhält. Darf ich nun Kekéler bitten.«

Kekéler war das Oberhaupt der Sichas, die in den Gebirgen von Ferrol lebten. Trotz seines Alters und seines scheinbar stets mürrischen Wesens war er Rhodan sehr zugetan und hätte sein Leben dafür geopfert, ihm bei der Vertreibung der Invasoren zu helfen.

»Der Feind wird nervös«, sagte er ruhig. »Die Aktionen unserer Widerstandsgruppen haben bewirkt, dass bereits zwei entlegene Stützpunkte der Topsider geräumt wurden. Sie wurden inzwischen von regulären Streitkräften der Ferronen besetzt. Das ist ein großer Erfolg. Die Nachrichten sickern nur langsam zu uns durch, daher muss es mir versagt bleiben, einen ausführlichen Bericht zu geben, aber ich weiß, dass die Tage des Feindes auf Ferrol gezählt sind.«

Rhodan nickte anerkennend und sah dann Bully an, der ungeduldig wartete.

»Das Mutantenkorps, Bully?«

»Macht die Echsen verrückt!«, platzte Bully heraus und sah sich triumphierend um. »Sie schießen aufeinander, machen sich gegenseitig das Leben schwer und sind sich nicht mehr einig. Morgen trifft eine Kommission von Topsid ein, um die Verhältnisse zu überprüfen. Ich plane eine entsprechende Schau, um ihnen den Rest zu geben. Sie wird direkt nach Topsid übertragen, so dass auch der Despot persönlich daran teilnehmen kann. So ein interessantes Fernsehspiel hat der Despot noch nicht gesehen.«

»Daran zweifle ich nicht«, gab Rhodan zu. »Aber du darfst auf keinen Fall übertreiben. Wir besprechen die Einzelheiten noch. Alle Mutanten stehen dir morgen zur Verfügung. Deine Aktion muss eindrucksvoll werden, darf aber keinerlei Hinweise auf ihren Ursprung geben. Das ist sehr wichtig. Ich möchte die Topsider auf eine falsche Spur lenken. Ich kehre jetzt nach Rofus zurück. Bully, du begleitest mich. Kekéler, Sie bereiten alles auf den morgigen Einsatz vor. Um die Verwirrung der Topsider zu erhöhen, wird noch heute ein Geschwader meiner Raumjäger bei Ihnen landen. Sie werden von hier aus operieren und die Überwachungsstreitkräfte des Gegners in Bewegung halten. Sie dürfen keine Zeit zum Denken erhalten.«

Mit dem Materietransmitter kehrten Bully und Rhodan nach Rofus zurück. Es war immer wieder ein seltsames Erlebnis, in den Gitterkäfig zu steigen, die Einstellung zu betätigen und den rätselhaften Mechanismus auszulösen. Eigentlich geschah nichts. Man stieg Sekunden später einfach aus und hatte viele Millionen Kilometer in entmaterialisiertem Zustand zurückgelegt. Der Weg führte durch einen übergeordneten Raum, eine Dimension, deren Verständnis fünfdimensionales Denken voraussetzte.

Rhodan seufzte, als er wieder einmal bei diesem Punkt seiner Überlegungen angelangt war. Immerhin hatte der Thort ihm zugesichert, sich ungestört mit Lossoshér, dem führenden Wissenschaftler der Ferronen, unterhalten zu können. Der alte und weise Mann war Mitglied des Ministerrats und galt als einer der klügsten Köpfe der jetzigen Generation.

»Von unserem Gespräch mit Lossoshér wird abhängen«, sagte Rhodan zu Bully, »wie deine Vorstellung morgen verlaufen wird. Allerdings befürchte ich, dass der Thort dem Wissenschaftler gewisse Grenzen gesetzt hat, aber die Telepathin Ishy Matsu wird bei dem Gespräch anwesend sein und mir Informationen geben. Wir haben somit die Möglichkeit, noch während des Gesprächs mit Lossoshér zu erfahren, ob er lügt. Wir werden sogar wissen, was er in Wirklichkeit bei einer Lüge gedacht hat.«

»Blödsinnige Situation«, schimpfte Bully, als sie mit dem Elektrowagen zum derzeitigen Palast des Thort fuhren. »Da helfen wir diesen Brüdern, und sie misstrauen uns.«

»Wir müssen das zu begreifen versuchen«, verteidigte Rhodan die Ferronen. »Was ich von ihnen wissen möchte, berührt ein uraltes geschichtliches Ereignis, das nur noch in ihrer Überlieferung existiert. Ich nehme an, Einzelheiten sind ihnen selbst nicht mehr bekannt, aber ich weiß, dass es mit den Materietransmittern zusammenhängt. Dieses Ereignis, das Jahrtausende zurückliegt, muss erfreulicher und zugleich peinlicher Natur gewesen sein. Der Thort wird unter allen Umständen zu verhindern suchen, dass ich es in allen Einzelheiten erfahre – wenn es überhaupt Einzelheiten geben sollte.«

»Du meinst, jemand hat den Ferronen die Materietransmitter geschenkt?«

Rhodan nickte. »Genau das meine ich. Und ich möchte gern wissen, wer das tat.«

Der Wagen hielt, und die beiden Männer stiegen aus. Ishy Matsu, die zierliche Japanerin, erwartete sie bereits. Zehn Minuten später saßen sie Lossoshér gegenüber.

Der alte Wissenschaftler nickte bedächtig.

»Der große Thort berichtete mir, was Sie zu wissen wünschen. Ich gebe zu, es ist ein heikles Thema, aber unser gemeinsamer Kampf gegen die Topsider hat uns zu Freunden gemacht, und wir sollten keine Geheimnisse voreinander haben. Der Thort hat mir erlaubt, alles zu sagen, was ich über die Herkunft der Transmitter weiß.«

»Danke«, sagte Rhodan. »Es ist mir klar, dass der Thort uns damit großes Vertrauen entgegenbringt, aber gerade der Transmitter beweist in seiner technischen Ausführung die unglaubliche Genialität seiner Erbauer. Ich möchte wissen, warum die Ferronen heute nicht mehr in der Lage sind, neue Transmitter zu bauen. Der Thort gab mir vor meinem Flug nach Sol Pläne. Aber mit diesen Plänen ließ sich nichts anfangen, außer, dass sie gewisse Hinweise auf ein bestimmtes Geheimnis enthielten.«

»Die Ferronen haben die Transmitter niemals bauen können«, sagte der Wissenschaftler weiter, ohne Rhodan mit dieser Neuigkeit überraschen zu können. »Es war ein fremdes Volk, dem wir einst einen großen Dienst erweisen konnten. Es machte uns eine größere Anzahl der geheimnisvollen Geräte zum Geschenk und stellte uns die Bauanleitung zur Verfügung. Aber wir sollen Transmitter erst bauen können, wenn wir die notwendige technische und ethische Reife erreichen. Daher liegen die echten Pläne in einem Gewölbe des Roten Palasts auf Ferrol, durch fünfdimensionale Schlösser und ein fünfdimensionales Schutzfeld gesichert. Es ist völlig unmöglich, in dieses Gewölbe zu gelangen, es sei denn, man denkt auch fünfdimensional und findet somit den Schlüssel. Jene, die den Ferronen das wertvolle Geschenk machten, haben vorgesorgt. Niemals kann die Macht der Transmitter missbraucht werden, denn nur der wird sie konstruieren können, der die erforderliche Reife besitzt.«

Ishy Matsu nickte Rhodan unmerklich zu. Der Ferrone sprach die Wahrheit.

»Wer waren diese Fremden?«, fragte Rhodan, ohne zu zögern. Auch hier hatte er seine Vermutungen, die er gerne bestätigt wissen wollte.

Lossoshér lächelte, und sein Blick verlor sich in weiter Ferne. Es war, als wolle er in die Jahrtausende zurückschauen, um die Ereignisse der Vergangenheit heraufzubeschwören.

»Wir kannten damals noch keine Raumfahrt und standen erst am Beginn unserer Geschichte. Aber wir wussten, dass wir nicht allein im Universum waren. Denn wir erhielten Besuch aus dem Weltraum. Zuerst landete eine riesige Kugel bei uns, aber die Überlieferung ging verloren. Wir wissen heute nicht mehr, was eigentlich geschah. Die Begegnung blieb ohne Folgen. Die Fremden verließen uns wieder und kehrten auch nie mehr zurück. Das muss vor zehn oder zwölf Jahrtausenden gewesen sein. Wir vermuten, dass einige unserer Götter die ersten Besucher aus dem Raum zum Vorbild hatten.«

»Ähnlich wie bei uns«, flüsterte Bully, aber niemand achtete auf ihn.

»Dann erfolgte der zweite Besuch«, fuhr der ferronische Gelehrte fort. »Er unterschied sich in mehreren Einzelheiten vom ersten. Das wichtigste dürfte sein, dass die Besucher nicht freiwillig kamen, sondern auf Ferrol notlandeten. Dadurch entstand zwangsläufig ein Kontakt, der vielleicht nicht einmal vorgesehen war. Das Schiff der Fremden, ein riesiger Zylinder, zerschellte in den Gebirgen der Sichas und verglühte, nachdem die Reisenden es verlassen hatten. Fast alle Insassen wurden gerettet. Unsere Vorfahren, die sie anfänglich für jene damals gelandeten Götter hielten, nahmen sie gastfreundlich auf und brachten ihnen später die erbetenen Rohmaterialien, mit denen sie geheimnisvolle Geräte bauten, die ihnen die Rückkehr in die Heimat ermöglichen sollten. Sie vermuten richtig, wenn Sie meinen, dass es sich dabei um Materietransmitter handelte. Sie wussten keinen anderen Ausweg, denn alle Funkinstrumente und Nachrichtenmittel waren bei der Katastrophe zerstört worden. Dann, eines Tages, waren die Fremden verschwunden.«

»Und die Transmitter blieben zurück?«

»Ja. Aber zuvor klärte der Leiter der missglückten Expedition unseren damaligen Thort auf. Die Fremden stammten aus unserem System und kamen von einem Planeten, der jenseits von Rofus seine Bahn um Wega zieht. Es muss also der zehnte Planet gewesen sein. Sie standen am Beginn der Raumfahrt, und dies war eine ihrer ersten größeren Expeditionen. Unsere Vorfahren verstanden nur wenig von den technischen Dingen, aber sie ahnten doch, dass diese Ereignisse später einmal von Bedeutung sein würden. Also fertigten sie Berichte an, die sich bis heute erhalten haben. Daher unsere genaue Kenntnis der Vorgänge.«