Perry Rhodan 1977: Transformation - Horst Hoffmann - E-Book

Perry Rhodan 1977: Transformation E-Book

Horst Hoffmann

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Beschreibung

Sie retten ihn vor dem sicheren Tod - ein Terraner in einer fremden Galaxis In sechs verschiedenen Galaxien entsteht zur Zeit die Koalition Thoregon: ein Bündnis verschiedener Völker, das sich dem Frieden im Kosmos verschrieben hat. Bekämpft wird Thoregon von Shabazza und dessen Hintermännern, die derzeit an Bord der Kosmischen Fabrik MATERIA operieren. Vor allem Perry Rhodan und seine alten Weggefährten kämpfen an entscheidenden Stellen gegen Shabazzas Machenschaften. So versucht der Terraner derzeit mit der SOL, den direkten Widerstand gegen MATERIA im Zentrum der Milchstraße zu organisieren, während sein alter Freund Atlan mit der GILGAMESCH in der fernen Galaxis Chearth gegen die Algiotischen Wanderer kämpft. So scheinen zahlreiche Ereignisse miteinander verknüpft zu sein, deren Ursprünge zum Teil Zehntausende von Jahren in der Vergangenheit liegen: vom Anbeginn Thoregons bis zur aktuellen Handlungszeit, in der Perry Rhodan als Sechster Bote der Koalition agiert. Um Anfänge in der Vergangenheit geht es auch im vorliegenden Roman: Lotho Keraete, ein Terraner, erlebt eine TRANSFORMATION ...

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Seitenzahl: 134

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Nr. 1977

Transformation

Sie retten ihn vor dem sicheren Tod – ein Terraner in einer fremden Galaxis

von Horst Hoffmann

In sechs verschiedenen Galaxien entsteht zur Zeit die Koalition Thoregon: ein Bündnis verschiedener Völker, das sich dem Frieden im Kosmos verschrieben hat. Bekämpft wird Thoregon von Shabazza und dessen Hintermännern, die derzeit an Bord der Kosmischen Fabrik MATERIA operieren.

Vor allem Perry Rhodan und seine alten Weggefährten kämpfen an entscheidenden Stellen gegen Shabazzas Machenschaften. So versucht der Terraner derzeit mit der SOL, den direkten Widerstand gegen MATERIA im Zentrum der Milchstraße zu organisieren, während sein alter Freund Atlan mit der GILGAMESCH in der fernen Galaxis Chearth gegen die Algiotischen Wanderer kämpft.

So scheinen zahlreiche Ereignisse miteinander verknüpft zu sein, deren Ursprünge zum Teil Zehntausende von Jahren in der Vergangenheit liegen: vom Anbeginn Thoregons bis zur aktuellen Handlungszeit, in der Perry Rhodan als Sechster Bote der Koalition agiert.

Um Anfänge in der Vergangenheit geht es auch im vorliegenden Roman: Lotho Keraete, ein Terraner, erlebt eine TRANSFORMATION ...

Die Hauptpersonen des Romans

Lotho Keraete – Ein junger Terraner durchlebt eine merkwürdige Veränderung.

Negra Tolt – Die Kommandantin eines Explorerschiffes geht in einen Kampfeinsatz.

Florence Lamar – Eine junge Terranerin durchlebt ihre letzten Stunden.

James

1.

26. Januar 2512

Überfall der Blues

»Ich wünschte, es würde etwas passieren – ich meine, diese grausame Monotonie beenden«, sagte Leutnant Todd Rivers, der Ortungsoffizier der HUMBOLDT, und spielte eine Karte aus.

Mürrisch blickte er seinen Nebenmann an und wartete darauf, dass dieser bediente. In seinem Mundwinkel klebte eine halb aufgerauchte Zigarette. Rivers war mit seinen 68 Jahren der älteste der vier Spieler, die in einer hellen Ecke der sonst kaum erleuchteten Funk- und Ortungszentrale saßen und sich die Zeit mit dem Spielen vertrieben. Das Licht spiegelte sich auf seiner glattpolierten Glatze.

Florence Lamar, die ihm gegenübersaß, nickte. »Wir werden hier verrückt. Wann zieht uns Bull endlich von hier ab? In diesem verfluchten Hinterhof der Galaxis werden wir noch alle verblöden.«

Auch sie sah denjenigen an, der am Zug war, aber sie lächelte dabei. Florence war 33 Jahre alt und attraktiv – das wusste sie auch.

Lotho Keraete, erst 24 Jahre alt, frischgebackener Leutnant und Exobiologe, warf eine Karte ab und schüttelte den blondhaarigen Kopf. Er war hager, allerdings mit ziemlich breiten Schultern. Auf Frauen wirkte er ähnlich wie Florence auf die männliche Besatzung der HUMBOLDT – und auch er wusste das.

»Ich verstehe Sie nicht«, sagte er jetzt. »Wir gehören zur Explorerflotte des Solaren Imperiums, und hier draußen, am Rand der galaktischen Eastside, gibt es so viele unentdeckte Planeten, dass wir Jahre brauchten, um auch nur einen Teil von ihnen abzuklappern. Wenn Ihnen der Job zu langweilig ist, wieso haben Sie sich dann zur Explorerflotte gemeldet?«

Rivers lachte abfällig. Florence war am Zug.

»Jeder hat seine schwachen Momente, Jungchen. Ich zum Beispiel träumte davon, Welten mit untergegangenen Kulturen zu entdecken. Schätze, Reichtümer, Sensationen! Und wie sieht die Wirklichkeit aus? Planeten – so öde wie der Mars vor dem Terraforming.«

»Aber jede neue Welt stellt doch eine Herausforderung dar«, protestierte Keraete. »Auch für Sie.«

Die verschiedenartige Anrede, einmal das »Sie«, einmal das »Du«, resultierte schlicht und einfach daraus, dass der junge Keraete erst seit kurzem der Spielerrunde angehörte, quasi als Ersatz für einen in Disziplinarhaft sitzenden Kameraden der drei anderen. Es hatte also nichts mit den Rangunterschieden zu tun.

»Das legt sich mit der Weile«, sagte der Vierte im Bunde, Captain Ephraim Stone. »Florence, wir warten.«

Sie stieß unter dem Tisch vorsichtig Lothos rechtes Bein an und rieb ihren Fuß daran. Er errötete. Er ahnte, dass dies kein Zeichen zum »Zusammenspielen« war – jedenfalls nicht mit den Karten.

Die schöne Florence lächelte, als sie gleich drei Karten auf einmal legte und den Rest vorzeigte. Mit der anderen Hand griff sie nach dem Einsatz, der in der Mitte des Tisches lag.

»Bingo, meine Herren!«, sagte sie. »Ich denke, ihr seid mir ...«

Das Signal der Hyperfunkanlage unterbrach sie. Sie und ihre Partner sahen sich an, dann sprang Stone, der Funkoffizier, auf und lief zu seinem Arbeitsplatz. Er ließ sich in seinen Kontursessel fallen und schaltete auf Empfang. Zuerst konnte er kaum etwas verstehen.

»Hier Explorerschiff HUMBOLDT, Kodebezeichnung EX-1298«, sagte er in sein Mikro. »Wir empfangen Sie schwach. Bitte wiederholen Sie ...!«

»Da hast du vielleicht schon deine Sensation, Todd«, sagte Florence, allerdings ohne selbst daran zu glauben.

Wieder streichelte ihr Bein das von Lotho Keraete. Diesmal griff er unter den Tisch und hielt es sanft fest.

»Was ist, Ephraim?«, fragte Todd Rivers, der ebenfalls aufgestanden war. Er nahm die Zigarre aus dem Mund. »Nachrichten von einem unserer Planeten – oder sogar von der Erde?«

Stone schüttelte den Kopf und bedeutete ihm, ruhig zu sein.

»Na, dann eben nicht«, knurrte Rivers.

Stone schien angestrengt zu lauschen. Alle hörten die Stimme aus den Lautsprechern, aber der Funker hatte zusätzlich einen Kopfhörer aufgesetzt und musste besser verstehen, was da hereinkam.

»Hallo!«, hörten die anderen ihn rufen. »Meldet euch!«

Aber es kam nichts mehr. Stone nahm den Kopfhörer ab und sah die anderen an.

»Das war ein Hilferuf«, sagte er. »Ich konnte nur verstehen, dass sich die Bewohner eines Planeten namens Xynax dem Angriff von Blues-Piraten gegenübersehen und sich nicht mehr lange halten können.«

»Dann nichts wie hin!«, ereiferte sich Todd Rivers. »Ich unterrichte die Kommandantin für den Fall, dass man in der Hauptzentrale den Notruf nicht ebenfalls so gut gehört hat. Wir müssen helfen. Endlich passiert etwas.«

»Freuen Sie sich nicht zu früh, Sir«, sagte Lotho Keraete. »Was sollten wir gegen eine ganze Flotte ausrichten?«

»Niemand hat etwas von einer Flotte gesagt«, belehrte ihn Rivers. »Es kann auch ein einzelnes Schiff der Blues sein. Aber das werden wir sehen. Wir werden ihnen mit unseren vier Transformkanonen schon einheizen.«

Lotho Keraete blieb skeptisch. Im Gegensatz zu Rivers war er nicht so furchtbar auf Abenteuer aus. Er wollte vor allen Dingen leben und entdecken.

Trotzdem war er insgeheim froh darüber, dass das Solare Imperium – zumindest teilweise – seine ursprüngliche Konzeption der Explorerflotte aufgegeben hatte. Angesichts der verworrenen politischen Situation in der Milchstraße waren verschiedene dieser Forschungsraumer trotz friedlicher Mission mit Transformkanonen ausgerüstet.

»Lass ihnen den Spaß!«, sagte Florence und nahm seine Hand, als sie allein in der Ecke saßen. »Sie sind große Kinder, wenngleich auch ich mich über die Abwechslung freue.«

»Aber wir könnten sterben!«

Als sie ihn küsste, durchlief es ihn heiß und kalt. Und er wünschte sich, dieser Augenblick möge nie vergehen. Alle Gefahr und jede Herausforderung des Kosmos waren in diesem langen Moment nebensächlich.

*

Das Explorerschiff HUMBOLDT, die EX-1298, fünfhundert Meter im Durchmesser, erreichte das Ziel in zwei Linearetappen, die erste über fünfzig, die zweite über 17 Lichtjahre. Der Planet Xynax war katalogisiert. Es war bekannt, dass es dort eine terranische Splitterkolonie gab, knapp 38.000 Lichtjahre von der Erde entfernt.

Am Rand des Tollar-Systems, zu dem Xynax als erster Planet gehörte, brach der Explorer aus dem Linearraum. Mit annähernder Lichtgeschwindigkeit und stark verzögernd raste er in das System hinein. Die Orter waren im Volleinsatz.

Nach Passieren des dritten Planeten, einer Welt vom Jupitertyp, erschienen die ersten Energieechos auf den Bildschirmen. Dabei zeigte sich, dass insgesamt zehn Raumschiffe den ersten Planeten unter Beschuss genommen hatten und weiter darauf feuerten.

»Die Blues-Piraten!«, sagte Todd Rivers in der Hauptleitzentrale zu Oberstleutnant Negra Tolt, der Kommandantin. Sie war hochgewachsen, hatte eine weißblonde Mähne und zeichnete sich vor allem dadurch aus, dass sie für ihr Leben gern für einen Teil ihrer Mannschaft »kochte«. Der Rest war auch für sie Routine, in diesem armseligen Sektor der Galaxis.

Negra Tolt war 37 Jahre alt und die heimliche Liebe von Lotho Keraete. Er vergötterte sie geradezu, biss aber bei ihr auf Granit. Nur deshalb hatte er sich nun mit Florence eingelassen. Vielleicht machte sie das eifersüchtig, und sie verstand endlich.

»Wir greifen doch an, oder?«, fragte Todd. »Wir dürfen nicht zulassen, dass diese kleine Kolonie einfach vernichtet wird.«

»Wenn sie es nicht schon ist«, sagte Negra. »Aber Sie haben recht, Leutnant. Wir müssen versuchen zu retten, was noch zu retten ist.«

Die HUMBOLDT raste weiter auf den ersten Planeten zu, immer noch verzögernd. Als sie ihn fast erreicht hatte, besaß sie noch knapp 100.000 Kilometer in der Stunde Fahrt. Die zehn Echos wurden nun auch auf den Schirmen der Fernoptik sichtbar. Es handelte sich zweifellos um zehn Diskusschiffe der Blues, mit einem Durchmesser von 500 bis 800 Metern.

Die HUMBOLDT kam jetzt fast zum Stillstand, noch gut fünfzigtausend Kilometer von Xynax und den Bluesraumern entfernt. Die Kommandantin rief über Normalfunk die Einheiten der Blues an und forderte sie auf, sich augenblicklich aus dem System zurückzuziehen. Andernfalls würde sie ohne weitere Warnung das Feuer eröffnen lassen.

»Die lachen doch nur über uns«, sagte Ephraim Stone. »Sie reagieren überhaupt nicht.«

Lotho Keraete hatte sich ebenfalls in die Zentrale begeben und verfolgte den verzweifelten Abwehrkampf der Planetarier. Immer wieder zuckten Feuerfinger von den Stellungen der Kolonisten ins All, verfehlten aber die Diskusse der Blues oder wurden von deren Schutzschirmen absorbiert. Dafür schlugen die Strahlbahnen der Blues ununterbrochen auf dem Planeten ein. Es gab Explosionen an der Oberfläche, die mit bloßem Auge zu sehen waren.

»Also gut«, sagte Negra Tolt. »Wir haben ihnen eine Chance gegeben. Sie sind zwar in der Übermacht, aber wir haben die überlegeneren Waffen. Captain Blyss!«

André Blyss meldete sich aus dem Feuerleitstand. Die Kommandantin befahl ihm, alle vier Transformgeschütze auszurichten und abzufeuern.

»Auf der Stelle«, bestätigte der Gunner der HUMBOLDT. »Denen wird gleich Hören und Sehen vergehen.«

Negra nickte. »Schutzschirme voll aktiviert?«, fragte sie.

»Aktiviert!«

»Dann los! Zeigt den Tellerköpfen, dass wir hier sind!«

Die Raumpiraten hatten noch durch nichts zu erkennen gegeben, dass sie von der Ankunft des Explorers Notiz genommen hätten. Jetzt änderte sich das. Das Verderben kam innerhalb von Sekundenbruchteilen über sie – in Form von vier gleichzeitig explodierenden Diskussen.

»Warten Sie mit der nächsten Salve, Captain!«, befahl die Kommandantin. »Sie sollen Gelegenheit haben, sich zu verziehen. Ich will nicht als Schlächterin in die Geschichte eingehen.«

Die Gesichter ihrer Offiziere zeigten, dass sie von dieser Geste nicht begeistert waren, aber niemand widersprach.

Atemlose Spannung herrschte in der Zentrale der HUMBOLDT. Die Blues hatten ihr Feuer auf Xynax eingestellt. Noch rührten sie sich nicht und behielten ihre Positionen bei.

André Blyss meldete, dass die nächste Transform-Salve jederzeit abgegeben werden könne. Negra Tolt schüttelte den Kopf.

Beide Parteien schienen sich gegenseitig zu belauern. Und dann schlugen die Blues zurück.

Wie auf ein geheimes Kommando hin sprengten ihre Schiffe auseinander und eröffneten das Feuer auf den Explorer. Die Schutzschirme der EX-1298 flammten auf. An mindestens einer Stelle wurden sie sogar durchschlagen. Das Explorerschiff wurde heftig durchgerüttelt, und ein Alarm zeigte an, dass in einem Sektor die Außenhülle aufgerissen war. Sofort wurden alle betreffenden Zugänge dorthin hermetisch geschlossen. Der Alarm verstummte, aber der Schock saß tief.

»Sie feuern Punktbeschuss!«, rief Blyss von seiner Zentrale aus. »Ich schieße die zweite Salve ab!«

Diesmal traf er nur zwei der linsenförmigen Raumer. Die Blues rochierten so schnell, dass die Zielerfassung erschwert wurde. So eine Blöße wie zum Anfang des Kampfes würden sie sich nicht mehr geben.

»Jemand muss Blyss unterstützen!«, rief die Kommandantin und sah sich um. »Sie, Keraete! Sie haben hier nichts zu tun!«

»Äh ... jawoll, Sir«, stotterte der Exobiologe.

»Ich weiß, dass Sie keine Kampferfahrung haben. Dann holen Sie sich jetzt welche. Die Geschütze sind weitgehend computergesteuert, Sie können nicht viel falsch machen!«

Lotho Keraete rannte los.

Er hatte nicht viel Zeit, sich weitere Fragen zu stellen. Lotho lief, so schnell ihn die Beine trugen.

Dann wurde die HUMBOLDT abermals erschüttert, diesmal viel schwerer als beim ersten Mal. Lotho verlor das Gleichgewicht und fiel. Er schlug hart auf und zog sich an einer Wandstrebe in die Höhe.

Er hörte Schreie. Das Schiff ächzte in seinen Verstrebungen. Irgendwo erfolgte eine Explosion. Lotho glaubte, die Welt müsse sich um ihn herum drehen.

Er fuhr sich mit der Hand über die Stirn und sah, dass er blutete. Aber er hatte keine Zeit, sich darum zu kümmern. Bevor er einen Medorobot herbeigerufen hätte, konnte das Schiff vernichtet sein. Außerdem hatte er seinen Befehl.

Das Schwindelgefühl ließ nach. Er erreichte den Feuerleitstand und sah auf den ersten Blick, dass André Blyss tot war. Der Offizier hing in den Gurten seines Kontursitzes und blutete stark aus einer Wunde genau an der Schläfe, in der ein spitzer Gegenstand steckte.

Wie er dahin gekommen war, ob von der Decke abgebrochen oder bei der Erschütterung durch den Raum geschleudert, konnte Lotho nicht sagen. Er wusste auch nicht, was es war. Er wusste nur, dass die HUMBOLDT in diesen Augenblicken schutzlos war und er für den Captain einspringen musste, ob er wollte oder nicht.

Lotho warf sich in den freien Sitz und schnallte sich fest. Ein Blick zeigte ihm, dass Blyss noch zwei Bluesraumer erwischt haben musste, denn es waren ebenfalls nur noch zwei, die das Explorerschiff angriffen.

Wie ein Transformgeschütz zu bedienen war, das wusste er nicht. Mit den Impulskanonen dagegen kannte er sich – rein theoretisch – recht gut aus.

Wieder wurde die HUMBOLDT getroffen. Lotho Keraete hörte verzerrt die Stimme der Kommandantin aus dem Lautsprecher.

Er beugte sich über die Kontrollen der insgesamt acht Impulsgeschütze und rief: »Captain Blyss ist tot! Ich übernehme!«

Seine rechte Hand fand die Taste für die automatische Zielerfassung. Er richtete sie auf die beiden Bluesraumer aus und löste mit der linken Hand eine Salve aus. Der Computer folgte den Blues und übernahm das Abfeuern.

Gleißendhell zuckten die Bahnen von vier Impulskanonen auf die Diskusse zu – und Lotho Keraete, der noch nie einen Schuss abgegeben hatte, erzielte den ersten Abschuss!

Ein seltsames Gefühl stieg in ihm auf. Er kannte es nicht, und es machte ihm etwas Angst. Es war ein wilder Triumph, verbunden mit dem Wunsch, Negra Tolt mit seinem Erfolg zu imponieren. Auf der anderen Seite wusste er, dass er soeben vielleicht Hunderte von lebenden Wesen getötet hatte.

Die Blues ließen ihm keine Zeit für Gewissensbisse. Sie griffen mit ihrem letzten Schiff an und erzielten abermals einen Treffer. Wieder heulte der Alarm durch den terranischen Kugelraumer, diesmal hörte er nicht mehr auf.

Lotho Keraete hörte die Stimme der Kommandantin, die ihm zu schießen befahl. Er schluckte und vollführte noch einmal die gleichen Bewegungen wie vorhin.

Die Impulskanonen feuerten. Diesmal verfehlten sie den übrigen Diskus, der sich in einem Zickzackkurs entfernte, dann stoppte und wieder heranschoss. Bevor er feuern konnte, tat Keraete es – und traf wieder!

Seine Stirn war schweiß- und blutbedeckt. Seine Augen brannten. Drei Explosionen innerhalb einer halben Minute warfen die HUMBOLDT aus der Bahn. Sie drohte auf den Planeten abzustürzen. Keraete löste seine Gurte und lief auf den Gang hinaus, wobei er sich überall dort festkrallte, wo es nur einen Halt für ihn gab. Er taumelte, fiel, richtete sich auf und lief weiter. Er musste in die Zentrale zurück. Er wollte jetzt nicht allein sein, allein in einem Schiff, das wahrscheinlich nicht mehr zu retten war.

Die Minuten schienen ewig zu dauern. Keraete, der Held wider Willen, kämpfte sich tapfer voran, musste über einen Bewusstlosen hinwegsteigen, wurde wieder von einer Erschütterung von den Beinen geholt, und endlich war er an seinem Ziel.

In der Zentrale sah es aus, als habe eine Titanenfaust hineingedroschen. Der Alarm machte Lotho fast verrückt. Warum stellte Negra ihn nicht ab?

Dann sah der junge Biologe, dass die Kommandantin im Pilotensitz hockte und anscheinend krampfhaft darum bemüht war, die HUMBOLDT unter starker Beschleunigung an Xynax vorbeizusteuern. Langsam wanderte der Planet aus einem der noch nicht implodierten Bildschirme heraus.

Lotho hielt die Luft an. Die Kommandantin schaffte es! Aber um welchen Preis!

Die EX-1298 war vom Schwerefeld des ersten Planeten eingefangen worden und wurde wie ein Bumerang von ihm wieder freigelassen, als Negra Tolt den letzten Antriebsschub gab. Der Planet schleuderte sie von sich fort, wobei er sie zusätzlich beschleunigte. Aber wohin?

»Die Sonne«, hörte Lotho sich krächzen. »Wir fliegen genau auf die Sonne zu ...«

*

Eine Explosion jagte die andere. Negra Tolt teilte mit, dass nun auch die Steuerung betroffen sei und der Kurs des Schiffes nicht mehr korrigiert werden könne. Sie musste schreien, um sich verständlich zu machen.