Perry Rhodan 2: Die dritte Macht - Clark Darlton - E-Book

Perry Rhodan 2: Die dritte Macht E-Book

Clark Darlton

5,0

Beschreibung

Die erste Mondexpedition kehrt zurück - mit einem Wissen, das die Welt vor dem Atomkrieg rettet ... Perry Rhodan und die drei anderen Risikopiloten der US-Raumforschungskommandos waren mit der STARDUST als erste Menschen auf dem Mond gelandet. Hier aber stellten sie fest, dass sie nicht die ersten waren! Sie fanden das notgelandete Riesenraumschiff der Arkoniden vor. Diese Fremden, Vertreter einer galaktischen Großmacht, sind trotz ihrer grenzenlos überlegenen Technik hilflos. Sie leiden an einer Blutkrankheit, die nur die irdische Medizin zu heilen vermag. Perry Rhodan, der Kommandant der STARDUST, beschließt, den Arkoniden zu helfen. Mit Crest, dem wissenschaftlichen Führer der Arkonidenexpedition, an Bord, kehrt er zur Erde zurück. Perry Rhodan landet aber nicht in den USA, sondern in der Einsamkeit der Wüste Gobi, da er verhindern will, dass die mitgebrachten Errungenschaften der arkonidischen Supertechnik in den Besitz einer irdischen Großmacht gelangen. Rhodan hat sehr gute Gründe für diese Handlungsweise, aber seine Vorgesetzten sehen in ihm nur einen schändlichen Verräter...

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Nr. 2

Die dritte Macht

Die erste Mondexpedition kehrt zurück – mit einem Wissen, das die Welt vor dem Atomkrieg rettet ...

von CLARK DARLTON

Perry Rhodan und die drei anderen Risikopiloten des US-Raumforschungskommandos waren mit der STARDUST als erste Menschen auf dem Mond gelandet.

Hier aber stellten sie fest, dass sie nicht die ersten waren! Sie fanden das notgelandete Riesenraumschiff der Arkoniden vor. Diese Fremden, Vertreter einer galaktischen Großmacht, sind trotz ihrer grenzenlos überlegenen Technik hilflos. Sie leiden an einer Blutkrankheit, die nur die irdische Medizin zu heilen vermag.

Perry Rhodan, der Kommandant der STARDUST, beschließt, den Arkoniden zu helfen. Mit Crest, dem wissenschaftlichen Führer der Arkonidenexpedition an Bord, kehrt er zur Erde zurück.

Perry Rhodan landet aber nicht in den USA, sondern in der Einsamkeit der Wüste Gobi, da er verhindern will, dass die mitgebrachten Errungenschaften der arkonidischen Supertechnik in den Besitz einer irdischen Großmacht gelangen.

Die Hauptpersonen des Romans

Major Perry Rhodan – Kommandant der STARDUST und Erbe des Universums.

Captain Reginald Bull – Elektronik-Ingenieur der STARDUST. Ein Mann, der Perrys volles Vertrauen besitzt.

Captain Clark G. Flipper – Astronom der STARDUST. Er hält Perry für einen Verräter.

Dr. Eric Manoli – Schiffsarzt der STARDUST. Sein Beruf gebietet es ihm, allen zu helfen, die Hilfe benötigen.

General Lesly Pounder – Chef des US-Raumforschungs-Kommandos. Er freut sich über die Rückkehr der STARDUST.

Allan D. Mercant – Chef der internationalen Abwehr. Ein Freund der Tiere und ein Verächter der Menschen.

Crest – der wissenschaftliche Führer der Expedition einer fremden Rasse.

Professor Lehmann – Chef der Academy of Space Flight und geistiger Vater der STARDUST. Sein wacher Intellekt lässt ihn Dinge erwähnen, die andere Geister noch weit von sich weisen.

Major Perkins – ein Westagent, der ahnungslos in sein Verderben fliegt.

Marschall Roon – Oberbefehlshaber der Landstreitkräfte der Asiatischen Föderation.

Dr. Frank M. Haggard – der Entdecker des Anti-Leukämie-Serums.

Klein, Li-Tschai-Tung und Peter Kosnow

1.

Die Ruhe täuschte.

Die spiegelnde Oberfläche des nordchinesischen Goshun-Salzsees warf keine Wellen. Ruhig und wie erstorben lag er in der weiten Wüste. Kein Windhauch regte sich. Die Luft war erdrückend heiß und trocken. Flimmernd stieg sie über den erhitzten Steinen auf und verlor sich in der Bläue des wolkenlosen Himmels. In der Ferne erhob sich gegen den Horizont eine flachgestreckte Hügelkette, aus der jener Fluss kam, der den Salzsee speiste. Spezialkarten kannten seinen Namen: Morin-gol.

Er war das einzige Lebendige in diesem Teil der Wüste Gobi. Schwer und träge floss er dahin, nicht sehr breit und tief, aber niemals austrocknend. Er war auch das einzige, das sich bewegte.

Keine Pflanze wuchs auf dem steinigen Boden, und kein Tier hätte zwischen den flachen Felsen Nahrung gefunden.

Nichts lebte, und doch täuschte die Ruhe.

Denn jenes schlanke, silbern schimmernde Gebilde kurz vor den Ufern des Flusses passte nicht in das Bild dieser einsamen Wildnis. Es war ein mehr als dreißig Meter langer Flugkörper, dessen aerodynamisch geformter Leib und Deltaflügel im krassen Gegensatz zu der menschenfeindlichen Natur standen.

Die STARDUST, das erste irdische Raumschiff, das je auf dem Mond landete, war zur Erde zurückgekehrt und in der Wüste Gobi gelandet. Die ganze Welt musste es jetzt bereits wissen, aber nur wenige würden zu ahnen beginnen, dass es keine Notlandung, sondern ein beabsichtigtes Manöver gewesen war.

An der Seite des Rumpfes öffnete sich eine rechteckige Luke. Ein Mann erschien und sah hinaus in die leere Wüste. Sein Blick glitt über den Fluss bis hinüber zu den Bergen, dann suchte er den See und blieb auf ihm ruhen. Captain Reginald Bull, Risikopilot des US-Raumforschungskommandos und Ingenieur der STARDUST, sog die Luft in gierigen Zügen ein, obwohl sie alles andere als erfrischend sein musste. Er trug die eng anliegende blaue Uniform der entstehenden Raumflotte. Die Mütze hatte er unter den rechten Arm geklemmt. Er war klein und gedrungen und wurde daher von seinen Kameraden ›Bully‹ gerufen.

In seine fast farblos wirkenden Augen trat ein schwacher Hoffnungsschimmer, als er sich umwandte und in das Innere des Schiffes rief: »Kann man in der Pfütze dort drüben eigentlich baden?«

Jemand kam aus dem dämmerigen Gang und trat neben Bully. Er trug die gleiche Uniform, jedoch fehlten die Schulterstücke. Er mochte etwa 35 Jahre alt sein, besaß eine fast hagere Statur und trug über den harten, graublauen Augen kurzgeschnittene dunkelblonde Haare:

Major Perry Rhodan, der Kommandant der STARDUST und Leiter der ersten Mondexpedition.

»Natürlich kann man das«, beantwortete er Bullys Frage. »Aber das Wasser ist warm und erfrischt nicht. Außerdem enthält es für meinen Geschmack zuviel Salz ...«

»Ich war schon immer für gut gewürzte Speisen«, bestätigte ihm Bully ernsthaft. »Ich würde den See im Notfall sogar austrinken.«

»Du wirst dich aber wundern! Das Wasser des Atlantik wäre gegen das dort drüben eine überzuckerte Limonade.«

Bully – nur sehr selten Reginald Bull genannt – sah hinauf zur Sonne, die fast im Zenit stand.

»Hoffentlich komme ich noch dazu. Lange werden sie uns wohl nicht in Ruhe lassen. Ich hoffe, Crest hat sich etwas einfallen lassen.«

Crest war der wissenschaftliche Leiter einer außerirdischen Expedition, die auf dem Mond notgelandet war. Seine Rasse beherrschte seit Jahrtausenden einen großen Teil der Milchstraße, war aber inzwischen degeneriert. Nun hatte ihn die Leukämie gepackt. Das Blut begann sich zu zersetzen. Er war rettungslos verloren, wenn die Menschen ihm nicht halfen. So hatte er eingewilligt, mit der STARDUST zur Erde zu kommen. Noch wusste niemand, welches Geheimnis das Forschungsschiff mitgebracht hatte.

»Der Schutzschirm wird vorerst genügen. Wie Crest versicherte, kann nichts ihn durchdringen, nicht einmal Atombomben. Ein Hebelgriff genügt, und wir liegen unter einer durchsichtigen Kuppel, gegen die unsere ganze Welt vergeblich anrennen würde.«

»Das beruhigt mich ungemein«, nickte Bully gönnerhaft. »Die Gelben werden nicht lange auf sich warten lassen. Wahrscheinlich denken sie, wir seien ganz aus Versehen in ihren Kakteengarten gefallen und warteten jetzt nur darauf, von ihnen abgeholt zu werden. Alle zehn Finger würden sie sich nach der STARDUST ablecken ...«

»Die Zehen dazu, wenn sie wüssten, was für einen Passagier wir haben«, versicherte ihm Perry Rhodan. »Ich weiß zwar nur aus Andeutungen, welche Machtmittel die Arkoniden besitzen, aber feststeht schon jetzt, dass Crest allein in der Lage ist, die Welt in Schach zu halten. Jedenfalls werden einige Leute bald recht böse auf uns sein.«

Über Bullys breites Gesicht huschte ein flüchtiger Schatten.

»Leider auch unsere eigenen, fürchte ich. Können wir ihnen nicht wenigstens erklären, warum wir nicht nach Nevada-Fields zurückkehrten, wo wir starteten?«

Perry schüttelte den Kopf.

»Du kennst doch General Pounder, unseren Kommandeur. Glaubst du denn, der würde sich nicht für unseren außerirdischen Gast interessieren? Ganz zu schweigen von den Leuten des Geheimdienstes und der internationalen Abwehr. Wenn ich nur an einen gewissen Mercant denke ...«

Allan D. Mercant war Chef der internationalen Abwehr, unterstand nur dem Oberkommando der NATO und führte die Spezialabteilung, die unter der offiziellen Bezeichnung ›International-Intelligence-Agency‹ bekannt war. Es gab kein Land, in dem Mercant nicht seine Agenten sitzen hatte.

Bully seufzte.

»Ich kann Flipp verstehen, wenn er in die Heimat zurück will. Im Grunde seines Herzens sieht er ja vielleicht ein, dass du richtig gehandelt hast, aber er denkt immerzu an seine junge Frau und das Baby, das sie erwartet. Ich weiß nicht, ob wir ihn auf die Dauer halten können.«

»Wenn er will, kann er gehen«, sagte Perry überraschend.

Bully schluckte.

»Gehen? Wohin denn?« Er zeigte mit seinen Wurstfingern in die Wüste hinaus. »Vielleicht dorthin? Willst du, dass er sich verläuft?«

»Es wird nicht mehr lange einsam bei uns bleiben.« Perry sah auf seine Uhr. »Ich wundere mich, dass noch keine Luftaufklärer aufkreuzen.«

Er nickte Bully zu und kehrte ins Schiff zurück. In der etwas engen Messe hockte Dr. Eric Manoli, der Schiffsarzt, neben dem Ruhebett, in dem Crest lag. Clark G. Flipper stand an der Sichtluke und starrte mit zusammengekniffenen Lippen in die Wüste hinaus.

»Nun?«, machte Perry und fing den Blick Manolis auf. »Wie geht es ihm?«

Ehe der Arzt antworten konnte, sagte Crest: »Danke, Mister Rhodan. Ich fühle mich etwas schwach, das ist alles. Die Luft Ihres Planeten bekommt mir ausgezeichnet. Glauben Sie wirklich, dass Sie mir helfen können?«

Leukämie – eine zu starke Vermehrung der weißen Blutkörperchen. Die Sauerstoffträger werden verdrängt. Der Mensch erstickt in gewissem Sinne, auch wenn er voll durch die Lungen atmen kann. Aber was nützt der Sauerstoff in den Lungen, wenn keine roten Blutkörperchen vorhanden sind, ihn zu den Organen zu transportieren. Zuerst treten Ermüdungserscheinungen auf, der von der Krankheit Befallene wird schnell schwächer; dem körperlichen Verfall folgt das Absterben des Geistes. Es gab erst seit zwei Jahren ein Mittel gegen die Leukämie: das Anti-Leukämie-Serum. Ein australischer Forscher hatte es entwickelt.

»Selbstverständlich werden wir Ihnen helfen, Crest. Aber wir können es nur dann, wenn wir uns gegenseitig vertrauen. Ich bin an Ihren Erfindungen interessiert, an Ihrem technischen Fortschritt, an – seien wir ehrlich – an Ihren Waffen. Dafür biete ich Ihnen Gesundung und völlige Regenerierung. Es ist nur ein Geschäft.«

»Ihre Ehrlichkeit ist erfrischend. Vor vielen tausend Jahren ist unsere Rasse ähnlich gewesen. Heute sind viele von uns bereits zu müde, um ehrlich zu sein. Ich glaube fast, wir können von Ihnen lernen.«

Perry dachte an die Arkoniden, die oben auf dem Mond auf ihren Ruhebetten lagen und sich von den Fiktiv-Schirmen abstrakte Bilder vorgaukeln ließen, um die Langeweile zu vertreiben. Ihr Phlegma ließ es nicht einmal zu, einen Versuch zur Reparatur des riesigen Kugelraumers zu unternehmen. Tausendjährige Herrschaft und unermüdliche Robotdiener hatte die Arkoniden zu überheblich wirkenden Snobs gemacht, deren einziger Lebenszweck darin zu bestehen schien, auf dem Rücken zu liegen und mit offenen Augen zu träumen.

»Eine Blutauffrischung gilt auch bei uns als bestes Mittel gegen Degenerierung und genetischen Zerfall.«

Crest richtete sich im Bett auf. Er lehnte den Rücken gegen die Wand. Nun konnte man sehen, dass er mindestens einen Kopf größer als Perry war. Er unterschied sich rein äußerlich nur wenig von einem normalen Menschen. Fremd wirkten lediglich die nahezu weißen Haare, der albinoide Einschlag bei Haut und Augen, und die außergewöhnlich hohe Stirn. Unsichtbar für das menschliche Auge lag dahinter neben dem Normalhirn das bei keinem irdischen Wesen vorhandene Extrahirn mit stark ausgeprägtem Erinnerungszentrum und dem fotografischen Gedächtnis. Dass Crest statt Rippen eine schützende Brustplatte vor Herz und Lungen liegen hatte, wusste ebenfalls niemand von den vier Raumfahrern. Er war der letzte Abkömmling der herrschenden Dynastie auf Arkon, dem Heimatplaneten seiner Rasse.

Als Wissenschaftler fasste er Perrys Bemerkung wörtlich auf.

»Sicherlich würde eine Blutauffrischung positive Ergebnisse zeigen, aber eine Vermischung mit Angehörigen einer primiti..., einer noch nicht voll entwickelten Rasse verstieße gegen das Gesetz.«

»Ich habe nicht die Absicht, Thora zu ehelichen«, lächelte Perry etwas spöttisch. Bully, der eben zur Tür hereintrat, stieß ungeniert ein höhnisches Gemecker aus, das nicht zu seiner massigen Figur passen wollte. Manoli zählte besorgt die Pulsschläge seines Patienten. Flipper reagierte nicht.

Für einen Augenblick fühlte sich Perry in das gewaltige Kugelraumschiff der Arkoniden auf dem Mond zurückversetzt. Thora, die Kommandantin der Expedition, die den Planeten des ewigen Lebens suchte. Eine hochgewachsene und ungewöhnlich schöne Frau mit hellen, fast weißblonden Haaren, großen Augen, die goldrot leuchteten.

Eine Frau? Rein äußerlich vielleicht. Mehr aber auch nicht. In Wirklichkeit ein Wesen der eiskalten Berechnung, des glasklaren Verstandes und des höchsten Intellektes. Ihre Haltung war von unbeschreiblicher Voreingenommenheit niederen Lebewesen gegenüber beherrscht, und nur ihr logischer Verstand hatte sie Crest zuliebe einen Kompromiss schließen lassen. Sie wusste, dass ihr keine andere Wahl blieb, wollte sie nicht den Rest ihres Lebens auf dem Mond verbringen.

Crest schüttelte langsam den Kopf.

»Ich bewundere Ihre Phantasie. Doch ich glaube, wir sollten die nutzlosen Worte lassen und überlegen, was zu tun ist. Sie versprachen mir Hilfe ...«

»Sie werden Hilfe erhalten«, versicherte Perry. Er wandte sich an Bully. »Aus deinem Bad wird vorerst nichts. Kümmere dich um die Nachrichten und versuche, die wichtigsten Sendungen abzuhören und aufzunehmen. Wir müssen wissen, was in der Welt geschieht.«

»Keiner wird uns auf die Nase binden, wenn er eine Aktion gegen uns plant. Mir wäre lieber, ich könnte mit Pounder sprechen.«

»Vorerst schweigen wir. Sollen sie sich die Köpfe zerbrechen, warum wir nicht antworten. Ich muss sie erst reif für das machen, was ich beabsichtige.«

»Reif!«, schüttelte Bully den Kopf und stieß unsanft die Tür zur Radar- und Funkanlage auf. »Ich fürchte, wir sind auch bald reif.«

Perry kümmerte sich nicht mehr um ihn. Er kannte Bully und wusste, dass er sich auf ihn verlassen konnte.

»Eric, du bemühst dich um Crest und sonst um nichts. Flipp, dir wäre ich dankbar, wenn du fürs Essen sorgen würdest. Später haben wir vielleicht keine Zeit mehr dazu. Ich kümmere mich inzwischen um die strategische Seite. Was hat Ihnen Thora an Waffen mitgegeben, Crest?«

Der Arkonide saß immer noch im Bett. Die Hände hielt er auf dem Schoß gefaltet.

»Der Energieschirm dürfte vorerst das Wichtigste sein. Er dient zwar nur der Verteidigung, sollte aber einen gewissen Eindruck auf eventuelle Angreifer nicht verfehlen. Weiter haben wir drei Handwaffen, so genannte Psychostrahler. Ihre Intensität ist verstellbar. Bei starker Einstellung kann man damit bis zu einer Entfernung von zwei Kilometer einen Menschen lähmen, auf keinen Fall jedoch töten. Bei geringerer Strahlkraft wird das Bewusstsein des Betroffenen so geschwächt, dass es selbst Ihnen leicht möglich sein wird, den Befehl über seinen Körper zu übernehmen. Auch lassen sich posthypnotische Befehle übertragen, die unter allen Umständen ausgeführt werden, selbst dann, wenn der derart Beeinflusste längst nicht mehr im Bereich der Psychostrahlen weilt. Verbunden damit ist eine künstlich hervorgerufene Amnesie. Er kann sich an nichts mehr erinnern.«

»Damit lässt sich schon einiges anfangen«, nickte Perry. »Und was haben wir sonst?«

»Nur noch das Funkgerät, mit dem wir Thora jederzeit erreichen können. Wie Sie wissen, durchdringen seine Wellen auch den Mond. Das ist notwendig, weil unser Schiff auf der Rückseite liegt.«

»Hm«, machte Perry nachdenklich. Crest verstand.

»Keine Sorge, Energieschirm und Handstrahler genügen vorerst. Sollten größere Schwierigkeiten auftreten, wird Thora eingreifen.«

»Was ist mit dem Gravitationsneutralisator, den Sie mitnahmen, um den Andruck der Beschleunigung beim Start der STARDUST aufzuheben?«

»Oh – der! Fast hätten wir ihn vergessen, wenn er auch nicht als Waffe angesprochen werden kann. Nun, seine Reichweite ist enorm – mehr als zehn Kilometer. Und zwar sowohl als Richtstrahler wie auch als Umkreisstrahler. Sie können also eine beliebig breite Strecke von zehn Kilometer Länge von der Erdanziehung befreien, wie auch einen Kreis von zwanzig Kilometer Durchmesser, in dessen Zentrum der Neutralisator steht – in unserem Fall die STARDUST.«

»Ausgezeichnet«, lobte Perry. »Das sollte genügen.« Er ging zur Tür.

Clark G. Flipper, der pausbäckige Riese mit den zarten Händen, nahm den Blick von der Wüste. Er sah Perry herausfordernd an, aber als er den stahlharten Augen seines Kommandanten begegnete, nickte er zögernd.

»Schon gut, Perry. Über das andere reden wir später noch.«

Bully erwischte Perry an der Ausstiegluke.

»Die Sendungen werden gestört. Ich kann Amerika nicht empfangen, Perry. Alles ist überlagert. Aber eine Station ist sehr stark. Sie muss ganz in der Nähe sein. Der Kerl spricht Englisch. Mit Akzent. Wir sollten nichts unternehmen, da die Bergungsaktion bereits angelaufen sei.«

»Bergungsaktion!«, stieß Perry hervor. »Netter Ausdruck für das, was die Chinesen zweifellos vorhaben. Antworte ihnen, dass wir auf Hilfe keinen Wert legen.«

Bully gab keine Antwort. Er sah an Perry vorbei. Jenseits des Flusses, weit drüben vor der Hügelkette, stieg eine Staubwolke langsam in den Himmel und lag wie eine angeschmutzte Decke über der Wüste. Winzige Punkte bewegten sich auf den Salzsee zu. Perry folgte dem Blick seines Freundes.

»Ah – es ist soweit. Sie kommen. Und dort – na, endlich! – ein Flugzeug. Ein Hubschrauber ...«

Die surrenden Rotoren waren kaum von der flimmernden Luft zu unterscheiden. Der schlanke Leib des nach beiden Seiten aufgebogenen Bananenhubschraubers funkelte wie neu in der grellen Sonne. Unter ihm wurde der Sand aufgewirbelt, als er sich herabsenkte. Dann landete er keine hundert Meter vom Schiff entfernt.

»Bully, du bleibst hier. Nimm einen der Handstrahler und warte ab, bis ich dir ein Zeichen gebe. Größte Einstellung. Ich gehe zu ihnen.«

»Aber ...«

»Kein aber! Sie wollen uns lebendig. Es besteht keine Gefahr.«

Bully verschwand und war fünf Sekunden später wieder da. In seiner Hand hielt er einen silbernen Stab, der vorn eine Facettenlinse trug. Ein kleiner, roter Knopf ließ sich beliebig verschieben und eindrücken.

Perry nickte ihm kurz zu und stieg dann die Leiter hinab. Unten auf den gelandeten Hubschrauber zu, dem zwei Männer in der Uniform der Armee der Asiatischen Föderation entstiegen waren und ihm neugierig entgegenblickten.

Der eine von ihnen musste ein hoher Offizier sein, worauf die breiten Goldstreifen an seiner Hose hinwiesen.

Der Pilot des Hubschraubers blieb in der Kabine. Statt des Steuerknüppels umklammerten seine Fäuste nervös den Schaft einer schweren Maschinenpistole.

Perry lächelte mitleidig. Sie alle würden sich noch sehr wundern.

Die beiden Offiziere waren ihm einige Schritte entgegengekommen.

Sie sprachen ein fast akzentfreies Englisch.

»Wir freuen uns, dass Sie sicher landen konnten«, sagte der mit den Goldstreifen. »Ich bin Marschall Roon, der Oberbefehlshaber der Landstreitkräfte unseres Reiches. Dies ist Major Butaan.«

»Perry Rhodan«, sagte Perry und neigte leicht den Kopf. »Darf ich fragen, was Sie zu mir führt?«

Die beiden Offiziere waren derart verblüfft, dass sie keinen Ton hervorbrachten. Sie warfen sich einen hastigen Blick zu, dann starrten sie den ihrer Meinung nach hilfsbedürftigen Raumfahrer fragend an.

Perry lächelte zuvorkommend.

»Es ist sehr freundlich, dass Sie sich um uns bemühen, aber es ist auch genau zwecklos. Die gleiche Antwort würde ich einem Offizier der amerikanischen oder russischen Armee geben, falls Sie das beruhigt.«