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An den Grenzen des Verstands - Atlan im Angesicht des Unbegreiflichen Die Lage für Perry Rhodan und die Menschheit ist verzweifelt: Eine gigantische Raumflotte, die Terminale Kolonne TRAITOR, hat die Milchstraße besetzt. Sie wirkt im Auftrag der Chaotarchen, und ihr Ziel ist kompromisslose Ausbeutung. Die Milchstraße mit all ihren Sonnen und Planeten soll als Ressource genutzt werden, um die Existenz einer Negasphäre abzusichern. Dieses kosmische Gebilde entsteht in der nahen Galaxis Hangay - ein Ort, an dem gewöhnliche Lebewesen nicht existieren können und herkömmliche Naturgesetze enden. Mit verzweifelten Aktionen gelingt es den Menschen auf Terra und den Planeten des Sonnensystems, dem Zugriff der Terminalen Kolonne standzuhalten. Sie verschanzen sich hinter dem TERRANOVA-Schirm und versuchen, die Terminale Kolonne zumindest zu stören. Währenddessen sind die Angehörigen des sogenannten Hangay-Geschwaders in der Galaxis Hangay eingetroffen, um vor Ort gegen TRAITOR vorzugehen. Zu den Mitstreitern der Menschen gehören kleinwüchsige Wesen, die Mom-Serimer. Mit ihnen geht Atlan in den Einsatz - sein Ziel ist DER UNENDLICHE RAUM...
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Seitenzahl: 146
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Nr. 2461
Der unendliche Raum
An den Grenzen des Verstands – Atlan im Angesicht des Unbegreiflichen
Horst Hoffmann
Die Lage für Perry Rhodan und die Menschheit ist verzweifelt: Eine gigantische Raumflotte, die Terminale Kolonne TRAITOR, hat die Milchstraße besetzt. Sie wirkt im Auftrag der Chaotarchen, und ihr Ziel ist kompromisslose Ausbeutung.
Die Milchstraße mit all ihren Sonnen und Planeten soll als Ressource genutzt werden, um die Existenz einer Negasphäre abzusichern. Dieses kosmische Gebilde entsteht in der nahen Galaxis Hangay – ein Ort, an dem gewöhnliche Lebewesen nicht existieren können und herkömmliche Naturgesetze enden.
Mit verzweifelten Aktionen gelingt es den Menschen auf Terra und den Planeten des Sonnensystems, dem Zugriff der Terminalen Kolonne standzuhalten. Sie verschanzen sich hinter dem TERRANOVA-Schirm und versuchen, die Terminale Kolonne zumindest zu stören.
Währenddessen sind die Angehörigen des sogenannten Hangay-Geschwaders in der Galaxis Hangay eingetroffen, um vor Ort gegen TRAITOR vorzugehen. Zu den Mitstreitern der Menschen gehören kleinwüchsige Wesen, die Mom’Serimer. Mit ihnen geht Atlan in den Einsatz – sein Ziel ist DER UNENDLICHE RAUM …
Atlan – Der Arkonide stößt mit einer sonderbaren Einsatzgruppe zu einem Entropischen Zyklon vor.
Mirk Unamato – In der Stunde der Not wächst der Leutnant der Mom’Serimer über sich hinaus.
Gix Inteuker –
20. März 1347 NGZ
Trommeln der Schlacht
Natürlich hatte er nie aufgegeben! Kein Gedanke! Er doch nicht – Atlan, die Legende, sein unsterblicher Held!
Wie hatte er je daran zweifeln können? Atlan wusste von Anfang an ganz genau, was er tat. Hatte knallhart kalkuliert, wie Legenden das tun. Vielleicht wollte er ihn ja auch nur auf die Probe stellen, um zu sehen, ob er an ihm zweifelte …
Nie! Niemals wieder würde er das tun!
»Äh … Unamato? Ich meine, Leutnant Unamato? Bist du in Ordnung? Geht es dir gut? Ich meine, wieder gut. Mann, du hast uns alle verrückt gemacht, wenn du weißt, was ich meine. Hast uns acht Tage lang die Ohren voll gejammert und geheult. Hey, wir sind Helden! Wir …«
»Stopp!«
Kadett Gix Inteuker schien ihn nicht zu hören. »Helden, verstehst du? Wir sind die Soldaten der NACHT … und ziehen lachend in die Schlacht!«
»Stooohooppp! Bitte …!«
Der Kadett starrte ihn an und verstummte, aber nur für eine Zehntelsekunde. »Es geht dir nicht gut, was? Ich meine, es ist … Oje, Unama, kann ich dir vielleicht helfen?«
»Jaaaa!«, schleuderte der Kontaktoffizier, Chef der Mission und Atlan-Interpreter, dem hektisch um ihn herumtänzelnden Inteuker mit bebenden Kopftentakeln entgegen. »Halt endlich den Mund! Nur für eine einzige Sekunde! Und nenn mich nicht Unama!«
Der junge, ehrgeizige Mom’Serimer starrte noch zwei der erwähnten Zeiteinheiten, für seine Verhältnisse eine mittlere Ewigkeit, dann sackte er in sich zusammen und schlich wie ein geprügelter Hund zu einem Schemel in der Ecke der Kabine, in der Unamato normalerweise seine Füße hochlegte.
Der Leutnant wartete mit misstrauisch zusammengekniffenen Augen, ob er nicht gerade einer Halluzination oblag. Erst als der Kadett der Armee der NACHT bereits volle drei Sekunden schwieg, wagte er wieder zu atmen.
Vielleicht tat er ihm ja unrecht. Inteuker war ein guter Soldat, das hatte er im TRAI-Versorger TRUCKER bewiesen, als er dem Kommando den Rücken freihielt, das, unter Atlans und seiner Führung, den Zyklon-Scout erbeutete.
Aber viel schlimmer war, dass er Atlan bitter unrecht getan hatte.
Wie hatte er nur annehmen können, dass der Unsterbliche von seinem Plan abgewichen war, zuerst einen Zyklon-Scout der Kolonnen-Geometer zu erobern und mit diesem einen »leibhaftigen« Entropischen Zyklon – nämlich AKAZU, der im Raumsektor 3-Vutavan erwartet wurde!
Er erhoffte sich, in und mit diesem Zyklon, bei dem es sich um ein gigantisches Raumschiff der Chaosmächte handelte, endlich ins Innere der Galaxis Hangay vorzudringen, in die bislang unerreichbare, abgeschottete Kernzone.
Denn eben dies war unumgänglich, wenn er die Vollendung der Negasphäre Hangay verhindern wollte – und damit Tod und Verderben auch von seiner eigenen Heimat abwenden, der Milchstraße.
»Äh … Leutnant?«
Nie hatte der Arkonide auch nur eine Sekunde – selbst wenn dies bei ihm und seinesgleichen eher wenig war – an Aufgabe gedacht!
Nein, die Trommeln der kommenden Schlacht schlugen schon wieder, und zwar sehr laut. Es ging weiter. Jetzt wurde es richtig ernst!
Unamato musste es zugeben: Er hatte gezweifelt und, als er nach seinem heroischen Einsatz zur Ruhe kam, das Ganze für einen Fehlschlag gehalten. Denn sie waren nicht nach AKAZU gelangt. Im Gegenteil, fast wären sie in seiner furchtbaren Strahlung elend gestorben, so wie die Oahm’Cara an Bord ihres Scouts.
Und die beiden, die aussahen wie Kolonnen-Motivatoren … aber irgendwie furchtbar anders waren. Und die dann auch anders gestorben sind.
Er wollte nicht daran denken müssen.
Aber er hatte sie getötet, wenn auch in einem Zustand, den er mittlerweile eher fürchtete als anstrebte.
»Una…mato? Leutnant Unamato …? Ich meine … Die anderen warten im Hangar auf uns. Es wird langsam Zeit …«
Atlan hatte vorgehabt, mit dem Scout-Schiff direkt zum Zyklon zu fliegen, da konnte er ihm nichts vormachen! Aber die Dinge waren anders gekommen, und es machte die wahre Größe eines Helden, einer Legende aus, in der Stunde der Verzweiflung blitzschnell umzudenken und glasklar neue Entscheidungen zu treffen!
Dass er acht Tage gebraucht hatte, um seinen treuesten Verbündeten – also ihn – in seine neuen Pläne einzuweihen, war nicht eben schön, aber das gehörte zu jenen kleinen Schwächen, die man auch einer unsterblichen Legende zubilligen musste. Atlan liebte die Überraschungen, da unterschied er sich nicht sehr von Tekener, der an allem schuld war.
Zugegebenermaßen hatte Atlan schon nach ihrer Rückkehr vom letzten Einsatz durchblicken lassen, dass die Mom’Serimer auch bei der nächsten Unternehmung mit dem eroberten Scout-Schiff mit von der Partie sein würden. Aber das war eine ganze Woche her – eine ganze Woche! Und zwischenzeitlich hätte der große Arkonide ihm wirklich verraten können, was er vorhatte!
Sicher genoss er das Erstaunen und die Bewunderung seitens seiner Mitkämpfer – also von ihm und den Soldaten der NACHT, die mit ihm abermals in die Schlacht ziehen würden.
»Unamato? Leutnant? Du … bist so blass geworden! Was ist denn? Kann ich etwas für dich tun? Ich meine …«
»Wir werden Atlan wieder begleiten!«, unterbrach Unamato ihn voller Pathos und richtete sich zur vollen Größe von stolzen 126 Zentimetern auf, deren optische Wirkung durch die Wucht seines gut gerundeten Körpers unterstrichen wurde. »Es wird hart werden, Kadett, verdammt hart!«
»Das sagtest du schon zehnmal«, schnatterte es seufzend an sein Ohr, aber er hörte es nicht. »Äh, Leutnant, ich wollte nur daran erinnern, dass wir im Hangar erwartet werden und …«
»Es wird sogar ganz sehr verdammt hart werden!«, proklamierte der Kontaktoffizier der hundert Mom’Serimer auf der RICHARD BURTON. Die Brust war bereits so stark aufgebläht, dass er bedenklich zu schwanken begann.
»Wir werden in das namenlose Grauen zurückkehren, dem wir nur knapp entronnen sind! AKAZU! Der Entropische Zyklon, der seine tödliche Ernte im Sektor 3-Vutavan eben erst beendet und eine leblose Öde aus totem All hinterlassen hat …«
»Leutnant Unamato … Atlan wartet …«
»Der Zyklon, das Böse schlechthin! Wir werden die Verzweiflung kennenlernen, Schmerzen und Tod, Panik und Verderben, und …«
»Die unendlichen Weiten …« Selbst Inteukers Stimme nahm sich Zeit für einen langsamen Schlenker, aber nicht der Begeisterung. »Wenn wir … wenn du nicht bald auf die Reihe kommst, fliegt deine Legende ohne uns ab. Oder ist es genau das, was du willst?«
»Flammen und Tod, die Schreie der Sterbenden, das …« Er stockte, drehte den Kopf, holte den Blick aus den endlosen Fernen zurück und fixierte seinen Untergebenen. »Was hast du gesagt, Kadett Inteuker?«
»Ich habe gar nichts gesagt …«
»Dass ich Angst habe und mich … vor dem Einsatz mit Atlan drücken will?«
»Aber nie, Leutnant!«, schmetterte der Offiziersanwärter der Armee der NACHT. »Du und Angst … das ist lächerlich, oder? Ich meine …«
»Ich habe grässliche Angst, Kadett Inteuker.« Unamato schloss für einen Moment die Augen. »Angst wie noch nie in meinem Leben. Wohin wir gehen, ist das Nichts. Das Gegenteil von Leben und Licht. Nichts mehr, Kadett Inteuker, verstehst du?«
Er öffnete die Lider, und sie sahen sich an.
Zwei Sekunden, drei. Ewigkeiten für einen Mom’Serimer.
»Ja, Leutnant«, flüsterte es schließlich, irgendwo verloren im Raum, fast wie ein Vorgeschmack auf das, was sie in wenigen Tagen erwartete. »Und ob ich verstehe. Soll ich dir was sagen? Ich habe auch Angst, aber …«
»Wir sind Helden!«, rief Unamato gegen die beklemmende Kälte, in der er zu schwimmen glaubte. »Und Atlan verlässt sich auf uns! Er braucht uns … und genau deshalb werden wir unser Bestes geben! Wir werden kämpfen wie nie zuvor!«
»Ich bewundere dich, Unamato.« Inteuker war zum Türschott gegangen, das bereits offen stand. »Du bist auch ein Held, wenigstens für mich. Aber … können wir jetzt?«
»Wo ist die Gruppe?«, fragte der Chef der Mission.
»Äh … die neun anderen warten schon längst im Hangar, wo auch Atlan ist. Wir sind die Letzten …«
Unamato nickte grimmig. »Nicht mehr lange, Kadett Inteuker. Folg mir endlich! Ohne Tritt … marsch!«
*
In einem irrte Leutnant Mirk Unamato, denn Atlans Entscheidung, jetzt an die Realisierung seines tollkühnen Plans zu gehen, war nur wenige Stunden vor dem bevorstehenden Abflug gefallen.
So lange hatte der Arkonide warten müssen. Die Zeit brannte ihm und allen Expeditionsmitgliedern unter den Nägeln, denn mit jedem Tag, den sie untätig vergehen lassen mussten, wuchs die Kraft des Chaos in Hangay weiter – unaufhörlich dem Punkt entgegen, an dem es keine Umkehr mehr gab und die Negasphäre nicht mehr zu verhindern wäre.
Aber eine ziellose Aktion ohne ausreichende Hintergrundinformationen hätte ihnen auch nicht geholfen, sondern allenfalls das bereits Erreichte zunichtegemacht.
Den Ausschlag hatten die Meldungen gegeben, die Atlan von den LFT-BOXEN ATHOS und ARAMIS erhalten hatte, die als Aufklärer in Hangay operierten. Sie besagten, dass der Entropische Zyklon AKAZU seine Todesernte im Sektor 3-Vutavan beendet hatte. Was dort jemals an Leben existiert hatte, war ausgelöscht und im Zyklon gespeichert.
Den beiden BOXEN war es gelungen, den Funkverkehr der Kolonnen-Einheiten am Rand des Sektors abzuhören. Aus ihm ging hervor, dass AKAZU keinesfalls zur Entladung weiterzog, sondern ein zweites Ziel anvisierte, das mit 4212 Lichtjahren nicht weit vom Stützpunkt der Galaktiker, Win-Alpha, entfernt lag.
Es handelte sich um den galaktischen Sektor Traukis.
Es war der Ausschlag gewesen – genau das, worauf Atlan gewartet und gehofft hatte.
Der erbeutete Zyklon-Scout mit der Registernummer 30.086.018, den man inzwischen auf den leichter zu handhabenden Namen LOOKOUT getauft hatte, war bis vor knapp drei Stunden in einem Hangar des Tenders ERIDANUS XIII im Orbit um Winola III untergebracht gewesen, auf dessen Landefläche auch die RICHARD BURTON verankert war.
Die Techniker waren selbst jetzt, als das Fahrzeug im Hangar der BURTON lag, dabei, den Umbau, vor allem im Inneren des buckelförmigen Kolonnen-Fahrzeugs, abzuschließen. Von außen sah es nun so aus, als sei es durch eine Explosion an Backbord schwer beschädigt worden – und zwar von außen.
Genauer gesagt: etwa so, als wäre direkt neben dem Schiff ein TRAI-Versorger explodiert.
Dutzende Techniker und Roboter umlagerten noch immer das Objekt in dem Hangar, und mindestens die gleiche Zahl befand sich an Bord und legte letzte Hand an die Veränderungen, die für einen erfolgreichen Einsatz der LOOKOUT ebenso unerlässlich waren wie riskant.
Für den Einsatz, den Ernstfall, auf den alle Planungen des Arkoniden von Anfang an abgezielt hatten.
Ohne den Tender hätten sie das Scout-Schiff niemals so schnell und überzeugend umbauen können, weshalb es sich als notwendig erwiesen hatte, die sechs Tage Rückflug von 3-Vutavan nach nur zweitägigem Aufenthalt dort in Kauf zu nehmen.
»Und du bist sicher, dass du die richtige Auswahl getroffen hast?«, fragte Indica so leise, dass die bereits angetretenen neun Mom’Serimer es nicht hörten. »Dein Leutnant ist jetzt schon …«, ihr Blick fand die Chrono-Anzeige, »… sechs Minuten überfällig. Im Ernstfall kann das über Tod oder Leben entscheiden.«
»Lass ihn«, erwiderte der Arkonide. »Es ist für die Kleinen nicht leicht. Sie sind relativ immun gegen die Entropiestrahlung des Zyklons, deshalb wurden sie ausgewählt. Aber sie haben das bereits einmal mitgemacht, als wir die LOOKOUT kaperten. Das ist bei ihnen alles noch sehr frisch, Indica.«
Sie schüttelte den Kopf. »Nein, Atlan, das sehe ich anders. Wenn es hart auf hart kommt, kannst du darauf keine Rücksicht nehmen. Es steht zu viel auf dem Spiel – nicht nur euer Leben.«
Es war nicht wenig, was er sich zum Ziel gesetzt hatte. An erster Stelle wollte er mit dem Scout ins Innere von AKAZU gelangen. Zweitens ging es ihm darum, das Geheimnis der Entropischen Zyklone zu lüften, und letztlich lief alles darauf hinaus, mit AKAZU durch den Kernwall in das Innere von Hangay zu gelangen.
Die LOOKOUT sollte dazu ihr Vehikel sein. Allerdings hatte er sich bereits einige Hoffnungen abschminken müssen.
Es war ihnen nicht möglich, wie er es sich gewünscht hätte, das Scout-Schiff regulär zu steuern, da die Rechneranlage des Fahrzeugs nicht von ihren »Zugriffsrechten« überzeugt werden konnte.
Zudem war es ihnen nicht gelungen, in die Datenbanken des Rechners einzudringen, sodass von dort keine präzisen Informationen über die Entropischen Zyklone zu erhalten waren.
Und letztlich war die Besatzung des Scouts ausnahmslos ums Leben gekommen, als AKAZU mit seinen Ausläufern das Schiff berührte. Alles Wissen, das sie vielleicht über die Zyklone gehabt hatten, war verloren.
Die Hoffnung, die LOOKOUT gegenüber der Kolonne »einfach so« als Nachzügler auszugeben und darauf zu setzen, dass sie sich quasi vom Autopiloten zu ihrer Basis – dem Zyklon – zurückfliegen ließ, hatte der Unsterbliche schon längst begraben. Auf diese Weise kamen sie nicht an ihr Ziel.
»Wir werden so vorgehen, wie wir es gesagt haben«, versetzte er. »Ich werde mit den elf Mom’Serimern, die mich schon einmal begleitet haben, wieder an Bord gehen und mich verstecken. Gut abgeschirmt natürlich, damit uns niemand entdecken kann.«
»Die letzten Techniker verlassen das Schiff«, sagte Indica mit Blick auf die Einheit, die in gespenstischer Stille im kalten Licht der Hangarbeleuchtung wartete. »Sie haben alles für euch hergerichtet, aber es wird verdammt eng da drin werden.«
»Das ist mir klar«, bekannte der Arkonide.
»Ich denke vor allem an die Mom’Serimer«, ergänzte die Nexialistin. »Ich kann mir nicht vorstellen, wie es ein Hektikbündel, für das ganz andere Zeitmaßstäbe gelten als für uns, auch nur für eine Stunde in einem so kleinen Gefängnis aushalten kann. Ich fürchte, deine Freunde stehen das nicht einmal ein paar Minuten durch.«
Atlan lächelte. Für einen Moment lockerte sich die ganze Anspannung der letzten Tage und Wochen auf seinem Gesicht.
»Tekener hat sie uns geschickt und gewusst, was er tat. Wo ich mit ihnen hingehe, kann kein Terraner existieren. Sie aber können es, und sie wollen uns etwas beweisen. Sie können mit Recht verlangen, dass wir an ihre Qualitäten glauben.«
»Das spricht ihnen keiner ab«, erwiderte sie mit einem Seufzen. »Nur …«
»Da kommen sie ja.«
Indica verstummte und drehte den Kopf.
Der Marschschritt hallte den beiden Soldaten der NACHT voraus, ehe sie den Hangar betraten und vor Atlan und Indica stehen blieben.
»Leutnant Unamato und Kadett Inteuker melden sich zum Einsatz!«, proklamierte ein bereits hörbar außer Atem geratener Mom’Serimer so langsam und verständlich, dass man ihn ohne Anstrengung verstehen konnte.
Das war es, was Unamato in den Augen der Galaktiker auszeichnete. Für seine Artgenossen mochte er langsam, lahm und behäbig sein – für die Terraner und Atlan war er fast eine Art Translator. Genau aus diesem Grund durfte er sich Kontaktoffizier nennen.
»Wir sind die Armee der NACHT … und ziehen munter in die Schlacht!«
»Das hat er von mir geklaut!«, protestierte Kadett Inteuker schrill.
»Du kannst dich beruhigen«, seufzte Alan. »Es ist nur eine Übung, damit ihr euch mit dem Inneren der LOOKOUT vertraut machen könnt …«
26. März 1347 NGZ
Abflug
Es war ein schwer definierbares Gefühl, wieder am Rand des 3-Vutavan-Sektors zu stehen – jenes riesigen kosmischen Gebiets, das von AKAZU »leer gefischt« und von allem befreit worden war, was ihn jemals mit Leben erfüllt hatte.
Es gab nichts mehr, was atmete und wuchs. Was mit dem Licht seiner Sonne einen neuen Tag begrüßte. Es gab nichts und niemand mehr, der mit dem Morgen seiner Welt aufgewacht und mit dem Abend wieder in den Schlaf gegangen wäre. Kein Wachen, kein Schlaf, keine Freude am Dasein und keine Trauer. Es gab keine belebten Planeten mehr, sondern nur noch tote Schlackekörper oder Kugeln aus Gas ohne ein einziges vitales Molekül.
Atlan versuchte, sich vorzustellen, wie das war – vollkommene Leere, selbst das Fehlen von Gedanken. Auf den Planeten gab es keinerlei organische Verbindungen mehr, würden sich die ersten belebten Moleküle von Neuem bilden müssen – vielleicht morgen, möglicherweise auch erst in tausend oder einer Million Jahren.
Und wenn es geschah, wenn er und die Seinen nicht die Genese der Negasphäre stoppten, würde es chaotisches Leben sein, fremder als jedes Alien genannte Geschöpf, das ihm jemals begegnet war.
»Hör auf zu denken«, sagte Indica. »Hier ist es Gift.«
Der Arkonide nickte und sog die Luft ein. Das Luftgemisch in der Zentrale der RICHARD BURTON kam ihm stickig und abgestanden vor, sein Schiff wie eine Blase der Wärme und des Seins in einer Wüste aus Nichtsein.
»Noch zwanzig Minuten bis zum Ausschleusen der LOOKOUT, Atlan«, bemerkte die Nexialistin. »Die Mom’Serimer sind bereits vollzählig im Hangar angetreten – deine elf Freiwilligen. Sogar Leutnant Unamato ist schon da.«
»Nur keinen Neid aufkommen lassen«, entgegnete er.
»Du musst ebenfalls gehen. Wenn du den Plan noch einmal durchsprechen willst, ist jetzt die letzte Gelegenheit. Ist das Scout-Schiff erst einmal im All, werdet ihr auf euch allein gestellt sein – falls es überhaupt zu einer Übernahme durch Kolonnen-Einheiten kommt.«
Die letzte Gelegenheit …
