Perry Rhodan 2215: Der Schohaake - Horst Hoffmann - E-Book

Perry Rhodan 2215: Der Schohaake E-Book

Horst Hoffmann

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Beschreibung

Ein Biologe haust in den Bergen Norwegens - und macht einen seltsamen Fund Wir schreiben den Oktober des Jahres 1331 Neuer Galaktischer Zeit. Die Lage in der Milchstraße ist aufs Äußerste gespannt. Die galaktischen Großreiche der Arkoniden und der Terraner stehen sich schwer bewaffnet gegenüber. Hyperstürme machen die interstellare Raumfahrt zu einer höchst riskanten Angelegenheit, und doch sind sie nur Symptome eines tiefgreifenden Wandels: Die "Hyperimpendanz" erhöht sich, so dass die mit fünfdimensionalen Energien arbeitenden Geräte ausfallen. Hinzu kommt ein neues Phänomen, als auf einmal fremde Sternenmassen im Bereich der Milchstraße auftauchen, die zunächst mit konventionellen Mitteln nicht besucht werden können: Im Sektor Hayok beispielsweise erschien der geheimnisvolle " Sternenozean von Jamondi " - und dort verschwand Lotho Keraete, der Bote der Superintelligenz ES, zusammen mit Perry Rhodan und Atlan. Auf der Erde bahnt sich in der Zwischenzeit etwas anderes an: Es erscheint DER SCHOHAAKE...

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Seitenzahl: 147

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Nr. 2215

Der Schohaake

Ein Biologe haust in den Bergen Norwegens – und macht einen seltsamen Fund

Horst Hoffmann

Wir schreiben den Oktober des Jahres 1331 Neuer Galaktischer Zeit. Die Lage in der Milchstraße ist aufs Äußerste gespannt. Die galaktischen Großreiche der Arkoniden und der Terraner stehen sich schwer bewaffnet gegenüber.

Hyperstürme machen die interstellare Raumfahrt zu einer höchst riskanten Angelegenheit, und doch sind sie nur Symptome eines tief greifenden Wandels: Die »Hyperimpedanz« erhöht sich, so dass die mit fünfdimensionalen Energien arbeitenden Geräte ausfallen.

Hinzu kommt ein neues Phänomen, als auf einmal fremde Sternenmassen im Bereich der Milchstraße auftauchen, die zunächst mit konventionellen Mitteln nicht besucht werden können. Im Sektor Hayok beispielsweise erschien der geheimnisvolle »Sternenozean von Jamondi« – und dort verschwand Lotho Keraete, der Bote der Superintelligenz ES, zusammen mit Perry Rhodan und Atlan.

Auf der Erde bahnt sich in der Zwischenzeit etwas anderes an: Es erscheint DER SCHOHAAKE ...

Die Hauptpersonen des Romans

Alexander Skargue – Der Biologe verfolgt einen Elch und findet einen Alien.

Sam – Der Huskie beweist einen guten Riecher.

Mondra Diamond – Die LFT-Staatssekretärin forscht erfolgreich nach Ungewöhnlichem.

Orren Snaussenid – Das seltsame Wesen strandet in der Eiswüste.

Sven Hastud

1.

Es war der Tag, der sein Leben verändern sollte.

Der Wind pfiff eisig über die karge Gebirgslandschaft Jotunheimens und trieb dichte weiße Wolken über und zwischen die hier nur noch vereinzelt stehenden Bäume. Der Schnee, eigentlich viel zu früh für diese Jahreszeit, lag knöcheltief. Hier und da türmte er sich zu Verwehungen von bis zu einem Meter Höhe auf. Alexander Skargues Augen waren nur schmale Schlitze, obwohl er eine Schneebrille trug, seine Wangen rot. Die Lippen schmerzten in der bitteren Kälte. Sein ganzes Gesicht brannte. Es war fast Mittag, doch die Temperaturen lagen immer noch unter dem Gefrierpunkt.

Sam, Skargues einziger Begleiter, blieb auffallend dicht bei seinem Herrn. Der eisgraue, halbblinde Huskie folgte zwar noch der Fährte, aber er lief nicht mehr ausgelassen wie sonst voran oder machte Abstecher in den schütteren Wald. Immer wieder blieb er stehen und witterte. Dann hob er den Kopf und stieß ein leises, lang gezogenes Geheul aus. Seine Nackenhaare richteten sich auf, und er kniff die Rute ein. Noch nie hatte Skargue seinen Hund so erlebt.

»Was witterst du, Sam?«, rief der stämmige, in dicke Pelze gehüllte Biologe gegen das Heulen des Winds an. Seine Schritte knirschten. Noch trug er seine Schneeschuhe auf den Rücken geschnallt. »Einen Bären? Oder Wölfe, die der frühe Winter zu uns herübertreibt?«

Möglich war alles, seitdem vor dreißig Jahren mit dem großen Auswilderungsprogramm im Südwesten des ehemaligen Norwegen begonnen worden war. Alexander Skargue gehörte sozusagen zu diesem Programm. Er lebte allein in einem spärlich eingerichteten Container oberhalb der aus wenigen Häusern bestehenden Ortschaft Mol, praktisch abgeschnitten von der Zivilisation.

Und dabei fühlte er sich wohl. Skargue liebte die moderne Zivilisation nicht. Er hasste alles Technische und hatte sogar auf ein Funkgerät verzichtet. Seine wöchentlichen Berichte brachte er hinunter nach Mol, von wo aus sie weitergegeben wurden. Er blieb nie lange dort, hatte keinerlei Bindungen. Sein momentaner Lebensinhalt war einzig und allein, in diesem nördlichen Teil des alten Europas jene Tierart wieder auszuwildern, die hier einmal heimisch gewesen war, nämlich die Elche. Und sein einziger Freund war Sam – zwar bereits in die Jahre gekommen, aber immer noch wertvoll für Skargue. Sam verfügte nach wie vor über eine untrügliche Nase und ein phänomenales Orientierungsvermögen.

Vieles war möglich, aber nicht, dass sich Sam wegen der Elchfährte so seltsam verhielt, der sie seit dem frühen Morgen – oder besser gesagt: seit zwei Tagen – folgten. Es war die Spur der zuletzt ausgesetzten Elchkuh, und Skargue wollte feststellen, ob sie nach einem Monat in Freiheit bereits trächtig war. Spezielle Duftstoffe an ihren Hufen machten sie von allen anderen zwölf bisher ausgewilderten Elchen unterscheidbar. Sam hatte ihre Spur nach nur einem halben Tag gefunden und seitdem nicht mehr verloren. Da hatte allerdings noch kein Schnee gelegen. Erst in der letzten Nacht hatte es angefangen zu stürmen, und mit dem Wind war die weiße Pracht gekommen.

Es schien ein harter Winter zu werden. Man schrieb den 23. Oktober des Jahres 1331 NGZ. Trotz seiner Isolation hatte Alexander Skargue das aktuelle Datum immer im Kopf. Er brauchte es schon allein wegen seiner täglichen Berichte, die er auf ein altmodisches Band sprach. Das einzige Zugeständnis an die Technologie der Gegenwart war ein Trividempfänger gewesen, der aber aus ihm unbekannten Gründen seit dem 11. September den Betrieb eingestellt hatte und sich nicht reparieren ließ.

Sam verharrte immer wieder, hob den Kopf und witterte. Skargue machte neben ihm Halt und strich ihm über das von Schnee verkrustete Rückenfell. Der Huskie wandte ihm den Kopf zu, in den Augen ein stummes Flehen. Skargue machte sich ernsthafte Sorgen. Sam winselte erbärmlich.

Der Biologe seufzte und wischte sich den Schnee aus dem Bart. »Wenn du mir nur zeigen könntest, was dich so unruhig macht.«

Ein lang gezogenes Geheul war die Antwort. Dann begann Sam wütend zu knurren und wie anklagend zu kläffen. Skargues Sorge wuchs noch, als er zwei, drei Schritte vorwärts machte und Sam keine Anstalten traf, ihm zu folgen.

»Du willst nicht weiter?«, fragte der Wissenschaftler. Er atmete tief ein und schüttelte den Kopf. Sams Verhalten signalisierte Gefahr. Aber welche? Auf einen Bären oder ein Wolfsrudel hätte er anders reagiert. Also was war es dann?

»Vielleicht hast du Recht, und wir sollten eine Pause einlegen«, sagte Skargue. »Wir haben seit gestern nichts Richtiges mehr gegessen.«

Erst jetzt, als er seinen schweren Rucksack abschulterte, spürte er, wie sein Magen knurrte. Es war tatsächlich Zeit für eine Pause. Vielleicht beruhigte sich Sam ja.

Der Huskie wich vor Skargue zurück, als dieser ihm einen Brocken Fleisch hinhielt. Er fletschte die Zähne. Dann folgte wieder das Geheul. Es klang jammervoller denn je.

Trotzdem, entschied er, hatte es keinen Sinn, mit leerem Magen aufs Geratewohl loszulaufen. Er aß also etwas von seinen Vorräten und nahm einen kräftigen Schluck aus seiner letzten Branntweinflasche, dann noch einen. Sofort spürte er die Wärme, die sich in seinem Körper ausbreitete. Er brauchte das. Alexander Skargue war Alkoholiker. Seit seinem Aufbruch vor zwei Tagen hatte er zwei Flaschen geleert. Er wurde davon nicht betrunken, nicht mehr. Es stimulierte ihn, regte seinen Geist an, regulierte die Durchblutung, war in seinen Augen der beste Schutz vor allen unangenehmen Überraschungen.

Und vor den Menschen.

Wenn Skargue nach Mol ging, war er nie nüchtern. Er wollte nur so viel mit anderen Menschen zu tun haben wie gerade nötig. Der Einzelgänger hielt nichts von der Kultur seiner Artgenossen und noch weniger von den Städten.

Alexander Skargue war in Versuchung, die Flasche ganz auszutrinken. Am Ende beherrschte er sich. Er musste einen einigermaßen klaren Kopf behalten angesichts dessen, was möglicherweise vor ihnen lag.

*

Das Schneetreiben hörte so plötzlich auf, wie es eingesetzt hatte. Die Nachmittagssonne kämpfte sich durch die Wolken. Sie stand tief und schickte ihre Strahlen wie Lichtspeere durch die Äste der vereinzelt stehenden Fichten.

Alexander Skargue war weitergegangen. Sam hatte sich anfangs geweigert, aber nach langem guten Zureden war er seinem Herrn schließlich gefolgt, hatte inzwischen wieder die Führung übernommen.

Der im Sonnenlicht glitzernde Schnee hatte alle Spuren begraben. Das war allerdings kein Hindernis für Sams feine Nase. Womöglich war sein Sehvermögen stark eingeschränkt, doch seinen Geruchssinn betraf das nicht: Er witterte die Fährte der Elchkuh auch unter der weißen Decke. Alexander Skargues Arbeit, nämlich Proben der Kothaufen des Tieres zu nehmen und zu untersuchen, war dagegen so gut wie unmöglich geworden. Bestimmte Hormone im Kot konnten ihm Aufschluss darüber geben, ob die Kuh trächtig war oder nicht. Bisher hatte er diese Hormone noch nicht herausfiltern können, doch er benötigte zumindest drei Vergleichsproben, um Gewissheit zu erlangen.

Der Weg wurde steiler. Am späten Nachmittag erreichten sie die Waldgrenze. Vor ihnen lag karges Hügelland. Dahinter erhob sich der ewig weiße, majestätische Gipfel des Glittertind.

Der Schnee lag hier höher. Skargue schnallte sich die Schneeschuhe vom Rücken. Allmählich verspürte er doch eine aufkommende Müdigkeit.

Es war ungewöhnlich, dass sich ein Elch in diese Höhe verirrte. Skargue fragte sich, ob Sam überhaupt noch der Fährte der Kuh folgte oder ob etwas anderes ihn vorantrieb. Sein Fell war fast ununterbrochen gesträubt. Dann und wann winselte oder jaulte er, blieb stehen und sah sich nach Skargue um – so als könne er es nicht erwarten, dass der Biologe ihm folgte. Sam war wie ausgewechselt. Hatte er sich vorhin noch vor Angst gewunden, so schien er nun voller Ungeduld zu sein. Skargue fand nur eine Erklärung für sein geändertes Verhalten: Sam war auf Jagd!

Der 98-jährige musste sich selbst gegenüber zugeben, dass es ihm nicht anders ging. Er glaubte nicht mehr daran, in dieser Höhe die Elchkuh zu finden. Es ging ihm wie Sam um das, was der Huskie seit Stunden witterte. Etwas lauerte in dieser Einöde. Etwas, das für Sam attraktiver geworden war als die Elchfährte, die er verloren oder vielmehr verlassen hatte.

Etwas lauerte ...

Die Sonne ging hinter dem Glittertind unter. Es begann zu dämmern. Sam lief jetzt noch schneller. Skargue kam kaum nach. Obwohl kräftig und rüstig, machte ihm das Tempo allmählich zu schaffen. Drei Tage lang waren sie nun fast ununterbrochen unterwegs. Skargue nahm noch einen Schluck aus der Flasche und beschloss, zum letzten Mal ein Nachtlager aufzuschlagen, ehe er den Rückweg antrat.

Plötzlich blieb Sam stehen. Er stand da wie versteinert, rührte sich nicht und wartete auf seinen Herrn. Skargue spürte, dass etwas Entscheidendes bevorstand. Zunächst konnte er weit und breit nichts erkennen, was sich von dem Weiß des Schnees abhob.

Doch dann, als er Sam erreichte, sah er die Spur.

*

Die Fährte war relativ frisch, in den harschen Schnee getreten, nachdem es zu schneien aufgehört hatte. Höchstens ein paar Stunden war das her.

Aber ... sie gehörte zu keinem Tier, das der Biologe kannte, und wenn sich einer mit der hiesigen Fauna auskannte, dann er. Selbst bei schlechteren Lichtverhältnissen hätte er das auf den ersten Blick erkannt.

Sam blickte den Wissenschaftler aus seinen halbblinden Augen abwartend, wie herausfordernd an. Er knurrte leise. Alexander Skargue ging neben ihm in die Hocke.

»Was haben wir da gefunden, Sam?«, fragte er murmelnd. »Sei ruhig, ganz ruhig ...«

Die Spur erinnerte an die Fußabdrücke eines Menschen, höchstens von Kindgröße. Aber sie waren sicherlich nicht menschlicher Herkunft.

»Nur vier Zehen, Sam«, sagte Skargue. »Wer immer hier gegangen ist, besitzt nur vier Zehen vorne und eine hinten am Fuß, dort, wo ein Mensch die Ferse hat ...«

Er war sich ziemlich sicher, dass kein exotisches Tier sich hierhin verirrt hatte, das diese Spuren hätte hinterlassen können. Es war nicht gänzlich auszuschließen, aber an diese Option glaubte er nicht ernsthaft.

Da war es wahrscheinlicher, dass sich ein außerirdischer Besucher in den norwegischen Wäldern herumtrieb. Skargue hatte freilich keine Ahnung, welches galaktische Volk solche Fußabdrücke hinterlassen mochte. Flugwesen nach Art der Bekassu und Geschöpfe des Wassers, wie die Solmothen sie darstellten, konnte er ebenso ausschließen wie Lemurerabkömmlinge, ebenso Hufträger wie die Cheborparner oder Wesen mit Klauen wie die Topsider oder Kartanin. Die exotischsten Wesen, die ihm einfielen, waren die Blues, doch er verwarf den Gedanken sofort wieder, als er genauer darüber nachdachte. Er hatte einmal Blues auf einer Bergtour gesehen und sie hatten – wie die meisten vernunftbegabten Lebewesen ohne entsprechende körperliche Robustheit – Schuhwerk getragen.

Es brachte nichts ein, darüber nachzudenken, zu welchem Volk der Fremde gehörte, er würde es ohnehin früh genug erfahren, wenn er ihn gefunden hatte. Was mochte das Fremdwesen hierher verschlagen haben? Eine ... Safari am Ende gar? Skargue knurrte ärgerlich. Wofür betrieben sie hier den ganzen Aufwand, wenn diese Zivilisationskrüppel einfach herkommen und wer weiß was anrichten konnten? Er richtete sich auf und tätschelte die Flanke seines Hundes. »Wir folgen der Spur, Sam.«

Der Huskie verstand. Er trabte leise knurrend los, langsam und schnüffelnd. Sein Schwanz war immer noch zwischen die Hinterläufe geklemmt. Skargue folgte ihm wachsam in einigen Metern Abstand. Die Schneedecke reflektierte das Licht des inzwischen hoch am Himmel stehenden Vollmondes. Inzwischen war es fast vollkommen sternenklar. Mit dem Schnee hatte auch der Sturm nachgelassen. Es war still, unheimlich still. Nur das knirschende Geräusch der eigenen Schritte war zu hören. Kein anderer Laut. Kein einsam jagender Nachtraubvogel, kein Wolfsgeheul – nichts.

Skargue verspürte keine Müdigkeit mehr. Es war wie ein Fieber, das ihn gepackt hatte. Er versuchte wiederum sich vorzustellen, wie ein Wesen beschaffen sein mochte, das diese Fußabdrücke hinterließ. War es nackt? Wie konnte es dann der Eiseskälte widerstehen? Nur in einem war er sich noch immer sicher: Er folgte keinem ihm bekannten Tier.

Die Neugier des Wissenschaftlers trieb ihn voran. Wem oder was folgten sie? Was sonderte einen so intensiven Geruch ab, dass Sam es über Kilometer hinweg wittern konnte?

Fast eine Stunde war vergangen, als der Huskie laut knurrend stehen blieb, wenige Dutzend Meter vor einer einsam in der Schneewüste des Hügels stehenden, knorrigen Fichte. Die Spuren führten direkt darauf zu.

Skargue verlangsamte seine Schritte. Er ging an Sam vorbei, der sich wieder nicht von der Stelle rührte. Eine ihm selbst unerklärliche Aufregung hatte den Biologen erfasst. Er schalt sich einen Narren, als er sein Jagdmesser aus der Gürtelscheide zog. Was hatte er von einem Wesen zu befürchten, das wahrscheinlich nicht größer war als ein Kind?

Für einen Augenblick sah er einen Außerirdischen vor sich, der ihn mit einer Strahlwaffe bedrohte. Skargue verscheuchte den Gedanken sofort wieder, während er sich der Fichte bis auf wenige Schritte genähert hatte.

Als Alexander Skargue den Baum erreicht hatte, blieb er stehen. Die Fährte endete direkt vor dem Stamm in einer einen halben Meter hohen Schneewehe. Skargue fand nichts und ging vorsichtig um die Krüppelfichte herum.

*

Das Wesen lag mit dem Oberkörper an den Baumstamm gelehnt, hier an der windabgewandten Seite der Fichte. Es war halb unter der Schneewehe begraben und musste sich mit letzter Kraft hierher geschleppt haben. Es rührte sich nicht. Skargues erster Eindruck war: Es ist tot!

Und wenn nicht? Er war Biologe aus Leidenschaft und fühlte sich allem Leben verbunden. Wenn, entgegen allem Anschein, noch ein Funke Hoffnung bestand, musste er helfen.

Sam war inzwischen zögernd näher gekommen. Skargue hielt ihn mit einer energischen Handbewegung auf Distanz. Dann machte er sich daran, das fremde Wesen vom Schnee zu befreien. Als er dessen linke Hand freigelegt hatte, tastete er nach einem Puls – nichts. Er versuchte es am Hals und glaubte, etwas zu spüren. Seine Hoffnung wuchs.

Dann legte er auch den Rest der Gestalt frei. Vor ihm lag ein humanoides, sehr dünnes Geschöpf, dessen Größe er auf etwa einen Meter zehn schätzte. Es war tatsächlich nackt. Die Haut war blassgelb bis ockerfarben und geschuppt.

Die Füße waren fünfzehig, mit einer Zehe hinten. Die Hände waren entsprechend aufgebaut, wobei jeweils der hinten sitzende Finger, genau wie die Zehe, die Funktion eines Daumens zu erfüllen schien.

Besonders auffallend war der Kopf des Fremden. Er war von einer dunkelgrünen Behaarung bedeckt, dick wie Stroh. Skargue schätzte, dass es nicht mehr als höchstens dreihundert Haare waren, die jedoch wie Halme geformt waren. Er konnte sich vorstellen, dass sie eine gewisse Schutzwirkung gegen Umwelteinflüsse boten.

Am Kinn des Wesens spross ein dichter, ebenfalls aus dunkelgrünen Halmhaaren bestehender Bart. Das Gesicht selbst war sehr schmal, die Nase sehr klein und der Mund lippenlos. Dennoch wirkte es erstaunlich menschenähnlich, fast wie das einer Puppe.

Und dann, als er sich über es gebeugt hatte, nahm Skargue den Geruch wahr, den Sam aus so weiter Ferne gewittert haben musste. Von dem kleinen Wesen ging ein intensiver Duft wie von Kümmel aus. Alexander Skargue tastete wieder nach dem Pulsschlag des Fremden. Er fühlte etwas. Das Herz des Wesens schlug schwach und langsam, aber es schlug. Der Extraterrestrier lebte tatsächlich noch!

Aber wie konnte er ihm helfen?

Skargue fühlte sich hilflos. Als erfahrener Biologe war er sich über seine vollständige Unwissenheit, was den Metabolismus des Aliens betraf, im Klaren. Was er auch tat, konnte falsch sein. Sein erster Gedanke war natürlich, das Wesen in seinen beheizten Wohncontainer zu bringen, wo ihm diverse Möglichkeiten zur Untersuchung und Reanimation zur Verfügung standen. Vielleicht reichte die Wärme ja schon, um es aus der todesähnlichen Starre zu reißen.

Oder war das Gegenteil der Fall, und es brauchte die Kälte aus irgendeinem Grund? Wie war es überhaupt hierher gekommen? Hatte es die Kälte gesucht, und er brachte es womöglich endgültig um, wenn er es in die Wärme seines Containers schaffte?

»Wenn du mir nur einen Tipp geben könntest, Sam«, murmelte er. »Und hör endlich mit dem Knurren auf!«

Sam gehorchte. Skargue zerbrach sich den Kopf, strich vorsichtig über die Brust des Fremden. Dann fasste er seinen Entschluss.

Er schulterte seinen Rucksack ab und wühlte darin, bis er ein festes Tuch herauszog. Er öffnete seine Pelzjacke. Dann griff er mit beiden Händen unter den Leib des Fremden und zog ihn völlig aus dem Schnee. Der kleine Körper war starr und erschien ihm federleicht. Skargue legte ihn in das Tuch, das er sich vorher um den Hals gebunden und gut verknotet hatte. Der Alien lag auf seiner Brust in der Schlinge wie ein Baby. Skargue schloss die Jacke darüber und richtete sich auf.

Aus dem Nachtlager würde nichts werden. Skargue wollte keine Stunde Zeit verlieren. Er würde die ganze Nacht lang marschieren. Dennoch brauchte er bis zum Container mindestens bis zum nächsten Mittag.

Hinter dem seltsamen fremden Wesen musste sich ein Geheimnis verbergen, und er wollte es lösen. Dies war seine Entdeckung, die ihm niemand streitig machen sollte.

2.