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Die Nation Alashan entsteht - und ein Aktivatorträger wird seltsam Seit Perry Rhodan die mysteriöse Brücke in die Unendlichkeit betreten hat, wurde die Menschheit immer stärker in einen Konflikt kosmischer Mächte hineingezogen. Seit Ende des Jahres 1289 Neuer Galaktischer Zeitrechnung ist Perry Rhodan zudem als Sechster Bote der Koalition Thoregon unterwegs. Dieses Thoregon wird von einem bislang unbekannten Gegner bedroht. Dessen Handlanger Shabazza regte beispielsweise die Invasion der Tolkander an, die in der Milchstraße Milliarden von intelligenten Wesen töteten. Seine Aktivitäten sorgten dafür, dass Tod und Vernichtung in weitere Galaxien getragen wurden. Ein Hinweis auf Shabazza ist die legendäre SOL, das ehemals terranische Hantelraumschiff, das zuletzt in der Doppelgalaxis Whirlpool gesichtet wurde. Die SOL soll zum offiziellen Schiff des Sechsten Boten werden. Perry Rhodan muss sie finden. Die Menschen auf der Erde können von Perry Rhodans Aktivitäten gar nichts wissen. Und vor allem ahnen jene Menschen nichts davon, die nach der Explosion der Heliotischen Bollwerke in fremde Galaxien verschlagen wurden. Zu ihnen gehören die Bewohner des Stadtteils Terrania-Süd. Während an Stelle des Stadtteils auf der Erde die gewalttätigen Dscherro materialisierten, müssen die Menschen nun in der Galaxis DaGlausch und auf dem Planeten Thorrim mit einer neuen Umgebung fertig werden. Die Attacke einer Dscherro-Horde kann mit einem Bluff gerade noch abgewendet werden. Jetzt geht es darum, ein neues Leben unter fremden Sternen zu beginnen. Nachdem ein neuer Bürgermeister für die 200.000 Menschen gewählt wurde, geht es um weitere Probleme - unter anderem mit den neuen Nachbarn, den Thorrimern. Und es wird Zeit für JEDDERS MISSION …
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Seitenzahl: 146
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Nr. 1913
Jedders Mission
Die Nation Alashan entsteht – und ein Aktivatorträger wird seltsam
von Horst Hoffmann
Seit Perry Rhodan die mysteriöse Brücke in die Unendlichkeit betreten hat, wurde die Menschheit immer stärker in einen Konflikt kosmischer Mächte hineingezogen. Seit Ende des Jahres 1289 Neuer Galaktischer Zeitrechnung ist Perry Rhodan zudem als Sechster Bote der Koalition Thoregon unterwegs.
Dieses Thoregon wird von einem bislang unbekannten Gegner bedroht. Dessen Handlanger Shabazza regte beispielsweise die Invasion der Tolkander an, die in der Milchstraße Milliarden von intelligenten Wesen töteten. Seine Aktivitäten sorgten dafür, dass Tod und Vernichtung in weitere Galaxien getragen wurden.
Ein Hinweis auf Shabazza ist die legendäre SOL, das ehemals terranische Hantelraumschiff, das zuletzt in der Doppelgalaxis Whirlpool gesichtet wurde. Die SOL soll zum offiziellen Schiff des Sechsten Boten werden. Perry Rhodan muss sie finden. Die Menschen auf der Erde können von Perry Rhodans Aktivitäten gar nichts wissen. Und vor allem ahnen jene Menschen nichts davon, die nach der Explosion der Heliotischen Bollwerke in fremde Galaxien verschlagen wurden.
Zu ihnen gehören die Bewohner des Stadtteils Terrania-Süd. Während an Stelle des Stadtteils auf der Erde die gewalttätigen Dscherro materialisierten, müssen die Menschen nun in der Galaxis DaGlausch und auf dem Planeten Thorrim mit einer neuen Umgebung fertig werden.
Die Attacke einer Dscherro-Horde kann mit einem Bluff gerade noch abgewendet werden. Jetzt geht es darum, ein neues Leben unter fremden Sternen zu beginnen. Nachdem ein neuer Bürgermeister für die 200.000 Menschen gewählt wurde, geht es um weitere Probleme – unter anderem mit den neuen Nachbarn, den Thorrimern. Und es wird Zeit für JEDDERS MISSION ...
Stendal Navajo – Der erste Bürgermeister der Nation Alashan wird aktiv.
Jedder Colusha – Der Thorrimer-Beauftragte wird zum Musikfreund.
Alaska Saedelaere – Der Aktivatorträger wird merkwürdig.
Corn Markée – Der König der Thorrimer wird zum guten Freund.
Gia de Moleon
10. Februar 1290 NGZ
Das Schiff
Der Zylinder war sein Markenzeichen, die Tauben sein Leben. Doch nach seiner überraschenden Wahl zum ersten Bürgermeister der Nation Alashan blieb Stendal Navajo so gut wie keine Zeit mehr, sich seinem Hobby zu widmen.
Er hatte sich vor zwei Jahren die beiden Volieren auf dem flachen Dach seines Hauses im östlichen Teil der Wohnanlage Alashan gebaut und die Tauben angeschafft – nachdem er aus Protest gegen Gia de Moleons Politik aus dem Terranischen Liga-Dienst ausgeschieden war, hatte Navajo mit einer Zucht begonnen. Nun, nachdem die große Aufgabe ihm kaum mehr Zeit für das Privatleben ließ, musste er die Tauben von zwei Haushaltsrobotern pflegen lassen.
Nur wenn es die Zeit zuließ, kam der hochgewachsene, hagere Mann mit dem Zylinder, dem Frack und den Leinenhosen hierher und unterhielt sich mit seinen Vögeln. Dabei konnte er die Welt und den Stress vergessen. Hier war seine Insel der Ruhe inmitten der politischen und wirtschaftlichen Wirren dieser Tage, in denen es darum ging, die Nation Alashan auf dem Planeten Thorrim in friedlicher Koexistenz mit dessen Bewohnern zu etablieren.
»Ihr habt es gut, meine Schönen«, sagte er lächelnd und kraulte eine der Tauben mit dem Zeigefinger hinter dem Kopf. »Für euch spielt es keine Rolle, wo ihr lebt – ob auf Terra oder 23,5 Millionen Lichtjahre entfernt auf diesem zweiten Planeten des Thorrtimer-Systems ...«
Navajo hatte bereits daran gedacht, die Tiere fliegen zu lassen oder zu verschenken. Aber dann hatte er es doch nicht über sein Herz gebracht. Solange er, wie jetzt, Zeit fand, sie zu besuchen, wollte er sich nicht von ihnen trennen. Und wer konnte schon sagen, wie lange er das höchste Amt bekleiden würde, das Alashan zu vergeben hatte?
Vor gut drei Stunden war die GOOD HOPE III zu ihrem ersten Flug nach der Generalreparatur gestartet. Die Reise führte das 120-Meter-Kugelschiff zu dem Freihandelsplaneten Kristan, der elf Lichtjahre von Thorrim entfernt war. An Bord hatte die Mannschaft um die Kommandantin Fee Kellind einige Muster des Mehrzweckorters ZZ-89, außerdem physikalische Unterlagen und technische Anweisungen für die Massenproduktion.
Damit sollte der erste Schritt dazu getan werden, über den interstellaren Handel und Technologietransfer die Mittel zu erwirtschaften, um auf Thorrim eine Hightech-Industrie zu erschaffen, die über kurz oder lang in der Lage war, neue Raumschiffe und Abwehrforts für die Systemverteidigung zu bauen.
Noch immer schwebte die Gefahr des Auftauchens neuer Dscherro-Kundschafter als Damoklesschwert über den hierher verschlagenen Menschen.
Und genauso bedroht waren die Thorrimer. Deshalb brannte es Navajo unter den Nägeln, den von beiden Seiten gewollten Beistandspakt endlich zu unterzeichnen. Es war immer wieder zu Verzögerungen gekommen. Probleme waren aufgetreten, an die man im ersten Moment überhaupt nicht gedacht hatte. Das Vertragswerk sollte nicht nur den Verteidigungsfall regeln, sondern das Zusammenleben von Menschen und Thorrimern ganz allgemein.
Seufzend verabschiedete sich Stendal Navajo von seinen Tauben. Er verließ die Voliere und verriegelte sie. Jetzt waren wieder die Roboter verantwortlich. An eine Zucht war im Augenblick nicht zu denken.
Er hatte sich die Zeit nehmen können, weil nach dem Start der GOOD HOPE keine Termine anstanden. Sein nächster Besuch in Zortengaam, der Thorrimer-Metropole, die im Osten an Alashan grenzte, stand erst für morgen auf dem Plan. An diesem Abend würde er mit Gia de Moleon und Alaska Saedelaere speisen und das nächste Treffen mit König Corn Markée vorbereiten.
Navajo stand vor der Dachluke und wollte gerade ins Haus klettern, als sein Telekom summte. Er erwartete keinen Anruf. Verwundert hob er den linken Arm und aktivierte das Gerät am Gelenk. Der kleine Bildschirm leuchtete auf und zeigte Gia de Moleons Gesicht. Die Chefin des TLD wirkte aufgeregt.
»Ich weiß, dass du nicht gestört werden wolltest, Stendal«, sagte die knapp über 130 Jahre alte energische Frau in der typischen grauen Bekleidung. Sie sprach schnell. »Aber tu mir den Gefallen und komm über den nächsten Transmitter hierher, in den Tower.«
»Was ist ...?«, setzte er an, aber sie unterbrach ihn.
»Frag jetzt nicht lange – bitte! Ein fremdes Schiff ist gerade aus dem Hyperraum gefallen, mitten im Thorrtimer-System. Es reagiert nicht auf Funkanrufe und scheint noch unschlüssig im Raum zu stehen. Komm bitte, schnell!«
»Ich bin unterwegs«, sagte er und schaltete ab.
Etwas wehmütig sah er zu seinen Tauben zurück. Dann suchte er mit Blicken den klaren Himmel ab, doch er fand nichts außer einem in geringer Höhe über ihn hinwegziehenden Personengleiter.
*
Gia de Moleon verfolgte alles in ihrem Büro im 98. Stock des in die Erde gebauten TLD-Towers. Sie bekam die Ortungsergebnisse ohne Zeitverlust auf ihre dreidimensionalen Bildschirme überspielt. Auf anderen Schirmen oder in Holo-Würfeln waren die Männer und Frauen aus der Ortungszentrale zu sehen, mit denen sie Gesprächskontakt hatte.
Nach wie vor stand der Fremdraumer nahezu fahrtlos im Raum, zwischen Thorrim und Cletternam, dem ersten Planeten des Systems. Es war nicht zu erkennen, in welche Richtung er sich wenden würde.
»Gibt es irgendeinen Hinweis darauf, dass möglicherweise Thorrim das Ziel des Schiffes ist?«, fragte Gia dennoch einen der Spezialisten.
Er hieß Jarg Demussoulos und hatte die Kommunikation mit ihr übernommen, während seine Kollegen und Kolleginnen fieberhaft arbeiteten.
»Noch nicht. Wir funken es nach wie vor dringend um Identifikation an, wobei wir uns zur Tarnung als Thorrimer ausgeben, aber es bleibt stumm. Das einzige, was wir bisher mit Sicherheit sagen können, ist, dass es sich weder um ein Schiff der Dscherro noch um das eines anderen uns bekannten Volkes handelt. Vielleicht könnten uns die echten Thorrimer weiterhelfen ...«
»Ich werde König Markée anfunken«, verkündete Gia. »Vielleicht haben die Thorrimer das Schiff auch geortet und wissen mehr mit ihm anzufangen als wir.«
Der Raumer besaß die Form einer Walze und war 450 Meter lang. De Moleon zögerte, den König der Thorrimer tatsächlich anzurufen. Sie hatte nichts davon, wenn sie dieses übervorsichtige und unsichere Volk vielleicht umsonst beunruhigte. Wenn Markées Leute ebenfalls eine Ortung hatten, dann würden sie sich bei ihr melden.
Gia de Moleon gestand sich natürlich ein, dass dies vielleicht an den Tatsachen vorbeiführte. Es kam selten vor, dass sie nicht wusste, wie sie sich zu verhalten hatte. Der Machtapparat des TLD stand mit dem hierherversetzten Tower und den rund zehntausend Agenten hinter ihr, aber es fehlten die Tausende terranischen Raumschiffe, die im Ernstfall blitzschnell zur Stelle waren und den Eindringling, böse Absichten vorausgesetzt, zur Strecke brachten.
Die Alashaner wollten ihre Anwesenheit auf Thorrim so lange wie möglich geheim halten. Aber hatten sie sich nicht bereits verraten, indem sie das fremde Schiff angefunkt hatten?
Gia erhielt die Meldung, dass tatsächlich König Markée über das ihm von ihr überreichte Funkgerät Kontakt aufgenommen und nach dem georteten Fremdschiff gefragt habe. Also kannten auch die Thorrimer diesen Typ nicht.
»Tu etwas!«, sagte sie heiser und starrte auf die Ortungsbilder. »Mach endlich etwas. Antworte!«
Sie ließ sich mit Markée verbinden und tauschte mit ihm erste Informationen und Meinungen aus. Dabei stellte der Monarch noch einmal klar, dass keines der ihm und seinen Beratern bekannten Völker der Galaxis DaGlausch solche Schiffstypen fliege.
In dem Moment, als sie ihm wieder antworten wollte, nahm die fremde Einheit plötzlich Fahrt auf. Gia hielt den Atem an, aber das Schiff beschleunigte nicht auf Thorrim zu, sondern weiter in Richtung des ersten Planeten – nein!
Es flog tangential an Cletternam vorbei.
»Es rast auf die Sonne zu!«, rief Jarg Demussoulos. »Wenn es nicht abdreht, stürzt es geradewegs hinein!«
»Aber das ist unmöglich«, sagte sie leise. »Wer tut so etwas? Höchstens jemand, der in den Ortungsschatten der Korona gehen will, um sich zu verstecken. Aber das wäre sinnlos, weil sie mit Sicherheit unsere Funkanfragen empfangen haben.«
»Falls jemand an Bord ist«, kam es von König Markée, der voll zugeschaltet war und somit alles sah und hörte, was in de Moleons Büro vorging.
Das war es vielleicht!
»Ein Robotschiff?«, fragte die TLD-Chefin. »Aber selbst wenn es so wäre, würde es im Innern der Sonne aufhören zu existieren. Da helfen keine noch so starken Schutzschirme. Kein Raumschiff hält das aus.«
Laufend erhielt sie auf einem Schirm die schneller schrumpfenden Entfernungsdaten des Walzenraumschiffs von der Sonne. Der Raumer beschleunigte immer noch. Dann gab es einen Blitz, die Sonnenoberfläche schien für einen Moment zu explodieren.
»Es gibt keinen Ortungsreflex mehr«, erklärte Jarg Demussoulos. »Entweder das fremde Schiff existiert nicht mehr, oder es hat sich unserer Beobachtung entzogen. Alle Wahrscheinlichkeit spricht für die erste Annahme.«
»Die Schiffe der durch die Thorrimer bekannten Völker DaGlauschs benutzen zum überlichtschnellen Flug den Linearantrieb«, sagte Gia de Moleon. »Könnte es sein, dass der Raumer unmittelbar vor dem Sturz in die Sonne in den Linearraum ging?«
»Die TLD-Syntronik gibt dafür eine Wahrscheinlichkeit von unter einem Prozent aus«, bekam sie zur Antwort. »Wir hatten ihr die Frage schon gestellt.«
Nach der Versetzung des Terrania-Stadtteils Alashan, also nachdem den Menschen kein NATHAN mehr zur Verfügung stand, war die die untersten sieben Stockwerke einnehmende Syntronik des TLD-Towers die oberste kybernetische Instanz für die Versetzten.
»Also haben wir offenbar eine seltsame, unerklärliche Art von Selbstmord beobachtet«, sagte Gia mit trockenem Lachen.
»Das kann offenbar bestätigt werden. Die TLD-Syntronik behauptet nämlich, nach Auswertung aller Kursdaten habe sich das fremde Schiff mit voller Absicht in die Sonne gestürzt.«
Gia de Moleon atmete tief durch. Sie verstand nicht, wessen sie gerade Zeuge geworden war. Sie wusste nicht, wer die Fremden gewesen waren und ob es überhaupt eine organische Besatzung des Schiffes gegeben hatte.
Sie wusste nur, dass das Auftauchen des Raumers offenbar nicht dem Planeten Thorrim gegolten hatte. Ohne eine wirksame Systemverteidigung hätten sich Menschen und Thorrimer einem Angriff von Unbekannt noch nicht im geringsten erwehren können.
Der Alarmzustand wurde abgebrochen, und nachdem Gia de Moleon die Verbindung zum Thorrimer-König mit dem Hinweis auf ein baldiges Treffen unterbrochen hatte, erschien Alaska Saedelaere in ihrem Büro.
Der Träger der Haut, die derzeit zusammengerollt in seinem Nacken lag, setzte sich; er wirkte dabei seltsam unzugegen, ja fast apathisch.
»Kannst du mir vielleicht sagen, was mir die Ehre deines Besuchs verschafft, wenn du schon keinen Muckser von dir gibst?«, fragte Gia sarkastisch.
Saedelaere sah sie nur an. Das genügte, um ihr einen Schauer über den Rücken zu jagen.
Seit dem Start der GOOD HOPE III war der Aktivatorträger so, sprach kaum ein Wort, wirkte desorientiert. Sie wusste nicht, was es war, aber etwas an ihm machte ihr regelrecht angst – und dazu gehörte schon eine Menge.
»Alaska?«, fragte sie. »Kann ich dir helfen?«
Er schüttelte nur schweigend den Kopf.
*
»Selbstmord?«, fragte Stendal Navajo, nachdem er sich von der Geheimdienstchefin alles hatte berichten lassen. »Das fällt mir schwer zu glauben.«
Gia de Moleon musterte den Mann mit der Hakennase, dem schmalen Mund und den tief unter den weißen Brauen liegenden Augen lange, bevor sie antwortete. Navajo war Halbalbino. Sie hatte ihn in all den Jahren, in denen er einer ihrer besten Agenten gewesen war, kaum jemals lachen sehen. Er galt als Sonderling, vor allem, nachdem er den Dienst quittiert hatte. Es fiel ihr immer noch schwer, sich an den Gedanken zu gewöhnen, zukünftig mit ihm auf das engste zusammenzuarbeiten. Aber er war zu ihr gekommen, die er einst hart kritisiert hatte wegen ihrer nicht unumstrittenen Politik, und er hatte sie gebeten, im Amt zu bleiben.
»Alles deutet aber darauf hin«, sagte sie. »Es sei denn, dass die Fremden sich wirklich in der Korona versteckt halten oder in letzter Sekunde ein Linearmanöver gestartet haben. Aber dagegen sprechen alle Berechnungen unseres Syntrons.«
»Würden sie in der Sonnenkorona parken, dann müssten sie über Schutzschirme verfügen, die die Bewohner von DaGlausch nach unseren Kenntnissen nicht besitzen – ist das richtig?«
»Richtig«, gab Gia de Moleon zu. »Aber nach den Syntronberechnungen sind sie nicht in die Korona, sondern in die Sonne geflogen.«
Navajo ging in ihrem Büro auf und ab, die Hände hinter dem Rücken verschränkt und merkwürdig steif.
»Dann schlage ich vor«, sagte er, »dass wir die Sonne vorsichtshalber unter Beobachtung halten, jede Unregelmäßigkeit wachsam verfolgen und ansonsten wieder zum Tagesgeschäft übergehen. Die Grenzbereinigungen stehen an und der Anschluss an die Wasserversorgung von Zortengaam. Das sind für die Bevölkerung wichtigere Dinge als Phantome. Außerdem will ich den Pakt mit den Thorrimern, so schnell es geht, unter Dach und Fach haben.«
»Du weißt genau, weshalb der Abschluss sich verzögert hat, Stendal«, sagte sie. »Nicht zuletzt wegen der unterschiedlichen Währungen und ihrer Konvertierbarkeit. Alles das muss in den Vertrag hinein.«
»Natürlich, ich weiß.« Er blieb stehen und klopfte mit den Fingerspitzen einen Takt auf ihren Schreibtisch. »Wir werden für alles Lösungen finden, die größten Probleme sind ja bereinigt. Was mir mehr am Herzen liegt, sind die direkten Kontakte zwischen den Alashanern und den Thorrimern, Gia. Du weißt, was ich meine.«
Das fremde Schiff war fast schon vergessen. Sie nickte.
»Auf hoher Ebene verhandeln wir fleißig mit den neuen Nachbarn, aber auf unterer Ebene gibt es nach wie vor Ressentiments.« Sie konnte sich einen Seitenhieb nicht verkneifen: »Trotz deines Wahlerfolgs.«
»45 Prozent der Bevölkerung waren gegen mich«, räumte er ein. »Viele von ihnen fühlen immer noch Misstrauen gegen die Thorrimer. Gerade deshalb ist die direkte Begegnung so wichtig.«
»Die Grenzen sind offen«, sagte Gia. »Wie immer von euch gefordert. Jeder Thorrimer kann zu uns kommen, und jedem Terraner steht der Weg nach Zortengaam offen.«
»Wir müssen die Begegnungen forcieren, in unser aller Interesse. Bald werden Alashan und Zortengaam zusammenwachsen, und eine Systemverteidigung kann nur Sache von Alashanern und Thorrimern sein, auch wenn sie erst zu dieser Einsicht gebracht werden müssen. Was wir brauchen, ist ein Austauschprogramm. Zum Beispiel, dass ihre Kinder in unsere Schulen kommen und umgekehrt. Das alles lässt sich mit einer Portion guten Willens machen.«
»Erklär du das den Alashanern«, riet sie ihm. »Du bist ihr Bürgermeister ...«
Er nickte langsam und verabschiedete sich.
Auch wenn ihr Gespräch in andere Bahnen gegangen war, hatten Gia de Moleon und er den gleichen Gedanken, als sie sich trennten.
Sie dachten wieder an das fremde Raumschiff und was aus ihm geworden war. Gia de Moleon sah außerdem immer wieder Alaska Saedelaeres leer wirkendes Gesicht vor sich.
Die Band
Jedder Colusha hatte einen arbeitsreichen Tag hinter sich, als er nach Hause in die Wohnsiedlung kam und seinen Bungalow betrat. China und Earth, seine sieben Jahre alte Tochter und sein zwölfjähriger Sohn, kamen hinter der wild kläffenden Dackeldame Chessy die Treppe heruntergelaufen, um ihn ausgelassen zu begrüßen.
»Ist ja gut«, sagte Jedder lachend, um den an ihm hochspringenden Hund zu beruhigen, doch Chessy gab erst Ruhe, als Earth sie mit einem Kauknochen ablenkte, in die Küche lockte und dort einsperrte.
»Hallo, ihr beiden«, sagte Jedder, zog seine leichte Jacke aus und hängte sie an der Garderobe auf. »Wo ist denn eure Mutter?«
»Bei Tante Betty«, klärte Earth ihn auf. »Ich weiß nicht, aber sie hat ganz geheimnisvoll getan. Tante Janet und Tante Prilla haben auch schon angerufen.«
»Janet?«, fragte Jedder verwundert. »Prilla? Mit denen hat sie sich doch schon ewig nicht mehr getroffen. Hat Betty etwa Geburtstag?«
»Woher sollen wir das wissen?«, bekam er von China zu hören.
»Und wann wollte sie zurück sein?«
»Das hat sie uns auch nicht gesagt«, beschwerte sich Earth. »Aber wenn wir mal zu unseren Freunden gehen und eine Stunde länger bleiben, werden wir gleich ausgeschimpft.«
»Das könnt ihr erstens nicht miteinander vergleichen«, wurde er von seinem Vater belehrt, »und zweitens habt ihr es ja in der letzten Zeit kräftig übertrieben. Wenn ich nur daran denke, wie oft ich euch nachts drüben in Zortengaam gesucht habe, bei euren thorrimschen Freunden.«
»Wir haben etwas für die Völkerverständigung getan«, sagte Earth empört. »Das hat sogar der König Markée gesagt.«
»Jaja«, beendete Jedder das Thema. »Ist ja schon gut. Haben wir etwas zu essen?«
