Perry Rhodan 2410: Der Kontaktwald - Horst Hoffmann - E-Book

Perry Rhodan 2410: Der Kontaktwald E-Book

Horst Hoffmann

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Beschreibung

Der Planet der Neuen Kansahariyya - Verbündete gegen die Terminale Kolonne TRAITOR Im Frühjahr 1346 Neuer Galaktischer Zeitrechnung steht die Menschheit vor der größten Bedrohung ihrer Geschichte: Die Terminale Kolonne TRAITOR hat die Milchstraße besetzt und alle bewohnten Planeten unter ihre Kontrolle gebracht. Die gigantische Raumflotte steht im Dienst der sogenannten Chaotarchen. Ihr Ziel ist, die Ressourcen der Milchstraße auszubeuten, um die Existenz der Negasphäre in Hangay abzusichern: einem Ort, an dem gewöhnliche Lebewesen nicht existieren können und herkömmliche Naturgesetze enden. Perry Rhodan ist mit dem Spezialraumschiff JULES VERNE über 20 Millionen Jahre zurück in die Vergangenheit der Milchstraße gereist, die damals Phariske-Erigon hieß, um die Menschheit in der Gegenwart zu retten. Atlan begibt sich indessen auf eine gefährliche Fahrt nach Hangay, an den Brennpunkt des Geschehens. Mit Mühe durchbricht er den Grenzwall der sich wandelnden Galaxis und stößt auf den Gegner. Aber noch jemand erwartet ihn dort - DER KONTAKTWALD...

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Seitenzahl: 132

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Nr. 2410

Der Kontaktwald

Der Planet der Neuen Kansahariyya – Verbündete gegen die Terminale Kolonne TRAITOR

Horst Hoffmann

Im Frühjahr 1346 Neuer Galaktischer Zeitrechnung steht die Menschheit vor der größten Bedrohung ihrer Geschichte: Die Terminale Kolonne TRAITOR hat die Milchstraße besetzt und alle bewohnten Planeten unter ihre Kontrolle gebracht.

Die gigantische Raumflotte steht im Dienst der sogenannten Chaotarchen. Ihr Ziel ist, die Ressourcen der Milchstraße auszubeuten, um die Existenz der Negasphäre in Hangay abzusichern: einem Ort, an dem gewöhnliche Lebewesen nicht existieren können und herkömmliche Naturgesetze enden.

Perry Rhodan ist mit dem Spezialraumschiff JULES VERNE über 20 Millionen Jahre zurück in die Vergangenheit der Milchstraße gereist, die damals Phariske-Erigon hieß, um die Menschheit in der Gegenwart zu retten.

Atlan begibt sich indessen auf eine gefährliche Fahrt nach Hangay, an den Brennpunkt des Geschehens. Mit Mühe durchbricht er den Grenzwall der sich wandelnden Galaxis und stößt auf den Gegner. Aber noch jemand erwartet ihn dort – DER KONTAKTWALD …

Die Hauptpersonen des Romans

Atlan – Der Arkonide wird an seine Vergangenheit als »Imago« erinnert.

Dr. Indica – Die Nexialistin besucht einen fremden Planeten.

Afa-Hem-F’ur – Eine Kontaktwaldsprecherin erfüllt den Wunsch ihrer verschwundenen Vorgängerin.

Cotthaki – Ein Hauri, der das höchste erreichbare Amt einer Widerstandszelle anstrebt.

Rea-Chi-D’un –

1.

Auf Gedeih und Verderb

968 Traitanks – zwei volle Geschwader!

Atlan fühlte die unterschwellige Wut, die er immer dann empfand, wenn er mit den Truppen des Chaos konfrontiert wurde. Und seit rund zweieinhalb Jahren schien das überall zu sein, egal wohin er sich wandte. Die flachen schwarzen Disken mit den verheerenden Waffen, schnell wie der Blitz, säumten seinen Weg und säten Tod und Verderben, brachten Grauen und Leid über die bewohnten Welten der Milchstraße – und nicht nur da.

Der Arkonide hatte seine Gefühle unter Kontrolle. Sie fraßen an ihm, aber sie fraßen ihn nicht auf, vor allem nicht seine Fähigkeit des logischen Denkens und eiskalten Überlegens und Abwägens.

Sie waren da, fast tausend von ihnen, aber sie konnten ihm und seinen Schiffen im Moment nicht gefährlich werden.

Das Hangay-Geschwader sank vollzählig in die Korona der orangefarbenen Sonne Enudir Omage hinab – die gigantische RICHARD BURTON, dazu die vier PONTON-Tender ERIDANUS XV und FOMALHAUT I bis III und schließlich die drei LFT-Doppel-BOXEN ARAMIS, ATHOS und PORTHOS, die »drei Musketiere«. Die Streitmacht, die die heimatliche Galaxis verlassen hatte, um in der Nachbarinsel Hangay die Entstehung der Negasphäre zu beobachten und, wenn möglich, zu bekämpfen, war sicher, solange die Emissionen der Sonne ihre eigenen Abstrahlungen überdeckte. Die Traitanks wussten von der Ankunft eines Unbefugten, aber ohne genaue Sichtung konnten sie unmöglich sicher sein, um wen es sich dabei handelte.

Und selbst wenn, hätten sie keine Chance gehabt.

TRAITOR konnte das System abriegeln und verhindern, dass der mutmaßliche Gegner floh. Die Kolonne konnte die Sonne und ihren Trümmerring belagern, allerdings wohl nicht ewig. Und vielleicht traf der Arkonide in der Sonnenkorona jemanden, der ebenfalls nicht gut auf TRAITOR zu sprechen war und der sich in Hangay gut genug auskannte, um eine Flucht zu ermöglichen.

Der Arkonide beobachtete gebannt die sich vor ihm in schneller Folge auf- und abbauenden holografischen Bilder und Darstellungen. In teilweise krassen Farben wurden die immer schneller einlaufenden Daten über die sich jetzt etwas langsamer nähernden beiden Objekte vor seinen Augen eingeblendet, mitten hinein ins hundertfach abgefilterte Falschfarbenbild der lodernden Sonnengluten, in denen die Schiffe und Tender des Geschwaders weiter dem ultraheißen Heliumkern des fremden Sterns entgegensanken. Sie waren Spielbälle der urgewaltigen Kräfte – und dennoch sicher wie ein Schiff in stürmischer See.

Atlan achtete auf all das nicht. Viel mehr interessierte ihn, was – oder wer – ihnen da aus der Sonne entgegenkam.

Die Hangay-Expedition hatte die Peilsignale der oder des Unbekannten empfangen, nachdem sie den »Grenzwall Hangay« mit dem Glück des Tüchtigen überwunden und fünf Traitanks vernichtet hatte. Für einen Augenblick waren sie vor die Wahl gestellt gewesen, sich den Traitanks erneut zu stellen und es mit einer Übermacht aufzunehmen oder sich mehr oder weniger einer unbekannten Quelle anzuvertrauen, die alles Mögliche sein konnte – nur kein Freund der Terminalen Kolonne TRAITOR.

Der ehemalige arkonidische Kristallprinz und Schlachtenführer war nie als Zauderer bekannt gewesen. Schon bevor er sich mit seinen wichtigsten Beratern besprochen hatte, hatte sein Entschluss festgestanden. Er ging volles Risiko ein, wie immer. Er war hierhergekommen, um Munition gegen die Kolonne zu suchen, die die Lokale Gruppe mit Traitanks, Fabriken, Forts und wer weiß was erstickte. Wer gegen TRAITOR war, war für ihn. So einfach war die Gleichung.

Man könnte natürlich auch sagen, meldete sich sein Extrasinn, du habest euch den Unbekannten auf Gedeih und Verderb ausgeliefert.

Er verzog in einem Anflug von Lächeln die Lippen, während sein Blick an den Holos klebte. Natürlich wusste er das. Die Zweifel des Logiksektors waren immer auch seine eigenen. Er betrachtete sie nicht als Schwäche, sondern im Gegenteil als den Luxus, den sich der Starke leisten konnte. Wahrscheinlich würde er selbst dann noch zweifeln, wenn er eines fernen Tages seinen letzten Atemzug tat.

Vielleicht in einer Million von Jahren, vielleicht aber auch schon morgen – oder in der nächsten Minute. Sein Aktivatorchip verlieh ihm die biologische Unsterblichkeit, half allerdings nicht gegen einen Schuss aus dem Hinterhalt.

Oder aus dem einer überlegenen Schiffskanone …

Die beiden Objekte drosselten ihre Geschwindigkeit. Dass es Raumschiffe waren, stand inzwischen außer Frage. Um welchen Typ es sich dabei handelte, blieb allerdings weiterhin offen.

Die RICHARD BURTON und die anderen Schiffe aus der Milchstraße würden sich an den Koordinaten mit ihnen treffen, die sie in einem letzten Peilsignal vorgegeben hatten. Es gab keine anderen Ortungen. Es hätte sie selbst dann nicht gegeben, wenn sich tausend andere Schiffe in der Nähe aufgehalten hätten. Die energetische Hölle der Sonne verschluckte alles.

Die Gluten von Enudir Omage loderten und flammten um die Eindringlinge, viele tausend Grad heiß. Nur ihre Paratronschirme schützten sie davor, wie undurchdringliche Blasen, in denen sie in einem absolut lebensfeindlichen Element schwammen. Wenn die Schirmfelder versagten, würde kein Besatzungsmitglied mehr die Zeit haben, über seine Sünden nachzudenken.

Die BURTON verlangsamte ihren Flug.

Jemand richtete eine Frage an Atlan. Er antwortete geistesabwesend. Es war nicht wichtig. Alles Nötige war gesagt. Den Rest erledigten die Positroniken.

Atlan hielt den Atem an.

Die Distanz zwischen den Galaktikern und den Unbekannten schrumpfte mehr und mehr. Sie näherten sich an, hatten den Rendezvouspunkt beide fast so gut wie erreicht. Und immer noch sah er nur zwei wabernde energetische Felder, farbige Eindrücke vor tobenden Wirbeln der Sonnenatmosphäre.

Dann aber waren sie da.

Der Arkonide stand auf. Neben sich sah er die Offiziere des Flaggschiffs. Dr. Indica, die Frau, die ihn verwirrte, und Domo Sokrat, das halutische Erzgestein. Jeder starrte gebannt auf die Holos und Schirme. Niemand redete.

Die beiden energetischen Felder kamen zum Stillstand, exakt acht Kilometer vor der RICHARD BURTON, die nun ebenfalls fahrtlos in der Chromosphäre stand.

»Sie machen es spannend«, hörte der Aktivatorträger von irgendwoher. Er nickte.

Er hoffte inständig, keiner falschen Hoffnung aufgesessen zu sein, die letztlich aus ihren eigenen Wünschen geboren war.

Aber was wäre die Alternative gewesen?

Wir brauchen Verbündete!, dachte der Arkonide.

Er nickte grimmig. Und wir werden sie finden!

Und dann fielen die Schleier, als hätten seine Gedanken sie fortgerissen.

*

Trimarane!

Atlan ballte in stillem Triumph die Hände. Ja, er hatte es gewusst!

Die Frage, ob es sich bei den unbekannten Anrufern um potenzielle Verbündete gegen die Terminale Kolonne handeln mochte, hatte ESCHER mit einer Wahrscheinlichkeit von 83 Prozent bejaht. Die Basis seiner Überlegungen war einfach: Wer sich vor den Traitanks versteckte, konnte nicht deren Freund sein.

Es sei denn, dass die Kolonne mit genau dieser Überlegung rechnete und eine Falle stellte. Allerdings für wen?

ESCHER hatte noch weitere Hochrechnungen geliefert: etwa, dass es sich bei den potenziellen Kampfgenossen zu 57 Prozent um Bewohner der Galaxis Hangay handelte, und 43 Prozent sprachen dafür, dass die Fremden Kartanin waren, die beherrschende Spezies dieser Sterneninsel, die selbst vor kaum tausend Jahren aus dem sterbenden Universum Tarkan ins Standarduniversum und die Lokale Gruppe transferiert worden war.

»Es handelt sich um Trimarane der Kartanin«, hörte und las der Arkonide gleichzeitig. »Und zwar um zwei Einheiten des Schlachtschiff-Typs, Gesamtlänge 750 Meter, Länge der beiden Ausleger jeweils 500 Meter. Die maximale Breite beträgt …«

Atlan ließ sich für einen Moment von der bizarren Schönheit der beiden Raumschiffe fesseln, die er zuletzt vor vielen Jahren gesehen hatte und die sich soeben vor ihm aus ihren energetischen Tarn- und Schutzfeldern geschält hatten.

Die beiden »Ausleger« links und rechts vom Hauptschiffskörper verliehen den Trimaranen eine gewisse, ganz besondere Eleganz. Wie Schwingen flossen sie nach hinten mit dem Rumpf zusammen, wobei die strenge Geometrie der Schiffsgebilde durch verschiedene Aufbauten und Einkerbungen überall am Rumpf aufgelockert wurde. Die Farbe der Trimarane war reinweiß und unterstrich ihre wie zeitlos erscheinende Schönheit.

»… sind außerdem als Erkunder, Jäger und Transporter bekannt«, flossen die Informationen weiter, ohne dass Atlan sie bewusst wahrzunehmen brauchte, zu präsent waren sie. »Dabei handelt es sich ausnahmslos um kleinere Typen, die sich …«

Er wartete auf etwas anderes, und dann war das Bild da, kaum eine Sekunde nachdem die BURTON den Richtfunkspruch empfangen hatte.

Aus dem überdimensional groß gezoomten Funkholo blickten dem Geschwaderführer zwei grün schimmernde, große, ausdrucksstarke Augen mit geschlitzten Pupillen entgegen. Sie saßen in einem Gesicht, das schmerzhaft schöne Erinnerungen weckte: Für einen Moment sah Atlan wieder ein anderes Gesicht vor sich, das von Dao-Lin-H’ay, das er im Laufe ihrer gemeinsamen Zeit zu schätzen und lieben gelernt hatte. Dao hatte ihm vieles gezeigt – vor allem aber wie kein anderes »nichthumanoides« Wesen vor ihr, wie unwichtig äußerliche Unterschiede zwischen den Völkern letztlich doch waren.

Bei aller Andersartigkeit ihres Denkens und Fühlens war Dao für ihn menschlicher gewesen als manch Humanoider. Er konnte seinen alten USO-Mitstreiter Ronald Tekener verstehen, der alle Schranken der Vorurteile und falschen Moral beiseitegefegt und sich die Felidin zur Partnerin genommen hatte. Seitdem meisterten die beiden Unsterblichen gemeinsam ihr Leben – jedenfalls soweit er wusste. Beide galten seit gut fünfzehn Jahren als verschollen, mitsamt der SOL.

Verschollen und vermisst in Hangay …

Der Arkonide riss sich zusammen. Diese Kartanin vor ihm in der holografischen Projektion war nicht Dao. Ihr an mehreren Stellen graues und stumpfes Fell verriet auf den ersten Blick, dass sie betagt war – real betrachtet älter als Dao-Lin-H’ay, deren biologisches Alter bei 79 Jahren »festgefroren« worden war, nominal wahrscheinlich sehr viel jünger, da Dao-Lin dank eines Zellaktivatorchips seit dem Jahr 1174 NGZ nicht mehr alterte.

»Mein Name ist Rea-Chi-D’un«, begann die Kartanin ohne unnötige Umschweife. Ihre Stimme klang angenehm, wenn auch bestimmt. »Ich bin die Kommandantin der KITONI, von der aus ich mit euch spreche, und der ASHUKE, die mich begleitet. Ich begrüße die Besucher aus der Galaxis Milchstraße – und hoffe, Freunde vor mir zu sehen.«

Atlan musterte sie erneut.

Die Kartanin konnten ihre katzenhaften Urahnen nicht verleugnen, obwohl ihr Körperbau weitgehend an Humanoide erinnerte. Sie waren groß und elegant von den Füßen bis hin zu den Schultern. Kopf und Hände ähnelten hingegen aufgrund einzelner Merkmale wie den Ohren oder den ausfahrbaren Krallen jenen einer großen Katze, obwohl das Humanoide stark ausgeprägt blieb. Zudem präsentierte sich der sichtbare Teil des Körpers dicht behaart.

Wie Atlan die Kartanin kennengelernt hatte, mochte Rea-Chi-D’un unter ihresgleichen als durchaus attraktiv durchgehen, die wenigen fahlgrauen Stellen des Pelzes fielen nicht weiter ins Gewicht neben dem seidigen, hell und dunkel gescheckten rotbraunen Fell, den ausdrucksstarken Katzenaugen und der schlanken, sehnigen Gestalt. Rea-Chi trug eine am Hals geschlossene grüne Uniform ohne jegliche Abzeichen.

»Ich grüße euch«, wiederholte die kartanische Kommandantin. »Wir haben euch beobachtet, seitdem ihr aus dem Grenzwall gekommen seid. Vielleicht werdet ihr uns enttäuschen. Vielleicht sollten wir uns keine übertriebenen Hoffnungen machen. Aber wir wissen, dass ihr aus der Nachbargalaxis stammt. Die Form eurer Schiffe ist charakteristisch. Und ihr seid hier – damit habt ihr etwas vollbracht, was, unseres Wissens nach, noch niemand vor euch geschafft hat, seitdem es den Grenzwall um Hangay gibt. Und ihr konntet fünf Traitanks vernichten!«

Atlan spürte, wie ihm eine Gänsehaut über den Rücken lief. Er hatte das Gefühl, dass die Kartanin ihn direkt ansah, so als stünde sie leibhaftig vor ihm.

Und er sah das Flehen in ihren Augen. Sie verstellte sich nicht, und das machte ihm Angst. Er kannte keine Kartanin, die derart offensichtlich ihrer Furcht nachgaben. Was bedeutete, dass die Lage in Hangay schlimm sein musste.

»Bitte enttäuscht uns nicht«, sagte sie. »Wir sind einen zu langen Weg gegangen, um jetzt erneut vor dem Nichts zu stehen. Bitte zerstört nicht unsere letzte Hoffnung, die Fesseln zu sprengen, die die Terminale Kolonne TRAITOR unseren Völkern angelegt hat. Bitte antwortet mir …«

*

Atlan nickte langsam.

Es sah also so aus, als wäre ihr Glück ihnen treu geblieben. Zuerst hatten sie das scheinbar Unmögliche geschafft und einen Weg durch den Grenzwall in die Galaxis Hangay hinein gefunden, und nun schien sich auch ihre zweite große Hoffnung zu erfüllen.

Wenn der Arkonide in der Brutstätte des Chaos etwas erreichen wollte, brauchte er nichts dringender als verlässliche Verbündete, Mitstreiter und, vielleicht, sogar Freunde.

Und den Kartanin in den beiden Schiffen ging es ganz offensichtlich ganz genauso.

Er räusperte sich, als er alle Augen auf sich gerichtet sah. Domo Sokrat schwieg ebenso wie die Nexialistin Dr. Indica. Sie hätten mit Sicherheit viel zu sagen gehabt, überließen es ihm aber, der Kartanin zu antworten. Er war der Anführer, das kannte er. Eigentlich war es nie anders gewesen. Ihm gebührte die Ehre, und er trug die gesamte Verantwortung, wenn es danebenging oder er den Kontakt vermasselte.

Die Kartanin, wusste er, legten viel Wert auf Manieren und Höflichkeit. Sie waren Meister des richtig gewählten Wortes und erwarteten das Gleiche von anderen. Er wusste nicht, ob er diesen Ansprüchen gerecht werden konnte, denn er hatte in seinem langen Leben bisher immer genau das gesagt, was er dachte.

»Ich freue mich«, begann er ruhig. »Ich freue mich ehrlich, Rea-Chi-D’un. Wir hatten gehofft, jemanden zu finden, der uns zu einem guten Start in Hangay verhilft.«

Sie neigte leicht den Kopf, die Augen zogen sich beinahe unmerklich zusammen. »Ich verstehe nicht ganz, was …«

Atlan schmunzelte. »Mein Name ist Atlan. Meine Begleiter und ich kommen aus der Milchstraße, deren Welten und Völker von der Terminalen Kolonne bedroht sind. Dort ist ein Punkt erreicht, bei dem keine konventionellen Mittel gegen die Okkupatoren mehr helfen. Wir haben keine andere Wahl, als in die Offensive zu gehen und nach einem verwundbaren Punkt des Feindes zu suchen – hier, wo wir die Wurzel des Übels vermuten, in der im Entstehen begriffenen Negasphäre.«

»Ich verstehe«, erwiderte die Kommandantin.

»Unter anderem hofften wir, auf Widerstandsnester gegen die Kolonne zu stoßen«, fuhr er fort, »mit denen wir uns verbünden können …«

»Unsere Ziele ähneln einander möglicherweise«, gab die Kartanin nach kurzem Zögern zu. »Auch wir stehen allein am Ende unserer Hoffnungen und heißen jeden Verbündeten willkommen – besonders, wenn er gut ausgerüstet und schlagkräftig daherkommt.«

Der Arkonide fühlte eine seltsame Rührung. Die Kartanin sprach nicht wie eine Diplomatin, sondern wie eine Kämpferin. Sie war ehrlich, geradeheraus, aber nicht unhöflich, ließ ihm eine Möglichkeit, sich der Freundschaftsverpflichtung zu entziehen. Er beschloss, diesen Punkt noch eine kleine Weile offenzulassen.

»Ich finde es ein wenig merkwürdig, dass wir euch genau hier treffen«, sagte er. »Ihr konntet wohl kaum wissen, dass wir an diesem Punkt aus dem Grenzwall herauskommen würden – oder …?«

Sie schwieg einen lastend langen Moment. Ihre Ohren zuckten, ihre Mundwinkel kräuselten sich, als ob sie mit sich ränge, wie viel sie verraten durfte.