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Der Gigant sucht nach Informationen - ein Fall für Bré Tsinga Im großen Konflikt zwischen der Koalition Thoregon, die sich für den Frieden im Kosmos einsetzt, und dem nach wie vor mysteriösen Shabazza konnten Perry Rhodan und seine Wegbegleiter vor einiger Zeit einen gewaltigen Erfolg erzielen: Es gelang ihnen, die SOL zu erobern. Damit ist das uralte Generationenraumschiff, das von Shabazzas Hilfstruppen stark verändert wurde, nach vielen hundert Jahren wieder im Besitz der Menschheit. Doch als die SOL zu ihrer ersten Reise unter neuer Besatzung aufbrach, spielte das Bordgehirn SENECA falsch - niemand wusste, dass die Positronik unter Kontrolle einer sogenannten Nano-Kolonne stand. Eigentlich sollte die SOL in die Galaxis Gorhoon fliegen, statt dessen kam sie in der Milchstraße an. Dort gelang es Perry Rhodan und seinen Getreuen erst nach zähen Kämpfen, die Kontrolle über das eigene Raumschiff zurückzugewinnen. Am Schwarzen Loch im Zentrum der Menschheitsgalaxis scheint sich erneut ein großer Kampf anzubahnen. In der Zwischenzeit haben die Haluter die Initiative ergriffen, wenngleich eher heimlich. Auf Terra wird beispielsweise Blo Rakane aktiv. Er ist ein ganz besonderes Wesen seines uralten Volkes - denn Blo Rakane ist EIN WEISSER HALUTER ...
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Seitenzahl: 137
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Nr. 1964
Ein weißer Haluter
Der Gigant sucht nach Informationen – ein Fall für Bré Tsinga
von Horst Hoffmann
Im großen Konflikt zwischen der Koalition Thoregon, die sich für den Frieden im Kosmos einsetzt, und dem nach wie vor mysteriösen Shabazza konnten Perry Rhodan und seine Wegbegleiter vor einiger Zeit einen gewaltigen Erfolg erzielen: Es gelang ihnen, die SOL zu erobern.
Damit ist das uralte Generationenraumschiff, das von Shabazzas Hilfstruppen stark verändert wurde, nach vielen hundert Jahren wieder im Besitz der Menschheit. Doch als die SOL zu ihrer ersten Reise unter neuer Besatzung aufbrach, spielte das Bordgehirn SENECA falsch – niemand wusste, dass die Positronik unter Kontrolle einer sogenannten Nano-Kolonne stand.
Eigentlich sollte die SOL in die Galaxis Gorhoon fliegen, statt dessen kam sie in der Milchstraße an. Dort gelang es Perry Rhodan und seinen Getreuen erst nach zähen Kämpfen, die Kontrolle über das eigene Raumschiff zurückzugewinnen. Am Schwarzen Loch im Zentrum der Menschheitsgalaxis scheint sich erneut ein großer Kampf anzubahnen.
In der Zwischenzeit haben die Haluter die Initiative ergriffen, wenngleich eher heimlich. Auf Terra wird beispielsweise Blo Rakane aktiv. Er ist ein ganz besonderes Wesen seines uralten Volkes – denn Blo Rakane ist EIN WEISSER HALUTER ...
Gucky – Der Mausbiber macht sich Sorgen um einen seiner ältesten Freunde.
Icho Tolot – Der Haluter schwankt zwischen verschiedenen Gefühlen.
Bré Tsinga – Die Kosmopsychologin ergreift eindeutig Partei.
Dr. Galan Wojtyczek – Der Mediker wagt ein riskantes Experiment.
Julkyan Ziriamber – Ein Agent des arkonidischen Kristallimperiums.
Blo Rakane
3. Januar 1291 NGZ
Mimas
»Dieses Warten macht mich noch ganz verrückt!«, explodierte Gucky förmlich.
Der Mausbiber sprang von dem Sessel an dem Tisch auf, auf dem er eigentlich mit Icho Tolot 3-D-Schach spielte (und regelmäßig verlor). Nun suchte er nach einem Ventil für seine Frustration.
Als sein Blick die große Schale mit exotischen Früchten fand, stieg unvermittelt eine Art Melone daraus auf, schwebte einige Meter bis knapp vor die Eingangstür der Kabine und zerplatzte in der Luft. Ihr Inhalt spritzte meterweit. Gucky knurrte und winkte ab. Sollten sich die Reinigungsroboter um die Schweinerei kümmern.
»Spar deine telekinetischen Kräfte!«, riet ihm Tolot mit gedämpfter Stimme. »Du änderst nichts, indem du dich an irgendwelchen Gegenständen vergreifst. Wir sind hier zu Gast, und wie Gäste sollten wir uns auch verhalten. Die Melone kann nichts dafür, dass die Ärzte keine Fortschritte erzielen können.«
»Alles hier in diesem Gefängnis kann dafür!«, erwiderte Gucky wütend. »Auf Camelot konnten sie uns nicht helfen, also war Mimas unsere letzte Hoffnung. Und was ist? Dieser Dr. Wojtyczek gibt uns eine Menge Erklärungen. Die Mediker wissen, was mit Mike los ist, Icho – nur tun können sie nichts! Soll denn alles umsonst gewesen sein?«
Tolot blieb ruhig auf dem Boden sitzen und wartete, bis dem kleinen Freund die Luft ausgegangen war. Der Haluter glaubte zu wissen, wie es in dem Ilt aussah. Von Tag zu Tag wurde seine Verzweiflung größer.
Es war nicht nur, dass »einer der Ihren«, ein Unsterblicher also, in einem Kryo-Tank mehr tot als lebendig dahindämmerte. Gucky kannte Mike Rhodan seit dessen Geburt. Der Ilt hatte mit Perry Rhodans Sohn gespielt, als er noch ein Kind gewesen war, und ihn beobachtet und begleitet, als er heranwuchs – bis er eines Tages spurlos verschwand und viele Jahre später als »Roi Danton« zurückkehrte, als König der Freihändler. Mike hatte diese neue Identität gebraucht, um sich aus dem Schatten des übermächtigen Vaters zu lösen und sich selbst zu beweisen.
Gucky kam zurück zum Tisch gewatschelt und setzte sich wieder. Sein Kopf hing nach unten.
»Ich habe keine Lust mehr, mit dir zu spielen, Icho«, lispelte er. »Dein Planhirn ist unbesiegbar.«
»Ich habe dir hoch und heilig geschworen, auf den Einsatz des Planhirns zu verzichten«, sagte Tolot.
Gucky lachte trocken. »Wer's glaubt, wird ...«
Der Ilt holte tief Luft und seufzte: »Tut mir leid, Icho, ich weiß nicht mehr, was mit mir los ist. Aber zu wissen, dass Mike ein paar Stockwerke tiefer in diesem Tank liegt und dass fast dreieinhalb Millionen Mikro-Maschinen inzwischen wer weiß was mit ihm anstellen können, macht mich selbst ganz wahnsinnig.«
»Ich verstehe das, Kleiner«, grollte Tolot.
Gucky hob den Kopf und starrte ihn eine Weile an, dann die zartgrün gespritzten Wände und die Decke, aus denen indirektes, beruhigendes Licht floss. Das ihnen zugewiesene Quartier hatte einen großen Aufenthaltsraum und je einen Hygiene- und Schlaftrakt für jeden von ihnen. Icho Tolot hatte auf ein Spezialbett für sich verzichtet; der schwarzhäutige Riese schlief auf dem Boden.
»Ob Perry mit der SOL wieder aus dem Solsystem verschwunden wäre, wenn er gewusst hätte, dass Mike hier in Lebensgefahr schwebt?«, fragte Gucky.
Im gleichen Moment stieg eine weitere Melonenfrucht an die Decke und zerplatzte so dicht vor der Tür, dass ihr Inhalt die beiden Freunde nicht bekleckern konnte. Gucky schlug sich die Hand vor die Stirn.
»Verdammt und zugenäht!«, piepste er. »Fast hatte ich vergessen, dass es nicht der richtige Perry war, der von der plötzlich aufgetauchten SOL aus mit uns gesprochen hat!«
»Wer auch immer, es war nicht unser Perry Rhodan, sondern eine Kopie oder ein beeinflusster Mensch«, stimmte Icho Tolot zu.
»Was geschieht eigentlich alles in diesen Tagen?«, fragte der Ilt. »Ist das ganze Universum plötzlich verrückt geworden?«
»Es sieht tatsächlich so aus«, meinte der Haluter. »Und alles Unheil, alle Irritationen, denen wir im Moment begegnen, haben mit einiger Sicherheit auch einen Namen.«
»Shabazza!« Die dritte Melone zerplatzte vor der Tür.
Gucky ballte die kleinen Händchen zu Fäusten.
»Was geschieht, wenn Mike stirbt, Icho? Wie bringen wir es Perry bei, wie den anderen Freunden? Er darf nicht sterben! Lieber würde ich mein Leben anbieten!«
»Damit warte gefälligst noch«, sagte Tolot. »Ich ...«
In diesem Moment ertönte der Türsummer. Mit einer raunzigen Bemerkung öffnete Gucky. Die Tür glitt in ihrem Rahmen zurück, und ein Arzt aus Dr. Wojtyczeks Stab trat ein.
»Doktor Wojtyczek bittet euch, mir zu ihm zu folgen«, sagte er, bevor er den nächsten Schritt tat. »Es sieht aus, als hätten wir eine Methode gefunden, um ...«
Weiter kam er nicht, denn seine Füße rutschten auf der klebrigen Melonenbrühe aus, und er knallte mit einem Fluch auf den Rücken.
»Das war ich«, sagte Icho Tolot, als der Mediker sie, auf dem Boden auf seine Ellbogen gestützt, beide voller Wut ansah. »Bitte, entschuldige, mir ist eine exotische Frucht aus den Händen geschlüpft und an der Decke zerplatzt.«
Gucky sah ihn dankbar an.
Der Mediker schaffte es, auf dem glitschigen Boden aufzustehen, und streifte sich den Saft von den Ärmeln, so gut es ging.
Mit einem Haluter wollte er sich nicht einlassen. Und es war um so besser für ihn, dass er es nicht mit Gucky versuchte, einem Telekineten, Telepathen und Teleporter.
»Kommt jetzt!«, knurrte der Mann in dem zartgrünen Kittel. »Ich soll euch zu Professor Wojtyczek bringen.«
»Darauf warten wir schon lange«, versetzte Gucky. »Und sieh zu, dass bis zu unserer Rückkehr diese Kabine hier gesäubert ist!«
Der Mann griff sich an den Schädel und trat vorsichtig hinaus.
Icho Tolot wusste, dass sein kleiner Freund vom untergegangenen Planeten Tramp jetzt keine Späße mehr machte. Wenn es so klang, dann war es ebenfalls aus lauter Verzweiflung über den Zustand seines Freundes Mike Rhodan.
*
Die Kuntami-Klinik auf dem rund vierhundert Kilometer durchmessenden Saturnmond Mimas, am Südpol gelegen, war äußerlich ein zylinderförmiger blauer Turm von dreißig Metern Durchmesser und siebzig Metern Höhe. Unzählige erleuchtete Fenster übersäten die Hülle aus Stahl- und Plastiklegierungen. Fast stündlich landeten auf dem nahe gelegenen kleinen Raumhafen Schiffe, und schnelle Gleiter pendelten zwischen dem Feld und dem Gebäude hin und her.
Was kaum jemand ahnte, war, dass die Klinik einen Hochsicherheitstrakt darstellte, dem berüchtigten Para-Bunker durchaus vergleichbar. Die medizinische Ausstattung war vorbildlich, allerdings kamen Paratronschirme, Kampfroboterstaffeln und andere Absicherungen hinzu und sorgten dafür, dass die Mediker auch in heiklen Fällen stets in Sicherheit arbeiten konnten. Es gab sogar ein in den umgebenden Felsen verborgenes Wachfort.
Ein solch »heikler Fall« war am 28. Dezember 1290 NGZ zu dem atmosphärelosen, öden Himmelskörper gebracht worden, über dem der mächtige Gasball des Saturns mit seinen faszinierenden, farbigen Ringen aus kosmischem Staub und Eis einen Teil des schwarzen Himmels ausfüllte. Eine Space-Jet von Camelot, dem geheimen Planeten der Unsterblichen, war gelandet. Mit ihr gekommen waren der Mausbiber Gucky, der Haluter Icho Tolot und der Terraner Michael Rhodan, der sich in seinem Wahn allerdings für »Torric, den Herrn der Zeiten« hielt.
Mike Rhodan hatte sich in schockgefrorenem Zustand in einem Kryogen-Tank befunden. Gucky und Tolot hatten ihn in die Klinik begleitet, und nach mehr als zwei Stunden war ihnen Cistolo Khan gefolgt, der mächtige LFT-Kommissar.
Seitdem warteten sie darauf, dass die Ärzte eine Möglichkeit fanden, ihrem Freund zu helfen. Die Mediker waren alles andere als untätig gewesen. Sie hatten verschiedene Untersuchungen an Rhodan unternommen und dabei festgestellt, dass in seinem Körper rund 3,3 Millionen kleinste Teilchen zirkulierten. Es waren offenbar die Einzelteile jenes Konditionierungschips, den Shabazza, der momentan größte Feind der Menschheit, dem Terraner eingepflanzt und damit seinen Gehorsam erzwungen und seinen Wahn ausgelöst hatte.
Diese fast dreieinhalb Millionen Teilchen, so hatten die Wissenschaftler herausgefunden, waren mehrschichtig aufgebaut. Keines glich dem anderen völlig. Die Strukturhülle aus anorganischem Material, so komplex gegliedert wie die eines Virus, umschloss einen Kern aus scheinbar amorpher Materie. Und so gering die Masse dieser Materie war, sie schien organischen Ursprungs zu sein. Durch die Strukturhülle war sie gegen Michaels Zellaktivator geschützt, konnte also von diesem nicht nach Art einer Krankheit angegriffen werden. Hinzu kam die Tatsache, dass die Strukturhüllen funktionale Eigenschaften besaßen. Die Wissenschaftler sprachen daher von »Mikro-Maschinen« unbekannter Funktion.
Mit den geeigneten Messgeräten ließen sich zudem Spuren einer permanenten psionischen Strahlung nachweisen, die auf der gleichen Frequenz lag, wie man sie früher bei dem Suggestor Ribald Corello angemessen hatte – nur dass die Amplitude mikroskopisch gering ausfiel. Dennoch schien hier der Grund für Mike Rhodans mentale Beeinflussung gefunden zu sein.
Doch auf Heilung hatten die Mediker von Kuntami Mikes Gefährten nicht viel Hoffnung machen können. 3,3 Millionen Operationen waren nicht auszuführen, nicht einmal bei einem Zellaktivatorträger. Eine Blutwäsche würde vielleicht mehrere hunderttausend Partikel entfernen. Doch wie würde der Rest darauf reagieren, der sich immer noch im Körper des Patienten befand? Wie würde Michaels beeinflusster Geist sich verhalten?
Nur eine unkonventionelle Methode konnte noch weiterhelfen, falls überhaupt. Das hatten die Wissenschaftler von vorneherein gesagt, und daran hatte sich auch bis heute noch nichts geändert.
Eine unkonventionelle Methode war es dann auch, die der behandelnde Chefarzt, Professor Dr. Galan Wojtyczek, den Aktivatorträgern vorzuschlagen hatte. Und sie war so riskant, dass er sie nur mit ihrer ausdrücklichen Einwilligung anwenden konnte. Ein Normalsterblicher würde bei der Prozedur absolut keine Chance haben. Bei einem Unsterblichen konnte es wenigstens den Hauch einer Hoffnung geben.
Als Dr. Wojtyczek an diesem Tag Gucky und Tolot zu sich kommen ließ, da wusste er, dass er von ihnen vielleicht das Todesurteil für ihren Freund verlangte ...
*
Professor Dr. Galan Wojtyczek war kahlköpfig und etwa 1,90 Meter groß, schlank und etwas steif in seinen Bewegungen. Er trug wie stets einen Kittel von der gleichen hellgrünen Farbe wie die Wände und Decken.
Als Gucky und Icho Tolot in seinem Büro erschienen, bot er ihnen Kaffee und Gebäck an. Sie lehnten beides ab und setzten sich. Für Tolot war eigens ein Spezialsessel installiert worden.
»Was habt ihr an Neuem?«, fragte der Ilt direkt. »Gibt es eine Methode, um Mike Rhodan zu helfen?« Er starrte den Professor an. »Ich meine, auf Camelot haben's unsere Mediker ja auch versucht; wir hoffen jetzt, dass euch auf Mimas mehr einfällt.«
Wojtyczek lehnte sich in seinem Sessel zurück und legte die Fingerspitzen beider Hände aneinander. Er starrte darauf.
»Ja und nein, Gucky«, sagte er dann. »Wir haben uns tagelang die Köpfe zerbrochen, wie wir Mike helfen und die Mikrokörper in ihm eliminieren könnten. Es wurden Pläne erstellt und wieder verworfen. Am Ende blieb eines übrig, und darüber müsste ich nun mit euch sprechen.«
»Schieß los, Doc!«, forderte Gucky ihn auf.
Dr. Galan Wojtyczek atmete tief durch.
»Unser einziger erfolgversprechender Plan«, bekannte er, »geht aus unserer Erkenntnis hervor, dass die Mikro-Maschinen in Rhodans Körper – deren Funktion bis heute nicht exakt zu eruieren ist – gegen bestimmte Strahlungen in geringem Maß durchlässig sind. Dazu gehört ein Strahlengemisch aus psionischer und einfacher ionisierender Strahlung.«
»Ein Strahlengemisch«, wiederholte Icho Tolot. »Das bedeutet, dass ihr Michael Rhodan unter anderem radioaktiv bestrahlen lassen wollt, mit Gammastrahlen?«
»Unter Umständen, ja. Es kommt auf euch an, ihr müsst mit der Entscheidung einverstanden sein. Worauf wir aufbauen: Zellaktivatorträger sind gegen diese Art von Strahlung zumindest über einen gewissen Zeitraum weitgehend resistent. Was für einen normalen Menschen tödlich wäre, wirkt auf einen Aktivatorträger lähmend. Wie wir aus langen Erfahrungen und aus den Recherchen des Mondgehirns NATHAN wissen, kann der Körper eines relativ Unsterblichen hinterher zerstörte Zellen mit Hilfe des Aktivators wiederherstellen. Meine Kollegen und ich glauben, dass Michael Rhodan gerade jene Menge an Radioaktivität lebendig überstehen könnte, die nötig ist, um die lebende Materie innerhalb der Mikro-Maschinen abzutöten.«
Bevor einer der beiden Aktivatorträger etwas sagen konnte, fügte der Professor hinzu: »Das ist nicht alles. Wir werden Michael Rhodan mit verschiedenen Spektren von psionischer Strahlung beschießen, die diese Mikro-Maschinen zusätzlich anregen sollen.« Er verzog das Gesicht. »Diese Strahlung ist nicht schmerzhaft, weil sie seinen Körper praktisch nicht berührt, deshalb erwähne ich sie nur am Rande.«
Gucky und Icho Tolot schwiegen und sahen sich an.
»Wir ergänzen das Ganze noch durch fein dosierte Vibratorstrahlen«, sagte der Professor in das unbehagliche Schweigen hinein. »Auch das ist eher zweitrangig, soll aber die anderen Strahlungsarten unterstützen. Wir haben in umfangreichen Syntronsimulationen herausgefunden, dass es nur so funktionieren kann; NATHAN hat das ganze stundenlang durchgerechnet und geprüft.«
Der Ilt wusste offensichtlich nicht, wohin mit seinen Händen – ein Zeichen seiner Nervosität. Der Haluter saß da wie ein Klotz, niemand konnte ihm ansehen, was in diesen Minuten in ihm vorging.
»Wie gesagt«, wiederholte Professor Wojtyczek, »es ist eure Entscheidung.«
»Die möglichen Folgen für Mike – ob es klappt oder nicht?«, fragte Tolot.
»Die kann niemand vorhersehen«, gestand der Mediker. »Arbeit und Wirkung eines Zellaktivatorchips sind keineswegs verlässlich dokumentiert, auch wenn uns NATHAN Berge von Material zur Verfügung gestellt hat. Es ist und bleibt eure Entscheidung. Sollen wir das Experiment wagen oder nicht?«
»Nie im Leben!«, sagte Gucky.
Tolot fragte: »Und wenn wir unsere Zustimmung nicht geben? Welche Aussichten bestehen dann für Mike?«
Wojtyczek lehnte sich vor, stützte sich mit den Ellbogen auf die Platte seines Arbeitstisches und erklärte:
»Die gut dreieinhalb Millionen Mikrokörper in ihm werden aktiv bleiben. Da sie einem Programm folgen, das wir nicht kennen und auch nicht entschlüsseln können, ist das Schlimmste zu befürchten. Sogar, dass sie gewissermaßen sein Gehirn zerfressen. Es ist denkbar, dass – entschuldigt! – am Ende ein lallender Idiot aus dem Kryogen-Tank aufgetaut wird. Es ist sogar wahrscheinlich. Und immer noch wird er dem Programm dieses Shabazza gehorchen und sich für Torric halten.«
Gucky saß da, wie man den Ilt selten gesehen hatte, tief zurückgesunken in seinem Sessel, die Augen geschlossen. Um seine schwarze Nase herum zuckte es. Er atmete tief, so als würde er meditieren.
»Tolotos?«, fragte er, ohne die Augen aufzuschlagen.
»Ich weiß, wie dir zumute ist, mein kleiner Freund«, sagte der riesenhafte Haluter so leise wie möglich. »Ich ahne auch, was Mike bevorsteht, aber wir haben keine andere Hoffnung. Wir müssen den Medikern vertrauen, Gucky.«
»Also zustimmen?«, fragte der Mausbiber.
»Ja«, antwortete Tolot. »So schwer es uns fällt. Mike bedeutet für mich sicherlich nicht das gleiche wie für dich, aber wir müssen uns an diesen Strohhalm klammern, wie die Terraner sagen. Und so hart es sich anhören muss, solltest du doch bedenken, dass ein Weiterleben, so, wie Michael es derzeit führt, schlimmer sein kann als der Tod. Er kann es nicht entscheiden. Wir müssen es für ihn tun.«
Gucky hielt die Augen geschlossen.
Der Mausbiber schien gar nicht mehr zu atmen. Dann holte er tief Luft und richtete sich in seinem Sitz auf.
»Ich lasse dich einen Orbit um Mimas fliegen, wenn ihr die Sache versaut, Professor«, sagte er. »Und zwar ohne Raumanzug. Seht mir zu, dass ihr Mike wieder auf die Beine bringt. Bestrahlt ihn mit Radioaktivität und all dem anderen Dreck – aber nicht mehr, als auch ein Unsterblicher ertragen kann.«
»Ich danke dir, Gucky«, sagte Wojtyczek. »Wir werden sofort alle Vorbereitungen treffen und in ein, zwei Stunden mit der Behandlung anfangen.«
»Und gnade euch Gott, wenn ihr nur einen Fehler macht«, drohte der Ilt. Sein Blick ließ den Professor schaudern.
