Perry Rhodan 1719: Die Totenliste - Horst Hoffmann - E-Book

Perry Rhodan 1719: Die Totenliste E-Book

Horst Hoffmann

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Beschreibung

NATHANS geheimnisvolle Arbeit - sein Auftraggeber ist unbekannt Zu Beginn des Jahres 1217 Neuer Galaktischer Zeitrechnung - das entspricht dem Jahr 4804 alter Zeit - ist die Lage im Solsystem kritisch: Die seltsamen Objekte, die aus dem Nichts kamen und über dem Mars materialisierten, haben den Roten Planeten mittlerweile völlig kristallisiert. Wer dem Mars zu nahe kommt, spürt zuerst starke Übelkeit und stirbt nach Unterschreiten der Sicherheitsgrenze. 1,6 Milliarden Marsbewohner mussten über Nacht ihre Heimat verlassen und werden nun als Flüchtlinge auf die anderen Planeten des Solsystems verteilt. Arbeit genug für den neuen LFT-Kommissar Geo Sheremdoc und seine Leute. Und mittlerweile breitet sich das Todesfeld um den Mars immer weiter ins All aus, während geheimnisvolle Inseln der Illusion für zusätzliches Chaos sorgen. Für Unruhe sorgt darüber hinaus die Tatsache, dass niemand auf der Erde genau weiß, wie es Perry Rhodan und seinen 12.000 Begleitern an Bord der BASIS geht. Seit das Trägerraumschiff der Menschheit auf die "andere Seite" des Universums wechselte, ist der Kontakt abgerissen. In dieser Phase kommen Somer aus der Mächtigkeitsballung Estartu und sorgen mit merkwürdigen "Spielzeugen" für Verwirrung. Die oxtornische Hanse-Spezialistin Dilja Mowak vermeldet mysteriöse Schmuggelgeschäfte in den Magellanschen Wolken, und NATHAN, das Mondgehirn, beginnt mit merkwürdigen Aktivitäten - die Syntronik erstellt offensichtlich DIE TOTENLISTE ...

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Veröffentlichungsjahr: 2013

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Nr. 1719

Die Totenliste

NATHANS geheimnisvolle Arbeit – sein Auftraggeber ist unbekannt

von Horst Hoffmann

Zu Beginn des Jahres 1217 Neuer Galaktischer Zeitrechnung – das entspricht dem Jahr 4804 alter Zeit – ist die Lage im Solsystem kritisch: Die seltsamen Objekte, die aus dem Nichts kamen und über dem Mars materialisierten, haben den Roten Planeten mittlerweile völlig kristallisiert.

Wer dem Mars zu nahe kommt, spürt zuerst starke Übelkeit und stirbt nach Unterschreiten der Sicherheitsgrenze. 1,6 Milliarden Marsbewohner mussten über Nacht ihre Heimat verlassen und werden nun als Flüchtlinge auf die anderen Planeten des Solsystems verteilt. Arbeit genug für den neuen LFT-Kommissar Geo Sheremdoc und seine Leute. Und mittlerweile breitet sich das Todesfeld um den Mars immer weiter ins All aus, während geheimnisvolle Inseln der Illusion für zusätzliches Chaos sorgen.

Für Unruhe sorgt darüber hinaus die Tatsache, dass niemand auf der Erde genau weiß, wie es Perry Rhodan und seinen 12.000 Begleitern an Bord der BASIS geht. Seit das Trägerraumschiff der Menschheit auf die »andere Seite« des Universums wechselte, ist der Kontakt abgerissen.

Die Hauptpersonen des Romans

Geo Sheremdoc – Der LFT-Kommissar wird durch NATHANS Aktivitäten verunsichert.

Aaron Sebastian – Ein merkwürdiger »Mann im Mond«.

Arnim Possag und Nuka Kullino – Zwei erfahrene Raumschiff-Kommandanten stoßen bei den Somern auf Granit.

Dara Sheenbar – Eine Hanse-Spezialistin spielt auf volles Risiko.

Uleboe

1.

Luna; 4. Mai 1217 NGZ

»NATHAN hat womit begonnen?«, fragte Geo Sheremdoc den 5-D-Mathematiker, der dem LFT-Kommissar ungefähr so sehr glich wie ein Wassercontainer einem Pulverfass.

Aaron Sebastian stand vor ihm, die linke Hand auf den Besprechungstisch gelegt, und nickte tapfer. Sie waren allein in dem ziemlich kleinen Tagungsraum des gewaltigen Komplexes.

»Eine Liste aufzustellen«, wiederholte er. »Eine Liste mit Namen, scheinbar endlos. Und zwar alles terranische Namen, aber völlig nichts sagende.«

Sheremdoc kniff die Augen stärker zusammen und musterte den hageren, unbeholfen und scheu wirkenden Wissenschaftler mit dem schmalen Gesicht, den rotblonden Haaren und der hervorstechenden Nase zwischen zwei braunen Augen und unzähligen Sommersprossen so, als wolle er ihn auf seine momentane Zurechnungsfähigkeit durchleuchten.

Doch erstens stand diese völlig außer Zweifel, denn das Verhalten des 1173 NGZ auf Luna geborenen Sonderlings (er hatte den Erdmond niemals verlassen und war quasi in NATHAN aufgewachsen) war nicht viel anders als sonst auch. Und zweitens gab es seit vier Stunden nichts mehr, das der LFT-Kommissar der größten Syntronik der Galaxis nicht zutrauen würde.

»Also gut«, sagte Sheremdoc deshalb. »NATHAN scheint sich zunehmend dafür zu begeistern, ein undurchschaubares Spiel mit uns zu treiben. Versuchen wir mitzuspielen. Vielleicht beginnen wir damit, Aaron, dass du mir genauer definierst, was du unter ›nichts sagend‹ verstehst. Ich meine, es gibt nichts sagende Namen, weil sie so häufig sind. Andere klingen ganz einfach langweilig. Und wieder andere ...«

»Es sind alle möglichen Arten von Namen«, unterbrach ihn der Kybernetiker. Sofort erschrak er vor seiner eigenen Courage und wurde leiser. Er zuckte verlegen mit den Schultern und wich Sheremdocs Blick aus. »Es sind ausnahmslos terranische Namen, wie ich schon sagte, oder vielmehr terranisch klingende.«

»Jetzt sind wir schon schlauer«, sagte Sheremdoc. Er lehnte sich im Kontursessel noch weiter zurück, sah Sebastian durchdringend an und überschüttete ihn mit seinem berühmt-berüchtigten, bitteren Sarkasmus. »Terranisch klingende Namen. Wirklich, wir machen Fortschritte.«

Der LFT-Kommissar, in Abwesenheit der Zellaktivatorträger einer der mächtigsten Menschen im Solsystem und nur der Ersten Terranerin und NATHAN Rechenschaft schuldig, konnte verletzend sein. Er sah nicht nur aus wie ein markiger Kraftprotz, sondern er besaß auch einen Willen und eine Durchsetzungskraft, die ihn von seinen Mitmenschen abhoben. Sämtliche Organe der LFT-Exekutive waren ihm untergeordnet, seitdem er Anfang des Jahres zum Kommissar ernannt worden war – der erste Mann seit vielen Jahren in diesem Rang, weil in der Vergangenheit kaum Bedarf an solchen Entscheidungsträgern bestanden hatte. Schwierige Probleme waren meist von Homer G. Adams und den übrigen Aktivatorträgern angegangen worden.

Doch diese standen derzeit nicht zur Verfügung. Im Februar 1213 NGZ waren sie mit der BASIS erneut zur Großen Leere aufgebrochen. Zwischen ihnen und der Milchstraße lag eine Entfernung von mindestens 225 Millionen Lichtjahren.

Niemand auf den solaren Welten konnte ahnen, wie weit die Unsterblichen tatsächlich von ihnen fort waren.

Sheremdoc spielte mit dem scheuen Mathematiker, und tatsächlich brachte er ihn abermals zu einer Trotzreaktion.

»Die Namen klingen terranisch, weil es keine Namen sind, die sich irgendwelchen heute existierenden Menschen zuordnen lassen«, schrie Sebastian fast. Er schwitzte. »Wir haben die Liste immer wieder überprüft, zuletzt vor einer Viertelstunde. Und es gibt keinen real existierenden Namen und keine im Solsystem lebende Frau, die einen dieser Namen tragen.«

»Aber die Namen sind alle verschieden?«

»Natürlich nicht«, erwiderte Aaron. Die Frage schien ihm reichlich naiv vorzukommen. »Bei so vielen Menschen ... gibt es immer wieder gleiche Vor- und Nachnamenkombinationen. Das berücksichtigen wir entsprechend. Aber es sind keine heutigen Namen. Entweder erfindet NATHAN sie einfach, was keinen Sinn ergäbe – oder es sind Namen aus einer potenziellen Zukunft. Oder aus der Vergangenheit. Dann wäre es eine Totenliste. Wir sind auch hier bei der Überprüfung.«

Sheremdocs Finger wanderten wie spielerisch über ein Sensorfeld neben sich auf dem Tisch. Wie aus dem Nichts baute sich aus Formenergie ein Sessel auf und schob sich von hinten so in Sebastians Kniekehlen, dass der Mondgeborene mit einem Ausruf der Überraschung einfach hineinfiel.

»Ich kann es nicht leiden, wenn Leute steif sind«, erklärte Sheremdoc. Als Sebastian aufspringen wollte, drohte er ihm mit dem Finger. »Wie lang war die Liste, vor dieser Viertelstunde?«

»Sie umfasste genau achthundert Millionen Namen«, erwiderte Aaron mit holpriger Stimme. »Bei jeder vollen Hundertmillion lassen wir eine Ausgabe machen.«

Sheremdoc hob die linke Braue. Seine hohe, kantige Stirn unter der polierten Glatze legte sich in Falten. Das wuchtige Kinn schob sich ein Stückchen weiter vor, die Miene des LFT-Kommissars wurde noch verkniffener. Sheremdoc war mit seinen 99 Jahren kein Mann, den eine zartfühlende Mutter sich unbedingt gerne zum Schwiegersohn gewünscht hätte. Es sei denn, sie bewunderte »harte Männer«. Seine tatsächliche oder zur Schau getragene Gefühlskälte machte den eiskalten Logiker nicht gerade zu einem Mann, dem die Sympathien seiner Umgebung auf Anhieb zuflogen. Das Gegenteil war der Fall. Sheremdoc, das Arbeitstier, stellte seine Aufgabe über alles und konnte es sich nicht leisten, Rücksichten zu nehmen.

Der Mann hatte das allerdings auch nicht nötig, um sich durchzusetzen. Seine Nervenstärke, sein Mut und seine Hartnäckigkeit sprachen für sich, noch mehr seine bisherigen Erfolge. Manche Leute hielten ihn für unfehlbar, und er tat nichts, um dem entgegenzutreten.

»Und wie weit ist NATHAN in diesem Augenblick?«, wollte er von Aaron Sebastian wissen. »Vorausgesetzt, die Liste läuft weiter?«

Der Kybernetiker wischte sich über die Stirn und lachte hilflos.

»Eine Milliarde, eher schon mehr«, antwortete er krächzend. »Es geht so unglaublich schnell. Und ...«

»Und?«, fragte Sheremdoc. »Und was?«

Aaron Sebastian sprang auf.

»Und es lässt sich nicht stoppen. Kann ich jetzt gehen?«

»Du solltest selber wissen, ob du das kannst«, versetzte Sheremdoc. »Und du solltest auch wissen, dass du nichts erreichst. NATHAN blockt alles ab. Er brütet etwas aus und er lässt sich dabei nicht in die Karten blicken.«

»Kann ... darf ich jetzt gehen?«, fragte Sebastian wie ein trotziges Kind.

»Ich wünsche es«, antwortete Sheremdoc. »Ich muss über einiges nachdenken. Allein.«

Sebastian verließ aufatmend den Raum. Sheremdoc blickte hinter ihm her, und plötzlich wirkte er gar nicht mehr so überlegen und selbstsicher.

Er fürchtete keinen Gegner. Er war noch nie einer Herausforderung ausgewichen.

Allerdings hatte er es auch noch nie mit einer Gigantsyntronik zu tun gehabt, die seit einigen Tagen von allen guten Geistern verlassen zu sein schien – oder von allen bösen besessen.

»Eine Totenliste«, murmelte Sheremdoc. »Das könnte es sein ...«

*

Vier Stunden vor diesem Gespräch hatte NATHAN sich offenbar endgültig vom Rest des Universums isoliert.

Es war der vorläufige, dramatische Höhepunkt einer Reihe von undurchschaubaren Aktivitäten gewesen, die vor rund zweieinhalb Monaten damit begonnen hatten, dass NATHAN die Unterstützung beim Projekt DORADO verweigert hatte und es sich herausstellte, dass das Mondgehirn nur rund achtzig Prozent seiner Leistung für die ihm gestellten Aufgaben einsetzte, die restlichen zwanzig Prozent jedoch für geheime, nur ihm bekannte Tätigkeiten hinter dem Rücken der Terraner.

Daraufhin angesprochen, hatte NATHAN beharrlich bestritten, anderen als seinen normalen Tätigkeiten nachzugehen. Obwohl ihm das Gegenteil bewiesen werden konnte, blieb er bei seiner Behauptung, sich weiterhin voll und ganz für die Belange der Terraner und der Galaktiker zu verwenden.

Doch es blieb dabei, dass die Mondsyntronik jede Unterstützung des Projekts DORADO verweigerte. DORADO war die Bezeichnung für eine mehr als gewagte Unternehmung, deren Ziel es war, eine Anlage nach uralten Plänen der Porleyter zu bauen. Die Pläne waren in der Großen Magellanschen Wolke gefunden worden, und die »Dimensionsmaschine« sollte in der Jetztzeit das bewirken, was sie vor rund zwei Millionen Jahren nicht geschafft hatte: nämlich die »Löcher« im Raum-Zeit-Gefüge zu schließen, die um den ehemals Roten Planeten Mars existierten und es erlaubt hatten, dass fremde, kristalline Objekte im Solsystem materialisiert und auf dem Mars abgestürzt waren.

Der Nachbarplanet der Erde war inzwischen von einer geschlossenen Kristallschicht überzogen. Es gab kein organisches Leben mehr und mit jedem Tag fraß sich der Kristall tiefer in den Planeten hinein.

Und was viel schlimmer war: Er wuchs auch in den Weltraum. Dabei handelte es sich nicht um die Kristallstrukturen an sich, sondern um die alles Leben auslöschende Todesstrahlung, die von ihnen ausging.

Dieses Mars-Todesfeld strahlte inzwischen bereits über eine Entfernung von zwölf Millionen Kilometer in den Weltraum hinaus. Die Ausdehnungsgeschwindigkeit hatte sich allerdings seit Ende April offenbar auf 225.190 Kilometer pro Tag stabilisiert. Sie schien konstant geworden zu sein, nachdem sie bis dahin ständig zugenommen hatte. Die eigentliche Geschwindigkeit der Strahlung war natürlich höher, aber der Wirkungsgrad nahm ab einer gewissen Entfernung rapide ab.

Vorausgesetzt, es blieb dabei, dann bedeutete dies für die Erde, dass Terra in einem knappen Jahr in den Bereich der Strahlung kommen würde, was die Kristallisierung der Oberfläche und den Tod aller organischen Verbindungen nach sich ziehen würde, falls bis dahin keine wirksame Waffe gegen die Kristallstrahlung gefunden worden wäre. Bei weiterhin anwachsender Ausbreitungsgeschwindigkeit wäre dieser Zeitpunkt sehr viel früher gekommen. So aber entfernte sich die Erde auf ihrer Bahn um die Sonne bis Ende Mai erst einmal vom Mars. Danach würde sie sich ihm wieder nähern, und zwar immer rascher, bis sie schließlich am 9. April des nächsten Jahres mit ihm in Opposition stehen und in das Todesfeld eingetaucht sein würde.

Die neuesten Nachrichten hatten dafür gesorgt, dass die Terraner zunächst wieder etwas hoffnungsvoller in die Zukunft blicken konnten. Die erste Panik war abgeebbt. Die Stimmen setzten sich allmählich wieder durch, die sagten, dass die Menschheit bisher immer noch einen Ausweg gefunden hatte, wenn ihr Untergang – und der ihres Ursprungsplaneten – doch scheinbar schon unabwendbar bevorgestanden hatte.

Ebenso hatten sich die Terraner von den Projektionen der fremden Geistesmacht Sinta erholt, die ihre Umgebung gespenstisch und beklemmend verändert hatten. Die meisten Menschen schienen sie einfach zu verdrängen, weil sie sie nicht begriffen und sich ihr Verstand einfach zu weigern begann, alles das zu speichern, was binnen kurzer Zeit auf sie eingeströmt war.

Die Bewohner des Solsystems hatten sich mit den Spindelwesen und mit Moira auseinander zu setzen gehabt. Sie hatten mit ansehen müssen, was mit dem Mars geschah, wo es trotz aller Evakuierungsbemühungen viele tausend Tote gegeben hatte. Und sie hatten es hinnehmen müssen. Sie hatten nichts tun können, um das Verderben aufzuhalten.

Und sie konnten auch jetzt nichts tun gegen die unheimlichen Projektionen und gegen den kristallenen Tod.

Alle Hoffnungen der Eingeweihten, die der Normalbevölkerung stets neue Hoffnungen und Durchhalteparolen liefern mussten, ruhten auf DORADO, der Dimensionsmaschine, die unter der Leitung von Boris Siankow im Orbit des Saturnmonds Titan zusammengebaut werden sollte. Doch ob diese Hoffnungen berechtigt waren oder ob man einer Katastrophe wirklich unvorstellbaren Ausmaßes entgegensteuerte, das war und blieb die ganz große Frage.

Vor zwei Millionen Jahren war die Maschine, die im Auftrag des Ritters der Tiefe Permanoch von Tanxbeech zur Verteidigung des Mars in der Magellan-Fabrik GONDARAK gebaut wurde, beim Versuch der Inbetriebnahme mit verheerenden Folgen explodiert. Niemand konnte vorhersagen, ob das nicht wieder so geschehen würde – und damals waren kompetentere Konstrukteure als die heutigen am Werk gewesen.

Die Sinta-Projektionen, von denen angenommen wurde, dass sie das Solsystem und die Aktivitäten der Terraner auszuspionieren hatten, waren erloschen. Ihre Bemühungen, den Bau von DORADO zu sabotieren, hatten keinen Erfolg gehabt. Boris Siankow arbeitete wie besessen an seinem Projekt weiter, ungeachtet aller Mahnungen und Warnungen.

NATHAN verweigerte sich und verwendete zwanzig Prozent seiner Kapazität darauf, unter anderem die Geschichte der Galaxis und ihrer Zivilisationen zu dokumentieren – allerdings in einer ganz und gar verfälschten und unwahren Form.

Aaron Sebastian, der menschenscheue Sonderling, der sich wie ein nach Luft ringender Ertrinkender aus der Besprechung mit Geo Sheremdoc geflüchtet hatte, war es zu verdanken, dass die Aktivitäten NATHANS wenigstens zu einem Teil ans Licht gekommen waren. Er, der wie kein anderer mit der Mondsyntronik vertraut war, hatte zu einem Teil herausgefunden, was NATHAN im Verborgenen trieb. Aber Aaron vertrat ebenfalls die Meinung, dass dies noch lange nicht alles sein konnte.

NATHAN war viel zu intelligent, um sich durch »Entdeckung« verborgener Speicher in seine Karten sehen zu lassen. Sebastian glaubte deshalb daran, dass unter der Oberfläche viel mehr ablief als nur die Dokumentierung einer falschen Galaxis-Geschichte und die unendlich erscheinende Reihe von Namen, die er als Totenliste bezeichnet hatte.

Vorher, als noch niemand etwas von dieser Liste ahnte, war das Folgende geschehen ...

*

»Ich erhöhe«, sagte Donald Hyams eine Sekunde, bevor der Alarm losheulte. »Ich gehe auf Sieben – wer hält mit?«

Er berührte ein Sensorfeld an dem viereckigen Tisch, an welchem die vier Techniker saßen. Jeder von ihnen hatte einen 3-D-Kubus von etwa zwanzig mal zwanzig Zentimetern Länge vor sich, und daneben die Sensortastatur, mit dem sie ihre Figuren steuerten. Sie spielten eine Art dreidimensionales Schach, bei dem mit jeder Schwierigkeitsstufe erstens alles viel schneller wurde – und zweitens der mögliche Gewinn um eine Zehnerpotenz größer.

Heute hatte Don Hyams geglaubt, seinen Dauerrivalen Jolenean Prascabutti endlich schlagen und dabei einen gehörigen Jackpot einstecken zu können, nach drei zuletzt unentschieden ausgegangenen Spielen.

Doch der NATHAN-Alarm machte seine Träume zunichte.

Die vier Techniker hielten sich in der engeren Peripherie der Syntronik auf, genauer gesagt, im STALHOF, dem Planungshauptquartier für besondere Einsätze der Kosmischen Hanse.

»Was soll das?«, rief Hyams entgeistert. »Ausgerechnet jetzt! Ist NATHAN endgültig übergeschnappt?«

Es schien so, denn die Kunststimme, die den ohnehin schon ohrenbetäubenden Alarm um einige Phon überstieg, forderte alle in STALHOF befindlichen Personen dazu auf, sich unverzüglich zu entfernen.